a strange life leads to curious events

GeschichteDrama, Romanze / P18
12.10.2018
16.08.2019
23
47138
9
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
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Hi, schön ihr bei meiner Story gelandet seid. Es handelt sich um eine rein fiktive Geschichte, die Parallelen zu realen Orten und Ereignissen enthalten kann. Lokalitäten und Charaktere entspringen dabei meist meiner Fantasie.

Es werden einige psychologische Themen angesprochen und manche Kapitel können Trigger enthalten, die ich versuche so gut es geht vor dem jeweiligen Kapiteln anzukündigen. Es wird viel emotionaler Zwiespalt und Chaos vorkommen, aber es wird auch immer wieder der Blick auf positive Aspekte des Lebens geben. Ihr könnt quasi im Verlaufe der Geschichte das Leben von Kira verfolgen und ihre emotionale Entwicklung bezüglich ihrer teils traumatischen Vergangenheit mitverfolgen. Mit ein wenig schwarzem Galgenhumor meistert sie so gut es geht ihr nicht immer ganz leichtes Leben.

Mein Ziel ist es nicht zu schockieren, sondern anonym einen Zugang zu schwierigen Lebensthemen zu geben, um anderen Menschen Mut zu machen, zu sich und ihrem Leben zu stehen =)

Und nun viel Spaß mit a strange life leads to curious events
Kira =)

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„Ein Bier für mich bitte.“ Mit diesen Worten hatte Kira Becker sich zu Beginn eines regnerischen Mittwoch abends an den Tresen des Rhyms and tide, einer Bar in der Innenstadt Edinburghs, gesetzt. Kaum hatte sie ihr Getränk erhalten kippte sie es zur Hälfte ihre Kehle herunter. Puh, das war genau was sie jetzt gebraucht hatte. Der heutige Tag war ja mal so was von mies gelaufen.
Vor einem Vierteljahr hatte die 26-jährige alle Zelte in Deutschland abgebrochen und wollte nun ihren großen Traum leben und in Schottland arbeiten. Ihr Freund Tristan hatte das Ganze irgendwie erstaunlich gut aufgenommen. Er meinte- er wolle ihr nicht im Weg stehen und sie könnten sich ja besuchen, denn so weit wäre es ja nicht und außerdem gäbe es in der Welt der Smartphones genug Möglichkeit im Kontakt zu sein. So hatte sie ihren Job und ihre Wohnung in Dresden gekündigt und war mit einem Rucksack und zwei Koffern im Juni ins Flugzeug und auf ins Abenteuer gestartet, dachte sie zumindest.
Die Arbeit bei dem berühmten Ingenieurbüro Hanks & Partner lief ja mal gar nicht so wie erwartet.

Mit den Worten „Hey hübsche Lady, du hast aber nen ganz schönen Zug drauf. Darf ich dich auf das nächste Bier einladen?“ wurde sie plötzlich aus dem negativen Gedankenkarusell und ihrem Selbstmitleid gerissen. Sie wandte den Kopf nach links und sah in das Gesicht eines ziemlich besoffen wirkenden älteren Mannes mit langen fettigen Haaren, der sie schief angrinste.  
Noch bevor sie etwas erwidern konnte, stand schon das nächste Glas vor ihr. Sie versuchte noch etwas zu sagen, doch der Typ prostete ihr einfach zu und verließ anschließend den Tresen zu einer Art Stammtisch in dem hinteren Teil des Lokals. Schulterzuckend kippte sie auch dieses Getränk und versuchte damit ihren Kopf auf Pause zu setzen. Sie wusste dass es nicht die beste Lösung war, das hatte sie einfach viel zu oft in ihrer Vergangenheit erlebt. Stop. böser Gedanke! Auch daran wollte sie momentan nicht denken, das würde ihr in der jetzigen Situation auch nicht helfen und so bestellte sie sich ein nächstes Getränk, was der Barkeeper ihr kopfschüttelnd überreichte.
So ein verdammter Mist aber auch dachte sie bei sich und schon schweiften ihre Gedanken in eine Welt vor 3 Jahren ab.

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Alles war still. Bis auf einen lauen Sommerwind war weit und breit in der Weimarer Innenstadt nichts zu hören. Es war bereits weit nach Mitternacht, als sich in den Schatten zwischen den Büschen 5 Gestalten über den Zaun zum Weimarer Freibad schoben. „Pssst seid leise sonst erwischt uns wirklich noch jemand.“, zischte die Stimme von dem ersten hünenhaften Kerl namens Manu. Doch hinter ihm waren neben Kira die beiden Jungs Tristan und David schon tüchtig betrunken, sonst wären sie wohl nie auf diese selten dämliche Idee gekommen. „So jetzt sind wir drinnen und nun?“, fragte da auch schon der 5. im Bunde, Phillip im Flüsterton. „Naja ganz einfach“, sagte Kira und war schon dabei sich auszuziehen, „wir ziehen uns aus und springen vom Turm ins Wasser.“ Tristans und Davids Blicke waren trotz Dunkelheit gut zu erkennend dümmlich grinsend auf das Mädchen in ihrer Runde gerichtet, während sie sich ihrer T-Shirts entledigten. „Das ist doch total krank was ihr da vor habt.“, meinte Philip nur angepisst, schwang sich schon wieder zurück über den Zaun und war mit einem Rascheln verschwunden. „So ein Feigling“, brummte Tristan sofort und griff nach Kiras Hand, um mit ihr kichernd zum Sprungturm zu rennen. David war ihnen dabei dicht auf den Fersen. Einzig Manu blieb cool, legte friedlich seine Sachen auf einen Stapel und schlenderte anschließend zum Becken, um mit dem Fuß die Wassertemperatur zu prüfen.

Trotz mangelnder Sicht schafften die drei Betrunkenen es erstaunlich schnell die Stufen hinauf auf den Zehnmeterturm. Oben angekommen lachten alle erst mal ausgelassen und ließen sich auf den Boden fallen. Der Punkt, dass sie dabei nackt waren schien sie in keinster Weise zu stören. Nach einer Weile faste Kira die beiden an den Händen. Sie standen auf und näherten sich der Turmkante. „Könnt ihr da unten was erkennen?“ fragte Kira und klang dabei schon etwas mulmig und nicht mehr so als wäre das ihre und somit die großartigste oder wohl im Suff eher größenwahnsinnigste Idee überhaupt gewesen. „Also ich spring jetzt“, meinte David ließ dabei ihre Hand los und einige Sekunden später hörten sie ein lautes Platsch, was in der nächtlichen Stille wie ein Kanonenschlag von den umstehenden Häuserfronten wiederhalte. „Ups wir bleiben wohl doch nicht so unentdeckt wie gedacht.“, lallte Tristan, während er sich mit seinem warmen Körper an dem von Kira vorbei schob, ihr in die Augen blickte und mit einer dramatischen Geste das sinkende Schiff verlassend in die Tiefe sprang.

Nun stand sie dort ganz alleine und versuchte einen klaren Gedanken zu fassen. Wie war sie noch mal in diese bescheuerte Situation gekommen? Und irgendwie ließ sie der intensive Blick von Tristan nicht los…und noch viel schlimmer: Warum leuchtete dort hinten am Ende der Straße ein Blaulicht? Mit einen gemurmelten „Fuck“ trat sie einen Schritt weiter vor und sprang schließlich auch in die Tiefe um kurze Zeit später prustend wieder über der Wasseroberfläche aufzutauchen. Die Jungs hatten sich schon ihre Klamotten angezogen und David hielt ihr ihr Sommerkleid hin, nachdem Tristan sie an einer Hand aus dem Wasser gefischt hatte.
Sie sprinteten, so schnell es eben ging wenn man stockbetrunken war zum hinteren Zaunende und schlugen kurz darauf die Wohnungstür von Manu, der in derselben Straße wohnte, hinter sich zu. „Das war haarscharf“ schnaufte Manu. „Das war verdammt cool.“ meinte David. Und Tristan? Der starrte nur unverwandt in die Augen von Kira, deren Hand er an sein pochendes Herz gezogen hatte.

Auf diese Aktion wurde natürlich erst recht noch mehr getrunken und am nächsten Morgen wachte Kira mit pochendem Schädel in ihrem Bett auf und versuchte zu rekonstruieren was passiert war, nachdem sie bei Manus Wohnung angekommen waren. Die Nachricht von Tristan auf ihrem Handy, dass der Abend unvergesslich gewesen sei ließ sie mit einem unruhigen Gefühl den restlichen Tag vor sich hin vegetieren. Jemanden zu fragen, wie sie Heim gekommen war, geschweige denn ob was passiert war, war ihr nämlich viel zu peinlich und unangenehm.

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Die Kira der Gegenwart war gerade dabei, ihren Kopf immer wieder genervt gegen die Tischplatte zu knallen um zu verhindern, das ihr Gedächtnis sie zurück in ihre Studienzeit zog, in der vieles sehr chaotisch und nicht immer optimal abgelaufen war. Sie hatte eigentlich auch gedacht, dass sie ihr Trinkverhalten mittlerweile besser unter Kontrolle hätte, da sie ja auch irgendwie mal aus dem Alter raus sein müsste, wo man sich ins totale Vergessen trank. Ach was soll´s, heute bringt das auch nichts mehr, dachte sie bei sich und hob den Arm um sich das nächste Bier zu bestellen. Das Wievielte war das jetzt eigentlich, fragte sie sich gerade noch verschwommen, als sie aufblickte und in das hübsche Gesicht einer rothaarigen jungen Frau blickte, die sich wohl irgendwann neben sie an den Tresen gesetzt haben musste.

„Hi, ich bin Gwen, trinkst du dein Nächstes mit mir?“ fragte diese gerade und zwinkerte ihr nonchalant zu. Etwas irritiert nickte Kira und griff nach ihrem Getränk. Sie hatte es für diesen Abend eh schon aufgegeben sich zusammen zu nehmen, also warum nicht weiter machen? Ihr wurde es doch gerade erst langsam duselig im Kopf und diese Gwin, oder war es Gwen? Hier neben ihr schien eine gute Trinkgesellschaft zu sein.


Ein lautes, nicht aufhörendes Klopfen riss Kira am nächsten Morgen aus dem Schlaf. „Kira das ist echt nicht witzig. Mann dein scheiß Handy klingelt seit einer halben Stunde im Flur und hat mich wach gemacht. Was soll der Mist? Steh endlich auf und mach das Scheißteil aus!“
„Mpf?“, grummelte sie während sie versuchte sich aus ihrer Bettdecke zu befreien, was ihr natürlich nicht gelang, woraufhin sie auf dem Fußboden landete. Bei dem Versuch aufzustehen drehte sich alles um sie und ihr Kopf fühlte sich so an, als wäre eine Dampfwalze drübergefahren. Gleichzeitig begann ihr Magen akut gegen diese plötzlichen Bewegungen zu rebellieren. Sie schleppte sich mühsam zur Tür und öffnete den Riegel, um in das genervte Gesicht ihrer Mitbewohnerin Alessia zu schauen. Diese knallte ihr nur ihre Jacke ins Gesicht und die Tür wieder zu und polterte im Flur davon. Als Kira ihr Handy aus der Tasche ihres Mantels gefischt hatte, traf sie gleich der nächste Schock. Es war bereits 8:15 und ihr Chef, der sie ohnehin auf dem Kieker hatte, hasste es, wenn man zu spät kam und ganz besonders wenn sie zu spät kam. Körperlich total am Ende schleppte sie sich unter die Dusche und Schmiss sich noch eine Dosis Aspirin ein, bevor sie 15 Minuten später zur Straßenbahn hetzte, wobei sie nicht einmal mehr einen Blick in den Spiegel wagte. Sonst hätte sie wohl selbst einen Schrecken vor der bleichen, aufgedunsenen Gestalt mit den tiefen Augenringen mit stumpfen Blick bekommen. Aber schließlich war ja eh alles egal, erst mal musste sie zur Arbeit, um nicht noch mehr Verachtung und Abweisung zu ernten.

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Soweit zunächst der kleine Einstieg in Kiras Welt,
über Rückmeldungen, wie euch die Geschichte gefallen hat, würde ich mich sehr freuen.
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