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Yes, No, Maybe

von mairio
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P16 / Het
Chiaki Nagoya Hijiri Shikaido Marron Kusakabe Miyako Toudaiji Yamato Minazuki
29.09.2018
15.02.2019
20
86.699
17
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10.11.2018 3.569
 
Chapter 8: New Girl

Chiaki stand vor seinem Kleiderschrank und bereitete sich für sein Date mit Miyako vor. Nebenbei hatte er das Radio an und gerade lief „Flamingo“ von Kenshi Yonezu.
Es waren einige Tage her seit ihrem ersten Kennenlernen im Club. Nach einigen angeregten Telefongesprächen, Nachrichtenkonversationen sowie kurzen Treffen in den Mittagspausen, beschlossen beide sich zu einem gemütlichen Dinner zu verabreden.
Während er sich anzog, dachte er über die junge Sportjournalistin nach. Miyako war nicht nur hübsch, sondern hatte einen durchaus lebhaften, kontaktfreudigen, und energiegeladenen Charakter, was sie irgendwie noch attraktiver machte. Ein Lächeln bildete sich automatisch auf seinen Lippen.
Er freute sich auf das Date.
Mit schwarzen Schuhen, schwarzer Jeans, einem weiß-grau karierten Hemd und einer schwarzen Weste stand er vor seinem Spiegel und knöpfte sich die letzten Knöpfe zu. Im Bad machte er sich noch mit ein wenig Haarspray seine Haare leicht nach hinten und spritzte sich noch sein Lieblingsparfüm auf.
Zu guter Letzt holte er sich noch sein Jackett und begab sich zu der Adresse von Miyako’s Wohnkomplex.
Minuten später stand Chiaki schon vor dem Haupteingang des Gebäudes und war darauf bedacht die Klingel, in der „Toudaiji“ auf dem Namensschild stand zu betätigen, als Miyako schon rauskam.
Er musterte sie mit einem schnellen Blick von oben bis unten.
Sie trug schwarze Jeans, dazu passende Keilabsatzschuhe, eine hellfarbiges Top mit abstrakten Muster und ihre schwarze Lieblingslederjacke. Ihr Gesicht wurde mit leichtem Make-Up zur Geltung gebracht.
„Auf die Minute pünktlich. Respekt.“, grinste sie ihn an, nachdem sie einen prüfenden Blick auf ihre Uhr warf.
„So nennen mich meine Freunde: Mr. Pünktlich.“, scherzte er.
Miyako kicherte amüsiert. Chiaki bot ihr seinen Arm an und sie hakte sich lässig darin ein. Gemeinsam gingen sie Richtung Restaurant, welches Miyako sich ausgesucht hatte.

„Ich hätte nicht gedacht, dass du mexikanisch magst.“, sagte Chiaki und schaute sich im Lokal um. Von außen sah es recht unscheinbar aus, doch von innen erstreckte sich ein großer Raum aus, welches mit authentischer Deko entsprechend der Landesküche eingerichtet war und viele neugierige Gäste anlockte.
„Ich mag scharfes Essen.“, entgegnete Miyako ihm gegenüber und sah von ihrer Karte auf. „Und Mexiko ist weltweit bekannt für ihre sehr, sehr scharfe Küche.“ Sie grinste ihn verschmitzt an.
„Wenn du mich einschüchtern willst, nur zu deiner Info: ich kann sehr gut scharf essen.“ Chiaki blickte sie mit hochgezogener Augenbraue an.
„Hmm.“ Miyako neigte schmunzelnd den Kopf zur Seite. „Ich wette, nicht so gut wie ich.“ Ein herausforderndes Lächeln bildete sich auf ihrem Gesicht.
„Ach ja?“
„Ja!“
„Wie finden wir am besten heraus wer besser ist?“, fragte Chiaki.
„Wir bestellen uns das schärfste Gericht hier und wer als Erster zum Wasserglas greift, hat verloren.“, sagte Miyako, lehnte sich nach vorne und deutete mit dem Finger auf die Chicken-Peperoni-Chili-Tacos in der Speisekarte. „Das sind die schärfsten Tacos Momokuris.“
Chiaki lachte ungläubig auf.
„Okay. Ich nehme die Herausforderung an.“
Darauffolgend riefen sie nach der Kellnerin, die nach einer kurzen Wartezeit ihnen alles an den Tisch brachte.
„Die Regeln sind dir klar?“, fragte Miyako und hob gespielt prüfend eine Augenbraue.
Chiaki nickte, krempelte sich die Ärmel leicht hoch und sah sie direkt an. „Um was wetten wir eigentlich?“
„Das entscheiden wir spontan.“, zwinkerte sie ihm zu und nahm ihren Taco in die Hände. Ihr Gegenüber tat dasselbe.
Ohne die Augen voneinander zu lösen, nahmen beide einen Bissen und beobachteten den anderen genau.
Während Miyako seelenruhig ihren Taco aß, merkte Chiaki mit jedem weiteren Bissen, wie sich die beißende Hitze in seinem Mund intensivierte.
Sein rechtes Auge begann zu zucken und er atmete durch die Nase angestrengt ein und aus. Sein Gegenüber bemerkte dies und versuchte nicht mit vollem Mund loszulachen.
Nach einigen Augenblicken gab Chiaki schließlich auf, legte seinen halbfertigen Taco auf dem Teller ab und griff schnell nach seinem Glas Wasser.
„JA! Gewonnen!“, rief Miyako laut auf und schoss ihre Arme siegreich in die Höhe. Ihr Teller war bis zum letzten Krümel leer. „Der Sieg ist mein!“
„Und ich dachte, du übertreibst…oder bluffst!“, brachte Chiaki schwer atmend entgegen und setzte sein halbleeres Glas auf den Tisch ab. Sein Gesicht war leicht rot angelaufen. Noch immer spürte er das brennende Gefühl auf der Zunge.
„Ich bluffe nicht! Gib einfach zu, dass ich der Schärfe-Champion hier bin.“, neckte sie ihn und lehnte sich zufrieden in ihrem Stuhl zurück.
„Du bist die Schärfe-Königin der ganzen Stadt.“, ging er mit einem teils amüsierten, teils hochachtungsvollen Ton ein und wischte sich die Hände mit der Serviette ab.
Nach einer Stunde verließen sie gut gelaunt das Restaurant. Arm in Arm spazierten beide die Straßen entlang, befanden sich gleichzeitig auf dem Rückweg zu Miyako nach Hause.
„Ach ja… Ich hätte noch meinen Gewinn einzulösen.“, kam es von ihr, als sie vor ihrem Wohnkomplex standen. Erwartungsvoll blickte Chiaki sie an.
Ehe er sich versah, stellte sie sich auf Zehenspitzen und legte ihre Lippen auf seine. Es war ein unschuldiger, zärtlicher Kuss, den er erwiderte.
„Eigentlich ist mein Mund immer noch am Brennen.“, sagte Chiaki, als sie sich kurz lösten.
Miyako kicherte leise in sich hinein. „Heiß…“
Damit küsste sie ihn ein weiteres Mal. Diesmal mit mehr Gefühl. Gerade als Miyako sich von ihm entfernen wollte, griff Chiaki nach ihrem Handgelenk und zog sie für ein weiteren Kuss wieder an sich. Unbewusst verflochten sich ihre Hände miteinander.
Glücklich lächelte Miyako ihn an. „Danke für den Abend.“
„Können wir gerne wiederholen.“, sagte Chiaki sanft lächelnd.
„Liebend gern.“, nickte sie, die Wangen rosa schimmernd und ging langsam Richtung Tür. „Gute Nacht, Chiaki.“
„Dir auch.“, winkte er ihr zurück und sah zu, wie Miyako ins Gebäude verschwand. Mit leichten Herzklopfen begab er sich ebenfalls nach Hause.
***

„So wie du vor dich hin grinst, schien das Date gestern ja gut gelaufen zu sein.“, begrüßte Shinji Chiaki mit einem Handschlag. Gemeinsam gingen sie ins Mori-Café rein.
„Sie ist auch ziemlich cool. Wir treffen uns morgen Abend bei mir zu Hause für das nächste Date.“, sagte Chiaki.
Shinji runzelte die Stirn. „Bei dir zu Hause?“, fragte er.
„Ja.“
„Denkst du nicht, dass es ein bisschen schnell geht?“
„Was meinst du?“
„Naja, ihr kennt euch nicht so lange. Und ein Date im eigenen Heim bedeutet meistens, dass sie auf der ‚Film-Couch‘ anfängt und im Bett endet.“, erklärte Shinji und zog eine Augenbraue hoch.
„Du gibt’s mal wieder nur Scheiße von dir.“, murmelte Chiaki und schüttelte augenrollend mit den Kopf. Sie liefen durch den Laden und fanden in einer Ecke einen freien Tisch. „Ich sagte, dass wir uns bei mir zu Hause treffen, nicht dass wir den ganzen Abend da auch verbringen werden. Ich sag dir, es wird nur ein ganz normales Date werden.“, sagte er mit Überzeugung und setzte sich hin.
„Date?“, ertönte wie aus dem Nichts Maron’s Stimme. Überrascht blickten beide Männer sich um und sahen Maron mit Laptop an einem Tisch sitzen. Chiaki hatte gar nicht gemerkt, dass sie wenige Meter von ihnen entfernt saß. Womöglich machte sie hier einige Recherchen für die Arbeit. Schon zu Schul- und Studienzeiten bevorzugte seine beste Freundin es in Cafés zu lernen als zu Hause.
„Ehm, Ja. Mit Miyako.“, antwortete Chiaki ihr und strich sich kurz die Haare nach hinten.
„Ah…!“
Maron nahm ihre Tasse Kaffee, stand auf und ging auf beide Freunde zu. Auf ihrem hübschen Gesicht haftete ein Lächeln.
„Das hört sich toll an! I-Ich meine, du bist ein toller Kerl. Miyako scheint eine tolle Frau zu sein. Also, eh… Toll!“ Sie nickte einige Male zu viel und etwas in ihrem Lächeln veränderte sich kaum merklich.
In dem Moment als Chiaki was sagen wollte, klingelte lautstark Shinji’s Handy und unterbrach seine Gedankengänge.
„Hallo Schatz.“, nahm sein Freund in einem verliebten Ton ab und ging zum Telefonieren raus. Maron und Chiaki sahen ihn belustigt hinterher.

„Also,... du und Miyako.“, wandte Maron sich wieder ihrem besten Freund zu. „Scheint wohl was Ernstes zu werden mit euch beiden.“
„Scheint so…“, nickte Chiaki mit einer leichten Röte auf den Wangen. „Fühlt sich auf jeden Fall gut an.“
„Das ist toll! Ich freu mich für dich – für euch beide! Wirklich!“ Maron nahm einen Schluck von ihrem Kaffee. „Ich hatte auf der Arbeit bisher noch nicht viel mit Miyako zu tun gehabt, aber sie scheint recht beliebt unter den Kollegen zu sein. Versteht sich mit jedem gut und sei auch ziemlich gut in ihrem Job…“
„Ich bin mir sicher, du wirst dich mit ihr auch gut verstehen.“, sagte er.
„Ja… Mal gucken.“, erwiderte sie schnell, nahm einen weiteren Schluck von ihrer Tasse und sah auf ihre Armbanduhr.
„Oh verdammt, schon so spät?!“, kam es leicht erschrocken. „Ich saß schon den halben Tag an diesem Artikel und habe komplett die Zeit vergessen.“ Während Maron vor sich hin sprach, klappte sie ihren Laptop schnell zu und packte es in ihre Tasche ein.
„Muss du irgendwo hin?“, fragte Chiaki verwundert.
„Hijiri lädt mich zu sich nach Hause ein und in eineinhalb Stunden holt er mich von zu Hause ab. Ich muss noch duschen, mich fertig machen und so…“
„Ah…“
„Nun…“ Unbeholfen stand die Braunhaarige mit ihrer Tasche vor ihrem besten Freund, strich sich eine lange Strähne aus dem Gesicht. „Ich wünsche dir viel Spaß bei deinem Date mit Miyako morgen.“, sagte sie schließlich und beugte sich für eine Umarmung zu ihm runter. Wieder überkam sie für einen Augenblick dieses fremdartige Gefühl in der Brust, wie vor ein paar Tagen. So plötzlich es kam, so verschwand es auch wieder.
„Danke. Dir und deinem Freund auch viel Spaß heute.“, entgegnete Chiaki zurück.
Mit einem Winken verabschiedete Maron sich schließlich und verschwand schnellen Schrittes aus dem Laden. Dabei passierte sie Shinji, der wieder zum Tisch zurückkam und verdutzt zwischen ihr und Chiaki hin und her sah.
***

Der nächste Abend stand an.
Chiaki hatte sich soeben fertig umgezogen und im Wohnzimmer die Sofakissen ordentlich gerichtet, als es an der Tür klingelte. Ein flüchtiger Blick auf die Uhr sagte ihm: genau 19 Uhr pünktlich.
Als Chiaki die Tür aufmachte, weiteten sich seine Augen.
Miyako stand perfekt geschminkt in einem silbernen Metallic-Top, einer dünnen, weißen Strickjacke, einem schwarzen Rock sowie ebenso schwarzen Strumpfhosen und Schuhen vor ihm. Es war etwas ungewohnt, sie in einem relativ weiblicheren Look zu sehen, da sie eindeutig eher den legeren, sportlichen Stil bevorzugte. Nichtsdestotrotz sah sie mehr als gut aus.
„Du siehst großartig aus.“, sagte er und trat zur Seite um ihr Einlass zu gewähren.
„Nun, ich habe ein wichtiges Date und da will ich den Kerl beeindrucken.“, brachte Miyako entgegen, während sie in seine Wohnung eintrat.
„Dann spreche ich mal für diesen Kerl und sage dir, dass er sehr beeindruckt ist.“, erwiderte Chiaki und machte die Tür hinter sich zu. Die Dunkelhaarige grinste verlegen, geschmeichelt von dem Kompliment.
Dann führte er sie kurz durch seine Wohnung.
„Schick hast du es hier. Klein und gemütlich.“, sagte Miyako anerkennend, als sie ins Wohnzimmer zurückkehrten und sie seine Regale mit seinen Bücher- und DVD-Sammlungen bestaunte.
„Für mich alleine reicht es.“ Chiaki stand etwas entfernt hinter ihr und beobachtete Miyako dabei, wie sie sich nun seine eingerahmten Bilder auf den Regalen ansah.
„Dein Vater ist Chef der Klinik, richtig?“, fragte sie auf einmal, als sie ein Foto von seinen Eltern erblickte.
„Ja, woher weißt du das?“, kam es erstaunt zurück.
Miyako fing an zu kichern, den Rücken immer noch zu ihm gewandt. „Du, Chiaki Nagoya, arbeitest im angesehenen Nagoya-Krankenhaus und da ich bezweifle, dass du mit 24 Jahren schon Direktor bist, gehe ich stark davon aus, dass dein alter Herr der Kopf des Familienbetriebes ist.“ Sie drehte mit einem selbstsicheren Lächeln in seine Richtung um und tippte auf ihrem Kopf. „Da drin befindet sich auch ein Gehirn, weißt du?“
Chiaki stieß ein kurzes Lachen aus.
„Deine Mutter ist auch eine wunderschöne Frau.“, sagte Miyako mit Bewunderung in der Stimme.
Sein Lachen erstarb in dem Moment.
„…War.“, sagte er nach kurzem Zögern.
„War?“ Miyako machte ein irritiertes Gesicht.
„Ja.“
„Oh…“ Sie begann zu realisieren, was er meinte. „Oh Gott… Das tut mir furchtbar leid.“ Mitgefühl zeichnete sich in ihren Augen ab.
„Schon okay.“ Er schenkte ihr ein aufmunterndes Lächeln.
„Was machen deine Eltern eigentlich?“, fragte Chiaki sie, versuchte mehr oder weniger das Thema zu wechseln. Miyako atmete erleichtert aus.
„Meine Mutter ist eine fleißige Hausfrau und mein Vater Polizeiinspektor.“, antwortete sie ihm.
„Ah… Dann weiß ich jetzt, woher diese bemerkenswerte Auffassungsgabe kommt. Muss ich Angst haben, wenn ich ihn irgendwann kennenlerne?“
„Wer weiß… Ich kann für nichts garantieren.“
„Wie zielsicher ist er?“
„Hmmm. Ich würde sagen: sehr.“
„Okay… Man sagt mir zwar, ich sei ein talentierter Arzt, aber selbst ich könnte mir schwer eine Kugel eigenhändig aus der Brust entfernen.“
Daraufhin musste Miyako herzlich lachen, sichtlich froh darum, dass sie die Atmosphäre zwischen ihnen sich wieder aufgelockert hatte. Sie wandte sich wieder zu den Fotos um. Ihre Augen blieben bei einem bestimmten Bild etwas länger haften.
Es war das Schulabschlussfoto von Chiaki und Maron. Die Vertrautheit, die die beiden darauf ausstrahlten, bereitete Miyako für einen kurzen Moment ein unruhiges Gefühl im Herzen.
„Du und Maron… Ihr kennt euch schon seit der Oberstufe?“
„Eher. Seit der Grundschule.“
Miyako’s Augenbrauen schossen erstaunt nach oben. „Wow…!“
„Ja. Wir wuchsen wie Bruder und Schwester gemeinsam auf.“, zuckte Chiaki mit den Schultern, steckte die Hände in die Hosentasche.
„Wirklich süß.“ Sie wandte sich lächelnd zu ihm um.
„Was steht überhaupt an für den heutigen Abend?“, fragte sie.
„Gut, dass du fragst…“, grinste Chiaki erfreut und ging auf sie zu. „Eine Reservierung beim besten Thailänder der Stadt, dann gehen wir in eine Billard-Bar, spielen ein paar Runden, trinken Cocktails.“, zählte er mit den Fingern auf, „Heute werden die auch eine Live-Band haben, die Jazz spielt. Hört sich gut an, oder?“
„Hm.“ Miyako ging einen Schritt auf ihn zu. „Oder wir können das machen…“ Sie zog ihn zu sich heran und versiegelte ihre Lippen miteinander. Chiaki riss zunächst etwas überrascht die Augen auf, gab sich jedoch dem Kuss hin und umfasste ihre Taille.
Ehe er sich versah, saß er auf dem Sofa, während Miyako sich auf seinen Schoß positionierte und ihre Arme um seinen Nacken legte. Mit jedem Moment wurden ihre Küsse fordernder.
Nach einer Weile war Chiaki sein Hemd los und Miyako hatte sich ebenfalls ihrer Strickjacke und Top entledigt und saß in BH vor ihm. Er legte ihr sachte eine Hand auf die Schulter und drückte sie etwas von sich.
„Was ist?“, fragte Miyako verwirrt.
„Ich eh, mach mir nur Sorgen, ob wir-... ob es für dich am Ende nicht etwas zu schnell geht…“, sagte Chiaki mit ehrlichen Bedenken in der Stimme.
„Keine Sorge.“ Sie drückte ihn mit einer Hand auf der nackten Brust aufs Sofakissen und lächelte. „Ich mag’s schnell.“Chiaki nickte und lächelte ebenfalls. „Okay.“
Damit zog er sie zu sich runter und küsste sie leidenschaftlich.
***

Wenige Tage später:

Es war Samstagnachmittag -ein warmer Junitag- und Maron lief mit Natsuki durch die Einkaufsstraßen Momokuri’s. Jede von ihnen hielt eine große Shoppingtasche in der Hand.
„Ich habe Lust auf Bubble Tea. Du auch?“, fragte Natsuki ihre Freundin, die sich gerade die langen, braunen Haare zu einem hohen Pferdeschwanz band.
„Klar.“, entgegnete Maron ihr nickend.
Gemeinsam steuerten sie auf einem naheliegenden Bubble Tea-Shop zu und bestellten sich jeweils ein Getränk. Plötzlich vernahmen sie eine weibliche Stimme hinter sich.
„Maron?“
Überrascht drehten die Angesprochene und Natsuki sich zu Miyako um, die beide freundlich anlächelte.
„Miyako, Hey! Was für ein Zufall.“, begrüßte Maron ihre Kollegin. „Oh, eh, das ist Natsuki.“, stellte sie gleichzeitig ihre Freundin vor.
„Hey, dich kenne ich doch.“, deutete Miyako auf die Grünhaarige, „Du warst mit Chiaki und deinem Freund letztens im Club gewesen. Wir, eh, sind uns auch kurz auf der Toilette begegnet, bevor du, ehm….“
Natsuki hielt sich mit einem beschämten Lächeln die Stirn.
„Erinnere mich bitte nicht daran, sonst bekomme ich wieder Migräne…“, sagte sie und versuchte die Erinnerungen von ihrem peinlichen Alkoholexzess zu verdrängen.
„Ach, sowas braucht die doch nicht peinlich zu sein.“, warf Miyako ein, bevor sie fragte: „Habt ihr vielleicht was dagegen, wenn ich mich zu euch dazusetze?“
Maron und Natsuki tauschten sich einen kurzen Blick aus und zuckten mit den Schultern.
„Wieso nicht.“, sagten sie gleichzeitig.
„Super!“, klatschte Miyako mit den Händen, „Ihr könnt euch schon mal einen Platz suchen. Ich hol mir noch schnell was.“
Gesagt, getan.
Maron und Natsuki setzten sich an einem runden Tisch am Fenster hin und keine fünf Minuten später, kam Miyako dazu.
„Du, Maron…Kann ich dich was fragen?“, fragte sie ihre braunhaarige Kollegin. „So unter Frauen…“
„Klar, tu dir keinen Zwang an!“
„Du und Chiaki… ihr seid sowas wie beste Freunde, richtig?“
„Die allerbesten Freunde.“, bestätigte Maron mit einem stolzen Lächeln.
„Okay. Wie viele Freundinnen hatte er vorher?“
Maron und Natsuki schauten sie bei der Frage irritiert an.
„Solltest du sowas nicht Chiaki selbst fragen?“, fragte Maron verwundert zurück.
Miyako lachte schnaubend auf. „Du weißt doch, wie Männer sind. Ihnen sind solche Fragen unangenehm und dann drücken sie sich davor zu antworten.“
Maron verzog unschlüssig das Gesicht.
„Naja… Chiaki geht eigentlich ziemlich sorglos mit seinen Vergangenheiten um-…“
„Aha. Mehrzahl.“ Miyako schlürfte kurz an ihrem Bubble Tea und sah mit einem aufmerksamen Blick zu Maron auf. „Mehrere also...?“
Maron seufzte innerlich. Sie wusste, dass ihre Kollegin die Tochter eines Polizisten war und gedanklich musste sie feststellen, dass man Miyako diesen Familienhintergrund anmerkte.
„Und wie war denn seine letzte Freundin?“, fragte die Sportjournalistin mit Neugier in der Stimme.
„Okay, schätze ich. Ist auch schon eine Weile her… Ich kann nicht viel über seine letzte Freundin sagen, weil er sie in Tokyo im Studium kennenlernte und ich sie nur einmal getroffen hatte, als ich für ein paar Tage zu Besuch da war.“, zuckte Maron mit der Schulter. „… Ich kann sagen, dass seine Ex vorher, Mayuri, ziemlich grauenhaft war. Bei der frage ich mich manchmal, wie er es am Ende mit ihr drei Jahre ausgehalten hatte…“
„Wieso fandst du diese Mayuri so schlimm?“, mischte Natsuki sich nun ins Gespräch ein.
„Ach, uhm… wir waren in der Oberstufe alle zusammen in einer Klasse und am Anfang der Beziehung sah noch alles gut aus. Aber mit der Zeit bekam sie immer solche merkwürdigen Eifersuchtsattacken, wenn er sich mir oder anderen Mädels unterhielt oder was unternehmen wollte. Besonders bei mir wurde sie extrem. An einem Knackpunkt hatte er am Ende Schluss gemacht…“ Bei den Erinnerungen zog Maron unverständlich die Brauen zusammen.
„Hmmm.“ Miyako blickte Maron mit einem neutralen Gesichtsausdruck an. „Hatte sie einen Grund, wegen dir eifersüchtig zu sein?“, fragte sie schließlich.
„Nein. Eigentlich nicht.“, seufzte Maron nach kurzer Überlegung und strich sich den Pony aus dem Gesicht.
„Also, zwischen dir und Chiaki war auch niemals was?“, hakte Miyako plötzlich nach.
Daraufhin riss die Braunhaarige erschrocken die Augen auf.
„Gott, Nein! Niemals!“ Maron schüttelte beharrend mit dem Kopf. „Chiaki und ich sind nur Freunde. Das wusste sie auch von Anfang an. Ich hatte mich mit ihr vorher auch super verstanden, aber mit der Zeit hatte sie sich extrem verändert….“ Sie hielt kurz inne.
„Okay, ich gebe zu, zu damaligen Zeiten hatte ich ziemlichen Stress mit meinem damaligen Freund gehabt und Chiaki war immer für mich dagewesen, um mich aufzubauen… Aber ich schwöre, mehr als Freundschaft war da nie. Für mich war und ist er immer wie ein großer Bruder - obwohl ich ein paar Monate älter bin.“
„Verstehe.“, sagte Miyako ruhig und rührte mit dem Strohhalm ihren Bubble Tea einige Male um.
„Also, ich hoffe, dass verunsichert dich jetzt nicht, oder so…!“, wendete Maron schnell ein und hob unschuldig ihre Hände in die Höhe. „I-Ich meine, du und Chiaki, ihr gebt ein tolles Paar ab und ich will seinem bzw. eurem Glück auf keinem Fall im Weg stehen! Außerdem bin ich mehr als glücklich mit meinem eigenen Freund zusammen!“
Daraufhin fing Miyako an zu lachen und winkte mit einer unbekümmerten Handbewegung ab.
„Keine Sorge! Ich bin nicht so unreif, wie eure ehemalige Schulkameradin.“, sagte sie und schenkte ihrer Kollegin ein sorgloses Lächeln. „Danke, für das Gespräch. Ich hatte das Gefühl gehabt, dass du ziemlich geschockt gewirkt hattest, als Chiaki mich zum Mittagessen damals abgeholt hatte.“
Was?? Quatsch! Ich war nur etwas überrascht. Weil ich Chiaki immer damit aufziehe, wieso er Single ist und kaum war ich ein Wochenende weg, warst du da.“, winkte Maron lachend ab.
„Tja… An einem Wochenende kann viel passieren.“, grinste Miyako.
„Und glaub mir, mit Chiaki kannst du dich mehr als glücklich schätzen. Ganz ehrlich… Er ist der Gentleman in Person.“
„Ich kann das ebenfalls bezeugen.“, stimmte Natsuki mit erhobener Hand zu, fühlte sich etwas ausgeschlossen aus der Konversation. „Da ich einen ganzen Tag mit ihm verbringen durfte…“
„Wie das denn?“, erkundigte Miyako sich bei der Grünhaarigen.
„Ach…Das ist eine ziemlich witzige Geschichte.“, sagte Natsuki und begann von ihrem Umzug nach Momokuri und dessen weiteren Tagesverlauf zu erzählen. Ab dem zufälligen Zusammentreffen im Restaurant begann Maron immer wieder ein paar Einzelheiten einzuwerfen, die Natsuki selbst entgangen waren. Gegen Ende der Story hielt sich jede von ihnen vor Lachen den Bauch.
„Dein armer Freund!“, lachte Miyako.
„Er hatte es verdient.“, verteidigte Natsuki sich.
„Aber so wie er dir zur Frauentoilette letztens gefolgt war…Wie der Typ Mann, der dir förmlich die Welt vor die Füße legen würde.“
Maron stimmte Miyako nickend zu.
Daraufhin rollte Natsuki verlegen mit den Augen.
Im Anschluss unterhielten sich die drei Frauen den restlichen Nachmittag ausgelassen über alle möglichen Themen und amüsierten sich herzlich, bis es schließlich Zeit war nach Hause zu gehen.



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Ein ziemlich ereignisloses Kapitel… Hoffe der eine oder andere bleibt trotzdem weiterhin gespannt :)
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