No longer alone

von -Isi
GeschichteAllgemein / P16
01.10.2018
11.01.2019
11
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Kapitel 11: Kuss ist Kuss


Am nächsten Morgen klingelte Sebastian pünktlich um halb sieben an der Eingangstür und über den Summer ließ ich ihn in das Haus. Zum Glück hatte unser Vermieter vor einigen Tagen die Tür reparieren lassen, sodass jetzt wirklich nur noch die Befugten Zutritt hatten. Der Koffer stand bereits im Flur, die letzten Sachen wurden in der Handtasche verstaut und zum tausendsten Mal raufe ich mir gestresst die Haare. Man kennt das doch, man packt seine Sachen schon Tage vor der Anreise, ist aber trotzdem im Stress wenn es dann wirklich losgeht.

Genervt stöhne ich auf, drehe mich um die eigene Achse und kontrolliere im Schnelldurchlauf alle Fenster. Auch wenn ich im vierten Stock wohne habe ich keine Lust in eine leergeräumte Wohnung heimzukommen, schließlich wissen wir alle wie verrückt Einbrecher heutzutage sind...
Der letzte Gang ins Bad um noch einmal das Aussehen zu überprüfen und das Klopfen an der Tür fordert mich nun endgültig zum Aufbruch auf.

„Moment!“, rufe ich, renne durch die Wohnung und steige oder besser gesagt stolper der Tür entgegen. Ein letzter tiefer Atemzug, die Kleidung nochmals glattgestrichen und die mentale Einstellung auf das kommende war vorhanden, sodass ich mit einem Lächeln auf dem Gesicht Sebastian begrüßen konnte.

Sein Aussehen überraschte mich im ersten Moment. Seine Haare waren geschnitten und der Bart bis auf einige Millimeter abrasiert, woraufhin ich vermute, dass es bei ihm in puncto Filmvorbereitungen drastisch vorangegangen war.
„Hey“, begrüßt er mich und umarmt mich kurzerhand. „Na“, sage ich zurück und hänge mir meine Handtasche um. Gerade wollte ich nach meinem Koffer greifen, da schiebt sich Sebastian an mir vorbei und kommt mir zuvor. „Ich mach schon“, sagt er hastig und ich nicke, schließe die Wohnungstür ab und schiebe den Ersatzschlüssel bei 26A unter der Tür durch. Meine nette Nachbarin würde sich in den nächsten Tagen um meine Pflanzen – natürlich nicht die aus Plastik – kümmern und regelmäßig alles kontrollieren.

Nur zehn Minuten später befand ich mich in Sebastians Mercedes AMG GT Coupé auf dem Weg zum Flughafen und während leise das Radio im Hintergrund dudelt, spiele ich gedankenversunken an meinen Fingern. „Ist alles in Ordnung?“, fragt er mich nach einer Weile und sieht mich mit einem schnellen Blick von der Seite an. Ich seufze, wische mir über das Gesicht und lehne den Kopf an die Nackenstütze des Sportwagens. „Nicht wirklich. Das ganze im Internet, mit der Presse – das ist alles so durchschlagend. Ich hab wirklich Angst in irgendeiner Weise erkannt zu werden“, gebe ich schon beinahe jammernd zu und drehe meinen Kopf in seine Richtung, woraufhin er resigniert seufzt.

„Ich hätte wirklich etwas vorsichtiger sein sollen“, beginnt er und biegt um eine Ecke, ehe er fortfährt. „Das haben mir Luke und mein Manager auch ziemlich klar gemacht. Ich hatte einfach nicht gedacht, dass du so eine Aufmerksamkeit erregst“

„Eine unbekannte Frau an der Seite eines bekannten Schauspielers? Es war doch wohl klar, dass sich die Presse eher darauf stürzen würde, als wenn ich berühmt wäre“, schnaube ich und verschränke die Arme vor meiner Brust. „Ist das etwa unser erster Streit?“, fragt Sebastian neckend und ich konnte mir ein Lächeln einfach nicht verkneifen.

„Ha, das habe ich gesehen!“, ruft er grinsend und parkt den Wagen auf einem freien Parkplatz vorm großen Eingangstor des JFK International Airports. Wir steigen aus, Sebastian setzt sich eine spiegelnde Sonnenbrille auf und gemeinsam betreten wir den Flughafen, wobei er es sich nicht nehmen ließ, erneut mein Gepäck zu tragen.

„Nur ein Koffer? Wie lange verreist du noch mal?“, fragt er grinsend, während wir zwischen allen Leuten in der großen Halle stehen bleiben. Ich wusste, dass ich ihm weder gesagt, noch geschrieben hatte wie lange ich in Deutschland bleiben würde, doch schaden konnte es nicht. „3 Wochen“, sage ich daher und drehe mich ihm zu. „Aber ein Koffer reicht da völlig. Ich bin eben nicht der Typ Frau der drei mal täglich das Outfit wechseln muss“, grinse ich und verstaue meine Handschuhe in einem Seitenfach des schwarzen Koffers. „Und genau das macht dich so besonders“, lächelt er und augenblicklich werde ich rot.

„Ha, ich hab's schon wieder geschafft“, lacht er laut und lehnt sich dabei etwas zurück. Gott, wie gerne würde ich jetzt seine Augen sehen... Grinsend schüttel ich den Kopf, gucke etwas verlegen auf den Boden und werde kurz darauf von seiner Stimme aus meinen Gedanken gerissen. „3 Wochen“, murmelt er und legt den Kopf schief. „Dann kommst du ja erst zwei Tage vor Weihnachten zurück“
„Ja und? Ist das ein Problem?“, frage ich lächelnd und kneife meine Augenbrauen zusammen. „Nein es ist nur – nach Neujahrsbeginn fliege ich nach Kanada. Die Dreharbeiten zum neuen Film beginnen. Nach einem Monat Kanada geht es zwei Monate nach Kolumbien und nach Kolumbien weitere zwei Monate nach Brasilien“

Unfähig etwas zu sagen klappe ich meinen Mund auf und kurz darauf wieder zu. Auch Sebastian wusste nicht weiter zu handeln und formt seine Lippen derweil zu einem aufmunternden, jedoch nicht aufrichtigen Lächeln. „Äh“, fange ich an und raufe mir die Haare. „Das ähm, scheint ein ziemlich anspruchsvoller Film zu sein“, murmel ich und er lacht mit einem „Das ist er“ bitter auf.

Ich unterdrücke einen Seufzer und zögernd macht Sebastian einen Schritt auf mich zu. Natürlich musste mein Flug genau in diesem Moment aufgerufen werden und hinter den getönten Brillengläsern heben sich seine Augenbrauen. Er stand derweil so nahe, dass ich mich nach vorne fallen lasse und meinen Kopf auf seiner Brust ablege, woraufhin sich seine Arme um mich legen. „Warum sind Abschiede bloß immer so schwer“, flüster ich nach einer Weile und sehe zu ihm hoch.

Er presst die Lippen aufeinander und zwingt sich ein Lächeln ab. „Stimmt“ Ich nicke stumm, schlucke und löse mich von ihm. Nach einem weiteren Lächeln nehme ich ihm den Koffer aus der Hand, verabschiede mich mit einem Winken und drehe mich um, um mich zu den Terminals zu begeben. Bloß nicht umdrehen, ermahne ich mich, doch ich kann seinen Blick auf mir spüren und werfe einen schnellen Blick über meine Schulter.

Anscheinend reichte ihm das, denn er ruft ein „Warte Chili“ und kommt mir hinterher gerannt. Mit einem Lächeln auf den Lippen drehe ich mich ihm zu und sehe ihn erwartungsvoll an. „Hast du an Weihnachten schon etwas vor?“, fragt er, als er vor mir zum stehen kommt. „Bis jetzt noch nicht“, grinse ich und ziehe eine Augenbraue hoch, woraufhin er die Brille abnimmt. „Etwas riskant, nicht war?“, sage ich, doch er schüttelt den Kopf. „Würdest du mich zum Essen meiner Eltern begleiten?“

Das kam ziemlich überraschend ich meine, es ist ja nicht so als würde zwischen Sebastian und mir etwas laufen. Oder? Obwohl ich mir ziemlich sicher bin, dass am Freitag vor dem Auftauchen meines Vaters nicht viel gefehlt hätte und wir uns geküsst hätten. Und der Gedanke gefiel mir, also nicke ich. „Klar, warum nicht?“ Meine Antwort schien ihm zu gefallen, denn seine Augen beginnen zu strahlen und das wiederum bringt mich zum strahlen.

„Na dann“, sagt er und ich mache einen Schritt zurück. „Dann werde ich dich an dem Montag abholen“ Wieder nicke ich und nehme all meinen Mut zusammen um ihn auf die Wange zu küssen. Natürlich spüre ich, wie ich wieder rot wurde, doch diesmal sagt Sebastian nichts und darüber war ich wirklich dankbar. „Dann bis in 3 Wochen“, sage ich und verabschiede mich für die wohl längsten drei Wochen, die ich jemals haben werde.


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Im Flugzeug hatte ich nicht gerade einen Platz erster Klasse. Der Sitz direkt im Gang, neben mir eine junge Mutter mit ihrem dauer-schreienden Baby und ausgerechnet auf der anderen Seite des Ganges, saß ein schmieriger Typ mit verkleisterten Haaren und Oberlippenbart, der mich andauernd anlächelt. Es würde der mit Abstand schlimmste aller Flüge werden, auch wenn wir mit etwas Verspätung noch immer am Flughafen standen. Als der 'Lackaffe' - wie ich ihn nun nenne - mich doch tatsächlich ansprach und fragte ob er mir etwas zu trinken ausgeben dürfte, schüttelte ich ablehnend den Kopf und setzte mir meine Kopfhörer auf. Gerade wollte ich eine Playlist anmachen, als eine Nachricht eines nicht nur mir bekannten Mannes aufploppt.

'Ich weiß gar nicht wie
ich 3 Wochen ohne dich aushalten soll...'


Unwillkürlich muss ich Lächeln und tippe schnell eine Antwort ein.

'Wie willst du denn dann erst die
5 Monate schaffen?'


'Oh bitte erinnere mich
nicht daran :('


'Aber immerhin sehen wir uns doch
an Weihnachten. Und dann stellst du mich
auch direkt schon deinen Eltern vor ;)'


'Ich meine, ich hab deinen Vater schließlich
auch schon kennengelernt. Auch wenn nicht so wie ich es mir
gewünscht hätte...'


'Man kann nicht alles haben Mister Stan'


'Hast du darüber nachgedacht?'

'Ja und falls er wieder aufkreuzt
werde ich mit ihm reden. Danke, dass
du mir den Rat gegeben hast'


'Natürlich. Dafür sind Freunde doch da :)'

'Ach, jetzt sind wir also schon Freunde?
Seit wann denn das?'


'Ich glaube seit du mich vorhin geküsst hast...'

'Es war ein Wangenkuss'


'Kuss ist Kuss :D'

Ich lache auf und schüttel den Kopf, wobei mir auffällt, dass mich der 'Lackaffe' schon wieder ansieht. Ich ziehe mir einen Kopfhörer aus dem Ohr und sehe ihn an. „Sie haben ein wunderschönes Lächeln“, flüstert er und reicht mir seine Hand, doch ich kneife die Augen zusammen und versuche die Gänsehaut zu unterdrücken. „Lassen Sie mich bitte in Ruhe, ansonsten werde ich einem der Flugbegleiter Bescheid sagen“ Auch das schien ihn nicht sonderlich zu Interessieren. „Außerdem habe ich einen Freund“, füge ich hinzu und anscheinend war das der Stoß den er gebraucht hatte um seine Aufmerksamkeit nun endlich von mir abzulenken. Ich atme tief ein und fange wieder an zu schreiben.

'Sieht wohl ganz so aus'


'Wow, dass du so schnell nachgibst hätte ich nicht gedacht ;)'

'Nun, ich musste dich gerade als
meinen Freund bezeichnen, also... :)'


'Festen?'

'Bild dir ja nichts drauf ein!'


'So was würde ich doch nie machen'

'Ja ja. Immer diese Schauspieler, so
bescheiden... ;)'


Die Ansage unterbrach unsere kleine digitale Flirterei und forderte mich somit auf Abflugbereit zu machen. Als wäre ich das nicht schon über eine halbe Stunde...

'Aber deswegen magst du mich...'

'Könnte sein... Wir fliegen jetzt los, ich
melde mich wenn ich gelandet bin'


Ich schalte den Flugmodus an, wähle ein Lied und schließe lächelnd meine Augen. Ja ich mochte ihn, und wie ich ihn mochte...
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