Lautlos

GeschichteDrama, Romanze / P18 Slash
10.10.2018
20.04.2019
8
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Es geht wohl schneller weiter als gedacht :D
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Ich grinste und stand auf. Als ich meine Vorhänge beiseite zog, stellte ich fest, dass das Wetter gut genug zum Joggen war. Die Sonne ging gerade erst auf und die erste Lichtstrahlen bahnten sich den Weg durch mein Zimmer. Es sah nicht unbedingt warm aus, aber es war trocken. Es schien kein Wind zu gehen, das war auch recht angenehm. Eisiger Gegenwind konnte mit der Zeit nämlich echt nervig werden. Aber so war es für mich perfekt.

Begeistert zog ich meine Sportsachen an, ging kurz ins Bad und machte mich dann auf den Weg. Es war ziemlich kalt, aber die Kälte war schnell vergessen, als ich in meinem Tempo durch die Gegend traben konnte. Ich finde langsam an, lief aber etwas schneller, als ich einigermaßen warm war. Die Leute, die an mir vorbei liefen, schauten mich meist nur kurz verstört an, wahrscheinlich weil sie das Wetter zu schlecht fanden, um Joggen zu gehen. Ich fand es nicht perfekt, aber durchaus geeignet. Grinsend sprintete ich kurze Strecken, wenn niemand im Weg war. Schließlich wollte ich niemanden verletzen, sondern mich nur ganz entspannen. Phil würde sicherlich sehr erfreut sein, wenn ich ihn nicht nerven würde.

Zurück in meiner Wohnung, ging ich zunächst duschen und anschließend war Frühstück angesagt. Mich erwartete zusätzlich noch eine Nachricht von Robin.

Wie war deine Joggingrunde?

Gut, aber woehr weißt du ,dass ich joggen war?

Das Wetter ist für jeden Menschen schlecht, aber du findest es zum Joggen geeignet. Hauptsache es regnet nicht. Immerhin machst du Phil in der Uni nicht nervös ;P

Du bist clever. Ja, Phil wird begeistert sein, dass icih seinen Damengescichten komplett folgen kann, ohne abgelenkt zu sein.


Er war wirklich angenehm überrascht, wie ruhig ich war, als ich in der Uni war. So hatte er einen recht angenehmen Tag mit mir gehabt.

Wie versprochen saß ich abends mit meinem Handy im Bett. Ich war total ausgepowert, weil ich lange in der Uni war und danach noch ein bisschen was für die Uni nachgearbeitet hatte.  
Nachmittags hatte sich meine Mutter bei mir gemeldet. Sie wollten morgen Abend telefonieren. Bei ihnen wäre das gegen Mittag, da sie aktuell in Kolumbien sind. Meine Eltern telefonierten regelmäßig mit mir, damit sie auch nichts verpassen. Sie wissen noch nichts von Robin, da ich noch nicht wirklich was zu erzählen hatte, immerhin hatte ich ihn ja noch nicht mal getroffen. Morgen würde ich ihnen aber mal ein wenig was erzählen. Papa würde sich freuen, wenn ich ihm erzählen würde, wie mein Studium lief. Er war echt froh, dass ich Medizin studierte. Er hatte mir natürlich die Wahl gelassen und nie von Henni oder mir erwartet dasselbe zu studieren wie er. Dass mich Medizin aber so begeisterte wie ihn, machte ihn dann aber doch glücklich.  

Robin freute sich, dass ich Zeit für ihn am Abend hatte. Wir schrieben über seinen Tag, der recht langweilig dank der Schule war, und danach über die Bücher, die er aktuell so gelesen hatte. Er liest unglaublich viel. Ich war jedes Mal aufs neue erstaunt. Würde er alle Bücher kaufen, die er liest, würde sein Zimmer nur aus Büchern bestehen. Zum Glück ist er in einer Bibliothek angemeldet, sodass sich dies vermeiden ließ. Seine arme Mutter müsste sonst ziemlich viel Geld investieren, damit ihrem Sohn nicht langweilig wurde. Jedes Mal, wenn ich ihn fragte, was er so liest im Moment, nannte er mir schon ein neues Buch. Das ging so unfassbar schnell.

Gute Nacht, Benny. Schlaf später gut. Ich muss jetzt wirklich schlafen gehen, sonst schlaf ich morgen bei dem langweiligen Unterricht erst recht ein ;)

Schlaf schön, viel Spaß morgen ;)


Freitags hatte ich frei. Ich hatte alle Veranstaltungen auf Montag bis Donnerstag verteilt, sodass ich Freitag Vormittag mit Jonas ins Fitnessstudio gehen konnte oder Zeit für andere sportliche Experimente hatten. Das war Tradition. Wir machten zwar sowieso immer unfassbar viel Sport zusammen, aber das war der einzige Termin der immer fest stand. Auch er hatte sich frei genommen. Nachmittags würde ich Unizeug mit Phil nacharbeiten und abends mit meinen Eltern telefonieren. Nebenbei wartete natürlich meine kleine Leseratte auf mich.

Hey Kleiner, heute Abend telefoniere ich mit meinen Eltern, das heißt ich habe leider nicht so viel Zeit für dich, wie ich gern hätte :(

Schade :( Versprichst du mir, dass wir dafür morgen ganz viel schreiben?

Naja, dieses Wochenende ist doch der Workshpo... Ixh probiere es. So, ich muss los, Jo wartet und mit ihm das Schwimmtraining.


Heute wollten wir tatsächlich mal schwimmen gehen. Das macht Jo eigentlich nicht so gern, aber ich liebte es, genau wie ich das Surfen liebte. Vor der Schwimmhalle wartete die Rennmaus schon und grinste mich an.

„Hallooo“, rief ich ihm entgegen.
„Na, mein wunderschöner Engel“, lachte er und umarmte mich kurz.
„Ey, ich bin doch hier der Schwule von uns“, stellte ich schmunzelnd fest.
„Und deswegen darf ich dir kein Kompliment machen“, fragte er gespielt entsetzt.
„Was verschafft mir die Ehre?“
„Du siehst einfach so glücklich aus.“
„Das bin ich auch“, meinte ich.

Wir gingen hinein und zogen uns schnell um. Jo erzählte mir von einer Frau, mit der er aktuell schrieb. Scheinbar war sie kleiner als er, was für ihn schon mal super war, jedoch bezweifelte ich, dass das was wird. Er versuchte es ständig über irgendwelche Dating Plattformen und suchte sich ein Date, allerdings war seine große Liebe noch nicht dabei gewesen. Er war aber nicht der Typ für One Night Stands und für ihn waren die Damen nicht nur eine schnelle Nummer. Gute Einstellung, aber bisher war noch keine Frau kompatibel, dabei ist er ein so sympathischer Mensch, der nicht gerade unattraktiv ist, wie mir gerade mal wieder auffällt. Er ist echt durchtrainiert und macht somit in der Badehose eine verdammt gute Figur. Er hat ziemlich definierten Körper und ein gutes Sixpack. Definitiv heiß.

„Schatz, du kannst mir später an die Wäsche“, stellte er trocken fest und sah mich belustigt an, als er meinen Blick merkte.
„Sorry, aber mir ist mal wieder aufgefallen, was für einen schönen Körper du hast“, gab ich ehrlich zu.
„Danke für das Kompliment. Auch wenn ich nicht schwul bin, kann ich dir das zurückgeben. Eigentlich müssen sich doch sämtlich Typen, um dich reißen und du suchst dir den aus, der es nicht mal schafft dich zu treffen. Das ist nicht gerade clever, aber ich kann verstehen, warum es so ist.“

„Seit wann sind wir wieder beim Thema Robin? Du weißt, dass ich ihn noch von mir überzeugen werde. Ich bin immerhin total sympathisch, oder so...“
„Wirst du deinen Plan umsetzen?“
„Ja. Wenn er Montag wieder eine Ausrede findet, dann mach ich das ganze auf meine Art und Weise...“
„Ich hoffe, er kommt mit deiner Art und Weise zurecht.“
„Na komm, lass uns erstmal schwimmen gehen. Über mein Liebesleben gibt’s aktuell nicht mehr zu bereden“, forderte ich ihn auf.

Wir schwammen etliche Bahnen. Ich zählte nicht mit. Wir waren jedoch ziemlich fit, weshalb es ziemlich lange brauchte, bis wir müde wurden. Zwischendurch wurden auch immer mal wieder kurze Pausen eingelegt, sodass wir insgesamt zweieinhalb Stunden im Wasser verbrachten. Als wir rausgingen, hatte Robin schon Schulschluss gehabt und war auf dem Weg nach Hause.

Na, wie war es? , erwartete mich auch schon seine Nachricht.
Gut, jetzt geht es gleich weiter zu Phil, Unisachen besprechen. Wie war es bei dir? Was hast du heute noch vor?


„Du solltest nicht zu oft auf dein Handy gucken, wenn du läufst, sonst rennst du noch jemanden über den Haufen“, bemerkte Jo, nachdem er mich schnell wegzog, als ich fast ein kleines Mädchen umgenietet hatte.
„Oh, tut mir leid“, brummte ich und steckte mein Handy wieder ein.
„Phil wartet schon auf dich, oder?“
„Jap, 2 Stunden langweiliges Zeug besprechen, ist jetzt angesagt.“

Wir verabschiedeten uns. Morgen würden wir uns schon wieder sehen, da ich mit ihm irgendwo aufs Land hinaus fahren würde für einen Judo Workshop, den Jo unbedingt hatte machen wollen und ich war begeistert. Robin fand es nicht so toll, dass ich noch weniger Zeit hatte, aber so eine Gelegenheit ließ ich mir selten entgehen. So ein Workshop zeigte gut, ob man mehr in die Richtung machen wollte oder ob man bekannte Sportarten noch sinnvoll vertiefen konnte. Judo kannte ich schon ein wenig, wollte mir aber mal ein bisschen Wissen aneignen und vielleicht nächstes Semester beim Hochschulsport machen.

Phil und ich hielten 1,5h durch, danach zockten wir auf seiner Playstation irgendein stupides Spiel, welches er mochte und er unterhielt mich mit der Story eines Weibes, das er aktuell regelmäßig in sein Bett lockte. Er meinte, sie wäre sehr attraktiv und echt interessant, aber wenn sie anfangen würde, anhänglich zu werden, würde dasselbe passieren wie sonst auch. Sie würde gehen dürfen. Er war im Gegensatz zu Jo wirklich nur der One Night Stand Typ. Er suchte noch ein paar weitere Damen für nebenbei.

„Ich muss jetzt langsam los. Einkaufen, kochen und so. Heute Abend rufen meine Eltern noch an.“
„Wo sind sie gerade?“
„Kolumbien.“
„Das ist ja auch mal ein Stückchen. Bestell ihnen schöne Grüße“, meinte Phil.

Er mochte die Einstellung meiner Eltern und wünschte sich, dass auch er einfach mal eine Weltreise machen kann.  Vermutlich würde er die allein machen, wenn er nicht irgendwann mal eine Partnerin findet.
Nachdem ich alles erledigt hatte und allein in meiner Küche mit dem fertigen Essen saß, hatte ich endlich Gelegenheit mit Robin zu schreiben.

Schule war okay, ich hatte Physikvertretung und der Lehrer war immerhin bereit mal mit mir über Probleme zu diskutieren. Die Anderen haben in der Zeit die simplen Aufgaben gelöst. Ich mache heute nicht mehr so viel. Ich schätze mal mein aktuelles Buch lesen. Das ist echt interessant. Es geht um Atomphysik.

Du bist süß. Dein armer Lehrer hatte garnatiert keine Chance, oedr?

Ich bin nicht süß... Natürlich, hatte er keine Chance ;)

Doch, ich finde dich total süß ;)

Wann telefonierst du mit deinen Eltern?

In 20 Minuten wollten sie anrufnn.


Solange schrieb ich mit Robin, denn ich wusste, dass meine Eltern mindestens eine Stunde mit mir reden würden, da sie mich immer auf dem Laufenden hielten, was sie gerade so machten und wie es Papa ging. Nachdem er den Krebs besiegt hatte, waren wir da alle noch etwas vorsichtig und fragten lieber fünf Mal nach. Aber bisher kam nichts weiter. Bald würde er 2 Jahre krebsfrei sein. Untersuchungen machte er regelmäßig, immerhin gab es auch in anderen Ländern gute Ärzte und er hatte viele Kontakte. Dann würde ich sicher noch eine Weile brauchen, um sie auf den neusten Stand zu bringen. Irgendwann klingelte mein Handy und ich bekam die Anfrage für den Videoanruf. Grinsend nahm ich ab.

„Hey Ma und hey Pa“, begrüßte ich sie.
„Na Großer“, sagte mein Vater.
„Hallo mein Schatz. Wie geht es dir?“
„Gut und euch beiden?
„Ganz großartig. Kolumbien ist wirklich ein schönes Land...“

Es folgte ein detaillierter Bericht über das Land und die Menschen, die sie dort kennengelernt hatten. Sie redeten gern mit Einheimischen, um einen anderen Eindruck vom Land zu bekommen, so auch hier. Traditionen und Sitten wurden von den beiden schon aufgespürt und angeschaut. Meine Eltern sahen total glücklich aus. Sie erfüllten tatsächlich ihren Traum. Mein Vater war auch wie beim letzten Telefonat fit wie ein Turnschuh und erfreute sich bester Gesundheit.

„Und bei dir, mein Schatz“, fragte meine Mutter.
„Alles super. Ich treffe demnächst vielleicht einen jungen Mann“, grinste ich und wurde daraufhin gelöchert, wer er war und woher ich ihn kannte. Danach durfte ich Robin möglichst genau beschreiben und sie erwünschten sich eine Nachricht, wenn ich ein Date hatte und Informationen darüber, wie es lief. Dass es etwas kompliziert war, weil Robin etwas schüchtern war, ersparte ich meinen Eltern erstmal.
„So Schatz, wir müssen jetzt weiter. Unser Bus zu unserem nächsten Ziel kommt gleich. Viel Glück“, wünschte meine Mutter mir und wir verabschiedeten uns voneinander.

Na, noch wach?

Klar... es ist immerhin Freitag.

Das ist gut, dann können wir ja doxh noch schreiben

Ja, das würde mich sehr freuen.

Was machst du am Wochenende?

Nicht viel, habe noch Hausarrest. Aber ich glaube, Karo wollte trotzdem vorbeischauen. Ansonsten muss ich lernen.

Du und lernen? Du kannst doxh schon alles ;D


Karo, seine beste Freundin, konnte also einfach zu ihm trotz Hausarrest, aber sich nach der Schule mit mir zu treffen, obwohl seine Mutter arbeitete, ging nicht. Schon enttäuschend. Er sah Karo auch selten. Sie ging auf eine andere Schule. Robin hatte sie als sehr optimistisch beschrieben. Regelmäßig schaffte sie es ihn hinter den Büchern hervorzulocken. Ich will das auch können. Ein bisschen war ich ja schon neidisch.

Wir schrieben aber vorerst nur, dann wurde es irgendwann auch Schlafenszeit, da ich für den Workshop auch früh mit Jo los musste. Er holte mich mit seinem Auto gegen um 7 Uhr ab. Das heißt, ich musste gegen um 6 Uhr aufstehen. Viel zu zeitig für meinen Geschmack.
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