Dämmerwacht adé

GeschichteRomanze, Fantasy / P18 Slash
11.10.2018
28.10.2019
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„Da vorne ist es!“

„Endlich...“, Vori atmete befreit durch. Ihr Hintern schmerzte und auch ihr Rücken machte sich auf unangenehme Weise bemerkbar.

„Wie lange waren wir nicht mehr hier?“, Durak blickte sich aufmerksam um.

„Es sind fast fünf Jahre...“

„Es sieht alles noch genau so aus wie damals. Dämmerstern ist und bleibt ein Provinznest.“, Vanik gab sein Mündel an Celann weiter, bevor er abstieg und die Pferde bei den Zügeln nahm.

„Nicht ganz...“, widersprach Durak, „...früher war hier am Gasthaus kein Anbau, sondern ein Gehege, nicht wahr?“

„Du hast Recht. Thoring hielt sich hier immer ein paar Hühner. Ich bin gespannt was er da wohl verbirgt.“, Ingjard nickte ihm zu.

„Finden wir es doch heraus!“, Vaniks Stimme überschlug sich vor Freude.

Isran indes hielt für einen Augenblick inne...

Zum ersten Mal, nach all den Tagen, spürte er die so lange vermisste, innere Ruhe. Ein Zustand der sehr selten geworden war. Doch wenn er einsetzte, genoss Isran ihn in vollen Zügen. Mochte Dämmerstern für andere nur eine kleine, verschlafene Stadt im Nebel sein, für ihn war es eine Mischung aus Frieden und Vertrautheit. Er schätzte es, wenn die Dinge, die er kannte, ihren Ursprung behielten. Egal, ob es die beiden alten Fässer waren, deren rostige Eisenringe dem harschen Klima trotzten oder jener einsame, wunderschöne Strauch Schneebeeren, der schon ewig neben der Treppe blühte. Das prächtige Rot der kleinen Früchte schien der trostlosen Umgebung den einzigen Hauch Farbe zu spenden.

„Isran?“, Duraks dunkle Stimme riss ihn ins Jetzt zurück.

„Gebt sie mir.“, wies er Celann an. Vorsichtig nahm er die Unbekannte an sich und betrat zuerst die Taverne.


(xxx)

Im Inneren angelangt seufzte er schwer, als ihn die wohlige Wärme einhüllte, die von der großen Feuerstelle in der Mitte des Hauses ausging. Erstaunt stellte Isran fest, dass keine Gäste an den vielen Holztischen saßen. Dennoch schienen Thoring und seine Tochter Karita nichts von ihrer Gastfreundschaft eingebüßt zu haben. Auf jedem der Tische standen mehrere Becher und Teller. Ein großes, silbernes Tablett mit Obst und Käse stand bereit, um jeden Besucher dieses Hauses 'Willkommen' zu heißen. Der Duft von gebratenem Schlachterfisch, Eismiriam und Knoblauch umschmeichelte Israns Nase.

„Bei Stendarr! Isran, seid Ihr es?“

„Seid gegrüßt, mein Freund.“

„Es sieht ganz so aus, als könnte die Dämmerwacht mal wieder Hilfe gebrauchen.“, Karita trat hinter ihrem Vater hervor.

„Was ist dieser armen Seele denn zugestoßen?“, Thoring besah sich die Frau genauer.

„Das wissen wir nicht, sie ist seit Tagen in dieser Verfassung.“

„Bringt sie hier herein!“

„Habt Dank, Karita.“, diese berührte lächelnd seinen Arm, bevor sie das Zimmer verließ.

„Oh bei Thalos! Ich kann es nicht glauben. Durak...“, sie fiel dem Ork um den Hals und hauchte einen Kuss auf seine Wange, „...Vanik!“, der Nord breitete seine Arme aus und Karita kam seiner Bitte gerne nach. Auch er spürte, sehr zu seiner Freude, kurz ihre weichen Lippen auf seiner kühlen Haut.

„Es ist schön wieder hier zu sein, besonders Euch zu sehen.“, er lächelte charmant und setzte sich neben Durak an einen der langen Tische.

„Ich freue mich, Euch wieder zu sehen, Karita.“, Celann nahm sie ebenfalls in den Arm.

„Das gebe ich gerne an Euch zurück. Sagt, wo ist Ingjard?“, sie löste sich von Celann und blickte sich um.

„Ich bin hier!“, beide Frauen drückten einander kurz und lächelten sich an.

„Aber... da fehlt doch noch jemand, oder? Ah...“, Voris und der Blick der Bardin trafen sich, "...Ihr seid Vori, richtig?“

„Ahm, ja. Verzeiht...“, Vori versuchte sich zu sammeln, „...es freut mich, dass Ihr Euch noch an mich erinnern könnt.“, sie reichte Karita schüchtern die Hand, was diese schmunzelnd zur Kenntnis nahm.

„Ich freue mich wirklich Euch erneut zu begegnen. Wenn ich mich recht entsinne, war unser letztes Zusammentreffen wahrlich nur von kurzer Dauer. Zudem wart Ihr sehr wortkarg...“

„Unsere Vori war schon immer etwas wortkarg, nicht wahr?“, lachte Durak, „...Doch Karita, Ihr solltet sie im Kampfe sehen, kein Vampir ist vor ihr sicher. Sie tötet schnell und präzise. Eine sehr gute Kämpferin. Ich würde ihr mein Leben anvertrauen...“

„Ist das so? Dann habt ihr bestimmt viel Kraft in den Armen und geschickte Finger, oder...“, Karita hob neckend die Augenbraue, was Vori erröten ließ, „...immerhin braucht es Gewandtheit und Stärke eine Armbrust im Kampf zu nutzen.“, fügte sie mit einem Lächeln hinzu.

„Ahh...“, Vori kratzte sich verlegen am Hinterkopf, was Durak und auch Vanik nur lauter lachen ließen, „...entschuldigt mich bitte.“, sie ging an Karita vorbei, ohne sie noch einmal anzusehen.

Thorings Tochter war bei weitem noch schöner, als Vori sie in Erinnerung hatte. Ihr rotblondes, langes Haar ging ihr bis zu den Schultern, geflochtene Zöpfe hingen zu beiden Seiten an ihrem Gesicht herab und umrahmten es schmeichelnd. Wer sie ansah, hatte Mühe nicht auf ihre freizügig gekleidete Oberweite zu schauen. Selbst wenn man nur die goldenen Kette bewundern wollte, mussten die Augen unweigerlich zu dem Anhänger wandern, der zwischen ihrem Brustansatz lag.

Ein kurzer Seitenblick zu Vanik, der nirgendwo anders mehr hinzusehen schien, bestätigte sie. Vori fiel auf, dass Karitas Arme stark und dennoch zart waren. Geschmückt von goldenen Ringen, die ihr eine sehr erotische Ausstrahlung verliehen, dazu das lange, lederne Korsett sowie der grüne Rock und die Frau war eine Waffe, die jedem Mann schlaflose Nächte bereiten konnte...

'Jedem Mann...', hallten Voris Worte in ihren Gedanken nach. Wieder ertappte sie sich dabei, den Wunsch zu äußern, ein Mann zu sein, „...dann wäre es einfacher.“, seufzte sie.

„Dann wäre was einfacher?“, erschrocken stellte Vori fest, dass sie Karita nicht nur angestarrt, sondern diese sie auch gehört hatte.

„Verzeiht, ich war in Gedanken...“

„Das ist schon das dritte Mal, dass Ihr mich um Verzeihung bittet. Langsam glaube ich, Ihr verheimlicht mir etwas.“, Karitas Augen ließen Voris nicht eine Sekunde unbeobachtet. Diese räusperte sich schließlich.

„Nun, haben wir nicht alle unsere kleinen Geheimnisse?“, Vori hielt dem Blick stand.

„Da bin ich mir bei Euch ganz sicher...“, sie zwinkerte, „...ich würde gerne...“

„Karita?“

„Ja?“

„Wir brauchen Eure Hilfe.“

„Ich komme, Vater! Entschuldigt mich...“, schnell war sie bei ihm und setzte sich neben das Bett, „...wie lange sagtet Ihr, ist sie in diesem Zustand?“

„Wir fanden sie so vor 4 Tagen, als wir Thoralfs Karawane erreichten. Wir hätten sie fast übersehen, wäre Talvi nicht gewesen. Noch im Todeskampf bat sie mich, dieser Fremden zu helfen...“, Isran ballte die Hände zu Fäusten und sah zur Seite.

„Talvi ist tot?“, in Thorings Gesicht spiegelte sich blankes Entsetzen wider, „...Was ist mit Thoralf?“

Als Isran nicht antwortete...

„Bei den Neun...“, der Wirt hielt sich den Kopf.

„Es waren Vampire...“, Isran versuchte die Fassung zu wahren, als Talvis Anblick ihn im Geiste hart traf, „...Thoralf wurde gebissen.“, er schluckte schwer und Thoring ahnte was ihm sein langjähriger Freund damit sagen wollte.

„Zwischendurch wurde sie immer mal wieder wach, was uns die Möglichkeit gab, ihr etwas Wasser zukommen zu lassen...“, Celanns Stimme klang besorgt.

„Dafür, dass sie nur wenig getrunken und nicht gegessen hat, ist sie in beinahe zu guter Verfassung.“

„Schön, dass es endlich mal jemand auf den Punkt bringt. Danke, Karita!“, Ingjard erntete einen bösen Blick von Celann und Isran.

„Ich werde mich um sie kümmern.“, Karita, der Celanns Zuneigung nicht entgangen war, drückte kurz seine Hand.

„Bringt mir meinen Trankmischerbeutel. Ihr findet ihn unter meinem Bett, dazu warmes Wasser und mehrere Tücher. In meinem Schrank liegen ein blaues Kleid und Unterbekleidung, die ihr passen sollte...“, wies sie ihren Vater an, „...geht jetzt!“, niemand wagte zu widersprechen als Karita die Tür hinter ihnen schloss.

„Seit wann hast du Türen für die Zimmer, Thoring?“

„Ist eine lange Geschichte...“


(xxx)

1 Stunde später...

Zufrieden saßen Vanik und Durak am Tisch und prosteten einander zu. Thoring hatte die leerstehenden Zimmer unter ihnen aufgeteilt und die Taverne für den Tag geschlossen.

„Endlich mal raus aus der verdammten Rüstung. Die schweren Stiefel bringen mich noch um.“, Durak wackelte mit den Zehen.

Der Einzige, der weder gegessen, noch getrunken hatte, war Celann. Unruhig lief er in der Taverne auf und ab...

„Was habe ich Euer gutes Met vermisst, Thoring!“, lobte Vanik anerkennend.

„Da schließe ich mich an!“, der Orsimer hob den Becher und trank ihn in drei tiefen Zügen leer.

„Das Essen war wirklich hervorragend!“, Vori lehnte sich gesättigt zurück.

„Dieses Kompliment nehme ich gerne an.“, Vori zuckte zusammen, als Karita plötzlich hinter ihr stand und ihr ein strahlendes Lächeln schenkte. Ehe Vori etwas sagen konnte...

„Wie geht es ihr?“

„Macht Euch keine Sorgen, Celann. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen, dass jemand seine schützende Hand über sie hält.“

„Fragt sich nur wer...“, Ingjard biss missmutig in ihr Stück Brot.

„Ich habe sie gewaschen und mir ihren Körper genauer angesehen. Ich konnte, wie Ihr, keinerlei Verletzungen, außer der Beule am Hinterkopf, feststellen. Aber auch keine Art von Magie, wenn Ihr versteht.“, sie blickte ernst in die Runde.

„Warum schläft sie dann so lange?“, Celann wurde ungeduldig.

„Sie ist vollkommen entkräftet. Ihr muss etwas sehr schlimmes widerfahren sein.“, Isran und Celann blickten Karita erwartungsvoll an.

„Während ich sie wusch, wurde sie wach...“

„Und was hat sie getan?“, fragten beide Männer gleichzeitig, was Karita grinsend den Kopf schütteln ließ.

„Sie hat mich einfach nur angesehen und gelächelt. Sie ist...“, Karita schien nach den richtigen Worten zu suchen, „...fast unnatürlich schön.“

„Wem sagt Ihr das...“, flüsterte Celann, woraufhin Ingjard sich erhob und in eines der Zimmer ging. Krachend fiel die Tür ins Schloss...

„Selbst ihr Körper ist ohne Makel, er strahlt eine Stärke aus, die mir Angst macht. Dennoch ist sie weiblich, weich und wenn sie lächelt, lächelt man mit. Ich gebe zu, selten eine solche Lieblichkeit gesehen zu haben. Nur allein ihr Anblick lässt mein Herz schneller schlagen.“

Die Art, wie Karita den letzten Satz ausgesprochen hatte, ließ Vori aufhorchen und in ihre Richtung sehen. Erwartungsvolles Blau traf auf ein fragendes Braun.

Für einen Moment schien die Zeit einfach still zu stehen...

Vori presste die Lippen aufeinander, als Karita langsam auf sie zukam...

Ihre Bewegungen wirkten so geschmeidig...

Wie ein wunderschönes Raubtier, dass sich auf der Jagd befand und seine Beute längst auserkoren hatte...

Doch ehe sie Vori erreichte hatte, drehte sie sich noch einmal um...

„Ihr alle habt Euch etwas Ruhe verdient, vergesst heute Eure Sorgen, esst und trinkt. Es gibt auch die Möglichkeit ein heißes Bad zu nehmen.“, sie nickte Celann und Isran zu.

Vori hingegen konnte ihre Augen nicht von Karitas Hintern nehmen, beinahe sehnsüchtig streichelten ihre Blicke den Umriss, der unter dem grünen Stoff gut erkennbar war.

„Habt Dank. Doch ich werde mich für heute zurückziehen. Es waren ein paar lange Tage...“, Celann verabschiedete sich und verließ den Raum.

„Spielverderber...“, grunzte Durak.

„Was ist mit Euch?“, Karita wandte sich wieder Vori zu, die Mühe hatte in das Gesicht der schönen Frau zu sehen und nicht dorthin wo der goldene Anhänger hing.

„W... was?“

„Trinkt Ihr nicht?“, Karita beugte sich etwas zu Vori hinunter, deren Lippen plötzlich unglaublich trocken wurden. Schnell ließ sie ihre Zunge darüber fahren, um überhaupt sprechen zu können.

„Nun...“

„Ich fasse das als 'Ja' auf...“, Karita zwinkerte und ging zum Tresen...

„Ich finde, Karita hat wie immer Recht. Die Tage waren hart und wir haben uns etwas Ruhe verdient...“ Durak stieß Vanik freundschaftlich an, der eifrig nickte.

„Leitet Rustleif noch die Schmiede?“, fragte Isran seinen Freund.

„Ja. Braucht Ihr etwas?“

„Uns sind die Stahlbolzen ausgegangen...“

„Ich werde Euch begleiten. Karita wird die Stellung halten.“, er nickte seiner Tochter zu, die dies erwiderte.

„Passt auf Euch auf!“, rief Karita den beiden Männern hinterher, bevor sie zu Vori ging, „...Hier.“ Karita reichte ihr einen Krug Met und hob ihren eigenen in die Höhe. Beide Frauen nahmen einen tiefen Schluck...

Das Gebräu schoss rasend schnell in Voris Kopf und hinterließ eine wohlige Wärme in ihrem Inneren.

„Ihr trinkt nicht oft, oder?“, Karita sah Vori so tief in die Augen, dass sie im ersten Moment nicht sagen konnte, ob es der Met oder dieser Blick war, der dafür sorgte, dass ihr schwindlig wurde. Behutsam legte Karita ihre Hand auf Voris Wange und streichelte sie zärtlich.

„In der Welt in der ich mich bewege, kann Alkohol zu Unachtsamkeit führen und nach meiner Erfahrung, führt diese immer zum Tod.“

Ohne dass sie es wollte, schmiegte sie sich leicht gegen Karitas Hand und schloss für ein paar Sekunden die Augen.

„Ich verstehe...“, als Vori ihre Augen wieder öffnete, schien Karita ihr langsam näher zu kommen, „...ich gebe zu, mir gewünscht zu haben, Euch wieder zu sehen...“, flüsterte sie verführerisch.

„Mich? Das kann ich kaum glauben...“, lachte Vori leise und wollte gerade ihr Gesicht wegziehen, doch Karitas Hand verhinderte dies.

„Ich scherze nicht. Ihr seit eine faszinierende Frau, Vori. Stark und schön. Ich mag die Züge Eures Gesichtes...“, Karitas Finger glitten sanft an Voris Kinn herab, während sich ihre Lippen einander langsam näherten...
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