Diamante di Luce

von Lailiana
GeschichteDrama, Romanze / P16
Debito OC (Own Character)
07.10.2018
05.10.2019
10
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Die Sonne neigte sich immer weiter dem Horizont zu, bis sie schließlich vollkommen untergangen war und nur den strahlendhellen Vollmond am Himmel zurückließ.
Dies ist die Zeit, in der die Schatten stetig wachsen, bis sie sich losreißen und zu furchteinflößenden Ungeheuern werden.

Am Hafen der wunderschönen Insel Regalo wurde es um diese Zeit still. Nur noch wenige Leute geisterten auf den Straßen umher, darunter auch ein Patroullientrupp der Arcana Famiglia.
Mit aufmerksamen Blicken suchten sie in der Dunkelheit, doch konnten nichts Verdächtiges erkennen. Überall, selbst in die abgelegensten Winkel, wurden Patroullien geschickt, und dies auch aus einem sehr berechtigten Grund.

Neulich wurde ein riesiges Feuer auf einem der unzähligen Schiffe gezündet, das als einziges mit einer großen Menge Sprengstoff beladen war. Zehn Minuten nachdem die Flammen das Boot endgültig verschlungen hatten, erreichten diese auch die vollgeladenen Vorratskammern, in denen sich ein Pulverfass auf das nächste stapelte. Diese wurden schließlich zur Explosion gebracht.
Die Explosion und der Brand, der dank eines unerklärlichen Grundes nicht auf die anderen Schiffe übergriff, konnte wohl keine Menschenseele mit sich ins Verderben reißen, allerdings wurden Teile des Hafens schwer beschädigt und zwei Häuser zum Einsturz gebracht, deren Bewohner nun obdachlos waren.

Jeder wusste, wer für diese zerstörerische Tat verantwortlich war. Die Colpo di Stato oder auch kurz CdS – eine skrupellose Verbrecherbande, die Angst in den Herzen der Menschen sähen wollte und gleichzeitig der größte Feind der Arcana Famiglia war.
Bis vor einiger Zeit wurden sie noch von vielen, die den Namen dieser aufständischen Gruppe überhaupt kannten, als ‚Kleinkriminelle‘ abgestempelt. Ihre Vergehen waren Kleinigkeiten, kaum eine Erwähnung wert wie der Diebstahl von Weinen oder Kosmetika.
Doch seit drei Jahren waren es nicht mehr nur das Prellen der Zeche, sondern Entführung, Brandstiftung und daraus hervorgehend auch Mord.
Sie gewannen immer mehr an Macht, was sie zu gefährlichen Raubtieren machte, die von jedem gefürchtet waren, denn die Angst vor den ‚stillen Schlangen‘ hatte sich schon längst in den Köpfen der Menschen eingenistet.

Wer ihnen zu ihrem mysteriösen Erfolg die Tür öffnete, war überall bekannt und trotzdem so unglaublich, wie es nur in Legenden vorkam.
Ob alt oder jung, arm oder reich, der Name dieses Diebes, Perla della Notte, war schon lange kein Geheimnis mehr.
Und trotzdem wusste niemand etwas über diesen.
War er Mann oder Frau? Blond oder Brünett? Kind oder Greis? Keine Frage konnte je geklärt werden.

Auch bei dem verehrenden Brand, so vermutete man, hatte der Dieb wieder seine Finger im Spiel. Denn Tage zuvor schien ihm wohl, der Zeitplan der Patroulientruppen in die Hände gefallen zu sein. Wo er diese Informationen wieder aufgetrieben hatte, war jedem wie sonst auch, wenn es um den geheimnisvollen Schatten ging, unbekannt.
Fest stand nur, das die Colpo di Stato auf diese Weise genau wusste, wann der Hafen um welche Tageszeit unbewacht war.
Aus diesem Grund hatte der großgewachsene Glatzkopf heute das doppelte an Männern unterstellt bekommen, obwohl es mitten in der Nacht war, doch ab jetzt musste absolute Vorsicht gewahrt werden und das hieß für die großen Arcana besonders wenig Schlaf.


Im Hafen war es um diese Zeit totenstill und in den langen Schatten bewegte sich nichts.
Und doch hatten sie das unwohle Gefühl im Nacken, beobachtet zu werden. Tatsächlich, auf einem rotbraunen Dach eines drei Meter hohen Haus saß eine verhüllte Person, die kalten eisblauen Augen auf die zwölf Personen unter ihr gerichtet. Gebannt analysierte sie jede Bewegung dieser. Dabei entging ihr nicht, dass einige von ihnen sichtlich angespannt wirkten. Diese Informationen wären sicher nützlich, denn jede Kleinigkeit konnte am Ende das fehlende Puzzleteil sein – man sollte seine Feinde also jeder Zeit im Blick haben.

Nachdem die Gestalt genug spioniert hatte, sprang sie lautlos vom Dach herunter, um sanftmütig, wie es nur Katzen können, auf dem harten Stein hinter der Gruppe zu landen.

Ein blonder Junge, der bisher neben dem Riesen wachsam herlief, erschauderte plötzlich vor Angst. Er konnte es sich nicht erklären, doch sein Gegenüber signalisierte ihm mit einem stummen Blick, dass auch er es spürte.
Er war hier, ganz in ihrer Nähe.
Beide richteten sie ihre Konzentration auf die dunklen Schatten der Häuser. Doch sosehr sie sich auch anstrengten, sie konnten keine verrucht aussehende Person ausmachen. Auch ihr Gefolge suchte angestrengt im schwarzen Nichts, blieb jedoch ebenfalls erfolglos, bis plötzlich eine Stimme die beunruhigende Stille durchschnitt.
„Hat man euch denn nicht beigebracht, seinem Feind niemals den Rücken zuzuwenden?“

Blitzartig schnellten die Köpfe der Männer herum, nur um wieder der pechschwarzen Nacht ins Gesicht zu blicken. Erstaunt aber auch ängstlich rückten die Männer näher zusammen, bis sie alle in einem Kreis Rücken an Rücken standen, nur noch wenig Platz zwischen sich, um so den gesamten Hafen vor Augen zu haben, doch nirgends war etwas zu erkennen. Es war, als hätte sich die Person in Luft aufgelöst.

Abermals erklang die Stimme, doch diesmal wirkte es so, als würde sie ihnen direkt in ihr Ohr flüstern.
„Ihr seid zu langsam.“
Ruckartig traten sie alle vier Schritte zurück und diesmal stand er dort.
Sein pechschwarzer Umhang schmiegte sich perfekt um seinen schmalen Körper und ließ ihn so mit der Dunkelheit der Nacht verschmelzen.
Es war, als wären sie ein Teil.
Sein Kopf verbarg er unter einer weiten Kapuze, wodurch sein weizenblondes Haar gut versteckt war. Das einzige, was sie alle klar und deutlich erkennen konnten, war die glitzernde silberne Maske, die die obere Hälfte seines Gesichtes verbarg. In ihr spiegelte sich das Licht des Mondes wieder und ließ sie so, wie einen strahlenden Stern am dunkeln Himmelszelt erscheinen.

„Perla della Notte – die Perle der Nacht, jetzt verstehe auch ich, warum dir die Bürger Regalos diesen wundersamen Namen gaben. Trotzdem. Die Schönheit einer Perle sollte nicht mit den verdorbenen Trieben eines Diebes verglichen werden.“, sagte der Kahlköpfige nun ruhig und versuchte seine Faszination zu verstecken. Diese Person vor ihm wirkte wirklich wie eine wunderschöne Perle, fast engelsgleich. Nur hatte sie keine weißen Flügel, sondern bitterschwarze, die bereits von der düsteren Nacht verschlungen wurden waren, und das schon vor Ewigkeiten.
Dieser Engel war längst gefallen.

„Genau“, führte nun der blonde Hitzkopf den Gedanken seines Gefährten fort, „du bist nichts weiter als ein Verbrecher. Du bist der Grund warum Menschen ihr zu Hause verloren haben. Also stell dich gefälligst freiwillig oder wir werden Gewalt anwenden müssen, und dann wirst du sicher nicht so glimpflich davonkommen!“
Kurz machte er eine Pause, da er während seines Redeschwalls das Atmen vergaß, um zum Ende noch siegessicher hinzuzusetzten: „Du bist umzingelt.“
Tatsächlich befand er sich in mitten eines Kreises aus bewaffneten Männern. Kurz huschten die kühlen Augen umher, musterten jeden einzelnen von ihnen bis auf die Knochen, als würde er sich jedes Detail genaustens einprägen wollen. Dann sah er wieder zu dem Blonden. Ein freudloses Lächeln hatte sich heimlich auf die Lippen des Diebes geschlichen.

„Du solltest dich nicht überschätzen. Denn Hochmut, mein Lieber, kommt vor dem Fall. Außerdem, will ich euch doch nur helfen.“, erwiderte nun der Dieb mit sanfter Stimme. Bei seinen Worten machte sich Verwirrung unter den Männern breit. Keiner verstand den Sinn dahinter. Bis nach langem Grübeln ein Rotschopf den Gedanken aller Aussprach: „Uns helfen? Indem du dich ergibst?“
In den bislang emotionslosen Augen des Diebes machte sich nun hämische Freude über die Unwissenheit der Männer breit. Schließlich antwortete er diesen, die Worte triefend vor Sarkasmus: „Ich wollte euch lediglich dabei behilflich sein, eure Schwächen auszubügeln. Immerhin ist mir noch nie eine so naive Gruppe begegnet, die weder ihren Rücken noch ihre Mitte zu schützen weiß. Wenn ich es euch erklärt hätte, hättet ihr doch nicht zugegeben, dass eure Verteidigung instabil ist, also habe ich es euch lieber vor Augen geführt. Versteht ihr?“
Erwartungsvoll schaute der Dieb die Männer an, doch noch immer erhielt er nur fragende Blicke. Ein leiser Seufzer entglitt ihm, dann beschloss er, die zwölf Personen vor ihm direkter entgegenzukommen.
„Wenn ihr zu dumm seid, einen einzigen Eindringling in der Überzahl abzuwehren, dann muss ich wohl glauben, dass die starke Arcana Famiglia wohl doch nicht so mächtig ist, wie sie immer von allen dargestellt wird. Oder nur ihr seid nichts weiter als Nichtsnutze und den anderen ein schwerer Klotz am Bein.“
Wie erwartet verstanden nun selbst die letzten von ihnen die Worte von ihm, was den Maskierten erleichtert aufatmen ließ, denn seine Geduld war fast aufgebraucht gewesen.
Was der Dieb jedoch als nächstes Tat war für die Männer nur noch unverständlicher, als alles, was sie jemals gehört oder gesehen haben.

Langsam schlich der Dieb um jeden einzelnen der zwölf Männer herum. Dabei sagte er auch etwas, doch keiner konnte sich auf das Gesprochene konzentrieren. Denn alle waren sie von den geschmeidigen Bewegungen abgelenkt.
Wie verzaubert ließen sie sich in den Bann dieser märchenhaften Gestalt ziehen. Mal kam sie einem Mann so nahe, dass dieser ihren warmen Atem auf seiner Haut spürte und den frischen Duft von Minze roch, dann machte sie eine Drehung um sich selbst, um schließlich zum nächsten zu tanzen. In diesem Moment vergaßen sie alle kurz, wo sie gerade waren und wer da vor ihnen stand und sich wie eine Katze an sie heranpirschte.
Doch sobald die Gestalt sich wieder in die Mitte des Kreises begab, wurden sie zurück in die Realität geholt. Sofort richteten die Männer ihren Blick auf die Person dort, um ein Anzeichen dafür zu finden, ob das gerade wirklich geschehen ist oder nur die stundenlange Patrouille ihren Tribut forderte. Doch das einzige, was sie im Dunklen erkennen konnten, waren die eisblauen Augen, welche herausfordernd auf den Blonden gerichtet waren.

„Sagtest du nicht gerade, ihr würdet mich festnehmen. Warum also stehe ich noch?“
Voller Wut über diese entwürdigenden Worte, wollte er gerade auf den Dieb losgehen, als er den bestimmenden Blick des Kahlköpfigen auf sich spürte. Tief atmete er durch, um sich zu beruhigen und wartete ab, auch wenn es ihm sichtlich schwerfiel.
Nach einigen Minuten des Schweigens nickte der Riese schließlich seinen Männern zu.
Das Zeichen ihre Waffen zu ziehen.
Doch als die Hände zu diesen schnellen wollten, griffen sie nur in kahle Leere. Panisch wanderten ihre Köpfe umher, nur um zu erkennen, dass jeder von ihnen entwaffnet war. Denn die Pistolen und Schwerter, welche sie sonst bei sich trugen, befanden sich zwei Meter in einem Kreis vor ihnen auf den Boden.
Ein triumphierendes Lächeln zierte die Lippen des Diebes und vermittelte ihnen das unbehagliche Gefühl, er würde auf sie herabsehen, dabei war die Person vor den Männern ein Zwerg, nicht größer als der kleine Nova.

Schließlich machte er eine elegante Verbeugung, wobei sein einer Arm auf dem Rücken lag, den anderen streckte er von sich.
Die Haltung einhaltend, nur den Kopf anhebend um den Blonden in die blauen Augen zu blicken, um mit Staunen dem Sturm der Wut darin entgegen zu starren, sprach er: „Es freut mich eure Bekanntschaft gemacht zu haben, doch leider ruft mich mein geliebtes Bett und ich kann mir gerade nichts Besseres vorstellen, als diesem Ruf nachzukommen. Also entschuldigt mich.“
In dem Moment rief der Riese plötzlich „Jetzt“, dann sprangen alle Männer gleichzeitig auf den Dieb zu, um diesen mit bloßen Händen zu ergreifen, denn hätten sie vorher ihre Waffen aufgehoben, hätten sie ihm wohl eine Möglichkeit zur Flucht bereitgestellt, die er freundlich entgegengenommen hätte.

Für einen kurzen Moment war es totenstill. Niemand rührte sich.
An der Stelle, an der sich Sekunden vorher noch eine verhüllte Gestalt befand, konnte man jetzt nur noch einen Haufen Männer erkennen. Als sie sich wieder aufrappelten, voller Freude über ihren Fang, starrten sie auf die Stelle, wo hätte eigentlich eine niedergerungene Person liegen müssen, doch stattdessen begrüßte sie nur gähnende Leere.
Abermals verwirrt über das, was ihre Augen ihnen zeigten, schauten sie sich um. Sie durchkämmten jedes Haus, jedes noch so kleine Schlupfloch, aber nirgends tauchte der Dieb auf.
Die Perla della Notte – Die Perle der Nacht war abermals verschwunden und damit auch die Lösung um das große Rätsel dieses Diebes, das wahrscheinlich wichtigste Puzzleteil im Falle Colpo di Stato.






Hallo und herzlich Willkommen zu dieser Fanfiktion!
Der Pronolog ist etwas länger geworden, als es eigentlich beabsichtigt war, aber dafür habt ihr jetzt mehr zu lesen.
Um es kurz vorweg zu nehmen: Diese Geschichte ist von der Fanfiktion
Regina del Tempo von der lieben unicorn 14 inspiriert. Also schaut ruhig mal bei ihrer Geschichte vorbei.
Wahrscheinlich werde ich alle zwei Wochen ein Kapitel hochladen, da meine nächsten Monat erst mal etwas stressiger werden und ich deswegen nicht sonderlich viel Zeit habe. Aber ich möchte euch gar nicht weiter nerven, außer natürlich, das es mich sehr freuen würde, eure Meinung zu diesem Prolog zu hören.

LG Lilli :)
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