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GeschichteAllgemein / P18
30.09.2018
30.09.2018
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Innerhalb des vergangenen Jahres, seit ich intensiv begonnen habe, mich sowohl mit dem Thema „Geschlecht(sidentität)“, als auch mit mir persönlich, sowie meinen bisherigen Einstellungen, Ansichten und Annahmen auseinanderzusetzen, kamen sowohl von langjährigen Freunden und Bekannten, als auch von online geknüpften Kontakten oder Leuten, die meine Texte und Geschichten lesen oder gelesen haben, vermehrt Fragen auf – einerseits auf mich als Person, andererseits auf meine Schriftstücke und auch persönlichen Ansichten und Meinungen bezogen.
Ganz besonders im Bezug auf meine zuletzt verfassten Texte, beziehungsweise Briefe, sowie die Inhalte meiner Geschichten und Fanfictions erreichten mich von vielen Seiten Fragen und Unklarheiten, sowie Interesse zu meiner persönlichen Meinung über bestimmte Themen.
Um mich dieser nun endlich einmal anzunehmen und sie zufriedenstellend zu beantworten, habe ich nachfolgend die am häufig auftauchendsten Fragen zusammengetragen – zum einen über mich als Privatperson, zum anderen auch über meine Geschichten und deren Inhalte, sowie auch im Speziellen über meine Meinung zu den dort häufig behandelten Themen Homo- und Transsexualität.
Im Folgenden nun (m)ein Versuch, eine zufriedenstellende Auskunft zu erteilen und damit nicht nur Unklarheiten und Missverständnisse zu bereinigen, sondern auch einen kleinen Eindruck von mir als Person abzubilden.
Mit anderen Worten: Eine kleine Geschichte von mir – über mich.


Teil 1: Allgemeine Fragen

Welche sexuelle Orientierung hast Du?
Das ist die vermutlich häufigste Frage, die ich höre – ganz besonders, seitdem ich meine Liebesbriefe und Gedichte veröffentlicht habe. Selbst bei einigen Freunden und Bekannten, mit denen ich eigentlich ganz offen über alles rede, kam Verwirrung auf, als ich plötzlich damit anfing, mir Gedanken über meine sexuelle Identität zu machen, sie zu hinterfragen und neu zu definieren.
Zugegeben, ich kann nachvollziehen, dass dies einige sehr überrascht hat, zumal die meisten mich einfach als durchschnittliches, lesbisches Mädchen kannten. Mir selbst erging es nicht wesentlich anders, als mir plötzlich Gedanken kamen, die das bisher Selbstverständliche in Frage stellten und aus den Angeln rissen.
Freilich war es keine Sinnkrise und auch kein großes Drama, aber dennoch eine kleine Überraschung, als ich merkte, dass ich nicht mehr nur an Mädchen Gefallen finde.
Wie kam es dazu? Um das zu beantworten, muss ich ein Stückchen weiter in der Geschichte ausholen – und greife damit auch schon in ein paar andere Fragen ein, die ich allerdings trotzdem noch ausführlich separat beantworten werde.
Nach der Trennung von meiner Freundin Anfang des vergangenen Jahres, sowie einigen anderen, privaten Veränderungen, fing ich an, mich sehr intensiv mit dem breiten Spektrum an sexuellen und geschlechtlichen Identitäten zu beschäftigen – aus Neugierde wie Interesse gleichermaßen.
In diesem Zeitraum lernte ich eine inzwischen liebe Freundin kennen, die sich selbst als Transfrau definiert und seit Mitte des letzten Jahres ihre Transition plant, beziehungsweise macht.
Auf ihrer Suche nach den richtigen Anlaufstellen stieß sie auf eine Selbsthilfegruppe in unserer Nähe und fragte mich, ob ich denn Lust hätte, sie dorthin zu begleiten. Interessiert sagte ich zu und ging mit ihr an jenem Abend zu dem Treffen – nicht ahnend, was mich dort erwarten, geschweige denn, dass dieser Abend weitreichende Folgen für mich haben würde.
Gemeinsam gingen wir also zu diesem Gruppentreffen – und meine Bekannte fand relativ schnell Kontakt mit ein paar anderen Mädchen, während ich interessiert zuhörte und mir einen Überblick über die Runde verschaffte.
Nach einiger Zeit setzte sich schließlich ein Junge zu mir und fing eine Unterhaltung mit mir an – genau der, dem auch mein erster Brief, sowie mein erstes Liebesgedicht gewidmet ist. Alles passierte genau so, wie ich es dort beschrieben habe: Wir redeten, tauschten uns aus, er faszinierte mich – und ich bekam ihn ab diesem Zeitpunkt nicht mehr aus dem Kopf.
Mehrere Wochen rätselte ich, machte mir Gedanken und verwarf sie wieder, weil ich nicht wirklich in Erwägung zog, dass meine Orientierung sich „erweitert“ hatte. Nicht etwa deshalb, weil das ein Problem für mich gewesen wäre, daran lag es nicht. Ich konnte mir schlicht und ergreifend nicht vorstellen, dass ich plötzlich an einem Geschlecht interessiert war, für das ich zuvor kein Auge gehabt hatte.
Tatsächlich aber ließ es mir keine Ruhe, genauer gesagt, ließ der Junge mir keine Ruhe, sodass ich ernsthaft damit anfing, im Internet darüber zu lesen und zu recherchieren. Ich stieß auf die Begriffe „Hetero- und Homoflexibilität“, also eine Orientierung, die zwar hauptsächlich hetero- bzw. homosexuell ist, jedoch in manchen Fällen davon abweichen kann.
Und tatsächlich schien das für mich zu passen, denn je mehr ich mich damit auseinandersetzte, desto klarer wurde mir, dass ich mich in diesen Jungen aus der Selbsthilfegruppe verliebt hatte.
Dass ich bisexuell sein könnte, zog ich zwar auch in Erwägung, jedoch hielt ich eher Homoflexibilität für wahrscheinlich, besonders deshalb, weil es außer diesem einen absolut keinen Mann oder Jungen gab, für den ich mich ernsthaft interessiert hätte.
Diese Ansicht änderte sich jedoch schlagartig, als ich Anfang diesen Jahres einen anderen Jungen kennenlernte, über den ich inzwischen auch schon eine Menge geschrieben habe.
Bei ihm hinterfragte ich nicht, sondern wusste gleich von Anfang an, dass der Blitz eingeschlagen hatte und ich bis über beide Ohren in ihn verliebt war.
Und spätestens dieses Ereignis machte mir bewusst, dass der Begriff „Bisexualität“ wohl doch auf mich zutrifft – gerade deshalb, weil ich mich gleich zweimal hintereinander in ein bis dahin für mich uninteressantes Geschlecht verliebt hatte.
Jedoch war es auch mehr eine Erkenntnis, kein wirkliches Hinterfragen oder gar eine Sinnkrise. Ich nahm es so an, wie es war – und damit hatte sich die Sache für mich.
Das Einzige, was ich in diesem Zusammenhang noch bemerkt habe, ist, dass ich solche Gefühle bisher ausschließlich bei Transmännern / Männern mit Trans* Hintergrund bekommen habe – ungeachtet dessen, welche geschlechtsangleichenden Maßnahmen sie planen oder nicht.
Und das hat absolut nichts mit Fetischismus oder ähnlichem zu tun, da Körperlichkeiten für mich in dem Zusammenhang grundsätzlich unwichtig, beziehungsweise, zweitrangig sind – sprich: Ein Transmann mit angeglichenem Penis unterscheidet sich für mich in keiner Weise von einem Cismann, also einem Mann, der bereits bei der Geburt einen Penis hatte. Und ebenso wenig würde ich einen Mann ausklammern, der keine Genitalangleichung wünscht – sprich: keinen Penis hat.
Es wäre mir Jacke wie Hose, wie man so schön sagt, da sich „Geschlecht“ für mich nicht auf ein einzelnes Genital reduziert, sondern ein wesentlich weitgreifenderes, umfassenderes und auch komplexeres Spektrum ist. Damit dürfte zu diesem Punkt alles Wichtige gesagt sein. Ich bin bisexuell. Ende der Diskussion.

Wie ist Dein derzeitiger Beziehungsstatus?
Diese Frage bekomme ich auch häufiger gestellt, allerdings ist sie im Vergleich zur vorangegangenen relativ rasch zu beantworten: Ich bin Single. Und (noch immer) einseitig verliebt.
Eine perfekte Kombination.

Wie viele Beziehungen hattest Du bisher?
Die Antwort auf diese Frage mag viele überraschen, zumal man es in meinem Alter sicherlich nicht erwartet. Aber bislang hatte ich tatsächlich nur eine wirklich feste Beziehung.
Ansonsten hier und da ein paar Schwärmereien in der Pubertät, die jedoch allesamt relativ belanglos waren. Wirklich verliebt war ich tatsächlich nur in meine Ex-Freundin, mit der ich auch meine erste, feste Beziehung eingegangen bin.
Seit dem vergangenen Jahr bin ich nun wieder auf der Suche, wobei mein Augenmerk bei der Partnerwahl inzwischen deutlich mehr auf den Männern, genauer gesagt, Transmännern liegt.
Warum, das kann ich auch nicht wirklich sagen. Irgendwie haben sie etwas an sich, etwas, das ich bei Cismännern bislang nicht entdecken konnte – und das mich ganz einfach anzieht. Nicht sexuell, sondern charakterlich, versteht sich.

Welche Personen kommen für Dich als Partner in Frage?
Das ist in der Tat eine nicht ganz konkret formulierte und daher auch nicht so leicht zu beantwortende Frage. Wenn ich charakterliche Eigenschaften aufzählen müsste, die ich mir bei meinem (potenziellen) Partner wünschen würde, fielen mir da schon so einige ein, auch wenn sie im Prinzip das Klischee des „Traumpartners“ bedienen, der rundum alles hat, was man sich wünscht.
Natürlich ist absolute Perfektion keinem gegeben – jeder hat die ein oder andere Eigenheit, beziehungsweise „Macke“ an sich, die ihn von anderen unterscheidet – und genau das macht denjenigen einzigartig.
Aber so ganz spontan drei Dinge, auf die ich wirklich Wert lege und die mir wichtig sind: Empathie, Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein. Das sind für mich persönlich die entscheidenden Kriterien, die im „Grundcharakter“ desjenigen vorhanden sein sollten, damit er mich ansprechen und mir gefallen kann.
Geht man davon aus, die Frage bezieht sich auf geschlechtliche Anziehung, so ist sie im Grunde genommen rasch beantwortet – und trotzdem wieder mit Abgrenzungen verbunden.
Geschlechtlich gesehen kommen für mich nur Frauen und Männer in Betracht, wobei ich nochmals anmerken möchte, dass ich tatsächlich nur Interesse an Transmännern habe, jedoch nicht an Cismännern – bislang jedenfalls nicht.
Alle weiteren Geschlechter (warum ich an der Stelle „Geschlechter“ und nicht „Geschlechtsidentitäten“ sage, werde ich in einer anderen Frage ausführen), wie zum Beispiel Neutrois oder Genderfluid wären als Partner für mich nicht relevant, was jedoch absolut nichts daran ändert, dass ich diese Person*en vollstens respektiere und ihnen mit derselben Selbstverständlichkeit begegne wie sämtlichen anderen Menschen auch.
Auch ein Genderfluid, der sich zwischen den binären Geschlechtern, also männlich und weiblich bewegt, käme – zumindest rein theoretisch – nicht für mich in Frage, da ein konstanter, nicht wechselnder Geschlechterausdruck meines Partners für mich sehr wichtig ist.
Nichtsdestotrotz respektiere und akzeptiere ich wie gesagt jede Person, ungeachtet ihres Geschlechts, ihrer Geschlechtspräsentation oder ihrer sexuellen Identität. Kurz gesagt ist es mir egal, wie eine Person sich definiert oder bezeichnet – sie wird deshalb von mir weder hervorgehoben, noch unterdrückt. Mensch ist Mensch.
Zusammengefasst gesagt interessiere ich mich (romantisch wie sexuell) nur für (Trans-)Männer und (Cis- oder Trans-)Frauen. Alles andere kann ich mir tatsächlich nur schwer vorstellen. Da man allerdings niemals nie sagen sollte, sage ich stattdessen: Es käme auf einen Versuch an.


Teil 2: Fragen zu meinen Texten und Geschichten

Warum thematisierst Du in Deinen Geschichten hauptsächlich Homo- und Transsexualität?
Diese Frage kann ich relativ leicht beantworten: Weil das die beiden Themengebiete sind, mit denen ich am meisten zu tun habe und von denen meine „kleine Welt“ am intensivsten geprägt ist.
Homosexualität aufgrund meiner persönlichen Vorgeschichte, beziehungsweise Situation – und Transsexualität aufgrund meines Umfelds und Bekanntenkreises, durch den ich mit der Thematik überhaupt erst so richtig in Berührung gekommen bin.
Eine Bekannte von mir, mit der ich zur Schule ging, war die erste „Transsexuelle“, die ich in meinem Leben kennenlernte – wobei sie diese Bezeichnung inzwischen ablehnt, beziehungsweise nicht mehr mit ihr in Verbindung gebracht werden möchte, da sie ihre Transitionsphase längst hinter sich gelassen hat.
Durch sie erfuhr ich überhaupt erst so richtig von dem Thema. Man kann sagen, ich tauchte darin ein, belas mich und recherchierte – einerseits deshalb, weil es mich einfach interessierte, andererseits aber auch, weil es mich sehr berührte, was manche trans* Personen zu erzählen hatten.
Im vergangenen Jahr lernte ich dann eine andere Transfrau kennen, durch die ich noch mehr herausfand, verstand und dazulernte. Durch sie konnte ich Kontakt zu ebendieser Selbsthilfegruppe knüpfen, bei der ich noch mehr interessante Menschen traf und von ihren Wegen und Lebensgeschichten erfuhr.
Seitdem fühle ich mich innerhalb dieser Gemeinschaft, bei der neben trans* Personen auch nichtbinäre Menschen, Homosexuelle, Bisexuelle, sowie viele andere vertreten sind, die sich nicht in die hetero- und cisnormative Gesellschaft einreihen können oder möchten, unfassbar wohl, angekommen und vor allen Dingen gut aufgenommen.
Und all diese Eindrücke, Erfahrungen und oft auch persönlich erlebten Situationen versuche ich in meinen Texten zu verarbeiten, sie festzuhalten und den Ideen, Fantasien und Gedanken dadurch Gestalt zu verleihen.
Warum ich schreibe, was ich schreibe? Weil es das ist, was mich bewegt. Es ist das, was mich ausmacht.

Sind Deine Liebesbriefe und Gedichte echt oder erfunden?
Diese Frage bekomme ich auch sehr oft gestellt. Sie ist allerdings ziemlich einfach mit einem Satz zu beantworten, nämlich: Es kommt darauf an. Einige Texte, besonders aus dem Fanfiction-Genre, haben nur indirekten Bezug zu mir, meinem Leben oder meinem Umfeld, während andere jedoch auf tatsächlichen Ereignissen basieren oder daran angelehnt sind.
Sämtliche Geschichten rundum Tristan zum Beispiel – oder der Text „Für Noah“, der auch auf einem tatsächlichen Ereignis beruht, welches allerdings nicht mir, sondern einer Bekannten passiert ist.
In all diesen Fällen habe ich das Schreiben dazu genutzt, um meine Erlebnisse, Eindrücke und / oder Gedanken zu verarbeiten – wenngleich natürlich die ein oder andere Passage ein wenig ausgeschmückt ist. Im Kern jedoch haben alle eines gemeinsam: Sie basieren auf echten Ereignissen, beziehungsweise, auf echten Gefühlen.

In Deinen Briefen erwähnst Du öfter einen Stammtisch / ein Gruppentreffen. Was genau meinst Du damit?
Diese Frage bekam ich auch schon ab und an. Mit dem erwähnten „Stammtisch“ meine ich das Treffen der Selbsthilfegruppe, zu dem mich meine Bekannte letztes Jahr mitgenommen hatte und welches ich seitdem regelmäßig besuche. Dort habe ich unter anderem auch meine inzwischen beste Freundin kennengelernt, für die ebenfalls ein Brief existiert.

Wieso unterschreibst Du Deine Briefe mit R.?
Gerade bei neuen Bekanntschaften oder Leuten, mit denen ich bislang nur online in Kontakt war, sorgt es immer wieder für leichte Irritation, dass ich meine Liebesbriefe – oder generell sämtliche Briefe und Nachrichten, die ich verfasse, mit der Initiale R. unterzeichne.
Grund dafür ist der von einer guten Freundin eingeführte Kosename „Rose“, welcher zum Einen eine Anspielung auf die von mir sehr geschätzte Schauspielerin Rose McGowan ist – zum anderen aber auch damit zu tun hat, dass ich oft sehr schwierig sein kann, getreu dem Spruch „Eine Rose hat Dornen“.
Lange Rede, kurzer Sinn: Wer mich kennt, der weiß, was ich meine.

Wer ist Tristan?
Ich glaube, diese Frage wurde mir mitunter am häufigsten gestellt. Ganz besonders, nachdem ich die ersten Texte zu dem Thema geschrieben hatte, wurde ich mit einer regelrechten Flutwelle an Nachfragen überhäuft, wer denn dieser Tristan sei, ob es ihn tatsächlich gäbe und wenn ja, in welchem Verhältnis ich zu ihm stünde.
Um diese Frage nun eindeutig zu klären, gehe ich einmal schrittweise vor. Zuerst einmal das Entscheidende: Ja, es gibt ihn wirklich. Und ja, auch sein Name ist wirklich Tristan. Kennengelernt habe ich ihn durch das erwähnte Treffen der Selbsthilfegruppe in meiner Nähe, zu welchem ich eine gute Freundin seit letztem Jahr regelmäßig begleite.
Und mir passierte genau das, was ich bereits beschrieben habe und auch in sämtlichen Texten über ihn erwähne: Wir kannten uns wirklich kaum – und trotzdem verliebte ich mich direkt am ersten Abend in ihn.
Ich denke, dass er ein Transmann / Mann mit trans* Hintergrund ist, brauche ich nicht extra zu erwähnen – mache es aber trotzdem, nur falls irgendjemand die obigen Erläuterungen verschlafen haben sollte.
Was das nun bedeutet, darüber würden manche sicherlich eine Diskussion beginnen und die verschiedensten Argumente vorlegen (vor allem diejenigen, die auf „biologischem“ Geschlecht beharren und jeglichen Widerspruch im Keim ersticken), deshalb stelle ich es jedem frei, es so zu interpretieren wie er will.
Nachfolgend lege ich nur meine Ansicht dar und erkläre, was diese Definition für mich bedeutet. Vorher kläre ich allerdings noch ab, was sie für mich definitiv NICHT bedeutet: dass er eine Frau ist, die ein Mann sein will ; dass er mal eine Frau war ; dass er ein Mann ist, der im Körper einer Frau geboren wurde ; dass er als Frau geboren wurde ; dass er weibliche „Geschlechtsmerkmale“ hat ; dass er eine Frau ist, die sich einbildet ein Mann zu sein ; dass er ein Mann werden will ; dass er sich einredet, ein Mann zu sein ; dass er „biologisch“ eine Frau ist ; dass er „biologisch“ immer eine Frau sein wird ; dass es unnormal ist, zu denken, er wäre ein Mann ; dass seine angeborene Scheide ihn automatisch weiblich macht ; dass er immer weiblich sein wird, egal wie viele Angleichungen er macht ; jegliche weiteren, ähnlich gearteten Argumente, die darauf abzielen, ihm sein Geschlecht abzusprechen oder es zu untergraben.
Natürlich habe ich keine Ahnung davon, wie er selbst es betrachtet, welche Aussagen und Bezeichnungen er nutzt, um sich und seinen Körper zu beschreiben – und es geht mich weder etwas an, noch wäre/ist es mir in irgendeiner Weise wichtig. Solange er sich wohlfühlt, spielt es für mich keine Rolle, was er wie bezeichnet oder umschreibt. Und es ist demnach auch selbstverständlich für mich, dass ich diese Bezeichnungen auf seinen Wunsch hin übernehmen würde. Jeder so, wie er möchte, kann ich nur sagen. Oder in dem Fall eher: Wie es für ihn korrekt ist.
Nun noch einmal zurück zu meiner persönlichen Definition und was es für mich bedeutet, dass er ein Transmann ist: Zuallererst einmal heißt das, dass er ein Mann ist. Ein Mann und nichts anderes. Wie er selbst seinen Körper nennt oder seine Hintergrundgeschichte erzählt, entzieht sich meiner Kenntnis – solange er jedoch dabei nicht explizit das Wort „Frau“ ins Spiel bringt, hat dieses im Zusammenhang mit ihm und seinem Geschlecht nichts verloren.
Er war ein Mann, ist ein Mann und bleibt ein Mann – jedenfalls für mich. Und ausschließlich als solcher ist er wahrzunehmen. In jeglicher Hinsicht, jedem Lebensbereich und ungeachtet seiner vorhandenen oder nicht vorhandenen Attribute. Sein Körper – seine Entscheidungen. Die ich mittragen würde. In jedem Fall.
Nun mag sich manch einer vielleicht die Frage stellen, ob das denn nicht seltsam für mich wäre oder sich dadurch nicht etwas Gravierendes verändern würde.
Die Antwort darauf: Körperlich wäre dann vielleicht etwas anders als vorher, ja. Aber zwischenmenschlich wäre noch immer alles wie zuvor. Und für mich zählt das Zwischenmenschliche wesentlich mehr als so eine banale Äußerlichkeit.
Deshalb: Egal ob mit Angleichung oder ohne – er war, ist und bleibt attraktiv für mich. Und wer jetzt sagt, dass ein abweichendes Genital oder gar die „Veränderung“, korrekterweise Angleichung des Genitals alles andere als banal ist, der überlege sich mal Folgendes:
Angenommen, ein (Cis-)Mann lernt zum Beispiel in einem Lokal eine (Cis-)Frau kennen, die er attraktiv findet. Zwischen den beiden entwickelt sich eine Beziehung. Irgendwann findet der Mann heraus, dass sie ein Intimpiercing hat. Preisfrage: Würde er deshalb Hals über Kopf die Flucht ergreifen? Vermutlich nicht.
Was allerdings, wenn es eine Transfrau ist und der Mann herausfindet, dass sie ein völlig anderes Genital hat als er erwartet? Würde er dann Hals über Kopf die Flucht ergreifen? Mit neunundneunzigprozentiger Wahrscheinlichkeit Ja.
Und warum? Weil ihm von seinen Eltern oder wem auch immer beigebracht wurde, dass Genitalien Geschlechter machen und bestimmte Geschlechter bestimmte Genitalien haben. Dass dieser „Zusammenhang“ auch nichts weiter als ein soziales Konstrukt ist und die „biologischen Fakten“ lediglich als solche verpackt wurden, darüber sind die meisten sich gar nicht bewusst (mal abgesehen davon, dass es die wenigsten tatsächlich interessiert).
Ich persönlich konnte und kann mit dieser „Biologie ist alles“-These nichts anfangen, da „Geschlecht“ für mich wesentlich vielseitiger, komplexer und individueller ist, um sich auf „Penis“ und „Vagina“ oder „XX“ und „XY“ reduzieren zu lassen.
Nun bin ich doch ein bisschen ausgeschweift – die ursprüngliche Frage lautete ja eigentlich nur, wer Tristan ist.
Um es in einem Satz zusammenzufassen: Ein besonderer, außergewöhnlicher Junge und einer der ganz wenigen Menschen in meinem Leben, denen es gelungen ist, mich im Grunde meines Herzens zu berühren.


Teil 3: Fragen zum Thema LGBTIQ+

Bist Du selbst trans*?
Auf diese Frage gibt es eine relativ kurze und bündige Antwort: Nein, das bin ich nicht. Ich selbst bin cis, habe allerdings viele Freunde und Bekannte, die trans* oder nichtbinär sind und bin daher ziemlich intensiv in der Thematik „drin“. Einerseits deshalb, weil ich mich selbst zur Gemeinschaft der LGBTIQ+ zähle, andererseits aber auch, weil ich mich in dieser Gemeinschaft sehr wohlfühle und mich sehr für die verschiedenen Lebensgeschichten und -wege dieser Freunde und Bekannten interessiere.

Wie kamst Du mit der LGBTIQ+ Community in Kontakt?
Dies kam tatsächlich durch eine bereits erwähnte Freundin zustande, welche mich zum Besuch eines Stammtisches für trans* mitgenommen hat. Dort traf ich auch einige nichtbinäre Menschen und erfuhr so erstmals von der breiten Vielfalt nichtbinärer Identitäten und Geschlechter.
Dass es wesentlich mehr gibt als nur das klassische „Männlich“ und „Weiblich“, das wusste ich zwar vorher bereits, jedoch war mir bis dahin nicht klar, welche Bandbreite an Identifikationsmöglichkeiten und -varianten es gibt.
Und auch, wenn manche Leute penibelst zwischen „Identität“ und „Geschlecht“ unterscheiden – für mich ist das ein fließender Übergang, der sich überhaupt nicht eindeutig trennen lässt.
Geschlechtsidentität einer Person = Geschlecht einer Person. So ist meine Ansicht dazu. Es geht beides ineinander über, weshalb für mich die Trennung zwischen „sozialem“ und „biologischem“ Geschlecht relativ wenig Sinn macht. Ich nenne es einfach nur Geschlecht, ohne Unterteilung.
Warum, das führe ich in einer anderen Frage noch genauer aus.

Bist Du eine LGBTIQ+ Aktivistin?
Ja und Nein. Einerseits ist mir die Gleichstellung aller Personen, egal wie auch immer sie sich zuordnen und beschreiben, ein sehr großes Herzensbedürfnis – und die Erreichung dieses geradezu utopischen Ziels liegt bei momentanem Stand der Dinge in weiter Ferne, trotz vieler Fortschritte innerhalb der letzten Jahre.
Mir persönlich ist es immer wichtig, jeden Menschen, beziehungsweise, jedes Geschlecht miteinzubeziehen und die vielen Identifikationsmöglichkeiten, die es gibt, zu kennen, damit niemand sich benachteiligt oder diskriminiert fühlt.
Andererseits kann ich natürlich nachvollziehen, dass absolute Gleichstellung schwer bis gar nicht umzusetzen ist, gerade, was beispielsweise öffentliche Situationen (Nutzung von Toiletten) angeht.
Auch ist es für mich absolut nachvollziehbar, dass nicht jeder „Otto Normalbürger“, der mit der Thematik LGBTIQ+ bislang nicht in Kontakt kam, in der Lage ist, alle geschlechtlichen und / oder sexuellen Identitäten im Schlaf aufzusagen.
Das verlangt auch keiner – ich selbst würde mich dabei auch schwer tun, absolut jede Form von Identität mitzudenken und niemanden zu vergessen – und das, obwohl ich mich inzwischen schon seit langem damit beschäftige.
Es ist schlicht und ergreifend nicht möglich, über alles Bescheid zu wissen – und wie gesagt erwartet das auch niemand. Beispielsweise würde sicher kein Bigender jemanden zur Sau machen oder ihn als „feindlich“ bezeichnen, nur weil er bei der ersten Begegnung nicht weiß, dass derjenige Bigender ist und ihn falsch anspricht oder mit dem Identitätsbegriff selbst nichts anfangen kann.
Ebenso ist es mit allen weiteren, nichtbinären Personen, denen man ihr „Nicht-binär-sein“ nicht ansieht und sie deshalb unwissentlich misgendert. Niemand von ihnen wird das jemandem krumm nehmen – zumindest nicht, solange es eben unwissentlich passiert.
Wenn man jemanden allerdings trotz der Kenntnis über seine Geschlechtsbezeichnung und die gewünschten Pronomen falsch anspricht, also ihn aus Absicht misgendert, dann ist die Sachlage natürlich anders.
Denn in diesem Fall setzt man sich ganz bewusst über die Wünsche der betreffenden Person hinweg – entweder aus Intoleranz, mangelndem Feingefühl oder aus purer Gehässigkeit. Und dieses Verhalten ist dann sehr wohl als „feindlich“ einzustufen, da es darauf abzielt, derjenigen Person ihr Geschlecht abzusprechen, es zu untergraben oder als „erfunden“ abzutun.
Zu dem Thema kann ich nur sagen: Jedes Wort wurde irgendwann einmal erfunden. Die Wörter „Mann“ und „Frau“ genauso. Von daher ist das absolut kein stichhaltiges, geschweige denn sinnvolles Argument. Außerdem steht es meiner Meinung nach einer fremden Person nicht zu, über die Authentzität einer anderen zu urteilen.
Wenn mir also jemand erklärt, sein entsprechendes Geschlecht sei agender und das gewünschte Pronomen ganz einfach „a“, dann muss ich keineswegs verstehen, warum das so ist, es auch nicht nachvollziehen können – aber es verdammt noch einmal akzeptieren.
Das ist das Stichwort – das ist es, worauf es ankommt: Ganz einfach nur Akzeptanz und Respekt. Es wird keiner verlangen, dass man jede Identifikation und jedes Geschlecht begreift oder nachvollziehen kann, warum es existiert.
Aber zumindest sollte man meiner Meinung nach erwarten können, dass es respektiert und akzeptiert wird. Wenn also eine Person agender ist, muss ich nicht verstehen, warum. Sie ist es – ich nenne sie bei den gewünschten Pronomen – und fertig.
Mehr ist es nicht – und mehr wird eine nichtbinäre Person auch nicht erwarten. Es geht einfach nur um ein Mindestmaß an Respekt. Und das steht meiner Meinung nach jedem Menschen zu, egal wie man sich selbst einordnet oder bezeichnet.
Um damit zur eigentlichen Frage zurückzukehren: Nein, eine Aktivistin in dem Sinne bin ich nicht. Ich vertrete allerdings alternative Ansichten und Auffassungen, hinter denen ich auch stehe und die zu meiner Überzeugung gehören.
Ich verlange von niemandem, dass er sie teilt, allerdings sollte er meine Meinung respektieren, genau wie ich seine – und nicht versuchen oder damit anfangen, mich von seiner „angeblichen“ Wahrheit oder Auffassung zu überzeugen.
Das ist etwas, was ich absolut nicht leiden kann. Jeder hat das Recht auf eine eigene Meinung, so auch ich – und ob diese sich mit dem Großteil der Gesellschaft deckt oder nicht, ist mir offen gestanden Jacke wie Hose.
Wenn jemand zu mir sagt: Für mich gibt es nur zwei Geschlechter, dann ist das völlig okay. Das ist seine Meinung. Deshalb muss sie aber nicht für mich gelten.
Wenn allerdings jemand sagt: Es gibt nur zwei Geschlechter, das ist Fakt – und wer was anderes behauptet, der spinnt – dann regt mich das auf, weil derjenige seine Überzeugung als „einzig gültige Wahrheit“ präsentiert – und damit das Recht auf freie Meinung untergräbt.
Wenn derjenige diese Ansicht vertritt, ist das wie gesagt okay – das bedeutet nicht, dass ich das deshalb auch tun muss. Und ebenso wie er das Recht hat zu sagen: „Es gibt nur zwei Geschlechter“ – genauso habe ich das Recht zu sagen: „Nein, es gibt mehr als zwei“.
Deshalb behaupte ich nicht, dass ich Recht habe, sondern gebe nur meine Ansicht kund. Und selbiges erwarte ich auch von anderen. Sie können und dürfen mir gegenüber jederzeit ihre Meinung äußern und auch mit mir darüber diskutieren – deshalb werde ich allerdings meine sicherlich nicht ändern.
Wenn mein Gegenüber das so akzeptieren kann, kommen wir wunderbar miteinander aus und es können interessante Gespräche daraus entstehen. Wenn mein Gegenüber allerdings von vorneherein nur darauf abzielt, mich umzustimmen oder meine Meinung als nichtig hinzustellen, breche ich in der Regel ab und sage: „Danke für das Gespräch!“.

Was liegt Dir in Zusammenhang mit LGBTIQ+ besonders am Herzen?
In einer anderen Frage hatte ich es bereits kurz angedeutet: Am allerschönsten wäre für mich persönlich die (utopische) Idee von absoluter Gleichstellung, in der es keine Vor- und keine Nachteile mehr gibt.
Ganz besonders ins Auge fasse ich dabei natürlich die volle Integration aller nichtbinären Personen in die Gesellschaft, wohlwissend, dass dieses „Ziel“ zum jetzigen Zeitpunkt noch in weiter, weiter Ferne liegt – und es mit der Umsetzung wohl niemals so wirklich zufriedenstellend klappen wird.
Allerdings würde es mir wie oben erwähnt schon reichen, wenn man LGBTIQ+ Personen mit derselben Selbstverständlichkeit und demselben Respekt begegnet wie man es auch bei allen anderen Personen tun würde. Wenn man damit aufhört, sie als „besonders“ und „speziell“ hervorzuheben – oder gar als krank hinzustellen – sondern einfach erkennt, dass es Menschen sind wie alle anderen auch.
Vielleicht mit einer anderen Lebensweise als der Großteil, vielleicht mit einer anderen Identität – aber nichtsdestotrotz ganz durchschnittlich und unspektakulär.
Dem Großteil der nichtbinären Menschen geht es nicht darum, aus der Masse hervorzustechen, sondern einfach ein ganz ruhiges, durchschnittliches Leben zu führen – so wie sie sind, als das, was sie sind und mit allem, was sie ausmacht. Selbstverständlich gibt es immer welche, die „auffallen“ wollen und sich deshalb ganz besonders hervorheben.
Allerdings gibt es solche Menschen in jedem Bereich und jedem Spektrum – nicht nur unter LGBTIQ+'s. Die meisten wollen es wie gesagt nicht, sondern einfach nur so leben, wie sie sind.
Deshalb wäre es denke ich ein wichtiger Schritt, diese Einteilung in „normal“ und „unnormal“ aufzulösen oder zumindest zu lockern – denn „normal“ ist letztlich nichts, nicht einmal die Normalität.
Ich bin der Ansicht: Solange man niemand anderen beeinträchtigt oder ihm in irgendeiner Form schadet, hat jeder das Recht, so zu leben wie er will.
Manche bringen hier gerne das Argument, dass sich ja sehr wohl ein Schaden daraus ergeben würde, wenn man die Zweigeschlechternorm erweitern oder abschaffen würde, da es ja dann überhaupt keine Struktur mehr gäbe. Ganz zu schweigen davon, welche neuen Möglichkeiten es für Kriminelle gäbe, wenn man „einfach so“ seine Papiere ändern lassen könnte, ohne psychologische Gutachten oder Stellungnahmen.
Diese Argumente kann ich durchaus nachvollziehen, allerdings halte ich keines davon für wirklich stichhaltig oder überzeugend. Zunächst zum ersteren: Gehen wir davon aus, es gäbe auch für nichtbinäre Menschen eine rechtliche Absicherung, sprich: Im Ausweis, in sonstigen Papieren und so weiter steht nicht mehr „Männlich“ oder „Weiblich“, sondern zum Beispiel „Agender“.
Das bedeutet zunächst einmal welche gravierende Veränderung? Keine, abgesehen davon, dass in den Dokumenten die korrekte Geschlechts- bzw. Nicht-Geschlechtsbezeichnung eingetragen wird.
Es ändert nichts am Umgang mit dieser Person, nichts an ihrer Herkunft, ihrem Alter, und so weiter. Lediglich die Geschlechtsbezeichnung wird ausgetauscht, beziehungsweise, angeglichen. Inwiefern das jetzt eine „gravierende“ Veränderung sein soll oder wie es die „Struktur“ des Rechtsstaates beeinflussen soll, erschließt sich mir nicht wirklich.
Sicherlich würde es einen großen Aufwand bedeuten und einige Zeit in Anspruch nehmen, alle Dokumente anzupassen – aber das hätte man sich eben vorher überlegen müssen, bevor man ein solches, binäres Zwangssystem konstruiert.
Und was das zweite Argument angeht: Die Kriminalität mit gefälschten Papieren ist so oder so nicht ganz zu verhindern, egal wie sehr man sich anstrengt, da entsprechende Personen immer wieder Mittel und Wege finden.
Sicherlich, das Risiko wäre dann vielleicht zu einem minimalen Prozentsatz höher als jetzt – aber ich persönlich mit meinem Rosarote-Brille-Blick bin jetzt mal so naiv zu glauben, dass diese Maßnahme, seinen Geschlechtereintrag anzupassen, wirklich nur von Menschen in Anspruch genommen werden würde, die es tatsächlich benötigen.
In dem Zusammenhang bekam ich auch mal das Argument zu hören, dass eine solche Regelung medizinisch gar nicht vertretbar sei. Man stelle sich mal vor, es gäbe 300 verschiedene, rechtliche Geschlechtereinträge – die Medizin würde total durcheinanderkommen. Angenommen, eine nichtbinäre Person bräuchte eine Spenderniere. Wo soll man jetzt so schnell eine andere, nichtbinäre Person auftreiben?
Bei diesem Argument wird eine Sache jedoch außer Acht gelassen: Es ist völlig egal, ob der Spender nichtbinär ist oder nicht. Wichtig ist nur die genetische, beziehungsweise medizinische Passung.
Und warum soll ein Mann, bei dem die genetische Übereinstimmung gegeben ist, nicht auch einer nichtbinären Person etwas spenden können?
Moment, denken sich da sicher viele. Jetzt wird es aber absurd. Medizinisch ist die Einteilung von „Männlich“ und „Weiblich“ erforderlich, damit die Versorgung gewährleistet werden kann.
Ich hingegen sage: Nein, das ist nicht erforderlich. Erforderlich ist wie gesagt nur die genetische Passung. Dabei sind im Falle einer Organspende sowohl das Geschlecht des Spenders, als auch das Geschlecht des Empfängers unerheblich.
Wichtig ist einzig und allein die genetische Übereinstimmung. Und Genetik hat für mich ebenso wenig mit „Geschlecht“ zu tun wie Genitalien und Chromosomen. Es sind einfach Dinge, die man hat, die aber über die Person als solches nichts aussagen.
Auch hier betone ich noch einmal deutlich, dass dies meine Auffassung ist und ich niemanden zwinge, sie zu teilen. Allerdings werde ich sie auch nicht ändern, nur weil jemand glaubt, mich eines besseren belehren zu müssen.
Jedem seine Meinung, wie man so schön sagt – und das hier ist eben meine.

Wie stehst Du zur gleichgeschlechtlichen Ehe?
Diese Frage kam sehr oft auf, ganz besonders in der Zeit, in der dieses Thema heiß in den Medien diskutiert wurde. So gut wie jeder in meinem Bekanntenkreis fragte mich danach, was meine Ansicht dazu wäre, ob ich es denn gut fände, dass ich nun auch „offiziell heiraten“ dürfte.
Meine kurze und bescheidene Meinung dazu: Ja, ich finde es gut. Und ich bin der Ansicht, dass dieser Schritt und die Durchsetzung von ebendiesem längst überfällig war. Es ist „ein Schritt in die richtige Richtung“, um mich dieser Redewendung zu bedienen, wenngleich natürlich außer Frage steht, dass es noch eine ganze Menge anderer Baustellen gibt, an denen gearbeitet werden muss.
Trotzdem war und ist dies ein sehr wichtiger Schritt, wie ich finde – und ich bin sehr zufrieden, dass man sich diesem endlich angenommen hat.
Allen Gegnern der „Ehe für alle“ möchte ich an dieser Stelle folgendes mitteilen, ganz besonders denjenigen, die „Ehe“ nur zwischen Mann und Frau sehen wollen: Die Ehe ist in erster Linie die „gefestigte Form einer Verbindung zweier Menschen“ (Zitat Wikipedia). Zwei Menschen – bedeutet also nicht automatisch „Mann“ und „Frau“.
Warum bitte sollen gleichgeschlechtliche Partnerschaften nicht denselben Status und dieselben Rechte und Verpflichtungen haben wie gegengeschlechtliche? Auch hier finde ich kein wirklich begründbares Argument.
Abschließend bleibt mir hier nur noch zu sagen: Die Zeiten haben sich geändert. Und das ist auch gut so.

Wie viele trans* und nichtbinären Personen kennst Du?
Das kommt ganz darauf an, von welcher Seite man es angeht, beziehungsweise, welche Art von Bekanntschaften damit gemeint sind. Prominente, YouTuber, Internet-Stars und dergleichen, die trans* und nichtbinär sind, fallen mir einige ein, die ich zwar alle sehr schätze, zu denen ich jedoch keinerlei persönlichen oder gar engen Bezug habe.
In meinem Umfeld selbst habe ich „im Alltag“ bisher zwei Personen kennengelernt, die trans* sind oder waren.
Die meisten Kontakte habe ich durch den erwähnten Stammtisch geknüpft, bei dem immer wieder neue Gesichter auftauchen, weshalb eine genaue Eingrenzung sehr schwierig ist – zumindest was trans* Personen angeht. Nichtbinäre Personen kenne ich tatsächlich zwei – auch mit ihnen bin ich über erwähnten Stammtisch in Kontakt gekommen.
Zum einen eine Person, die neutrois ist, sich selbst also als „neutral-geschlechtlich“ verortet (nicht zu verwechseln mit agender) – zum anderen eine Girlfag, die sich selbst als „queere schwule Frau“ bezeichnet.
Für all diejenigen, die bisher glaubten, nur Männer könnten schwul sein und nur Frauen lesbisch, dem empfehle ich, den Wikipedia-Eintrag zum Thema „Girlfags und Guydykes“ zu lesen.
Gerade durch diese beiden Bekanntschaften habe ich sehr viel über nichtbinäre Themen und Geschlechter erfahren und gelernt, wofür ich ihnen auch sehr dankbar bin. Sie haben mir sehr dabei geholfen, bestimmte Dinge zu verstehen, sowie mich gelehrt, das „Selbstverständliche“ nie als selbstverständlich hinzunehmen, sondern mir erst eine eigene Meinung dazu zu bilden, bevor ich mich von gesellschaftlichem oder „normiertem“ Denken beeinflussen oder leiten lasse.
Trans* Personen kenne ich wiederum sehr viele, was daran liegt, dass der Stammtisch sich hauptsächlich an trans* richtet. Anzumerken wäre vielleicht noch, dass es deutlich mehr Frauen sind als Männer.
Während ich inzwischen sehr viele Transfrauen / Frauen mit trans* Hintergrund getroffen habe, ist die Anzahl der Transmänner / Männer mit trans* Hintergrund doch relativ überschaubar, um nicht zu sagen gering.
Tatsächlich fallen mir auf Anhieb nur sieben Jungs ein, während ich bei den Mädchen über fünfzehn aufzählen könnte. Ein merklicher Unterschied also.
An dieser Stelle jetzt eine Gesamtzahl zu nennen ist nicht möglich, da es bei diesem Stammtisch wie gesagt ein Kommen und Gehen ist und man immer wieder neue, interessante Menschen trifft, aus denen sich gegebenenfalls langfristige Kontakte ergeben.
Deshalb verzichte ich an dieser Stelle auf Zahlen und sage einfach: Einige. Das trifft es denke ich am besten.

Wie stehst Du zur Genderdebatte?
Auch das wurde ich schon oft gefragt, besonders von Menschen, welche die seit langem andauernde Diskussion um den Unterschied zwischen „biologischem“ und „sozialem“ Geschlecht satt haben.
Offen gestanden geht es mir manchmal nicht anders – allerdings bin ich nicht die vielen, verschiedenen und angeblich „erfundenen“ Geschlechter leid, sondern die Sturheit und Ignoranz, mit der viele Menschen auf dem leidigen „Biologie“-Thema pochen und dass biologisch alles angeblich eindeutig wäre, sowie alles andere eine Geisteskrankheit.
Die tatsächliche Geisteskrankheit liegt hier meiner Meinung nach bei den Menschen vor, die anderen ihre Identität und ihr Geschlecht absprechen, nach dem Motto: „Biologisch bist du das aber nicht!“.
Eine liebe Freundin von mir, die ich inzwischen schon länger kenne, antwortete auf die Frage, ob sie denn auch biologisch eine Frau sei, einmal mit dem folgenden Satz: „Biologisch BIN ich gar nichts. Was ich biologisch HABE, steht auf einem anderen Blatt“. Eine sehr klare Aussage, der wie ich finde absolut nichts hinzuzufügen ist.
Was die Genderdebatte angeht, so bin ich der Ansicht, dass man das relativ schnell beenden könnte, würde man damit aufhören, immer auf dem „biologischen“ Geschlecht herumzureiten und die Behauptungen, dass es nur Männer und Frauen gibt, gebetsmühlenartig zu wiederholen.
„Mann“ und „Frau“ sind wie bereits erwähnt auch nur Wörter, die irgendwann erfunden wurden, genau wie die restlichen Geschlechtsbezeichnungen auch. Ebenso die angeblich „biologische“ Tatsache von Männlichkeit und Weiblichkeit. Auch diese wurde nur sozial hergestellt. Ich kann mir nämlich kaum vorstellen, dass es die Natur war, die gesagt hat: „Das sind ein Penis und ein XY-Chromosom. Ein Penis und ein XY-Chromosom sind männlich. Nur Männer haben einen Penis und ein XY-Chromosom. Und wer einen Penis und ein XY-Chromosom hat, ist ein Mann“. So wird das wohl kaum vonstattengegangen sein.
Der Mensch ist es gewesen, der diese Einordnung vorgenommen und als angebliche „Tatsache“ verpackt hat. Tatsache ist aber, dass es keine Tatsache ist.
Sicherlich gibt es biologisch einige Fakten, das will ich auch gar nicht bestreiten. Zu diesen Fakten gehört, um Beispiele zu nennen, dass es zwei verschiedene Genitalien gibt. Ebenso zwei verschiedene Chromosomensätze (Abweichungen sind an dieser Stelle außen vor gelassen).
Das war's dann aber auch mit den Fakten. Die Behauptung, nur Männer hätten XY und einen Penis, ist keine Tatsache, da sie sozial hergestellt wurde und nicht von der Natur gegeben. Naturgegeben sind lediglich das XY-Chromosom und der Penis, mehr aber auch nicht.
Jegliche Assoziation dieser Fakten mit einem bestimmten Geschlecht ist nur sozial hergestellt, aber keine biologische Gegebenheit.
Hält man sich dies vor Augen, so geraten sämtliche „Tatsachen“, die „Otto Normalbürger“ bislang als solche angesehen hat, erheblich ins Wanken, beziehungsweise, kippen um.
Beispielsweise, dass nur Frauen menstruieren, nur Männer einen Samenerguss haben oder nur Frauen gebären können.
All diese „Fakten“ sind, wie aus den oben genannten Ausführungen hervorgegangen sein sollte, grundsätzlich falsch. Auch Genderqueere sind in der Lage zu menstruieren. Ebenso gibt es Frauen, die einen Samenerguss haben oder Männer, die Kinder gebären können. Egal wie schockiert man auch dreinschauen mag, aber das ist alles schon passiert. Und es kann und wird immer wieder passieren.
Und für all diejenigen, die an dieser Stelle das Argument vorbringen möchten: „Das mag alles sein, aber es entspricht nicht der Norm“ – denen möchte ich gerne zustimmen. Ihr habt Recht. Es entspricht nicht der Norm. Und warum nicht?
Ganz einfach: Weil es diese Norm schlicht und ergreifend nicht gibt. Sie ist ebenso nur ein soziales Konstrukt und – wie der Name „Norm“ bereits sagt, kein festgeschriebenes Gesetz.
Es gibt keinen Gesetzestext, in welchem steht, dass nur Männer Samenergüsse haben und nur Frauen menstruieren dürfen. All diese Zusammenhänge sind lediglich das Ergebnis einer starren, zweigeschlechtlich gegliederten Gesellschaft, welche diese Zweigeschlechtigkeit oft auch zwangsweise herstellt (zum Beispiel durch medizinische Eingriffe bei intersexuellen Neugeborenen), auf der anderen Seite aber Gleichberechtigung und Meinungsfreiheit für alle heuchelt und angeblich die „freie Entfaltung der Persönlichkeit“ in den Mittelpunkt stellt, solange niemand daraus Schaden nimmt.
Gehen wir noch einmal auf das Thema „Biologie“ ein, anhand des folgenden Beispiels: Eine Person ist agender, hat also kein Geschlecht. Biologisch wurde sie mit einem Penis und einem XY-Chromosom ausgestattet. Was ist die Person also nun letztlich? Ein Mann?
Nein! Sie ist natürlich agender, da dies ihre Geschlechtsidentität ist. Und sie selbst wird ja wohl am besten wissen, welchem Geschlecht, beziehungsweise Nicht-Geschlecht sie angehört, oder?
Und für alle, die sagen wollen: Aber biologisch ist und bleibt es ein Mann – der lese sich bitte oben Genanntes noch einmal in Ruhe durch. Biologisch ist die Person gar nichts. Biologisch HAT die Person nur einen Penis und ein XY-Chromosom.
Das gibt keinem anderen Menschen das Recht, sie als Mann zu lesen – ganz besonders nicht, wenn Kenntnis über ihre Identität besteht – sprich: Wenn man weiß, dass die Person agender ist.
Die entscheidende Frage ist nun: Wer nimmt daraus Schaden, dass diese Person agender ist? Ein anderer Mensch? Ein Tier? Also, ich für meinen Teil erkenne keine Benachteiligung von anderen oder gar einen entstandenen Schaden, nur weil diese Person sich als agender bezeichnet. Das Einzige, woran die Mitmenschen sich vielleicht gewöhnen müssen, ist eine Umformulierung von Pronomen, Anreden und Bezeichnungen.
Und ganz ehrlich: Wem selbst das zu viel Arbeit ist, der sollte sich über seine soziale Kompetenz und seine Umgangsformen grundsätzlich Gedanken machen.
Selbiges gilt natürlich auch für alle weiteren, nichtbinären Geschlechter. Genau wie binäre Personen haben auch sie ein Recht auf korrekte, beziehungsweise die gewünschte Anrede.
Und erneut für alle, die hier mit dem Argument der „erfundenen Pronomen“ kommen: Auch Pronomen wie „er“, „sie“, „wir“ und so weiter wurden irgendwann einmal erfunden. Zusätzlich noch mein Ratschlag für diejenigen, die sich weigern, abweichende Pronomen zu benutzen, weil sie unsinnig seien oder sie sich schwer damit tun, sie zu verwenden:
Erstens einmal trifft man sicherlich nicht täglich auf nichtbinäre Personen mit abweichenden Pronomen. Zweitens kann man von einem angeblich so fortschrittlichen Wesen wie dem Menschen erwarten, dass er in der Lage ist, einer höflichen Bitte (zum Beispiel die Verwendung des Pronomens „a“) nachzukommen. Und drittens, für alle die, die sich nach wie vor darüber amüsieren oder es als Unsinn abtun:
Reißt Euch verdammt noch einmal zusammen, zieht Euren Kopf aus dem Arsch und stellt Euch mal vor, wie IHR Euch fühlen würdet, wenn Euch jemand die ganze Zeit über falsch anspricht – und zwar aus reinem Trotz und purer Boshaftigkeit. Wäre wohl nicht sehr dufte, oder?
Eben. Und genau deshalb sollte man sich bemühen, den Wünschen der betreffenden Person nachzukommen. Es erwartet niemand, dass man am ersten Tag alles perfekt kann – und keine nichtbinäre Person wird böse sein, wenn man sie einmal versehentlich misgendert. Dann entschuldigt man sich, korrigiert es – und gut ist.
Wichtig ist, dass der Wille da ist und man sich Mühe gibt – darauf kommt es an. Da darf auch mal der ein oder andere Fehler passieren. Wenn man sich allerdings von vorneherein dagegen sträubt und aus Absicht falsche Anreden und Pronomen benutzt – dann ist man, um es auf gut Deutsch zu sagen, ein Arschloch.
Und solchen Leuten kann ich wirklich nur raten, die folgende, goldene Regel zu bedenken und zu beherzigen, nämlich: „Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem andern zu“.

Biologisch gibt es zwei Geschlechter. Wie kommst Du darauf, dass es mehr sind?
Diese Frage sollte sich aufgrund meiner oben erwähnten Ausführungen schon beantwortet haben, trotzdem werde ich noch einmal kurz darauf eingehen und meine Meinung darlegen.
Zuallererst: Für mich gibt es biologisch gar kein Geschlecht. Es gibt verschiedene körperliche wie genetische Gegebenheiten (eben zum Beispiel Genitalien und Chromosomen), die erst in vom Menschen konstruierten Zusammenhang zu einem Geschlecht gemacht wurden, beziehungsweise, die in Gesamtheit erst als Geschlecht bezeichnet werden.
Das ändert nichts daran, dass es einzeln nur verschiedene Attribute sind, die erst durch menschlich eingeführte Zusammenhänge als Geschlecht interpretiert werden. Und auch, wenn Kritiker oder Gegner der Geschlechtervielfalt es noch so vehement behaupten und darauf pochen, dass Geschlecht biologisch vorgegeben ist – das ist es eben nicht.
Die einzelnen Körperattribute vielleicht – aber nicht die Interpretation eines Geschlechts. Diese ist sozial erschaffen, egal wie feste man sich auch das Gegenteil einredet. Wie oben schon angedeutet: Die Natur war es nicht, die gesagt hat „XY gleich Mann“ und „XX gleich Frau“. All diese (angeblichen) Zusammenhänge hat der Mensch konstruiert – aber sie sind keine Fakten.
Und wie ich auch bereits erwähnte, sehe ich „Geschlecht“ als wesentlich vielfältiger, umfangreicher und individueller an. Und Biologie ist für mich eine Sache, die aus uns nur eines macht, nämlich lebende Individuen, die bestimmte Attribute und Fähigkeiten haben.
Das eigene Geschlecht ist etwas, was nur jeder für sich selbst entscheiden und herausfinden kann. Und kein anderer hat das Recht dazu, ihm etwas anderes einzureden, ihm dieses Wissen abzusprechen oder es für Nonsens zu erklären.
Wer dies trotzdem tut, ist ebenfalls das Wort mit A, welches ich an dieser Stelle nicht wiederholen werde. Und übrigens, nur am Rande: Auch dieses Wort wurde irgendwann einmal erfunden!

Wie viele Geschlechter gibt es Deiner Meinung nach?
Der Psychiater und Sexualwissenschaftler Volkmar Sigusch, welcher den Begriff „Cisgender“ maßgeblich prägte, sagte einmal: „Es gibt so viele Geschlechter wie es Menschen gibt“.
Dem schließe ich mich an, wobei ich glaube, dass es zwischen den verschiedenen Geschlechtsformen und -interpretationsweisen viele Übereinstimmungen gibt, was zur Gruppierung verschiedener Geschlechter führt (zum Beispiel Männer, Frauen, Genderfluids, Agender, etc.), in die man sich einreihen kann.
Grundsätzlich aber stimme ich damit überein, dass Geschlecht individuell von jedem einzelnen abhängt und daher nur von demjenigen korrekt herausgefunden und bestimmt werden kann.
Jeder, der versucht, einem Menschen sein Recht auf selbstbestimmtes Leben abzusprechen, wozu auch die Geschlechtsidentität und -identifikation gehört, oder ihn gar entgegen seiner Eigendefinition in eine bestimmte Geschlechtergruppe zu zwängen, ist für mich das Wort mit A, welches ich auch hier nicht wiederholen werde.
Niemand hat das Recht, einem anderen Menschen seine Identität und sein Geschlecht abzusprechen. Egal, wie „fachlich gebildet“ (meist eher eingebildet) er auch sein mag.

Was macht für Dich ein Geschlecht aus?
Das ist in der Tat eine sehr schwierige Frage, die ich nicht zu einhundert Prozent beantworten kann. Da ich nicht davon überzeugt bin, dass es ein „biologisches Geschlecht“ gibt, sondern eben nur biologische Gegebenheiten, die gesellschaftlich als Geschlecht gedeutet werden, fällt dieser Aspekt, der für den Großteil der „Otto Normalbürger“ das gängige Verständnis davon ist, schon einmal flach.
Was also dann? Das „soziale Geschlecht“? Auch diese Definition ist meiner Auffassung nach nicht ganz richtig, da es so klingt, als wäre Geschlecht etwas, was man anerzogen bekommt oder gar selbst aussuchen kann – und auch davon bin ich nicht überzeugt.
Ich bin der Ansicht, dass es sich um etwas Angeborenes handelt, um die angeborene GeschlechtsIDENTITÄT, oft auch Geschlechtswissen oder Hirngeschlecht genannt.
Das impliziert für mich, dass es äußerlich nicht erkennbar ist, sondern von Außenstehenden lediglich „vermutet“ werden kann, etwa über die biologischen Aspekte wie Chromosomen oder Genitalien. Ob diese Vermutung richtig ist, kann nur die Person selbst beantworten, nicht jedoch ein Außenstehender, der nicht diese Person ist – sprich: kein Arzt oder ähnliches.
Daher gehe ich auch nicht davon aus, dass es sich, wie in der queeren Community oft erwähnt wird, um ein Gefühl handelt, das man hat, sondern schlicht und ergreifend um Wissen.
Man fühlt nicht, dass man eine Frau / ein Mann / genderqueer / agender ist, man weiß es einfach. Und dieses Wissen ist meiner Ansicht nach auch nicht nachweisbar, aus dem oben genannten Grund, dass nur eine Person selbst ihr Geschlecht korrekt bestimmen kann.
Was bedeutet dies nun im Zusammenhang auf nichtbinäre Geschlechter? Werden diese dann als Mann oder Frau geboren? Von meiner Seite aus ein klares Nein. Wie oben erwähnt bin ich der Ansicht, dass Geschlechtswissen angeboren ist – das bedeutet also, dass eine nichtbinäre Person bereits nichtbinär zur Welt kommt und es nicht erst später „wird“.
Die Person kann vielleicht später „entdecken“, dass sie nichtbinär ist, aber gewesen ist sie es schon immer. Selbiges gilt natürlich auch für binäre trans* Personen, sprich: Transfrauen und Transmänner. Sie „werden“ nicht männlich oder weiblich, sie entdecken nur, dass sie männlich oder weiblich sind.
Diese Ansicht und Denkweise mag nun erst einmal sehr kompliziert erscheinen, ist aber im Grunde genommen leicht zu verstehen, wenn man sich von den beiden Annahmen, dass Geschlecht biologisch bedingt ist und man Menschen ihr Geschlecht ansehen, beziehungsweise am Telefon anhören kann, verabschiedet hat.
Selbstverständlich steht es jedem frei, eine andere Meinung zu haben und diese zu vertreten, solange er trotzdem respektvoll mit allen umgeht, die diese nicht teilen und sie entsprechend ihrer Selbstidentifikation anredet und / oder behandelt.
Es muss auch wie gesagt niemand verstehen, warum ein anderer Mensch dieses oder jenes Geschlecht hat oder gar nachempfinden können, was das bedeutet. Es reicht wie gesagt völlig, wenn er es einfach annimmt, akzeptiert und respektiert.
Freundliche, offene Nachfragen sind natürlich immer gestattet – und ich habe bisher auch keine trans* oder nichtbinäre Person getroffen, die auf eine höfliche Nachfrage abweisend oder gar beleidigt reagiert hat.
Fragen darf man immer – man sollte sich nur darüber bewusst sein, wie man die Frage formuliert. Der Ton macht die Musik, wie es so schön heißt.

Warum redest Du von einem „vermuteten“ Geschlecht?
Durch einige trans* Personen, vorrangig Transfrauen, bekam ich erstmals die Formulierung „bei der Geburt vermutetes Geschlecht“ zu hören, von welcher ich besonders am Anfang auch leicht verwundert war, da ich bis dahin naiverweise auch davon ausging, dass man als „das eine Geschlecht“ geboren wird und dann „zum anderen transitioniert“, beziehungsweise, „wird“.
Jedoch wurde ich rasch eines besseren belehrt, denn für die meisten trans* Personen, die ich kenne, ist es eine Todsünde, zu behaupten, sie hätten vorher ein anderes Geschlecht gehabt oder würden ihr Geschlecht ändern / wechseln / „umwandeln“.
Es gibt sicherlich auch jene, die kein Problem haben, offen zu ihrer Vergangenheit zu stehen und denen es ebenfalls egal ist, wenn man behauptet, sie wären vorher ein anderes Geschlecht gewesen. Es gibt sogar welche, die das von sich selbst sagen – und auch das ist völlig okay (auch wenn ich es offen gesagt nicht so ganz verstehe). Nichtsdestotrotz respektiere ich auch diese Meinung und widerspreche nicht. Das gibt mir aber nicht das Recht, diese Formulierungen auf andere trans* Personen anzuwenden, auch nicht auf solche mit derselben Geschichte oder Identität.
Die meisten, die ich kenne, ordnen sich klar einem Geschlecht zu und lehnen die Behauptung ab, ein anderes gehabt oder ihr Geschlecht „gewechselt“ zu haben – und daran ist absolut nichts falsch, da sie sich auf das angeborene Geschlechtswissen beziehen und somit völlig im Recht sind.
In dem Zusammenhang geht es eben um das „bei der Geburt vermutete Geschlecht“ – das bedeutet: Das Geschlecht, welches ihnen bei der Geburt aufgrund augenscheinlicher Äußerlichkeiten (Genitalien) zugewiesen wurde, welches aber nicht ihrem tatsächlichen Geschlecht entspricht.
Das heißt also konkret: Eine Transfrau wurde bei der Geburt als männlich vermutet, ist aber in Wirklichkeit weiblich. Ein Transmann wurde wiederum als weiblich vermutet, ist aber in Wirklichkeit männlich.
Dieses Prinzip lässt sich natürlich ebenso auf Cispersonen anwenden: Eine Cisfrau wurde bei der Geburt als weiblich vermutet und ist in Wirklichkeit weiblich. Ein Cismann wurde bei der Geburt als männlich vermutet und ist in Wirklichkeit männlich.
Was aber, wenn eine Transfrau oder ein Transmann sich selbst als „biologisch“ weiblich, beziehungsweise männlich bezeichnet – ist das dann korrekt? Meine Antwort: Selbstverständlich. Jede Person darf sich so bezeichnen, wie es ihrer Identität und Selbstwahrnehmung entspricht. Wenn also eine Transfrau sagt, sie sei biologisch weiblich, ist das absolut richtig, da die Selbstwahrnehmung ihres Körpers einzig und allein sie beurteilen kann, was ja schon das Wort impliziert: SELBSTwahrnehmung.
Und keiner hat das Recht, ihr das abzusprechen – auch dann nicht, wenn sie keinerlei operative Geschlechtsangleichungen will oder anstrebt.
Ihre Geschlechtsidentität ist weiblich, also ist es auch ihr Körper. Dasselbe gilt natürlich für Transmänner.
Was ist aber nun mit den nichtbinären Geschlechtern? Wenn eine agender Person sagt, ihr Körper sei agender – ist das korrekt? Meine Antwort: Selbstverständlich.
Dem zugrunde liegt eine Auffassung, die auf „Otto Normalbürger“ erst einmal sehr verwirrend und vielleicht auch erschreckend wirkt, im Grunde aber ganz einfach zu verstehen ist, wenn man einen kurzen Moment darüber nachgedacht hat.
Diese Auffassung ist: Das Geschlecht eines Körpers wird immer vom Geschlecht seines Inhabers bestimmt. Klingt im Grunde ganz einfach?
Ist es auch!

Wie stehst Du zur Uneinigkeit von Transgendern und Transsexuellen?
Bevor ich auf diese Frage eingehe, noch kurz etwas Grundlegendes zu den Definitionen der beiden Begriffe: Als „transsexuell“ werden laut offizieller Definition Personen bezeichnet, „die sich biologisch eindeutig einem Geschlecht zuordnen, sich aber als dem anderen Geschlecht zugehörig empfinden“.
Das ist, jedenfalls meiner persönlichen Erfahrung nach, nicht ganz richtig, da wie gesagt die wenigsten trans* Personen, die ich kenne, von sich behaupten, zuerst ein anderes Geschlecht gehabt zu haben.
Tatsächlich kenne ich aktuell niemanden, der das so sieht – und wenn meine Bekannten gefragt werden, was sie denn „früher“ waren, antworten alle mit „Was ich schon immer war: Ein Mann“, beziehungsweise, „eine Frau“.
Als „transgender“ werden laut offizieller Definition Personen bezeichnet, „die sich mit ihrer sozialen Geschlechterrolle nicht identifizieren können / wollen oder sich damit nur unzureichend beschrieben sehen“.
Auch das kann ich so nicht bestätigen, wobei ich hier auf meine Online-Erfahrungen zurückgreifen muss, da ich persönlich niemanden kenne, der sich selbst „transgender“ nennt. Der Großteil meiner Bekanntschaften versteht sich entweder als „trans*“, „transsexuell“, „transident“ oder simpel als das Geschlecht, welches seiner Geschlechtsidentität entspricht.
Im Internet kursieren viele verschiedene Interpretationen und auch Definitionen des Begriffs „transgender“, wobei laut offizieller Definition hier nicht die geschlechtsangleichenden Maßnahmen im Mittelpunkt stehen, sondern die Probleme und Belastung durch die falsche, soziale Geschlechterrolle.
Dies halte ich ebenfalls für nicht ganz zutreffend, wobei es auch sicherlich Personen gibt, die es so beschreiben würden. Allerdings traf ich im Internet auf Personen, die sich selbst als „transgender“ verstehen und trotzdem viele der geschlechtsangleichenden Maßnahmen brauchen, manche sogar alle.
Und ebenso traf ich auf Personen, die sich als „transsexuell“ verstehen und einige der Maßnahmen (wie die operative Genitalangleichung) überhaupt nicht brauchen, beziehungsweise, in Anspruch nehmen müssen.
Insofern, finde ich, ist eine strikte Abgrenzung der beiden Definitionen schwierig bis nicht möglich, da beide sehr eng zusammenhängen und teilweise auch ineinander übergehen können. Jedoch, denke ich, dass auch hier gilt, was schon bei allen anderen Punkten galt: Welchen Begriff eine Person auch nutzt, um sich selbst einzuordnen – er ist korrekt. Und keiner hat das Recht, etwas Gegenteiliges zu behaupten.
Nun aber zurück zur eigentlichen Fragestellung, nämlich dem „Krieg“ zwischen Transsexuellen und Transgendern – und meine persönliche Meinung dazu.
Zuerst einmal allgemein etwas zur Situation: Es gibt Transsexuelle, die sich durch Transgender, welche keine oder nicht alle geschlechtsangleichenden Maßnahmen brauchen, bedroht sehen und sich klar von ihnen distanzieren, es vehement ablehnen, mit ihnen in einen Topf geschmissen zu werden, da „echte Transsexuelle“ ihrer Auffassung nach den kompletten Transitionsweg bis zum Ende beschreiten müssen, um „voll transsexuell“ zu sein.
Und wiederum gibt es Transgender, die sich durch Transsexuelle, welche die Notwendigkeit zur operativen Angleichung haben, bedroht sehen, da diese das „typische Geschlechterklischee“ á la „Mann = Penis“ und „Frau = Vagina“ nur noch verstärken würden und ihnen daher die Integration erschweren, da die Gesellschaft dann automatisch davon ausgeht, alle würden den Weg „bis zum Ende“ gehen.
Meine persönliche Meinung dazu ist, dass dieser „Krieg“ ebenso albern wie unnötig ist, da meines Erachtens nach beide Parteien „im selben Boot“ sitzen. „Wirklich transsexuell“ sein heißt für mich nicht, die Transition komplett bis zur letzten Etappe zu gehen und alle medizinischen, kosmetischen oder operativen Möglichkeiten auszuschöpfen – und umgekehrt heißt „wirklich transgender“ sein nicht, keine Genitalangleichung zu brauchen.
Ich bin der Ansicht, dass jeder selbst entscheiden soll und muss, welcher Weg für ihn der richtige ist, welche Maßnahmen er braucht und welche nicht. Das macht ihn deshalb nicht mehr oder weniger „trans*“ als jemand anderen, dessen Weg vielleicht völlig anders aussieht.
„Transition“ ist immer ein individueller Prozess und von Person zu Person unterschiedlich – selbst bei denen, die dieselben Maßnahmen anstreben und brauchen, verläuft nicht alles einhundertprozentig identisch.
Letztendlich geht es den einzelnen Personen nur darum, so anerkannt zu werden, wie sie sind – nicht um das „Besonders sein“ oder das „Sich hervorheben wollen“.
Hält man sich das vor Augen, so wird in meinen Augen die Diskussion und Uneinigkeit über diese Definitionen überflüssig. Letztlich sind die Übergänge fließend und nicht klar zu trennen, weshalb es auch sinnlos ist, sich darüber zu streiten, wer sich als was bezeichnen darf und wer nicht.
Jeder so, wie er sich wohlfühlt und wie es ihm gut geht. Das ist meine Meinung. Und das ist finde ich auch untereinander zu respektieren – egal ob man nun transgender ist, transident oder transsexuell.

Wo ist für Dich der Unterschied zwischen „sich als Mann/Frau/... fühlen“ und „ein Mann/eine Frau/... sein“?
Diese Frage kam auf, nachdem von Außenstehenden des öfteren die Formulierung „Er fühlt sich als Frau“ oder „Sie fühlt sich als Mann“ verwendet wurde, wenn es um Transfrauen und Transmänner ging.
Warum diese Formulierung inkorrekt sei, wollte man wissen, immerhin beschreibe sie ja lediglich eine tatsächliche Gegebenheit. Eine Transfrau sei biologisch ein Mann, fühle sich aber wie eine Frau – umgekehrt sei ein Transmann eine Frau, fühle sich aber wie ein Mann.
Warum diese Annahme inkorrekt und darüber hinaus auch diskriminierend ist, sollte sich bereits erschließen, wenn man den vorangegangenen Text bis hierher gelesen hat. Für all diejenigen, die es trotzdem nicht verstehen, möchte ich es nachfolgend gerne erklären:
Geschlecht ist kein Gefühl, sondern schlicht und ergreifend angeborenes Wissen.
Eine Transfrau fühlt nicht, dass sie eine Frau ist, sie WEISS, dass sie eine Frau ist. Selbiges analog für Transmänner, sowie, um sie nicht außen vor zu lassen, nichtbinäre Geschlechter. Diese Personen fühlen sich nicht nichtbinär, sie SIND es ganz einfach. Sie wissen es, weil ihr Hirn ihnen das angeborene Geschlechtswissen vermittelt – bei manchen schon früh, bei manchen erst später.
Wenn also eine Transfrau erst mit vierzig ihre Transition macht, dann bedeutet das nicht, dass sie vorher ein Mann war, der sich jetzt als Frau „fühlt“, sondern dass sie schon immer eine Frau war, die im Alter von vierzig Jahren ihre tatsächliche Geschlechtsidentität herausgefunden hat.
Warum es bei manchen erst später durchdringt, kann verschiedene Ursachen haben: Einmal zum Beispiel die Angst vor einem „Coming-out“, beziehungsweise, damit verbundener Ablehnung und Ausgrenzung. Ein weiterer Grund kann Selbstverleugnung sein, sprich: dass die entsprechende Person sich bewusst gegen ihr Wissen wehrt und es nicht wahrhaben will. Und ebenso kann es sein, dass die Person sich über dieses Wissen gar nicht im Klaren war, bis es dann plötzlich an die Oberfläche tritt.
Kurzum: Die Gründe für ein erst spätes Coming-out können vielfältig sein, ändern aber nichts an der angeborenen Geschlechtsidentität, die bereits von Anfang an existiert. Selbiges gilt übrigens auch für die sexuelle Identität, beziehungsweise Orientierung, die ebenso als angeboren gilt.
Diese wird sich im Laufe des Lebens nicht „verändern“, sprich: Ein heterosexueller Mann wird nicht plötzlich homosexuell, sondern er entdeckt nur, dass er schon immer homosexuell war und bis dahin nur angenommen hat, er wäre hetero.
In meinem Fall, den ich weiter oben genannt habe, verhält es sich nicht anders. Auch ich bin nicht bisexuell „geworden“, ich habe nur entdeckt, dass ich es bin und war es unterbewusst schon immer.
Dasselbe lässt sich auch über die Geschlechtsidentität sagen, jedenfalls meiner Meinung nach.
Nun aber zurück zum Unterschied zwischen „fühlen“ und „sein“. Warum ist dieser kleine Unterschied an der Stelle so wichtig? Ganz einfach: Sich als etwas „fühlen“ bedeutet, dass man es nicht wirklich ist, sondern eben nur dieses Gefühl hat. Etwas „sein“ dagegen heißt, dass man es ist – und in der Regel auch immer schon war.
Als Beispiel: Wenn ich sage „Ich fühle mich krank“, dann weise ich nur darauf hin, dass ich dieses Gefühl habe, es aber keine Tatsache ist. Wenn ich allerdings sage „Ich bin krank“, mache ich deutlich, dass es sich um einen Zustand handelt, der zu dem Zeitpunkt, an dem ich es sage, nicht veränderbar ist.
Ein sehr banales Beispiel, doch ich hoffe, dass man versteht, was ich meine und sich dadurch der Zusammenhang erschließt. Man sagt ja schließlich auch nicht zu jemandem „Ich fühle mich in dich verliebt“, sondern „Ich bin in dich verliebt“ und schafft dadurch eine Tatsache, die zum Zeitpunkt, an dem sie ausgesprochen wird, nicht veränderbar ist.
Aus diesem Grund lehnen die meisten, um nicht zu sagen alle, trans* und nichtbinären Personen, die ich kenne, den Satz „Sich fühlen als...“ rigoros ab, da sie kein Gefühl, sondern eine Tatsache ausdrücken.
Daher erachte ich diese Unterscheidung und Formulierung als sehr wichtig und – sofern von den betreffenden Personen nicht anders gewünscht –, ist immer die „Sein“-Formulierung zu verwenden, da sie eben eine Tatsache beschreibt – und kein Gefühl.

Was wäre für Dich die ideale Lösung der Genderdebatte?
Diese Frage ist wieder ein wenig kompliziert. Die perfekte (utopische) Lösung wäre es in meinen Augen, alle Geschlechter voneinander zu separieren, egal, wie groß oder klein die Zahl der Angehörigen ist.
Da dies aber, wie ich in meinem Essay „Geschlecht und Identität“ bereits angemerkt habe, schwer umzusetzen ist, fände ich es wesentlich besser, keine geschlechtliche Trennung mehr vorzunehmen und – salopp gesagt – „alle in einen Topf zu schmeißen“.
Das hätte insofern den Vorteil, dass niemand sich ausgeschlossen oder diskriminiert fühlt, es keinerlei Bevorzugungen oder Benachteiligungen mehr gibt, sondern das, was eigentlich unlängst gelten sollten, nämlich Gleichberechtigung. Nichtbinäre Personen müssten sich nicht mehr „zwangsunterwerfen“ (zum Beispiel bei öffentlichen Toiletten oder Umkleiden), und binären würde der Vorteil genommen, den sie aktuell (fast) überall haben – nämlich einem der beiden dominierenden Geschlechter anzugehören und damit im Rechtssystem vertreten zu sein.
Nun mag der Gedanke, dass alle dieselbe Toilette oder öffentliche Dusche benutzen für viele zunächst ekelerregend erscheinen – gerade dann, wenn man Frauen und Männer plötzlich zusammensteckt.
Teilweise kann ich es nachvollziehen, bin aber andererseits der Meinung, dass wahre Gleichberechtigung nur so gut funktionieren kann. Darüber hinaus würde das ja nicht „einfach so“ passieren, sondern strukturiert und einheitlich – Stichwort „Unisex“.
Auf alle öffentlichen Räume angewandt, würde das meiner Ansicht nach langfristig zum Erfolg führen, auch wenn der erste Gedanke vielen vielleicht einen Schauer über den Rücken jagt.
Doch wie bereits gesagt, wäre es einheitlich, also ohne jegliche Bevorzugung oder Benachteiligung für irgendjemanden. Im Fall der öffentlichen Toiletten gäbe es dann beispielsweise nur einzelne, abschließbare Kabinen – selbiges in öffentlichen Duschen und Umkleiden.
Die Diskretion und Privatsphäre wäre so meines Erachtens nach ausreichend geschützt – der einzige Unterschied zur jetzigen Situation bestünde eben darin, dass ich mich zum Beispiel auf einer öffentlichen Toilette nicht mehr darauf verlassen kann, dass die Person neben mir auch ein Mann, beziehungsweise, eine Frau ist.
Was genau daran jetzt so ekelerregend oder schockierend sein soll, erschließt sich mir nicht ganz – aber wie man im Laufe des Textes bemerkt haben sollte, habe ich über viele Dinge eine sehr eigene und auch eigensinnige Denkweise.
Als alternative Lösung gäbe es noch die Einführung einer „dritten Option“ bei der Wahl von öffentlichen, geschlechtsgetrennten Räumen (wie etwa Duschen und Toiletten), die ebenfalls mit dem Titel „Unisex“ versehen wird und die jeder nutzen kann, unabhängig seines Geschlechts (also auch binäre Frauen und Männer).
Auf diese Weise hätten nichtbinäre Geschlechter zumindest eine Ausweichmöglichkeit, die zwar auch nicht ganz optimal ist – aber zumindest besser als gar keine Option.
Wie ich in Sachen „Bürokratie“ dazu stehe, hatte ich ebenfalls bereits im Essay „Geschlecht und Identität“ erläutert, da ich hier die Erweiterung des Geschlechtersystems durchaus für realisierbar halte. Ohne Frage wäre die Umsetzung dieser Idee mit einem großen Aufwand verbunden – aber wenn man bedenkt, dass oft wesentlich größerer Aufwand für wesentlich kleinere „Probleme“ betrieben wird, kann ich das Gemecker darüber nicht wirklich verstehen.
Muss ich aber vermutlich auch nicht.

Was hältst Du von den alternativen Bezeichnungen für Genitalien & co?
Durch die verschiedenen, interessanten und oft auch sehr engen Kontakte, die ich durch den Stammtisch geknüpft habe, konnte und durfte ich wirklich eine ganze Menge erfahren und dazulernen, so unter anderem auch, dass viele trans* und / oder nichtbinäre Personen ihre Genitalien alternativ bezeichnen und eigene Begriffe dafür benutzen, um sie zu beschreiben oder zu definieren.
Gerade diejenigen, für die eine operative Angleichung nicht in Frage kommt oder notwendig ist, nutzen teilweise die verschiedensten Begriffe, um ihre biologischen Gegebenheiten zu benennen – und das nicht etwa aus Trotz oder Provokation, sondern einfach, weil sie sich mit einem alternativen Begriff wohler fühlen als mit dem, welchen die Gesellschaft für die entsprechende Gegebenheit vorgesehen hat.
So kenne ich zum Beispiel einige Transfrauen, die nicht „Penis“ sagen, wenn sie über ihren Körper sprechen – und ebenfalls Transmänner, welche nicht „Brüste“ oder „Vagina“ als Beschreibung ihrer Körperlichkeiten nutzen, sondern eigene, teilweise auch humorvolle Formulierungen dafür verwenden.
Und selbstverständlich ist das ihr absolutes Recht, sich selbst so zu beschreiben, wie sie es möchten – auch wenn sie rein theoretisch dasselbe meinen, für das bereits ein von der Gesellschaft normierter und eingeführter Begriff existiert.
Eben nur rein theoretisch, weil es für die entsprechende Person nicht dasselbe ist, sondern etwas, wofür es eine eigene Begrifflichkeit braucht, weil die „normierte“ nicht passend oder unzureichend ist.
Dies mag ganz besonders in der breiten Masse der schon häufiger zitierten „Otto Normalbürger“ für Verwirrung und Unverständnis sorgen, da sie oftmals nicht nachvollziehen können, warum eine Transfrau ihren „Penis“ nicht einfach so nennt, sondern stattdessen lieber die Formulierungen „Glied“ oder „Stück“ dafür verwendet. Immerhin sei es ja exakt dasselbe, nur eben mit einem anderen Begriff versehen – und aus einer Buche werde auch nicht plötzlich eine Eiche, nur weil ich sie so nenne.
Da mag durchaus etwas Wahres dran sein, jedoch ist den Menschen oft nicht klar, mit welchen Unwohlseins- oder Ekelgefühlen diese Personen zu kämpfen haben, wenn man ihnen einen „Penis“ oder eine „Vagina“ andichtet.
Es passt für sie einfach nicht, sie sehen sich damit nicht oder nur unzureichend beschrieben oder haben einfach keinen Bezug dazu. Und auch wenn es aus rein „biologischer“ Sicht keinen großen Unterschied macht, ob man nun „Penis“ sagt oder „Glied“ – für die betroffene Person kann dies vieles erleichtern und / oder erträglich(er) machen.
Gerade deshalb ist es für Außenstehende sehr wichtig, genau hinzuhören, wenn trans* und nichtbinäre Personen über ihren Körper sprechen – und man sollte sich auch grundsätzlich angewöhnen, im Umgang mit der entsprechenden Person dieselben Formulierungen zu verwenden wie sie.
Wenn man darum gebeten wird, dann sowieso – allerdings fände ich persönlich es besser, wenn man von Anfang an gut zuhört und die entsprechenden Bezeichnungen automatisch übernimmt, sobald man mit oder über die Person spricht. Damit macht man deutlich, dass man ihre Selbstwahrnehmung und damit sie als Menschen respektiert und ernst nimmt. Mögen manche Bezeichnungen auch seltsam klingen – spätestens auf Wunsch oder Bitte hin sollte man diese einfach übernehmen und nicht nachfragen.
Denn auch wenn man als Außenstehender oder Unbeteiligter vielleicht denkt, dass es dasselbe ist – für die Person, mit der oder über die man spricht, ist es das eben nicht. Denn wenn es für sie dasselbe wäre, würde sie die allgemeine Bezeichnung dafür nutzen und nicht extra eine Alternative suchen.
Noch eine Anmerkung für all jene, die das lachhaft oder albern finden, alternative Bezeichnungen für Dinge wie „Penis“ oder „Vagina“ zu verwenden: Wenn man selbst dieses Problem nicht hat, kann man es gar nicht verstehen – man sollte aber zumindest in der Lage sein, diesen Wunsch zu respektieren und im Umgang mit der Person darauf zu achten. Für viele kann es eine Beleidigung oder gar Kränkung sein, wenn man die falsche Formulierung nutzt – noch dazu, wenn es absichtlich passiert.
Als vergleichbares Beispiel: Eine fülligere Frau wäre sicher auch alles andere als begeistert, wenn man sie als „fette Wachtel“ oder „Rollmops“ tituliert. Und selbiges gilt hier im Zusammenhang mit trans* und nichtbinären Menschen.
Deshalb: Auch wenn man denken mag, dass es ja keinen Unterschied macht, ob man nun „Penis“ sagt oder „Glied“ – für den Menschen, der damit gemeint ist, kann es ein riesengroßer sein.
Abschließend zu dieser Frage habe ich noch eine kleine Liste von alternativen Bezeichnungen für verschiedene Körperlichkeiten zusammengestellt, die ich bisher so mitbekommen habe und mit denen sowohl trans* Personen als auch Enbys von oder über ihren Körper sprechen.

Alternativen für „Brüste“: Airbags, Bonnie und Clyde, Boys, Bubis, Burschen, Diamanten, Freunde, Jungs, Juwelen, Kiddies, Männerspeck, Perlen, Schätze
Alternativen für „Penis“: Anhang, Anhänger, Bonus, Genital, Glied, Große Klitoris, Kette, Kobra, Pinsel, Schlange, Seil, Stück, Werkzeug, XXL-Vagina, Zusatz
Alternativen für „Vagina“: Büchse, Garage, Gemächer, Genital, Juwel, Maus, Mikropenis, Parkplatz, Privates Reich, Schlucht, Schnecke, Sperrzone

Mögen sie auf den ersten Blick auch noch so kindisch oder albern scheinen – für viele trans* und nichtbinären Personen kann es eine große Erleichterung sein, mit diesen alternativen Namen über ihre Körperlichkeiten sprechen zu können.
Und wenn ein Transmann erklärt, dass er keine „Brüste“ hat, sondern nur „Burschen“, dann ist das weder zu verlachen, noch in Frage zu stellen, sondern einfach so zu akzeptieren und die entsprechende Bezeichnung dafür zu benutzen.
Wenn man einen Namen amüsant findet, darf man selbstverständlich auch mal drüber schmunzeln – ich kenne einige Trans*, die das sogar selbst hin und wieder tun. Wichtig ist hier allerdings, dass man die Person nicht bloßstellt oder gar denunziert.
Wenn man sich mal verspricht oder einen Begriff vergisst, dann entschuldigt man sich oder fragt gegebenenfalls nach – und die Sache ist erledigt.
Meiner Meinung nach sollte man grundsätzlich vorher immer nachfragen, bevor man damit anfängt, über die Körperlichkeiten einer trans* oder nichtbinären Person zu sprechen. Sicherlich mag es viele geben, die nichts dagegen haben, Begriffe wie „Brüste“ und „Vagina“ zu verwenden – andere hingegen wollen das eben nicht. Und diesem Wunsch sollte man bestmöglich nachkommen.
Es ist schlicht und ergreifend eine Geste des Respekts – und den hat meiner Meinung nach jeder verdient, ganz gleich wie er sich bezeichnet und / oder einordnet.
Daher bleibt mir zum Abschluss nur zu sagen, was ich bereits bei einigen anderen Themen und Fragen angemerkt habe: Was auch immer für Begriffe eine trans* oder nichtbinäre Person nutzt, um sich und ihren Körper zu beschreiben – es ist korrekt. Absolut korrekt.

Wo siehst Du noch Verbesserungsbedarf zur Gleichstellung von LGBTIQ+?
Diese Frage habe ich zum Teil bereits in anderen Fragen mitbeantwortet, wobei die Optimallösung meiner Meinung nach wie gesagt die Berücksichtigung und Gleichstellung aller Geschlechter und Personen wäre.
Da ich wie erwähnt nachvollziehen kann, dass dies gerade in öffentlichen Situationen schwer umzusetzen ist, ist es verständlich, dass dieser Schritt in der Verwirklichung Planung und Zeit braucht.
Allerdings könnte man alternativ an der Umsetzung von kleineren Schritten arbeiten, wie die erwähnte Erweiterung der Geschlechtereinträge in Papieren und Dokumenten. Auch das wäre sicherlich ein Aufwand, keine Frage, weshalb auch hier Planung und Zeit zur Verwirklichung im Vordergrund stehen sollten.
Es verlangt auch niemand, dass dies alles hopplahopp von heute auf morgen geschehen soll, sondern eben mit entsprechender Vorbereitung, Planung und detaillierter Ausarbeitung – ganz einfach ein Prozess, der wie alles andere seine Zeit braucht.
Ein alternativer, erster Schritt dazu wäre meiner Meinung nach, entsprechende Aufklärungsarbeit zu leisten, sprich: die Gesellschaft über die verschiedenen Geschlechtsformen und -identitäten zu informieren und so zumindest die starre Zweigeschlechtigkeit zu lockern.
Wie schon gesagt, wird von keinem erwartet, dass er jedes Geschlecht kennt oder verstehen kann – doch ein bisschen mehr Aufklärung über das breite Spektrum jenseits der binären Norm wären meiner Meinung nach ganz hilfreich, um auch „Otto Normalbürgern“ verständlich zu machen, dass sich eben nicht alles auf „Männlich“ und „Weiblich“ oder Körperlichkeiten beschränkt.
Ich bin der Ansicht, dass man nur dann etwas verändern, beziehungsweise, verbessern kann, wenn man großräumig Menschen erreicht, wie etwa zum Beispiel durch Informationsveranstaltungen oder ähnliches.
Nur dann, wenn man etwas in die Öffentlichkeit stellt, kann auch öffentliches Interesse geweckt werden. Daher fände ich einen guten ersten Schritt schon einmal darin, Veranstaltungen zu trans* oder nichtbinären Themen zu machen, bei denen man sich informieren, Neues dazulernen oder sein Wissen erweitern kann.
Außerdem wäre es meiner Meinung nach gut, das Spektrum an „geschlechtlicher und sexueller Vielfalt“ ins Bildungsprogramm mit aufzunehmen, sprich: Es an Schulen zu thematisieren, offen darüber zu reden, Meinungen auszutauschen und den Leuten so das breite Spektrum sexueller und geschlechtlicher Identitäten zugänglich zu machen.
Dies hat meiner Meinung nach auch gar nichts mit „Sexualisierung“ oder gar „Frühsexualisierung“ zu tun, sondern schlicht und ergreifend mit allgemeiner Aufklärung, die dort ansetzt, wo es nötig ist, nämlich im Grundverständnis des Menschen.
Gerade jüngere Schulkinder sind am wenigsten „vorbelastet“ und daher sehr zugänglich für neue Informationen und neues Wissen. Und das Argument, welches Gegner der angeblichen „Frühsexualisierung“ hier anbringen, nämlich, dass jüngere Kinder noch nicht verstehen können, halte ich schlicht und ergreifend für Quatsch.
Sie verstehen sehr wohl, wenn man ihnen erklärt, dass ein Mensch „neutrois“ ist – vielleicht erschließt sich ihnen nicht der genaue Begriff, nicht die genaue Definition, nicht das, was dahintersteckt oder warum es diesen Begriff gibt. Aber sie verstehen, DASS es ihn gibt, dass es eine Form von Identität ist, die gelebt wird.
Und gerade jüngere Kinder, die noch unvorbelastet sind, nehmen das einfach an, sie hinterfragen nicht, weil ihnen die Gründe des „Wie“ und „Warum“ schlicht und ergreifend egal sind. Sie verstehen: Da ist etwas, das es gibt – und mehr ist für sie nicht von Nöten, um zu begreifen.
Sie sind in dieser Sache offen und zugänglich, weil ihre Erfahrungen noch nicht vorgeprägt sind, weil sie nicht alles, was ihnen unbekannt ist, hinterfragen oder als Quatsch abtun, sondern sich stattdessen über das Wissen freuen, das sie dazugewonnen haben und es als Bereicherung annehmen.
Anders hingegen diejenigen, die bereits älter sind und dementsprechend vorgeprägt – entweder durch ihr Umfeld, ihre Familie oder ihren sonstigen, sozialen Umgang. Hier gestaltet sich die Aufgabe, ihnen nichtbinäre Geschlechter oder ähnliche Themen näherzubringen als geradezu unlösbar, da sie sich bereits „ihre Realität“ aufgebaut haben und jegliche Abweichung davon als nichtig oder schwachsinnig abtun. Was sie nicht kennen oder was man nicht „nachweisen“ kann, das gibt es auch nicht – mit dieser Einstellung leben meiner persönlichen Einschätzung nach ungefähr 95 bis 98 Prozent der Menschen.
Und genau das ist es, was letztendlich die ganzen Probleme hervorruft: Die Kinder, die so erzogen wurden und nicht bereit sind, ihre Vorurteile und Ansichten zu überdenken oder abzulegen, werden genau dieses „Wissen“ wiederum ihren Kindern vermitteln und es ihnen als „Realität“ eintrichtern. Diese dann wiederum der nächsten Generation – und so weiter, und so weiter. Dadurch entsteht dann schließlich dieser Teufelskreis des „Unbelehrbaren“, der alles, was ihm unbekannt ist, sofort verurteilt oder als nichtig abtut.
Anders hingegen wird es bei den Kindern verlaufen, die bereits früh mit solchen Themen in Kontakt gekommen sind oder konfrontiert waren. Sie sind mit diesem Wissen aufgewachsen, haben es als selbstverständlich angenommen – und werden es wiederum an ihre Kinder weitergeben. Und auch diese wiederum den ihren.
So wird von Generation zu Generation diese „Selbstverständlichkeit“ weitergereicht, die nicht alles Unbekannte hinterfragt oder abblockt, sondern sich öffnet, Interesse zeigt und auch bereit ist, Neues dazuzulernen.
Und genau das ist meiner Meinung nach die Grundvoraussetzung für die erfolgreiche Integration aller Personen in die Gemeinschaft: Die Bereitschaft dazu, immer dazuzulernen, neue Erkenntnisse zu gewinnen und auch offen für bislang ferne oder fremde Themen zu sein.
Aus diesem Grund sähe ich bereits einen sehr erfolgreichen Schritt darin, queere und nichtbinäre Themen zum Teil des Lehrplans zu machen und den Schulkindern dadurch näherzubringen, dass die Welt eben nicht nur aus „Schwarz“ und „Weiß“ besteht, sondern aus tausenden, unterschiedlichen Farbtönen und -variationen. Jeder davon für sich ein Unikat – und trotzdem alle auf einer großen Palette miteinander verbunden. So kitschig und naiv der Vergleich an dieser Stelle auch klingen mag – für mich passt er genau wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge.

Wie ist Deine Meinung dazu, dass trans* und nichtbinäre Themen und Geschlechter oft als „Abweichungen“ oder „Störungen“ bezeichnet werden?
Um diese Frage in zwei kurzen Argumenten zu beantworten: Ich halte es zum einen für absoluten Quatsch und zum zweiten auch für respektlos und unverschämt. Mit welcher „Selbstverständlichkeit“ Menschen oft ihre „Realität“ als die einzig gültige präsentieren und sämtliche Abweichungen davon als Krankheit oder Wahn abtun, ist mir seit jeher ein Graus.
Es ist meiner Meinung nach eine Schande, mit welchem Starrsinn auf der angeblichen „Zweigeschlechtigkeit“ bestanden wird, mit welcher Dominanz sämtliche Abweichungen davon untergraben oder „korrigiert“ werden – und noch wesentlich entsetzlicher ist es, dass dieses Denken als „Normalität“ gilt – und zwar als einzig richtige und mögliche.
Eine Person, die dieser nicht entspricht, die gibt es auch nicht – und falls man ihr doch das Recht zur „Existenz“ einräumt, dann nur als „Abweichung“, „Ausnahme“ oder „Sonderfall“ – keineswegs aber als gleichberechtigter, gleichwertiger Mensch.
Die Person wird allenfalls geduldet, darf vom Rechtsstaat jedoch keinesfalls erwarten, dieselben Rechte in Anspruch nehmen zu können wie andere Menschen – hat im Gegenzug aber exakt dieselben Verpflichtungen und Richtlinien, an die es sich zu halten gilt.
Um ein Beispiel zu nennen, welches ich bereits kurz in einer anderen Frage beleuchtet hatte: Die Ehe zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern. Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, bis man homosexuellen Menschen überhaupt erst gestattet hat, zusammen zu sein – und erst im Jahre 2001 wurde es im Rahmen des „Lebenspartnerschaftsgesetzes“ ermöglicht, auch eine rechtliche Verbindung miteinander einzugehen.
Die Gleichstellung mit der Ehe war dabei jedoch tabu – diese durfte ausschließlich zwischen zwei gegengeschlechtlichen Personen erfolgen, in keinem Fall jedoch zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern.
Bis zum vergangenen Jahr dauerte die Debatte und der Kampf um dieses Thema an, bis man sich endlich dazu durchringen konnte, die gleichgeschlechtliche mit der heterosexuellen Ehe gleichzusetzen und keinerlei Unterscheidungen mehr zu machen. Dies hatte, soweit ich richtig informiert bin, auch Einfluss auf das Adoptionsrecht für Homosexuelle, welches ebenfalls als großes Streitthema galt und gilt – wobei Kritiker noch immer vehement darauf beharren, dass ein Kind Vater und Mutter bräuchte, um in geregelten, sozialen Verhältnissen aufzuwachsen und sich dementsprechend „geregelt“ entwickeln und entfalten zu können.
Darüber hinaus werden von Gegnern auch gerne die folgenden „Begründungen“ angebracht: Jedes Kind habe ein Recht auf Vater und Mutter – und dieses werde ihm in einer gleichgeschlechtlichen Familie, beziehungsweise, bei gleichgeschlechtlichen Eltern vorenthalten. Das Kind werde somit um einen Elternteil „betrogen“. Und dies wiederum sei eine erhebliche Verletzung des Kinderrechts.
Darüber hinaus werde ein Kind, welches in einer gleichgeschlechtlichen Familie aufwächst um sein Wissen des „zweigeschlechtlichen Ursprungs“ betrogen, was sich wiederum negativ auf seine Identitätsbildung auswirken könne.
Ebenso sei in einer gleichgeschlechtlichen Familie die Bildung und Festigung einer „sicheren Geschlechtsidentität“ beeinträchtigt oder gar gefährdet, wodurch das Kind erhebliche Benachteiligungen in seiner Entwicklung erfahren würde.
Auch werde ein Kind in seinem Wissen um „zweigeschlechtlichen Ursprung“ getäuscht, wenn bei vollem Adoptionsrecht in der Geburtsurkunde zwei Männer-, beziehungsweise Frauennamen eingetragen sind, da es dem Kind ein falsches Bild von „Normalität“ vermitteln würde.
All diese Argumente sind meiner persönlichen Ansicht nach weder ernsthaft begründet, noch haltbar, sondern dienen schlicht und ergreifend einem einzigen Zweck – nämlich der Aufrechterhaltung einer „Normalität“, welche ebenso wenig „natürlichen Ursprungs“ ist.
Die Entfaltung und Entwicklung eines Kindes wird von den Elternteilen zwar mitgeprägt, jedoch nicht in ihrem Ursprung beeinflusst, da dieser Ursprung im Kind selbst liegt. Die Geschlechtsidentität ist bereits zum Zeitpunkt der Geburt festgelegt und kann nicht mehr „verändert“ oder „beeinflusst“ werden, sondern lediglich herausgefunden und ergründet. Somit erweist sich das Argument, die Entwicklung dieser sei durch das Aufwachsen bei gleichgeschlechtlichen Paaren beeinträchtigt oder gefährdet, als gänzlich falsch.
Außerdem wird durch diese Behauptung wieder das zwanghafte, falsche Bild des angeblich „zweigeschlechtlichen“ Ursprungs unterstützt, welches ebenso seit jeher fehlerhaft ist. Es ist schlicht und ergreifend nicht korrekt, dass zur Zeugung eines Kindes „Vater“ und „Mutter“ benötigt werden, sondern lediglich eine Ei-, sowie eine Samenzelle.
Wird man sich darüber erst einmal bewusst, so stürzt die These des „zweigeschlechtlichen Ursprungs“ abrupt in sich zusammen und es wird entlarvt, dass es sich auch dabei um nichts weiter als ein sozial hergestelltes Konstrukt handelt, das erst vom Menschen erschaffen wurde, aber keinesfalls naturgegeben oder gar „vorbestimmt“ ist.
Richtig ist, dass man zur Fortpflanzung, beziehungsweise, Entstehung eines neuen Lebens einen Eizellenträger, sowie einen Samenzellenträger benötigt. Falsch dagegen ist, dass der Eizellenträger zwingend weiblich und der Samenzellenträger zwingend männlich sein muss.
Es ist ebenso ein umgekehrter Fall möglich, wie zahlreiche Schwangerschaften von Transmännern oder Samenspenden von Transfrauen belegen. Und wer nun behauptet, dass dies nur deshalb möglich sei, weil der Mann „biologisch weiblich“ und die Frau „biologisch männlich“ sei, der möge sich bitte noch einmal in aller Ruhe den vorangegangenen Text zu Gemüte führen.
Gerade was trans* Personen und die Zeugung von Kindern angeht, ist der Rechtsstaat unerbittlich und stur, indem er behauptet, nur Frauen könnten und dürften gebären und nur Männer Samen spenden. So ist es laut aktueller Rechtslage für trans* Personen, welche ihre natürliche Zeugungsfähigkeit behalten, zwar durchaus möglich, Kinder zu zeugen – allerdings gelten laut Rechtsprechung Transmänner als Kindsmutter und Transfrauen wiederum als Kindsvater.
Ihnen wird somit abermals das eigene Geschlecht aberkannt, entgegen der versprochenen „freien Entfaltung der Persönlichkeit“. Und das nur, um eine „Norm“ aufrechtzuerhalten, die meiner Ansicht nach mehr schadet als nutzt.
Begründet wird diese Regelung folgendermaßen: Wird ein Transmann, welcher ein Kind gebärt, als Vater in die Geburtsurkunde eingetragen, so hat der „tatsächliche Vater“, sprich: der Samenspender keine Möglichkeit mehr, seine Ansprüche als Elternteil geltend zu machen. Darüber hinaus geriete das Kind auf diese Art in die Situation eines „Zwangsoutings“, da es bei Vorlage der Geburtsurkunde offenlegen müsse, dass sein Vater ein Transmann sei – und es dadurch zur erheblichen Benachteiligung oder gar Kindeswohlgefährdung kommen könne.
Auch das wiederum sind meiner Meinung nach Argumente, die vollkommen haltlos sind, da die erwähnte Benachteiligung nur deshalb entsteht, weil der Rechtsstaat sich weigert, sein Rechtssystem anzupassen. Würde die „Norm“, dass es zur Zeugung eines Kindes immer zweier gegengeschlechtlicher Elternteile bedarf, sowie die Vorstellung des „ausschließlich männlichen Samen-“, sowie „ausschließlich weiblichen Eizellenträgers“ abgeschafft und angepasst, gäbe es auch keine Diskriminierung mehr, da die „Norm“, welche seit jeher fehlerhaft ist, gar nicht mehr existieren würde – und es auf diese Art auch keinerlei Abweichungen mehr davon gäbe.
All diese Argumentationen mögen auf den „Otto Normalbürger“ nun zunächst wieder verwirrend, beängstigend oder bedrohlich erscheinen, da sie die bisherige „Normalität“ gänzlich niederreißen – sind aber im Grunde genommen leicht zu verstehen, wenn man sich erst einmal darüber bewusst wird, dass diese „Normalität“ nichts weiter als ein sozial erschaffenes Konstrukt ist.
Dies wird erneut dadurch deutlich, dass nicht die „Natur“ vorgeschrieben hat, nur Frauen könnten gebären und nur Männer Samen spenden, sondern dieser „Zusammenhang“ durch menschliche Hand eingeführt wurde. Die Natur hat lediglich vorgegeben, dass Samen- und Eizelle zusammengebracht werden müssen, um neues Leben entstehen zu lassen – keineswegs aber das Geschlecht, welches die Träger der jeweiligen Zellen haben sollen.
Genau aus diesem Grund halte ich die aktuelle Rechtssprechung, Transmänner müssten als Kindsmutter und Transfrauen als Kindsvater gelten, für absolut diskriminierend und nicht vertretbar. Ebenso sämtliche Argumente, die auf „Normabweichung“ und „Kindeswohlgefährdung“ plädieren, da diese auch ausschließlich auf dem bestehenden, sozialen Konstrukt aufbauen.
Damit will ich keinesfalls implizieren, dass die bisher gängige Familienkonstellation, sprich: Vater, Mutter, Kind falsch ist oder gar abgeschafft werden müsse. Allerdings sollte man meiner Meinung nach über die Einführung alternativer Möglichkeiten nachdenken, wie eben die Rechtssprechung von Transmännern als Kindsväter und Transfrauen als Kindsmütter.
Denn im Endeffekt wird niemandem damit geschadet – es werden nur neue, rechtliche Absicherungen für Personen geschaffen, die bisher keine hatten. Und wer jetzt noch immer mit dem Argument der „Kindeswohlgefährdung“ oder gar „Kindesdiskriminierung“ und „-bloßstellung“ kommt, solle sich bitte die oben genannten Ausführungen noch einmal in Ruhe durchlesen.
Nicht die gern bezeichnete „Regenbogenfamilie“ schadet der gesellschaftlichen „Normalität“, sondern die gesellschaftliche „Normalität“ der „Regenbogenfamilie“.
Genau aus diesem Grund sieht meine Meinung dazu, dass Normabweichungen als „Störung“ oder „psychische Krankheit“ hingestellt werden, wie folgt aus: Nicht die „Abweichung“ oder „Andersartigkeit“ ist das Gestörte, sondern die „Norm“ selbst.
Wie ich bereits mehrfach ausgeführt habe: Solange niemand erheblichen körperlichen oder seelischen Schaden nimmt, hat jeder das Recht, sich so zu entfalten, wie es seinen Vorstellungen entspricht. Und so leid es mir auch tut, aber eine erhebliche Benachteiligung eines Kindes dadurch, dass es zwei Väter oder Mütter hat oder dass es von seinem Vater zur Welt gebracht worden ist, kann ich beim besten Willen nicht erkennen – und ebenso wenig, wie dies die angeborene Geschlechtsidentität oder gar Entwicklung des Kindes beeinträchtigen soll.
Ganz im Gegenteil: Ein Kind, das früh mit alternativen Lebensweisen oder -konstellationen in Kontakt kommt, lernt umso eher zu begreifen, dass es nichts „Spektakuläres“, „Ungewöhnliches“ oder „Abnormes“ ist.
Ich persönlich kenne ein lesbisches Pärchen mit zwei leiblichen Kindern – und beide sind glücklich mit ihren „zwei Mamas“, sowie in ihrem sozialen Umfeld bestens integriert und werden durch den Umstand ihrer „außergewöhnlichen Familienkonstellation“ weder benachteiligt, noch ausgegrenzt oder sind gar das Ziel von Mobbing oder Spott. Sie sind genau wie alle anderen Kinder Teil der Gemeinschaft und deshalb weder etwas „Besonderes“, noch „Abnormales“, sondern ganz durchschnittliche Kinder wie alle anderen auch.
Man kann an dieser Stelle nun gerne versuchen, mich eines besseren zu belehren oder vom Gegenteil zu überzeugen – allerdings bedarf es dazu ein wenig mehr als die oben angeführten, gegnerischen „Argumente“, die sehr einfach zu widerlegen sind.
Dieser ganze Text mag nun etwas verschwurbelt geschrieben sein, ich hoffe aber, dass man trotzdem versteht, was ich meine und wie meine Ansicht dazu ist.
Und auch hier betone ich erneut: Es ist meine Meinung und niemand ist gezwungen, sie zu teilen oder zu übernehmen. Ich persönlich halte die vorherrschende und oftmals auch zwangsweise hergestellte „Normalität“ für das eigentliche Problem, nicht jedoch die alternativen Lebensweisen und Familienkonstellationen.
Und meiner Meinung nach beginnt auch hier die Gleichberechtigung dadurch, dass man aufhört, diese alternativen Lebensweisen als „Abweichung“ oder „Krankheit“ zu betrachten und stattdessen damit anfängt, die vorherrschende „Norm“ zu hinterfragen und – wie in oben genannten Beispielen erwähnt – zu erweitern.
Wenn man sich bewusst macht, dass eine Familie, die aus zwei homosexuellen Elternteilen besteht oder in denen der Mann das Kind ausgetragen und die Frau den Samen gespendet hat, kein Ausnahmefall oder gar eine „Attraktion“ ist, dann fängt man vielleicht auch an, etwas Grundlegendes zu begreifen, nämlich: Es sind vollkommen durchschnittliche Familien wie alle anderen auch.
Sie sind völlig normal. Und zwar nicht mehr oder weniger als sämtliche anderen, möglichen Konstellationen.
In diesem Sinne lautet meine Antwort auf die obige Fragestellung wie vorhin bereits angedeutet ganz klar: Nicht die alternativen Lebensweisen und -variationen sind das Gestörte, sondern die vorherrschende und oft zwangsweise hergestellte „Norm“.


Teil 4: Fragen über mein Verständnis für „Otto Normalbürger“

Kannst Du verstehen, dass viele Leute mit den unterschiedlichen Bezeichnungen, Orientierungen und Identitäten überfordert sind?
Wie ich bereits weiter oben erwähnte, wird von niemandem erwartet, dass er alle Geschlechter oder sexuellen Orientierungen kennt, sie sich merkt oder definieren kann. Es ist ganz natürlich, dass man nicht über alles Bescheid wissen kann, gerade dann, wenn man bislang noch gar nichts mit dem Thema „LGBTIQ+“ zu tun hatte. Und ebenso natürlich ist es, dass es in so einem Fall Unklarheiten gibt oder Fragen aufkommen können.
Allerdings macht hier wie schon erwähnt der richtige Ton die Musik: Angenommen, jemand weiß nicht, was „Neutrois“ bedeutet oder fragt aus diesem Grund ganz höflich nach. Die entsprechende neutrois Person wird ihn deshalb nicht köpfen oder beschimpfen, sondern es ihm stattdessen ganz in Ruhe erklären, damit er es verstehen kann.
Sollten danach noch Fragen bestehen, dürfen diese selbstverständlich auch gestellt werden – die entsprechende Person wird sie beantworten – und damit sollte der Fall dann erledigt sein.
Der „Otto Normalbürger“ hat eine Erkenntnis dazugewonnen und bemüht sich in Zukunft, diese im Umgang mit der entsprechenden neutrois Person anzuwenden. Passiert ihm ein Fehler, entschuldigt er sich – und die Sache ist erledigt. Das ist das, was man soziale Kompetenz nennt. Und wie gesagt kann ich das dann auch absolut verstehen.
Mein Verständnis hat jedoch ein Ende, wenn der „Otto Normalbürger“ die Erklärungen der neutrois Person von vorneherein als lächerlich betrachtet, sie als psychische Störung abtut, auf seiner „Zweigeschlechtigkeit“ beharrt und die entsprechende Person absichtlich misgendert.
Denn in dem Fall präsentiert er seine Realität wieder als die „einzig gültige“ und spricht der anderen Person das Recht ab, ihre zu vertreten oder darzulegen. Er beharrt darauf, im Recht zu sein, setzt sich über die Wünsche der anderen Person hinweg und verletzt damit erheblich ihre Persönlichkeitsrechte.
Und das ist ein Punkt, den ich absolut unterste Schublade finde und an dem meine Toleranz auf Null sinkt. Wie ich angemerkt habe, muss der „Otto Normalbürger“ nicht nachvollziehen können, warum die andere Person neutrois ist und ihr Geschlecht so bezeichnet.
Sie tut es, ich bemühe mich, ihren Wünschen und Anliegen nachzukommen – und Ende der Geschichte. Es erwartet niemand, dass ich das „Warum“ verstehe, sondern lediglich ein Mindestmaß an Respekt aufbringe, das ich im Gegenzug auch erwarte.
Ich glaube, der hier erwähnte „Otto Normalbürger“ wäre sicherlich auch beleidigt und verletzt, wenn man ihn nicht mit „Guten Tag, Herr...“ ansprechen, sondern einfach nur „Hey Arschloch“ zu ihm sagen würde.
Wobei – wenn er sich bewusst über die Bitte einer anderen Person hinwegsetzt, sie absichtlich falsch anspricht und ihre Selbstdefinition bewusst ignoriert, nur weil er glaubt, im Recht zu sein, dann passt die zuletzt genannte Anrede für ihn meiner Meinung nach doch am besten.

Kannst Du verstehen, dass Leute sich schwer damit tun, eine Geschlechtsangleichung nachzuvollziehen?
Diese Fragestellung dreht sich vor allem um trans* Personen, welche eine Notwendigkeit zur medizinischen oder operativen Geschlechtsangleichung benötigen, um ein zufriedenes Leben führen zu können.
Wie bereits erwähnt streben nicht alle trans* Personen solche Maßnahmen an oder brauchen sie, manche nur einen Teil davon und manche eben alle, die im Rahmen der Möglichkeiten verfügbar sind. Wer was benötigt, ist eine absolut individuelle Entscheidung, die jeder für sich selbst treffen muss und in die kein anderer sich einzumischen hat.
Dies gilt ebenso für die Reihenfolge oder Priorität der entsprechenden Maßnahmen. Während für manche trans* Personen die Genitalangleichung oder die Hormontherapie den wichtigsten und notwendigsten Schritt darstellt, der oberste Priorität hat, kann dies bei anderen ein völlig anderer Schritt sein, zum Beispiel die Entfernung der Körperbehaarung durch Laserbehandlung (bei Transfrauen), die Mastektomie (bei Transmännern) oder die Angleichung des Vornamens und Personenstandes nach dem Transsexuellengesetz (bei beiden binären Geschlechtern). Welche Schritte notwendig sind, wie der Weg verläuft und welche Maßnahmen die größte Priorität haben, ist von Person zu Person unterschiedlich und individuell, wobei es zwischen Einzelpersonen durchaus Übereinstimmungen geben kann.
Beispielsweise kann es für zwei Transfrauen von hoher Bedeutung sein, ihre Gesichtsbehaarung schnellstmöglich loszuwerden oder eine Hormontherapie zu bekommen. Die eine benötigt dann zusätzlich vielleicht noch die operative Genitalangleichung, während die andere jedoch auch ohne zufrieden ist und keinerlei Notwendigkeit dazu hat, ihr Glied entfernen zu lassen.
Ebenso kann es bei zwei Transmännern passieren, dass beide sich einen Muskelaufbau wünschen, um sich wohlzufühlen. Einer der beiden Männer benötigt zusätzlich noch eine Mastektomie, also die Entfernung seiner „Brüste“, während der andere hingegen absolut kein Problem damit hat und seine „Burschen“ so annimmt, wie sie sind, sie vielleicht sogar bei sexuellen Praktiken integriert und zum Einsatz bringt.
Es mag wie gesagt Parallelen geben, aber der Weg ist grundsätzlich von Person zu Person unterschiedlich – ganz genau wie die Stationen des Weges, sowie die Reihenfolge, in der man sie passiert. Diese Entscheidungen können nur von derjenigen Person getroffen werden, die diesen Weg beschreitet – und niemand hat das Recht, ihr dabei reinzureden oder ihr gar Maßnahmen „aufzuzwängen“.
Deshalb bleibt als Antwort auf die oben genannte Frage nur zu sagen: Ja, ich kann durchaus verstehen, dass jemand, der nicht „betroffen“ ist, sich schwer damit tut, einen solchen Weg nachzuvollziehen. Dies kann meiner Meinung nach nur jemand, der diesen Weg selbst geht – und zwar haargenau den gleichen, mit exakt denselben Stationen.
Alle anderen werden an dieser Aufgabe des „Nachvollziehens“ kläglich scheitern, ganz einfach aus dem simplen Grund, dass dieser Weg nicht ihrer ist. Das ändert aber trotzdem nichts daran, dass man diese Personen respektieren und ganz offen mit ihnen umgehen sollte, so wie man es mit jeder anderen auch tun würde.
Es sind auch nur Menschen, die eben ihren eigenen Weg gehen, beziehungsweise, gehen müssen. Und genau wie alle anderen sind sie darin einzigartig und individuell.
Zusammengefasst: „Otto Normalbürger“ muss keinesfalls nachvollziehen können, warum eine Person den Weg geht, den sie geht – aber ihr mit demselben Respekt und der gleichen Selbstverständlichkeit begegnen wie jeder anderen Person auch. Sie ist deshalb nichts Besonderes, nichts Außergewöhnliches oder gar „Abnormales“, sondern einfach nur ein Mensch, der wie jeder andere sein Leben lebt – und zwar genau so, wie es für ihn richtig ist und es seinem Ich entspricht.
Das muss ich nicht nachvollziehen können, aber es respektieren. Mehr wird sicherlich niemand erwarten.

Kannst Du verstehen, dass viele Leute trans* Personen nicht als „vollständig“ sehen?
Auf diese Frage habe ich eine relativ kurze und bündige Antwort parat: Nein, kann ich nicht. Eine Frau war und ist immer eine vollständige Frau, genauso wie ein Mann auch ein vollständiger Mann ist.
Dabei spielt es absolut keine Rolle, ob die entsprechenden Personen cis oder trans* sind, ob sie am Anfang oder Ende ihre Transition stehen, ob sie „biologisch“, beziehungsweise „körperlich“ der Norm entsprechen oder nicht.
Die Vollständigkeit eines Geschlechts definiert sich nicht über biologische Gegebenheiten, sondern auch wieder einzig und allein durch die Geschlechtsidentität, beziehungsweise das Geschlechtswissen der jeweiligen Person.
Nehmen wir als Beispiel eine zwanzigjährige Transfrau, die keinerlei Genitalangleichungen plant oder wünscht, sich gerade in Transition befindet und Logopädie, sowie Gesichtsepilation zur Geschlechtsangleichung macht. Sie „wird“ nicht erst zur Frau, sie ist es bereits zu diesem Zeitpunkt – und sie war es schon ihr ganzes Leben lang.
Und die Tatsache, dass sie ihr „Glied“ behält – egal ob nun aus gesundheitlichen, persönlichen oder sonstigen Gründen –, ändert an ihrem Geschlecht absolut gar nichts. Sie war, ist und bleibt eine Frau, egal wie stur man auch das Gegenteil behauptet.
Geschlecht befindet sich, wie ich bereits mehrfach ausgeführt habe, im Hirn und nicht zwischen den Beinen. Somit ist es also völlig unerheblich, was „dort unten“ ist oder nicht, da es an der Person und ihrer Identität nichts ändert.
Und was nun, wenn die besagte Frau sich mit dreißig doch dazu entschließt, eine Genitalangleichung zu machen, zum Beispiel aus persönlichen Gründen? Antwort: Auch das ändert absolut gar nichts.
Sie wird deshalb nicht „mehr“ zur Frau als sie es vorher war – und umgekehrt war sie vorher nicht „weniger“ Frau als nach der Genitalangleichung. Ebenso war sie vor der Operation keine „halbe Frau“, die durch die Angleichung zu einer „ganzen“ wird.
Wie gesagt: Eine Frau ist eine Frau und war bereits immer eine, da das Geschlechtswissen entscheidend ist – und nicht der Körper. Selbiges natürlich wieder analog für Transmänner.
Von daher kann ich Leute, die die „Vollständigkeit“ eines Geschlechts von Genitalien und inneren wie äußeren biologischen Gegebenheiten abhängig machen, absolut nicht verstehen – und ebenso wenig das Argument, dass nur diejenigen „echte“ Frauen, beziehungsweise Männer sind, die bereits bei der Geburt eine Vagina oder einen Penis hatten. Das ist nichts weiter als pure Diskriminierung und Ausgrenzung in unserer cisnormativen Gesellschaft.
„Echt“ sind alle Frauen und Männer, die mit dem entsprechenden Geschlechtswissen geboren wurden. Hundertprozentig echt – und nicht ein einziges Prozent weniger.

Kannst Du verstehen, dass Biologie für die meisten einfach wichtig ist?
Die eindeutige Antwort auf diese Frage lautet: Jein. Auf der einen Seite kann ich durchaus nachvollziehen, dass es für die Menschen eine Rolle spielt – zumindest dann, wenn es um die Zeugung von Nachwuchs geht – und der einfachste Weg dazu einfach über den Verkehr zwischen „Mann“, beziehungsweise „Samenträger“ und „Frau“, beziehungsweise „Eizellenträger“ führt.
Allerdings gibt es, wie bekannt ist, auch in diesem Punkt unzählige Alternativen, Möglichkeiten, Chancen und Wege, die man nutzen kann und nutzen sollte. Selbstverständlich ist die Gründung einer eigenen Familie immer ein großes Thema, welches man innerhalb einer Beziehung natürlich auch ausreichend besprechen sollte. Allerdings ist es meiner Meinung nach in jeder Konstellation möglich, Nachwuchs zu zeugen, ganz gleich, welches Geschlecht die entsprechenden Partner auch haben.
Alternativen gibt es wie gesagt genug, sowohl für cis, als auch für trans* und nichtbinäre Menschen.
Der zweite Aspekt, in dem Biologie eine Rolle spielt, ist natürlich das beliebte Thema „Sex“, jedoch sehe ich auch hier keinen wirklichen Grund dafür, warum man „Biologie“ über alles stellen sollte.
Sex ist genauso vielseitig und vielfältig wie wir Menschen es sind – und kann ebenso zwischen allen Personen und Geschlechtern erfolgen. Und das hier gerne verwendete Argument „Aber ein heterosexueller (Cis-)Mann kann nur mit einer Frau schlafen, wenn sie auch eine Vagina hat“ halte ich schlicht und ergreifend für Blödsinn.
Warum, das werde ich innerhalb der nächsten paar Fragen ausführen.

Kannst Du verstehen, dass Leute sich ekeln, wenn sie erfahren, dass ihr Partner früher „biologisch“ anders war?
Kurz und knapp gesagt: Nein. Absolut und total nein. Ich kann nicht einmal so ganz verstehen, warum sie sich ekeln, wenn ihr Partner im Hier und Jetzt anders konstruiert ist als sie erwarten – und noch viel weniger, wenn es sich dabei um etwas Vergangenes, Abgeschlossenes handelt, das im Hier und Jetzt überhaupt nicht mehr relevant ist.
Das bedeutet: Wenn ein Cismann mit einer Transfrau zusammen ist, die vor Jahren ihre Genitalangleichung hatte, ihre Transition längst beendet hat und es keinerlei angebliche „Anzeichen“ mehr gibt, dass sie eine Transfrau und keine Cisfrau ist – wo ist dann das Problem?
Mal angenommen, durch einen Zufall findet dieser Mann nun heraus, dass seine Partnerin eben eine Transfrau ist, ohne diesen Zufall hätte er es aber nie im Leben bemerkt – wo genau ist dann der Unterschied zu vorher?
Okay, der Mann weiß dann über ein Kapitel im Leben der Frau Bescheid, das er bisher nicht kannte. Macht das deshalb einen anderen Menschen aus ihr? Ist sie deshalb plötzlich irgendwer anders, nur weil es mal eine Zeit gab, in der sie halt keine Vagina hatte? Verändert sich dadurch ihr Charakter oder ihre Persönlichkeit?
Wohl kaum. Wo genau also das eigentliche „Problem“ sein soll oder woher dieses benannte „Ekelgefühl“ kommt, erschließt sich mir nicht. Denn all das spielt sich lediglich im Kopf und in den Gedanken des Mannes ab, die aber mit dem Hier und Jetzt, also der Realität, absolut nichts zu tun haben.
Und warum dieser Gedanke, dass die Frau eben früher ein „Glied“ hatte, von welchem zum aktuellen Zeitpunkt absolut keine Spur mehr ist, so ekelhaft sein soll, das werde ich wohl nie verstehen. Selbiges gilt analog natürlich auch wieder für Transmänner, die früher mal eine „Garage“ hatten. Und ich verwende hier das Wort „Vagina“ bewusst nicht, um die Leute ein bisschen zu ärgern.
In dem Zusammenhang wird oft auch gern argumentiert, dass nach einer Geschlechtsangleichung zwar der Körper „weiblich“, beziehungsweise „männlich“ aussehe, der Charakter und die Persönlichkeit jedoch nach wie vor „männlich“, beziehungsweise „weiblich“ seien und auch das bei der Anziehung eine große Rolle spiele.
Menschen, die so argumentieren, vergessen dabei jedoch eines: Es ist nicht der Körper, der das Geschlecht macht – somit wurde der Körper auch nicht verändert, sondern lediglich dem Geschlechtswissen, welches schon immer das richtige Geschlecht hatte, angeglichen.
Man hat dann also nicht einen „weiblichen aussehenden Körper“, aber einen „noch männlichen Charakter“, sondern es wurde schlicht und ergreifend der Körper an den bereits weiblichen Charakter angeglichen. Im Falle von Transmännern ist es natürlich genauso – nur eben umgekehrt.

Kannst Du verstehen, dass Leute sich betrogen fühlen, wenn eine trans* Person ihre Vergangenheit verschweigt?
Wer sich meine Antwort auf die vorherige Frage durchgelesen hat, sollte wissen, wie meine Antwort zu dieser hier lautet: Nein, kann ich nicht. Absolut gar nicht.
Ich verstehe nicht, wie man es mit Betrug vergleichen kann, nur weil eine Person ein abgeschlossenes Kapitel ihrer Vergangenheit nicht in Erwähnung bringt, weil es für sie einfach nicht mehr aktuell ist.
Als vergleichbares Beispiel: Die Freundin eines Ex-Kriminellen, welcher vor unzähligen Jahren mal gegen das Gesetz verstoßen hat, wird auch nicht darauf beharren, dass ihr derjenige alles haarklein darüber erzählt. Eben aus dem simplen Grund, dass es Vergangenheit ist. Abgeschlossen. Beendet. Abgehakt. Sense.
Wenn er es ihr im Nachhinein VON SICH AUS anvertraut, ist das wieder etwas vollkommen anderes – und mit Sicherheit wird sie sich nicht hintergangen oder betrogen fühlen, nur weil derjenige nicht gleich beim ersten Date gesagt hat: „Hey, ich war mal im Knast“.
Wenn allerdings eine trans* Person nicht erwähnt, dass sie trans* war oder ist, dann wird das gleich als Lüge und Betrug ausgelegt und die betreffenden Personen geben sich schwer enttäuscht und gekränkt, weil ihr/e Partner/in angeblich ja „früher ein anderes Geschlecht“ gehabt habe.
Auch wenn ich nun selbst dabei bin, es gebetsmühlenartig zu wiederholen, aber das war, ist und bleibt schlicht und ergreifend Nonsens. Eine trans* Person hatte nie ein anderes Geschlecht – lediglich ihr Körper hat früher nicht zu ihrem Geschlecht gepasst und musste daher angeglichen werden.
Und ich bin mir sicher, dass es mehr als genügend Paare gibt, bei denen der eine auch nicht über jede Operation des anderen Bescheid weiß, ganz gleich, in welchem Bereich sie vorgenommen wurde.
Und für alle die, die jetzt wieder mit dem Argument kommen, dass das ganz was anderes sei – nein, das ist es eben nicht. Es ist haargenau dasselbe.
Wie gesagt: Wenn das Vertrauen da ist und die trans* Person es für nötig oder wichtig erachtet, wird sie ihrem geliebten Partner VON SICH AUS von ihrer Geschichte erzählen und sie ihm anvertrauen. Und jegliche Nachfrage in diese Richtung ist schlicht und ergreifend respektlos und gehört sich nicht.
Und falls der- oder diejenige sich im Nachhinein wirklich betrogen fühlt, dann sollte die betreffende Person sich zuerst an die eigene Nase fassen und sich überlegen, was SIE dem Partner bislang alles NOCH NICHT erzählt hat. Und wer an der Stelle sagen will: „Da gibt es nichts, denn ich lüge nie“, der hat es just in diesem Moment getan.
Wie bereits gesagt: Da wird nichts verschwiegen und es wird auch nicht betrogen – und jeder, der das nach diesen Erläuterungen noch so betrachtet, hat meines Erachtens nach nichts begriffen.

Kannst Du verstehen, dass Leute es abstoßend finden, wenn jemand ein anderes Genital hat als sie erwarten?
In der vorangegangenen Frage ging ich von einer Post-OP-Situation aus, sprich: Die entsprechende trans* Person hatte bereits ihre operative Genitalangleichung und bringt dies in der Partnerschaft nicht in Erwähnung.
Diese Frage geht von der Prä-OP- oder Non-OP-Situation aus, also von einer trans* Person, die noch keine entsprechende Genitalangleichung hatte oder die keine braucht, um sich wohlzufühlen.
Um dazu ein kleines, anschauliches Beispiel zu geben: Ein (Cis-)Mann kommt mit einer Prä- oder Non-OP-Transfrau zusammen, in Unkenntnis darüber, dass diese ein Glied hat, lässt sich auf sie ein und findet es erst im Nachhinein heraus – entweder, weil die Frau es ihm von sich aus erzählt oder weil er es in einem intimen Moment entdeckt.
Kann ich verstehen, dass der betreffende Mann sich jetzt ekelt, die Flucht ergreift oder der Frau Täuschung und Lüge unterstellt? Meine Antwort: Nein, nicht wirklich.
Einerseits finde ich es durchaus nachvollziehbar, dass derjenige dann vielleicht überrascht ist und unter Umständen auch Zeit braucht, um diese „Neuigkeit“ anzunehmen oder sie zu verarbeiten. Da nehme ich ihm auch nichts weg. Allerdings finde ich persönlich es unmöglich, wenn er aufgrund dessen ausflippt, gewalttätig wird oder sofort den Kontakt abbricht.
Denn jetzt mal ganz ehrlich: Was genau verändert sich denn durch diese „Entdeckung“? Die Frau hat ein anderes Genital als er gedacht hat, okay. Das heißt, dass der sexuelle Verkehr anders erfolgen würde als er es bisher vielleicht kennt. Aber ändert sich deshalb etwas an der Persönlichkeit der Frau? Ändert sich ihr Charakter? Ändern sich gemeinsame Vorlieben und Interessen? Von mir ein klares Nein.
Alles, was sich hier tatsächlich ändert, ist die sexuelle Praxis, der Intimverkehr der beiden. Mehr aber auch nicht. Die Frau ist immer noch derselbe Mensch, hat immer noch die gleichen, charakterlichen Eigenschaften, die gleichen Interessen und Vorlieben. Nur eben nicht das Genital, das der Mann an dieser Stelle erwartet hat.
Was genau das jetzt für einen Unterschied machen oder weshalb es sich um Täuschung und Betrug handeln soll, nur weil die Frau ein Glied hat und keine Vagina, erschließt sich mir nicht wirklich.
Und es fällt mir auch äußerst schwer, Menschen zu verstehen, die dahinter Täuschungsabsichten, das Erschleichen von Vorteilen oder gar Betrug sehen. Sicherlich, der optimale Weg wäre es, Details über Intimkonfigurationen bereits vorher abzuklären und solche „Überraschungen“ zu vermeiden – allerdings besteht dann eben für den Großteil der betreffenden Frauen die Gefahr, dass der Partner sich abwendet, den Kontakt meidet oder sich gar nicht erst auf sie einlässt, geschweige denn, auf eine entsprechende sexuelle Begegnung, da er der Ansicht ist, dass er mit so einer Frau keinen Sex haben kann, weil er keinen Gefallen daran finden würde.
Dem steht allerdings das Folgende entgegen: Wenn der Mann es nicht auf den Versuch ankommen lässt und es nicht ausprobiert – woher will er dann mit Sicherheit sagen können, dass es ihm nicht gefallen würde?
Er kann es gar nicht wissen – er geht nur davon aus, weil die gesellschaftliche „Norm“ ihm beigebracht hat, dass eine Frau eine Vagina haben muss, ansonsten sei sie keine „richtige“ Frau, geschweige denn, liebens- oder gar begehrenswert.
Und selbstverständlich steht es jedem frei, Vorlieben für bestimmte Intimkonfigurationen zu haben – allerdings sollte man meiner Meinung nach nicht gleich abblocken, wenn diese Vorliebe nicht gegeben ist, sondern auch mal dazu bereit sein, etwas Neues oder Unbekanntes auszuprobieren. Wenn einem das im Nachhinein nicht gefällt, kann man offen darüber reden, aber man sollte nicht bereits vorher schon abblocken und behaupten, dass es einem nicht gefällt, wenn man es gar nicht objektiv beurteilen kann.
Ich zum Beispiel kann auch nicht beurteilen, ob mir der Sex mit einem „Menschen mit Glied“ (also entweder Transfrau ohne oder Transmann mit Genitalangleichung) gefallen würde oder nicht, da ich selbigen bislang noch nicht hatte.
Und genau deshalb schließe ich das auch nicht aus, bis ich nicht eine entsprechende Erfahrung gemacht habe und dazu in der Lage bin, mir wirklich eine objektive Meinung dazu zu bilden. Und außerdem bin ich der Ansicht, dass Sexualität so vielseitig und individuell ist, dass es IMMER einen Weg gibt, der alle Parteien zufriedenstellt – vollkommen gleich, über welche Intimkonfigurationen diejenigen verfügen oder nicht.
Von daher: Nein, ich kann es nicht wirklich verstehen, warum man einen Menschen aufgrund eines abweichenden Genitals plötzlich abstoßend findet, wenn man vorher doch zu ihm hingezogen war oder ihn attraktiv fand.
In dem Zusammenhang habe ich auch schon oft das Argument gehört, dass man von einem heterosexuellen (Cis-)Mann nicht erwarten kann, dass er eine (Trans-)Frau mit „Glied“ genauso wahrnimmt oder behandelt wie eine Cisfrau ohne. Ich hingegen sage: Doch, das kann man eben schon erwarten. Wenn der Mann von ihr als Person angetan ist, wenn er sich zu ihr hingezogen fühlt und sie attraktiv findet – was macht es dann bitte für einen Unterschied, welches „Ding“ da letztendlich zwischen den Beinen ist? Nur, weil der betreffende Mann eingetrichtert bekommen hat, dass ein „Glied“ ein männliches Attribut sei und nicht zu einer Frau gehört? Nicht im Ernst.
Wie ich bereits erwähnt habe, ist es absolut jedem freigestellt, seine Vorlieben zu haben und frei für sich zu entscheiden, was ihm gefällt und was nicht. Dazu gehört auch die freie Entscheidung über die Wahl seiner Sexualpartner. Allerdings sehe ich es, entgegen aller Argumentationen, sehr wohl als Diskriminierung an, wenn ein Mann nur aufgrund dieses Umstandes, dass sie ein Glied hat, nicht mit der Frau schlafen will oder deshalb das Interesse verliert, wenn es vorher ausreichend vorhanden war. Denn er verurteilt die entsprechende Frau wieder für einen Umstand, für den sie selbst nichts kann. Und dieses Verhalten ist, wie ich in einer anderen Antwort schon gesagt habe, dann sehr wohl als Diskriminierung zu werten, da die Ausgrenzung nicht erfolgen würde, wenn der entsprechende Umstand nicht gegeben wäre.
Ebenso hat das, wie von vielen gerne behauptet, auch gar nichts mit Bisexualität zu tun. Es ist schlicht und ergreifend falsch, dass ein Mann bisexuell sein muss, um eine Frau mit „Glied“ attraktiv finden zu können. Und dass es schwule Männer gibt, die so etwas attraktiv finden, ist in meinen Augen der größte Nonsens aller Zeiten.
Ein schwuler Mann findet Männer anziehend, keine Frauen – und eine Frau ist kein Mann, völlig unerheblich ob sie ein Glied hat oder nicht, da dieses, wie ich bereits mehrfach betont habe, absolut gar nichts über ihr Geschlecht aussagt, geschweige denn, etwas damit zu tun hat.
Ebenso ist es falsch, dass ein Mann bisexuell ist oder sein muss, um eine Frau mit Glied attraktiv finden zu können. Man verliebt sich in das Geschlecht und den Charakter einer Person – und wie wir inzwischen gelernt haben sollten, haben weder das eine, noch das andere etwas mit Genitalien zu tun. Folglich ist ein Mann, der NUR auf Frauen steht (egal ob cis oder trans*) HETERO – und sonst gar nichts.
Was aber ist ein Mann, der mit einer Transfrau vor ihrer Transition nichts zu tun haben wollte, allerdings danach total auf sie steht, nur weil sie jetzt eine Vagina hat? Ich denke, man kann meine Antwort darauf schon erahnen, oder? Richtig: Ein Arschloch.
Wenn er vor der Angleichung nichts von ihr wollte, braucht er danach auch nicht angekrochen zu kommen, denn der Gute vergisst, dass der Mensch sich während dieses Prozesses nicht geändert hat, sondern immer noch derselbe ist wie vorher. Und wenn man ihn vorher nicht wollte oder lieben konnte, braucht man danach auch nicht mehr angetapst zu kommen. Denn entweder liebe ich einen Menschen so wie er ist – oder gar nicht.
Und was ist ein Mann, der NUR aufgrund ihres Genitals auf die entsprechende Transfrau steht? Meine Antwort: Nicht wesentlich besser als der oben genannte Kamerad. Denn abermals wird hier die Gesamtpersönlichkeit, das, was den Menschen ausmacht, auf ein einzelnes „Teil“ reduziert – und in den meisten dieser Fälle fetischisiert.
Vielen (Cis-)Männern, die Kontakt zu Prä- oder Non-OP-Transfrauen suchen, geht es ausschließlich um sexuelle Reize und Erfahrungen, darum, es einfach mal mit einer „geilen Shemale“ zu treiben. Ernsthaftes Interesse an der Person oder gar einer Beziehung? Totale Fehlanzeige. Jedenfalls im Großteil der Fälle.
Im Übrigen bin ich eine absolute Opponentin des Begriffs „Shemale“, welcher in pornografischen Zusammenhängen seinen Ursprung hat, von Unwissenden jedoch gerne mit der Thematik „trans*“ in Verbindung gebracht wird, in der oberflächlichen Annahme, es handle sich um dasselbe oder es bestünden Ähnlichkeiten.
Dies ist, wie sich aus dem bisherigen Text erschließen sollte, absoluter Nonsens, da die beiden Thematiken absolut GAR NICHTS miteinander zu tun haben – und schon zweimal nicht handelt es sich dabei um „dasselbe“.
Eine Prä- oder Non-OP-Transfrau als „Shemale“ zu titulieren, ist nicht nur eine Diskriminierung, sondern die beleidigendste und verletzendste Bezeichnung von allen. Und wer selbige für erwähnte Prä- oder Non-OP-Transfrauen anwendet, muss sich nicht wundern, wenn er dafür eine schallende Ohrfeige, einen Drink ins Gesicht oder einen gezielten Tritt in die Kronjuwelen kassiert. Alternativ vielleicht auch eine Anzeige wegen Beleidigung – und das, egal wie viele das jetzt belächeln, vollkommen zu Recht.
Es ist schlicht und ergreifend eine Sauerei, für die nicht einmal die berühmte „unterste Schublade“ tief genug ist. Man sagt es einfach nicht. Und man vergleicht es auch nicht miteinander. Das ist respektlos, diskriminierend und beleidigend. Und ich kann absolut jede trans* Person verstehen, die deshalb laut wird und sich angegriffen fühlt. Es gehört sich nicht. Und damit Punkt.
Als Abschluss zu dieser Frage bleibt mir nur noch einmal zu sagen: Wieso ein einziges „Ding“ so viel an der Wahrnehmung ändern soll, begreife ich nicht – aber auch hier muss ich das vermutlich überhaupt nicht. Wie gesagt bin ich der Meinung, dass man es immer auf einen Versuch ankommen lassen sollte, ehe man dazu fähig ist, sich wirklich objektiv eine Meinung zu bilden.
Alles andere ist lediglich subjektiv. Und wo Voreingenommenheit herrscht, kann es auch keinen Fortschritt geben, jedenfalls meiner ganz bescheidenen Meinung nach.

Kannst Du verstehen, dass viele sich keinen sexuellen Kontakt mit trans* Personen vorstellen können?
Durch die Kontakte bei der Selbsthilfegruppe habe ich schon eine Menge Geschichten mitbekommen, besonders was das Thema „trans* und Partnersuche“ angeht, die sich um ein vielfaches komplizierter gestaltet als wenn man einfach „nur“ eine nicht-heterosexuelle Orientierung hat (also zum Beispiel homosexuell, bisexuell, etc). Natürlich ist „Partnersuche“ von Mensch zu Mensch unterschiedlich – und ebenso die Erwartungen, die der einzelne an eine Partnerschaft hat. Während es manchen genügt, ein lockeres, rein auf sexueller Ebene basierendes Verhältnis zu haben, brauchen andere die Nähe, die Verbundenheit zum Partner – und diese ist ihnen viel wichtiger als das Sexuelle.
Ganz besonders für Demisexuelle, welche ich ebenfalls im Bekanntenkreis habe – also Menschen, die erst dann sexuelle Anziehung verspüren, wenn sie zu der Person eine enge, emotionale Bindung aufgebaut haben –, ist dieses Thema immens schwierig.
Vielen Demisexuellen oder generell Menschen, die eine enge Bindung höher stellen als den sexuellen Kontakt, wird es oft als Frigidität ausgelegt, wenn sie nicht direkt auf Avancen eingehen oder sexuelle Annäherungsversuche abblocken. Das ist meiner Meinung nach absolut oberflächlich und auch beleidigend, da man nicht automatisch frigide ist, nur weil man nicht direkt beim ersten Date miteinander ins Bett hüpfen will.
Ich selbst würde mich als „teilweise demisexuell“ bezeichnen, da es einige Kriterien dieser Definition gibt, die auf mich zutreffen – andere wiederum tun es nicht. Beispielsweise könnte ich mir niemals vorstellen, belanglosen Sex mit einer Person zu haben, der ich nicht nahestehe, zu der ich keine Bindung oder keinen Bezug habe. Dinge wie One-Night-Stands, Affären und ähnliches, in denen es nur um Triebbefriedigung geht, bei denen jedoch keinerlei Gefühle im Spiel sind, erzeugen bei mir einen kalten Schauer und sind mir seit jeher ein Graus.
Das bedeutet allerdings nicht, dass ich One-Night-Stands und Affären grundsätzlich negativ gegenüberstehe. Selbstverständlich bevorzuge ich eine feste Beziehung, in der zwei Menschen innig miteinander umgehen und die auch ausschließlich zwischen ihnen beiden besteht – das steht vollkommen außer Frage.
Wenn nun allerdings eine Person, mit der ich emotional stark verbunden bin, sexuelles Begehren oder Interesse an mir zeigen würde, dann würde ich mich meinem inneren Gefühl nach darauf einlassen.
Nehmen wir folgende Beispielsituation: Ein Mann, nennen wir ihn mal T., für den ich sehr starke Gefühle habe, würde mir vorschlagen, eine Nacht mit ihm zu verbringen, ein paar Zärtlichkeiten auszutauschen oder eine Affäre mit ihm zu beginnen. Würde ich mich darauf einlassen? Mit neunundneunzigprozentiger Wahrscheinlichkeit ja. Auch dann, wenn es ihm nur um sexuellen Kontakt ginge und er keinerlei Gefühle für mich hätte.
Denn was er fühlt oder nicht, das spielt letztendlich keine Rolle. Ich bin diejenige, die emotionale Bindung braucht – und diese ist in so einem Fall ausreichend vorhanden.
Wie bereits erwähnt, alle Kriterien der Demisexualität erfülle ich nicht, jedoch treffen ein paar davon vollstens auf mich zu.
Nun aber zurück zur eigentlichen Fragestellung: Durch den Stammtisch habe ich wie gesagt schon viele Geschichten gehört und es werden natürlich auch sexuelle Dinge thematisiert. Dabei lässt sich trotz aller Unterschiede der jeweiligen Personen häufig eine große Gemeinsamkeit feststellen: Kontakte auf freundschaftlicher Basis zu knüpfen ist für viele gar nicht so schwierig – das klappt beim Großteil sehr gut.
Wenn es allerdings über Freundschaft hinausgeht, dann wird die Sache schon wesentlich komplizierter. Sowohl in zwischenmenschlicher als auch sexueller Hinsicht. Anders gesagt teilt sich die Menschheit dann in zwei große Gruppen auf: Die erste Gruppe sind Menschen, die zwar gar kein Problem damit haben, mit einer trans* Person befreundet zu sein – sobald es jedoch mehr wird, sprich: Interesse an einer Beziehung besteht, distanzieren sie sich ganz klar und setzen eine Grenze, die sie nicht zu übertreten wagen.
Gerade heterosexuelle Transfrauen berichten oft von dieser Erfahrung, dass ein Mann, mit dem sie zuvor befreundet waren und sich gut mit ihm verstanden haben, plötzlich auf Abstand geht oder gar den Kontakt abbricht, sobald das Interesse der jeweiligen Frau an ihm über Freundschaft hinausgeht.
Mit einer trans* Person befreundet sein ist scheinbar keine große Sache – aber eine ernsthafte, zwischenmenschliche Beziehung mit ihr zu haben ein Ding der Unmöglichkeit. Und die meisten dieser (Cis-)Männer, die sich so offen und tolerant im Umgang mit ihnen zeigen, bringen als Argument dann häufig vor, dass sie die betreffende Person zwar sehr mögen, aber „heterosexuell“ seien.
Also, mir persönlich wurde beigebracht, dass ein Mann, der auf Frauen steht, heterosexuell ist. Da müsste ich an der Definition schon vieles missverstanden haben. Zusammengefasst gesagt: Solang es nur um Freundschaft geht, wird die Transfrau als „ganz normale Frau“ gesehen – sobald allerdings tieferes Interesse vorhanden ist, wird doch wieder nach den typischen Stereotypen und Klischees beurteilt, ganz nach dem Motto: „Naja, im Endeffekt warst du ja doch mal ein Mann“.
Mit anderen Worten: Die entsprechende Frau ist interessant genug, um sich mit ihr abzugeben, aber andererseits doch zu „freakig“, um erwarten zu können, dass man sie so betrachtet wie man jede andere Frau auch betrachten würde.
Engerer oder gar sexueller Kontakt mit ihr sind ein No-Go – aber für die Freundschaftsschiene reicht es dennoch aus. Man will ja schließlich nicht als diskriminierendes, voreingenommenes Arschloch gelten. Haargenau das sind aber meiner Meinung nach diejenigen, die nicht fähig sind, über ihre Grenzen von „normal“ und „unnormal“ hinauszusehen, geschweige denn, sie zu übertreten.
Wenn es zwischenmenschlich passt, man sich mag und versteht – warum spielt es dann so eine große Rolle, ob man trans* ist oder nicht? Simple Antwort: Weil es für die meisten eben doch nicht „normal“ ist. Und das finde ich persönlich ehrlich gesagt traurig.
Ganz besonders dann, wenn trans* Personen fetischisiert werden, womit ich zur zweiten Gruppe kommen möchte: Diese Gruppe kann sich nämlich sehr wohl Sex mit trans* Personen vorstellen. Allerdings eben nur Sex – und das auch nur dann, wenn er hinter verschlossenen Türen stattfindet und niemand etwas davon mitbekommt. Wie ich in einer anderen Frage schon erwähnte: Es gibt durchaus nicht wenige, die ihre „Triebe“ gerne mal mit einer „geilen Transe“ ausleben und befriedigen wollen – aber auch nur dann, wenn es geheim bleibt und keiner was davon erfährt. Nicht auszudenken, was wäre, wenn die Leute das mitkriegen würden. Das sehen viele als Untergang ihres gesellschaftlichen Images an. Aber solange es geheim bleibt, haben die entsprechenden Personen (vorrangig (Cis-)Männer) durchaus auch Bock drauf, mal ne „Transe“ zu knallen – besonders natürlich Prä- oder Non-OP-Transfrauen mit „Zusatz“.
Was ich persönlich dazu zu sagen habe? Einen Augenblick bitte, ich muss erstmal runter ins Bad und mich übergeben.
Jetzt mal ganz ehrlich: Trans* Personen sind keine Fetischobjekte. Sie sind kein Gegenstand, kein „Ding“ – und erst recht kein Spielzeug, mit dem man machen kann, was man will. Sie sind MENSCHEN. Und zwar auch nicht mehr oder weniger normal als andere. Und als solche haben sie auch das Recht dazu, anerkannt und geliebt zu werden. Mit allem, was sie sind, wie sie sind und was sie ausmacht. Selbstverständlich haben sie oft mehr Probleme als andere, was aber nicht an ihnen oder ihrer Geschlechtsidentität selbst liegt, sondern schlicht und ergreifend an der Feindseligkeit, mit der ihnen die Gesellschaft begegnet. Und jeder, der sie aufgrund ihrer (Vor-)Geschichte meidet, ausgrenzt oder ihnen gar das Recht abspricht, ein Mensch zu sein (was ich leider auch schon mal gehört habe), ist in meinen Augen derjenige mit dem WIRKLICHEN Problem.
Die vielen Erfahrungsberichte meiner Freunde und Bekannten, dass der Großteil der (Cis-)Menschen entweder gar nichts von ihnen will oder wenn überhaupt, dann nur sexuelle, belanglose Kontakte, setzen mir immer wieder zu und machen mich oft auch sehr aggressiv.
Schon manches Mal habe ich ganz besonders von Frauen mit trans* Hintergrund gehört, dass sie sich einfach nur danach sehnen, geliebt zu werden. Sie erwarten nicht, dass man sie auf Händen trägt oder gar bevorzugt, auch fordern sie von niemandem, dass er UNBEDINGT auf sie stehen muss, wenn er hetero ist. Alles, was sie möchten, ist die Möglichkeit dazu, einen eigenen Eindruck zu vermitteln – und nicht gleich von vorneherein aussortiert zu werden, bloß weil sie trans* sind.
Mit anderen Worten: Sie wollen nichts weiter als eine faire Chance. Und ich bin der Meinung: Egal, welche Vorlieben man hat, welche Ansichten man vertritt, wie man der Thematik „trans*“ grundsätzlich gegenübersteht – das Recht auf eine gerechte Chance sollte man jedem Menschen einräumen. Denn oft entwickeln sich die schönsten Dinge genau da, wo man sie am wenigsten erwartet.
Abschließend bleibt mir zu dieser Fragestellung zu sagen: Ich kann sehr gut verstehen, dass jeder Mensch seine Vorlieben und Ansichten hat. Und es hat jeder das Recht dazu, diese zu vertreten. Allerdings sollte man immer aufgeschlossen sein, auch für Dinge, die man bisher gar nicht in Erwägung gezogen hat. Denn nur dann, wenn man etwas Neues wagt und sich darauf einlässt, kann man sich auch wirklich eine objektive Meinung dazu abbilden.


Teil 5: Fragen über meinen Umgang mit „trans*“

Wie würdest Du reagieren, wenn Du im Nachhinein herausfindest, dass Dein/e Partner/in trans* ist?
Diese Frage ist für mich recht leicht zu beantworten, da ich dem Thema an sich sehr offen und auch interessiert gegenüberstehe, weshalb die Antwort darauf eigentlich auch relativ klar sein dürfte.
Trotzdem führe ich es mal anhand eines (maskulinen) Beispiels genauer aus: Gehen wir davon aus, ich lerne nun zufällig im Alltag einen Mann kennen, an dem ich Interesse habe. Wir finden uns auf Anhieb sympathisch, verstehen uns gut und entdecken auch die ein oder andere Gemeinsamkeit.
Wir treffen uns einige Male, lassen uns aufeinander ein und es entstehen schließlich beidseitig Gefühle. Ich ahne nichts davon, dass er ein „kleines Geheimnis“ hat – und würde selbstverständlich auch niemals danach fragen, da es zum einen respektlos und teilweise auch verletzend ist – und es mich zum anderen zu diesem Zeitpunkt auch nichts angeht.
Nach einiger Zeit schließlich kommt man sich näher, entwickelt eine Bindung und es führt letztlich eines zum anderen. Wir stehen kurz davor, intim zu werden – und der betreffende Mann schweigt immer noch, möglicherweise aus Angst oder Unbehagen.
Erst kurz bevor es zum „Eigentlichen“ kommt entdecke ich, dass er ein Transmann ist und mir ein entscheidendes Detail über seine Intimkonfiguration vorenthalten hat. Wie reagiere ich? Ergreife ich panisch die Flucht? Fange ich an, ihn auszuschimpfen? Werfe ich ihn auf der Stelle raus?
Natürlich nicht. Aus dem simplen Grund, dass es vollkommen Jacke wie Hose ist, was er „unten“ hat oder nicht und es für mich keinerlei Unterschied macht. Er ist immer noch der gleiche Mensch, der er vorher war. Hat immer noch die gleichen Interessen. Immer noch dieselbe Persönlichkeit. Nur der Sex läuft eventuell ein wenig anders als ich bis zu diesem Zeitpunkt angenommen habe. Macht das jetzt einen gravierenden Unterschied?
Nein. Absolut nicht. Er ist wie gesagt immer noch die gleiche Person.
Möglicherweise war das nun auch ein schlechtes Beispiel, da ich bisher ja ohnehin nur an Transmännern Interesse zeige.
Deshalb jetzt noch ein besseres, anschaulicheres: Selbige Situation wie oben beschrieben, nur handelt es sich bei der Person um eine Transfrau. Wieder bin ich in völliger Unkenntnis darüber, dass sie eine Transfrau ist, die noch keine Genitalangleichung hatte oder plant. Ich entdecke es erst, als wir intim werden. Wie würde ich reagieren?
Ehrlich gesagt: Ich wäre überrascht. Und vermutlich würde ich sie sicherlich auch fragen, warum sie nicht vorher mit mir darüber gesprochen hat. Nicht, dass es für mich irgendeinen Unterschied machen würde – und selbstverständlich ist es allein ihre Sache, ob sie vorher etwas sagt oder nicht.
Der Ehrlichkeit und des Vertrauens halber fände ich es allerdings besser, wenn sie mich kurz vorher aufklärt, bevor ich die „unerwartete Überraschung“ auspacke. Falls sie dies nicht tut oder möchte, so würde ich selbstverständlich auch das respektieren, da sie sicherlich ihre Gründe dafür hätte, es mir nicht zu sagen. Und es sollte selbstverständlich sein, dass ich sie auch niemals darüber ausfragen, geschweige denn, dazu zwingen würde, mich über ihre Intimkonfiguration aufzuklären.
Ich kann, beziehungsweise könnte mit beidem umgehen – und ob sie vorher was sagt oder nicht, ist letztlich ihre Entscheidung. Das Vertrauen wäre allerdings umso stärker, wenn sie es vorher von sich aus anspricht.
Zusammengefasst lautet die Antwort auf die oben genannte Fragestellung: Für meine Wahrnehmung oder das Interesse an sich würde es absolut keine Rolle spielen, ob ich vorher weiß was „unten“ ist oder nicht – für die Ehrlichkeit zwischen uns hingegen schon.
Selbiges gilt natürlich auf für sämtliche Post-OP trans* Personen, bei denen ich es „im Nachhinein“ erfahre. Auch hier hängt die Entscheidung, ob sie es mir erzählen wollen oder nicht, einzig und allein von ihnen ab. Tun sie es, freue ich mich über ihre Ehrlichkeit – tun sie es nicht, verändert das zwischen uns rein gar nichts.

Würdest Du Deine/n Partner/in bei geschlechtsangleichenden Maßnahmen begleiten?
Gehen wir davon aus, ich bin in einer Beziehung mit einer Person, die sich bislang als „Frau“ oder „Mann“ eingeordnet hat, nun aber merkt, dass dies gar nicht ihr wirkliches Geschlecht ist, sondern sie dem jeweils anderen zugehört. Würde ich die Beziehung deshalb beenden?
Ich denke, es sollte auf der Hand liegen, oder? Selbstverständlich nicht. Wobei ich hier durch meine Bisexualität den „Vorteil“ habe, dass es im Endeffekt Jacke wie Hose wäre, welchem binären Geschlecht mein/e Partner/in letztlich angehört.
Sicherlich wäre es zweifellos ein Weg, den sie oder er damit auf sich nimmt und bei dem jede einzelne Entscheidung eine ganz individuelle ist. Da es mir aber um den Menschen geht, nicht darum, inwieweit er der „biologischen Norm“ entspricht, denke ich mal, dass unsere Beziehung trotz des langen Weges halten würde.
Und an dieser Stelle sei erwähnt: Ich spreche hier wieder ausschließlich für mich. Wie andere Menschen mit einem plötzlichen „Coming-out“ ihres Partners als „trans*“ umgehen, ist ganz verschieden und es steht mir absolut nicht zu, darüber zu urteilen. Und selbstverständlich ist jedem freigestellt, zu entscheiden, ob er eine ursprünglich hetero-, beziehungsweise homosexuelle Beziehung aufgeben und das jeweilige Gegenteil annehmen kann.
Trotzdem bin ich auch hier der Meinung, dass man keine voreiligen Konsequenzen ziehen, sondern sich in Ruhe damit auseinandersetzen und es abklären sollte. Vielleicht stellt der oder die jeweilige Partner/in ja fest, dass seine bisher angenommene, sexuelle Orientierung doch nicht seine wirkliche war und er mit der Transsexualität seines Partners kein Problem hat. Im Klartext heißt das: Ein bislang hetero- oder homosexueller Partner merkt vielleicht, dass er genau das andere ist – oder (wie in meinem Fall) bisexuell.
Letztendlich ist es wie gesagt eine ganz individuelle, absolut persönliche Entscheidung, die jeder für sich selbst treffen muss, um herauszufinden, ob er eine Geschlechtsangleichung des Partners mittragen kann oder nicht. Bevor man jedoch wie gesagt vorschnell entscheidet, sollte man sich wirklich zuerst intensiv damit auseinandersetzen und auch seine eigene sexuelle Orientierung hinterfragen. Vielleicht merkt man ja, dass „hetero“, „homo“ und dergleichen letztlich doch nur Wörter sind und rückt das Eigentliche in den Mittelpunkt: Nämlich den Menschen, den man über alles liebt.

Wenn Dein/e Partner/in keinerlei medizinische Angleichungen plant - wäre das für Dich ein Problem?
Gehen wir davon aus, ich käme mit einer Transfrau oder einem Transmann zusammen, die keinerlei medizinische oder operative Angleichungen planen. Da ich das Thema „angleichende Operationen“ bereits ausreichend beleuchtet habe und klar sein dürfte, dass mir das komplett schnuppe ist, gehe ich in dieser Frage auf andere Maßnahmen ein, die zum Angleichungsprozess gehören. Dazu zählen unter anderem:
Stimmanpassung (bei Transfrauen), Gesichts- oder Körperepilation (bei Transfrauen), Hormontherapie (bei Transfrauen und -männern), Mastektomie (bei Transmännern), Muskelaufbau (bei Transmännern), sowie sämtliche weiteren, die mir jetzt gerade auf Anhieb nicht einfallen.
Mit anderen Worten: Eine Person nimmt keine dieser Maßnahmen in Anspruch, sondern verändert lediglich ihren „Geschlechterausdruck“ (auf Englisch „gender expression“ genannt), um erkennbar zu machen, welches ihr tatsächliches Geschlecht ist.
Nun stellt sich die Frage, inwieweit ich das mittragen könnte oder ob es ein Problem für mich darstellen würde. Hier muss ich ganz ehrlich sagen: Es käme darauf an, wie sich die „gender expression“ gestaltet.
Um ein Beispiel zu geben: Angenommen, meine Nachbarin identifiziert sich fortan als „männlich“ und ändert ihre Pronomen in „er“, beziehungsweise die Anrede in „Herr“, nimmt aber ansonsten nichts weiter in Anspruch, um ihren Geschlechterausdruck anzupassen.
Es steht vollkommen außer Frage, dass ich ihre Selbstdefinition respektieren und die entsprechenden Anredeformen verwenden würde – ob ich allerdings dann auch eine feste Partnerschaft mit ihr eingehen könnte, wäre tatsächlich wieder eine Sache des Versuchens.
Wie bereits erwähnt, ist ein konstanter, klarer Geschlechterausdruck meines Partners für mich von sehr großer Bedeutung, da dies einer der wenigen Punkte ist, auf die ich bei der Partnersuche achte. Wo genau dieser „klare Ausdruck“ anfängt und womit er endet, darüber hat jeder sicherlich eigene Vorstellungen und es wird auch von jedem anders interpretiert.
Für mich bedeutet es nicht, irgendwelchen Geschlechtsstereotypen zu entsprechen und sich diesen unterzuordnen, sondern für sich selbst herauszufinden, was zu einem passt und wie man sich wohlfühlt. Dieser Ausdruck vermittelt in der Regel die „erste Wahrnehmung“ durch andere Personen, welche natürlich nicht der Selbstwahrnehmung der Person entsprechen muss.
Trotzdem finde ich persönlich es wichtig, dass man das verkörpert, was man ist – schließlich ist es ja letztendlich das, als was man auch wahrgenommen werden will. Und eine bloße „Behauptung“, der kein entsprechender Geschlechterausdruck folgt, reicht für mich zwar dazu aus, die entsprechende Person korrekt zu gendern, also sie gemäß ihrer Selbstdefinition anzusprechen – jedoch noch nicht für eine partnerschaftliche Anziehung.
Wer nun behauptet, ich würde hier selbst meinen oben genannten Argumenten gegen „Oberflächlichkeit“ widersprechen, der liegt teilweise sogar richtig, denn letztendlich bin ich durch diese Einstellung und Auffassung auch ein Stück weit oberflächlich, da ich von einer anderen Person erwarte, sich entsprechend zu präsentieren, um auch attraktiv auf mich wirken zu können.
Jedoch möchte ich an der Stelle einen kleinen Unterschied festhalten, welcher in diesem Zusammenhang gerne außer Acht gelassen wird: Es macht nämlich sehr wohl etwas aus, ob ich etwas nur „behaupte“ oder es auch tatsächlich bin.
Und ich persönlich kenne offen gesagt keine trans* Person, die ihr Geschlecht nicht nach außen hin erkennbar präsentiert. Selbstverständlich auf ebenso individuelle Art und Weise wie die Persönlichkeit jedes einzelnen individuell ist. Während manche sich zahlreicher „Klischees“ bedienen, die sie mit einem Geschlecht in Verbindung bringen, tun andere es nicht – und haben trotzdem einen deutlich erkennbaren Geschlechterausdruck.
So kenne ich zum Beispiel viele Transfrauen, die null Wert auf Make-Up oder „weibliche“ Kleidung legen – und trotzdem von mir sofort ihrem Geschlecht entsprechend zugeordnet werden können. Und genau das ist es, was ich meine und worauf es ankommt: Gender expression. Sowohl optisch, als auch von den Verhaltensweisen her. Und dabei möchte ich deutlich betonen: Optik und Verhalten sind zwei grundverschiedene Dinge.
Meine beste Freundin zum Beispiel würde man ihrem Verhalten nach sofort als „männlich“ einstufen – und trotzdem ist es klar erkennbar, dass sie dem weiblichen Geschlecht zugehört. Man könnte sagen, es geht um beides, um die Abstimmung dieser beiden Punkte aufeinander, um die „gender expression“ und damit das korrekte Geschlecht entsprechend zu vermitteln.
Das ist nun wieder ziemlich verschwurbelt geschrieben, ich hoffe aber, dass man trotzdem verstehen kann, was ich meine und worauf ich hinauswill. Ein anderes Beispiel, welches mir hierzu noch einfällt, ist der allseits bekannte T., welcher sich bei unserer ersten Begegnung nicht nur als männlich vorgestellt hat, sondern bei dem auch direkt auf den ersten Blick erkennbar war, dass er es ist. Und genau das macht für mich persönlich den entscheidenden Punkt aus.
Wie gesagt – das Spektrum der „gender expression“ ist immer ganz individuell und von Person zu Person unterschiedlich. Für mich persönlich ist sie sehr wichtig und ein grundlegendes Entscheidungskriterium dafür, ob ich jemanden anziehend finde oder nicht.
Angemerkt sei hier noch, dass man bei diesem individuellen Thema immer genau hinschauen und sich nicht von einem „oberflächlichen ersten Blick“ leiten lassen sollte, da dieser oftmals auch trügen kann.
Insofern ist meine Antwort auf die obenstehende Frage: Wenn mein/e Partner/in sein/ihr Geschlecht erkennbar präsentiert, ist es mir letztlich gleichgültig, welche „Klischees“ er/sie erfüllt oder nicht und welche angleichenden Maßnahmen in Anspruch genommen werden.
Wichtig ist, dass derjenige mich anspricht – und sobald das einmal geschehen ist, ist mir der Rest relativ egal.

Wenn Du einen Transmann triffst, der noch keine operative Angleichung hatte oder plant – wie würdest Du ihn betrachten?
Diese Frage sollte sich anhand der oben genannten Ausführungen, sowie dem bisherigen Text automatisch erschließen: Als männlich natürlich. Und zwar einhundertprozentig. Welche Angleichungen er will, muss er entscheiden – darüber zu bestimmen oder zu urteilen steht mir in keiner Weise zu.
Hat er mich erst einmal von sich überzeugt und mein Herz berührt, dann wird es auch für ihn brennen. Und dann bringt mich in der Regel auch so schnell nichts mehr davon ab.
Zuneigung an dieser Stelle mit einer Rakete zu vergleichen, erscheint mir auch keinesfalls absurd, sondern genau treffend – denn wo sie einmal einschlägt, da sprühen die Funken in der Regel über. Jedenfalls war das bei mir bisher so.

Spielen für Dich biologische Gegebenheiten gar keine Rolle?
Wie sich inzwischen für jeden erschlossen haben sollte, der diesen Text gelesen hat: Nein. Zumindest keine so große, dass ich Personen ausgrenzen würde, die diese Gegebenheiten nicht haben.
Wenn ich mich verliebe, dann in die Person und ihr Geschlecht – und das kennt, wie man nach diesem Text gelernt haben sollte, nur diejenige Person selbst wirklich genau.


Abschließend möchte ich noch einmal ausdrücklich darauf verweisen, dass es sich hier um meine persönlichen Ansichten und Meinungen handelt. Niemand ist dazu gezwungen, diese zu teilen, zu übernehmen oder als „Tatsachen“ anzuerkennen. Jeder, der eine andere Meinung vertritt, darf diese vertreten – und auch die Interpretationen meiner oben genannten Aussagen steht jedem absolut frei.
Ebenso wenig will und werde ich behaupten, dass die hier geschilderten Ansichten die allgemeine Meinung darstellen oder gar allgemeingültig auf alle trans* und nichtbinären Personen anwendbar sind.
Auch weise ich strikt die Behauptung zurück, dass ich in meinen Aussagen eine Realität geschaffen habe, die nicht existiert. Denn sie existiert sehr wohl. Es ist meine Realität, so wie ich sie sehe. Wer eine andere hat, darf diese haben und vertreten. Genau so wie ich hier meine vertrete.

Zu guter Letzt möchte ich die Gelegenheit nutzen und mich bei all den Menschen bedanken, durch die ich innerhalb des letzten Jahres so viel Neues dazugelernt und erfahren habe.
Ihr habt mir die Tür zu einem Raum geöffnet, der mir bisher gänzlich verschlossen war und der mir gezeigt hat, dass unsere Welt vor allem eines ist, nämlich bunt. Durch Euch habe ich gelernt, Farben zu sehen, die ich noch gar nicht kannte, sowie jede einzelne davon in ihrer vollen Schönheit wahrzunehmen und anzuerkennen.
Als ich vor über einem Jahr zu Eurer Gruppe kam, war ich mir zuerst überhaupt nicht sicher, ob ich eigentlich dazupasse. Aber heute weiß ich, dass genau dort mein Platz ist. Bei Euch, als Teil des schönsten „Farbenspiels“, das es auf der Welt gibt.
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