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GeschichteRomanze / P18
30.09.2018
13.11.2019
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30.09.2018 1.529
 
Daniel Schirmer lag auf der Couch vor dem Fernseher und zappt sich gelangweilt durch die Kanäle. Er griff nach seinem Bier, trank einen Schluck und stellte die Flasche anschließend zurück auf den Couchtisch. Er dachte daran, dass es in seiner Kindheit nur drei Programme gegeben hatte. Abends gab es den Sendeschluss und man konnte nachts nur noch das Testbild bestaunen.

Frustriert stellte er fest, dass gefühlte 300 Fernsehsender auch nicht unbedingt ein besseres Programm zu später Stunde lieferten. Mit einem Seufzen setzte er sich auf, zielte mit der Fernbedienung auf den Fernseher und schaltete ihn aus.

Er räusperte sich, gähnte und was ekelte sich mit beiden Händen durch die Haare, blickte auf seine Armbanduhr und befand, dass es zart war, ins Bett zu gehen.  Wenn Caro nicht da war, hatte er irgendwie kein Zeitgefühl.
Er löschte das Licht und schlurfte nach oben. Caro war auf Klassenfahrt. 7 Tage Toskana. Er hatte sie heute morgen noch zur Schule gefahren, wo sie in einen Reisebus stieg und zum Abschied winkte.

„Wenn ich wieder da bin, können wir doch auch mal wieder ein Wochenende wegfahren“, schlug sie optimistisch vor und er nickte. Zog sie an sich heran und gab ihr einen Kuss. Sie machte sich los und stieg in den Bus. Er schaute ihr noch kurz nach, bevor er sich in seinen Wagen setzte und zur Arbeit fuhr. Irgendwie hatte er das Gefühl gehabt, dass sie diesen Vorschlag nur so dahingesagt hatte.

"Als ob es noch einen Unterschied macht, ob sie hier ist oder nicht", ging es ihm durch den Kopf und er erschrak bei dem Gedanken. Oben angekommen ging er ins Badezimmer und betrachtete skeptisch sein Spiegelbild.

„Natuerlich macht es einen Unterschied", widersprach er sich selbst laut.

„Sie ist Deine Frau" sagte er, als müsste er sich diese Tatsache erst mal ins Gedächtnis rufen.

„In guten wie in schlechten Zeiten“, murmelte er und ließ Wasser in seinen Zahnputzbecher laufen.

„Und sie hat dich betrogen“,  fügte er lautlos hinzu während er Zahnpasta auf seine Zahnbürste gab.

Er büstete energisch seine Zähne und dachte währenddessen nach.

Ja, sie hatte ihn betrogen. Aber das war schließlich schon eine Weile her und sie war ja auch wieder zu ihm zurück gekommen. Und inzwischen taten Sie doch alles, um wieder ein normales Paar zu sein. Oder etwa nicht?

Da war es wieder, das seltsame Gefühl in der Magengegend, dass ihn begleitete seit er Caro mit einem anderen Mann gesehen hatte. Aber das war schließlich vorbei. Und sie war ih doch wieder treu.

Oder vielleicht auch nicht?

Da waren sie wieder, die Zweifel, die er immer wieder hatte. Er seufzte. Im Grunde konnte er doch gar nicht wissen, was sie jetzt im Moment und mit wem trieb.

Er schloss die Augen und schüttelte den Kopf um die Bilder, die vor seinem inneren Auge auftauchten, schnell wieder loszuwerden.

Er spülte seinen Mund mit Wasser aus und verzog angewidert das Gesicht. Zahncreme auf Bier verursachte einen ekelhaften Geschmack im Mund.


Er ließ sich in die Kissen fallen und löschte das Licht, drehte sich auf die Seite und schloß die Augen, wartete auf den Schlaf.

Natürlich war er jetzt hellwach!

Er drehte sich wieder um und starrte in der Dunkelheit an die Decke.

Der Gedanke an Caro auf Klassenfahrt ließ ihm keine Ruhe mehr. War ihr Lover eigentlich auch dabei? Was, wenn sie ihn jetzt wieder betrog?

„Reiß Dich zusammen!“, befahl er sich.“Sonst würde sie doch wohl kaum versuchen, unsere Ehe zu retten", sagte er leise in die Dunkelheit und atmete tief durch.

Er wälzte sich hin und her, drehte sich schließlich auf die andere Seite und kniff die Augen zusammen. Plötzlich vibrierte sein Handy leise auf dem Nachttisch Er hob es auf und las die Nachricht.

Sie war von Caro: Grüße aus Sienna. - Fast 20 Grad und den ganzen Tag Sonne. Ich bin müde Gute Nacht und schlaf gut. Dahinter ein Smilie mit einem Kussmund“. Sonst nichts. Kein Ich liebe Dich und kein bis bald. Er war fast enttäuscht. Aber immerhin hatte sie sich gemeldet. Und Caro war ja eigentlich auch nicht so, dass sie ständig Liebesbotschaften machte. Mit Romantik hatte sie es ja nicht so, beruhigte er sich.

Daniel schmunzelte Dann hatte sie ihn doch nicht vergessen Die Ideen daß sie noch mal fremdgehen würde, war ja auch absurd. Außerdem würde sie sich ja sonst im Alltag nicht so bemühen. immerhin kam die Idee mit der Paartherapie auch von ihr und sie zeigte sich für jeden Vorschlag, den der Therapist machte offen.

Er schaute auf sein Handy und öffnete ein Fenster, um ihr zu antworten.


Nina stand auf dem Laubengang vor ihrer Wohnung und nippte an ihrem Bier. Sie schaute sich den Himmel an und zog ihre Jacke enger um sich. Es war sternenklar und der Mond erhellte ihr Viertel. Sie seufzte. Wurde langsam mal Zeit, nach drinnen zu gehen. Es war empfindlich frisch draußen.
Warum war sie eigentlich heute so schlecht drauf? War doch alles Scheiße. Der Job frustrierte sie, weil es immer wieder Tage gab, an denen sie als Polizistin nicht wirklich etwas ausrichten konnte. Und die Sache mit Daniel warf sie immer noch aus der Bahn. Er war wieder mit Caro zusammen und somit sanken ihre Chancen gegen null. Dabei hatte sie immer gedacht, dass er ihr irgendwann noch eine Chance geben würde. Aber da lag sie wohl falsch. Als er heute morgen fröhlich erzählt hatte, dass Caro jetzt auf Klassenfahrt war und sie demnächst auch mal wieder ein langes Wochenende wegfahren würden, war ihr Tag gelaufen. Sie wollte diese Dinge gar nicht wissen. Daniel war ihr bester Freund, mehr als das. Und sie wollte nicht wissen, was er mit seiner Frau trieb, denn sie war in ihn verliebt.

„Alles scheiße“, murmelte sie, leerte die Bierflasche und ging entschlossen in ihre Wohnung zurück. Als sie in die Warme Wohnung kam, merkte sie, dass sie wohl ein Bier zuviel getrunken hatte. Sie war nicht wirklich betrunken, aber zumindest angeschwippst und schwankte leicht.

„Zeit ins Bett zu gehen“, sagte sie zu sich selbst und wankte ins Badezimmer. Auf dem Weg dorthin zog sie Hose und Shirt aus, ließ die Kleidungsstücke einfach liegen. Sie putzte sich die Zähne und schaute sich im Spiegel an.

„Über 30. Echt jetzt?“, fragte sie sich selbst als sie sich die Zahnbürste in den Mund schob und anfing, ihre Zähne zu putzen. Und was hatte sie erreicht? Sie seufzte. Andere Leute in ihrem Alter waren verheiratet und hatten ein schickes Häuschen, zwei Autos und dachten über Kinder nach. So wie Daniel und Caro. Wollte sie das wirklich? Sie schüttelte nachdenklich den Kopf und ging ins Schlafzimmer, zog sich um und ließ sich ins Bett fallen.

Ihr Blick fiel auf das Handy auf ihrem Nachttisch und sie nahm es nachdenklich in die Hand. Sie checkte ihr Facebook-Profil, surfte ein bisschen und landete schließlich in ihrer Bildergalerie.

Nachdenklich betrachtete sie das Foto, dass sie heute morgen im Umkleideraum geknippst hatte. Ein Selfie von Daniel und ihr. Nur ein Schnappschuss, aber ausreichend um ihr Herz wieder etwas schneller schlagen zu lassen. Sie überlegte kurz. Caro war doch sowieso auf Klassenfahrt, also konnte sie ihm das Bild auch jetzt noch schicken.

Sie öffnete die Chatfunktion und sendete das Bild. Ohne Kommentar.

„Gute Nacht Daniel“, sagte sie grinsend und löschte das Licht.



Daniel hatte gerade eine Nachricht an Caro geschrieben und drückte den Senden-Button. Er hatte ihr eine gute Nacht gewünscht und ihr gesagt, dass er sie vermisste.

Gerade als er das Handy auf den Nachttisch legen wollte, vibrierte es in seiner Hand. Sein Herz schlug etwas schneller, Caro hatte ihm bestimmt noch mal geantwortet. Er schaute auf den kleinen Screen, der ihm mitteilte, dass er eine neue Nachricht hatte. Er lächelte und öffnete sie und dachte an seine Frau.

Die Nachricht war nicht von Caro, sondern von Nina. Von Nina, seiner Kollegin und gleichzeitig seiner besten Freundin.

Was wollte Nina denn um diese Zeit noch?, fragte er sich und runzelte die Stirn.
Sie hatte ihm das Bild geschickt, dass sie heute morgen aus einer Laune heraus beim Umziehen gemacht hatten. Beide schon in Uniform schauten sie grinsend in die Kamera. Er konnte sich noch daran erinnern, wie nah sie bei ihm stand und er sich fast unwohl gefühlt hatte weil sie so nah war. In der letzten Zeit passierte ihm das öfter. Er mochte Nina und er kannte sie schon so lange, aber irgendwas war in der letzten Zeit anders geworden. Er wollte es nicht wahrhaben, aber er fühlte mehr für Nina als da sein sollte. Und das machte ihn wahnsinnig. Die meiste Zeit gelang es ihm, seine Gefühle zu unterdrücken und den Rest der Zeit versuchte er dann, ihr aus dem Weg zu gehen.

Gedankenversunken betrachtete er das Foto und lächelte. Er streichelte liebevoll mit dem Daumen über sein Handy.

„Gute Nacht, Nina“, sagte er, legte das Handy beiseite und löschte das Licht. Es dauerte nicht lange und er war eingeschlafen.

[ Anmerkung: Auch wenn mein mein Herzblut normalerweise in den Geschichtenvon Dirk und Regina steckt, finde ich dass Nina und Daniel durchaus auch mal eine große Liebesgeschichte verdient haben. Um mir selbst ein bißchentreu zu bleiben, gibt es im Hintergrund aber eine kleine Dirk- und- Regina- Story ]
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