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Yes, No, Maybe

von mairio
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P16 / Het
Chiaki Nagoya Hijiri Shikaido Marron Kusakabe Miyako Toudaiji Yamato Minazuki
29.09.2018
15.02.2019
20
86.699
17
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Dieses Kapitel
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13.10.2018 3.854
 
Chapter 5: Well, obviously…

Wie versprochen schaute Chiaki am nächsten Tag bei Maron im Mori-Café vorbei, bevor seine Schicht mittags begann. Gähnend lief er durch die Innenstadt.
Die letzte Nacht hatte er kaum Schlaf bekommen. Schon am Morgen hatte er sich drei Tassen Kaffee gemacht. Womöglich würde er sich bei Maron noch einen bestellen.
Noch immer spukten die Bilder von ihr und Hijiri in seinem Kopf herum. Verbissen versuchte er sich die Erinnerungen aus dem Gedächtnis zu entfernen. Erfolglos.
Kaum hatte Chiaki das Café betreten, überrannte ihn schon der angenehme Duft von Kaffeebohnen. Gesanglose Jazzmusik war im Hintergrund zu hören. An jeder Ecke unterhielten sich Menschen entspannt miteinander.
Am hinteren Ende des Ladens sah er Maron, die soeben eine Bestellung aufnahm und zu ihm aufschaute.
Ein Lächeln bildete sich auf ihrem hübschen Gesicht und sie ging auf ihn zu. Chiaki konnte nicht anders als ihr zurückzulächeln.
„Chiaki!“, begrüßte Maron ihn erfreut. „Ich freu mich dich zu sehen.“
„Hi.“ Beide umarmten sich.
Normalerweise würden ihn solche Gesten glücklich stimmen, doch seit dem gestrigen Abend überkam ihm das bekannte, stechende Gefühl in seiner Brust. Trotzdem zwang er sich ihr zuliebe zu einem sorglosen Lächeln.
„Soll ich dir einen Latte Macchiato machen?“, fragte Maron ihn. „Oh, oder soll ich dir einen Matcha Latte machen? Ist neu im Sortiment und ziemlich beliebt derzeit bei den Kunden.“
„Hmm. Ein anderes Mal. Ich nehme für heute den klassischen Macchiato zum Mitnehmen. In einer halben Stunde muss ich im Krankenhaus sein.“, sagte er, begab sich zu einem Tisch und setzte sich auf einem barhockerähnlichem Stuhl kurz hin.
„Okay. Ich bin gleich wieder da.“
Während Chiaki auf seine Bestellung wartete, beobachtete er Maron dabei, wie sie ein paar weitere Gäste bediente und anschließend wieder zur Theke zurückkehrte.
„Hey.“, hörte er jemand in einem freundlichen Ton plötzlich sagen. Chiaki wandte seinen Blick von seiner besten Freundin ab, um in Hijiri Shikaidou’s Gesicht zu blicken, der auf der anderen Tischseite stand.
„Hey…“, begrüßte er ihn mit neutraler Tonlage zurück. Ihm fiel in dem Moment ein, dass er Maron -mehr oder weniger- versprochen hatte, sich mit ihm anzufreunden. Tief in seinem Inneren wünschte er sich, er hätte die Klappe gehalten.
„So sieht man sich wieder.“, sagte sein Gegenüber.
„Scheint so.“, entgegnete Chiaki mit einem oberflächlichen Lächeln. „Mittagspause?“
„Ja… Kannst du hier was empfehlen?“, fragte Hijiri und sah zur Getränke- und Speiseliste an der Wand über der Theke auf.
Chiaki folgte seinem Blick. „Alles mit Koffein um ehrlich zu sein.“, sagte er und zuckte mit den Schultern.
„Die Nougatcroissants sind eine Empfehlung des Hauses.“, mischte sich Maron ins Gespräch ein und gab Chiaki seinen Latte Macchiato-Becher.
„Hallo.“, sagte sie zu Hijiri gewandt.
„Hi.“, sagte er knapp zurück.
Beide warfen sich kurze Blicke zu, die Chiaki nicht entgingen. Maron biss sich auf die Lippe und schaute verlegen weg, während Hijiri seinen Blick angestrengt auf die Menüliste fixierte.
Mit einer unangenehmen, nahezu peinlichen Spannung in der Luft, schaute Chiaki zwischen ihnen hin und her.
„Himmelherrgott… Das kann man sich ja nicht mit ansehen! Nun küsst euch endlich…!”, sagte er an Beide gerichtet und fügte augenrollend hinzu: „Ich weiß Bescheid, schon vergessen?“
Mit den Worten entfernte er sich kurz von ihnen und holte sich einen Kaffee-Rührstab für seinen Latte Macchiato.
Die Aufforderung ließ das Paar sich nicht zweimal sagen und sie gaben sich einen liebevollen Begrüßungskuss.
„Ziemlich cool von dir, dass du kein Problem damit hast, Chiaki.“, sagte Hijiri und legte Maron eine Hand um die Taille, als der Blauhaarige wieder an den Tisch zurückkehrte.
Oh, ich hab ganz und gar kein Problem damit…!, dachte dieser sich sarkastisch.
„Ihr seid zwei erwachsene Menschen, die machen können, was sie wollen.“, sagte er so gleichgültig wie möglich, entfernte den Plastikdeckel seines Bechers und verrührte kurz den Milchschaum. Unterdessen überredete Maron Hijiri zu einem Cappuccino und einem Croissant.
„So, ich gehe dann mal.“, sagte Chiaki, nachdem er seinen Macchiato wieder verschloss, es an sich nahm und einen letzten Blick auf die Uhr warf.
„Bis demnächst.“, verabschiedete Hijiri sich bei ihm.
„Pass auf dich auf.“, lächelte Maron ihn schief an.
„Du- Ich meine, ihr auch.“, lächelte er verhalten zurück.
Damit war Chiaki aus dem Café verschwunden und stürzte sich in die Arbeit.
***

„Also nochmal zum Mitschreiben? Sie ist mit dem Assistenten ihres Vaters zusammen?!“, fragte Shinji ungläubig.
„Hörst du mich stottern?! Was genau gibt’s nicht zu verstehen?“, giftete Chiaki ihn genervt an.
Sein Freund hob abwehrend die Hände in die Höhe.
Sorry, man! Aber bei dir war ja einiges los gewesen, während ich weg war! Ich muss da erst meinen inneren Seelenklempner wieder rausholen.“, sagte er und fing seinen Basketball auf, den er von Chiaki hart zugeworfen bekam.
Es war Freitagnachmittag und über eine Woche war vergangen, seitdem Chiaki von Maron die Wahrheit erfahren hatte.
Shinji und er hatten sich zum Sport und Basketball spielen verabredet, nachdem der Fotograf die letzten paar Tage von Event zu Event gependelt war und endlich aufatmen konnte in seinem Terminkalender.
Chiaki war froh seinen besten Freund wiederzusehen, weshalb er die Gelegenheit auch direkt ausnutzte, um ihn über die neuesten Umstände mit Maron aufzuklären. Er musste mit irgendjemanden reden.
Gleichzeitig war der Sport eine willkommene Ablenkung neben der Arbeit, in der er Dampf ablassen konnte.
Dass er sein Indianerehrenwort gerade brach, war ihm bewusst, allerdings war für Maron sowieso wohl eher das Wichtigste, dass ihre Eltern nichts von der Beziehung mitbekamen.
„Wie ist der Hijiri-Typ denn so? Ein Schnösel? Ein Freak? Ein Hipster?“, fragte Shinji neugierig und warf einen Korb. Der Ball sprang in Chiaki’s Hände zurück.
„Bis jetzt… ein normaler, anständiger, unerträglich netter Kerl von nebenan.“, schnaubte er und ließ den Ball zweimal auf dem Boden prellen. „So ein typischer Sonnyboy.“ Er warf den Ball, welcher jedoch am Korb abprallte. Sein Freund nahm das runde Objekt wieder an sich.
„Hört sich furchtbar an.“, kam es von Shinji ironisch und dribbelte einige Male. „Und…von dem was du beobachten konntest… Wie ernst ist für den die Beziehung? Will er ihr nur an die Wäsche oder mag er sie wirklich?“
Chiaki überlegte eine kurze Weile. Dabei kam ihm ein Ereignis vom letzten Wochenende ins Gedächtnis.
„Keine Ahnung. Schätze Letzteres…“, murrte er leise und begann zu erzählen.

Es war Sonntag und er mal wieder im Café gewesen, um Maron einen Besuch abzustatten, die an dem Tag Spätschicht hatte. Seitdem sie wieder da arbeitete, ging er öfters dort vorbei, wenn er konnte.
Zu Chiaki’s Bedauern war Hijiri auch des Öfteren anwesend und versuchte mit ihm über Gott und die Welt ins Gespräch zu kommen. Mit oberflächlicher Freundlichkeit ging er auf die Konversationen ein, um Maron einen Gefallen zu tun. Zu seinem eigenen Erstaunen gab es ab und an Themen, worin er sich mit ihm tiefgründig unterhalten und lachen konnte.
So saß Chiaki auch an diesem Sonntagnachmittag mit Hijiri an einem Tisch, im hinteren Bereich des Ladens. Keine zehn Meter von ihnen entfernt, bediente Maron ein paar Gäste. Gerade als sie von einem Tisch das Geschirr abräumte, kam von der Seite ein zwei Meter großer, übermuskulöser, junger Mann und versuchte sie mit schlechten Sprüchen anzubaggern.
Ohne auf die Anmache einzugehen, bat Maron ihn so höflich wie möglich darum entweder sich was zu bestellen oder zu gehen. Doch davon ließ sich der Gast nicht abwimmeln und packte sie am Arm, als sie sich wegdrehen wollte. In dem Augenblick wurde sie bemerkbar lauter und verlangte von ihm sie loszulassen.
Instinktiv wollte Chiaki schon von seinem Stuhl aufspringen und eingreifen, als plötzlich Hijiri sich schon auf den Beinen befand und sich dazwischen stellte. Beschützend zog er Maron hinter sich und redete auf den Mann ein, dass dieser sich von seiner Freundin verhalten sollte.
Bevor irgendwer reagieren konnte, schlug der Gast nach einigen Wortgefechten Hijiri hart ins Gesicht, sodass dieser auf den nebenstehenden Tisch aufschlug und zu Boden fiel. Nach einem kurzen Schockmoment gab Maron den Mann aus Wut einen kräftigen Kinnhaken und verletzte sich dabei die Schlaghand.
K.O fiel er zurück und wurde letztendlich von einem männlichen Kollege und ihrem Chef mit einem lebenslänglichen Hausverbot aus dem Laden befördert.
Am Ende musste Chiaki, der alles fassungslos beobachtet hatte, sowohl seine beste Freundin als auch ihren Freund verarzten und fuhr mit ihnen kurz ins Krankenhaus. Hijiri blieb ein dickes, blaues Auge zurück, während Maron mit einer leichten Verstauchung in den Fingern davon kam.

„Wow… Frauen können einen ziemlichen Schlag drauf haben.“, kommentiere Shinji, nachdem Chiaki zu Ende erzählte. „Ich spreche da aus Erfahrung.“
Sein blauhaariger Freund warf ihm einen skeptischen Blick zu, fragte jedoch nicht nach.
„Aber ich verstehe, was du andeuten willst… Dieser Hijiri scheint es mit Maron wohl wirklich ernst zu meinen, wenn er für sie es in Kauf nimmt im Krankenhaus zu landen.“, sagte Shinji und warf wieder einen Korb.
„Mhmm… Die ganze Zeit über als ich die Beiden verarztet habe, hat er sich auf Maron fokussiert und sie gefragt, ob es ihr gut ginge und sowas...“, sagte Chiaki tonlos, versuchte sich die Eifersucht nicht anmerken zu lassen. „Von allen Kerlen, die sie bisher gedatet hatte, habe ich noch nie einen erlebt, der sich so für sie einsetzte. Also, klar, sie ist auch nicht schwach…hat man ja gesehen! Normalerweise lehnten die sich in solchen Situationen immer zurück und ließen Maron selbst damit klarkommen.“ Leicht verbittert fügte er hinzu: „Normalerweise wäre ich auch bei solchen Situationen dazwischen gegangen.“
„Ja… Ganz offensichtlich gehört dieser Hijiri zu einer komplett neue Spezies.“, lachte Shinji ironisch auf. „Was haben sie eigentlich ihrem Vater erzählt? Wäre schließlich komisch, wenn Tochter und Angestellter zum selben Zeitraum verletzt ankommen.“
„Maron hat eine abgespeckte Version von der Wahrheit erzählt, ohne dass ihr Freund darin vorkommt, während dieser irgendeine Story sich ausgedacht hatte, dass man versucht hatte ihn auszurauben, oder so…“
„Ah…. Einfallsreich.“
Für einige Minuten sagte keiner mehr was und warfen abwechselnd ein paar Körbe.
Auf einmal fing Shinji an zu kichern und zu lachen.
„Was ist los?“, fragte der junge Arzt.
„Gibt’s zu, Alter! Tief in deinem Inneren hat es dich gefreut, den Typen am Boden zu sehen.“, antwortete Shinji ihm schadenfroh und schlug ihm verspielt auf die Schulter. Chiaki warf ihm einen ernsten Blick zu, prustete nach einigen Sekunden jedoch los und stimmte letztlich in sein Lachen mit ein.
„Halt die verdammte Klappe!“, lachte er.
„Also hab ich Recht. Hahahah.“
Plötzlich vernahmen sie eine Stimme hinter sich.
„Hey, Chiaki!“
Überrascht drehte der Angesprochene sich zu Hijiri um, der in schwarzen Laufklamotten und Sportkopfhörern auf ihn zuging und ihn mit einem freundschaftlichen Handschlag begrüßte.
„Eh…Hey!“ Wenn man vom Teufel spricht!, dachte Chiaki sich und fragte: „Was machst du denn hier?“
„Bin hier zufällig vorbei gejoggt und habe dich und Freund spielen sehen.“, erklärte Hijiri und streckte Shinji die Hand aus. „Hi. Hijiri Shikaidou.“
„Shinji Narukami.“, schüttelte der Dunkelhaarige seine Hand.
„Was dagegen wenn ich probiere ein paar Körbe zu werfen?“, fragte Hijiri ihn.
„Nur zu.“ Achselzuckend gab Shinji ihm den Basketball.
„Wird bestimmt jetzt peinlich, weil ich seit zehn Jahren keinen Basketball mehr in der Hand hatte.“, grinste der Rothaarige verlegen, drippelte einige Male und warf direkt fünf perfekte Körbe.
Chiaki und Shinji schauten stumm zu und tauschten sich einen vielsagenden Blick aus.
Was für ein verdammter Heuchler…!, ging es den beiden besten Freunden durch den Kopf.
„Dein Gesicht sieht übrigens besser aus.“, stellte Chiaki fest und deutete mit dem Zeigefinger auf sein eigenes Auge.
„Oh ja! War erstaunlich schnell verheilt, nachdem ich deine Tipps die letzten Tage folgte.“, sagte Hijiri leicht schwer außer Atem und gab den Jungs wieder den Ball zurück.
„Immer schön kühlen.“, nickte Chiaki.
„Immer schön auf den Doktor hören.“, grinste Shinji gleichzeitig.
„Ja, genau!“, stimmte Hijiri Beiden zu und schaute auf seine Sportuhr. „Ich gehe dann mal. Hole Maron später noch von der Arbeit ab. Wir sehen uns bestimmt demnächst wieder. Vielleicht können wir ja mal zu Dritt ein paar Körbe werfen.“, verabschiedete er sich von ihnen und entfernte sich vom Basketballplatz.
„Ok. Ich verstehe dein Problem.“, murmelte Shinji Chiaki zu, während sie beobachteten wie Hijiri davon joggte. Dabei passierte er ein paar junge Läuferinnen, die anfingen zu kichern und hörbar über ihn zu schwärmten.
„Solche Kerle gehören verboten.“, sagte Shinji und verengte argwöhnisch die Augen.
Chiaki schaute ihn mit hochgezogener Augenbraue an. „Du hast eine Freundin.“
„Es geht ums Prinzip, mein Freund.“
„Was auch immer…“
„Ihr scheint euch aber recht gut zu verstehen…“, merkte Shinji an. „Sehe ich da sowas wie Freundschaft aufkeimen?“, grinste er neckend.
Chiaki verzog sichtbar das Gesicht. „Ich persönlich würde es nicht wirklich Freundschaft nennen…!“
„Pass auf, am Ende wirst du sein best buddy, oder so!“
„Bloß das nicht…! Dafür habe ich dich ja schon.“
„Hey! Bloß nicht frech werden, Nagoya.“
„Du gibst mal wieder Scheiße von dir, Narukami.“
„Wie dem auch sei!“, rollte Shinji mit den Augen. „Hättest du deine Chance eher genutzt, würdest du jetzt wahrscheinlich nicht fünftes Rad spielen. Aber der Herr hört ja nie auf mich!“
Als Antwort bekam Shinji von Chiaki den Ball an den Kopf geworfen.
„Autsch!!“
„Sorry, meine Hand ist ausgerutscht.“
***

„Hier sind eure Espressos.“, sagte Maron.
„Danke, Liebling.“, lächelte Korron und nippte an ihrer Tasse. Auch Takumi nahm dankend seine Tasse an.
Es war Samstagnachmittag und ihre Eltern schauten nach einem kurzen Einkaufstrip bei ihr im Mori-Café vorbei.
„Übrigens, ich habe heute wieder Spätschicht, da braucht ihr nicht auf mich warten mit dem Abendessen.“, sagte Maron ihnen so beiläufig wie möglich, während sie Hijiri aus dem Augenwinkel sah, der mit einem breiten Lächeln auf sie zuging.
„Hallo Ma-“
„Herr Shikaidou! Was kann ich Ihnen bringen?“, drehte sie sich schnell zu ihn um und wies mit einem schnellen Seitenblick auf ihren Vater und ihrer Mutter. Hijiri bemerkte in den Moment erst die Anwesenheit seines Chefs. Sein Lächeln gefror.
„H-Hallo!“
„Hijiri! Eine Überraschung dich hier zu sehen.“, begrüßte Takumi ihn mit einem erfreuten Lächeln. „Ah, bevor ich es vergesse, das ist meine Frau Korron.“, stellte er gleichzeitig seine Frau vor. Respektvoll gab Hijiri Maron’s Mutter die Hand.
„Freut mich Sie kennenzulernen. Und…eh…Ich habe gehört, der Kaffee soll hier hervorragend sein.“, brachte er entgegen. „U-Und da wollte ich mich selbst davon überzeugen.“
„Einen Kaffee! Kommt sofort!“, sagte Maron und verschwand eifrig hinter die Theke.
„Da kannst du den Gerüchten Glauben schenken. Und wenn Maron ihn macht, dann hast du nichts zu befürchten.“, sagte ihr Vater, leerte mit einem Schluck seinen Espresso und wandte sich an Korron. „Wir gehen dann mal, oder?“
Sie nickte und gemeinsam stand das Ehepaar auf.
„Wir sehen uns am Montag auf der Arbeit.“, verabschiedete Takumi sich von Hijiri, während Korron ihrer Tochter kurz zum Abschied umarmte, die soeben mit einer Kaffeetasse zurückkehrte.
„Bis Montag.“, sagte Hijiri seinem Chef.
Kaum waren die Kusakabes aus dem Geschäft seufzte Hijiri hörbar auf und ließ sich auf den freien Stuhl nieder.
„Ich halte das nicht mehr aus. Ich wäre dafür, dass wir es ihnen endlich sagen.“. sagte er zu Maron. „Da will ich meine Freundin spontan auf der Arbeit überraschen und kann es nicht.“
Die Braunhaarige biss sich zögernd auf die Lippe. Sie konnte ihn verstehen. Ihr selbst wurde die Heimlichtuerei mit der Zeit zu anstrengend und der Drang war groß einfach die Bombe platzen zu lassen.
„Okay...“, antwortete sie den Rothaarigen, setzte sich zu ihm dazu und nahm seine Hand. „Wir sagen es ihnen. Heute Abend, ja?“
Ihr Gegenüber nickte, beugte sich über den Tisch und gab ihr einen Kuss auf die Wange.

Zur selben Zeit saß Chiaki auf dem Sofa bei seinem Vater zu Hause und beschäftigte sich mit seinem Laptop. Alle paar Wochen besuchte er sein Elternhaus, um seinem alten Herrn eine Freude zu machen, auch wenn sie sich nahezu jeden Tag auf der Arbeit sahen. Allerdings wusste er auch, wie wichtig seinem Vater die Vater-Sohn-Zeit war, selbst wenn sie nur darin bestände sich für einen Kaffee kurz zusammenzusetzen. Gedankenverloren klickte Chiaki sich durch ein paar Internetartikel durch, ohne wirklich was zu lesen. Im Hintergrund lief gleichzeitig der Fernseher und strahlte die Nachrichten aus.
„Irgendwas bedrückt dich, Sohn.“, hörte er sein Vater rechts von ihm sagen, der sich mit einem Glas Whiskey auf den nebenstehenden Sessel setzte.
„Wie kommst du darauf?“, fragte der Jüngere zurück, klappte seufzend seinen Laptop zu, legte es beiseite und stand auf.
„Die letzten Tage wirktest du etwas niedergeschlagen.“
„Das bildest du dir bloß ein.“
Chiaki ging an seinem Vater vorbei, zum Wohnzimmerfenster auf der rechten Seite und schaute hinter den Vorhängen auf die andere Straßenseite. Das Haus der Kusakabes war perfekt im Blick. Wie oft er schon als Kind zu seinen Nachbarn rüber gerannt war oder Maron zu ihnen.
Kaiki stand ebenfalls auf, ging um den Sessel rum und lehnte sich mit dem Rücken an die Lehne an. Für einen Moment beobachtete er seinen Sohn mit einem ruhigen Gesichtsausdruck, überlegte sich seine folgende Frage gut.
„Hat es was mit Maron zu tun?“, fragte er ihn schließlich.
Überrascht drehte Chiaki seinen Kopf in seine Richtung und zog die Brauen zusammen. „Was soll mit ihr sein?“
Mit einem wissenden Blick nahm Kaiki einen Schluck von seinem Glas und versuchte sich ein Grinsen zu verkneifen.
„Du weißt genau wovon ich rede.“, sagte er augenzwinkernd und fing letztlich an zu kichern.
Chiaki’s Augen weiteten sich erschrocken. Er senkte seinen Blick kurz zu Boden, fuhr sich mit der Hand über die untere Gesichtshälfte und schaute wieder zu seinem Vater auf.
„... War es so offensichtlich?“
„Klar!“, lachte der Chefarzt laut auf. „Denkst du, ich weiß nicht, was in meinem eigenen Sohn vorgeht?“
„Okay...“, brachte Chiaki hervor, nicht wissend was er noch sagen sollte. „Wie lange wusstest du es schon?“, fragte er nach einigen Sekunden der Stille.
Ein sanftes Lächeln haftete auf Kaiki’s Gesicht.
„Ich habe euch aufwachsen sehen.“, setzte er in einem väterlichen Ton an und sah seinen Sohn an. „Ich habe gesehen, wie du dich in Maron verliebtest bevor du überhaupt alt genug warst, um zu wissen was Liebe ist. Und um ehrlich zu sein, warte ich seit Jahren schon darauf, dass du es ihr sagst.“
Sein Gegenüber nickte nur verstehend, verschränkte die Arme vor die Brust.
„Du hattest zwar einige Freundinnen mir vorgestellt, aber… Allein wie du Maron ansiehst… erinnert mich an deine Mutter und mich.“, sprach Kaiki weiter, seine Augen blickten traurig nach draußen.
Bei der Erwähnung seiner Mutter, erstarrte Chiaki kurz. Es kam nicht oft vor, dass sein Vater über sie sprach. Er wusste, dass sein Vater sie nach all den Jahren immer noch liebte und vermisste. Ein Grund, weshalb Kaiki auch nie nach einer neuen Beziehung suchte. Keine Frau hätte Sayuri ersetzen können.
Tief in seinem Inneren, war Chiaki auch froh darüber. Er selbst hätte eine neue Frau niemals als Mutter akzeptieren können.
„Warum hast du es ihr bisher nie gesagt?“, fragte Kaiki mit Neugier in der Stimme und riss Chiaki wieder in die Gegenwart zurück. Ratlos zuckte er mit den Schultern.
„Keine Ahnung… schätze mal, ich war und bin zu feige dafür?“, antwortete er und lachte kurz auf. Er konnte nicht glauben, dass er mit seinem Vater dieses Gespräch führte.
„Hmm. Ich warte förmlich darauf Maron endlich als meine Schwiegertochter begrüßen zu können.“, sagte Kaiki schmunzelnd und neigte den Kopf leicht zur Seite.
„Mutig von dir anzunehmen, dass sie genauso empfinden würde wie ich.“, kam es von Chiaki sarkastisch und lehnte sich an die Wand neben dem Fenster zurück.
„Naja…Jetzt ist es eh zu spät.“, sagte er seufzend. „Sie ist jetzt glücklich mit Takumi's Assistenten zusammen und-...“ Er stoppte sich mitten im Satz, warf seinem Vater einen kurzen Blick zu und hielt sich die Hand vor dem Mund. „Bitte sag ihren Eltern nichts. Ich habe Maron eigentlich versprochen niemanden was zu sagen.“
Kaiki fing an amüsiert zu lachen.
„Oh, mach dir um Takumi und Korron keine Gedanken.“, sagte er und lächelte geheimnisvoll.
Sichtlich irritiert blickte Chiaki ihn an.
„Ha?“

Unterdessen standen Maron und Hijiri wenige Stunden später mit dem Auto vor ihrem Haus.
„Am besten überlässt du mir das Reden.“, sagte sie mit Anspannung in der Stimme und wühlte kurz in ihrer Tasche, ehe sie zu ihrem Fahrer aufblickte.
„Okay.“, nickte dieser und stieg aus. Maron stieg ebenfalls aus.
Zusammen gingen sie zur Tür. Tief Luft nehmend, drückte sie auf die Klingel.
„Wieso klingelst du?“, fragte Hijiri verwundert.
„Habe meinen Schlüssel vergessen…“, gab Maron kleinlaut zu.
„Na super… das macht alles natürlich weniger unangenehm…“, fuhr sich ihr Begleiter durch die Haare. Sie verdrehte ihre Augen.
Im nächsten Moment öffnete sich die Haustür.
„Maron. Hast du mal wieder deinen Schlüssel vergessen?“, kam Takumi erstaunt und blickte von ihr zu seinen Mitarbeiter und wieder zurück. „War Hijiri etwa so freundlich und hat dich nach Hause gefahren?“, fragte er mit hochgezogener Augenbraue. Hinter ihm tauchte seine Frau auf.
„Willst du nicht reinkommen, Schatz?“, fragte sie ihre Tochter.
Maron tauschte mit Hijiri einen letzten Blick aus, atmete nochmal tief ein und aus, bevor sie sprach:
„Mama, Papa... E-Es gibt da etwas was ich euch sagen muss.“
Erwartungsvoll schauten ihre Eltern die Beiden an. Maron schlug mittlerweile das Herz bis über beide Ohren.
„Ehm…“, setzte sie nervös an. „Hijiri und ich… Wir sind-…uhm...“
„Ihr seid ein Paar.“, vollendete ihr Vater und fing an zu grinsen.
Schockiert sowie sprachlos blickte das Paar ihn mit großen Augen an. Einige Sekunden verstrichen.
Takumi stand mit verschränkten Armen und einer ruhigen Miene vor ihnen, während Korron gespannt zuschaute. Hinter vorgehaltener Hand verkniff sie ein amüsiertes Grinsen.
Das Verhalten ihrer Eltern machte Maron stutzig.
„W-Warte-…Ihr wusstet es?!“, fragte sie nach einen Moment der Stille. „W-Woher wusstet ihr es?“ Sie schaute ihren Vater an, der leicht schmunzelte.
„Glaubst du, ich kenne meine eigene Tochter nicht? Die heimlichen Blicke, die ihr euch austauscht und das ganze Theater... Von Herrn Morimoto habe ich übrigens erfahren, was wirklich letztes Wochenende im Café passiert war.“, schnaubte er auf. „Ihr seid Beide sehr lausige Lügner.“ Er blickte Maron ernst an. „Deine Mutter und ich haben nur auf den Augenblick gewartet, dass du es uns endlich gestehst.“
„…Uhm, also bist du nicht wütend auf uns?“, fragte Hijiri vorsichtig. Maron warf ihm einen mahnenden Blick zu.
„Oh, doch. Ich bin wütend.“, antwortete Takumi ihm unangenehm ruhig, die Augen mit einem scharfen Blick auf ihn fixiert. „Glaub mir, diese Unterhaltung würde komplett anderes verlaufen, wenn meine Frau und meine Tochter nicht hier wären.“
Seinem Mitarbeiter blieben die Worte ihm Hals stecken.
„Ich sehe Sie am Montag auf der Arbeit, Herr Shikaidou?“, sprach Takumi mit einem autoritären Ton in der Stimme. Der Angesprochene musste schwer schluckte. Dass sein Chef ihn siezte und bei Nachnamen nannte, zeigte ihm eindeutig dass er wütend war.
„Ja, Sir! Ich… eh, gehe besser auch.“, sagte Hijiri mit einem eingeschüchterten Lächeln, verabschiedete sich respektvoll und ging zu seinem Auto zurück. Maron sah ihm noch kurz nach, nachdem er davonfuhr.
Dann richtete Takumi sich wieder an seiner Tochter.
„Magst du ihn?“, fragte er prüfend.
„Ja.“, antwortete sie ihm ohne zu zögern. „Sehr sogar.“
Takumi schaute sie für einen Augenblick an, tauschte mit Korron anschließend einen kurzen Blick aus. Seine Frau zuckte mit den Schultern, lächelte ihn und Maron warm an.
„Okay.“, sagte er knapp und fuhr sich seufzend über das Gesicht. „Ich tue mein Bestes, ihn nicht rauszuschmeißen.“ Leise sprach er zu sich selbst: „Oder umzubringen.“
Daraufhin musste Maron erleichtert auflachen.
„Danke, Papa...“
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