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Nächte lehren, was die Tage niemals wissen

von Felicita
OneshotFamilie, Freundschaft / P12 / Gen
Sakura Takumi
02.10.2018
02.10.2018
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Wow, ist es wirklich schon so lange her, dass ich eine Geschichte hochgeladen habe ...
Ich habe mich ein wenig davor gedrückt Fates anzufangen, weil ich mich und die Fire Emblem Reihe kenne - ich komm von den Spielen und Charakteren nicht mehr los, wenn ich einmal angefangen habe ...
Ich finde es nach wie vor irgendwie süß, dass die aufgestiegenen Klassen von Sakura und Elise die Waffen ihrer älteren Brüder übernehmen und in meinem Headcanon haben die beiden sie auch genau so gelernt. Und das wollte ich dann schreiben, hier nur Sakuras und Takumis Seite, zum einen weil ich die andere noch nicht komplett durch habe, zum anderen ... bei Elise und Leo stelle ich mir das ganze recht simpel vor im Sinne von "sie fragt, er stimmt zu"? X'D
Vielleicht setze ich mich irgendwann da auch mal dran, solange wünsche ich hoffentlich viel Spaß mit diesem kleinen Fluff One-Shot, den ich einfach mal haben wollte.
(Und Ewigkeiten nicht hochgeladen habe, weil ich einfach nur grauenvoll mit Titeln bin ... hust)
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Nächte lehren viel, was Tage niemals wissen

Er war unruhig und rastlos. Er wusste nicht, wie viel Zeit wirklich vergangen war, aber nach seinem Gefühl lag er seit einer Ewigkeit wach auf seinem Bett und wälzte sich von einer Seite auf die andere ohne einschlafen zu können.
Genervt über sich selbst knurrte er in dem vollen Wissen, dass er es nicht besser machte, wenn er sich auch noch darüber ärgerte.
Takumi drehte sich auf den Rücken und hob die rechte Hand ein Stück. Starrte sauer auf den weißen Verband, der ihn daran hinderte zu tun, was er normalerweise in solchen Fällen tat. Aber Sakura war sehr nachdrücklich gewesen, als sie ihm erklärte keinen Druck auszuüben, bis die Wunde verheilt war. Sie hatte sie behandelt, es sollte sich nur um ein paar Tage handeln. Aber jeder Tag ohne die Chance trainieren zu können war ein vergeudeter Tag in seinen Augen. Ganz abgesehen davon, dass es ihn normalerweise beruhigte und seine Gedanken erfolgreich ausschaltete.
Er bewegte die Finger, ballte testweise eine Faust. Er hatte keine wirklichen Schmerzen, aber er spürte die Wunde, merkte, dass er nicht die volle Kontrolle hatte und die Muskeln bei der Bewegung kaum merklich zitterten. Er würde nie im Leben so einen gezielten Schuss abgeben können. Und eine leise Stimme in seinem Inneren warnte ihn sehr wortreich davor, dass es so bleiben könnte. Keine Versicherung seiner Schwester hatte sie zum Schweigen bringen können und das Wachliegen und nicht trainieren dürfen waren wie weiterer Zündstoff und gefundenes Fressen für Zweifel.
Mit einem Ruck ballte Takumi die Faust und stand auf. Er wusste, dass er sich in etwas hinein steigerte, er musste einen Weg finden das zu verhindern, sonst würde er nur die ganze Nacht wach liegen.
Er lief in den Garten hinaus, machte sich nicht die Mühe seine Schuhe überzustreifen. Es war eine laue Frühsommernacht und das Gras unter seinen Füßen nicht wirklich kalt. Als er aufsah konnte er nicht nur einen zunehmenden, fast vollen Mond, sondern auch deutliche Sternbilder sehen. Orochi hatte mehrmals davon gesprochen, was sie ihm verraten sollten - für ihn waren und blieben es nur helle Punkte am Nachthimmel.
Er strich sich durch die ausnahmsweise einmal offenen Haare und lief ein wenig ziellos los. Ein wenig Bewegung würde sicher nicht schaden.
Für einen kurzen Moment spielte er mit dem Gedanken doch zum Schießstand zu gehen - er hatte zwei Hände, nicht? Einen Bogen zu halten übte deutlich weniger Druck aus als ihn zu spannen ... oder? Sakura würde so oder so nicht begeistert sein, aber dazu müsste sie es überhaupt erst erfahren und er war sich gerade nicht sicher, ob er nicht bereit war in Kauf zu nehmen, dass sie ihm einen Vortrag über Verletzungen halten würde und ...
Er hielt inne, als er einen dumpfen Schlag hörte. Dann noch einen. Takumi wusste, dass er nicht der Einzige war, der ab und an nachts keine Ruhe fand und draußen trainierte. Fast jedem hier war er schon einmal bei einem Zusatztraining begegnet. Aber das Geräusch klang ... nun, plump. Nicht wie gezieltes Training, sondern mehr wie jemand, der wutentbrannt auf etwas einschlug.
Stirnrunzelnd drehte er ab und folgte dem Geräusch, langsam, darauf bedacht selbst keine Geräusche zu machen, falls sich wirklich jemand unbefugten Zutritt verschafft haben sollte. Als er näher kam, wurden die Schläge langsamer, unterbrochen von schnellen Atemzügen, die nach Luft rangen. Als würde wirklich jemand eine anstrengende Übung wiederholen.
Er lehnte sich an die Wand des Arsenals und lugte um die Ecke zu den Trainingspuppen. Fast traute er seinen Augen nicht.
Dort stand seine kleine Schwester in ihrem Nachthemd, eines der hölzernen Trainingsschwerter in der Hand und schlug ungelenk auf eine der Strohpuppen ein. „Sakura?“, entwich es ihm verdutzt, „Was machst du da?“
Sie hatte ihn ganz offensichtlich nicht bemerkt, zuckte heftig zusammen, fuhr erschrocken herum und machte einen Schritt rückwärts. In der Bewegung stolperte sie über ihre eigenen Füße und fiel mit einem leisen Aufschrei rückwärts auf ihren Hintern, das Holzschwert rutschte ihr aus den Händen und fiel zu Boden.
Mit riesigen, entsetzten Augen sah sie fast schon angsterfüllt zu ihm auf (was ihm einen kleinen Stich versetzte), ehe Erkennen aufflackerte und sie den Blick beschämt senkte und langsam ausatmete.
Takumi war mit zwei schnellen Schritten bei ihr und beugte sich runter, bot ihr die Hand an, aber sie schüttelte den Kopf, was ihn die Stirn runzeln ließ. „Tut mir leid, ich wollte dich nicht erschrecken. Alles in Ordnung?“
Dann seufzte er genervt und versuchte es nochmal mit der anderen, unverletzten Hand. Sakura gab ein unwilliges Geräusch von sich, griff aber diesmal zu und ließ sich hochziehen, klopfte sich ab.
Sie hielt den Blick noch immer gesenkt. „Alles in Ordnung. Entschuldige, du hast mich nur ... überrascht.“, flüsterte sie leise. Sie sah kurz zu ihm und wieder weg. „Hast du Schmerzen? Soll ich dir was dagegen geben?“
Er brauchte zwei Sekunden, um das zu verstehen und schüttelte den Kopf. „Nein, ich kann nur nicht schlafen. Was tust du hier?“
Sie druckste leise. Er hob die Augenbrauen und setzte an „Sakura ...“, hielt aber inne, als er merkte, dass sein Tonfall genervter klang, als er beabsichtigte. Er wollte ihr nicht das Gefühl geben sie zu bedrohen, was er ihrem Gesichtsausdruck nach aber tat. Sie sah nun wirklich zu Boden und murmelte kaum hörbar ein kleinlautes „Trainieren.“.
„Trainieren?“, wiederholte er in normaler Lautstärke und irritierte von ihrem Verhalten griff er nach ihrer Schulter und beugte sich vor, um ihr ins Gesicht sehen zu können. Sie zuckte kurz, wehrte sich aber nicht. „Was trainierst du bitte hier mitten in der Nacht alleine?“ Er ignorierte dabei, dass er das selbst auch tat. Aber er trainierte auch wenigstens seine eigene Waffe.
Sie seufzte leise, dann tat sie, was er nicht erwartet hatte und griff nach seiner Hand, nahm sie sanft von ihrer Schulter und hielt sie fest. „Ich bin schuld daran, ich muss ... lernen mich selbst zu verteidigen und mich nicht hinter euch zu verstecken.“
Und für den Augenblick war er sprachlos. Das war nichts, was er jemals erwartet hätte von ihr zu hören, mehrere Dinge stimmten an dieser Aussage nicht. „Du bist nicht schuld“, murrte er zwischen zusammengebissenen Zähnen, „Ich habe nicht aufgepasst und mich von einer Lanze streifen lassen, das hat nichts mit dir zu tun. Und wer bitte hat behauptet, dass du dich hinter uns versteckst? Ich werde demjenigen mal ...!“
Aber wieder überraschte sie ihn und unterbrach ihn. „Ich selbst.“
Er blinzelte. Doch sie sprach weiter, ruhig, ruhiger als sonst, wenn auch deutlich leiser. Er musste sich ziemlich anstrengen, um sie zu verstehen. „Großer Bruder, die Lanze war auf mich gezielt, Ryoma hat sich vor mich geworfen und sie abgelenkt, daraufhin ist sie in deine Richtung gekommen.“
Nun, das erklärte zumindest den seltsamen, unberechenbaren Bogen, den sie gemacht hatte, aber von Schuld würde er trotzdem nicht reden.
„Ich ... ich will mit euch kämpfen können, nicht nur eure Wunden versorgen.“ Sie strich gedankenverloren über den Verband und er war nicht sicher ob sie das bewusst machte um ihn zu kontrollieren oder in Gedanken war. Dann ließ sie aber los und beugte sich herunter, um das Holzschwert wieder aufzuheben.
„Sakura, deine Gedanken ehren dich, aber wäre es nicht einfacher Ryoma zu fragen, ob er es dir beibringt? Oder Hinoka? Du weißt, sie ist darin auch nicht schlecht.“ Sich selbst ließ er sehr bewusst aus.
Sakura lächelte entschuldigend. „Die beiden sind so ... beschäftigt. Sie haben so wichtige Aufgaben und ich ... ich will sie damit nicht ... nerven.“
Takumi seufzte leise. Auch wenn er nicht glaubte, dass einer ihrer älteren Geschwister wirklich genervt reagieren würde, er konnte sie verstehen. Er griff nach dem Schwert und nahm es ihr ab. „Denkst du denn wirklich, dass ein Schwert die richtige Waffe für dich ist?“
Er beäugte sie abschätzend. Sie war niemand, der auf einen Feind zu rennen und mit einem Schwert nach ihm schlagen würde, da war er ziemlich sicher.
Sie zuckte darauf nur die Schultern.
„Ich ... weiß nicht. Es erschien mir ... am einfachsten?“
Ja, das hatte er auch einmal gedacht. Er strich sich langsam durch seine Haare, das war eine schwierige Frage. Ryoma und Hinoka hatten ihre Waffen auf Anhieb gefunden, aber was würde er Sakura geben? Magie vielleicht?
Auf einmal sah sie auf und ihn mit diesen großen Hundeaugen an, die er nicht mochte. Sie machten es schwer irgendwas abzulehnen. „Takumi? Kannst du mir Bogenschießen beibringen?“
Er blinzelte verdutzt. Eine unerwartete Wendung nach der anderen. „Ich glaube kaum, dass ich ein guter Lehrer bin ...“, murmelte er ausweichend, auch wenn er ihr kaum diese Bitte abschlagen konnte, so aufrichtig, wie sie ihn gerade ansah. „Aber wir können es versuchen. Du weißt aber, dass das nicht einfach wird?“
Sie nickte langsam. „Bitte, ich will es trotzdem versuchen.“

Es hatte nur ein paar Minuten gedauert einen Trainingsbogen aufzutreiben - und etwa fünf Minuten einer kurzen Diskussion, weil er ihn hatte testen wollen, ehe er ihn ihr gab. Sie sollte nicht mit einem unausbalancierten Bogen ihre ersten Schüsse abgeben, aber am Ende hatte er nachgegeben. Das Argument, dass er so seinen Heilprozess hinauszögerte, hatte ihn mürrisch einlenken lassen.
Nun standen sie mit einem einfachen Holzbogen in seiner Hand vor den Übungszielen und er war froh darüber, dass es eine so helle Nacht war.
„Okay, pass auf, ich verspreche dir, ich spanne nichts, aber ich zeig dir die Haltung.“ Es war eine halbe Frage, aber sie blieb still und so ging er in Position, brachte den Arm mit dem Bogen nach vorne und merkte, wie ungewohnt es war nicht seinen eigenen in der Hand zu halten. Das übliche Gewicht fehlte und er konnte sich nicht erinnern, wann er das letzte Mal eine echte Sehne in der Hand gehabt hatte. Sie fühlte sich so anders als, als die seines Fujin Yumi.
Er strich mit den Fingern darüber und spürte wieder ein leichtes Zittern als er seine Finger in die richtige Position brachte. Eine Erinnerung daran nicht weiter zu gehen. „Das ist die Grundhaltung. Dann spannst du an“, er ließ die Sehne los, bewegte seine Hand aber weiter, als würde er sie noch halten, „zielst und lässt los.“
Es war mehr als seltsam diese Bewegung zu machen ohne die übliche Antwort seines (oder irgendeines) Bogens zu spüren. Er verdrängte den Gedanken, trat neben sie und legte ihr den Bogen in die Hand. Sie war eindeutig nervös, als sie ihn griff und versuchte nachzumachen, was er gerade getan hatte.
Und man sah es ihr sofort an. Der Stand war nicht sicher, ihr Griff nicht fest und viel zu zögerlich. Für einen kurzen Moment tat sie ihm leid und er wollte das einfach nur beenden, aber er wusste, dass er ihr damit keinen Gefallen tun würde. Nicht, ehe sie nicht wenigstens zu dem Punkt gekommen waren, an dem sie ein paar Mal geschossen hatte und sagen konnte, ob es etwas für sie war oder nicht.
„Entspann dich“, murmelte er leise und in dem Versuch so einfühlsam zu sein, wie es ging, stellte sich hinter sie und schob ihre Hand mit etwas Druck, weil sie so verkrampft festhielt, etwas höher am Bogen. „Je angespannter du bist, desto schwerer wird es ihn zu kontrollieren. Es passiert nichts, Sakura, der Bogen wird dir nicht weh tun, du brauchst nicht nervös zu sein.“
Sie atmete tief und fast etwas gequält durch. „Entschuldige, ich ...“ Sie brach ab, wusste offensichtlich selbst nicht, was genau sie sagen sollte. Er lachte ganz leise. „Wir kriegen das schon hin. Jetzt nimm die Beine etwas weiter auseinander“, er stupste mit seinem Fuß gegen ihren Unterschenkel, bis sie halbwegs in der richtigen Haltung war, trat dann hinter sie und griff kurzerhand in ihre Schusshand, korrigierte sacht einen Finger und ließ seine Hand auf ihrer liegen. „Langsam anspannen. Mach dir keine Gedanken ums Zielen, beweg sie ein wenig, damit du ein Gefühl dafür bekommst.“
Und es geschah genau, was er erwartet hatte, sie verkrampfte sich wieder und zog ruckartig an der Sehne. Er legte nun auch die andere Hand auf ihre am Bogen und drückte sie nach vorne. „Der Arm bleibt gerade, jetzt nochmal langsamer.“ Er griff etwas fester zu und führte ihre Hand ein paar Mal, gab ihr dann die Kontrolle zurück, auch wenn er sich nicht zurückzog. Der Anfang war nicht leicht, aber er würde nicht zulassen, dass es daran scheiterte. Sie würde den Teil lernen können, da war er überzeugt.
„Ja, das ist besser, jetzt versuch den Arm gerade zu halten.“
Sie war ein wenig ruhiger, aber noch nicht wirklich entspannt. Das wäre aber wohl auch etwas viel gewesen. „Das ... ist schwer“, flüsterte sie kleinlaut und ließ ihn ein wenig schmunzeln. „Du musst deine Armmuskeln trainieren, aber das kommt von alleine, wenn du übst, es wird leichter mit der Zeit.“
Und er musste sich selbst daran erinnern, dass Sakura nicht mal durch eine Standard Schwert- oder Kampfausbildung gegangen war. Sie hatte stattdessen Heilkunst studiert, was unersetzlich war, aber ihre Muskeln nicht stärkte. Das hieß kleine Trainingseinheiten, er konnte nicht seine Maßstäbe bei ihr ansetzen ohne ihr wehzutun.
„Gut, nehmen wir mal einen Pfeil dazu“, er griff einen aus dem Köcher, der neben ihnen lag und nahm wieder seine Position hinter ihr ein. Wenn sie den geschossen hatte, sollte es gut sein für heute. Morgen war auch noch ein Tag. „Also, pass auf, dieser Teil kommt an die Sehne und dann greifst du mit den Fingern hierhin ...“

Sakura hatte ihn leise darum gebeten nachts zu trainieren, was ihm recht war. So hatte er wenigstens eine Beschäftigung und lag nicht ruhelos und sinnlos wach.
Sie tat sich schwer und mehr als einmal musste er das Bedürfnis unterdrücken ihr den Bogen aus der Hand zu nehmen und selbst zu schießen. Er wusste, dass der Anfang nicht leicht war, aber es verging eine Woche und sie hatte nicht ein einziges Mal auch nur das Ziel getroffen. Vielleicht war es doch eine schlechte Idee gewesen, er war überrascht, dass sie nicht längst aufgegeben hatte.
Aber offensichtlich teilte sie den Starrsinn der gesamten Familie und versuchte es wieder und wieder. Er saß ein paar Meter neben ihr und sah ihr dabei zu. Er verstand es selbst nicht, man konnte definitiv daran arbeiten, aber ihre Haltung war nicht mal schlecht und auch wenn sie die Kraft noch trainieren musste, es sollte eigentlich reichen, um ein Ziel zu treffen, dass so nah stand. Wie konnte sie nur so verdammt schlecht zielen?
„Beide Augen auf!“, rief er zum wiederholten Mal, als er sah, wie sie hochkonzentriert wieder eines geschlossen hatte. Das war ein typischer Anfängerfehler und half bestimmt nicht bei der Zielgenauigkeit, aber es sollte sie eigentlich nicht davon abhalten die Scheibe zu treffen.
Der Pfeil sauste durch die Luft und landete fast einen Meter links vom Ziel. Sie seufzte leise und ließ den Bogen sinken. Takumi schüttelte leicht den Kopf und stand auf. „Okay, das reicht für heute.“
Aber sie sah ihn fast ein wenig schmollig an. „Ich kann noch.“
Hatte er die Sturheit schon erwähnt? „Mach wenigstens eine Pause.“ Er wusste langsam nicht mehr, was er ihr raten sollte. In Gedanken stellte er sich langsam, aber sicher darauf ein, dass seine Schwester einfach komplett untalentiert war, was Bogenschießen anging. Das war in Ordnung, nicht jeder war darin gut, es war nicht so einfach, wie es aussah, aber er fragte sich, wie er ihr das beibringen sollte. Er war nicht gut in sowas.
Widerwillig gab sie nach, legte den Bogen zur Seite und ließ sich ins Gras fallen, rollte ein wenig die Schulter. Sie sagte nichts, aber es war fast ausgeschlossen, dass sie keinen Muskelkater hatte.
Er ließ sich wieder neben sie sinken. „Lass mich deine Hand sehen“, meinte sie dann. Er bewegte sie testweise, nickte dann und streckte ihr die Rechte entgegen. Sakura hatte alle paar Tage den Verband gewechselt und eine Salbe aufgetragen. Das letzte Mal vorgestern, da war es noch gerötet gewesen.
Sie wickelte den weißen Stoff ab, so sanft, dass er ihre Berührung kaum spürte. Wie immer, ihre Berührungen waren federleicht, sie erzeugte nie unnötigen Druck oder Schmerz, wenn sie Wunden versorgte. Es stand im Gegensatz zu allem, was er mit ihr verband, was sie hier gerade versuchten. Vielleicht war auch das das Problem - es passte einfach nicht zu ihr, sie war nicht dafür gemacht? Andererseits wollte er so etwas eigentlich gar nicht einsehen. War wirklich vorgegeben, was aus Menschen wurde?
Seine Hand lag frei und die Rötung war verschwunden. Ein dünner, roter Strich lief über die Innenseite seiner Handfläche, er sah ein zufriedenes Lächeln auf Sakuras Lippen und nahm das als gutes Zeichen. Sie strich testweise darüber, wieder unheimlich sacht, dann hob sie die andere Hand und winkelte seine Finger an, nickte langsam und griff mit ihren eigenen hinein, zog daran. „Spürst du was? Tut das weh oder zieht?“
Er schüttelte langsam den Kopf, wagte er ebenfalls etwas zu ziehen und merkte sehr zufrieden, dass nichts ungewöhnliches an der Bewegung war. Sie lächelte und ließ los, wickelte den Verband zu einer Rolle, den sie zuvor achtlos auf den Boden gelegt hatte. „Dann darfst du wieder.“
Er bewegte nochmals testweise die Finger, ballte eine Faust und spürte, wie ein leises Schmunzeln sich auf seine Lippen schlich, als er aufstand, den Bogen griff, der neben ihr lag und sich zudem drei Pfeile aus dem Köcher daneben schnappte. Er feuerte sie in schneller Folge auf das Ziel. Es tat gut und entspannte ihn, erst jetzt merkte er, wie angespannt er die letzten Tage wirklich gewesen war. So schlimm hatte er es gar nicht erwartet.
Allerdings fiel ihm noch etwas auf und er runzelte mürrisch die Stirn. „Warte hier, ich besorg dir jetzt erstmal einen gescheiten Bogen.“
Er wartete nicht auf eine Antwort, als er sich umdrehte und zum Waffenlager lief. Seine Pfeile hatten ihr Ziel getroffen, aber nicht das absolute Zentrum und auch nur, weil er wusste, was er tun musste, um sie auszugleichen.
Abgesehen davon war der Bogen bei genauerer Überlegung viel zu schwer für sie, Sakura würde einen leichteren brauchen, und die Sehne gehörte nachgespannt. Er wusste schon, warum er ihn hatte vor ihr testen wollen ...

Drei Monate zogen ins Land, bis Sakura sicher das innere Drittel der Ziele traf. Zumindest wenn sie den extra für sie angefertigten Bogen benutzte, mit einem beliebigen aus dem Arsenal traf sie immerhin zum Großteil die innere Hälfte.
Das war deutlich besser als er nach ihren ersten Versuchen erwartet hatte und wenn sie so weitermachte, würde sie wahrscheinlich einmal wirklich gut werden. Fast ärgerte es ihn ein wenig, dass sie das doch so schnell hin bekam, aber das ging unter darin, dass er sich darüber freute, dass sie es scheinbar immer mehr mochte.
Sakuras Schüsse würden wohl nie so kraftvoll werden wie seine eigenen, aber wenn sie weiter an der Zielgenauigkeit übte, würde das kein Problem darstellen. Zufrieden sah er zu, wie sie einen geraden Schuss abgab und nur haarscharf das Zentrum verfehlte. Es wurde Zeit sie auf sich bewegende Objekte loszulassen, was allerdings hieß, sie würde ihre nächtliche Trainingszeit aufgeben müssen, da man für die Übungsgeräte definitiv mehr als eine Person benötigte um sie zu bewegen.
Sie war sehr zögerlich, was das anging, da sie tagsüber Leute dabei sehen würden und nach allem, was sie ihm gesagt hatte, bisher überhaupt niemand wusste, dass sie Bogenschießen übte.
Aber früher oder später würde sie den Schritt sowieso gehen müssen, es würde ihr auf keinem Schlachtfeld sehr viel bringen nur stillstehende Ziele treffen zu können.

Am Ende verging ein halbes Jahr, bis Sakura sich sicher genug fühlte, um das erste Mal ihren Bogen mit in einen Kampf zu nehmen.
Takumi hatte früher damit gerechnet, aber wenn sie nicht bereit war, stimmte er ihr zu, dass es keinen Sinn machte. So war auch er einen Moment überrascht, als sie aus dem Haus kam und nicht ihre übliche Kleidung trug. Sie war offensichtlich ein wenig nervös und fummelte leicht an dem weißen Bogen in ihrer Hand und wand sich etwas unter den verwunderten Blicken der anderen.
Unruhig suchte sie seinen Blick, er schenkte ihr als Antwort ein Nicken und den Ansatz eines Lächelns und sie entspannte sich ein wenig, rückte ihren Köcher zurecht und nahm ihren üblichen Platz in der losen Formation ein.
„Sakura?“, fragte Ryoma langsam und sah erst zu ihr, dann zu Takumi herüber, runzelte die Stirn. Takumi war nicht sicher, ob das Skepsis oder Missfallen war, aber er zuckte nur die Schultern. „Es war ihr Wunsch, sie ist gut genug, mach dir keine Sorgen.“
Oder eher sei stolz auf deine kleine Schwester, das sprach er aber nicht aus, sondern lief los, als wäre nichts. Den Rest würde die Zeit zeigen, er war gespannt, wie weit sie kommen würde. Und so oder so würde er zumindest im Kampf immer ein Auge auf sie haben.
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