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Yes, No, Maybe

von mairio
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P16 / Het
Chiaki Nagoya Hijiri Shikaido Marron Kusakabe Miyako Toudaiji Yamato Minazuki
29.09.2018
15.02.2019
20
86.699
17
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04.02.2019 4.186
 
Chapter 18: Not Afraid Anymore

„Sorry, dass ich so spät bin!“
Es war Freitagnachmittag und Maron betrat soeben die große Sporthalle im Momokuri-Sport-Center, in der sich all ihre Freunde versammelt haben und ging direkt auf Natsuki zu. Beide gaben sich eine Umarmung zur Begrüßung.
„Das Spiel hat noch nicht angefangen. Bist also noch pünktlich.“, zwinkerte die Grünhaarige ihr zu.
Maron nickte erleichtert und sah sich um.
Chiaki und Shinji standen in Sportklamotten bekleidet mit ihren alten Kameraden aus der Schulbasketballmannschaft zusammen auf dem Basketballfeld. Jedes Jahr veranstaltete der Basketballclub ein Treffen, in die ehemaligen Clubmitglieder in Teams gegeneinander spielten. Aus Spaß hatten die Jungs noch Yamato dazu geholt, der ohne Probleme aufgenommen wurde und mit Miyako einige Meter abseits stand. Sie redeten miteinander, während er sich streckte und dehnte.
Auf der Tribüne saßen schon ein paar Leute zum Zuschauen.
Natsuki und Maron mischten sich unter den Zuschauern und setzten sich hin. Für Miyako hielten sie einen Platz frei, sodass Maron am Ende zwischen ihren Freundinnen saß.
Shinji stupste Chiaki kurz am Oberarm an, um seine Aufmerksamkeit zu bekommen und nickte mit dem Kopf in Richtung der Mädels. Der Blauhaarige drehte sich um und seine Augen trafen direkt auf Maron’s.
Sofort schlug ihr Herz ein paar Schläge höher und ihre Wangen röteten sich.
Chiaki grinste erfreut und winkte ihr zu. Sie winkte schüchtern zurück.
Kurz darauf flüsterte Shinji seinem Freund etwas zu, worauf Chiaki eine irritierte Grimasse verzog. Der Dunkelhaarige legte ihm einen Arm um die Schultern und raufte ihm die Haare. Chiaki versuchte sich aus dem Griff zu befreien und nach einigen verspielten Raufereien fingen beide herzlich an zu lachen.
„Die beiden sind auch ein Herz und eine Seele.“, kommentierte Natsuki mit einem amüsierten Grinsen.
„Ja…Sind sie…“, antwortete Maron geistesabwesend, ohne ihren Blick von Chiaki loszulassen.
Zur selben Zeit ertönte ein Pfiff und das Spiel fing an. Miyako gesellte sich unterdessen zu den Mädels dazu. Sie und Maron umarmten sich zur Begrüßung.
Die ersten paar Minuten feuerten Natsuki und Miyako die Jungs eifrig an. Nach wenigen Momenten bemerkten beide allerdings, wie ruhig und in sich gekehrt Maron war.
„Alles okay?“, fragte Miyako ihre Kollegin.
Kurz sah Maron sie an und ließ ihren Blick wieder auf’s Spiel wandern. „Ja, alles gut.“
Natsuki sah besorgt zu ihr rüber. „Du siehst aber so nachdenklich aus.“
„Es ist wirklich alles gut…!“, versicherte Maron ihnen. Kurz hielt sie inne und seufzte anschließend. „Eigentlich…“
„Eigentlich?“, fragten Miyako und Natsuki gleichzeitig.
Eine Weile sagte Maron nichts mehr und die anderen beiden tauschten sich stumme, vielsagende Blicke aus.
„Hat es irgendwas mit Chiaki zu tun?“, durchbrach Natsuki schließlich das Schweigen unter ihnen und lächelte wohl wissend.
Überrascht schnellte Maron ihren Kopf in ihre Richtung und machte erschrocken große Augen. Gleichzeitig wurde sie bis über beide Ohren rot im Gesicht.
„W-Woher-“
„Wir sehen doch, wie du ihn in letzter Zeit anstarrst!“, fiel Miyako ihr augenrollend ins Wort.
Maron vergrub vor Verlegenheit ihr Gesicht in beide Hände. „Ist das so offensichtlich…?“
Als Antwort kicherten ihre Freundinnen zur Bestätigung.
„Allein, wie eifersüchtig du auch auf diese Yashiro letztens warst…“, merkte Miyako zusätzlich an. „Vor uns kannst du nichts verleugnen, Süße!“
Mit noch röteren Wangen sah Maron wieder auf und strich sich die Haare aus dem Gesicht.
„I-Ich weiß nicht, was das zwischen uns ist…“, begann sie zu sagen, „Und seit einiger Zeit gehen alle möglichen Gefühle in mir durch. Gefühle, die ich bei keinem anderen Mann so intensiv empfunden habe, wie bei Chiaki… Mein Herz rast. Ich bin aufgeregt und glücklich zugleich, wenn ich bei ihm bin oder an ihn denke. Und-“
„Oh mein Gott, dich hat es sowas von erwischt!“, unterbrach Miyako sie grinsend.
„…K-Kann man so sagen.“, gestand die Braunhaarige zögerlich. Schwer seufzend setzte Maron ihren Ellenbogen auf die Knie ab und legte das Kinn in die Handfläche. „Ich-…Ach- Keine Ahnung… Ich denke, die Gefühle waren schon immer irgendwo da gewesen. Bloß wollte ich die mir all die Jahre nie wirklich eingestehen…“
„Wieso nicht?“, fragte Natsuki, „War der Gedanke, dich in deinen besten Freund zu verlieben, so suspekt für dich?“
Maron zuckte mit den Schultern. Sie richtete sich auf ihrem Sitz etwas gerade und sah auf ihre Hände herab. „Ich schätze, ich hatte Angst gehabt….“
Ihre Freundinnen sahen sie fragend an.
„Ich…hatte Angst…Habe immer noch Angst.“, sprach sie nach einigen Sekunden weiter. Ihre Hände fingen an nervös an ihrem Pullover herumzuzupfen. „Ich- Ich habe Angst ihn für immer zu verlieren….“, offenbarte sie. Maron hielt kurz inne, nahm tief Luft und seufzte schwer auf. „Denn Liebende machen irgendwann Schluss und gehen getrennte Wege. Aber Freunde…Freunde bleiben. Wenn Chiaki und ich befreundet bleiben, dann werden wir uns auch nicht trennen… Als Freunde bleiben wir für immer zusammen.“ Mit jedem Satz wurde sie etwas leiser und sah betrübt zu Boden.
Natsuki und Miyako machen bei dem Geständnis große Augen.
„Aber du willst aber doch gar nicht, dass es nur bei Freundschaft zwischen euch bleibt. Man sieht doch, dass du mehr willst.“, redete Miyako sanft auf ihre Kollegin ein. „Ich denke, ich kann deine Angst verstehen…“, sprach die Dunkelhaarige seufzend weiter, „Aber ich bin positiv, dass es zwischen dir und Chiaki funktionieren wird!“
„...Und was wenn nicht??“, warf Maron kritisch ein, „Was ist, wenn wir als Paar nicht so funktionieren, wie wir es uns vorstellen? Ich will nicht unsere Freundschaft riskieren.“
„Schon mal darüber nachgedacht, dass ihr beide vielleicht füreinander bestimmt seid?“, fragte Natsuki.
Mit großen Augen sah Maron sie irritiert an. „Füreinander bestimmt?“
„Ja! Ich meine, wenn ein Fremder euch sieht, dann würde er automatisch denken, dass ihr ein Paar seid!“
„Oder ein Ehepaar!“, fügte Miyako scherzhaft hinzu.
„...E-Echt?“, fragte Maron perplex.
Ihre Kollegin fasste sich stöhnend die Stirn. „Ja, Maron! Du magst das vielleicht noch nicht realisiert haben, aber wie ihr euch manchmal benimmt, geht schon weit über Freundschaft hinaus!“
„W-Was soll das heißen?? Ich meine, wir küssen uns nicht, oder ähnliches-“
„Nein, aber diese Ausstrahlung, die ihr beide zusammen habt und wie vertraut ihr miteinander seid…! Wenn du und Chiaki zusammen seid…“, sprach Miyako weiter, „Dann ist es wie, als wärt ihr in eurer eigenen Welt. Ihr versteht euch ohne Worte und kennt einander in und auswendig, weshalb ihr einfach perfekt zueinander passt! Daher sind wir uns sicher, dass eine Beziehung zwischen euch nicht zum Scheitern verurteilt wird. Wohl eher das Gegenteil!!“
Maron blickte sie mit geweiteten Augen sprachlos an.
„Wenn das Universum will, dass zwei Menschen zusammen gehören… Dann wird es auch alles Mögliche unternehmen, damit diese Zwei zusammenkommen.“, meldete Natsuki sich wieder zu Wort, „Außerdem kannst du nicht wissen, ob es zwischen euch klappt oder nicht, wenn du es nicht erst versucht hast! Du kannst nicht für immer im ‚vielleicht‘ leben.“ Sie lächelte Maron aufrichtig an. „Und du weißt doch, dass Chiaki dich von ganzem Herzen liebt. Er würde nichts tun, um dir wehzutun. Eher würde er alles stehen und liegen lassen und alles daran setzen, um dich glücklich zu sehen.“
Maron nickte einmal, seufzte kurz und ließ sich die Worte einige Augenblicke durch den Kopf gehen.
Nachdenklich sah sie auf das Spiel herab, wobei ihre Augen nur auf Chiaki gerichtet waren. Gerade stand er nicht weit entfernt von der Zuschauertribüne. Wie als würde er ihre Blicke auf sich bemerken, drehte Chiaki sich in Maron’s Richtung um und lächelte ihr schief zu.
Ihr Herz machte einen Sprung.
Einige endlose Sekunden sahen beide sich an bis Chiaki den Blickkontakt abbrechen musste, um sich auf das Spiel zu konzentrieren.
Währenddessen spielten in Maron tausende Erinnerungen vor ihrem inneren Auge ab:
Erinnerungen von einer Kindheit voller Wärme und Sonnenschein.
Wie sie sich an einem warmen, sonnigen Frühlingstag kennenlernten. Wie sie in den Sommerferien am Strand spielten, das Wasser in sanften Wellen auf und ab rauschte. Wie sie zusammen nach Muscheln suchten und Chiaki ihr immer die schönsten und größten aufbewahrte. Wie er sie vorsichtig Huckepack trug und zu seinem Vater brachte, nachdem sie sich an einer Glasscherbe im Sand geschnitten hatte. Wie er ihre Hand hielt und ihr beistand, während sein Vater die Wunde zu nähte.
Sie erinnerte sich an einen Moment, als sie sechzehn war und mit ihm am Strand saß: der Täger ihres Badeanzuges rutschte ihr die Schulter herunter und sie erinnerte sich daran, wie er scharf Luft einzog und schnell weg sah.
Wie konnte ich es all die Jahre nicht sehen?, dachte sie sich. Was er für sie empfand. Was sie für ihn empfand.
Sie dachte an die letzten Monate zurück. Als Chiaki ihr seine Liebe gestand und sie seitdem nicht aufhören konnte - nicht aufhören wollte, an diesem einen Tag zu denken.
Weil ich ihn liebe…, ging es ihr durch den Kopf, schloss für einen Moment die Augen und hielt sich die Hände vor der Brust.
Sie hatte sich unwiderruflich in ihren besten Freund verliebt.
Und sie wünschte sich nichts sehnlicher, als für den Rest ihres Lebens bei ihm zu sein.
„Ich denke, ihr habt recht...“, sagte Maron schließlich und öffnete ihre Augen. Ein kleines, verliebtes Lächeln bildete sich auf ihren Lippen. „Ich kann nicht für immer im ‚vielleicht‘ leben!“
Ihre Freundinnen fingen an breit zu grinsen.
Im nächsten Moment hielt die Braunhaarige eine Hand vor das Gesicht und lachte verlegen auf. „Ich, eh, habe euch noch gar nicht von dem Ball erzählt…“, kam es von ihr kleinlaut.
Natsuki und Miyako machten neugierige Gesichtsausdrücke. „Was für ein Ball??“, fragten sie wie aus einem Mund.
„Das Nagoya-Krankenhaus hatte letzte Woche ein Wohltätigkeitsball veranstaltet.“, erklärte Maron knapp.
Begeistert schnappten die anderen hörbar nach Luft.
„Haben du und Chiaki zusammen getanzt??“, fragte Natsuki eifrig.
„Ja, haben wir.“ Maron wurde bei den Erinnerungen von dem Tanz wieder rot im Gesicht. Ihre Freundinnen mussten sich ein euphorisches Quietschen verkneifen.
„Oh mein Gott, wie romantisch!“, erwiderte Miyako.
„Auf jeden Fall…ehm, wäre ich fast davor gewesen, ihm irgendwie meine Gefühle zu gestehen.“, erzählte Maron weiter, „Aber dann habe ich einen Rückzieher gemacht und nun habe ich ihm versprochen, dass ich ihn nicht so lange warten lasse.“
Leichte Verwirrung spiegelten sich in den Gesichter der anderen wider.
„Und…Wo ist jetzt das Problem?“, fragte Miyako mit hochgezogener Augenbraue. „Sag ihm, wie du für ihn empfindest!“
„I-Ich weiß nicht, wie ich es ihm am besten sagen kann...“
„Man sagt es einfach! Drei Worte. Bestehend aus zwölf Buchstaben. Punkt.“
Maron schnaubte augenrollend auf. „Wieso tue ich mich dann so schwer ihm diese drei Worte zu sagen?“, murmelte sie, die Stimme mit leichtem Sarkasmus gezeichnet.
„Womöglich fehlt dir die passende Atmosphäre?“, entgegnete Natsuki. „Bestimmt fällt es dir einfacher, wenn ihr unter euch seid. Auf einem romantischen Dinner, oder so.“
Verunsichert von dem Vorschlag sah Maron runter. „… D-Dafür müsste ich Chiaki nach einem Date fragen.“
„JA!!“, riefen ihren Freundinnen ihr ins Ohr. Etwas erschrocken zuckte Maron zusammen.
„Wenn du das eine schaffst, dann schaffst du das andere auch!“, sagte Miyako in einem ermutigenden Ton.
Natsuki nickte bekräftigend. „Spring über deinen Schatten, Maron!“
Seufzend dachte Maron über die Ratschläge der beiden nach. Nach einigen Momenten nickte sie bestimmt und schenkte ihren Freundinnen ein dankbares Lächeln.
„Ich versuch es.“, sagte sie mit Entschlossenheit in der Stimme. „Danke Leute!“
Daraufhin wurde die junge Frau von beiden Seiten stürmisch umarmt.
Schließlich verbrachten die Drei die restlichen zehn Minuten damit den Jungs beim Spielen zuzuschauen und anzufeuern.

Nachdem das Spiel vorbei war, verließen die sechs Freunde zusammen das Sport-Center. Vorher hatten Chiaki, Yamato und Shinji geduscht und sich umgezogen, während die Mädels am Ausgang auf sie gewartet hatten.
„Schade, dass eure Mannschaft verloren hat!“, sagte Natsuki an die Jungs gerichtet, „Aber ihr könnt trotzdem stolz auf euch sein.“
„Ach was! Hauptsache wir hatten Spaß!“, winkte Shinji unbekümmert ab.
„Habt ihr Mädels uns eigentlich richtig zugeschaut?“, fragte Yamato und rieb sich den Kopf.
„Klar! Natürlich haben wir!“, antwortete Miyako ihm.
„Naja… so wie ich es mitbekam, habt ihr die meiste Zeit eure Köpfe zusammengesteckt und wart in eurer eigenen Frauenwelt vertieft.“, schmunzelte ihr Freund.
„Und dadurch dass unser feiner Chefredakteur so auf euch Mädels fixiert war, hatte er die meisten Bälle an den Kopf bekommen!“, merkte Shinji schadenfroh lachend an.
Miyako und Natsuki konnten sich ein Lachen ebenfalls nicht verkneifen. „Echt? Wie viele?“, fragte die Lilahaarige.
„Nur fünf! Und du würdest das wissen, wenn du aufgepasst hättest!“, sagte Yamato mit gespielten Vorwurf.
„Darf man fragen, worüber ihr Hübschen überhaupt geredet habt?“, erkundigte sich Shinji neugierig.
„Wichtige Frauengespräche! Top Secret!“, zwinkerte Natsuki ihm geheimnisvoll zu.
Unterdessen liefen Maron und Chiaki einige Schritte hinter den beiden Paaren her, die Hände in ihre Jackentaschen vergraben.
„Sorry, dass wir das Spiel nicht so ganz mitverfolgt haben.“, sagte Maron mit einem entschuldigenden Lächeln.
Chiaki kicherte belustigt. „Ich persönlich nehme es euch nicht übel. So spannend ist so ein Spiel auch nicht.“ Er wandte sich lächelnd zu ihr. „Mir reichte es, dass du kommen konntest.“
Verlegen presste sie sich die Lippen zusammen und sah zu Boden.
Für einen Augenblick nahm Maron tief Luft, rang ein letztes Mal mit sich selbst bis sie schließlich fragte: „Ha-Hast du morgen nach der Arbeit Pläne?“
„Nein.“, schüttelte er den Kopf, „Wieso? Habt ihr Mädels irgendwas geplant?“
„Ehm…Nein. I-Ich möchte dich fragen, ob wir beide zusammen Essen gehen wollen?“
Abrupt blieb Chiaki stehen. „Essen gehen? Wir beide zusammen? Uhm... Wie ein Date?“ Er sah sie mit großen Augen perplex an. Maron blieb ebenfalls stehen und sah zu ihm auf. Unterdessen liefen ihre Freunde ungestört weiter.
„Nicht ‚wie ein Date‘… sondern ein Date! E-Ein richtiges. Du und ich.“, stellte sie klar, die Wangen rosarot gefärbt.
Für einen kleinen Moment war er etwas sprachlos und starrte Maron mit halboffenen Mund an. Schnell fasste Chiaki sich jedoch wieder und nickte einige Male eifrig.
„K-Klar! N-Natürlich!“, stammelte er. Auch seine Wangen waren rot angelaufen, was jedoch nicht mehr von den sportlichen Anstrengungen kam. „I-Ich hole dich von der Arbeit ab!“
„O-Okay. Ehm... Um das Restaurant kümmere ich mich.“
„Okay.“, stimmte Chiaki zu. Ein riesiges Lächeln bildete sich auf seinen Lippen. „Ich freu mich auf morgen Abend.“
„I-Ich mich auch.“, lächelte Maron schüchtern zurück.
***

Am nächsten Abend, fünf Minuten vor 18 Uhr stand Chiaki vor der Momokuri News Redaktion und wartete auf seine Verabredung.
Er trug eine schwarze Jeans mit weiß-gestreiftem Hemd, einer grauen Strickjacke und dazu das passende schwarze Jackett.
Nervös spielte er mit einer roten Rose in seiner Hand herum. Tief atmete er ein und wieder aus, um seine Nervosität runterzuschrauben.
Beruhig dich!, mahnte er sich selbst, Das ist nur ein Date…Mit Maron!
Chiaki wusste selbst nicht, wieso er heute so aufgeregt war.
Sie hatten sich schon öfters zu zweit allein getroffen. Allerdings wurden diese Treffen nie als „Date“ bezeichnet. Noch dazu gingen sie (romantisch) Essen!
Ein letztes Mal atmete er tief durch, als sich schließlich die Tür öffnete und Maron rauskam.
Unter ihrem schwarzen Mantel trug sie einen weißen Oversize-Pullover mit dunkelgrauen Skinny-Jeans und schwarzen Stiefel.
Automatisch zogen sich seine Mundwinkel zu einem Lächeln nach oben.
„Hey!“
„Hi!“, begrüßte sie ihn lächelnd zurück und blieb etwas unbeholfen vor ihm stehen. „Du siehst gut aus.“
„Und du siehst bezaubernd aus.”, entgegnete Chiaki, die Wangen leicht gerötet.
Peinlich berührt strich Maron sich eine Strähne hinter das Ohr. „Danke.“, und zeigte anschließend auf die Blume in seiner Hand, „Die ist für mich?“
„Oh...ja!“ Etwas verlegen schenkte Chiaki ihr die Rose. „Uhm…Eigentlich wollte ich ein Bouquet holen, aber das wäre wohl zu viel gewesen. Und normalerweise hole ich keine Blumen auf Dates, aber da es bei dir was Besonderes ist-“
Der junge Arzt unterbrach seinen Redefluss als Maron beruhigend eine Hand über den Arm strich und seine Hand in ihre nahm.
„Es ist perfekt.“, sagte sie mit einem warmen, glücklichen Lächeln. „Vielen Dank.“
Erleichtert und aufgeregt zugleich musste Chiaki auflachen. Maron stimmte leise in sein Lachen mit ein. Auch in ihrer Stimme war Nervosität herauszuhören.
„Also, wo geht’s jetzt hin?“, fragte er und blickte sie neugierig an.„Lass dich überraschen.“, grinste sie.
Mit den Worten gingen sie los.

„Verkehrte Rollen.“, schmunzelte Chiaki, nachdem er sich im Restaurant umgeschaut hatte. Es war ein vornehmes Fünf-Sterne Restaurant mit modernen Kronleuchtern an den Decken, hochwertigem Ambiente und einem großen Aquarium in der Mitte des Raumes.
„Was meinst du mit ‚verkehrte Rollen‘?“, fragte Maron verwundert und sah von ihrer Karte auf.
„Normalerweise sucht sich der Mann die mega-schicken Restaurants aus, um die Frau zu beeindrucken.“, merkte er an. „Nicht umgekehrt.“
„Wir leben in einer modernen Welt, in der die Frau den Mann auch beeindrucken darf.“, entgegnete sie augenrollend.
„Ist zwar schön und gut, aber hast du dir mal die Preise hier angesehen?“ Chiaki zeigte auf die Karte und sein amüsierter Gesichtsausdruck bekam einen ernsten Touch. „Willst du in naher Zukunft eine Niere spenden gehen?“, fragte er mit hochgezogener Augenbraue.
„Mach dir darüber keine Gedanken.“, winkte sie sorglos ab.
„Ich kann dich sowas nicht bezahlen lassen.“
Wieder rollte Maron mit den Augen. „Doch! Ich habe dich zu diesem Date eingeladen und ich werde auch bezahlen.“
„Und ich will dich nicht bei unserem ersten Date bezahlen lassen.“, beharrte er. „Das zerstört meinen Ruf als Gentleman.“
Seufzend fasste Maron sich kurz die Stirn und griff nach seiner Hand auf dem Tisch.
„Kompromiss: Wir teilen uns die Rechnung.“
Chiaki grinste bei dem Vorschlag zustimmend. „Okay. Ich zahle dein Essen und du meinen.“, erwiderte er augenzwinkernd.
Nun musste Maron kurz auflachen. „Okay!“, nickte sie.
Ein freundlich aussehender Kellner -ein grauhaariger Mann Ende fünfzig- kam vorbei und nahm die Bestellungen der beiden auf.
„Warst du eigentlich schon mal hier?“, fragte Chiaki interessiert.
Sein Gegenüber schüttelte den Kopf. „Meine Eltern waren zu ihrem Hochzeitstag hier. Habe von ihnen gehört, dass es hier gut sein soll…“
Überrascht zog der Blauhaarige beide Brauen hoch. „Hast du ihnen von heute Abend erzählt?“
Wieder schüttelte Maron den Kopf und strich sich mit einem verunsicherten Lachen durch die Haare. „Ich habe ihnen gesagt, dass ich mit Freunden unterwegs sein werde.“, sagte sie.
„Echt?“
„Ja… Ich- eh, wollte für mich erstmal sehen, wie sich der heutige Abend entwickelt. Wie sich das mit uns entwickelt…“
Chiaki lächelte verständnisvoll. „Und wie findest du, entwickelt sich alles so?“ Noch immer hielt er ihre Hand auf der Tischoberfläche. Keiner von beiden hatte auch ein Bedürfnis loszulassen.
„Ganz gut.“, antwortete Maron ihm mit einem warmen Lächeln. „Mehr als gut sogar.“
„Da bin ich froh!“, schmunzelte er, „Ich habe meinem Vater auch nichts gesagt.“, gestand Chiaki. „Der hätte eine riesige Sache daraus gemacht und ich bin schon nervös genug deswegen.“
„Mh-Hmm.“ Maron nickte verstehend, „Ich bin auch ziemlich nervös… Obwohl das ziemlich absurd ist! Nur weil wir den Abend heute als Date bezeichnen.“, verdrehte sie lachend ihre braunen Augen.
„Geht mir genauso. Weshalb wir uns dazu bringen sollen, den Abend einfach zu genießen und uns selbst zu sein.“ Sanft lächelte Chiaki sie an und strich ihr sachte mit dem Daumen über den Handrücken.
Maron erwiderte das Lächeln zustimmend. „Da hast du Recht.“
Im nächsten Augenblick kam der Kellner mit ihren Getränken und Gerichten.
Zusätzlich bekamen sie noch jeweils ein Glas Champagner, die aufs Haus gingen, wie der Herr sagte und ihnen belustigt zu lächelte.
Dankend nahmen Maron und Chiaki den Champagner an, hoben ihre Gläser und stießen an.
Nach einer gewissen Zeit war jegliche Nervosität über das Date verflogen und den ganzen Abend lang wurde sich über alle möglichen Themen unterhalten, gelacht und sich prächtig amüsiert.
***

Nach dem Essen beschlossen beide noch im naheliegenden Park spazieren zu gehen. Hand in Hand liefen sie nebeneinander her. Es war eine wolkenreiche Nacht, in der ab und an der Mond zum Vorschein kam.
„Oh! Sieht das hübsch aus!“, sagte Maron nach einer Weile und deutete mit dem Finger auf einen Aussichtspavillon, welches an einem See anlag.
Es war ein offenes, überdachtes Bauwerk, bestehend aus Holz mit einem achteckigen Grundriss. Das Dach und die Säulen waren mit weiß leuchtenden Lichterketten  geschmückt und erhellten wie Sternenlicht die Dunkelheit.
„Sehr romantisch.“, schmunzelte Chiaki. „Wollen wir uns dort hinse-“ Ehe er sich versah, zog sie ihn schon in Richtung des Pavillons.
Während er sich auf einer der Holzbänken hinsetzte, stand Maron in der Mitte des Pavillons und betrachtete mit großen Augen ihre hell leuchtende Umgebung. Ein riesiges, fasziniertes Lächeln bildete auf ihrem hübschen Gesicht.
Chiaki beobachtete sie dabei und lächelte verliebt.
„Es ist wirklich wunderschön hier!“, rief sie begeistert aus, als sie neben ihm Platz nahm und auf dem See blickte. Im Wasser spiegelte sich das Licht der Lichterketten und des Mondes wider.
„So wunderschön wie du.“, entgegnete Chiaki offen und ehrlich. Er konnte seinen Blick nicht von ihr abwenden.
Maron wandte sich mit geweiteten Augen zu ihm und wurde rot im Gesicht.
„Ich… ehm, schulde dir ja noch eine Antwort.“, sagte sie und biss sich verlegen auf die Unterlippe.
Chiaki zog leicht überrascht eine Braue hoch. „...Du schuldest mir nichts.“, sagte er in einem ruhigen Ton.
„Doch!“, warf Maron bestimmt ein und sah ihn ernst an. „Du hast mir letztens eine Frage gestellt und ich habe dir versprochen dich nicht warten zu lassen.“
Seufzend fuhr er sich durch die Haare. „Ich wollte dich aber nicht unter Druck setzen…“
„Tust du nicht!“, versicherte sie ihm, nahm seine Hand in ihrer und lächelte nervös. „Ich- eh, bin bereit dir eine Antwort zu geben…!“
„Okay.“, willigte er nach minimalen Zögern schließlich ein. „Ich werde dir zuhören.“
„Ich… Ich habe dir gesagt, dass keine der Frauen, die du gedatet hast, dich verdient hat.“, setzte Maron an.
„Ja. Und ich habe dich gefragt, wen ich verdient hätte.“
Für einen Moment sah sie nachdenklich zur Seite und sah wieder zu Chiaki auf.
„Du… verdienst jemand, der dich mit jedem einzelnen Herzschlag liebt. Jemand, der ununterbrochen an dich denkt, sich jeden Tag -jede Minute- fragt, was du gerade machst, wo du bist und ob es dir gut geht. Du verdienst jemand, der dich mit Respekt behandelt, der jeden einzelnen Aspekt von dir liebt. Du verdienst jemand, der dich glücklich macht… Freudensprüngen-glücklich.“ Sie hielt inne und lachte mit Tränen in den Augen kurz auf. „Jemand, der vor langer Zeit die Chance hätte nutzen sollen, um mit dir zusammen zu sein, anstatt sich davor zu fürchten es zu versuchen…Aus Angst dich zu verlieren oder die Freundschaft zu gefährden.“
Sie nahm ein letztes Mal tief Luft, blinzelte sich die Tränen weg und sah ihm in die Augen. Ein warmes Lächeln haftete auf seinen Lippen.
„Ich… habe keine Angst mehr. Ich fürchte mich nicht davor es zu versuchen.“ Sie rückte näher zu ihm heran und ihre Finger verschränkten sich in seine. Er drückte ihre Hand sanft.
„Ich liebe dich, Chiaki…“, wisperte sie und lächelte aus vollem Herzen. „Ich liebe dich…Und ich möchte, dass wir für immer zusammen bleiben.“ Kleine Tränen entkamen ihren Augen und rollten ihr das Gesicht herunter. Sie konnte es selbst nicht glauben, dass sie es ihm endlich gesagt hat.
Im nächsten Moment beugte Chiaki sich leicht zu ihr nach vorne und wischte ihr mit der freien Hand die Tränen weg.
„Was auch immer passiert...“, sagte er, die Stimme leise und rau, „Wir werden immer Maron und Chiaki sein. Wir werden immer füreinander da sein werden.“ Er strich ihr ein paar Strähnen aus dem Gesicht und umfasste behutsam ihre Wange.
Sie nickte schwach. „Versprochen?“
„Versprochen.“
Und bevor Maron es realisieren konnte, trafen ihre Lippen auf seine.
Sie wusste nicht, was zuerst geschah: ob sie sich zu ihm vorgebeugt hatte oder ob er sie zu sich herangezogen hat. Womöglich beides.
Eine elektrisierende Hitze durchfuhr mit einem Mal ihre Körper und sie bekamen das Gefühl, als würden ihre Herzen vor Glück explodierten.
Es war ein kurzer, zarter und dennoch gefühlvoller Kuss.
Als sie sich voneinander lösten und lächelten sich wortlos an. Jegliche Gefühle und Liebe, die sie füreinander empfanden, konnten sie in ihren Augen ablesen.
Zur selben Zeit ging in der Ferne plötzlich ein Feuerwerk los.
Verblüfft blickten die beide zu dem Lichtspektakel vor ihnen auf und fingen in der nächsten Sekunde an herzlich zu lachen.
„Was für ein Timing.“, entgegnete Chiaki.
„Wahrscheinlich ist dort irgendein Fest.“, schmunzelte Maron.
Gleichgültig zuckte er mit der Schulter, wandte sich wieder zu ihr und grinste überglücklich.
„Ich liebe dich auch, Maron…“, hauchte Chiaki ihr zu, „Mehr als alles andere auf der Welt.“ Er strich ihr mit beiden Händen zärtlich durch die Haare und zog sie für einen weiteren Kuss zu sich heran. Sie küsste ihn liebevoll zurück, genoss die Wärme seiner Lippen. Ihre Hände reichten nach oben und umfasste sanft sein Gesicht.
Nach einer Weile saß das Paar eng umschlungen beieinander und sah sich das Feuerwerk bis zum Ende an.


I know it sounds crazy
That you'd be my baby.
But you mean that much to me.
'Cause nothing compares when
We're lighter than air and
We don't wanna come back down.
But I don't wanna ruin what we have
Love is so unpredictable.
But it's the risk that I'm taking,
Hoping, praying
You'd fall in love with your best friend
[Jason Chen – Best Friend]

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Nach 18 Kapiteln (und 18 Jahren Freundschaft) hat auch sie endlich die drei magischen Worte über die Lippen gebracht xD

Kleine Vorankündigung: noch zwei Kapitel und dann ist YNM vorbei :(
Hoffe ihr bleibt bis zum Ende dabei :3
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