The oldest rule of hunting

GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P18 Slash
01.10.2018
06.12.2018
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Dieses Kapitel
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Hallo zusammen

Ich bin zurück aus dem Urlaub und hoffe jemand liest hier noch mit.
Über Reviews würd ich mich riesig freuen

Liebe Grüße
Eure Desi



Kapitel 6


Dean erwacht von einem langgezogenen Schrei.

Ruckartig hebt er den Kopf. Benny, dicht neben ihm, legt ihm eine Hand auf die Schulter.

„Ruhig.“ Er flüstert die Worte in die graue Dunkelheit hinein.

Dann hört Dean die Geräusche eines Kampfs, erneut untermalt von vereinzelten gequälten Schreien.

Er spürt wie Benny sich neben ihm langsam erhebt und rappelt sich ebenfalls mühsam auf. Versucht dabei so geräuschlos wie möglich zu sein.

„Was ist da los?“ Er steht Benny ganz nah. So nah, dass er dessen Bewegungen fühlen kann.

„Das sind sie. Sie jagen.“

Gemeinsam bewegen sie sich langsam und beinahe geräuschlos zwischen den dürren Bäumen hindurch.

Dean zieht sein Klinge hervor und sieht wie Benny dasselbe tut.

„Was meinst du damit, das sind sie? Wer ist das da draußen?“

„Es sind meinesgleichen. “ Er nickt Dean zu.
„Und wir sind diejenigen, die sie jetzt kalt machen.“

****************

Dean sieht den Vampir zu seiner Seite mit wachsendem Respekt an.

Aus dem Mund eines Blutsaugers jemals solche Worte zu hören, damit hat er nicht gerechnet.

„Kennst du sie?“ Sie liegen jetzt bäuchlings auf der feuchten Erde am Rande einer kleinen Talsenke.

„Ja.“ Dean sieht wie Benny die Lippen zu einem schmalen Schlitz zusammen presst.
„Eine Weile hab ich mit ihnen gemeinsam gekämpft.“

„Okay.“ Dean atmet beherrscht ein und wieder aus.
„Und warum hast du dich von diesen Wichsern verabschiedet?“

„Nenn es einen Neuanfang.“

„Einen Neuanfang? An einem Ort wie diesem?“ Dean runzelt die Stirn.

„Ja ...“ Benny zuckt die Achseln.
„Und da warst du.“

„Was heißt das, da war ich?“ Dean rutscht unruhig hin und her. Die feuchte Erde gräbt sich unter die Nägel seiner Finger.
„Heißt das du hast du mich schon vor unserer ersten Begegnung gesehen?“

Benny antwortet nicht sofort sondern starrt hinab auf seine ehemaligen Gefährten die gerade dabei sind die Hälse mehrerer Leviathane aufzureißen.

„Hey.“ Dean packt Bennys Arm.
„Hast du mich schon länger beobachtet?“

„Ja .“

„Oh man...“ Dean weiß für einen Augenblick nichts adäquates zu erwidern. Aber es bleibt ihm auch keine Zeit weiter darüber nachzudenken denn Benny packt ihn nun seinerseits an der Schulter.

„Scheiße der Wind hat gedreht...sie haben uns gewittert.“

****************

Der Kampf ist einer der schwersten in seiner Zeit im Fegefeuer.

Dean weiß nicht wieviel Wunden er schon hat, aber inzwischen glüht sein ganzer Körper vor Schmerz. Blut läuft ihm den Arm hinab. Sein Hemd klebt in Fetzen in offenem Fleisch.

Er sieht Benny auf der anderen Seite der Lichtung. Seine Reißzähne, lang und dolchartig bohren sich gerade in die bleich Haut des anderen vampirs. Blutige Fetzen Fleisch fliegen durch die Luft und ein Stück Trift Dean am Wangenknochen, eine schleimige Spur hinterlassend.

Immer wieder wehrt er die Angriffe der zwei Vampire ab und schreit laut wenn ihm erneut eine Wunde zugefügt wird.

Er glaubt schon das er hier und jetzt verenden wird, als etwas seine Gegner von ihm fort reißt.

Das Geräusch durchtrennter sehnen und Knochen erfüllt die Luft.

Dean braucht mehrere Sekunden um wieder zu Atem zu kommen und sieht nur noch wie eine Gestalt zwischen den dürren Baumreihen hinfort  flüchtet.

Dean blinzelt. Aber er ist sich sicher das bege eines Trenchcoat erkannt zu haben.

„Cas?“ er ruft seinen Namen laut in die Stille hinein.

Nichts passiert, außer dass sich die Schlagzahl seines Herzens erhöht.

Vor ihm liegen tote Vampire. Ihre abgetrennten Köpfe zu seinen Füßen.


****************

Benny kommt langsam auf ihn zu gestapft. Das Gesicht voll Blut, die Klinge an seiner Hose abwischend.

„Gute Arbeit Bruder.“ er drückt seine Schulter und deutete nickend auf die Leichen.

„Das war ich nicht.“ Dean schluckt die Übelkeit hinab und überhört sogar, dass Benny ihn wieder Bruder genannt hat.

„Wie, das warst du nicht?“

Dean dreht sich halb apathisch nach allen Seiten um.

„Du hast ihn nicht gesehen? Er war da. Er hat sie getötet.“ Er spürt, dass er klingt, als würde er den Verstand verlieren.

„Dean.“ Benny wischt sich dass Blut aus dem Gesicht und packt ihn dann am Handgelenk.
„Wer war da? Was hast du gesehen?“

„Da war Cas.“ Dean stockt und bemerkt bestürzt wie ihm Tränen in die Augen treten.

Benny drückt noch einmal seine Schulter lässt dann von ihm ab und sieht ihn skeptisch an.

„Der Engel? Er war da?“


*************

Die Kälte kriecht seine Beine empor und krallt sich eisern an seinem gesamten Körper fest.

Deans Zähne schlagen klappernd aufeinander.

Sie können kein Feuer machen. Die Nacht ist zu unruhig. Der Massenmord  an dem Vampirnest hat andere Geschöpfe der Nacht auf den Plan gerufen.

Horden an geifernden fleischfressenden Viechern sind aus ihren Verstecken gekrochen, um sich an dessen Überresten zu laben.

Dean versucht leise stöhnend eine Position zu finden, die weniger unangenehm ist.
Seine Wunden pochen schmerzhaft.

„Wie schlimm ist es?“ Benny sitzt ganz nah. Dean kann die Wärme spüren die von seinem Körper ausgeht und rückt unbewusst etwas dichter an ihn heran.
„Ich werd nicht dran sterben...“, murmelt er und lässt die nächste Schmerzwelle stumm über sich ergehen.

Er ist überrascht, als er Bennys raue Hand an seinem Arm spürt und zuckt leicht zurück als dieser ihn näher zu sich heran zieht.

Deans Wunden schimmern durch sein zerrissenes Hemd hindurch.

„Die Wunden müssen gewaschen werden. Sonst entzünden sie sich.“

„Schon klar, aber ich hab jetzt grad nix da.“ Dean zieht seinen Arm zurück und rückt ein Stück von Benny weg.

„Warum machst du das?“ Benny wirft ihm einen fragenden Blick zu.

„Warum mache ich was?“

„Warum rutscht du weg. Du frierst.“ Benny deutet auf die Lücke zwischen ihnen.

„Was weiß ich.“ Dean schüttelt den Kopf. Er fühlt sich seltsam und hat das Bedürfnis noch mehr Raum zwischen sie zu bringen.

„Dean...“

„Was?“

„Bist du dir sicher, dass es der Engel war, der dir vorhin geholfen hat?“  Benny klingt sowohl neugierig als auch skeptisch. Und noch etwas anderes das Dean nicht zu deuten vermag schwingt bei seiner Frage mit.

„Ich...“ Dean versucht seine Gedanken zu ordnen, aber wenn er an die letzten Stunden zurück denkt verschwimmt alles zu einem grauen Einheitsbrei.
Er ist sich selbst nicht mehr sicher, ob er tatsächlich Castiel gesehen hat. Möglicherweise war es nur der starke Wunsch ihn endlich zu finden, der ihm all das vorgetäuscht hat... möglicherweise wird er langsam verrückt.

„Ich weiß es nicht.“ Seine Stimme ist belegt und er versucht gar nicht erst den Kloß hinunter zu würgen den die Verzweiflung ihm in seinen Hals presst.

„Was ist das für ein Verhältnis das du zu dem Engel hast?“

„Ich...“ Dean zögert.
„Er ist einfach... es ist...“ er zuckt die Achseln und starrt einen Augenblick nur vor sich hin.
„Ist kompliziert.“

„Aha...“ Benny brummt die Worte leise vor sich hin.

Und dann lässt Dean es geschehen das Benny nun seinerseits an ihn heran rutscht und ihm seinen Arm um die Schulter legt.


*****************

Dean schwitzt. Er spürt wie durch jede Faser seines Körpers glühende Schmerzen jagen.

Sein gesamter Körper besteht daraus.

Er versucht den Mund zu öffnen und will um Hilfe rufen, will nach Sam und Cas rufen, doch alles was er heraus bringt ist ein Röcheln.

Dann packen ihn starke Hände. Hieven ihn vom Boden auf und halten ihn fest.

„Dean.“ Er erkennt die Stimme. Sie ist ganz nah, aber er kann sich nicht erinnern wer es ist.
Zu fest hält ihn der brennende Schmerz in seinen Klauen.

Ein Ruck an seiner Jacke, ein Reißen an seinem Hemd und ein harter Griff der seine pochende  Schulter frei legt.

„Du wurdest gebissen.“ Dean kann mit den Worten nichts anfangen. Er verkrampft sich nur als eine neuerliche Welle glühender Dolche ihn durchbohrt.

„Warum hast du mir das nicht gesagt verdammt?“ Ein heftiges Rütteln an seinem Oberkörper.
„Dean? Komm schon bleib bei mir.“

„Benny?“ Der Schmerz lässt für einen Moment nach und Dean ist imstande die Augen zu öffnen.
„Scheiße was...“ er schreit erneut auf als die Schmerzwelle ihn abermals erwischt.

„Halt jetzt still.“ Benny klingt bedrohlich und seine kräftigen Arme umklammern Dean jetzt fester.

Dann senkt er den Kopf.

Im ersten Moment als er die Lippen des Vampirs auf seiner erhitzen Haut spürt, will Dean ihn von sich stoßen.

Er will schreien aber er bekommt nur abgehacktes Keuchen heraus.

Benny lässt von ihm ab.

„Halt still. Es muss sein.“

Dann senken sich die Lippen erneut herab.

Das Gefühl ist seltsam als Benny an seiner Schulter zu saugen beginnt. Es ist eine Mischung aus Schmerz und Erleichterung.

„Was... was machst du?“ es kostet Dean unglaubliche Kraft die Worte zu formulieren.
„Benny bitte...“

Als er schon glaubt das es jetzt gleich zu Ende gehen wird mit ihm, beginnt sich der Schmerz langsam zu verflüchtigen.

Nach und nach. Ganz langsam entkrampft sich Deans Körper.

Ein Blick in blaue Augen und einen blutroten Mund.

Dann sackt er erschöpft in Bennys Armen zusammen.


****************

Deans Kopf dröhnt hämmernd als er mühsam die Augen aufschlägt.

Das dunkle Grau der Nacht ist dem hellen Anthrazit des Tages gewichen.

Langsam stemmt er die Hände in die aufgewühlte Erde und richtet sich auf. Einen Moment kämpft sein Gehirn damit die vergangen Stunden zu rekonstruieren. Er erinnert sich an einen Kampf, an Vampire, an Castiel und an Bennys Lippen auf seiner Haut.

Das alles ergibt keinen Sinn.

Er schüttelt den Kopf und langsam, nach und nach,  rücken die Dinge an ihren rechten Platz.

Da war der Kampf und das Auslöschen des Vampirnestes. Die Erscheinung von Cas oder die Einbildung dessen... Dean reibt sich bei der Erinnerung fröstelnd über die Arme und stutzt.

Die Haut ist glatt und frei von Bissstellen.

„Ah du bist wach.“ Dean zuckt zusammen als er die dunkle Stimme hinter sich hört. Sofort ist er auf den Beinen und lässt seine Hand zur Klinge zucken.

Benny lacht leise.

„Hey, bleib cool Bruder. Darüber“, er nickt zu Deans Hand die über dem Griff der Waffe schwebt.
„Darüber sind wir doch wohl langsam hinweg, oder?“

Dean lässt schnaufend die Hand sinken. Die Ärmel seines Hemdes hängen zerrissen an seinen Armen herab.

„Was ist hier passiert?“ er tritt jetzt zu Benny der ihm etwas reicht, das wie eine Art Ballon aussieht.

„Was ist das?“

Benny folgt Deans Blick.

„Da ist Wasser drin. Trink was, du brauchst Flüssigkeit.“

Dean fragt nicht aus was der Behälter beschaffen ist. Er will es nicht wissen.

Als das Wasser seinen geschundenen Hals hinab läuft merkt Dean erst wie durstig er ist.

Als er fertig ist sieht er Benny forschend an.

„Was ist passiert? Ich war verletzt.“

Benny zuckt die Achseln.
„Jetzt bist du es nicht mehr.“ Er klopft ihm auf die Schulter.

„Was hast du getan?“ Dean fährt abermals seinen Arm entlang und spürt in Gedanken die harten Lippen von Benny.
„Hast du... hast du mich...“ er lässt die Worte unausgesprochen.

„Dean, das Gift musste aus dir raus. Was blieb mir anderes übrig?“

Dean fährt sich über die Schulter. Nach und nach kommen die Erinnerungen zurück.

„Du hast von mir getrunken...“ ein Schauer durchfährt ihn.

„Falsch. Ich hab wie gesagt lediglich dein Blut gereinigt. Wenn ich es nicht getan hätte...“ Bennys Gesicht verhärtet sich.

„Und wie kann es sein, dass du...ich meine, dass du aufhören konntest.“ Dean fällt es seltsam schwer Benny diese Frage zu stellen. Sie fühlt sich merkwürdig intim an, aber dennoch bleibt sein Blick forschend an dem des Vampirs hängen.

Sein Kopf, noch immer leicht umnebelt, klärt sich nach und nach und langsam kehrt wieder Kraft in seinen Körper zurück. Benny erhebt sich und tritt an die Stelle an der die Scheite des Feuers liegen das sie nicht entzünden konnten. Er hat die Hände in den Taschen seiner Hose vergraben, sein Schuh zeichnet Kreise in den modrigen Boden.

„Benny?“ Dean erhebt sich jetzt ebenfalls, tritt direkt neben ihn.

Langsam hebt der Vampir den Kopf.

„Hör zu ich hab nicht vor dich in irgendeiner Form zu verletzten, okay? Im Gegenteil...“

Dean nickt, unfähig adäquat auf diese Äußerung zu reagieren.

„Ich will dir helfen. Du gehörst nicht an diesen Ort. Du solltest deine Kraft nicht für diese sinnlosen Kämpfe hier unten vergeuden.“

„Sie sind nicht sinnlos.“ Dean nimmt seinen Blick von Bennys Gesicht und lässt ihn stattdessen zwischen den Skeletten der grauen Bäume umher schweifen.

„Dort draußen irgendwo ist Cas. Und bevor ich ihn nicht gefunden habe werde ich ganz sicher nicht von hier verschwinden.“

„Ich weiß.“ Benny nickt und folgt Deans Blick.

„Dean du kannst mir vertrauen. Und wenn du es zulässt, dann werde ich dir helfen.“

Und irgendetwas, Dean weiß in diesem Augenblick nicht was es ist, lässt es zu Bennys Aussage Glauben zu schenken.
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