Jeder Moment mit dir...

GeschichteAllgemein / P16
Jan Ammann
12.10.2018
11.09.2019
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Huhu,

seid ihr noch da? Wenn ja, Josy und Jan sind es auch...und mit ihnen geht's heute weiter. Während ihr lest, mache ich mich endlich daran, eure wunderbaren Reviews zu lesen und zu beantworten. Seid ganz lieb gegrüßt,
Eure Watchthemoon



Der Schlussapplaus war hinter dem zugezogenen Vorhang noch nicht verklungen als Jan sich von seinen Kollegen löste, um in seine Garderobe zu gehen. In der Pause hatte er nur kurz Zeit gehabt, nach Josy zu sehen.
Sie wirkte durcheinander als er während der Show kurz bei ihr vorbei geschaut hatte.

Jan drückte die Klinke nach unten und trat leise in den kleinen Raum. Eigentlich hatte er sie, bedingt der Uhrzeit schlafend auf dem Sofa erwartet. Josy aber war hellwach und saß auf einem Holzstuhl am gekippten Fenster. Ihre Füße hatte sie auf dem Fensterbrett abgelegt und war vollkommen in ein Gespräch vertieft. Ihm dem Rücken zugewandt, bemerkte sie gar nicht, daß er nun da war.

Zuerst dachte er, sie würde telefonieren, sah dann aber wem ihre Worte galten.
Aeskulapius saß friedlich auf ihrem Schoß, ließ sich kraulen und war anscheinend ein guter Zuhörer.
Leider hatte er die Tür hinter sich noch nicht ins Schloss gezogen und so ertönte in voller Lautstärke Kevins Stimme. "Aeskulapius, where are you? “-" Pscht" zischte Jan durch seine Zähne und deutete auf Josy und den Hund, als Kevin neben ihm zum Stehen kam.

Jans Mahnung leise zu sein hallte in dem kleinen Raum allerdings lauter als Kevins Rufen selbst und sowohl Aeskulapius als auch Josy drehten sich zur Tür.

"Ich.. Ähm, er stand bellend vor der Tür, da hab ich ihn reingelassen." entschuldigte sich Josy bei Kevin. Aeskulapius spritzte die Ohren, blickte sein Herrchen an und jaulte so, dass Kevin ihm nicht länger böse sein konnte.
Jan, der sich dieses Schauspiel amüsiert ansah, wollte natürlich wissen, was "Struppi" angestellt hatte.

"Er weiß genau, warum er jetzt hier ist und nicht in my room". Kevins Worte ließen nichts Gutes verlauten und Aeskulapius vergrub seine Schnauze schuldbewusst in Josys Armen. Das wiederum brachte Jan zum Lachen, denn er kannte diese Reaktion nur zu gut. Das letzte Mal als Aeskulapius so auf Kevin reagierte, hatte er sich über die Spareribs hergemacht, due Kevin extra für einen Grillabend eingelegt hatte.
"Not funny" tadelte er seinen Kollegen. "Have a look in mein Garderobe."


Josy kraulte ihren tierischen Freund unterdessen das Fell und schaute überrascht von Jan zu Kevin und zurück. So brav wie Aeskulapius die ganze Zeit auf ihren Beinen lag, konnte sie sich kaum vorstellen, dass er viel Blödsinn angestellt haben soll.
.

Kevin allen voran machte sich die kleine Gruppe auf den Weg in dessen Garderobe. Spätestens dort verstand Josy, warum sich Aeskulapius noch immer hinter ihr versteckte. Der kleine Kerl hatte ganze Arbeit geleistet und in der Zeit, die Kevin singend auf der Bühne stand, ein komplettes Textbuch in eine beträchtliche Menge an Papierschnipseln verarbeitet. Im ganzen Raum lagen kleine und größere Fetzen verteilt, von denen man nur noch ahnen konnte, das sie mal ein Ganzes waren.
Über Jans altklugen Ratschlag, er solle dem Hund doch etwas Gescheites zum Essen geben, dann würde er auch keine Textbücher fressen, konnte Kevin im Gegensatz zu seinem Freund nicht lachen.

"Das waren meine Lyrics für Stockholm" erklärte Kevin und leichte Verzweiflung schwang in seinen Worten mit. "Ich kann nicht noch ein Book anfordern" - "Warum nicht?" wollte Josy wissen, "wenn du erklärst.." - "Das mein Hund die Buch zerfressen hat?"
Jan spritzte seine Ohren und ihm schwante, warum Kevin so reagierte. "Wieso NOCH eins?“
" Das erste ist verbrannt.. " gab Kevin zähneknirschend zu.
Josy wollte gerade zum Reden ansetzen, als sie von Jan ausgebremst wurde. Der kannte Kevin lange genug, um jetzt keine weiteren Fragen zu stellen.
"Besser, wir lassen Tim und Struppi allein", damit griff er nach Josys Hand und zog sie mit sich.

Draußen an der frischen Luft, kurz bevor sie Jans Wagen erreicht hatten, hielt Josy inne.

"Ich hab dich gegoogelt" stieß sie hervor und verharrte seiner Reaktion.
Jan blieb ebenfalls stehen und zog fragend eine Augenbraue nach oben. Wenn ihren Gesichtsausdruck richtig deutete, und dessen war er sich ziemlich sicher, machte ihr das, was sie gesehen hatten, arg zu schaffen.

Das Internet war voll mit Fotos und Berichten über ihn. Er steht seit vielen Jahren in der Öffentlichkeit, entsprechend viel gibt es über ihn zu lesen. Der Wahrheitsgehalt so mancher Erzählungen sei mal dahin gestellt. Aber Josy war keine Frau, die leichtfertig Halbwahrheiten glaubte.
"Was hast du gesehen?“ fragte Jan leise und hoffte, seine Freundin würde ihm ehrlich antworten.
Josy biss sich verlegen auf die Unterlippe. Lieber wäre es ihr gewesen, dem Gespräch aus dem Weg zu gehen. Friedas letzte Nachricht einige Stunden zuvor hielt sie jedoch davon ab.

>>Sag's ihm anstatt alles in dich reinzufressen.<<

Hatte ihre beste Freundin geschrieben, nachdem Josy von ihrem Netzfund berichtete.
Aber konnte sie ihm wirklich sagen, wie sich sich fühlte, nachdem sie Fotos seiner Exfreundin gesehen hatte und diese als viel schöner als sich selbst empfand?
Um nicht reden zu müssen öffnete sie den Browser ihres Handys und drückte es ja in die Hand.

Ausgerechnet Inge Dawson und er.
Das Foto musste gut drei oder vier Jahre alt sein und es wunderte ihn, daß es als eines der Ersten auftauchte, wenn man seinen Namen in die Suchleiste eingab.

"Das Foto ist uralt." - "Sie ist viel schöner.." -
"Kleines, denk doch nicht sowas" bat Jan seine Freundin mit ruhiger Stimme.
-"Aber.." - " Nichts aber! Und auch wenn das jetzt kitschig klingt, ich finde dich wunderschön."

Worte, die Jan nicht einfach so daher sagte, er meinte sie auch so. Klar sah Inge gut, war jederzeit schick zurecht gemacht und wusste, wie sie mit 'Wimper klimpern' die Leute um ihren Finger wickelte, aber im Inneren war sie kalt wie Eis. Josy hingegen traf ihn mit ihrem Lächeln mitten ins Herz. Manchmal, wenn er sie ansah, nahm ihn das Aquamarin ihrer Augen regelrecht in Besitz und die vielen Sommersprossen tanzten wild über ihre Stupsnase.
Viel wichtiger jedoch war ihre Art, schüchtern, zart und zugleich liebevoll und gewiss schlummerte auch ein Feuer der Leidenschaft hinter ihrer Fassade.

"Ach Jan" murmelte Josy und ließ sich erleichtert in seine Arme fallen. Wie sehr sie in diesem Augenblick liebte.

Liebe. Ein schweres Wort.

Und dennoch, es war das , was sie für ihn empfand. Sie konnte sich kaum vorstellen, jemals damit aufzuhören, ihn zu lieben.
Jetzt waren es ihre Gedanken, die kitschig wurden. Aber selten in ihrem Leben war sie sich eines Gefühles so sicher wie jetzt.


"Gehen wir noch ein Stück, bevor wir heimfahren?" fragte Jan in ihre Gedanken hinein. Josy war gerade dabei gewesen, sich ein Stückweit zu öffnen und er wollte ebenfalls etwas aus der Welt schaffen, ehe es zwischen ihnen stünde.
"Wegen heute mittag.. " setzte Jan an und hielt dabei ihre Hand fest in seiner. "...Ich wollte dich nicht verletzen, wirklich nicht. Aber hättest du noch länger an dem Handtuch rumgefummelt…"
Obwohl Josy sein Gesicht in der Dunkelheit kaum sehen konnte, ahnte sie, wie ihm die Röte in die Wangen zog.
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