The Day after Tomorrow

OneshotRomanze, Familie / P12
Abbey Bartlet Jed Bartlet
06.10.2018
06.10.2018
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Der OS ist jemanden ganz besonderen gewidmet - Stefanie. Mein Licht in der Welt der Worte und auch darüber hinaus.
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„Sind wir schon da?“

„Nein.“

„Und jetzt?“

„Nein, noch nicht.“

„… und jetzt?!“

Josiah Bartlet schüttelte den Kopf. Ein breites Lächeln zierte sein Gesicht während seine Hände noch immer sanft die Taille seiner Frau umfassten. Er verlangsamte seine Schritte und hielt schließlich inne. Das war auch gut so. Noch ein paar Sekunden länger und Abbey hätte sich die Augenbinde vom Kopf gerissen. Die kleine feurige Brünette konnte manchmal so ungeduldig sein. Wie ein kleines Kind am Weihnachtsmorgen, das es nicht erwarten konnte aufzustehen um zu sehen, was es für Geschenke bekommen hatte. Eine ihrer vielen Eigenschaften, die er trotz alledem entzückend fand.

Jed beugte sich vor und strich mit seinen Lippen über ihr Ohrläppchen. „Ich hätte nicht gedacht, dass du so ungeduldig bist. Du bist schlimmer als unser kleiner Gus“, raunte er neckend und lachte als Abbey ihm spielerisch den Ellenbogen gegen den Bauch drückte. „Uff, und nun schlägst du mich auch noch. Das nennt man häusliche Gewalt, meine Honigbiene.“

Abbey lachte glockenhell auf und lehnte sich mit einem breiten Lächeln auf den Lippen gegen seine breite Brust. „Das kann man nur so nennen wenn wir in unserem Haus wären; was wir aber nicht sind, Bärchen und jetzt sei so lieb und nimm mir das Tuch ab. Ich will endlich wissen, was du im Schilde führst.“

Natürlich hatte sie Recht. Gerade befanden die beiden sich gut einen Kilometer weit weg von ihrem Haus an den Ausläufern eines kleinen Wäldchens. Jed würde es zwar nicht unbedingt laut aussprechen aber er hatte es geschafft Abbey mit verbundenen Augen hier her zu führen, ohne das sie sich verletzt hatte. Oder er … oder sie beide. Er war wirklich verdammt stolz auf sich. Ein letztes Mal strichen seine Lippen über ihr Ohr ehe er die Hände von ihrer Taille nahm und den Knoten des Tuchs löste.

Blinzelnd versuchte Abigail Bartlet sich an die plötzliche Helligkeit zu gewöhnen und als sie endlich sah, was Jed in eine so heimlichtuerische Stimmung versetzte, keuchte sie leise auf. Sie drückte sich die Finger gegen den Mund und Tränen sammelten sich in ihren Augen. „Oh Jed, das ist wunderschön.“

Jed trat neben seine Frau, umfasste ihre linke Hand und führte sie an seine Lippen. Hauchzart berührte er ihren Ehering. „Kann schon sein aber du bist bei weitem die Wunderschönste weit und breit.“

Abbey schniefte leise und wischte sich eilig einige Tränen von den Wangen. „Oh du, hör auf damit, wegen dir muss ich weinen“, beschwerte sie sich halbherzig ehe sie sich regelrecht in seine Arme warf.

„Uff.“ Jed schlang eilig die Arme um Abbey und hielt sie so sicher an sich gedrückt. Sanft streichelte er mit einer Hand durch ihre Haare während er seine Nase in ihren Haaren vergrub. Sie roch umwerfend. Nach Lavendel, frischer Luft und … und Abbey. Er lächelte. Es war ein Privileg jeden Tag mit ihr verbringen zu können und er genoss jeden noch so kleinen Moment mit ihr. Schloss diese Momente in sein Herz und wenn er Zweifel hatte, an sich oder auch anderen Dingen, zerrte er von ihrer Wärme, Güte, ihrer Liebe und Aufgeschlossenheit. Nur durch Abbey war es ihm möglich gewesen, so ein guter Mann, Vater und Präsident zu sein.

Langsam löste Abbey sich von ihrem Mann und legte den Kopf leicht in den Nacken, um ihm in die Augen sehen zu können. Sein liebevolles Lächeln erwärmte ihren Körper bis in die kleinste Pore und ließ ihr Herz höher schlagen. Mit den Fingern fuhr sie sanft seine Gesichtszüge nach. Er hatte ein paar mehr Falten um die Augen und Mund herum. Aber es waren nicht nur Sorgenfalten, wie noch vor wenigen Monaten. Nein, Jed konnte wieder sein ausgelassenes, jungenhaftes Selbst sein, der viel Zeit mit seinen Kindern und Enkelkindern verbrachte. Und der sie mit seiner charmanten Art und seiner Liebe jeden Tag aufs Neue umwarb und sie glücklich machte. Ihre Finger wanderten höher und sie konnte nicht anders als breit zu lächeln. Sein Haar war mittlerweile weiß. Es hatte eine ganze Nacht und den nächsten Morgen gekostet, um ihn zu überzeugen wie sexy sie das fand. Sehr sexy. Jed hatte seitdem her nie wieder Zweifel gehegt.

Abbey hauchte ihm einen federleichten Kuss auf die Lippen. „Komm Casanova, machen wir es uns bequem. Ich möchte sehen, was du alles in dem großen Korb für uns versteckt hast.“

Jed machte eine tiefe Verbeugung und Abbey ließ sich kopfschüttelnd und mit einem kleinen Lächeln auf der großen Decke nieder. Keine Sekunde später saß ihr Mann neben ihr und streichelte liebevoll über ihren unteren Rücken. Sie legte den Kopf auf seine Schulter und genoss eine Weile schweigend die Liebkosungen. „Ich hoffe, dass es nicht noch regnen wird“, murmelte sie leise ehe sie ihre Nase an seinen Hals rieb.

Mit seiner freien Hand machte Jed eine wegwerfende Handbewegung. „Ach was, es wird nicht regnen. Dafür habe ich schon gesorgt.“

Abbey lachte leise auf. „Dafür hast du gesorgt?“, wiederholte sie amüsiert. „Und wie hast du das gemacht? Hast du etwa deine Beziehungen spielen lassen und das Militär beauftragt, Salz in den Wolken zu verstreuen?“ Sie hielt einen Augenblick inne. „Jed, das hast du doch nicht etwa wirklich getan, oder?“ Sie kannte ihren Mann gut. Manchmal nahm er es ein wenig zu genau mit seinen Planungen was ihrer beider Aktivitäten anbelangte.

Jed gluckste. „Natürlich nicht, meine Honigbiene. Ich habe nur den Wetterbericht sehr genau im Auge behalten und hier und da ein paar Gebete nach oben geschickt. Ich würde sagen, das alles ist eine sehr gute Voraussetzung dafür, dass uns das Wetter keinen Strich durch die Rechnung machen wird.“

Während Abbey ihm zugehört hatte, hatte sie es sich zur Aufgabe gemacht, es sich zwischen seinen Beinen gemütlich zu machen. Sie lehnte mit dem Rücken gegen seine Brust, umfasste seine Hände und schlang seine Arme um ihre Taille. Sie stieß einen zufriedenen Laut aus, der sich beinahe wie ein Schnurren anhörte und fing an mit den Fingern seiner rechten Hand zu spielen. „Ach du, immer positiv und aufbauend.“

„Natürlich, das habe ich von dir gelernt“, erwiderte Jed leise und hauchte ihr einen Kuss auf den Schopf. Mit seiner freien Hand zog er den Korb dichter zu ihnen heran und zauberte eine Schale mit Früchten hervor. „Tata!“

„Erdbeeren?“ Abbey drehte sich ein Stück nach hinten sodass sie Jed ansehen konnte. Sie zog eine Augenbraue nach oben. „Willst du mir etwas sagen, Jed?“

Jed hauchte ihr einen Kuss auf die Nasenspitze. Er verharrte einen Augenblick und atmete tief durch. Allein ihre bloße Anwesenheit raubte ihm manchmal schier weg den Atem. „Nur das ich dich vom ganzen Herzen liebe“, raunte er leicht erstickt.

Das Lächeln, das Abbey ihm daraufhin schenkte, konnte der Sonne Konkurrenz machen. Dabei zog sie ihre Nase kraus und ihre Augen funkelten. „Ich liebe dich auch.“ Sie beugte sich vor und die beiden tauschten träge Küsse miteinander aus. Die Welt um sie herum schien zu verschwinden und nur sie beide existierten noch. Sekunden verrannen langsam in Minuten und die Minuten schienen sich in eine kleine Unendlichkeit auszudehnen.

Jed versuchte sich schließlich aus dem Kuss zu lösen. Wobei die Betonung auf versuchen lag, denn jedes Mal wenn er sich etwas nach hinten lehnte, folgte Abbey ihm und vertiefte den Kuss aufs Neue. Nicht, dass er sich beschweren würde. Allein Abbey zu küssen und ihr so nahe zu sein brachte sein Blut in Wallungen. Aber ihr Eifer verpasste seinen anderen Plänen einen Dämpfer. Deshalb schob er, als er sich das nächste Mal nach hinten lehnte, eilig seine Hand zwischen ihre Lippen. Er gluckste leise als er Abbeys verwirrten Gesichtsausdruck sah und er ließ seine Hand wieder sinken. „Wie sehr ich auch deinen Eifer zu schätzen weiß, meine Honigbiene, aber ich habe noch etwas anderes für uns geplant. Später können wir allerdings sehr gerne weiter machen.“

Abbey stieß einen theatralischen Seufzer aus und drehte ihm mit mehr Schwung als nötig, wieder gänzlich den Rücken zu. „Du bist ein Spielverderber“, beschwerte sie sich.

Mit einem liebevollen Lächeln auf den Lippen hob Jed die rechte Hand und strich ihr die langen Haare hinter die Ohren. Dann legte er die Hand auf ihre Schulter und streichelte federleicht mit dem Daumen über ihren Hals. „Keine Sorge, du kommst später noch auf deine Kosten, das verspreche ich dir.“

Etwas ungelenk fischte Jed mit der anderen Hand im großen Korb herum. Es dauerte einen Moment bis er das, was er suchte, zu fassen bekam. Schließlich hielt er seiner Frau eine Weinflasche samt Korkenzieher unter die Nase. „Würdest du uns bitte die Ehre erweisen“, forderte er sie gespielt pompös auf, was Abbey ein Kichern entlockte. Treffer und versenkt.

Wie ein Profi öffnete Abbey die Flasche Wein. Doch anstatt sich die mitgebrachten Becher aus dem Korb zu nehmen, nahm sie direkt einen Schluck aus der Flasche.

Erstaunt sah Jed seiner Frau dabei zu. Sie überraschte ihn doch immer wieder aufs Neue. Was würde er jetzt nicht alles dafür geben wenn die piekfeinen Politikerfrauen aus Washington das sehen könnten. Sie würde augenblicklich der Schlag treffen. Lachend drückte er ihr einen Kuss auf die Schulter. „Ich habe Becher mitgebracht, du Barbarin“, zog er sie gluckend auf.

„Sei lieb, sonst bekommst du nichts ab“, drohte Abbey schmunzelnd und reichte ihrem Mann dennoch die Flasche.

Jed nahm ebenfalls einen Schluck, gab die Flasche wieder Abbey zurück und angelte sich dann eine Erdbeere aus der Schale. Er strich mit der Frucht federleicht über ihre vollen, leicht geöffneten Lippen. „Mach den Mund auf“, raunte er ihr verheißungsvoll ins Ohr.

Abbey kam seiner Bitte sofort nach und ihr entfuhr ein leises Stöhnen als sie in die süße Frucht biss.

„Gut?“, fragte Jed mit leiser Stimme ehe er anfing an ihrem Ohrläppchen zu knabbern.

„Hmm, ja“, antwortete Abbey ebenso leise und leckte sich etwas Fruchtsaft von den Lippen.

„Möchtest du noch eine?“

Eifrig nickend widmete sich Abbey der Weinflasche. Sie verschloss sie und stellte sie zurück in den Korb. Ihr war, trotz der angenehmen Temperaturen, warm und sie konnte spüren, dass ihre Wangen gerötet waren. Sie lehnte sich wieder gegen Jeds Brust und öffnete brav den Mund. Doch das, was als nächstes in ihrem Blickfeld auftauchte, war keine Erdbeere. Es hatte nicht die Form einer Erdbeere. Es war nicht einmal rot. Es war viereckig und mit schwarzem Samt überzogen. Eine kleine Schatulle. Wie für einen …

„Möchtest du es nicht aufmachen?“, fragte Jed aufmunternd nach einigen Momente der Stille während er den anderen Arm um ihre Taille schlang und mit der Hand über ihren Bauch streichelte.

Mit zitternden Fingern nahm Abbey ihm die kleine Schatulle ab und öffnete sie. „Oh Jed“, hauchte sie überwältigt aus und Tränen sammelten sich in ihren Augen.

Zum Vorschein kam ein filigraner Goldring, der in schwarzen Samt gebettet war. Fünf gleichgroße Diamanten funkelten um die Wette und brachen das Licht in weiße Glanzsplitter.

Jed räusperte sich leise. „Das letzte Mal bin ich vor dir auf die Knie gegangen und du hast mich nicht einmal ausreden lassen. Dabei hatte ich eine Rede über Wochen für diesen Moment vorbereitet. Ich war so aufgeregt und nervös gewesen und du hast mir mit einem einzigen Wort ein Leben voller Wunder und Freuden geschenkt. Ich kann dir nicht genug dafür danken, dass du meine Frau geworden bist und all die Jahre an meiner Seite geblieben bist um die Höhen und Tiefen zu meistern, die uns das Leben beschert hat. Nach den letzten 8 Jahren, die so verrückt, einzigartig und voller Liebe und Schmerz waren, sind wir jetzt gemeinsam hier. Und deshalb frage ich dich noch einmal … willst du mich heiraten?“

Gegen Ende seiner Worte hatte er den Ring aus der Schatulle genommen und ihn auf Abbeys Ringfinger geschoben. Er hob ihre Hand und hauchte ihr einen Kuss auf den Ring.

Mit einem lauten Schluchzen drehte Abbey sich in seinen Armen herum und schlang die Arme fest um seinen Hals. Sie drückte ihre Stirn gegen seine und währenddessen liefen ihr die Tränen wie Sturzbäche über die Wangen. Ein breites, überglückliches Lächeln ließ ihr Gesicht erstrahlen. „Ja, und noch mal ja, Jed“, hauchte sie freudig und küsste ihren Mann leidenschaftlich.


Vielen glauben, dass wahre Liebe nur in Märchen oder Geschichten vorkommt. Leider trifft das auch oft zu. Aber manchmal, manchmal muss nur einmal genau hinsehen. Die Brille der Selbstzweifel ablegen und mit offenen Augen und Herzen in die Welt blicken. Dann findet man Liebe an den gewöhnlichsten und ungewöhnlichsten Orten, wo man vielleicht nie zu suchen gewagt hätte.
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