Veränderungen sind nicht immer schlecht

GeschichteRomanze, Freundschaft / P16 Slash
29.09.2018
03.06.2020
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Prolog
Fassungslos schaue ich meinen Vater an und kann nicht glauben, was er da gerade gesagt hat. „Das ist ein Scherz?!“ bringe ich irgendwie hervor, meine Kehle fühlt sich an wie zugeschnürt. Doch allein der betretene Blick von ihm spricht Bände und ich muss heftig schlucken. „Meinst du das wirklich ernst?“
„Es tut mir Leid, Leo.“ ist alles was er dazu sagt und ich weiß das er es ernst meint, doch das ist nicht das, was ich jetzt hören wollte.
Völlig überfordert und auch ziemlich verletzt und wütend drehe ich mich um. „Ich muss jetzt allein sein.“ sage ich matt und will schon gehen, als er mich am Arm festhält.
„Bitte geh jetzt nicht.“ Ich kann förmlich hören, wie verzweifelt er ist. Aber ich muss jetzt wirklich gehen. Also schüttel ich seine Hand ab und renne beinahe schon aus dem Haus. Das 'Leo', dass er mir hinterher ruft beachte ich dabei nicht weiter, schnappe mir nur geistesgegenwärtig meine Schlüssel, streife mir meine Schuhe über und schon bin ich weg.
Draußen atme ich erstmal tief durch und versuche mich soweit zu beruhigen, dass ich wieder ruhig atmen und normal denken kann. Wie konnte er mir das nur antun?! Kurz überlege ich, wo ich jetzt hingehen soll, allerdings muss ich da gar nicht lange drüber nachdenken, sondern schlage fast sofort den Weg zu meinem besten Freund seit Kindertagen ein. Zum Glück wohnt er gleich gegenüber, sodass ich nicht durch die ganze Stadt laufen oder fahren muss.
Anstatt mich mit Klingeln aufzuhalten, nestle ich meinen Schlüssel aus der Tasche hervor und suche den zu seiner Haustür hervor. Wir haben vor ein paar Jahren mal dem jeweils anderen unsere Haustürschlüssel gegeben, natürlich mit der Zustimmung unserer Eltern, die zum Glück auch ziemlich gut miteinander klar kommen. Am Anfang waren sie nicht wirklich begeistert, doch am Ende haben sie doch ihr okay gegeben. Einen Moment schwelge ich in Erinnerungen was wir uns damals alles ausgedacht haben um sie zu überzeugen, doch dann schüttle ich kurz den Kopf, um wieder im Hier und Jetzt zu landen und schließe die Tür auf.
„Hallo?“ rufe ich laut und deutlich, während ich die Tür schon hinter mir schließe und meine Schuhe ausziehe.
„Leo?“ kommt sofort die Antwort von oben.
„Ja.“ rufe ich zurück, erleichtert das Kai zu Hause ist. Oben rumpelt irgendwas und ich kann mir bildlich vorstellen, wie Kai irgendwas, wahrscheinlich seinen Wecker, vom Schreibtisch gefegt hat, beim Versuch, seinen Kontroller schnell darauf zu platzieren. Manchmal ist er echt tollpatschig und das gehört eigentlich zur Tagesordnung bei ihm. Man, tut mir der arme Wecker Leid.
Gerade als ich oben angekommen bin, öffnet sich seine Zimmertür und mein bester Freund sieht mich ziemlich überrascht an. „Was machst du denn hier? Ich dachte, wir wollen uns erst morgen treffen?“ kommt es etwas ratlos von ihm.
„Ja, eigentlich schon.“ sage ich vage und schiebe mich an ihm vorbei in sein Zimmer, wo ich mich sofort auf sein Bett fallen lasse und an die Decke gucke.
Ich muss gar nicht hinsehen, um Kais verwirrtes Gesicht zu sehen, allerdings sagt er nichts zu meinem Verhalten, sondern schubst mich lediglich etwas grob zur Seite, damit er sich neben mich legen kann.
Eine Weile liegen wir nur da, schweigen uns an und schauen an die Decke und ich merke, wie ich langsam wieder etwas runterkomme. Ich atme einmal tief durch und drehe dann meinen Kopf zur Seite. Kai hat die Augen geschlossen und liegt ganz still da, aber ich weiß das er nicht schläft. Er lässt mir nur die Ruhe, die ich gerade brauche, damit ich ihm gleich erzählen kann, was mit mir los ist. So ist das immer wenn es etwas gibt, das mich bedrückt oder aufwühlt und das weiß er ganz genau. Genauso wie ich weiß, dass er, wenn er etwas hat, immer sofort darüber reden muss und das meistens sehr laut und wild gestikulierend, wobei er meistens Löcher in den Boden rennt.
„Danke.“ murmle ich leise. Sofort schlägt er die Augen auf und nickt einfach.
„Was ist denn passiert?“ erkundigt er sich dann vorsichtig.
Ich seufze und schlage mir die Hände vors Gesicht. „Mein Vater hat mir eben eröffnet, dass er eine neue Freundin hat.“ erkläre ich dann kurz und knapp.
„Okay.“ kommt es langsam und abwartend von Kai. Als ich jedoch nichts weiter sage, richtet er sich halb auf und stützt sich auf einen Arm ab. „Und warum bist du jetzt so sauer? Du hast ihm doch immer gewünscht, dass er wieder eine Freundin bekommt.“
„Ja.“ sage ich lahm und verzeihe das Gesicht. „Das ist ja auch nicht wirklich das Problem. Also schon, aber halt nicht.“ gebe ich von mir und bin mir durchaus im klaren, das das nicht wirklich aufschlussreich ist. Dementsprechend werde ich auch angeguckt und ernte einen Schlag auf den Arm. „Hey.“ beschwehre ich mich entrüstet.
„Selber Schuld. Jetzt sag endlich was los ist.“ fordert er mich auf.
Resigniert nehme ich Hände wieder runter und sehe ihn an. „Meni Vater ist seit fast sechs Monaten mit ihr zusammen und am Wochenende wird sie mit ihrem Sohn bei uns einziehen.“ lasse ich die Bombe dann platzen.
Fassungslos sieht Kai mich an, schüttelt dann den Kopf, als sei er sich nicht sicher, ob er sich verhört hat und räuspert sich dann: „Kannst du das vielleicht nochmal wiederholen?“
Traurig schüttle ich den Kopf. „Du hast mich schon richtig verstanden. Er hat mir seit sechs Monaten seine Freundin verschwiegen und jetzt soll ich mich einfach damit abfinden, dass sie bei uns einzieht.“
„Aber, das kann er doch nicht einfach so machen! Bist du sicher? Vielleicht hast du dich ja verhört? Du musst dich verhört haben, ich glaube nicht das Michael sowas machen würde. Das wäre echt heftig.“ meint er und fährt sich durch die kurzen schwarzen Haare.
„Schön wärs.“ murmle ich und schaue ihn traurig an. „Vertraut er mir so wenig, dass er denkt, er kann mir erst in der letzten Minute erzählen was Sache ist?“
„Ach Quatsch.“ meint er und grinst schief. „Immerhin hat er es dir vor dem Wochenende erzählt. Du hast also noch einen ganzen Tag um dich damit abzufinden.“ versucht er mich aufzumuntern, doch ich schüttle den Kopf.
„Heute Abend kommen die beiden zum Abendessen vorbei. Papa wollte das ich ihm dafür auch noch bei Kochen helfe.“ Ich verziehe das Gesicht und setze mich auf. „Wie hat er sich das denn vorgestellt?! Soll ich einfach so tun als sei alles gut?! Er hat mich ein halbes Jahr angelogen und jetzt soll ich auf liebe Familie machen?!“ Langsam kommt die Wut zurück und ich habe das dringende Bedürfnis auf etwas einzuschlagen. Auch Kai scheint den Stimmungsumschwung zu bemerken, denn er nimmt mich kommentarlos in den Arm. Einen Moment versteife ich mich, doch dann lasse ich es zu und lehne meinen Kopf an seine Schulter. Kai und ich sind wie Brüder und manchmal habe ich das Gefühl er kennt mich besser als ich mich selbst.
„Was soll ich denn jetzt machen?“ frage ich ratlos.
Kai seufzt kurz, dann hält er mich eine Armlänge auf Abstand und sieht mich ernst an. „Geh zu deinem Vater, helf ihm beim Kochen und sprich dich mit ihm aus, sag ihm das er dich verletzt hat und das du sein Verhalten nicht gut findest und frag ihn, warum er das gemacht hat. Vielleicht hat er ja eine gute Erklärung für alles. Heute Abend beim Essen zeigst du dich dann von deiner besten Seite und versuchst nicht, deinem Vater alles kaputt zu machen, nur weil er sich ziemlich kindisch benommen hat. Und danach kommst du wieder her, du kannst hier pennen, wenn du willst.“ zählt er auf.
Mit großen Augen sehe ich ihn an und will sofort bockig widersprechen, doch ich weiß das er Recht hat mit seinem Plan. Ich bin erwachsen und sollte mich auch dementsprechend benehmen. Was würde es mir denn bringen jetzt das bockige Kleinkind zu spielen, nicht zum Essen zu kommen und auch beim Umzug nicht mitzuhelfen? Schließlich kann ich an der Situation doch nichts mehr ändern. Ich kann mich ja nicht immer verstecken.
Kai hat mich genau beobachtet und nickt zustimmend, als ich ihn wieder ansehe. „Du hast Recht.“ gebe ich zu.
„Ich hab immer Recht.“ witzelt er und knufft mich in die Seite. „Und jetzt hau schon ab. Ich erwarte einen detaillierten Bericht wenn du heute Abend wiederkommst.“
„Natürlich.“ sichere ich ihm lächelnd zu. „Bis dann. Und danke nochmal.“
„Bitte.“ antwortet er und langt schon wieder nach seinem Controller.
Ich schmunzle und mache mich auf dem Weg nach unten und wieder zu mir nach Hause. Auf in die Höhle des Löwen.
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