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Yes, No, Maybe

von mairio
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P16 / Het
Chiaki Nagoya Hijiri Shikaido Marron Kusakabe Miyako Toudaiji Yamato Minazuki
29.09.2018
15.02.2019
20
86.699
17
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08.10.2018 3.386
 
Chapter 4: Her Little Secret

Zwei Wochen waren seit dem Kinoabend vergangen. Seitdem hatte Chiaki Maron nicht mehr zu Gesicht bekommen, weil sie auf Hochtouren mit ihrer Abschlussarbeit lief. Er selbst war ziemlich beschäftigt gewesen im Krankenhaus, übernahm einige Nachtschichten und Überstunden.
Gelegentlich schrieb er ihr eine Textnachricht, um sicher zu stellen, dass es ihr gut ging oder um ihr ein paar ermutigende Worte zu hinterlassen, die sie dankend annahm. An manchen Abenden telefonierten sie auch für ein paar Minuten miteinander, wenn Maron sich nicht zu gestresst fühlte. Doch die paar Minuten reichten Chiaki. Überhaupt für ein paar wenige Sätze ihre Stimme zu hören, reichte ihm. Da konnte er den Alltagsstress für den Rest des Tages vergessen und sich entspannt fühlen.
Noch immer fragte er sich jedoch, was sie ihm an dem einen Abend sagen wollte. Als er sie einmal am Telefon darauf ansprach, sagte sie ihm nur, dass sie das lieber persönlich und in Ruhe klären möchte, was er mit einem ‚Okay‘ akzeptierte.
Nachdem sie aufgelegt hatten, warf er einen seufzenden Blick auf sein Wandregal im Wohnzimmer, auf welches ein paar Fotos sich befanden. Darunter war auch eins, worauf er und Maron zu ihren Schulabschluss abgebildet waren und glücklich in die Kamera grinsten. Die Kusakabes hatten dasselbe Foto bei sich im Wohnzimmer stehen.
Chiaki schaute das Bild mit einem verträumten Lächeln an.
Er vermisste sie. Auch wenn es nur zwei Wochen waren, so vermisste er sie genauso stark, wie zu der Zeit als er nach dem Schulabschluss nach Tokyo ging, um sein Medizinstudium zu absolvieren.
Es gab keinen Tag, wo er nicht an Maron dachte. Wo er sich fragte, was sie machte oder mit wem sie unterwegs war. Wo er darauf hoffte, dass es ihr gut ging. Dass sie mit einem glücklichen, zufriedenen Gefühl den Tag beginnt und beendet.
Nach einigen kräftigen Überlegungen, beschloss Chiaki Shinji’s Rat nachzugehen und ihr bei der nächsten, passenden Gelegenheit seine Gefühle zu gestehen. Vielleicht hatte sein Freund Recht und sie empfand genauso?
Und wenn nicht? Dann würde Chiaki Manns genug sein, ihre Gefühle zu akzeptieren, zu respektieren und weiterhin versuchen für sie als bester Freund dazu sein.
Besser als sie komplett zu verlieren.
Solang sie in sein Leben blieb, reichte es ihm.

Und so vergingen die restlichen Tage.
Es war Mitte März, Montagnachmittag und Chiaki wollte soeben Feierabend machen, als plötzlich sein Vater an der Bürotür klopfte.
„Da du gerade frei hast, kannst du mir einen Gefallen tun?“, fragte Kaiki ihn.
Sein Sohn neigte fragend den Kopf, während er sich seine Jacke anzog. „Was für einen Gefallen?“
Daraufhin hielt der Chefarzt einen großen, braunen Umschlag hoch und reichte es Chiaki. Dieser nahm es mit einem großen Fragezeichen im Gesicht an.
„Ein Auftragsangebot für Takumi.“, erklärte Kaiki ruhig. „Ein Patient von mir, der heute Morgen eingeliefert wurde, ist ein großer Bewunderer seiner Werke und nachdem er erfahren hatte, dass ich ihn persönlich kenne, hatte er mich darum gebeten, dies…“, er deutete mit dem Finger auf dem Umschlag, „…ihm zu überreichen. Eigentlich wollte er es Takumi heute selbst übergeben, aber aufgrund einer akuten Darminfektion ist er… naja, jetzt hier ans Bett gefesselt.“
„Scheint wohl sehr wichtig zu sein.“, merkte Chiaki lustlos an, drehte den Umschlag in seiner Hand hin und her.
Kaiki zuckte mit den Schultern. „Wie dem auch sei. Tu mir den Gefallen und spiele Postbote für mich, okay?“
„Kann Kagura das nicht machen?“
Der Krankenhausdirektor schüttelte lachend den Kopf. „Er ist gerade terminlich verhindert. Sonst hätte ich ihn natürlich darum gebeten.“
Widerwillig ging Chiaki auf die Bitte. „Okay, meinetwegen. Ich mach’s. Habe sowieso nichts Besseres zu tun.“, sagte er augenrollend und fuhr sich stöhnend durch die Haare.
„Danke, Sohn.“, lächelte sein Vater ihn an und klopft ihm stolz auf die Schulter.
Damit war der junge Arzt schon aus der Tür und begab sich zu seinem Auto.

Chiaki brauchte zwanzig Minuten bis er die Straße zu Takumi’s Architekturbüro erreicht hatte. Weitere fünf Minuten benötigte er, um einen freien Parkplatz einige Meter entfernt zu finden.
Mit dem Umschlag in der Hand stieg er aus und ging auf das moderne, gläserne Gebäude zu.
Vor dem Architekturbüro kam ihm plötzlich Maron entgegen.
„Maron? Was machst du denn hier?“, fragte Chiaki überrascht und umarmte sie zur Begrüßung. Die Angesprochene schaute ihn ebenfalls überrascht an.
„Oh…eh…Ich hatte meine Arbeit vorhin abgegeben, wollte mir die Beine vertreten und lief dann zufällig hier vorbei.“, erklärte sie ihm schnell und gestikulierte mit den Zeigefingern hinter sich.
„Ach stimmt! Heute war den Abgabetermin.“, schlug er sich mit der Hand auf die Stirn und schaute Maron anschließend verwundert an. „Moment Mal, die Uni ist über eine halbe Stunde Fußweg von hier entfernt…“
„Ja…ehm, ich hatte selbst nicht gemerkt, wo und wie lange ich umherlaufe.“, winkte sie hastig ab und rieb sich verlegen den Kopf. Chiaki wusste nicht wieso, aber er bekam das Gefühl nicht los, dass sie ihm etwas verheimlichte. „War ein wenig in Gedanken verloren gewesen.“, fügte sie letztlich hinzu und lachte kurz auf.
Er schmunzelte ebenfalls und warf sich seine Sorgen beiseite.
„Wegen der Arbeit? Da brauchst du dir keine Sorge machen. Ich bin mir sicher, du hast es gemeistert!“
„Danke! Ich wollte dir vorhin sowie schreiben.“, sagte Maron und fragte: „Was machst du eigentlich hier?“
Chiaki hielt ihr den Umschlag in die Höhe. „Mein alter Herr wollte, dass ich deinem Vater das gebe.“
„Ah…Dann komme ich kurz mit.“, schlug sie achselzuckend vor und ging rein. Ihr bester Freund folgte ihr. Am Eingang wurden die Beiden direkt von der freundlichen Empfangssekretärin begrüßt und zugewinkt.
„Hallo, Maron. Dein Vater befindet sich oben in seinem Büro.“, sagte sie.
„Danke, Frau Kishimoto.“
Damit gingen sie die Treppe zum zweiten Stockwerk hoch, wo die Geschäftsleitung sich befand.
„Ich gehe noch schnell ins Bad. Wo sein Büro ist, weißt du ja.“, sagte Maron, am oberen Treppenansatz angekommen und ging in die entgegengesetzte Richtung zu den Frauentoiletten.
Chiaki nickte und lief zielsicher durch das Gebäude. Er und Maron waren schon des Öfteren bei ihrem Vater im Büro zu Besuch gewesen, weshalb er sich bestens auskannte. An der richtigen Tür angekommen, klopfte er drei Mal.
Keine zehn Sekunden später öffnete sich die Tür.
Doch anstatt Maron’s Vater zu begegnen, stand plötzlich ein fremder, junger, gutaussehender Mann -kaum älter als er selbst- mit kurzen, roten Haaren vor ihm.
„Kann ich Ihnen helfen?“, fragte der Fremde höflich.
„Uhm, Ja! Ich wollte zu Takumi Kusakabe.“, sagte Chiaki perplex und warf einen flüchtigen Blick auf die Plakette an der Wand, wo auch dessen Name stand. Im Büro geirrt hatte er sich schon mal nicht.
Ehe er sich versah, tauchte Takumi neben den Fremden auf.
„Chiaki! Wie ich sehe, lernst du gerade meinen neuen Assistenten kennen.“, sagte er und nickte mit den Kopf auf deinen Nebenmann.
Chiaki runzelte überrascht die Stirn. „Assistent?“, fragte er nach.
„Ja.“, sagte der Fremde und streckte ihm die Hand aus. „Hijiri Shikaidou.“
Er schüttelte dessen Hand und stellte sich ebenfalls vor.
„Chiaki Nagoya.“ Aus unerfindlichen Gründen, konnte er etwas in Hijiri's Augen aufblitzen sehen, nachdem er seinen Namen sagte.
„Freut mich Sie kennenzulernen, Herr Nagoya.“, sagte Hijiri mit einem freundlichen Lächeln. Chiaki lächelte mit professioneller Freundlichkeit zurück.
„So überrascht wie du wirkst, scheint mir so als hätte Maron dir nicht erzählt, dass ich ihn seit knapp zwei Monaten bei mir im Büro habe.“, stellte Takumi mit leichter Verwunderung fest.
„Das liegt auch daran, dass ich in den letzten Wochen wichtigere Dinge zu tun hatte. Spricht meine Abschlussarbeit, die ich heute abgegeben habe.“, sprach diese plötzlich und tauchte an Chiaki’s Seite auf.
„Hallo.“, begrüßte Hijiri sie mit einem Lächeln. Chiaki gefiel die Art nicht, wie er Maron ansah.
„Hallo.“, kam es von ihr schnell zurück, würdigte ihm nur einen kurzen Blick, ehe sie sich auf ihren Vater wieder konzentrierte. „Chiaki wollte dir was geben.“
Takumi’s Augen wanderten wieder zu dem Benannten und er hob fragend eine Augenbraue.
Chiaki selbst hatte schon fast vergessen, weshalb er hier war und hielt ihm den Umschlag entgegen.
„Ein Patient von meinem Vater sei Fan von deinen Arbeiten und hätte ein Bauprojekt für dich.“, erklärte er.
„Ah…Verstehe. Danke, Chiaki.“ Der Architekt nahm den Umschlag und gab es Hijiri. „Du kannst es dir ja mal angucken und mir deine professionelle Meinung mitteilen.“
Es überraschte Chiaki nicht, dass er seinen Assistenten duzte. Ähnlich wie sein Vater gehörte Takumi Kusakabe zu der Sorte Chef, die formale Anreden bei seinen Mitarbeitern nicht so streng nahm.
Hijiri nickte, warf Maron einen letzten Blick zu und verschwand hinter seinem Chef ins Büro.
Die Braunhaarige räusperte sich kurz.
„Ich denke, wir gehen jetzt, oder Chiaki?“
„Ehm. Klar, wieso nicht?“, zuckte der Angesprochene mit den Schultern.
Die Beiden verabschiedeten sich von Maron’s Vater und verließen das Architekturbüro.
„Soll ich dich nach Hause fahren?“, bot der Blauhaarige seiner Freundin an, worauf sie zustimmend nickte.
„Klar, gerne!“  

„Ziemlich jung der Assistent deines Vaters.“, sagte Chiaki, nachdem sie für eine kurze Weile schweigend nebeneinander saßen.
„Hmm.“, nickte seine Beifahrerin gedankenverloren und schaute kurz auf ihr Handy, welches wegen einer SMS aufblinkte. „Er soll auch erst 27 sein. Also gerade mal drei Jahre älter als wir.“, sagte sie und tippte anschließend eine Nachricht zurück.
„Aha.“, entgegnete Chiaki nur.
Er warf ihr einen kurzen Seitenblick zu.
Maron schien über etwas nachzudenken, presste unentschlossen ihre Lippen zusammen und ließ ihre Augen immer aus dem Fenster schweifen. Ihre Finger spielten unruhig mit dem Handy in ihrer Hand. Chiaki kannte sie gut genug um sie wissen, dass sie etwas beschäftigte.
„Alles in Ordnung?“, fragte Chiaki besorgt.
„Was? Oh…eh, Ja!“, sagte sie hastig und schenkte ihm ein unbesorgtes Lächeln. „Ich, eh, dachte nur an morgen.“
„Morgen?“
„Ja. Ich fange wieder im Mori-Café an zu arbeiten.“
„Ah… Da kann ich meine Lieblingsbarista wieder besuchen kommen.“, grinste Chiaki sie an, worauf sie peinlich berührt auflachte und sogar leicht errötete.
„So gut bin ich nicht.“
„Da wären ich und dein Chef anderer Meinung.“
Daraufhin rollte sie verlegen mit den Augen und grinste.
Für ihr letztes Studienjahr hatte Maron angefangen als Aushilfe für das beliebte Café in der Innenstadt zu arbeiten. Schnell fand sie Spaß in ihrem Nebenjob, weshalb der Chef des Ladens ihr schließlich auch beibrachte, wie man traditionell, nach altem Rezept Kaffee zubereitete.
Für die Zeit in der sie ihre Abschlussarbeit schrieb, hatte sie sich letztlich eine kurze Auszeit von dem Job genommen.
„Ich wette, der alte Herr Morimoto hat dich schon vermisst.“, merkte Chiaki grinsend an.
„Ja, bestimmt.“, lachte Maron. „Nun… Solange ich auf das Ergebnis meiner Arbeit warte und mich für einige Presseagenturen bewerbe, brauche ich eine Beschäftigung. Ebenso schadet das Geld nicht.“
„Klingt vernünftig.“
Während Beide sich über Belangloses unterhielten und lachten, debattierte Chiaki die ganze Fahrt über mit sich selbst, ob er Maron jetzt seine Gefühle gestehen sollte, oder nicht. War die passende Gelegenheit gekommen oder sollte er sich ein romantischeres Ambiente für einen anderen Tag überlegen? Wie ein Date. Sie zum Essen ausführen und es ihr da sagen?
Nein. Er schüttelte unbemerkt mit dem Kopf.
Nach wenigen Minuten waren sie schließlich bei Maron’s Elternhaus angekommen.
Hör auf zu warten und sag es ihr jetzt…!, dachte Chiaki sich entschlossen und atmete nochmal tief durch, bevor er Maron zur Tür begleitete.
„Maron…“, setzte er an. Sie schaute neugierig zu ihm auf.
„Ja?“
„E-Ehm…“ Die Sekunden verstrichen.
Gott verdammt, sag es ihr endlich…!, ging es Chiaki frustriert durch den Kopf. Drei ganz einfache Worte…!!
Mit einem Schlag war jeglicher Mut, den er sich in den letzten Minuten aufgebaut hatte, verschwunden.
Sein Herz schlug ihm bis zum Hals. Es würde ihn nicht wundern, wenn Maron es ebenfalls hören könnte. Seine Hände wurden unruhig, weshalb er sie in seine Jackentaschen vergrub.
So oft hatte er sich die letzten Jahre diesen Moment in Gedanken ausgemalt. Nun hatte er sich vorgenommen es durchzuziehen und benahm sich stattdessen wie ein kleiner, schüchterner Junge.
Innerlich könnte er sich ohrfeigen.
„Chiaki?“ Maron’s Stimme riss ihn aus den Gedanken. Noch immer blickte sie ihn erwartungsvoll sowohl als auch leicht besorgt an.
„Alles okay?“, fragte sie.
„J-Ja…“, sagte Chiaki, lachte verlegen auf und umarmte seine Freundin. „Gute Nacht...“, wisperte er schließlich, löste sich von ihr und ging zu seinem Auto zurück.
Bei der Fahrertür stoppte er sich kurz und schaute ein letztes Mal zu Maron auf, die ihm ein „Gute Nacht“ zurief und winkte, bevor sie reinging.
Chiaki winkte ihr mit einem Lächeln zurück und stieg ein.
Kaum saß er im Wagen, stöhnte er frustriert auf und schlug seine Stirn gegen das Lenkrad.
***

„Nach den Kunden kannst du ruhig Feierabend machen, Maron.“
„Alles klar, Herr Morimoto.“, grinste die Angesprochene ihren Chef an, während sie für die letzte Tasse Kaffee brühte und es dem besagten Kunden, ein älterer Herr der Zeitung las, brachte.
„Bitte schön.“, sagte sie freundlich, als sie dem Mann die Tasse brachte.
Er bedankte sich vielmals und nahm direkt einen Schluck. „Hmm. Ausgezeichnetes Aroma.“, kam es von ihm anerkennend.
„Danke. Geheimrezept des Hauses.“, entgegnete Maron augenzwinkernd, worauf der Ältere auch nur herzhaft lachte und sich wieder seiner Zeitung widmete.
Anschließend zog sie ihre schwarze Schürze aus, verabschiedete sie sich von ihren Kollegen hinter der Theke und beendete somit ihre Schicht.
Kaum hatte sie das Café verlassen, sah sie ein vertrautes Gesicht einige Meter entfernt am Stadtbrunnen sitzen.
Mit einem breiten Grinsen ging sie auf den Rothaarigen zu. Dieser stand sofort auf.
„Herr Shikaidou.“, begrüßte sie ihn.
„Maron.“, begrüßte er sie mit einem Lächeln zurück und umarmte sie. „Es wäre schön, wenn du mich selbst auf der Arbeit mit so einem Lächeln begrüßen würdest. Und mich Hijiri nennst.“
„Da kannst du auch direkt bei meinem Vater kündigen und dich arbeitssuchend melden.“, sagte sie, stupste ihm auf die Nase und gab ihm einen Kuss auf den Mund.

Im selben Augenblick kam Chiaki an dem Café vorbei, wollte Maron eigentlich abholen kommen.
Als er sie allerdings in Hijiri’s Armen sah, blieb er wie vom Blitz erschlagen stehen. Fassungslos schaute er mit an wie sie sich küssten. In der Sekunde zerbrach ihm das Herz.
Nachdem sie sich voneinander lösten, blickte Maron kurz zur Seite und sah ihren besten Freund, der sie mit großen Augen anstarrte.
„Ehm… Ich denke, du solltest jetzt gehen.“, sagte sie zu Hijiri. Dieser drehte sich kurz zu Chiaki um.
„Oh.“, brachte er hervor und rieb sich verlegen den Nacken. „Ehm…Wir sehen uns?“, fragte er sie.
„Ja.“, nickte sie kurz.  
Damit entfernte Hijiri sich von ihr und verschwand aus ihrem Sichtfeld.
Sie nahm tief Luft und ging auf Chiaki zu.
„Hey.“, sagte Maron mit einem nervösen Lächeln.
„Uhm… Hey…“, begrüßte er sie zurück, löste sich allmählich von seiner Schockstarre.
„Komm. Lass uns etwas spazieren gehen. Dann können wir reden.“, schlug sie mit einem sanften Ton vor, worauf Chiaki nur zustimmend nickte.
Für einige Minuten liefen sie schweigend nebeneinander her, bis Maron die Stille durchbrach:
„Tut mir leid, dass du es so erfahren musstest. Ich wollte dir das schon letztens nach dem Kino erzählen.“
Chiaki blickte sie mit großen, entsetzten Augen an. „Das wolltest du mir letztens sagen?!“
„Ehm, ja.“, gestand sie. „Gestern wollte ich es dir eigentlich auch sagen, aber da hattest du ihn erst kennengelernt und das wäre merkwürdig gewesen-…“
„Merkwürdiger als die letzten zehn Minuten?!“, unterbrach er.
Daraufhin schaute Maron beschämt weg und biss sich reumütig auf die Unterlippe.
„Okay... ich gebe zu, dass war mehr als unangenehm.“, sagte sie kleinlaut, die Wangen mit einer Schamesröte gezeichnet.
Chiaki starrte sie mit einem entgeisterten Gesichtsausdruck sprachlos an. Er fühlte sie sich wie, als wäre er zweimal hintereinander von einem Laster überfahren worden.
Am liebsten würde er sich in dem Moment wirklich überfahren lassen wollen.
„Warte-…“, er versuchte sich zu sammeln, „Wie lange läuft das zwischen euch?“
„Ungefähr eineinhalb Monate… also seit Anfang Februar.“, antwortete sie ihm. Chiaki zog erstaunt die Brauen hoch.
„Du verheimlichst mir das schon so lange?“
„Ja...“
„Du verheimlichst mir nie etwas.“
„Ich weiß…und es tut mir auch furchtbar leid, Chiaki.“, sagte Maron mit einen entschuldigenden Gesichtsausdruck.
„Wie hat das mit euch angefangen?“, fragte er mit monotoner Stimme.
Eigentlich wollte er ihre Kennenlerngeschichte nicht wissen, aber die Frage war schon ausgesprochen, bevor er es sich anders überlegen konnte.
„Uhm…Ich hatte ihn bei meinem Vater kennengelernt. Da war er erst ein paar Tage bei ihm tätig gewesen. Ebenso war er neu in Momokuri hergezogen, weshalb ich ihn für einen Nachmittag durch die Innenstadt geführt habe. Wir fanden uns direkt sympathisch, hatten uns danach einige Male zum Kaffeetrinken getroffen und dann kam das eine zum anderen.“, erklärte sie sich. „Wir befinden uns zwar noch in der Kennenlernphase, aber… es fühlt sich gut an.“ Während sie sprach, ließ sie ihre braunen Augen nicht von Chiaki ab.
Dieser brauchte einen Augenblick, um die Informationen zu verarbeiten und nahm tief Luft, versuchte seine innere Ruhe aufrechtzuerhalten.
„Und deine Eltern bzw. dein Vater weißt nichts davon.“, schlussfolgerte er.
„Nein… Sonst feuert er Hijiri noch.“, sagte Maron. „Und du darfst ihnen auch nichts sagen. Du hast mir dein Indianerehrenwort gegeben.“
„Ja, ja… Ich halte mein Indianerehrenwort. Aber ein bisschen komisch finde ich es schon, dass du den Kollegen deines Vaters datest.“, merkte er an, worauf sie die Arme vor die Brust verschränkte.
„Es nicht so, dass es eine Regelung in seinem Arbeitsvertrag gäbe, dass er die Tochter des Chefs nicht daten darf.“, sagte sie.
„Hmmm.“, kam es von Chiaki desinteressiert und blickte mit ausdruckslosen Augen zur Seite, die Hände in die Hosentaschen vergraben.
„Bist du sauer?“, fragte sie.
„Sauer?“, fragte er zurück.
„Ja.“
„Ich bin nicht sauer.“, sagte Chiaki ihr und vermied ihren Blickkontakt. Er wusste selbst nicht, ob er sauer auf sie war. Wohl eher nicht.
Vielmehr war er einfach nur verletzt. Und eifersüchtig.
Doch das wollte er natürlich nicht zugeben.
Maron wirkte ebenfalls nicht überzeugt von seiner Aussage.
„Du benimmst dich aber komisch.“
„Ich… muss das nur für mich sacken lassen.“, entgegnete er.
„Okay… Wie gesagt, es tut mir wirklich, wirklich leid, dass ich dir nicht eher was gesagt habe.“, entschuldigte sie sich nochmals. Chiaki wusste, dass sie es auch ernst meinte.
„Ich… eh, denke wir sollten nach Hause fahren.“, schlug Maron vor.
Er nickte geistesabwesend und fuhr sie nach Hause.

Die Fahrt über sagte keiner ein Wort.
Bei den Kusakabes angekommen, saßen sie noch für einige Momente schweigend in ihren Sitzen. Für Chiaki fühlten sich diese Momente wie eine Ewigkeit an.
„Sehen wir uns morgen?“, fragte Maron zaghaft und schaute ihn mit besorgten Augen an.
Er atmete tief durch und drehte seinen Kopf in ihre Richtung, musterte sie stumm. Er kannte diesen Blick.
Zum ersten Mal hatte Chiaki ihn gesehen, als er als Kind für ein paar Tage krank im Bett lag und Maron sich Vorwürfe für seine Erkältung gemacht hatte. Schon damals hatte sie Angst gehabt, dass er sauer auf sie wäre, was nicht der Fall war. Überhaupt gab es für Chiaki nie einen Moment sauer oder wütend auf Maron zu sein.
Selbst wenn er wollte, könnte er es einfach nicht.
Selbst nach so einem Tag, konnte er nicht wütend auf sie sein.
Es war unglaublich.
Wohl eher war er in diesem Augenblick wütend auf sich selbst, weil er ihr ein miserables Gefühl mit seinem Verhalten gab.
Dass sie sich wegen ihm schlecht fühlte, wollte er nicht.
Wollte er nie.
„Ja, wir sehen uns morgen.“, versprach er ihr und zwang sich zu einem sanften Lächeln. „Bevor ich mittags mit der Arbeit anfange, komme ich vorbei.“
Sie lächelte erleichtert auf und ließ ihre angespannten Schultern sinken.
„Und… Was ich dir noch sagen möchte…“, setzte Chiaki an und schaute ihr eindringlich in die Augen. „ …Ich mich für dich freue. Ganz ehrlich. Du weißt, dass ich immer für dich da bin und bei allem unterstützen werde.“
„Da bin ich froh. Danke.“ Ihr Lächeln wurde breiter.
„Und ehm…Es würde mich freuen, wenn du und Hijiri euch näher kennenlernen würdet.“, sagte sie, „Aber nur wenn du willst.“
„Kein Problem.“, entgegnete er ihr schneller als er richtig darüber nachdenken konnte. Innerlich verfluchte Chiaki sich dafür.
„Danke. Das bedeutet mir wirklich viel, Chiaki.“, lächelte Maron ihn an. Damit beugte sie sich zu ihm nach vorne und umarmte ihn zum Abschied innig.
Chiaki schaute ihr noch einige Momente nach, nachdem sie in ihrem Elternhaus verschwunden war.
Er wusste nicht, was er noch denken oder fühlen sollte.
Das einzige was er spürte, war der vertraute Schmerz in seinem Herzen.
Seufzend lehnte er sich in seinem Fahrersitz zurück und fuhr, wie auf Autopilot eingestellt, zu sich nach Hause.
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