Feierabend

von Izzybuddy
GeschichteRomanze / P12 Slash
Alison DiLaurentis Emily Fields
02.10.2018
02.10.2018
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Feierabend

Die Wanduhr tickte ohrenbetäubend in einem unerträglich monotonen Rhythmus. Unnatürlich laut drang das Geräusch an ihr Ohr und schmerzte pochend in ihrem Kopf.
Ihr Blick richtete sich auf ihr ganz persönliches Folterinstrument des heutigen Tages.
Das alte, verblichene Ziffernblatt zeigte 18.43 Uhr an. „Noch 17 Minuten.“, flüsterte sie resigniert in das Dämmerlicht des Zimmers und wand sich ab. Normalerweise mochte sie diese nostalgische Uhr. Mochte das große Ziffernblatt und das bleich gewordene Holz, doch heute hasste sie es regelrecht. Heute wollten sich die langen Zeiger einfach nicht drehen und brauchten so unnatürlich lange für eine schlichte Umdrehung. Heute wollte die Zeit einfach nicht vergehen.
Die Zeit war ohnehin ein seltsames Ding. Wollte man sie verlangsamen, ja beinahe stoppen, die Zeit anhalten um einen Moment vollends auskosten zu können, so beschleunigte sie ihr tun, raste vorbei und lies nur eine Staubwolke zurück, durch die der Moment oftmals seltsam verschwommen wirkte. Wollte man sie jedoch fliegen und mit unnatürlicher Geschwindigkeit vorbei rauschen sehen und ihr dabei nur ab und zu einmal schnell zuwinken, so kroch sie und sorgte dafür, dass jeder einzelne Moment ein Spießrutenlauf wurde.
Heute war ein solcher Tag. Sie hatte keine Ahnung wie lange genau sie nun schon hier saß und wartete, doch es war eine halbe Ewigkeit vergangen, seit sie sich auf den braunen Ledersessel hatte sinken lassen. Zu Beginn hatte sie noch gute Laune gehabt, sich einen Kaffee bestellt und das Lächeln nicht mehr von den Lippen bekommen, als die brünette Schönheit persönlich ihre Bestellung an den kleinen Tisch brachte. Ihre Bewegungen waren geschmeidig, ihre langen Haare ordentlich nach hinten gekämmt und mit einem Haargummi auf ihrem Hinterkopf zusammengebunden, während ihre Augen sie freundlich anfunkelten.
Ihre Fingerspitzen hatten sich beim Übergeben des Bechers berührt und einen Stromstoß durch ihrer beider Körper gejagt. Das Lächeln auf ihren Gesichtern war bereiter geworden, als sie beide beinahe zeitgleich „Hey“ sagten.
Doch mehr als diese kleine Begrüßung war an diesem Abend noch nicht möglich gewesen, denn kaum war das Wort ausgesprochen, ging die Ladentür nahezu im Sekundentakt auf und Kunde nach Kunde betrat den Laden.
Alison fragte sich mittlerweile ernsthaft, ob draußen Gratisgetränke versprochen wurden, denn sonst konnte sie sich diesen Besucherstrom zu dieser Uhrzeit nicht erklären.
Resigniert stöhnte sie auf und ließ sich tiefer in das weiche Leder sinken. Diese gezwungene Distanz war kaum auszuhalten. Sie saß hier, während alleine in den letzten 10 Minuten 7 Menschen vor Emily standen und ihr näher waren als Alison es ihr in den letzten 40 Minuten gewesen war. Ja, sie spürte eine irrationale Eifersucht auf diese Menschen. Wie gerne wäre sie jetzt zu ihr an die Theke gegangen um mit ihr zu reden, vielleicht auch um kurz ihre Hand zu berühren, ganz beiläufig, nur um sie für einen kleinen Moment zu spüren. Einen kleinen Moment zu wissen, dass sie genau jetzt nur sie sah, dass sie genau jetzt nur für sie da war.
Doch sie riss sich zusammen. Emily sollte nun nur noch... ihr Blick ging zur Uhr...14 Minuten arbeiten. Nach Ablauf dieser Frist würde sie ganz ihr gehören und mit ihr nach Hause gehen, nicht mit einem dieser nervigen Kunden. Warum also war sie so unfassbar ungeduldig? Ihre Zähne malmten langsam aufeinander und sie wippte weiter mit dem rechten Fuß auf und ab.
Ihr Blick schweifte zu Emily zurück, die hinter der Theke regelrecht rotierte. Sie wischte sich gerade mit dem Ärmel beiläufig über die Stirn und goss ein Getränk in ein dafür vorgesehenes Glas ein. Aus ihrem ordentlichen Haarknoten hatten sich zwei Strähnen gelöst, die nun sanft um ihre Wange strichen. Alisons schlechte Laune verflog augenblicklich, als Emily den Blick zu ihr lenkte und ihre Augen sofort die ihren fanden. Sie lächelte ihr zu und dieses Lächeln war anders als das, welches sie ihren vielen Kunden an diesem Abend gezeigt hatte. Dieses Lächeln war ehrlich. Auch Alison lächelte ihr zu und nickte kurz um ihr zu verstehen zu geben, dass sie warten würde.
Wenige Sekunden später musste Emily ihren Blickkontakt lösen, da der nächste Kunde vor ihr stand und seine Bestellung aufgab.
Alison löste ihren Blick von ihrer Freundin und sah auf ihre Tasse hinab. Sie war schon seit einiger Zeit leer und stand einsam auf dem Tisch. Ihren Gedanken nachhängend vergingen die Minuten ähnlich langsam, wie bereits die Minuten und Stunden zuvor. Zu Hause war es einfacher gewesen, auch wenn sie es dort schließlich nicht mehr ohne Emily ausgehalten hatte. Sie war hier her gekommen um die Distanz zu verringern und sie wenigstens sehen zu können, auch wenn sie nicht bei ihr sein konnte.
Es war schon verrückt...Alison hatte noch nie so empfunden und hätte es auch nicht für möglich gehalten. Emily und sie hatten sich erst gestern Nachmittag noch gesehen, beschlossen getrennt zu schlafen, da Alison sehr früh aufstehen musste und sich für den heutigen Abend verabredet.
Doch sie hatte nicht warten können. Jetzt saß sie hier, alleine, abwechselnd auf die Tasse und die Uhr starrend, die Sekunden zählend, die bis zu Emilys Feierabend noch vergehen mussten.
Alison blickte auf, als sich zwei Schuhspitzen in ihr Blickfeld schoben. Ihre Augen glitten die langen Beine in der schwarzen Jeans hinauf und an der blauen Bluse entlang, bis sie schließlich bei ihrem Gesicht angekommen war und kein Zweifel mehr bestand. „Kommst du?“, fragte Emily sie fröhlich, auch wenn die Müdigkeit in ihrer Stimme deutlich mitschwang. Sofort erhob sich Alison mit einem Lächeln und umfasste die Hand, die Emily ihr hingehalten hatte. Sofort verschwand das beklemmende Gefühl aus ihrer Brust und sie wurde schlagartig ruhiger. Ihre Finger verhakend verließen sie das Café. Vor der Tür atmete Emily einmal tief ein, löste den Zopf ihrer Haare, sodass die sanften Wellen über ihre Schultern fielen. „Ich bin total erledigt.“, murmelte sie, während sie ihre Schritte in Richtung Alisons zuhause lenkten. Da Alison nichts Adäquates darauf zu antworten wusste schwieg sie. In letzter Zeit schwieg sie des Öfteren. Es war kein unangenehmes oder verlegenes Schweigen, vielmehr war es ihr Zeichen für Zufriedenheit. Sie musste sich nicht länger durch entsprechende Äußerungen in den Vordergrund drängen oder sich dort behaupten. Mit der Frau neben ihr hatte sie das nicht mehr nötig. Stattdessen fuhr sie mit dem Daumen über Emilys Handrücken um ihr zu verstehen zu geben, dass sie ihr zugehört hatte.
Nach einer Zeit des Schweigens sprach Emily erneut:„Ich bin froh, dass du gekommen bist. Sonst wäre ich irgendwann wohl durchgedreht...so hatte ich einen Lichtblick.“, den letzten Teil murmelte sie so leise, dass Alison ihn nur mit Mühe verstehen konnte. Emily schenkte ihr ein leicht verlegenes und doch strahlendes Lächeln, lehnte sich zu ihr hinüber und küsste sie zärtlich. Doch als sie sich von Alison trennen wollte, führte diese eine Hand an ihre Wange und zog sie wieder zu sich heran: viel zu lange, für ihren Geschmack, hatte sie auf sie warten müssen.
Emily spürte die Sehnsucht ihrer Freundin, spürte, wie sie von ihr festgehalten wurde, spürte die intensive Berührung.
Nach einer Weile, der Kuss schwankte zwischen intensiv und vorsichtig hin und her, lösten sie sich wieder voneinander. Doch einen großen Abstand stellten sie nicht ein. Alison hielt weiter Emilys Hand umklammert, während Emily ihr ein umwerfendes Lächeln schenkte.

Ja, das Warten war nervenaufreibend, schmerzlich intensiv und schlicht und ergreifend absolut mies, doch sie würde sich daran gewöhnen müssen sie nicht dauerhaft bei sich haben zu können.
Aber nun hatten sie beide Feierabend. Nun würden sie Zeit für einander haben und dieser Gedanke ließ beide beschwingt den Heimweg antreten.