Dämmerwacht adé

GeschichteRomanze, Fantasy / P18 Slash
11.10.2018
28.10.2019
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16.10.2018 1.899
 
„Wir werden mit ihr nicht den sicheren Weg nehmen können, oder? Er ist zu lang und ihre Verfassung zu schlecht.“, Celann konnte sich an der bildschönen Frau nicht satt sehen.

„Das weiß ich, ich kann an nichts anderes mehr denken...“, Isran hob die Hand und der Zug stoppte.

„Lasst mich raten...“, Durak blickte den Anführer wissend an, „...wir nehmen die Route Richtung Dämmerstern?“

„Wir haben keine andere Wahl...“

„Ich bin dafür.“, Vori lächelte Isran zu, der diese Geste sehr zu schätzen wusste.

„Ich nicht!“, Ingjard sah nicht einmal in Israns Richtung, „...wir wären viel schneller und weiter, wenn sie nicht wäre.“

„Wisst Ihr...“, Isran löste seine Umarmung und gab sein Mündel an Celann weiter, der es beinahe dankbar annahm, bevor er vom Pferd abstieg und auf Ingjard zuging, „...Ihr scheint in all der Zeit der Jagd vergessen zu haben, wofür die Dämmerwacht steht, oder Ihr habt den Sinn der Dämmerwacht bis heute nicht verstanden...“, Vanik und Durak stiegen ebenfalls von ihren Tieren, „...wir töten nicht nur Vampire. Wir helfen auch deren Opfern, egal auf welche Weise. Wir bieten jedem Schutz, vollkommen gleich, welcher Rasse, der einen Angriff überlebt hat und das so lange, bis diese Person unseren Schutz nicht mehr benötigt. Allein die Tatsache, dass Ihr diese Frau einfach dort liegen gelassen hättet, nur um Eure eigene Haut zu retten, veranlasst mich, Euch gut im Auge zu behalten, Ingjard.“

„Das ist nicht fair, Isran...“, Ingjard ballte die Hände zu Fäusten.

„Was soll dieses unsinnige Gerede?!“, Durak blickte beide ernst an, „...wir haben sie mitgenommen, also kümmern wir uns auch um sie. Wir lassen niemanden zurück, nicht mal Euch, Ingjard.“

„Ihr versteht mein Denken und meine Sorge nicht, Durak. Und so wie es aussieht, auch niemand anderes hier. Auf dem langem, sicheren Weg haben wir es höchstens mit ein paar Banditen und Tagelöhnern zutun...“

„Und Riesen...“, Vanik grinste amüsiert.

„Die Lager kann man umgehen!“, zischte Ingjard wütend, als sie bemerkte, nicht ernst genommen zu werden, „...die Chance, dass eine stirbt...“, sie blickte wütend zu der Nord in Celanns Armen, „...ist aus meiner Sicht vertretbarer, als wenn wir alle sterben. Der Weg nach Dämmerstern führt meilenweit durch Sümpfe und dichte Wälder. Dort wimmelt es von Chauren, Frostbissspinnen und anderen Dingen. Auch die Windseitige Ruine und Kjenstag sind nicht gerade sicher.“

„Ihr habt die Zwergenstadt Mzinchaleft vergessen...“, Vanik nickte eifrig, was Durak und Vori zum Lachen brachte und Ingjard noch wütender machte.

„Stimmen wir doch einfach ab.“, unterbrach Isran das Schauspiel. Zufrieden stellte er fest, dass es lediglich Ingjards Arm war, der nicht in die Höhe gehoben wurde, „...dann ist es beschlossen.“

„Das bedeutet doch sicher einen Halt im Windigen Gipfel, nicht wahr?“, Vanik grinste derart breit, dass selbst Isran lächeln musste.

„Nun, ich habe Thoring schon sehr lange nicht mehr gesehen...“, gab er nickend zu.

„Dann lassen wir Euren Freund doch nicht länger warten.“, Celann blickte Isran aufrichtig an, „...Dort ist es warm, das Essen ist gut und die Betten sind weich. Vielleicht haben wir Glück und sie wacht auf. Sie braucht dringend Nahrung und Flüssigkeit.“

„Das brauchen wir alle!“, rief Vanik freudig und boxte Vori leicht gegen die Schulter, „...das und ein warmes Met. Dazu noch die Stimme der lieblichen Karita.“, er schnalzte mit der Zunge.

„Männer...“, entwich es Vori stöhnend.

„Allein wenn die Frau spricht, oder einem Mann nach einem langen Tag ein Met bringt, erfreut dies das Herz mit einer wärmenden Woge.“

„Das Herz und Eure Augen nicht wahr, Durak?“

„Schaut mich an und sagt mir, dass sie Euch nicht gefällt?“, Durak riss die Augen auf und sah Vori herausfordernd an, die leicht errötete.

„Mich lockt allein das Essen. Frisches Brot, Käse, Lachs...“, verteidigte sich Vori schwach, doch ein eisiger Wind ließ sie verstummen.

„Natürlich...“, Isran strich sich über den dunklen Bart und blickte nach vorn, „...es ist bis dahin noch ein langer Weg.“

„Den wir auch schaffen werden.“

„Wollt Ihr sie noch etwas bei Euch wissen?“, fragte Isran, die Antwort bereits kennend. Celann jedoch schien ihn nicht zu hören, behutsam wischte er seinem Schützling die Schneeflocken vom Gesicht.

„Celann? Hallo!!“, Ingjards verärgerte Stimme hätte die Toten aufwecken können.

„Was?“, dieser blickte verwirrt in die Runde, was für weitere Lacher sorgte.

„Die holde Ingjard will wissen...“, Vanik versuchte dabei krampfhaft nicht zu lachen.

„Ich kann für mich selbst sprechen!“

Sofort hob Vanik beschwichtigend die Hände und Celann begann zu ahnen, worum es hier ging.

„Ich würde sie gerne noch etwas halten...“

„Ist nicht zu übersehen...“, Ingjard ritt an ihm vorbei, ohne ihn weiter zu würdigen...


(xxx)

2 Tage später...

Eine Stunde Ritt von Dämmerstern entfernt.

„Hm...“, Durak hielt seine Nase schnüffelnd in die Luft, „...ich kann das Met schon riechen.“

„Und ich, treuer Freund...“, Vanik schmatzte laut, „...kann es bereits schmecken.“

„Hauptsache Ihr betrinkt Euch nicht wieder so stark wie neulich im Haus Kerzenschein.“

„Hey! Das ist unfair! Ich sagte Euch doch, dass mir diese Bardin was in meinen Met getan hat. Mit Sicherheit wollte sie mich betäuben und bestehlen!“, schnaubte Vanik empört.

„Sie kam nur einmal an den Tisch und fragte, ob wir Wünsche hätten. Es war der Wirt persönlich, ein Nord wie Ihr, der uns bediente.“, kicherte Vori, was ihr einen Klaps auf den Hinterkopf einbrachte.

„Und ich wette, genau bei diesem einen Mal hatte sie vorher ihre widerlichen Dunmerfinger in meinem Met.“

„Was für ein Unsinn...“, Ingjard sah ihn an, als hätte er den Verstand verloren, „...Ihr habt Euch einfach nicht im Griff, Vanik. Nach dem 6 Met habe ich aufgehört zu zählen.“, die trockene Art Ingjards und Vaniks geschocktes Gesicht, ließen Durak laut losprusten.

„Ihr solltet lieber ruhig sein, Ingjard. Auf Eure Aussagen ist auch kein Verlass. Wir haben bis jetzt keinen Ärger gehabt...“, Vanik blickte sie triumphierend an, „...wo sind den Eure Chauren, Eistrolle und Frostbissspinnen?“

„Lacht nur, Vanik. Wir hatten einfach nur Glück...“

„Orks glauben nicht an Glück. Malacath wacht über uns.“, mischte sich Durak ein.

„Vori? Wie sieht es dahinten aus?“, fragte Isran, um der endlosen Diskussion ein Ende zu bereiten.

„Hin und wieder bewegen sich ihre Augenlider, sie ist wirklich zäh. Ihre Atmung ist ruhig und ihre Wangen weisen eine leichte, rötliche Färbung auf.“, gab Vori zurück. Es war an ihr, sich um die Frau zu kümmern. Nie würde sie zugeben, dass sie Celanns Faszination die Fremde betreffend, von Anfang an geteilt hatte. Sie war wirklich schön, ihr helles, blondes Haar umrahmte das markante und doch liebliche Gesicht. Selbst im Schlaf konnte sie einem den Atem rauben...

„Der Wald wird dichter...“, Celann sah sich um.

„Er wird nicht nur dichter, sondern auch dunkler...“, Vori sah hinauf zum Himmel, dessen Blau von den Strahlen der Sonne erhellt wurde, die jedoch nicht ansatzweise durch das Geäst der Bäume fielen, was sie eigentlich sollten.

Binnen von Sekundenbruchteilen stieß sie den Warnruf des Steinhuschers aus, jenes geheime Zeichen, dass für ernste Gefahr stand...

Ohne miteinander zu sprechen ordneten alle ihre Pferde in einer V-Formation an, dessen Spitze Isran bildete. Dicht beieinander stehend griffen sie nach ihren Waffen und lauschten.

„Vori?“, flüsterte Isran, dessen Augen fieberhaft die Umgebung absuchten.

„Der Schnee zwischen den Bäumen...“

„Was ist damit?“, knurrte Durak.

„Die Art wie er zwischen den Ästen hängt...“, Vori nahm die Nord fester in den Arm, zum Rückzug bereit.

„Sie hat Recht. Seht genauer hin...“, Celann lud seine Armbrust.

„Das sind Netze...“, entwich es Ingjard kaum hörbar, „...sie verlaufen nicht nur im Geäst und zwischen den Bäumen hindurch, sondern auch auf dem Boden.“

„Das ist eine Falle...“, selbst Isran dämpfte seine Stimme.

„Und wir sind mitten hineingelaufen. Sie wissen längst, dass wir hier sind...“, Ingjard sah Vanik mit ihrem -Ich habe es Euch gesagt- Blick an. Dieser schluckte schwer, als er sich der erheblichen Gefahr, in der sie alle schwebten, voll bewusst wurde.

„Wir müssen langsam zurück...“, wies Isran den Trupp an.

„Oh nein...“, Voris Stimme war von Angst erfüllt, „...ich befürchte, dazu ist es zu spät!“

Kurz darauf begann die Schneedecke bedrohlich zu knacken...

Überall wurden feine Risse erkennbar, die wirr den Boden durchzogen. Dann wurde der Schnee von unten nach oben gedrückt...

„Jetzt wären mir Wölfe lieber...“, stöhnte Vori. Panik erfasste sie, die sich nur mit Mühe unterdrücken ließ, als ein langes, behaartes Bein im Schnee sichtbar wurde, dem weitere sieben folgten. Kaum hatten diese einen sicheren Stand, zeigte sich ein massiger Hinterleib.

Überall um den Trupp herum brach das Eis und der Schnee...

„Das sind verdammt viele...“

„Frostbissspinnen jagen nie allein...“, Ingjards zynische Worte, entfachten die Wut in Celann.

„Haltet einfach den Mund!“, der Zorn in seiner Stimme war nicht zu überhören und ließ Ingjard zusammenzucken, „...ich habe es satt Euch und Eurem Gejammer zu lauschen. Wie viele Bolzen haben wir noch?“, fragte er dann hoffend in die Runde.

„Ich habe noch 3.“

„Ich ebenso.“, schloss sich Vanik Durak an.

„Einer...“, Celann sah Isran an, der nickte.

„Das wären dann 8. Was ist mit Euch, Ingjard?“

„Ich habe keine mehr...“

„Teilt sie auf und zielt genau zwischen die Augen.“

„Ich kann meine Armbrust so nicht halten...“, Vori wies auf die Frau in ihren Armen.

Doch zu mehr kam sie nicht...

Ein heftiger Aufprall riss sie mitsamt der Nord von ihrem Pferd...

Ehe sie auf die Beine kam, sah sie, wie ein großes Exemplar seine Fänge tief in das Fleisch ihres Pferdes gegraben hatte. Giftiges Sekret rann glänzend von den Mundwerkzeugen direkt in die Wunde.

Mit einer schier unglaublichen Kraft zerrte die Spinne das vor Schmerz wiehernde Tier ins dunkle Dickicht...

„Steht auf!!“, riss Ingjards Schrei sie aus ihrer Starre. Deren Bolzen sauste nur knapp neben ihrem Ohr vorbei und riss die fauchende Kreatur, die gerade zum Sprung angesetzt hatte, nach hinten weg.

„Ich danke Euch!“, Voris Augen waren vor Schreck geweitet.

„Dankt mir nicht zu früh, dass ist mein letzter Bolzen!“, kaum ausgesprochen drehte sie sich in Celanns Richtung und legte erneut an, „...runter!!“, er folgte ihrem Befehl und schmiss sich in den Schnee, bevor das Geschoss die Spinne seitlich von ihm in den sicheren Tod beförderte.

Anerkennend nickte er ihr zu, was sie lächeln ließ...

Es folgten weitere Aufschläge bis das Surren verstummte...

„Das waren die Letzten!“, rief Durak und zog seinen Hammer hervor.

„Bildet einen Kreis um sie!“, schrie Isran.

Schützend stellte sich die Gruppe um Vori und die Nord.

Von überall her sahen sie weitere der Bestien auf sich zu rennen...

„Das schaffen wir nicht, es sind zu viele!“, brüllte Vanik, bevor er sein Schild hochriss und das Gift, dass ihm entgegen geschleudert wurde, abwehrte.

„Zusammenbleiben!“

Doch plötzlich hielten die Spinnen in ihrer Bewegung inne...

Wie auf Kommando senkten sie ihre tödlichen Fänge und standen bewegungslos da...

„Worauf warten sie?“, Isran sah sich um. Hunderte schwarze Augen fixierten ihn böse. Eines der größeren Exemplare stieß ein lautes Zischen aus, was eine Massenbewegung zur Folge hatte. Doch die Meute bewegte sich nicht auf Isran und seine Leute zu, sondern zurück. Es dauerte nur wenige Sekunden und sie waren im Unterholz verschwunden...

„Was habt Ihr gemacht?“, Durak sah Isran an.

„Ich weiß es nicht...“

„Sie sind weg, einfach so.“, Ingjards Erstaunen war unübersehbar, „...das ist kein normales Verhalten.“

„Statt hier zu stehen und sich nach dem Warum zu fragen, sollten wir hier verschwinden. Ich werde sie nehmen.“, er wies auf die Unbekannte. Isran und Celann zögerten keinen weiteren Augenblick und gaben Vanik, was er verlangte.

„Ihr könnt bei mir mitreiten...“, Ingjard reichte Vori die Hand, die diese dankbar annahm...

„Es ist nicht mehr weit bis Dämmerstern...“, Durak gab seinem Pferd die Sporen, bis der Umriss des Ortes endlich auftauchte..
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