Dunkle Schatten

von Schlea
GeschichteDrama, Thriller / P18
10.10.2018
11.02.2019
4
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Hallöchen ihr lieben Leser, nach gefühlten Ewigkeiten geht es hier auch endlich mal weiter, wie versprochen diesmal wieder ein etwas längeres Kapitel.

Viel Spaß beim lesen ;)



Kapitel 4

„Ach du Sch….“ Ardelia schlucke das Wort wieder herunter „ Mein Gott Clarice, wie sieht es den in deiner Wohnung aus?“

Augenblicklich saß Clarice kerzengerade in ihrem Bett, sie hatte völlig vergessen das Ardelia diesen Samstag aus dem Urlaub zurück kommen würde und dementsprechend hatte sie auch nicht aufgeräumt, wie Dr. Lecter es ihr schon in seinem Brief geraten hatte …Dr. Lecter… ihre Gedanken schweiften ab was wollte er von ihr? Und sollte sie das Telefonat mit ihm melden, würde man ihr glauben? Oder würde Krendler sie endgültig feuern? Seit Hannibal wieder Kontakt zu ihr aufgenommen hatte musste sie ständig an ihn denken, an seine eisblauen, kalten aber dennoch wunderschönen Augen an sein lächeln mit dem er so viel zum Ausdruck bringen konnte…„Clarice bist du da?“ rief Ardelia aus dem Wohnzimmer„Ja ich komme gleich ein Moment“

Was für ein wunderschöner Morgen, Hannibal trat auf den Balkon und atmete die frische Herbstluft ein. Wie schön es doch war nicht in Dr. Chiltons Anstalt festzusitzen.  Ja, ja, der gute Dr. Chilton hatte bekommen was er verdient hatte, sein Fleisch war allerdings ungenießbar gewesen, Hannibal hatte es an die Straßenhunde verfüttert die es damals auf den Biminis zu genüge gegeben hatte.  So hatte Chilton wenigstens noch nach seinem Tod etwas Gutes bewirkt.

Nach dem sich Clarice einen Vortrag über Gesundheit und Ordnung von Ardelia hatte anhören müssen, war Ardelia in ihrer Haushälfte verschwunden und hatte ein wunderbares Mittagessen gezaubert, für das Clarice froh war nicht gefrühstückt zu haben. Nachdem Ardelia die unausweichliche Frage nach ihrer Platzwunde gestellt hatte und Clarice sie mit einem „Bin gegen die Tür gelaufen“ zufrieden gestellt hatte, saßen die beiden Frauen jetzt  gemeinsam am Esstisch und aßen Eis. Ardelia hatte gerade mit dem erzählen über ihren Urlaub geendet und sah Clarice nun Erwartung voll an „Und was hast du gemacht während ich weg war, natürlich abgesehen von dieser furchtbaren Unordnung in deiner Wohnung?“ fragte sie

Clarice zuckte mit den Schultern, ja was hatte sie eigentlich gemacht während Ardelia weggewesen war? Sie hatte einen  Brief und einen Anruf von Dr. Lecter erhalten, hatte sich von Paul Krendler demütigen lassen, hatte wieder keinen guten Fall bekommen sondern sich dem Durcharbeiten alter Akten Widmen müssen.

„Nicht besonderes“ sagte sie schließlich nüchtern
„Hast du endlich mit Paul geschlafen?“ aus unerfindlichen Gründen hielt es Ardelia seit jeher für die beste Lösung einfach mit Krendler in die Kiste zu steigen.
„Natürlich nicht“ ein leiser Vorwurf schwang in Clarices Stimmen mit.
„Wieso nicht, so schlecht sieht er doch überhaupt nicht aus, okay zugegeben sein Charakter ist ein definitives Contra aber du brauchst nur mit ihm zu schlafen und schon fliegst du wieder die Karriereleiter hoch, das hätte nur Vorteile für dich“ Clarice konnte nicht verstehen wie Ardelia Sex einfach so als belangloses Mittel zum Zweck darstellen konnte.
Sie musste sich wohl eingestehen dass sie viel zu misstrauisch den Menschen, besonders den Männern gegenüber war. Aber gab es dazu nicht auch allen Grund?
„Mensch Clarice, du bist viel zu verklemmt oder gehört den Herz etwa schon einem Anderen“ Ardelia riss Clarice aus ihren Gedanken „So ein Quatsch“ wehrte sie ab aber in Gedanken fragte sie sich dann doch ob ihr Herz vielleicht wirklich schon vergeben war…

Nach einem ausgedehnten Sparziergang war Hannibal nun wieder zuhause, er schaltete seinen Laptop an und öffnete das E- Mail Programm sobald der Laptop hochgefahren war.

Entwurf 28.10.2001 02:17

Guten Morgen Dr. Lecter,

Das gewünschte Foto von mir finden sie ihm Anhang, aber glauben sie nicht das ich es zur Gewohnheit werden lasse etwas ohne eine Gegenleistung ihrerseits zu tun.Dass ich ihr Interesse geweckt habe freut mich natürlich, ich hoffe nur ich habe ihr Interesse nicht auf geschmacklicher Ebene geweckt, wenn sie verstehen was ich meine.

Tatsächlich habe ich sehr viel Freude am Kochen, allerdings bevorzuge ich als Vegetarierin fleischlose Speisen. Ich muss sagen so mancher Mensch hat es wirklich mehr verdient zu Sterben als ein wehrloses Tier, damit möchte ich natürlich nicht sagen das ich es gut heiße wenn sie ihre Opfer zum häppchenweisen Verzehr Ermordeten.Dennoch Fasziniert mich die Art der Selbstverständlichkeit mit welcher sie ihre Opfer Gästen Servierten auch ihre Fähigkeit das menschliche Verhalten zu analysieren finde ich bemerkenswert.

Dr. Lecter sie mögen die Vogelgattung der Stare sehr nicht wahr?

Joselyn McLain

Hannibal fand immer mehr Gefallen an seiner „E-Mail Freundschaft“ zu Joselyn, er hatte das Gefühl ihr vertrauen zu können, ein wie er zugeben musste sehr schönes Gefühl welches er sehr vermisst hatte. Ein letzter Zweifel blieb aber dennoch, er hoffte dass dieser unbegründet sein würde.

Joselyn schien wie er eine bemerkenswerte Auflassungsgabe für Details zu haben, er war sich sicher dass sie eine gute Psychiaterin abgeben würde – nicht so gut wie er natürlich

Frustriert betrachtete Joselyn die Narben an den Innenseiten Ihrer Oberschenkel, sie wollte sie nicht anschauen aber sie konnte nicht anders ohne dass sie es verhindern konnte, sah sie die Bilder die sie Nachts so oft vom Schlafen abhielten. Der Spiegel verschwamm für einen Moment, als er wieder klar war sah sie darin einen Mann der sich über ein Mädchen beugte und sie zu Boden drückte. Sie Versuchte sich mit allen Kräften zu wehren und  Joselyn sah als  Außenstehende zu, dennoch spürte sie jede einzelne seiner Berührungen während sie dabei zusah wie er das Mädchen vergewaltigte. Sie wollte eingreifen, den Mann von dem Mädchen wegziehen aber es ging nicht. Denn das Mädchen war sie selbst  und alles was sie sah waren Erinnerungen, längst  geschehene Ereignisse, die sich niemals ändern lassen würden.Sie fühlte sich so unendlich Machtlos, war unfähig sich zu bewegen, unfähig dem Mädchen das sie selbst war zu helfen, sie hörte ihre  eigenen Schreie die aber nicht aus ihrem  Mund kamen sondern aus dem des Mädchens, sie schien wie eine Fremde aber dennoch war sie sie Selbst, Sie, Joselyn.

Ruckartig drehte sich Joselyn vom Spiegel weg und die Bilder verschwanden wieder, sie ließ sich auf ihr Bett fallen und gewährte den Tränen die sich in ihren Augen gesammelt hatten freien  Lauf. Als sich ihr tränenverschleierter Blick langsam klärte öffnete sie den E-Mailaccount.

Entwurf 28.10.2001 13:30

Guten Tag Joselyn,

Sie haben eine Bemerkenswerte Auffassungsgabe für das was zwischen den Zeilen steht. Tatsächlich bedeutet mir der Star mehr als er sollte aber Gefühle kann man nicht ändern, das wissen sie sicher selbst denn was ich zwischen den Zeilen ihrer Entwürfe lese ist auch sehr vielsagend. Ich weiß nicht was es ist, noch nicht aber sie tragen eine schwere Last mit sich Joselyn, sie sollte es jemandem erzählen. Ich höre ihnen gerne zu auch wenn ich meine Approbation als Psychiater mit der Verhaftung verloren habe, bin ich noch immer qualifiziert finde sie nicht? mit meinen früheren Patienten machte ich oft die Erfahrung das das Schreiben von geschehenem leichter sein kann als das erzählen, auch ist ein fremder oft der hilfreichere Zuhörer. Entscheiden sie für sich selbst Joselyn

Vertrauen sie ihr Geheimnis jemandem an und sie werden sehen dann ist es nur noch halb so schwer.

Dr. Hannibal Lecter

Eine ganze Weile saß Joselyn einfach nur da, man hörte oft das es helfen würden darüber zu sprechen aber sollte sie es ausgerechnet Dr. Lecter einem kannibalischen Serienmörder erzählen? würde er sich daran nicht einfach nur aufgeilen? … nein das würde er nicht tun, da war sie sich sicher aber dennoch blieben ihr erhebliche Zweifel. Erzählte man so etwas nicht besser einer Frau?… Sie wusste es nicht.Sie wollte anfangen zu schreiben aber plötzlich kam ihr alles so ausgedacht vor,  als könnte man ihr das was ihr passiert war nicht glauben, es kam ihr schwach vor, was sollte sie denn auch schreiben sie wusste es nicht …

Das leise Geräusch von Schritten ließ sie aufwachen, vorsichtig stand sie auf. Als sie an sich herunter sah bemerkte sie ein klaffendes Loch, an der Stelle an der ihr Herz hätte sein sollen herrschte schwarze leere.
Als sie wieder hoch sah stand Hannibal vor ihr, er hielt ein weißes Kästchen vor sich in welchem ein Herz mit einer zart rosa Schleife darum lag, es war ihr Herz, er holte es aus der Schachtel und sie konnte sehen wie es in seinen Händen zu schlagen begann .

„Wie haben sie Das gemacht“ fragte sie fassungslos
.
„Allein mit der kraft der Liebe Clarice, sie haben mir ihr Herz Geschenk und ich werde gut auf es Acht geben. Ich werde ihnen ihr Herz nicht brechen Clarice, wenn sie mir meines nicht brechen“ Hannibal Griff in die Luft und hielt plötzlich eine grau-blaue  Schachtel in
der selben Größe wie die in der Clarices Herz gewesen war in der Hand.
„Nein ich gebe ihnen mein Herz nicht“ sie versuchte verzweifelt ihm ihr Herz zu entreißen aber sobald sie es in den Händen hielt glitt es zurück in seine, ihr Herz wollt bei ihm bleiben, egal was ihr Verstand sagte.
„Willst du es mir wirklich nicht überlassen Clarice?  Spürst du nicht das es keinen Sinn hat“ Kaum hatte Hannibal diese Worte gesprochen sprang das Herz aus der grau-blauen Schachtel in ihre Hände
„Sehen sie Clarice auch mein Herz gehört ihnen“ flüsterte Hannibal traurig.

„Ich will ihr Herz nicht“ schrie sie und warf das Herz mit alle kraft auf den Boden, es zersprang in tausende kleine Teile.

Hannibal sank zu Boden und als Clarice ihr Herz seinen toten Händen entnehmen wollte, hielt sie stattdessen einen schwarzen unförmigen Klumpen in der Hand, auf der
rosanen Schleife stand in schwarzer Schrift „Auf ewig allein“


Ich hoffe es hat euch gefallen, wie immer würde ich mich natürlich über Reviews freuen :)
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