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Die Darcys auf Pemberley Teil XXVII

von Bihi
Kurzbeschreibung
GeschichteFamilie, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Charles Bingley Elizabeth Bennet Fitzwilliam Darcy Jane Bennet OC (Own Character)
12.10.2018
30.11.2018
37
58.425
13
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25.10.2018 1.220
 
Fanny hatte darum gebeten, schon am Nachmittag nach Pemberley zu fahren. Sie wollte nicht riskieren, in einer zerknitterten Robe zu erscheinen. Mary glaubte sich zu erinnern, dass ihre Mutter bei ihrem Debüt nicht so viele Gedanken an ihre Aufmachung verschwendet hatte, Jane und Elizabeth, ja, aber nicht ihre Mutter. Aber sie gönnte ihrer Tochter diese Aufregung. Sie war auch mit dem goldenen Haarschmuck einverstanden.
Es war ja für das Debüt. Da galten andere Regeln. Die jungen Damen ihrer Kreise waren nach ihrem Debüt nie so herausgeputzt, bis sie vom Verlobten Schmuck geschenkt bekamen. Wenn es alle so machten, konnte sie sich nur glücklich schätzen, dass Elizabeth so edlen und doch schlichten Schmuck zu verleihen hatte. Aber mehr noch als Elizabeth und Darcy dankte sie ihrem Gatten, der so geistesgegenwärtig seiner Tochter das Debüt gerettet hatte.

Das hatte er ihr nicht stolz erzählt, sondern zerknirscht, weil er sich herausgenommen hatte, einem Adligen vorzuschreiben, wie er seinen Ballabend zu organisieren habe. Sie ging aber davon aus, dass es Schwager Darcy nichts ausmachte. Schließlich war es ja auch Gigis Debüt, gut, auch Johns und Louisas. Aber immerhin, vor allem Fannys, wenn man ihre Brüder fragte.

Nach der üblichen Aufregung und den inzwischen schon traditionellen Komplimenten Arthurs – für Fanny war es ein 'Du bist einfach gesamt schön!' – trafen dann die Gäste ein. Natürlich hatten alle Gäste es ermöglicht, die Termine zu vertauschen. Schließlich ging es doch um einen Ball auf Pemberley.

*

Nach der Vorstellung der Debütanten, neben den Hausgästen und Baronesse Georgiana waren es noch Brian Freeholder und Gerald Higgins, ein Neffe des Notars in Lambton, sollten die drei Paare Aufstellung nehmen um den Ball zu eröffnen. Higgins forderte die Baronesse auf, Brian Fanny und John Louisa.
Higgins sah entsetzt, dass er an erster Stelle stand. Er hatte in seiner Aufregung die Damen verwechselt und, statt Fanny, die er für die Baronesse hielt, lieber Gigi gewählt. Am nächsten Morgen würde er mit seinem Onkel darüber lachen können, aber nun, in dieser Situation, war ihm das wirklich unangenehm.
Die Musik war anfangs höfisch, dann für den breiteren Mittelteil eher ländlich. Das war inzwischen gute Tradition. Ohne höfische Musik war es nach Meinung der jungen Leute kein richtiges Debüt, und ohne Walzer und Reels war es kein richtiges Vergnügen.
Das Essen war exquisit wie immer und die Gäste waren entzückt, dass es mehr Wild gab als sonst. So viel waren dem hohen Herrn seine Gäste wert!
Während des zweiten Teils tanzte Gigi auch einmal mit Brian.
„Bitte nehmt es nicht als Kritik, ich bin einfach nur neugierig. Aber wir waren in der Schule doch in unterschiedlichen Jahrgängen, nicht wahr?“
„Ja, und ich sage Euch die Wahrheit, weil ich weiß, Ihr werdet es nicht weitertragen: Ich wollte im letzten Jahr schon kommen, aber mein Vater fand es unpassend. Wohl ganz gut so. Dann hätte ich nicht das Vergnügen gehabt, mit Euch tanzen zu dürfen. Im Sommer habe ich dann meinen Bruder so lange bearbeitet, bis er mir im Oktober geholfen hatte, die Erlaubnis von Vater zu erhalten. Er, also mein Bruder, war ja schon hier und sagte, die Atmosphäre sei so gar nicht hochmütig, das wäre ein wundervolles Erlebnis. Er war volljährig, er brauchte Vater nicht zu fragen.“
„Wie bei uns, wir Geschwister helfen uns auch gegenseitig, wenn wir eine Erlaubnis dringend haben wollen. Und ich werde es natürlich niemandem weitererzählen, auch nicht in der Familie.“
Ihre Beruhigung war ein wenig übertrieben ausgedrückt, aber sie wollte Brian, der in der Schule immer so nett gewesen war, ein wenig die Befangenheit nehmen. Sie fragte auch nicht, was er nun mache. Die Jungen blieben immer fünf Schuljahre, und es war zwar sein großer Wunsch gewesen, auf die Secondary School zu gehen, aber sein Vater meinte, das wäre eine unnütze Geldausgabe. Sie nahm also an, dass er seinem Vater auf dem Bauernhof half. Da sie nicht wusste, wie sehr ihn diese Entscheidung schmerzte, rührte sie nicht daran.
„Hat Brent erzählt, dass er vor einigen Sommern eine Dame geschlagen hat?“
„Ja, und als Vater das erfuhr, war er stocksauer.“
„Wir haben uns darüber gefreut. Das war nämlich diejenige, die Tom so an der Hand verletzt hatte.“
„Dann werde ich meinem Vater erzählen, dass Brent keine Dame, sondern ein Weibsstück geschlagen hat. Hat sie auch die Schläge für Tom bekommen?“
„Nein, Brent wusste doch nicht, dass sie das war.“
Beide lachten vergnügt.
Bei den letzten Takten der Musik sagte er ernsthaft: „Baronesse, wir haben viel gemeinsam: Wir dürfen beide nicht studieren. Ihr, weil Ihr eine Dame seid, und ich, weil mein Vater es für unergiebig hält. Ich kann nicht entscheiden, was schlimmer ist.“
Sie fand einen hohlköpfigen Vater schlimmer als doofe Gesetze, sagte aber: „Ihr habt Recht, so habe ich das noch gar nicht betrachtet.“

*

Als der Ball beendet war und die Gäste zu ihren Schlitten gingen, fielen erste Schneeflocken, aber wie zu einem normalen Schneefall. Wäre es heftiger gewesen, hätte Fitzwilliam versucht, genügend Schlafplätze für die Gäste zu finden, zumindest für die Lambtoner. Aber alle Gäste waren der Meinung, das sei ein zu vernachlässigender Schneefall.

*

Die Erwachsenen waren sehr überrascht, dass es im Mädchenschlafraum ruhig war. Schliefen sie etwa schon? Trotz Aufregung und trotz Silvia und Joany?? Es zeigte sich dann, dass das reizende Duo Rücksicht üben konnte: Agatha war eingeschlafen und alle verhielten sich ruhig, damit niemand diesen kleinen Kreisel wieder in Schwung brachte. Susan nahm sie vorsichtig auf und trug sie hinaus.
Kaum war die Tür geschlossen, da hörte man Silvia jubeln: „Toll, nun kann es weiter gehen!“
Lange war sie aber nicht der Mittelpunkt. Schließlich hatten die drei Debütantinnen ja viel zu berichten. Louisa schwärmte besonders ausführlich. Sie hatte von einem Mädchen in ihrem Malkurs gehört, dass ein großer Ball zwar aufregend war, aber die Debütantinnen meist eine untergeordnete Rolle spielten, wenn der erste Tanz vorbei war, weil die anderen Damen doch so viel wichtiger waren. Hier waren sie zwar auch nur drei auf einem großen Ball gewesen, aber immer irgendwie gleich wichtig. Das war doch bemerkenswert, nicht wahr? Sie war froh, ihr Debüt hier auf Pemberley gehabt zu haben.
Fannys wichtigste Freude an diesem Abend würde sie nie jemandem mitteilen, am wenigsten ihren Eltern: Sie hatte nicht nur diese absolut wunderbare Robe getragen, sondern auch im Schmuck nur hinter Lady Darcy, Baronesse Gigi und Louisa zurückgestanden. So herrlichen Haarschmuck hatte ihrer Meinung nach sonst niemand gehabt. Sie konnte sich also als vornehme Dame fühlen. Das klang aber zu sehr nach unchristlicher Eitelkeit, weshalb sie das niemandem verraten würde.
Es ging noch lange hoch her in diesem Raum, was angesichts der vielen Ballgäste nicht verwunderlich war. Zum Glück gab es immer noch etwas neues zu besprechen, egal, wer nun bereits seine Sichtweise erzählt hatte, und für die sechs Zuhörerinnen, die nicht dabei gewesen waren, wurde es nicht langweilig.

*

Marc war nun doch bei den Jungen gelandet, wie natürlich auch die anderen drei kleinen Jungen. Da sie aber erst kamen, als Agatha eingeschlafen war, störte es die großen Jungen nicht weiter. Sie lasen ruhig bei kleiner Flamme, um nicht zu verpassen, wenn die Tänzer kamen, und wurden durch keinerlei Wirbel gestört. Marc schlief innerhalb weniger Minuten tief und fest. Den anderen drei Jungen wurde erklärt, dass sie in ihre eigene Betten müssten, wenn sie nicht still wären und daher Marc wieder weckten. Das half. Als die Eltern sie abholten, schliefen auch sie schon seit geraumer Zeit.
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