Bis(s) wir uns wiedersehen...

von Letschi
GeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P16
Embry Call OC (Own Character)
04.10.2018
11.01.2019
21
29112
3
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Hallihallo,
das ist meine neue Story… wieder im Bis(s)-Universum… Für etwaige Verbesserungsvorschläge bin ich gerne offen, genauso wie für Kommentare. Also, viel Spaß beim lesen!
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1.Kapitel

Erschrocken fuhr ich hoch. Mein Atem ging viel zu schnell, aber das war für mich nicht wirklich neu. Mit schrecken dachte ich an meinen Traum. Tränen kullerten mir die Wangen hinunter. Mein Körper erzitterte. Schluchzend umklammerte ich mich selbst und wiegte mich nach vorn und zurück. Eine Woche ist es jetzt schon her. Eine Woche, und ich weinte immer noch, als wäre es erst vor zwei Stunden gewesen. Eine Woche war Alex jetzt schon tot. Eine Woche, in der ich mich in meinem Zimmer verschanzt hatte, und nichts anderes tat, außer weinen, essen und schlafen. Zu mehr war ich nicht fähig. Alex war einfach alles in meinem Leben gewesen. Er war nicht nur mein Zwillingsbruder, sondern auch meine Sonne, meine Stütze. Wie konnte ich ohne ihn weiterleben? Ich wusste es nicht. Diese Frage stellte ich mir schon die ganze Woche, seit Dad mit Tränen in die Unterrichtsstunde gestürzt war, meine Sachen in meine Tasche geschmissen hat und mich mitgezogen hatte. In der zwischen Zeit hatte ich Millionen von Anrufen von meinen Freundinnen bekommen, aber ich konnte es ihnen einfach nicht sagen. Ohne Alex war ich ein nichts. Ein Zwilling ohne Zwilling. Alex war mein Leben, und jetzt war er tot. Ich tastete die Bettdecke nach dem Foto ab, welches ich schon die ganze Woche immer wieder betrachtete. Darauf zu sehen waren Alex und ich, vor dem Hollywood-Schild. Er hatte seinen Arm locker um meine Hüften gelegt, und ich einen um seine Schultern. Alex war aber um einen halben Kopf größer, was ihn älter wirken ließ. Wir strahlten regelrecht in die Kamera. Ich presste es fest an meine Brust und schluchzte noch mehr. Irgendwann muss ich dann wieder eingeschlafen sein, denn ich erwachte gegen neun Uhr morgens. Aber ich fühlte nichts anderes, als diesen unbezwingbaren Schmerz, der meinen Körper beherrschte. Alex hätte das nicht gewollt. Ruckartig setzte ich mich auf. Alex hätte das nicht gewollt. Wie ein Zombie stand ich auf und trat vor meinen Spiegel. Meine Augen waren rot und geschwollen – darunter befanden sich lilafarbene Augenringe, die einen regelrecht anstrahlten. Meine Haare waren ganz strähnig und fielen in fetten Strähnen herab. Ich beschloss, dass es Zeit fürs waschen war. Das warme Wasser, das meinen Körper herunter rieselte entspannte mich, und das beklemmende Gefühl verschwand etwas. Seufzend stand ich dann in meinem Zimmer. Ich hatte mir eine schwarze Hose angezogen, aber ich fand kein passendes Shirt, was mir noch nie passiert war, denn zu schwarz konnte man praktisch ALLES anziehen. Alex hätte bestimmt nichts dagegen, wenn ich eines seiner T-Shirts anziehen würde, oder? Vorsichtig öffnete ich meine Zimmertür und schlich mich in das Zimmer gegenüber. Tränen traten mir in die Augen, als ich in Alex‘ Zimmer stand. Ich war so lange nicht mehr darin gewesen… Ich versuchte, den Blick gesenkt zu lassen, und stolperte so zu seinem Kleiderschrank. Ich fand tatsächlich ein passendes Shirt. Es war kobaltblau, mit einem Knopf auf der oberen Brust. Ich zog es an und schlich dann wieder nach draußen. Es roch sogar nach ihm, in diesem Raum. Ich hatte gerade die Tür erreicht, als ich etwas in den Augenwinkeln aufblitzen sah. Neugierig sah ich dorthin. Es war die Kette, die er sich mit seinem besten Freund machen hat lassen. Die, mit seinen Initialen drauf. Ich fing an zu weinen, als ich sie las. ANH. Alexander Noah Harper. Ohne groß darüber nachzudenken, schnappte ich sie mir und verließ das Zimmer fluchtartig. Dann lief ich die Treppen ein Stockwerk tiefer. Ich konnte nicht in der Trauer versinken. Alex würde das nicht wollen. Mum stand schon in der Küche und versuchte etwas Normalität ins Haus zu bringen, aber ich sah die Tränen, die sie sich heimlich wegwischte. >> Mum? Darf ich etwas essen? <<, fragte ich leise. Mum drehte sich um. Ihre Augen weiteten sich ungläubig. >> Sofia? <<, hauchte sie. Ich nickte. Sie kam auf mich zu und schloss mich in ihre Arme. >> Mum, Alex hätte das nicht gewollt. Er würde wollen, dass wie fröhlich sind, und weiter machen wie bisher! <<, sagte ich sanft und spürte schon wieder neue Tränen. Aber ich wischte sie fort. Für Alex. Mum nickte. >> Setz dich doch. Ich mach dir Pfannkuchen… <<, murmelte sie und ich setzte mich auf den gelben Stuhl. Gelangweilt spielte ich mit Alex‘ Kette, als auch schon die Küchentür aufging und Dad hereinkam. Auch er hatte Tränen in den Augen. >> Ist das nicht Alex‘ T-Shirt? <<, fragte er ungläubig. Ich nickte leicht. >> Und seine Kette. Ich würde sie gerne behalten, wenn es euch nichts ausmacht! <<, erklärte ich leise. Mum und Dad tauschten einen Blick, dann kamen sie beide auf mich zu und umarmten mich. Und jetzt fing ich wirklich an zu weinen. Mums verzweifelte Schluchzer übertonten die von Dad und mir. Anscheinend war nicht nur ich ohne Alex aufgeschmissen.

>> Mum? Ich würde gerne in die Schule gehen. Alex hätte gewollt, dass ich wieder in die Schule gehe, und lerne. Er wusste, dass ich gerne lerne, obwohl ich es ihm nie gezeigt hatte. <<, sagte ich leise. Dad sah mich an. >> Bist du sicher? <<. Ich nickte. Ich musste stark sein. Für Alex. Und dann durften wir essen. Der grüne Stuhl blieb frei. Er stand genau neben meinen, was das stark sein etwas schwieriger gestaltete, als es schon war. Die Pfannkuchen schmeckten hervorragend, und ich aß sie mit Ahornsirup, sowie Alex. Ich wollte, dass etwas von ihm blieb. Und beim Pfannkuchen essen, war es eben Pfannkuchen essen mit Ahornsirup.

Am nächsten Morgen stand ich dann nervös vor der Schule. Es war Donnerstag, acht Tage nach Alex‘ Tod. Wieder hatte ich eines seiner T-Shirts an, darüber einen seiner Pullis. Die Kette hing mir über den Hals. Alex war jetzt für immer bei mir. Solange ich die Kette hatte, würde er immer da sein. Der Direktor kam mir entgegen. Er wurde schon von Mum und Dad benachrichtigt. Außerdem sollte ich in eine andere Klasse kommen, warum wusste ich auch nicht. Vermutlich, weil Alex neben mir gesessen hatte, und dieser Platz nun frei war. Für immer. >> Guten Morgen Sofia! Ich hätte frühestens in zwei Wochen mit dir gerechnet! Mein herzliches Beileid! <<, sagte er leise und rückte meine Hand. Ich nickte leicht. Wir warteten, bis der Unterricht begonnen hatte, bevor wir zu meiner neuen Klasse gingen. >> Wieso bin ich jetzt eine Stufe höher? <<, fragte ich. >> Weil dein Vater meinte, es würde dich herausfordern. Und das bräuchtest du jetzt. <<, erklärte mir der Direktor, bevor er anklopfte und die Tür schwungvoll öffnete. Mrs. Walter, die Biologie Lehrerin an unserer Schule, die ich auch gehabt hatte, sah uns erst vorwurfsvoll an, bis sie den Direktor erkannte. >> Kinder, aufstehen! <<, herrschte sie die Klasse an, die sich murrend erhob. >> Danke, danke. Setzt euch wieder <<, erklärte der Direktor, winkte mich in die Klasse hinein. >> Mary, ich bringe dir eine neue Schülerin. Sie heißt Sofia Ella Harper, und war vorher in der sechsten. <<, erklärte der Direktor laut, bevor er Mrs. Walter zu sich winkte. Anscheinend klärte er sie gerade über meinen Verlust auf, denn sie blickte immer wieder mitleidig zu mir. Irgendwann hielt ich diese Blicke nicht mehr aus und sah zu Boden. Immer wieder sagte ich mir in Gedanken, dass ich es für Alex tue. Jemand berührte mich am Arm und ich sah erschrocken auf. Die Klasse lachte, hörte aber auf als sie mein Gesicht sahen. Was hatten die denn? Aber schon im nächsten Moment wusste ich es selber. Prüfend fasste ich mir an die Wange und mein Verdacht bestätigte sich. >> Sofia, sind sie sicher, dass sie schon in die Schule gehen können? Vielleicht wäre eine Woche noch zu Hause, doch besser. <<, sagte der Direktor. Leider hatte er es laut gesagt, und jetzt sah uns die Klasse neugierig an. Aber ich schüttelte den Kopf. >> Nein. Alex hätte gewollt, dass ich zur Schule gehe, und nicht in der Trauer versinke! <<, flüsterte ich. Der Direktor nickte, verabschiedete sich, und ging. Mrs. Walter sah mich aufmerksam an. Ich wusste was sie wollte. Ich schüttelte den Kopf, was so viel hieß, wie: Nein, nicht der Klasse erzählen. Das mache ich selber, wenn die Zeit reif ist. Sie nickte. >> Setz dich doch gleich in die erste Reihe. Ich habe gehört, du sitzt gerne dort! <<, sagte sie verschwörerisch und zwinkerte mir zu. Wieder erwarten lächelte ich. Ich saß tatsächlich gerne in der ersten Reihe, aber umgesetzt hatte ich es nie. Ich saß immer neben Alex, und er wollte nicht in der ersten Reihe sitzen. Ich marschierte also mit dem ersten echten lächeln seit acht Tagen zu meinem neuen Platz, kramte einen Block sowie Stifte heraus und fing an, die Dinge, die an der Tafel standen, abzuschreiben. Immer wieder meldete ich mich, und Mrs. Walter schien ganz zufrieden mit mir. Und ich entdeckte etwas Wichtiges: Wenn ich etwas zu tu hatte, dachte ich nicht zu oft an Alex, was den Schmerz etwas linderte. Es war also doch eine gute Entscheidung, in die Schule zu gehen. Alex hatte recht. Am Ende der Stunde winkte Mrs. Walter mich zu sich nach vorne. >> Der Direktor sagt das mit deinem Verlust, den anderen Lehrern weiter, und auch das du es selbst erzählen möchtest. Aber jetzt zu dem, wieso ich dich nach vorne geholt habe. Du hast heute super mitgearbeitet. Ich habe mir das aufgeschrieben! <<, grinste sie. Ich nickte und ging wieder auf meinen Platz. Wo sich schon eine Menschentraube gebildet hatte. >> Wieso bist du jetzt bei uns? <<, fragte ein Junge, der meiner Meinung nach um die zwei Meter groß war. >> Mein Dad meinte, es wäre eine Herausforderung für mich! <<, erklärte ich. Der Junge schien verwirrt. Aber damit war die dringlichste Frage beantwortet, den es kamen nur Fragen, wo ich herkam und so etwas. Aber ich merkte schnell, dass mich eines der blondgefärbten Mädchen dort hinten kannte. Sie erhob sich und stolzierte auf mich zu. >> Bist du nicht die, die immer neben diesem hotten Jungen gesessen ist? Auch in der Mittagspause? Ich bin mit Sara befreundet, und sie sagte, dass du vor einer Woche von deinem Dad aus dem Unterricht geholt wurdest. Ich denke ich spreche im Namen von allen Anwesenden, wenn ich dich frage, wieso du aus dem Unterricht geholt worden bist! <<, sagte sie hochnäsig. Sara. War ja klar, dass sie ihren Mund nicht halten konnte. Kaum dass das Mädchen geendet hatte, verstummten die Gespräche. Alle Blicke lagen auf mir. Tränen sammelten sich in meinen Augenwinkeln. >> Ich… ich… <<, murmelte ich und wusste nicht, wo ich hinsehen sollte.
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