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Die Darcys auf Pemberley Teil XXVII

von Bihi
Kurzbeschreibung
GeschichteFamilie, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Charles Bingley Elizabeth Bennet Fitzwilliam Darcy Jane Bennet OC (Own Character)
12.10.2018
30.11.2018
37
58.425
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12.10.2018 1.389
 
Eine Tradition war Elizabeth und Fitzwilliam treu geblieben: Arthur hatte seine Kuschelrunde noch nicht völlig aufgegeben. An den Wochenenden kam er noch, wenn auch nicht mehr in der Schulzeit.

<<Das hatte sich am zweiten Sonntag im Oktober als Segen erwiesen. Er lag zitternd zwischen seinen Eltern. Da das Bett gut vorgewärmt war und er selber auch nicht ausgekühlt schien, war es wohl noch die Nachwirkung vom Abenteuer am Tag zuvor gewesen.
Er sprach nicht darüber, meinte aber, als er schon aus dem Bett gekrabbelt war: „Das hat gut getan. So was braucht ein Faun hin und wieder.“>>

Nun, dieser erste Morgen des siebenundzwanzigsten Jahres war ein Sonntag, also kam Arthur zum Kuscheln.
Am Ende der Zeit sagte er: „Ich weiß, ich bin dafür eigentlich schon zu groß, aber es tut einfach gut, Euch so dicht und warm zu spüren. Ich danke, dass ich es immer noch darf. Lange wird es sowieso nicht mehr gehen, nicht wahr? In der sechsten Klasse muss ich ja nach Shrewsbury, wenn Euch nicht was Besseres einfällt bis dahin.“
Er schien keine Antwort zu erwarten und marschierte trotz dieser traurigen Botschaft ganz fröhlich ab.
Fitzwilliam wartete, bis die Tür wirklich fest geschlossen war, bevor er sagte: „Ich hoffe so sehr, dass er sich in den folgenden zweieinhalb Jahren noch an den Gedanken gewöhnt. Bis es so weit ist, hat auch Francis die Schule verlassen. Sicher, dann gehen immer noch John und Jerry dorthin, aber ich weiß nicht, ob das wirklich ein guter Trost für ihn sein wird.“
„Das ist natürlich hart für unseren Kuschler. Aber ich glaube, er wird uns alle in Erstaunen versetzen, weil er über sich hinauswachsen wird. Immerhin hat er doch das Jagdabenteuer trotz seiner sicherlich großen Ängste hervorragend gemeistert, nicht nur für sich, sondern auch für die Mädchen, für die er seiner Meinung nach die Verantwortung hatte. Das war eine überragende Leistung für einen Zehnjährigen.
Aber ich denke, wir sollten uns noch zehn Minuten sammeln, bevor wir uns auf den Weg zum Frühstück machen. Unsere Gäste haben kleine Kinder und sind daher bestimmt Frühaufsteher.“
Wie aufs Stichwort wirbelte Silvia auf dem Gang am Schlafgemach ihrer Großeltern vorbei: „Mama, Papa! Aufstehen! Ich hab Hunger – und Tom und Schosch auch. Die sagen bloß nichts!“
Fitzwilliam unterdrückte ein Lachen.
„Wenn Silvia das im Sommer mit Sonnenaufgang macht, braucht man am Bischofssitz keinen Weckruf mehr! Gut, lassen wir also unsere Sammelminuten heute ausfallen. Wir können schließlich weder verantworten, dass Silvia verhungert, noch sollten wir in unseren Nachtgewändern zum Frühstück erscheinen.“

*

Die Familie versammelte sich also etwas früher als üblich zum Frühstück. Das konnte man durch Unterhaltungen dann auch etwas ausdehnen, bevor es zur Kirche ging.
Gigi und Annie beteuerten, dass sie Silvia, so lange es ging, im Bett behalten hatten. Aber auf einmal war der Quirl ihnen entwischt.
Arthur erklärte, dass Tom und Schosch erst getrubelt und, als er schnell zum Kuscheln ging, ganz vergnügt auf ihn gewartet hätten, um dann mit dem Babytrubel weiterzumachen. Von Hunger hätten sie nichts gesagt, jedenfalls nicht, bevor Jane kam, die Kleinen zum Anziehen zu holen.
George fragte ganz interessiert: „Wie geht denn der Babytrubel?“
„Die sagen dann in einer Tour 'Afa, is duut', mal fängt Tom an, mal Schosch, mal sagen sie beide das. Aber sie können noch nicht so richtig im Chor reden. Sie fangen entweder gemeinsam an oder hören gemeinsam auf, beides zugleich geht einfach nicht.“
Edmund grinste: „Und wie lange haben sie das gemacht?“
„Gestern Abend etwas mehr als eine halbe Stunde. Dann habe ich das Nachtlicht ausgemacht. Da konnte ich die Uhr nicht mehr sehen. Aber sie können auch im Dunkeln reden, wie sie mir vorführten. Die üben wohl schon für den Silvestertrubel. Das finde ich prima. Heute früh waren es vor meiner Kuschelzeit nur fünfzehn Minuten und danach nicht einmal fünf. Dann kam Jane und hat sie geholt.“
„Und wenn Du gesagt hättest, wohin Du gehen willst, hätten sie bestimmt so lange Theater gemacht, bis Du sie mitgenommen hättest.
Übrigens, nicht nur, um die lieben Kleinen von diesem Thema abzulenken: Ich habe mir überlegt, dass ihr euch noch einmal genau die Bestimmungen durchlesen solltet, nach denen der Rubin-Schmuck weitergegeben werden soll. Wenn die Formulierung so ist, dass man es auch anders interpretieren könnte, bin ich dafür, dass der Schmuck in der Familie der Darcys bleibt, immer der Titelträger ist der Wahrer des Schmuckes und stellt ihn der Gattin und den Töchtern lediglich zur Verfügung”, erklärte Jane.
Fitzwilliam sagte: „Ich bin mir ziemlich sicher, dass eine solche Interpretation nicht funktionieren kann, aber ich glaube, dass wir das trotzdem so machen können, weil über anderthalb Jahrhunderte oder so die Regel ebenfalls sehr sehr großzügig ausgelegt wurde.“
Die Schwestern Dorothy, Gigi und Annie strahlten. Nun war ihnen der Schmuck für Debüt und Hochzeit sicher.

*

Dass ihr Kuscheln ausgefallen war, fiel den Zwergen erst auf, als sie nach dem Gottesdienst in die Kutschen steigen sollten, um nach Hause zu fahren. Nein, sie konnten noch nicht fahren, sie hatten doch noch nicht gekuschelt. Jane und Edmund versprachen ihnen, in der Ruhezeit zu kuscheln. Das war ein tolles Angebot.
Die Kleinen hatten aber nicht gewusst, wie die Eltern das meinten, und setzten dann ihre kleinen Dickköpfe durch: Es wurde während der gesamten Ruhezeit gekuschelt – in Janes Koboldhöhle. Dieser besondere Ort wurde einerseits von Jane gewünscht und andererseits so begeistert von den Kleinen angenommen, dass man die Zeit doch nicht mit Schlafen vertun sollte. Dafür waren sie dann am Abend recht früh müde. Erst eine kurze Nacht, dann keine Ruhezeit, da war es doch wirklich nicht verwunderlich, dass sie früh müde wurden, nicht wahr? Jane und Edmund nutzten den ruhigen Abend für ihre eigene Version einer Kuschelstunde.

*

Auf Pemberley zeigte Agatha dann, wozu eine Einjährige in der Lage ist, wenn sie die Schlafenszeiten brav einhält: Sie hatte, wohl mit einer gewissen Eifersucht, beobachtet, wie sich Oma von den kleinen Cousins und der Cousine verabschiedete. Kaum war die Konkurrenz aus dem Raum, zappelte sie von Susans Schoß – und lief wackelig und unsicher, aber zielstrebig zur Oma. Jetzt war sie doch wohl dran mit Kuscheln, nicht wahr? Nach einer herzlichen Umarmung sah sich die Kleine allerdings um: so viele Leute, zu denen sie vielleicht auch gehen konnte. Immerhin war sie ja ohne Krabbeln und ohne getragen Werden zu Oma gelangt. Jetzt musste sie ausprobieren, ob das nicht nur mit Ommo, sondern auch mit Mama, Papa und Oppo ging. Sie zeigte immer, zu wem sie wollte, wenn sie den Namen nicht kannte, und dann wurde sie in die richtige Laufposition gestellt. Da sie immer mit der ganzen Hand zeigte, war nicht immer klar, wohin sie wirklich zeigte. Nur einmal protestierte sie: Sie hatte zu Opa Bennet gehen wollen. Da sie nur zeigen konnte, landete sie bei Dorothy und fand das offenbar nicht gut. Da half es auch nicht, dass sie auch von Dorothy umarmt wurde. Diese konnte aber von ihrer Position aus nun erkennen, wohin die Kleine wirklich wollte, und lenkte sie in Richtung auf Opa Bennet. Nach einer Weile zeigte sie auf eine Zimmerecke, in der niemand war. Gespannt, was sie nun machen wollte, ließ George sie dorthin laufen. Sie legte sich auf den Boden, drehte den anderen ihren Rücken zu und schlief. Sie hatte sich völlig verausgabt und brauchte nun erst einmal Ruhe.
Die Erwachsenen rätselten amüsiert, warum sie nicht bei jemand auf dem Schoß schlafen wollte.
Arthur sah nur kurz zu ihr hin und schlich sich dann aus dem Salon. Schon bald kam er wieder: Er hatte aus ihrem Bettchen das Kissen und eine Decke geholt.
Susan blieb bei ihr, während die anderen zum Nuncheon in den Frühstücksraum gingen. Noch bevor George dazu kam, einen Teller für Susan zu füllen, hatte Arthur bereits zwei Scheiben Weißbrot, zwei Bratenscheiben und etwas Käse auf einen Teller geschoben und war wieder auf dem Weg in den Salon. George füllte lächelnd zwei Schälchen mit Soße und mit Pudding und trug sie mit dem Besteck hinterher. Arthur war wirklich ein guter Kümmerer, hatte aber in diesem Fall nicht alles im Blick gehabt.

*

Die Elfenkammer blieb zum ersten Mal seit Jahren an diesem Tag leer. Erstens hatte Elizabeth keine Zeit gehabt, für Ordnung zu sorgen, und zweitens waren an diesem Tag durch ihre Besucher die Zeitabläufe so durcheinander gekommen, dass sie sich nicht davonstehlen konnten – oder glaubten, es nicht zu können, was im Endeffekt ja das Gleiche war.
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