Verlierer Baby

von Mandeh
GeschichteDrama, Freundschaft / P16
Felix Brummer / Kummer OC (Own Character)
10.10.2018
06.12.2018
2
2643
 
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-Felix-

Bald werde ich endlich Karl-Marx-Stadt wiedersehen. Klar der Urlaub war schön und auch verdient, schließlich haben wir die letzten zwei Jahre nur am Album gearbeitet, es rausgebracht und sind durch jeden einzelnen Winkel Deutschlands getourt. Aber irgendwie vermisse ich jetzt schon wieder die Band und unsere Konzerte.

Während ich in die Straßenbahn Richtung Flughafen einsteige, gehen mir meine letzten zweieinhalb Wochen Urlaub durch den Kopf. Zweieinhalb Wochen Portugal. Allein von Faro im Süden des Landes an der Küste entlang bis nach Porto im Norden. Es war richtig schön einfach mal allein zu sein und in den Tag zu Leben. Kein einziges Mal wurde ich als Felix Brummer der Frontsänger von Kraftklub erkannt und konnte einfach nur ich sein. Aufstehen wann ich möchte, die Tage einfach nur am Meer verbringen oder durch die schönen Küstenstände schlendern. Sogar surfen habe ich ausprobiert, musste aber feststellen, dass das wegen meinem etwas zu lang geratenen Körper nicht meine Sportart ist. Ich bleibe wohl lieber bei Basketball.

Am Flughafen in Porto angekommen, der nicht allzu groß ist, kam ich schneller als gedacht durch den Check in und die Sicherheitskontrolle und habe jetzt noch eine Stunde bis das Boarding beginnt. Mein erster Urlaub allein ist zu Ende. Ich habe mir bewiesen, dass ich allein sein kann. Aber wenn ich mir überlege, dass erst Ende September ist und wir beschlossen haben erst im neuen Jahr an dem neuen Album zu arbeiten, wird mir doch etwas flau im Magen. Wie soll ich diese mehr als drei Monate nur ohne Band überstehen? Klar Till ist mein Bruder. Den werde ich bei den regelmäßigen Sonntagsbesuchen bei meinen Eltern sehen. Mit ihm und den anderen werde ich bestimmt auch genug feiern gehen aber es ist trotzdem nicht dasselbe wie monatelang miteinander zu verbringen und fast jeden Abend Konzerte zu spielen und mit nicht zu wenig Alkohol bis spät in die Nacht zu feiern. Im Gegensatz zu den anderen bin ich der einzige, der mit so viel Freizeit, die mir bevorsteht, ein Problem hat. Ich muss mir unbedingt ein neues Hobby suchen. Die letzten zwei Jahre gab es nur die Band und mich. Nichts anderes war Teil meines Lebens. Wenigstens würde ich in den nächsten drei Monaten gut an neuen Texten arbeiten können.

Der Flug bis Frankfurt am Main verging super schnell. Eigentlich habe ich den gesamten Flug verschlafen. Jetzt stehe ich hier am Frankfurter Flughafen und warte bis ich das Flugzeug nach Leipzig betreten kann. Wieso auch immer gab es damals als ich meine Flüge gebucht habe keinen Direktflug nach Leipzig. Dieser kleine Zwischenstopp stört mich auch überhaupt nicht. Ich habe einfach nur keine Lust an einem so großen Flughafen wie Frankfurt erkannt zu werden. Es ist das Beste überhaupt Frontmann einer berühmten Band zu sein. Ich und die anderen können von der Musik mehr als nur gut über die Runden kommen. Aber gerade habe ich einfach keine Lust auf kreischende Fans, Autogramme und Fotos.

Als ich den Gang des Flugzeuges heruntergehe, kann ich direkt sehen, dass schon jemand in meiner Reihe am Fenster sitzt. Mist… Ganz tief in meinem Inneren hatte ich gehofft, dass der Flug nach Leipzig nicht so beliebt ist und ich eine Reihe für mich haben könnte um einfach weiter zu schlafen. Das Mädchen, was bereits dort sitzt würde aber wohl eine angenehme Sitznachbarin werden. Sie war relativ groß und hatte lange braune sehr gewuschelte Locken, die sie in einem Pferdeschwanz zu bändigen versuchte aber eindeutig damit scheiterte. Außerdem hatte sie DIE Augenringe des Todes und sich bereits mit geschlossen Augen ans Fenster gelehnt. Sieht ganz danach aus als hätte sie bereits eine längere Reise hinter sich. Mit einem genuschelten „Hi“ setzte ich mich neben sie und ignoriere aufgrund ihres Zustandes einfach mal, dass ich normalerweise den Fensterplatz hätte. Irgendwie habe ich gute Laune. Das liegt wohl ein kleines bisschen daran Karl-Marx-Stadt immer näher zu kommen.


-Mara-

Nach 5 Jahren in Kanada werde ich heute meine alte neue Heimat wiedersehen: Chemnitz oder auch Karl-Marx-Stadt genannt. Der Flug war super anstrengend und nach meinem Zwischenstopp in Frankfurt war ich so müde, dass ich sogar noch vor dem Start nach Leipzig merkte wie ich direkt ans Fenster gelehnt einschlief.

Durch ein leichtes Tippen an meiner Schulter begleitet von einem leicht amüsanten „Hey wir sind in Leipzig du solltest aufwachen.“ werde ich geweckt. Verschlafen schreckte ich hoch, was einen Lacher meines Sitznachbarn zur Folge hatte. „Wie müde muss man sein, wenn man den kompletten Flug ohne einen Mucks durchschläft und sogar Start und die Landung verpasst?“ lachte er. „Eine 24 Stunden Reise von Kanada aus würden bestimmt auch an dir nicht spurlos vorbeigehen.“ gebe ich wohl etwas zu genervt zurück. Um nicht ganz zu unfreundlich zu wirken schiebe ich noch ein kurzes „Danke fürs wecken“ hinterher. „Kein Ding“ lacht mein Sitznachbar, steht auf und nimmt seinen Rucksack. „Dir noch eine verschlafene Weiterreise.“ Bevor ich etwas erwidern kann ist er auch schon den fast aus der Flugzeugtür verschwunden.

Schon ein bisschen arrogant der Typ. Ohne weiter über ihn nachzudenken packe ich meine Sachen und verlasse auch das Flugzeug. Am Gepäckband angekommen schnappe ich mir meinen riesigen Wanderrucksack und verlasse den Flughafen, ohne meinen Sitznachbarn nochmal über den Weg zu laufen. Erst jetzt als ich mich zu einer kleinen Verschnaufpause auf eine Bank vor dem Flughafen fallen lasse wird mir bewusst wo ich bin. Deutschland. Leipzig. In weniger als zwei Stunden werde ich nach 5 Jahren Chemnitz wiedersehen. Mir wird ein bisschen flau im Magen und meine Hände werden schwitzig. Meine Geburtsstadt. Die Stadt in der ich die ersten 19 Jahre meines Lebens verbrachte und mich dann dazu entschied Studium in Kanada zu studieren. Um nicht weiter über meine Vergangenheit in Chemnitz nachzudenken mache ich mich auf dem Weg zum Bahnhof um von dort zum Hauptbahnhof zu fahren. Wenn ich angekommen bin kann ich mich immer noch mit meiner neuen alten Heimat beschäftigen.

Am Leipziger Hauptbahnhof angekommen wird mir schnell klar, dass hier wohl irgendwas nicht ganz nach Plan läuft. Vor und im Bahnhof sitzen und stehen zu viele Menschen, die teilweise sehr genervt wirken. Schnell wird mir klar wieso: Oberleitungsstörung. Meine letzte Möglichkeit heute noch nach Chemnitz zu kommen entfällt. Na toll. Muss ich wohl hier übernachten.
„Deinem Stöhnen nach zu urteilen entfällt auch dein Zug?“ Erschrocken drehe ich mich um. Mein Sitznachbar aus dem Flugzeug steht grinsend hinter mir. „Ja und das war auch noch der Letzte der gefahren wäre. Ich sitze hier fest.“ Antworte ich etwas wiederwillig. „Geht mir genauso. Bock die Nacht mit mir zu verbringen?“ fragt mich mein Gegenüber mit ironischen Unterton, wackelnden Augenbrauen und einem schiefen Grinsen. Ich wirke wohl etwas geschockt, weswegen er schnell ein „Sorry sollte nur ein Scherz sein. Wir haben uns ja noch gar nicht vorgestellt Dornröschen. Ich bin Felix.“ hinterherschiebt. Jetzt muss ich über seine Unschuldsmiene lachen und antworte mit einem schlichen „Mara“ während ich ihn zu ersten Mal genauer betrachte. Er ist ziemlich groß und überragt mich trotz meinen nicht kleinen 180 cm noch um einen Kopf. Er hat längere überall vom Kopf abstehende blondierte Haare. Irgendwie passen nur diese blondierten Haare nicht ganz zu seinem Restlichen Erscheinungsbild. Ein einfaches T-Shirt von einer Band, die ich nicht kannte ,darüber eine offene schwarze Jacke, einer Jeans und schwarzen Vans. Auf seinen Rücken befindet sich ein Wanderrucksack. Seine wild abstehenden Haare und sein Outfit wirken irgendwie nicht so als würde er sich groß Gedanken über sein Aussehen machen. Aber warum zu Teufel blondiert er sich dann seine Haare?

Als er bemerkt, dass ich ihn von oben bis unten mustere fängt er an zu grinsen. „Schön dich kennenzulernen Mara.“  „Danke die Freude ist ganz meinerseits.“ erwidere ich. Irgendwie passt diese offene Art gar nicht zu mir. Seit wann kann ich denn einfach so offen mit einem dahergelaufenen Typen reden. Normalerweise verrate ich nicht einfach so meinen Namen, sondern bin eher schüchtern. Während ich über meinen neuen durch Felix ausgelösten Charakterzug nachdenke, sehe ich wie er auf sein Handy guckt und jemanden antwortet. Danach steckt er sein Handy in seine Hosentasche und wendet sich mir zu. „Sag mal du musst nicht zufällig auch nach Karl-Marx-Stadt? Mein Bruder würde mich abholen und es wird sicher noch Platz im Auto sein, sodass wir dich mitnehmen könnten. Ich kann dich noch nicht mit diesem Monster an Rucksack allein am Leipziger Bahnhof lassen. Außerdem merke ich doch, dass du unbedingt die Nacht mit mir verbringen willst.“ Kann dieser Kerl eigentlich einen Satz ohne einen ironischen Kommentar sagen? Aber er ist meine Rettung doch noch nach Chemnitz zu kommen, also sehe ich erst mal darüber hinweg. „Ja ich muss auch nach Chemnitz! Du bist meine Rettung!“ „So ein Zufall. Eigentlich gibt es doch kaum Menschen, die freiwillig in dieses öde Kaff wollen und das auch noch von Kanada aus. Bis Till, mein Bruder, hier ist wird es noch ein bisschen dauern. Komm wir setzten uns irgendwo hin. Dein Rucksack ist ja größer als du. Ich wette dein Rücken tut genauso weh wie meiner.“ Ohne auf meine Antwort zu warten dreht Felix sich um und steuert eine Bank an. Ich wundere mich kurz, dass er noch weiß, dass ich aus Kanda komme. Aber da er nicht ganz unrecht mit seiner Aussage über meinen Rücken hat folge ich ihm wortlos um endlich meinen Rucksack abzustellen. Schweigend setze ich mich neben ihn.