Hochmut kommt vor der Reue

von Bel Bel
OneshotAllgemein / P12
09.10.2018
09.10.2018
1
1571
 
Alle Kapitel
2 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
 
 
Kurze Anmerkung:
Der Oneshot enthält ein paar Spoiler zu der gesamten zweiten Layton-Trilogie, auch zu den Teilen, die chronologisch erst nach der ewigen Diva kommen, da er ja aus Descoles Sicht ist.
Es ist mein erster richtiger Veruch einer Fanfiktion, ich hoffe er gefällt Euch. :)
Über Feedback aller Art würde ich mich freuen.






Es sind die Kopfschmerzen, die ihn wach werden lassen.
Unsägliche Kopfschmerzen. Als wüteten ein Dutzend Detragiganten in seinen Kopf.
Er öffnet unter Stöhnen die Augen, und setzt sich langsam auf.
Die Detragiganten wüten noch stärker, wenn überhaupt möglich.
Er hält sich den Kopf und sieht sich vorsichtig um.
Zu allen Seiten sind Bäume, soweit das Auge reicht.
Zu keiner Seite lässt sich ein Waldrand vermuten.
„Layton...“ grollt er leise, wird aber gleich mit einer Welle Kopfschmerzen bestraft.
Langsam lehnt er sich an den Baumstamm direkt hinter sich, und schaut nach oben in die Baumkronen. Das Blätterdach über ihm wiegt sich rauschend im Wind, und hier und da fallen Sonnenstrahlen fast senkrecht auf den bemoosten Waldboden.
Na prima. Im Zenit hilft ihm der Sonnenstand auch nicht weiter.
Dafür sieht er etwas anderes. In einer Astgabel des Baumes, an den er sich gerade anlehnt, flattert sein Umhang etwa 8 Meter über ihm fröhlich im Wind.
Fluchend ärgert er sich, wird aber sogleich von seinen Kopfschmerzen wieder zum Schweigen gebracht.
Er muss zuerst auf das Blätterdach gefallen sein, was seinen Fall vermutlich ein wenig gebremst hat. Ein wenig. Die restlichen 14 Meter hätten auch so noch böse enden können. Dass es nur bei starken Kopfschmerzen geblieben ist, hat vermutlich an seinem Umhang gelegen, der sich mehrmals in den Astgabeln verfangen und ihn so gebremst zu haben scheint. Bei 8 Meter ist er dann anscheinend abgerissen.
Normalerweise wären 8 Meter für Descole kein Problem gewesen, er hätte sich einfach abrollen können, aber diesesmal ist er nicht auf den Absturz vorbereitet gewesen.
Er hat Glück gehabt. Natürlich hat er das.
Er hat immer bei den falschen Momenten Glück.  
Allein gestern: Ein unglücklich verlaufener Plan, ein glücklich verlaufener Sturz.
Hätte es nicht anderherum sein können? Dann wäre es auch gar nicht erst zu einem Sturz gekommen.
Nein, stattdessen hat Layton ihm wieder einmal brilliant die Schau gestolen.
Descoles Sturz an Ende ist da nur die Spitze des Eisbergs gewesen.
Alles ist wie geplant verlaufen, er hat der Polizei und ganz London ein Schnippchen geschlagen, wie vorhergesehen die Kannidaten zum Schloss geführt, und das Spiel abgebrochen, als er hatte, was er brauchte, ein Mädchen für Melinas Erinnerungen.
Doch dann kam Layton, und der Blamage erster Akt begann.
Zuerst schien das Schicksal auf Descoles Seite zu sein, obwohl die Dinge nun nicht mehr ganz geplant verliefen. Er hat Wisthlers Bedrängen und Laytons Ausführungen so lange nicht unterbrochen, bis er endlich eine Melina singen lassen konnte.
Und dann, gerade dann, als er gerade dachte, sein Ziel erreicht zu haben, wendete sich dass Blatt. Für Layton. Und gegen Descole.
Womit der Blamage zweiter und endgültiger  Akt begann.
Er hat Layton nicht davon abhalten können. Am Ende hat Layton wieder einmal seine Pläne durchkreuzt und selbst über Aslant triumphiert. Trotz aller Arbeit, Vorbereitung, Überlegegungen und Mühen hat Descole wieder gegen Layton verloren, auf ganzer Linie.
Bei diesen Gedanken steigt die Wut in Descole auf.
Hat er nicht extra dafür gesorgt, dass sein Bruder unter keinen Umständen mit Aslant im Berührung kommen würde? Jahrelange Arbeit, auf einen Schlag null und nichtig gemacht.
Eines Tages, und zu Descoles großer Überraschung, stand Layton plötzlich vor Clark Tritons Haustür, um Misthallery vom Phantom zu befreien. Nicht nur, dass Layton es schon damals geschafft hatte, Descoles Pläne zu durchkreuzen, er hat anschließend auch den Goldenen Garten gefunden, und Targent damit bestimmt so sehr auf sich aufmerksam gemacht, wie ein Leuchtfeuer an der Küste es tut.
Das Schicksal spielte Descole doppelt übel mit.
Layton ist nun ohne irgendetwas davon zu verstehen und trotz all seiner Mühen in Aslants Vermächtnis verstrickt, und auch noch so, dass sie beide sich stets als Kontrahenten gegenüberstanden. Und stets erntete Layton die Früchte Descoles mühsamer Arbeit.
Jedes vermaledeite Mal. Es war zum Verrücktwerden.
Descole schreit, lässt der Wut freien Lauf.
Die verstärkten Kopfschmerzen sind ihm egal, alles ist ihm egal. Er steht auf, zieht sein Schwert, und schlägt feste und präzise auf den Baumstamm hinter sich ein. Wieder und wieder, bis er erschöpft ist. Mit einem letzten Handbewegung schmeißt er das Schwert ein paar Meter neben sich in den Boden.
Kurz genießt er das Gefühl besänftigter Wut, dann wendet er sich seinem Schwert zu, um es wieder einzustecken. Und stockt.
Die Klinge ist nicht wie erwartet im Waldboden stecken geblieben, sie hat etwas getroffen. Seine Maske. Nun liegen sie beide dort auf dem Boden, Schwert und Maske, Letztere nun in zwei Teile zerbrochen.
Ernüchtert geht er in die Hocke, nimmt langsam seine zerstörte Maske in die Hand, und betrachtet sie. Es ist, als würde er einen Teil von sich selbst betrachten.
Den Teil, der gestern die Niederlage und die Blamage nicht vertragen hat.
„...dann werde ich es aufbrechen! Mit meinen eigenen Händen!“ gehen ihm seine Worte der vergangenen Nacht durch den Kopf, „..will sich mir mit dieser Klapperkiste in den Weg stellen...“ „Wer sich mir in den Weg stellt, wird vernichtet!“
Ein Stimmengewirr bricht über ihn herein, aus allem, was er gestern gesagt hat.
Nur hat er nicht das Gefühl, seine eigenen Worte zu hören, sonderen eher die von jemand Anderem. Jemand wahnsinnig gewordenem.
Layton ist Geschichte!“
„..wird vernichtet!“

Es trifft ihn wie ein Schlag. Eine schmerzliche Erinnerung drängt sich an die Oberfläche seines Bewusstseins.
„..ihr letztes Wort, Professor Locklair?“ „...sehen sie es als Investition in eine glückliche Familie...“ „.. überzeugende Argumente, nicht wahr?...“ „...wer nicht für Targent ist, ist...wird vernichtet!“
Erschrocken und angwiedert lässt er seine kaputte Maske fallen.
Descole kann es nicht leugnen. Raymond hat Recht behalten.
Er ist gestern zu weit gegangen.
Targent und Aslant hatten sein Leben zerstört, und er hat sich geschworen, es Beiden heimzuzahlen. Allerdings nicht mit gleicher Münze, er wollte nie wie Targent ebensolches Verderben über Andere bringen. Stets hat er tatsächliche Bedrohungen und dauerhafte Verluste vermieden, und Tötliches erst recht.  
In Misthallery hat er immer die Viertel räumen lassen, auf der Crown Petone die Menschen entgegen seiner Ankündigungen sicher nach London zurückgebracht.
Er hat Ihnen ihren Tod zwar angekündigt, aber es diente lediglich dem Ansporn zur ehrlichen Bemühung im Rätseln um das ewige Leben. Niemals hätte er tatsächlich getötet.
Natürlich, er lügt und verdreht die Warheit, damit seine Pläne funktionierten, aber jede Lüge ist formbar und fliegt früher oder später auf. Der Tod ist entgültig. Gewalt hat er nur als allerletzte Möglichkeit eingeplant, und auch hauptsächlich nur zur möglichen Verteidigung und als Ass im Ärmel.
Aber gestern hat er seine eigenen Prinzipien verraten.
In seiner verzweifelten Wut hat er ehrlich versucht, Layton und den kleinen Jungen umzubringen.
Er ist gestern nicht besser als Targent gewesen.
Was wäre gewesen, wenn er es geschafft hätte?
Leid, so groß wie das Seine, wäre die Folge gewesen.
Entweder aufseiten Lukes, wegen des Verlusts seines Professors.
Oder aufseiten Laytons, wegen des Verlusts seines Beinahe-Sohns.
Hätten dann nicht beide einen ebensolchen Verlust erlitten wie er ihn damals erlitt?
Descole erschaudert.
Lag ein Hang zur Wahnsinnigkeit etwa in der Familie?
Musste gerade er, gerade in dieser Hinsicht, seinem Vater, diesem Mörder, so ähneln?
Er sieht auf seine zerbrochene Maske vor sich, hebt sie wieder auf, und fasst einen Entschluss, ein Versprechen an sich selbst.
Nie wieder wird er eine solche Situation in seinen Plänen zulassen.
Er wird ihre Duelle nicht mehr so wichtig nehmen, sein Ziel ist die Rache an Targent, und nicht der Sieg gegen Layton.
Nein, korrigiert er sich: Gar nicht mehr gegeneinender, er wird diese aktiven Duelle nun  ganz vermeiden. Er wird sich bei zukünftigen Plänen jetzt mehr im Hintergrund halten, und erst wieder aktiv an seinen Plänen teilnehmen, wenn es in jedem Falle nicht wieder auf so etwas hinauslaufen würde.
Er wird in Monte D'Or auf jeden Fall jemanden zwischen sich und Layton brauchen, auf den die offene Konfrontation am Ende hinausläuft. Auf keinen Fall wird Descole dort riskieren, was gestern beinahe passiert wäre.
Beinahe. So knapp war es gewesen.
Als Laytons wackeliges Fluggerät über ihm explodiert ist, hat er sogar gelacht.
Vielleicht wird er seinen Fehler irgendwann wieder gut machen können.
Mit diesen Versprechen wirft er die Einzelteile seiner zerbrochenen Maske weit in den Wald hinein, und sieht zu, wie sie raschelnd in einen entfernten Busch fallen.
Dann dreht er sich um, hebt sein Schwert auf und steckt es ein.
Er wird jetzt Raymond suchen gehen.
Review schreiben
 
 
'