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Die Darcys auf Pemberley Teil XXVII

von Bihi
Kurzbeschreibung
GeschichteFamilie, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Charles Bingley Elizabeth Bennet Fitzwilliam Darcy Jane Bennet OC (Own Character)
12.10.2018
30.11.2018
37
58.425
13
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26.10.2018 1.523
 
Im Haushalt der Higgins wurde beim Frühstück so viel wie sonst nie gelacht. Gerald hatte erzählt, dass es ihm sehr peinlich gewesen war, den Abend zu eröffnen.
„Was hattest Du denn erwartet, wenn die Baronesse debütiert und Du sie aufforderst? Das war doch schon am Schmuck zu erkennen, wer die Baronesse ist, nicht wahr?“
„Ich hatte gedacht, die mit dem goldenen Haarschmuck ist die Baronesse.“
„Die Baronesse trug das Diadem.“
„Mag sein, das habe ich in der Aufregung gar nicht bemerkt. Trug sie viel Schmuck? Oder wenig, aber teuer?“
„So etwas Naives hat debütiert! Es war viel, nur erlesene Unikate. Schließlich sind das die Darcys.“
„Hast Recht, hätte ich mir selbst denken können. War das nicht Silber mit Murano? Zumindest das Collier, nicht wahr? Murano-Glas ist schließlich teuer.“
„Murano!! Das ist alter Familienschmuck, alles Rubine! … Wie steht 's, kommst Du Silvester mit den Segenswünschern mit?“
„Welche Tour denn?“
„Erst hier in Lambton rum, zu den wichtigen Leuten, dann mit Pferdeschlitten erst zu den Altenhäuschen und dann in den Park bis vor den letzten Hügel. Den Rest bis zum Haus gehen wir zu Fuß. Ach nein, wenn der Schnee dann immer noch so hoch liegt, fahren wir besser zum Haus. Keiner von uns hat Lust, das neue Jahr mit einem gebrochenen Bein zu feiern.“
Gerald sah seinen Onkel verwundert an, entschuldigte sich und trat ans Fenster. Tatsächlich, seit seiner Heimkehr musste es nicht ganz zwanzig Zoll Neuschnee gegeben haben. „Und wir fahren in dem Schnee wirklich raus? Natürlich vorausgesetzt, das ändert sich nicht bis Silvester.“
„Warum nicht? Wir gehören zu den wichtigen Leuten, können also nur in der letzten Gruppe mitmachen. Wenn Pemberley unmöglich ist, erfahren wir das, bevor wir den Schlitten anspannen.“
„Also ruhig und langweilig ist das Leben hier nicht gerade!“
„Das sage ich doch die ganze Zeit! Ich gebe aber zu, dass ich anfangs auch so gedacht hatte.“

*

Die Malcolms hatten auf Pemberley übernachtet. Auf Fannys Debüt konnten sie doch nicht vorzeitig gehen! Sie waren nicht davon begeistert, im Dunklen durch den Park und die freie Landschaft fahren zu müssen, und waren relativ leicht dazu zu überreden, ein Gästezimmer auf Pemberley anzunehmen. Die Entscheidung wurde noch dadurch erleichtert, dass der Schneefall gerade einsetzte und am nächsten Tag keine Gottesdienste waren. Man konnte also abwarten, wie die Sache bei Tageslicht aussehen würde.
Fanny und Charleen waren lange vor dem Frühstück zu ihren Eltern gehuscht. Die waren zwar bei dem Debüt dabei gewesen, aber natürlich mussten sie sich – verschlafen, wie sie waren – den aufgeregten Bericht Fannys anhören. Sie waren froh für Fanny, weil aus jeder Silbe die Freude sprach, dass sie keine gesellschaftlichen Unterschiede verspürt hatte. Sie nannte es nicht so, aber sie meinte es. Sie hatte ja Recht: Hätte sie in Lambton debütiert, wäre sie die Pfarrerstochter gewesen. So war sie ein geschätzter Gast Lord Darcys gewesen.
Die Eltern waren von Herzen dankbar, dass der wichtige Abend so glücklich gewesen war.
„Thomas, ich kann mich nicht mehr erinnern, wie mein Debüt war, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass ich nicht so glücklich gewesen war wie Fanny heute.“
'Natürlich war sie das nicht – bei der Mutter!'

*

Etwa zur gleichen Zeit schlich Louisa zu ihren Eltern. Sie lieferte ihnen jedoch keinen Bericht vom Abend.
„Mama und Papa, ich wollte mich nur so ganz ohne Zuhörer bei Euch bedanken. Ich gebe zu, dass ich eigentlich traurig war, bis zum Osterball warten zu müssen. Dieses Debüt war eine einmalig schöne Überraschung. Susanna und Hermione haben erzählt, dass man sie auf ihren Debüts hat spüren lassen, dass sie nichts als dumme Gänschen seien. Das war hier ganz anders, ich war immer junge Dame, und deshalb bin ich so froh, dass Ihr die tolle Idee hattet.“
„Wer sind denn die beiden Damen?“
„Das sind Susan und Hermine aus meinem Malkurs. Seit ihrem Debüt haben sie ihre Vornamen geändert, damit sie vornehmer klingen.“
„Entschuldige mal, damit haben sie doch bewiesen, dass sie dumme Gänschen sind, oder hast Du Dir etwa auch schon überlegt, wie Du Dich jetzt nennen könntest? Vielleicht Louisiana oder Liselotte? Klingt doch sehr exotisch, ein Name eine französisch-englische Mischung der andere aus Deutschland. Vielleicht ist es Dir aber lieber, exotische Formen für Marie zu finden?“
„Bloß nicht!! Erstens ist das doof und zweitens will ich nicht wissen, was Walter und Lewis dazu sagen würden, wenn ich das auch nur laut dächte.“
Schon war sie wieder verschwunden. Das mit der geringschätzigen Behandlung der Debütantinnen hatten Anne und George auch schon von einigen verletzten Eltern gehört und waren deshalb übereingekommen, den Ball auf Pemberley für das Debüt zu wählen. Damit hatte ihre Louisa wenigstens eine wundervolle Premiere, gleich, wie sie auf den folgenden Bällen behandelt wurde. Das Hofball-Debüt wollten sie ihr außerdem ermöglichen. Das hätte Lady Catherine sicher so gewollt. Der Earl hatte bereits zugesagt, um Karten zu bitten.

*

Das erste Frühstück fiel aus, das zweite war sehr verspätet, eher ein Nuncheon. Die Kleinen bekamen natürlich ihr Frühstück, als sie Hunger anmeldeten. Aber selbst Silvia mochte nicht so sehr früh aus dem Bett bzw. von der Matratze kommen.
Agatha war begeistert, als sie den frischen Schnee sah. Weniger begeistert war sie, als ihr Papa sie spaßeshalber einfach in den Schnee stellte. Da konnte sie doch noch weniger laufen als gewöhnlich! Sie merkte selbstverständlich nicht 'noch weniger'; für ihr Gefühl war es 'nicht', denn sie dachte natürlich, dass sie gut laufen konnte. Jedenfalls strahlte sie ihren Papa an, als er sie nach einer sekundenlangen Ewigkeit wieder aus der Masse herausholte. Er hatte gerade lange genug gewartet, bis sie den ersten Schritt machen wollte. Schließlich sollte sie nicht krank werden, nur vorsichtig.
Sie hielt in den nächsten Tagen Abstand von der Haustür. Um die Lektion nicht zu verderben, wurde sie draußen grundsätzlich getragen, selbst auf den geräumten Wegen.
Von diesem Schreck musste Agatha sich erst einmal bei einem guten Frühstück erholen: Porridge mit Honig, dann Rührei und kandierte Melone und zum Abschluss zwei Kekse. Dazu zwei Becher Schokolade. Sie würde sowieso das Haus nicht verlassen. Im Haus musste man einfach darauf achten, dass ihr schnell genug die Windel oder Polsterhose gewechselt wurde. Die Melone aß sie nicht wirklich. Sie lutschte den Zucker, so gut es ging, und spuckte den Rest wieder aus. Marc traute sich nicht an fremde Genüsse und wollte weder Honig noch Melone. Er freute sich über Erdbeerkonfitüre auf seinem Porridge, das kannte er ja. Immerhin aß er auch begeistert sein Röstbrot. Man scherzte am Tisch darüber, dass die wagemutige Eliza einen so vorsichtigen Sohn hatte.

*

Fitzwilliam wusste nicht, ob er die Malcolms dazu überreden konnte, auf Wetterbesserung zu warten – und eine weitere Nacht auf Pemberley zu verbringen. Kamen sie bei dem Schnee überhaupt heil bis nach Lambton? Er ließ zwei der Ackergäule vor eine Egge spannen, die mit kräftigen Bohlen belegt war, um gutes Gewicht zu bringen. Die sollte den Weg ein wenig verfestigen, notfalls bis zur Stadtgrenze von Lambton. Selbst, wenn es wieder schneien sollte, würde wenigstens die untere Schicht stabiler sein. Der Neuschnee würde dann hoffentlich nicht wieder in solchen Mengen fallen.
Zwei Knechte machten sich auf den Weg, versorgt mit einem warm ausgepolsterten Korb mit zwei Krügen Hühnerbrühe und zwei großen Löffeln. Auf etwas mehr als halbem Weg trafen sie eine Gruppe aus Lambton, die die gleiche Idee gehabt hatte. Versorgungsfahrten waren also jetzt möglich. Auf dem Rückweg hielten sie bei den Altenhäuschen, um nach dem Holzvorrat zu sehen. Während sie die Vorräte aufstockten, stellten sie ihre Krüge ans Feuer, um sie wieder aufzuwärmen. Danach ging es weiter zum Pemberley House. Jeder führte das Gespann, bis der andere drei Löffel Brühe genommen hatte und die Wärme sich vom Magen aus ausbreitete. Dann wurde gewechselt. Als Fitzwilliam vom Abstecher erfuhr, bekamen sie noch zusätzlich Würzwein als Dank für die Hilfe bei den beiden alten Frauen.

*

Als alles soweit vorbereitet war, wurden die Malcolms gefragt, wie sie es halten wollten. Er schwankte ein wenig. Einerseits sollte er wohl für die Gemeinde im Haus sein, andererseits war es doch viel sicherer, wenn sie noch einen Tag warteten.
Mary gab schließlich den Ausschlag: „Wenn es nur um Dich und mich ginge, würde ich sofort fahren wollen. Aber wir haben auch die Sicherheit unserer Kinder zu bedenken. Lass uns doch lieber noch einen Tag hier warten.“
Dass es hier für sie bequemer war, weil sie sich weder um Wärme noch um die Küche kümmern musste, erwähnte sie nicht. Die Dame für die Armenspeisung hatte einen Schlüssel zur Pfarrhausküche; so wurden die Armen nicht vernachlässigt, selbst wenn die Pfarrersfrau verhindert war.
Den 'Kindern' war es sehr recht, schließlich gab es hier nicht nur köstliches Festessen, sie konnten auch wieder ohne Zeitverlust, wie Charleen sagte, mit den anderen im Schnee toben. Nur gut, dass sie nicht bereits in ihren feinen Kleidern gekommen waren, sondern sich erst hier umgezogen hatten. Da war sie für den Rodelhügel bestens ausgerüstet – bis auf die Flanell-Beinkleider. Die wurden ihr von Annie geliehen.

*

Ja, der Haushügel war zur Freude der Kinder jeder Größe freigegeben, aber weder der Hügel mit dem Zelt noch die Höllenfahrt konnte vor Silvester noch einmal genutzt werden. Das war bei den Mengen von Neuschnee einfach nicht zu verantworten.
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