Lautlos

GeschichteDrama, Romanze / P18 Slash
10.10.2018
11.01.2019
5
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Dieses Kapitel
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Hey, vielen lieben Dank für fast 70 Favoriteneinträge <3
Viel Spaß und bis bald,
Laura
_________
Als Jo dann vor der Tür stand, war ich auch total verpennt, immerhin war es 7 Uhr früh, und hatte meine Sachen eher schlecht als recht gepackt. Ich hoffte, dass ich wenigstens so geistesgegenwärtig gewesen war alles einzupacken, was wichtig war. Ladekabel, Sportsachen, Portemonnaie, Duschzeug,... ging ich im Geiste nochmal alles durch, während ich zu Jonas' Auto lief. Ach, das wird schon passen, sonst hatte ich Pech. Mein Kumpel sah einigermaßen wach aus, als er mich begrüßte und meine Tasche in den Kofferraum schmiss. Das freute mich schon mal, da er ja jetzt fahren würde und wenn er total müde war, würde ich ihm da nicht vertrauen, aber so ging das schon klar.

„Schlaf, bis wir da sind, doch einfach nochmal eine Runde, sonst ertrag ich dich heute nicht“, bemerkte Jo, als ich mich anschnallte.
„Hm“, grummelte ich und schlief ein.

Er weckte mich dann auch, nachdem wir am Zielort angekommen waren. Ich fühlte mich nicht mehr so müde, aber richtig wach war ich noch nicht. Wir gingen in die Sporthalle, in der der Workshop stattfand. Ich schrieb Robin, dass ich da war und dass das Netz extrem schlecht war, weswegen ich nicht viel schreiben konnte. Jo drückte mich in die Umkleide, da ich sonst vorbeigelaufen wäre, weil ich auf mein Handy geguckt hatte.

„Du solltest ihn echt treffen und nur noch persönlich mit ihm reden.“
„Vielleicht. Mein Plan wird nächste Woche Montag umgesetzt.“

Ich wurde einigermaßen wach, nachdem wir die Begrüßung und die Vorstellung des Programms hinter uns gebracht hatten und mit einer Erwärmung begannen. Ich lief mit Jo erstmal etliche Runde in der Halle. Die anderen waren alle auch sportlich und wir konnten auch kurze Sprints gegen Fremde testen, was meiner Rennmaus Jonas Spaß machte. Er war mit Abstand der Schnellste im Kurs. Wir spielten noch einige Spiele, bevor wir mit den Judogriffen begannen. Einige hatte ich schon mal gesehen, aber die meisten waren doch neu für mich, da ich mich damit bisher nicht so beschäftigt hatte.
Es machte erstaunlich viel Spaß. Ich trat hierbei aber nicht gegen Jo an, weil wir uns möglichst gleichgroße Partner gesucht hatten und Jo einfach viel kleiner war als ich. Das war aber auch nicht schlimm. Ich hatte kein Problem fremde Typen auf die Matte zu schicken oder mich auch mal dorthin fallen zu lassen, natürlich mit der richtigen Abschlagtechnik. Diese hatten wir vorher nochmal kurz wiederholt gehabt. Wir hatten einige Pausen, waren insgesamt aber die meiste Zeit beschäftigt.

Das Wochenende war super anstrengend, da ich fast den ganzen Tag irgendwelche neuen Techniken lernte und den Rest der Zeit verbrachten Jo und ich damit Joggen zu gehen oder auch in die Schwimmhalle des Hotels zu gehen. Das powerte mich gut aus und ich war Sonntag Abend sehr entspannt und unglaublich müde.

Mit Robin konnte ich gar nicht schreiben in dem Zeitraum. In den Pausen hatte ich mich einfach kurz ausgeruht und Abends war ich ins Bett gefallen. Der Schlaf überkam mich sofort. Da blieb keine Zeit mehr ihm zu schreiben. Sonntag Nachmittag teilte er mir mit, dass es echt öde ohne mich war und ich doch bitte bald zurückfahren könnte. Er vermisse mich. Das war schon niedlich von dem Kleinen. Morgen würde ich ihn nach einem Date fragen. Heute wollte ich nur noch schlafen. Jo tat mir ganz schön leid, als er sich noch eine Stunde aufs Autofahren konzentrieren musste. Ich konnte im Sitz neben ihm schlafen, während er auf die Straße blickte. Er setzte mich bei meiner Wohnung ab und wir verabredeten uns für Dienstag. Morgen war erstmal ein Tag Pause angesetzt.

Bin gerade wieder zurückgekommen. Ich bin aber totmüde. Ich habe das ganze Wochenende Sport gemacht und hab jetzt absolut keine Energie mehr. Gute Nacht und ich hoffe, dein Wochenende war nicht zu langweilig.


Montags hatte ich immer ziemlich zeitig Uni und konnte schon, bevor Robin zur Schule musste, mit ihm schreiben. Darauf freute ich mich schon, nachdem ich jetzt das ganze Wochenende auf Robin-Entzug war und ich konnte ihn gleich fragen nach einem Treffen. Ich war zwar noch ziemlich müde und schlug nach meinem Wecker, als er klingelte, aber ein wenig wacher wurde ich, als ich Robins Nachricht erblickte.

Mein Wochenende war ziemlich langweilig. Karo hatte keine Zeit herzufahren und deswegen habe ich meine Zeit mit Lernen verbracht, obwohl es da schon ein paar spannende Sachen gab und ich dich jetzt mit ganz vielen coolen Fakten nerven könnten, aber die finde eh nur ich cool :D

Das ist schade, dass sie keine Zeit hatte. Aber hey,... Ich habe Zeit für dich und würde dich immer noch gern persönlich kennenlernen und dich treffen.

Ich habe doch Hausarrest

Bis heute, laut deiner Aussage ;)

Sorry, aber ich habe aktuell keine Zeit.

Okay... Schade. Vielleicht ein andern Mal.


Gut, also Zeit für meinen Plan. Der wird ihm definitiv nicht gefallen, aber so würde das ja nie was werden, wenn er mir sofort ausweicht nur weil ich es in Erwägung ziehe ihn persönlich kennen lernen zu wollen.

In der Uni angekommen berichtete ich Phil, dass ich meinen Plan umsetzen würde und er erzählte mir von den zwei netten Damen, die sein Wochenende versüßt hatten. Er wusste ihre Namen nicht mehr, aber konnte sich an jede Stellung erinnern. Das war schon etwas traurig, aber es war einfach Phil und er versuchte mich aufzuheitern, weil er merkte, dass mich das schon etwas mitnahm, das Robin mich einfach nicht treffen wollte. Seine nette Dame, mit der er ein paar Mal im Bett gelandet war, war mittlerweile schon wieder Geschichte. Sie hatte sich in ihn verliebt. Die Arme...

„Es ist ja unerträglich, wenn du so enttäuscht bist. Noch schlimmer, als wenn du Sport brauchst“, stellte er mittags fest.
„Danke“, grummelte ich.
„Na, ist doch so. Vielleicht kann dich ja Jo etwas aufheitern, wenn ich es schon nicht mit meinen absolut geilen Sexgeschichten schaffe.“
„Oh ja, die waren schon toll. Immerhin weiß ich jetzt, was du wo und wie mit ihnen gemacht hast“, antwortete ich sarkastisch.
„Ich will dir nur die Möglichkeit geben, dass du dir mich beim Sex vorstellen kannst. Das ist ja wohl offensichtlich geil. Du traust dich nur nicht zu fragen.“

Ich grinste und schüttelte den Kopf. Phil sah nicht schlecht aus, aber ich möchte ihn mir echt nicht beim Sex mit Frauen vorstellen. Ich möchte mir allgemein keine Frauen beim Sex vorstellen, also nichts gegen Frauen, aber naja… ich bin halt einfach schwul, da gibt mir die Vorstellung nichts.

„Gehst du heute zum Fitnessstudio?“
„Nein, ich bin noch fertig vom Wochenende. Morgen wieder“, grummelte ich. Insgesamt hatte ich wirklich wenig geschlafen und in mir tobte noch nicht diese Unruhe, die sonst da war, wenn ich kein Sport machte.
„Dann bist du ja morgen wieder unerträglich… kein Sport gemacht und aufgeregt wegen deinem kleinem Superhelden.“
„Ich stehe nur für deinen Seelenfrieden früher auf und geh dann Joggen“, grinste ich.

Dass das sowieso geplant war, musste ich ihm ja nicht verraten. Mir war klar, dass ich morgen umso nervöser war und ich mit dieser geballten Masse an Energie gar nicht erst meinen Plan umsetzen sollte, sonst verschreckte ich Robin tatsächlich noch und das wollte ich ja unter keinen Umständen.

Als mein Wecker dann tatsächlich um 6.30Uhr klingelte, dachte ich mir, dass ich doch total bekloppt war, als  ich mir überlegt hatte, dass das ein guter Plan wäre. Ich war unendlich müde. Am Abend hatte ich noch ein wenig mit Robin geschrieben und die Zeit etwas vergessen. Total fertig zog ich mir meine Sportsachen an und beschloss mir meine Müdigkeit wegzulaufen. Das funktionierte erstaunlich gut. Es war zwar noch recht dunkel, da es ja jetzt Winter wurde, aber die Temperaturen waren noch recht angenehm. Ich war der Einzige, der um diese Zeit durch die Gegend rannte. Alle anderen liefen höchstens müde zur Bahn, um zur Arbeit oder zur Schule zu fahren. Verwirrt schwirrten ihre Blicke zu mir, wenn sie meine schnellen Schritte auf dem Boden widerhallen hörten. Ich hielt mich auch selbst mal für verrückt. Das war ja auch nicht normal, um diese Zeit bei den Lichtverhältnissen Joggen zu gehen...freiwillig.

Nach einer Stunde stand ich dann unter der Dusche und war recht nervös, weil ich meinen Plan nachher umsetzen würde und ich wusste, dass das ganz schnell schiefgehen könnte, wenn er sich erschreckt und nichts mehr mit mir zu tun haben wollte. Immerhin tauche ich als Fremder einfach an seiner Schule auf und will mit ihm reden, dass kann schon ziemlich verstörend sein.
Er hatte mir aber gesagt, welche Schule er aktuell besucht und ich weiß mittlerweile schon, wann er Schluss hat. Mein Campus, auf dem ich nachher sein würde, war sehr nahe und deswegen lohnte es sich, direkt von dort hinzugehen. Ich würde 10min vor Unterrichtsschluss da sein. Damit könnte er rechnen, würde er aber nicht. Ich musste vorsichtig sein, denn er sollte sich wirklich nicht erschrecken.

Heute musste ich besonders gut aussehen. Zumindest sollte ich versuchen mich ordentlich zu kleiden, aber das sollte nicht allzu schwierig sein. Meine kurzen braunen Haare saßen automatisch. Mein brauner Teint war aus dem Sommer gut erhalten, aber blass wurde ich eh nicht. Ich suchte ein Flanellhemd heraus und krempelte die Ärmel hoch bis zu meinen Ellenbogen. Ich legte mein dünnes geflochtenes Lederarmband um. Danach suchte ich die hübsche schwarze Hose raus. Diese trug ich normalerweise immer zu feiern oder auch mal wenn es etwas schicker sein sollte. Mein dünner schwarzer Mantel und meine schwarzen Boots würden das ganze abrunden.

Als ich in der Uni ankam, fiel Phil direkt auf, dass ich mich schick gemacht hatte. Er meinte, dass ich ihn allein damit überzeugen würde, sofern er nicht gerade blind war. Mein Handy vibrierte, sodass ich erstmal nicht antwortete, sondern die Nachricht las.

Guten Morgen Benny. Na wie ist die Uni?

Ruhig, ging gerade erst los. Alle noch müde hier. Und Schule?


Während der Vorlesung war es tatsächlich recht ruhig, aber ich nicht. Ich zappelte herum, wie ein Weltmeister. Ich hätte die ganze Zeit mit Phil reden können. Dieser sah mich mittlerweile schon sehr skeptisch an und fragte mich, ob ich doch nicht Joggen war. Ich meinte, dass ich war.

„Oh Gott“, flüsterte er und knallte den Kopf auf den Tisch, „Was soll das heute nur werden?“

Ich ging ihm die nächsten drei Veranstaltungen vollkommen auf den Wecker. Ich bekam auch viel mit von den Unisachen, also es war nicht so, dass ich einfach unproduktiv herum zappelte. Nein. Ich konnte beides parallel. Nerven und neue Dinge lernen. Phil war total begeistert davon… nicht. Ich sollte ihm zur Entschuldigung echt mal was schenken. Das wurde wirklich Zeit. Er musste so oft ertragen, wie unruhig ich war. Heute war es echt besonders schlimm. Ich glaube, ich klapperte kontinuierlich mit irgendetwas herum. Im Seminar fiel es schon mehr auf als in der Vorlesung, mein Dozent warf mir auch regelmäßig einen bösen Blick zu.

Vor unserer letzten Veranstaltung versuchte mich Phil nochmal ein wenig zu beruhigen, weil er wusste, dass er mich danach nicht mehr erwischen würde. So arrogant er auch manchmal wirkte, er war ein klasse Freund.

„Du schaffst das, wenn er dich wegschickt, gehen wir gemeinsam in einen Schwulenclub und saufen und suchen dir einen Kerl.“
„Danke, aber du in einem schwulen Club?“
„Wäre doch mal gut zu wissen, ob ich bei Männern noch erfolgreicher bin als bei den netten Damen hier. Vielleicht schnappe ich dir auch alle weg.“
„Oh Mann, du hättest doch Panik einen anderen Schwanz als deinen zu berühren.“
„Was denkst du denn von mir?“
„Nichts homosexuelles, Sweetie.“
„Okay, ja gut… Hast schon recht.“

Er machte mir noch etwas Mut und dann ging die Veranstaltung los. Ich war nicht ganz so aufmerksam und immernoch nervös, aber ich versuchte nicht so viel zu zappeln, damit ich Phil nicht noch mehr nervte. Das wäre blöd. 90 Minuten konnten unendlich lang sein. Ich versuchte mich zu beteiligen und möglichst viel mitzunehmen, aber ich dachte immer daran, was nachher als schief gehen konnte. Das war wirklich viel. Unfassbar viel. Er könnte mich nicht erkennen. Er könnte mich ignorieren. Er könnte ausrasten. Er könnte den Kontakt abbrechen. Es gab noch mehr Möglichkeiten, die sich in meinem Kopf abspielten, aber ich versuchte sie immer wieder in die hinterste Ecke meines Kopfes zu vergraben und wieder beim Unistoff mitzudenken, aber das klappte bis zuletzt nicht.

Als es vorbei war, verabschiedete ich mich schnell von meinem Freund und machte mich auf den Weg zur Schule. Ich wusste nicht, was mich erwarten würde und ich hoffte, dass ich ihn sofort erkennen würde, nicht das er einfach an mir vorbei läuft, aber so viele rothaarige gab es sicher nicht.

Als ich am Gebäude war, stelle ich mich abseits vom Zaun, sodass ich alle, die herauskamen, sehen konnte, aber bestenfalls nicht sofort gesehen wurde. Ich ging im Kreis, bis die ersten Schüler das Gebäude verließen, allerdings waren es noch kleinere Kinder. Vielleicht so 5. Klasse. Viele wurden von ihren Eltern abgeholt, einige gingen zielstrebig zur nächsten Bushaltestelle.

Dann kamen die ersten älteren Schüler, sie könnten ungefähr so alt sein wie Robin. Es sah niemand so aus wie er… Aber dann erblickte ich einen Rotschopf. Es passte. Das war er. Und oh Gott, er war noch viel süßer als auf dem Bild. Er lief neben einer jungen Blondine her. Sie schien etwas zu alt für die Schule, aber zu jung um eine Lehrkraft zu sein. Beide schwiegen, als sie durch das Schultor liefen. Robin blickte kontinuierlich auf den Boden, sodass er mich gar nicht bemerken konnte. Ich bewegte mich in ihre Richtung und rief laut seinen Namen, da nun immer mehr Schüler heraus kamen und es langsam unübersichtlich wurde.

„Robin!“
Neben mir begann jemand zu lachen.
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