Meine Gedanken, mein Leben...

GeschichteAllgemein / P12
05.10.2018
11.09.2019
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Hier sitze ich nun und fühle mich schlecht. Einfach nur schlecht. Niedergeschlagen. Aus keinem bestimmten Grund.
Einfach nur so. Plötzlich. Nach dem Aufwachen war es so. Ich fühlte mich schlecht und konnte daher lange Zeit nicht aufstehen.

Meine Depression hat mich also wieder eingeholt.

Na toll. Ich dachte eigentlich, dass es nur noch bergauf gehen könnte.
Seitdem festgestellt wurde, dass ich eine depressive Episode habe. Seitdem ich Antidepressiva nehme.
Seitdem ich eine Therapie mache.
Ich dachte, alles werde von nun an besser. Viel besser. Wie sehr ich mich doch täuschen konnte...

Eigentlich läuft es gerade auch gut:
Ich habe einen Freund, schon seit mehreren Jahren. Ich lebe mit ihm zusammen. Und er liebt mich so wie ich bin.
Wir sind gerade frisch umgezogen. In ein großes Haus mit Garten. Zusammen mit einem befreundeten Paar und Katze.
Die Miete ist vergleichsweise günstig und wir können so lange hier wohnen, wie wir möchten. Den Vermieter kennen wir persönlich.
Finanziell geht es uns auch nicht schlecht. Wir haben beide einen Job, mit dem wir uns über Wasser halten können.
Ich habe mich endlich aus meiner Haut getraut und bin zu einem Chor gegangen, da ich schon lange den Wunsch hegte, zu singen bzw. singen zu lernen. Und das Singen macht mir auch Spaß. Die Leute dort sind auch super.

Das einzige, was gerade auf Eis liegt, ist mein Studium. Ich bin mir auch nicht sicher, ob ich es beenden werde oder nicht.
Diese Entscheidung habe ich noch nicht getroffen. Vielleicht nagt das ja an mir?

Meine Therapeutin hat mir geraten, mich auszuprobieren. Herauszufinden, was ich gerne mache und was nicht. Einfach zu genießen, dass ich im Moment die Freiheit habe, machen zu können, was ich will. Das Studium erst einmal außer Acht zu lassen, um später eine Entscheidung darüber zu fällen, wenn ich mir meiner Sache etwas klarer und sicherer bin.
Und ich habe mir geschworen, dass ich das machen werde.

Aber vielleicht habe ich mich selbst wieder zu sehr unter Druck gesetzt?

Denn das ist mein größtes Problem: Der Druck, den ich selbst gegen mich aufbaue.
Warum hast du noch nichts gemacht, das dich weiterbringt, obwohl du doch Zeit hast? Warum fühlst du dich schlecht, obwohl es doch gerade gut läuft? Zwei widersprüchliche Fragen, die zur gleichen Zeit an mir nagen. Ich versuche sie weitesgehend zu ignorieren und diesem fiesen Stimmchen, das ständig da ist und mir Vorwürfe macht, nicht mehr so viel Platz einzuräumen wie früher. Denn es lähmt mich. Es lähmt mich durch Selbstzweifel.
Und ich arbeite hart an mir, diese Selbstzweifel nicht mehr gewinnen zu lassen. Aber es ist ein steiniger und langwieriger Weg. Die Selbstzweifel verschwinden nicht von jetzt auf gleich, auch wenn ich es mir noch so wünsche. Das musste ich erst lernen. Manchmal komme ich gegen sie an und manchmal gewinnen sie - so wie heute; so wie jetzt.

Obwohl...
Vollständig haben die Selbstzweifel wohl nicht gewonnen, sonst würde ich hier nicht sitzen und dies schreiben.
Nein, wenn sie gewonnen hätten, würde ich dies ganz sicherlich nicht schreiben. Ich würde denken, dass Leute mein Gesülze ganz sicher nicht lesen würden, und wenn doch, dass sie über mich urteilen, mich komisch oder dergleichen finden würden. Dass sie denken/sagen würden, dass ich meinen Kram doch für mich behalten und andere nicht damit nerven solle. Und dann würde ich das tun: Meine Gedanken und Beschwerde für mich behalten und mich dabei schlecht fühlen.

Vielleicht ist dies hier zu schreiben, ja doch ein Fortschritt und kein Rückschritt, wie ich dachte!? In einem gewissen Sinne ist es für mich therapeutisch, meine Gedanken hier niederzuschreiben. Eben hier, wo sie von anderen gelesen werden können, anstatt sie still und heimlich einem Buch anzuvertrauen, dass niemand anderes jemals aufschlägt als ich selbst.
Und es ist mir gerade gleich, was andere darüber oder über mich denken könnten. Hauptsache für mich ist es mir von der Seele geschrieben - es in die Welt hinausgeschickt - zu haben.

Und zum Ende hin muss ich sagen, dass es mir nun etwas besser geht als zu Beginn. Anscheinend hat es etwas für mich bewirkt.

~ Gwen