Ein Licht in der Dunkelheit

GeschichteAbenteuer / P16
Eragon (Elf) Murtagh OC (Own Character)
30.09.2018
25.08.2019
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Wie viele wahrscheinlich merken werden, ist dies der zweite Anlauf dieser Fanfiktion. Obwohl ich mich lange Zeit nicht mit ihr beschäftigt habe, liegt sie mir doch sehr am Herzen, denn viel Zeit ist in diese Kapitel geflossen. Ich weiß nicht, ob ich sie jemals zuende führen kann... wer mich schon länger verfolgt kennt meine "Unbeständigkeit", aber ich hoffe, dass sie uns noch an viele schöne Orte führen kann.

Da ich mit dem Überarbeiten schon einige Kapitel voraus bin, wird vorerst regelmäßig (!!!!) jeden Sonntag ein neues Kapitel hochgeladen. Ich weiß, das ist bei mir kaum zu glauben :D. Gerade am Anfang werdet ihr merken, dass sich noch nicht sooo viel geändert hat. Gut, der alte Charakter Gendri hat Namenswechsel beantragt und heißt jetzt Tjark. Mir war dieser Name damals schon ein Dorn im Auge, aber ich wollte ihn damals nicht ändern, um Verwirrung zu vermeiden. Ihr mögt darüber denken, was wir wollt. Jetzt ist es so.

Schreibt mir gerne eure Meinung in die Kommentare, ich bin für alles offen!


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Prolog



Die Sonne stand bereits hoch am Himmel, als Dorién über die weiten Wiesen im Südosten des Tales lief. Der nächste Bauernhof war mehrere Meilen entfernt, was genügen sollte um nicht entdeckt zu werden. Angestrengt schnaufend erreichte sie den Ort, nach dem sie gesucht hatte: ein kleiner, versteckter Buchenhain in einer nahen Senke.  Das weiche Gras reichte ihr bis zu den Waden und eine frische Brise verwirbelte ihr langes Haar und wehte ihr den Duft von wilden Blumen entgegen.

Sie hatte diesen Ort vor einigen Jahren entdeckt und nur wenigen von seiner Existenz erzählt. Sie war vierzehn Jahre alt, noch immer sehr jung. Trotzdem galt sie, seit ihre Blutungen vor zwei Jahren eingesetzt hatten, als reife und heiratsfähige Frau. Zumindest nach den Maßstäben ihres Volkes. Doch sie war anders, als die anderen Frauen: ihre Mutter war in ihrem vierten Lebensjahr gestorben, ihr älterer Bruder zwei Jahre danach. Für ihren Vater hatten beide Verluste zu einem Zusammenbruch geführt und in der Zeit danach hatte sie viel Verantwortung übernehmen müssen. Sie hatte auf dem Feld und im Haus geschuftet, wie man es von einem kräftigen Jungen hätte erwarten können, doch sie war damals nicht älter als sechs Jahre gewesen.

Ohne Mutter oder Tante, die sie in die Welt er Frauen einführen konnten, hatte sie nach und nach den Platz ihres Bruders eingenommen. Sie hatte Kleider gegen Lederbeinlinge und ein Wams eingetauscht und erledigte all die Dinge, die man einem Sohn auftragen würde: den Stall ausmisten, das Feld bestellen und ernten, bei der Reparatur des alten Karrens helfen und zusätzlich kochte und putzte sie regelmäßig.

Doch nun war endlich die Jahreszeit gekommen, die sie am meisten liebte: der Sommer. Die Saat war ausgebracht, das Wetter war sonnig und warm und alles blühte. Außerdem konnte sie einem neuen Ziel nachgehen: sie wollte eine Schildmaid werden! Denn unter den vielen Geschichten, die man im Palancar-Tal über den großen Krieg hörte, war ihr jene über eine Frau namens Birgit immer am liebsten gewesen. Natürlich lauschte sie auch gespannt, wenn man von den Elfen, den Zwergen und Werkatzen oder Eragon Schattentöter und Saphira Schimmerschuppe erzählte. Doch diese Geschichten erschienen ihr stets unwirklich und weit entfernt von dem was sie kannte.

Ergriffen war sie auch von den Erzählungen über Roran Hammerfaust und wie er Carvahall einst über den Buckel bis nach Surda geführt hatte und sich dort den Varden angeschlossen hatte, um seine geliebte Katrina zu retten. Das war viel greifbarer für sie, da Fürst Roran noch lebte, ebenso wie seine Frau. Mittlerweile hatten allerdings ihre Söhne die Verwaltung des Fürstentums übernommen. Aber auch viele der anderen alten Dorfbewohner Carvahalls lebten noch und die Geschichten aus ihren Mündern zu hören, bescherte ihr stets Gänsehaut.



Als sie nun in den kühlen Schatten der Buchen trat, drängte sie all diese Gedanken aus ihrem Kopf. Sie blickte sich um, ob Tjark bereits hier war. Er war der jüngste Sohn des Dorfschmieds Albriech. Sie hatten sich verabredet, um gemeinsam mit dem Schwert zu üben.

»Hey, Tjark! «, rief sie, »bist du hier?«

Ein Knacken über ihr ließ sie zusammenzucken, dann riss sie jemand mit sich ins Gras und sie kugelten zwischen den Bäumen umher. Es gelang ihr schließlich sich aus dem starken Griff zu befreien und sie keuchte:

»Tjark, lass den Unsinn!« Sie mussten beide lachen, dann stieß sie den großen, kräftigen Jungen von sich. Als sie sich aufgerafft hatten, sah sie ihn an. Er hatte kurzes blondes Haar, wie sein Vater, war einen guten Kopf größer als sie und hatte breite, muskulöse Schultern, was der harten Arbeit in der Schmiede zu verdanken war. Sie war sehr glücklich ihn als ihren Freund zu haben. Die meisten gleichaltrigen mieden sie, weil sie sich so männlich verhielt. Sie hatte schon oft gemerkt, dass die Leute nicht wussten, wie sie sich ihr gegenüber verhalten sollten, doch bei Tjark war das anders. Er war ein wenig älter als sie, hatte es als jüngster von vier Söhnen jedoch nie leicht gehabt. Er behandelte sie, wie er jeden Freund behandeln würde, seit sie ihm bei einer Rauferei kräftig in den Schritt getreten hatte und er nach Hause gekrochen war.

»Hast du sie dabei, oder müssen wir wieder Stöcke nehmen? «, fragte sie.

»Ich hab sie endlich fertig«, sagte er und zog einen Beutel hervor. Er öffnete das Leder und zum Vorschein kamen zwei graue Schwerter mit einfachem Griff, grober Parierstange und stumpfer Klinge. Es waren keine Meisterwerke, aber sie würden ihren Zweck erfüllen.

»Die haben mich ganze zwei Tage extra schuften gekostet. Vater hat sie mich nur außerhalb der normalen Arbeit schmieden lassen und das Eisen musste mehrmals gefaltet werden, damit es nicht sofort bricht. Richtige Schwerter benötigen eigentlich viel besseren Stahl und ich kenne mich im Waffenschmieden nicht aus. Ich denke für unsere Zwecke wird es dennoch reichen. « Er reichte ihr eines der Schwerter. Es war schwer und fühlte sich klobig an. Sie würde damit viel langsamer sein, als mit einem Stock und Tjark war ihr wegen seiner Muskeln eindeutig im Vorteil.

Sie begannen das Gras in einem großen Kreis plattzutreten, um eine ebenere Übungsfläche zu schaffen. Als alles bereit war, stellten sie sich gegenüber auf, wie sie es bei einem Kampf von zwei Schaukämpfern gesehen hatten, die vor wenigen Wochen mit den fahrenden Händlern gereist waren. Kurze Zeit später waren sie beide übersäht mit blauen Flecken, denn sie waren blutige Anfänger. Tjark besaß viel mehr Kraft als sie, doch sie war flinker und wich aus, wann immer sie konnte.

»Wir brauchen einen Lehrer, wenn wir besser werden wollen«, keuchte Tjark, während er sich den Arm nach einem schmerzhaften Treffer hielt.

»Ich weiß, aber wer soll uns unterrichten? Sie werden uns alle auslachen. Wir müssen erst selber üben, damit sie merken, dass es uns ernst ist«, sagte sie entschlossen.

Dann machten sie weiter. Nach einer Stunde konnten sie kaum noch den Arm heben und ließen sich erschöpft ins Gras fallen. »Für heute soll es genug sein«, sagte sie und sie hörte ein bestätigendes Grunzen aus Tjarks Richtung. Sie rafften ihre Sachen zusammen und trotteten gemeinsam wieder in Richtung Carvahall. Als die Stadt nur noch wenige Meilen entfernt war, blickte sie zurück in Richtung des Buchenhains und meinte für einen Moment einen Schatten zwischen den Bäumen hin und her huschen zu sehen, doch nach einem zweiten Blick war nichts mehr zu sehen. Sie musste es sich in ihrer Erschöpfung nur eingebildet haben.

»Möchtest du noch mit zum Essen kommen?«, fragte Tjark sie.

»Nein, Vater erwartet mich bereits. Aber morgen üben wir wieder! Selber Ort, selbe Uhrzeit! «, sagte sie und schlug ihm freundschaftlich auf den Rücken. Heute hatte sie mindestens genauso schmerzhaft ausgeteilt, wie er und das stellte sie zufrieden.

Der Hof ihres Vaters lag ein Stück entfernt von der äußeren Mauer, ein paar Meilen östlich vom Südtor Carvahalls. Das Wohnhaus war aus Stein, das Dach geziegelt, eine Methode die teuer und neuartig war. Die herkömmliche Weise wäre gewesen, das Dach mit Schindeln abzudecken, doch diese konnten leicht Feuer fangen. Es hatte ihre Familie einiges gekostet, doch letztendlich war es ein Heim mit mehr perspektiven für die Zukunft. Die Scheune war jedoch aus massivem Holz erbaut.

Als sie sich näherte sah sie, dass ihr Vater Armàn sie bereits erwartete. Er hatte einen südländischen Namen, denn er stammte ursprünglich aus Surda. Doch er hatte einmal erzählt, dass seine Vorfahren vor mehr als hundert Jahren hier in Carvahall gelebt hatten. Ihr Vater war einst ein großgewachsener Mann gewesen und Hauptmann in der Armee der Varden. Er hatte unter Roran Hammerfaust gedient und war deshalb mit ihm ins Palancar-Tal gezogen. Doch die Zeit war auch an ihm nicht spurlos vorbei gegangen: seine wettergegerbte Haut war von Falten durchzogen, sein dunkles Haar zeigte graue Strähnen und sein Gang war von Zeit zu Zeit schwerfälliger.

»Wo warst du wieder, Dorién? Ist alles in Ordnung? «, rief er mit besorgter Stimme und lief ihr entgegen.

Verwirrt schloss sie ihren Vater in die Arme und folgte ihm in die warme Wohnstube. Sie log: »Ich war mit Tjark unten am Fluss, wie sonst auch. Warum sollte mir etwas zugestoßen sein? « Tatsächlich verbrachte sie oft viel Zeit am Anora, wo sie Fische fing und Tjark hin und wieder eine Ente mit seinem selbstgebauten Bogen traf.

»Ich habe gehört, dass Soldaten in Carvahall eingetroffen sind. Eine ganze Einheit. Ich war heut bei Tarne und Colimb und sie meinten Zwerge oder gar Urgals wären darunter. Auf dem Markt hat man von Elfen erzählt! «, entgegnete Armàn mit ernster Stimme.

»Ach, das ist doch nur Gerede. Warum sollte die Königen hierhin Soldaten senden? Hier im Tal gibt es nicht mal viele Diebe, geschweige denn andere Verbrecher. «

»Ich war ja noch nicht fertig. Heute, um die vierte Stunde nach Mittag, kurz nachdem du weg warst, ist hier ein Fremder vorbeigekommen. Er kam mir sofort seltsam vor: Er trug einen schwarzen Umhang und sein Gesicht war von einer Kapuze verdeckt. Er wollte zwar nur einige Auskünfte, wo er die nächste Herberge fände und derlei Dinge, doch als er sprach stellten sich mir die Haare zu Berge. Ich weiß nicht, woran es lag. Vielleicht daran, dass er denselben Dialekt wie die alten Dorfbewohner sprach. Jedenfalls wies ich ihm den Weg zu Marten und er wünschte mir einen schönen Tag. «

»Er wünschte dir „einen schönen Tag“? Das klingt nicht nach jemandem, der etwas Böses im Schilde führt. Vielleicht war er einfach nur einer dieser Pilger, die hin und wieder auftauchen, um den Ort zu sehen, wo Eragon Schattentöter aufgewachsen ist. Diese Schwachköpfe, als ob man einen Drachen auf einem Bauernhof aufziehen könnte. Die glauben auch echt alles, was man ihnen sagt! «

»Sag das nicht, es ist weithin bekannt, dass Eragon Schattentöter als einfacher Bauerssohn hier im nördlichsten Zipfel des Palancar-Tales aufgewachsen ist. Wo sonst hätte er den Drachen denn großziehen sollen? «

»Gut, vielleicht ist doch etwas daran. Andererseits haben wir es nicht aus seinem eigenen Mund gehört. Viele Geschichten werden ausgeschmückt, damit sie interessanter für die Zuhörer sind. Was wäre aufregender als ein Bauerssohn, der zu einem Drachenreiter wird? «

»Ich will ja gar nicht mit dir streiten. Nein, es ist sogar gut, dass du das so kritisch siehst, denn man sollte nie blind dem vertrauen, was andere erzählen. Dabei fällt mir ein, dass außerdem noch ein Bote vom Fürsten vorbeikam. Für morgen sei eine feierliche Versammlung auf dem Markt angesetzt.«

»Eine Versammlung? Morgen?«, fragte sie halb entsetzt. Das würde eng werden, wenn sie noch mit Tjark üben wollte.

»Ja, du weißt ja was das bedeutet. Die Arbeit muss trotzdem verrichtet werden, also werden wir nach der Versammlung bis zum Abend damit beschäftigt sein den Bewässerungsgraben erneut auszuheben, außerdem ist in dem Sturm gestern Nacht anscheinend ein Baum auf das Rübenfeld gestürzt. Der muss auch noch zersägt werden. Ich werde dann fragen, ob jemand bereit ist uns zu helfen, denn den schaffen wir nicht alleine. «

Sie stöhnte innerlich auf. Was außerhalb des Palancar-Tals geschah interessierte sie herzlich wenig. Für sie war nur ihre Heimat von Bedeutung und diese zu beschützen. Wahrscheinlich würden morgen Vertreter der Krone wieder irgendeinen Erlass der Königin verkünden und dafür mussten die einfachen Leute ihre Arbeit stehen und liegen lassen. Das ging ihr gegen den Strich.



Am Abend lag sie still in ihrem Strohbett und starrte an die Decke. Das Schnarchen ihres Vaters drang gedämpft durch das Holz und ein kühler Wind pfiff durch die Ritzen in den Wänden. Als kleines Kind hatte sie stets von Abenteuern und Kämpfen geträumt, von Drachenreitern und Elfen und Magie. Vor dem Einschlafen hatte sie sich immer vorgestellt, wie Eragon kommen und sie holen würde. Doch irgendwann hatte sie verstanden, dass dies nie geschehen würde. Ihre Zukunft sah anders aus. Seit sie Mutter und Bruder verloren hatte, konnte sie sich das alles kaum noch vorstellen. Abenteuer konnte sie sich nicht leisten, geschweige denn das Tal zu verlassen. Warum auch? Sie hatte hier alles, was sie brauchen würde. Einen Hof, ein Zuhause und eine sichere Zukunft.

Trotzdem reizte sie die Vorstellung eine Drachenreiterin zu werden noch immer. Aber nein, das war keine Option. Dann müsste sie quer durch das Land ziehen, vor allem solange es noch so wenige Drachenreiter gab. Sie hätte keine Ruhe und keine Zeit in ihr trautes Heim zurück zu kehren und sich um alles zu kümmern. Was sollte aus ihrem Vater werden?

Außerdem – und das missfiel ihr noch vielmehr – müsste sie sich dann mit den ganzen Würdenträgern abgeben, mit hochnäsigen Fürsten und arroganten Damen. Nein, das wollte sie nicht. Und damit schlief sie ein.
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