Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Yes, No, Maybe

von mairio
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P16 / Het
Chiaki Nagoya Hijiri Shikaido Marron Kusakabe Miyako Toudaiji Yamato Minazuki
29.09.2018
15.02.2019
20
86.699
17
Alle Kapitel
28 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
19.01.2019 6.573
 
Chapter 16: Rumours and Misunderstandings

Drei Wochen waren seit der ersten Begegnung mit Yashiro vergangen.
Bisher hatten die drei ehemaligen Schulkameraden sich gelegentlich zum Kaffeetrinken oder Mittagessen getroffen.
Am Anfang fühlte Maron sich dabei noch etwas unbehaglich, doch schnell schob sie das Gefühl beiseite. Es wurde sich ausgelassen über alle möglichen Themen unterhalten und gelacht. Für Kino oder andere Freizeitaktivitäten fanden die drei allerdings noch keine Zeit.
Besonders Chiaki hatte auf der Arbeit viel zu tun, weshalb er die meisten Treffen absagen musste, wodurch Maron auch relativ viel Zeit mit Yashiro alleine verbrachte. Diese Zeit verbrachten die beiden Frauen unter anderem mit Shoppen.
Auch wenn sie sich gut verstanden, würde Maron von sich aus nicht behaupten, dass sie richtige Freunde waren. Eher hatte sie eine neutrale Haltung gegenüber dem Model.
Persönlich hatte Maron auch nichts gegen Yashiro. Sie war klug, hatte Humor und war an sich auch jemand, mit der man über tiefgründige Themen unterhalten konnte.
Doch etwas an der Türkishaarigen bereitete Maron ein unangenehmes Gefühl in der Brust. Nicht nur machte sie ihr dauerhaft gut gelauntes, fröhliches Auftreten skeptisch. Auch ihre Fixiertheit auf Chiaki störte Maron sichtlich. Natürlich entging ihr es nicht, dass Yashiro’s gesamte Aufmerksamkeit auf ihren besten Freund gerichtet war, wenn sie mal zu dritt zusammen saßen. Ebenso konnte sie die Enttäuschung in Yashiro’s Augen jedes Mal aufblitzen sehen, wenn er ein Treffen absagte.
Dennoch setzte Maron eine freundliche Fassade auf und beobachtete die Situation zunächst.

Es war Freitagnachmittag.
Die beiden Frauen liefen durch die Einkaufsstraße umher und schauten sich die neusten Mode-Trends in den Geschäften an. Gelegentlich wurden sie von Fans angehalten, die Yashiro erkannten und mit ihr Bilder machen wollten. Was Maron sehr stutzig machte, war die Feststellung, dass ihnen bisher jedoch keine Reporter oder Paparazzi begegnet waren. Schließlich müsste es sich in den Medien und sozialen Netzwerken schon breit gemacht haben, dass ein bekanntes Model sich in der Umgebung aufhielt.
„In der Regel kommen die meist Nachts aus ihren Verstecken raus.“, hatte Yashiro ihr gesagt, nachdem Maron sie darauf angesprochen hatte. „Außerdem kümmert sich meine Agentur und mein Management darum, dass ich unbeschwert meine Zeit hier verbringen kann.“ Ihre Stimme bekam einen bitteren Unterton, der Maron nicht entging. „Also mach dir darum keine Gedanken.“, winkte Yashiro unbeschwert ab.
„Verstehe…Ich meine, ich arbeite auch für die Presse, aber für Paparazzi und den ganzen Promi-Klatsch hatte ich noch nie Verständnis gehabt.“
„Naja… Hier in Asien sind die noch kontrollierbar, denke ich. Ich kann froh sein, dass ich nicht in Amerika die große Karriere gemacht habe. Da würde ich durchdrehen, wenn fünfzig Kameras vor meiner Haustür positioniert wären, nur um das perfekte Fettnäpfchen festzuhalten.“
„Da würde jeder Normalsterbliche durchdrehen.“, verdrehte Maron ironisch die Augen.
„Je nach Definition, gehöre ich nicht zu den Normalsterblichen.“, konterte Yashiro scherzhaft.
Daraufhin mussten beide belustigt auflachen.
„Da fällt mir ein… In ein paar Tagen ist die Fashion Week in Tokyo!“, wechselte das Model das Thema. Inzwischen waren sie in einem neuen Schuhladen angekommen und schauten sich um.
„Uhm…, Ja. Wirst du da für den Laufsteg gebraucht?“, fragte Maron, während sie sich die Stiefeln anschaute.
„Wohl eher nicht… Die letzten Jahre war ich dabei, aber dieses Jahr nicht. Ich will für die nächste Zeit auch keine Jobs außerhalb Momokuri annehmen.“
Die Braunhaarige zog eine Augenbraue hoch. „Wieso?“
„Ich habe in meinem jungen Leben erstmal genug von der Welt gesehen… Da ist es mal nicht schlecht, sich an einem Ort abzusetzen. Außerdem hat Momokuri ihren eigenen, besonderen Charme, welche die Stadt so besonders macht.“, schmunzelte die Türkishaarige, während sie ein paar High Heels in die Hand nahm und begutachtete.
„Ach so… Es steht noch nicht fest, aber wahrscheinlich werde ich und ein paar Kollegen für die Mode-Woche nach Tokyo geschickt, um darüber zu schreiben und zu berichten.“
„Hört sich doch toll an! Warst du schon mal in Tokyo?“
Maron überlegte kurz. „Einmal. Als ich Chiaki während seines Studiums besuchte.“
Yashiro nahm die Antwort mit einem Nicken zur Kenntnis.
„Er ist wirklich ein guter Arzt, der für seine Arbeit lebt… Ich habe ihn die letzten Wochen selbst bei meinen Besuchen im Krankenhaus kaum zu Gesicht bekommen.“
Dies brachte Maron ein kleines, befriedigendes Lächeln auf die Lippen. „Ja… Aber er liebt seinen Job. Er mag es Menschen zu helfen.“, entgegnete sie.
Nach wenigen Minuten verließen die beiden das Geschäft auch wieder. Plötzlich kam ein junger, gutaussehender Mann auf sie zu.
„Entschuldige…“, sprach er Maron an, „Ich komme nicht von hier. Kannst du mir sagen, wo die Postfiliale ist.“
„Uhm…. Einfach gerade aus die Straße entlang. Kann man eigentlich nicht übersehen.“, sagte sie ihm und deutete mit dem Finger in die besagte Richtung.
Der junge Mann wurde etwas nervös. „Ehm… Oh, klar. Natürlich…! Muss ich wohl übersehen haben.“, nickte er verunsichert. Er sah unbeholfen die Straße entlang und wieder zu der hübschen Braunhaarigen. „Ehm, Danke.“
„Gern geschehen.“, entgegnete Maron freundlich. Für einige, lange Sekunden stand er noch vor ihr und lächelte nervös, bis er davon ging und verschwand.
Yashiro stupste sie an und kicherte. „Der gutaussehende Typ hat eben versucht mit dir zu flirten.“
Maron warf ihr einen argwöhnischen Seitenblick zu. „H-Hat er nicht?“
„Oooh, doch! Der hatte gehofft, dass du ihn dahin begleitest. Garantiert wollte er auch deine Nummer.“
„Tja… Kein Interesse.“
„Hast du einen Freund?“, fragte Yashiro mit überspielter Neugier.
„Nein.“, antwortete Maron ehrlich, „Ich habe vor kurzem erst eine Beziehung beendet und möchte erstmal Single bleiben.“
„Ach so.“
Die beiden Frauen steuerten auf eine Bank zu, um sich kurz hinzusetzen. Die Sonne schien warm auf sie herab, im Kontrast zu den kühlen Wintertemperaturen.
„Sag mal, hat Chiaki eigentlich eine Freundin?“, fragte Yashiro plötzlich und drehte sich zu Maron um, die auf ihr Handy etwas tippte.
Diese fuhr bei der Frage innerlich zusammen. „… Derzeit nicht.“, antwortete sie wahrheitsgemäß, den Blick auf ihr Handy in der Hand fixiert, die Stimme tonlos.
„Gibt es jemanden den er mag?“
„Wieso fragst du?“, kam es genervt als Gegenfrage.
„Wieso wohl!“ Yashiro lächelte verspielt. „Weil ich an ihm interessiert bin.“
Bei dem Geständnis versteifte Maron sich etwas. Offensichtlich hatte sie ihre Vorahnungen gehabt, doch die Worte laut ausgesprochen zu hören war wie ein Schlag ins Gesicht.
„Ich mein, er ist groß, attraktiv, charmant. Wenn ich ehrlich sein will, war ich schon damals ein wenig in ihn verschossen…“, schwärmte ihre Sitznachbarin, doch die Worte rauschten an Maron vorbei. „Hättest du was dagegen, wenn ich mich mal mit ihm alleine treffe?“, hörte sie Yashiro auf einmal fragen.
Langsam wandte Maron sich zu ihr um und sah sie an.
„…Fragst du mich gerade um Erlaubnis, ob du mit ihm ausgehen darfst?“
„Eher frage ich, um zu sehen, ob du dich auf den Schlips getreten fühlst.“ Yashiro warf ihr einen prüfenden Blick zu.
Maron zuckte wie gleichgültig mit den Schultern. „Pff. Wieso sollte es mich stören?“
„Für den Fall, dass du ihn auch magst?“
„…Ich mag ihn als meinen besten Freund.“
„Hmm. Na gut, nach so vielen Jahren Freundschaft… da ist er wie ein Bruder für dich, oder?“
Maron zog ihre Brauen zusammen, die Lippen zu einem dünnen Strich zusammengepresst.
Dann zogen sich ihre Mundwinkel nach oben.
„Weißt du was? Tu was du nicht lassen kannst!“, sagte sie in einem ermutigenden Ton.
„Danke! Ich werde Chiaki fragen, ob er mit mir auf ein Date geht.“, entgegnete Yashiro mit einem selbstsicheren Grinsen. „Wünsch mir Glück!“
Maron erwiderte darauf nichts mehr und lächelte sie einfach an.
Versuch dein Glück…!, ging es ihr insgeheim durch den Kopf.
***

Am nächsten Tag:

Chiaki saß an seinen Schreibtisch und arbeitete an ein paar Dokumenten.
Plötzlich klopfte es an seiner Bürotür und er schaute von den Papieren auf.
„Stör ich?“, fragte Yashiro höflich.
Er schüttelte den Kopf. „Komm ruhig rein.“, sagte er und machte sich nebenbei ein paar Notizen.
„Ehm… Ich will dich auch nicht lange von der Arbeit abhalten.“
„Mhm-hm. Keine Sorge. Ist nur Papierkram.“
„Okay. Uhm…Ich wollte dich fragen, ob du demnächst vielleicht Zeit hast?“
Chiaki sah kurz zu ihr auf und dann zu seinem Kalender an der Wand. „In der Tat, ja. Ab heute werde ich wieder mehr Freizeit haben.“, sagte er mit einem leichten Lächeln. Dann wandte er sich wieder seinen Papieren zu und notierte sich etwas. „Ist was geplant?“
„Ehm, Ja. Ich wollte dich fragen, ob du Lust hast ins Kino zu gehen?“, fragte Yashiro. Leichte Nervosität war in ihrer Stimme rauszuhören.
„Kino hört sich gut an.“, antwortete Chiaki ihr, ohne aufzuschauen.
„W-Wirklich?“
„Klar, wieso nicht? Schreib mir einfach wann und wo. Ab 17 Uhr habe ich Zeit.“
Er blickte zu ihr auf.
Ein breites, überglückliches Grinsen war auf ihrem Gesicht zu sehen.
„Alles klar! Ich freu mich so!“ Yashiro hüpfte erfreut und begab sich zur Tür. „Bis heute Abend!“
Chiaki winkte ihr zum Abschied kurz zu.
Kaum war Yashiro verschwunden, kam sein Vater vorbei.
„Ist das nicht das Mädchen, was dich damals in den Pool geschubst hat?“, fragte er mit einem verwunderten Gesichtsausdruck und deutete mit dem Finger hinter sich.
Seufzend ließ Chiaki seinen Stift sinken, stand auf und entspannte seinen Nacken. Dann lehnte er sich an der Fensterbank an. „Ihr Name ist Yashiro. Und zu ihrer minimalen Verteidigung, ich bin freiwillig in den Pool gesprungen.“
„Ahja…“ Kaiki gesellte sich zu seinem Sohn dazu und sah nach draußen. Ein orangefarbener Himmel war zu sehen. „Ich habe sie schon öfters hier gesehen.“
„Ihre Großmutter besuchen.“
„Sah vorhin aber nach mehr aus, als nur ein gewöhnlicher Krankenhausbesuch.“
Chiaki rollte mit den Augen. „Sie hatte nur nach einem Treffen heute Abend gefragt. Maron und ich verbringen ein wenig Zeit mit ihr, weil sie derzeit keine Freunde hier hat.“
„Das… ist sehr aufmerksam und nett von euch beiden.“, brachte Kaiki erstaunt und mit leichter Verwirrung entgegen.
Einige Sekunden sah er seinen Sohn mit einem unschlüssigen Gesichtsausdruck an.
Diesem entging der Blick seines Vaters nicht. „Was?“
„…Das ist aber jetzt nicht so eine komplizierte Dreiecksgeschichte, oder?“, fragte Kaiki mit hochgezogener Augenbraue. Chiaki verzog eine irritierte Grimasse, verschränkte die Arme vor seiner Brust.
„Nein.“, streitet er kopfschüttelnd ab. „Nein, ist es nicht.“
„Diese Yashiro scheint aber ein Auge auf dich geworfen zu haben.“
„Mag sein, aber ich will nichts von ihr.“ Chiaki atmete tief ein und aus, fuhr sich über das Gesicht und sah aus dem Fenster. „Für mich gibt es nur einen Menschen auf der Welt…“, seufzte er.
Kaiki kicherte leise in sich hinein und sah seinen Sohn mit väterliche Fürsorge an. „Was ist jetzt eigentlich mit Maron?“, erkundigte er sich.
„Sie und ich sind nach wie vor Freunde.“, lächelte Chiaki schief.
„Das ist nichts neues, Sohn…“, lachte Kaiki auf und fragte im Anschluss, „Was mich genauer interessiert: Was hält dich davon ab, dich ihr zu nähern?“
Es dauerte einige Sekunden bis sein Sohn ihm antwortete.
„Nichts. Aber ich habe beschlossen zu warten.“, offenbarte er, wandte den Blick vom Fenster ab und sah seinen Vater an, der fragend den Kopf neigte.
„Warten?“
Chiaki nickte. „Bis sie weiß, wie sie für mich empfindet. Sie hatte mich damals zwar abgewiesen… Aber mein Gefühl sagt mir was anderes.“
Mit großen Augen blinzelte Kaiki seinen Sohn an.
„... Dann weißt du doch, wie Maron tief in ihrem Inneren für dich empfindet.“, sagte er sanft.
„Ich weiß es erst, wenn ich es von ihr gesagt bekomme.“, seufzte Chiaki, strich sich kurz durch die Haare. „Bis dahin…werde ich mich zurückhalten. Schließlich weißt Maron nur zu gut, wie ich für sie empfinde und ich will sie mit meinen Gefühlen nicht unter Druck setzen… Wenn du verstehst, was ich meine.“
„Hmm.“ Kaiki nickte verstehend.
„Macht das Sinn?“, fragte Chiaki unsicher, „Denkst du, das ist dämlich?“
Sein Vater schüttelte den Kopf, lächelte ihn an und klopfte ihm auf die Schulter. „Ich bin stolz auf dich, mein Sohn.“
Verlegen musste dieser auflachen und nickte dankend.
„Viel Spaß heute Abend. Pass bloß auf, dass du dir keine Probleme einhandelst.“
Anschließend verließ der Chefarzt das Büro.

Zur selben Zeit saß Maron in der Redaktion und blickte ihr Handy finster an.
Soeben hatte sie eine Nachricht von Yashiro bekommen, dass Chiaki ihre Kinoeinladung angenommen hatte.
Wie konnte er sich auf ein Date mit ihr einlassen?!, fragte sie sich. Maron war der festen Überzeugung gewesen, dass Chiaki -wegen seiner Gefühle für sie- Yashiro einen Korb geben würde. Ihre braunen Augen bekamen einen enttäuschten, traurigen Touch. Verunsichert biss sie sich auf die Lippe. Liebt er mich nicht mehr…? Ein stechendes Gefühl durchfuhr ihr Herz, was sie noch nie so intensiv empfunden hatte.
Die letzte halbe Stunde konnte sie sich nicht auf die Arbeit konzentrierten.
Vage bekam Maron mit, dass Miyako mit ihrem Stuhl zu ihr gerollt kam.
„Ist alles in Ordnung?“, fragte sie besorgt und neugierig zugleich.
Maron sah von dem kleinen Display auf und legte ihr Handy murrend beiseite. „Nicht wirklich.“
„Wenn du reden willst, ich habe ein offenes Ohr für dich.“
„Ich weiß...“
In den letzten Monaten sind Maron und Miyako zu ziemlich guten Freunden geworden. Besonders weil Miyako bei der Braunhaarigen des Öfteren nach Rat gesucht hatte, bezüglich ihrer Beziehung mit Yamato, der noch dazu Chefredakteur von ihnen war.
Unter der Belegschaft wurde die Beziehung am Anfang argwöhnisch beäugt, doch Maron stand ihrer Kollegin und Freundin zur Seite.
Dass Miyako mal was mit ihrem besten Freund hatte, war so gut wie vergessen.
„Also, was ist los?“, fragte die Sportjournalistin ein weiteres Mal.
Maron seufzte schwer. „Chiaki ist los…“
„Süße, sei bitte etwas präziser.“
„Er hat ein Date…“
Miyako zog erstaunt eine Augenbraue hoch. „Mit wem denn??“
Sie konnte schwer glauben, dass ihr Ex-Freund, der eigentlich in die braunhaarige Schönheit vor ihr verliebt war, freiwillig ein Date mit einer anderen Frau hatte. Schließlich hatte er ihr damals, als sie Schluss machten versprochen, damit aufzuhören sich und anderen was vorzuspielen und ehrlich mit seinen Gefühlen zu sein.
„Mit jemand den wir beide von früher kennen… Yashiro Sazanka heißt sie.“, antwortete Maron ihr.
„Der Name hört sich vertraut an…“
„Sie ist ein bekanntes Model.“
„Ein Fashion-Model??“
„Ja.“
„Und ich gehe mal davon aus, dass die was von ihm will?“
„Ja, sie steht eindeutig auf ihn.“
„Alles klar… Und jetzt bist du eifersüchtig.“
„Bin ich nicht!“, verneinte die Braunhaarige sofort, „Ich kann bloß nicht verstehen, wie Chiaki mit ihr ausgehen kann!“
„Wenn du es abstreitest, dann bist du erst recht eifersüchtig, Süße. Ich könnte schwören, dass du sogar auf mich eifersüchtig warst.“ Miyako schmunzelte leicht.
Maron verschränkte die Arme vor der Brust und drehte sich trotzig weg. „Hmpf.“
„Okay, zurück zum eigentlichen Thema…“, seufzte die Dunkelhaarige und stützte einen Ellenbogen auf den Schreibtisch ab. „Ein einziges Date bedeutet im Normalfall nicht direkt, dass daraus auch was Ernstes wird.“
„... Da kannst du Recht haben.“
„Was kannst du mir noch über diese Yashiro erzählen? Ich meine, was für eine Persönlichkeit ist die…?“
„Keine Ahnung. So wie ich sie kennengelernt habe… Eine Seltsame. Sie ist zwar nett, aber auch ein bisschen seltsam.“
„Und sonst?“
„Wie ‚und sonst‘?“
Miyako legte den Kopf schief und zog ihre Augenbrauen zusammen. „…Hast du dich nicht weiter über die informiert?“
„Was meinst du?“ Zu Maron’s Perplexität schlug sich ihre Freundin mit der Handfläche auf die Stirn.
„Maron, Maron, Maron…Muss ich wirklich noch deine Hausaufgaben für dich machen.“
„Hausaufgaben?“
„Was können wir Journalisten am besten?“, fragte Miyako in einem verspielt, ironischen Ton, „Genau! Recherchieren. Und das machen wir jetzt auch!“
Ehe Maron sich versah, wurde sie etwas beiseitegeschoben, damit ihre Kollegin an ihre Maus und Tastatur rankommen konnte.
„Das wäre somit das Erste, was ich machen würde.“, sagte Miyako.
„Ich habe es nicht für nötig gehalten sowas zu machen.“, verteidigte Maron sich.
Sofort wurde in der Suchmaschine Yashiro’s Name eingegeben und nach wenigen Sekunden wurden ihnen neben ihren Modelbildern auch zig Artikel und Beiträge angezeigt.
Vorwiegend handelten sie sich um Gerüchte, bezüglich ihres Beziehungsstatus. Paparazzi-Fotos wurden gezeigt, wo sie mit diversen Musikern, Schauspielern oder Modelkollegen auf privaten Dates oder offiziellen Events zu sehen war. Auch wurden ihr Affären nachgemunkelt.
Von dem was Maron überfliegen konnte, wurde offiziell nie etwas bestätigt.
Ebenso las sie sich auch die Kommentare der Beiträge durch, die vorwiegend negativer Ausrichtung waren.
„Was für eine notgeile Schlampe!“
„Die Alte will doch nur Aufmerksamkeit!!“
„Die wechselt ihre Männer wie andere ihre Unterwäsche…“

„Mannomann…!“, stöhnte Miyako und fuhr sich durch die Haare, „Die scheint einen Ruf zu haben….Wird über der auf mal was anderes geschrieben? – Ooh, ja, hier! Die hat sich einen süßen Welpen angeschafft.“
„Glaubst du dem ganzen Promi-Quatsch?“, fragte Maron kritisch.
„Da nie was bestätigt wurde… Wer weiß.“ Miyako machte ein ratloses Gesicht und sah die Braunhaarige an. „Du?“
Maron zuckte mit den Schultern. „Alles reine Spekulationen und Gerüchte. Ich meine, mich wundert es nicht, dass so ein Klatsch und Tratsch rauskommt… Solche Stories sind heutzutage wichtiger als Hungersnot in der dritten Welt.“, sagte sie trocken, „Deswegen habe ich auch versucht, sie als Mensch hinter der Kamera kennenzulernen.“
„Du weißt, dass Models auch fürs Schauspielern geschult werden, oder?“, wendete Miyako ein, die Augen noch auf dem Computerbildschirm gerichtet und scrollt weitere Artikel durch. Maron verdrehte seufzend die Augen.
„Gott…Du musst dich reden hören, Miyako…“
„Und du bist viel zu gutherzig, Maron.“
Gerade als die Braunhaarige was erwidern wollte, für ihr Miyako ins Wort. „Hey, den Laden kenne ich doch…! Ehm…Irre ich mich oder ist das Chiaki da drauf?“
Maron stieß ihre Kollegin abrupt beiseite und beugte sich leicht nach vorne, um das Foto auf dem Bildschirm zu inspizieren.
Darauf war eindeutig das Mori-Café von draußen zu sehen. Durch das Fenster konnte man Chiaki’s Profil erkennen. Yashiro saß ihm grinsend gegenüber.
„Yashiro Sazanka auf einem Date erwischt!“, stand darunter als Titel geschrieben. Der Artikel war drei Wochen alt.
„Kaum zurück in die alte Heimat, wird Model und Mode-Ikone Yashiro Sazanka direkt mit einem hübschen Unbekannten im Café gesichtet! Zeugen zufolge wirkten die beiden ‚sehr vertraut‘. [...]“
Die Kommentare waren zu ihrer Fassungslosigkeit das komplette Gegenteil zu dem, was sie vorher gelesen hatte:
„Sehen gut zusammen aus!“
„Ein hübsches Paar <3“
„Ich gönne ihr das Glück.“

„W-W-Was…“, brachte Maron verständnislos hervor.
Sie fühlte sich wie als hätte man ihr in den Magen getreten. Sie brauchte ein paar Sekunden um ihre Gedanken zu sortieren. Am liebsten möchte sie jemanden schlagen. Einen gewissen jemand hatte sie auch vor Augen.
„Ich hatte an dem Tag mein Interview mit ihr. Chiaki war ihr zufällig begegnet und hatte ihr aus Höflichkeit einen freien Platz angeboten.“, versuchte sie so ruhig wie möglich entgegen zu bringen. „Unfassbar, dass die direkt so eine Lüge auftischen! Und dass die Leute das noch toll finden…?! Eben wurde sie noch als Schlampe bezeichnet und jetzt ist alles okay???“
„Vielleicht war das auch der Zweck des Artikels?“, spekulierte Miyako. „Sobald ein männlicher Star involviert ist, fahren dessen Fans ihre Krallen aus. Aber so… Dann ist es denen egal und alles ist gut.“
„Nichts ist gut!“ Maron nahm durch die Nase tief Luft und strich sich eine Strähne aus dem Gesicht. „Ich verstehe das nicht… Yashiro hatte behauptet, dass ihr Management dafür sorgen würde, dass sie hier in Momokuri von den Medien in Ruhe gelassen wird.“
„Tja… Sieht wohl nach dem Gegenteil aus.“, kommentierte Miyako.
„Auch wenn sein Name nicht genannt wird … Dass Chiaki darein gezogen wird, macht mich wütend.“
„Das glaube ich dir…“ In der nächsten Sekunde bekam Miyako große Augen. „Was ist, wenn bei ihrem Date wieder irgendwelche Paparazzi ihnen auflauern??“
Auch Maron’s Augen weiteten sich vor Schreck.
„Sagt mal, arbeitet ihr beiden noch?“
Überrascht und fast erschrocken drehten beide Frauen sich zu Yamato um.
Dann sah Maron auf die Uhr. 17:48. Sie hatte komplett die Zeit vergessen.
Chiaki müsste jetzt mitten beim Date sein…, ging es ihr durch den Kopf.
Plötzlich meldete sich ihr Handy mit einem kurzen Piep-Ton.
Seufzend entsperrte Maron das Gerät. Eine Nachricht von Natsuki.
Sie hatte ihr ein Foto geschickt. Mit einem überraschten Blick starrte Maron auf den kleinen Bildschirm in ihrer Hand.
Nachdem sie die Nachricht ihrer Freundin vollkommen registriert hatte, musste sie laut auflachen. Ihre Stimmung hatte sich um 180 gewendet.
„Was? Was ist los?“, fragte Miyako irritiert und sah neugierig auf das Handy, was Maron ihr entgegen hielt.
Ein kurzer Blick darauf und sie schloss sich dem Lachen an.
Yamato blickte nur verwirrt zwischen den beiden hin und her.
„Schatz, hättest du was dagegen, wenn Maron uns heute Abend in die Innenstadt begleitet?“, fragte Miyako ihren Freund mit einem geheimnisvollen Lächeln.
***

Gott…Ich bin so ein verdammter Idiot!!
Chiaki könnte sich ohrfeigen.
Es war zum fremdschämen!
Die ganze Zeit ging er davon aus, dass Maron bei dem Treffen mit dabei wäre. Schließlich war sie auch sonst immer dabei gewesen. Als der junge Arzt vor dem Kinoeingang wartete und sie angerufen wollte, stellte er zu seinem Bedauern noch fest, dass er sein Handy im Büro vergessen hatte.
Letztlich kam Yashiro alleine und klammerte sich direkt an seinem Arm an. Ihre Haare wurden leicht gewellt und sie trug starkes Makeup. Ihr Outfit war schicker als sonst.
Chiaki hatte einige peinliche Sekunden gebraucht bis er realisierte, dass sie ihn eigentlich zu einem Date ausgefragt hatte.
Ich hätte nicht mit halben Ohr zuhören sollen…, ging es ihm reumütig durch den Kopf und seufzte.
Nun saß er alleine im Kinosaal -während sie sich Popcorn holte- und überlegte sich einen Plan, wie er ihr schonend beibringen konnte, dass das alles ein Missverständnis seinerseits war.
„Yo, Chiaki!“
Überrascht drehte der Angesprochene sich zu Shinji’s Stimme um. Natsuki begrüßte ihn grinsend.
„Hey Leute…?!“ Er war erleichtert und verwirrt zugleich, seine Freunde hier zu sehen. „Was macht ihr denn hier?“
Das Paar setzte sich auf zwei freie Plätze zu seiner Rechten.
„Wir wollten uns eigentlich einen schönen Kinoabend machen. Am Ende sind wir dir und deinem Date gefolgt.“, erklärte Shinji und beugte sich zu seinem besten Freund leicht nach vorne, „Meine Frage: Wieso bist du auf einem Date mit einer anderen Frau, die nicht Maron ist?!”, fragte er hinter hervor gehaltener Hand.
„Ich wusste nicht, dass es ein Date ist.“, kam es beschämt und genervt zurück.
„Wie kann man sowas nicht wissen?!“
„Scheiß auf die Details!“
„Ich wusste schon immer, dass du ein Idiot bist.“
Chiaki rollte entnervt mit den Augen.
„Nur zur Klarstellung: Du willst auch nichts von ihr?“, fragte Shinji.  
Nein! Es war nicht meine Absicht auf diesem Date hier zu sein!“
„Okay, dann darfst du Natsuki dafür danken, dass wir dieses Date jetzt hier crashen.“
Der Blauhaarige sah zu Shinji’s Freundin rüber. „Ist das nicht ein wenig gemein?“
Natsuki zuckte unschuldig mit den Schultern „Steht nirgendwo geschrieben, dass man sowas nicht machen darf.“
Chiaki konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. „Okay. Das mag zwar nett gemeint sein, aber ich wäre auch alleine damit klargekommen.“
Im nächsten Moment vernahm er Yashiro’s Stimme: „Tut mir leid, dass es so lange gedauert hat. Beim Popcornstand war ein riesige Schla-“
Sie hielt mitten im Satz inne, als sie die Anwesenheit seiner Freunde bemerkte.
„Oh! Entschuldige. Yashiro, das ist mein bester Freund Shinji und seine Freundin Natsuki.“, sagte Chiaki zu ihr und lächelte.
Yashiro brauchte einige Sekunden, um sich von ihrem Schock zu lösen und reichte den beiden freundlich die Hand.
„Ich hoffe es stört dich nicht-…“
„Oh, nein! Gar nicht! I-Ich freu mich, deine Freunde kennenzulernen.“
Yashiro nickte einige Male beschwichtigend und setzte sich anschließend zu Chiaki’s Linken hin.
„Bist du nicht Yashiro Sazanka, das Model?“, fragte Natsuki erstaunt.
Die Angesprochene nickte verhalten.
„Wow, ich wusste gar nicht, dass mein bester Freund mit einer Berühmtheit befreundet ist.“, entgegnete Shinji.
„Wir kennen uns aus der Grundschule.“, erwiderte Chiaki sachlich.
„Da fällt mir eine lustige Story ein, die hab ich dir noch gar nicht erzählt.“, begann Shinji zu sagen und verbrachte die nächsten zehn Minuten damit irgendeine Geschichte von einer Party zu erzählen, für die er einmal gebucht wurde. Natsuki und Chiaki mussten an vielen Stellen herzlich lachen. Yashiro zwang sich zu einem amüsierten Lächeln, was jedoch nicht ihre Augen erreichte. Die ganze Zeit über blieb sie still.
„Komm, lass uns noch ein Foto zusammen machen.“, kam es von Natsuki gut gelaunt, das Handy bereits aus der Tasche gezückt und stellte die Frontkamera ein.
Alle grinsten in die Kamera. Shinji posierte sogar mit zwei Daumen hoch.
„Perfekt!“ Die Grünhaarige begutachtete zufrieden das Gruppenbild. Kurz tippte sie noch an ihrem Handy und kicherte leise in sich hinein.
Dann ging das Licht aus. Der Saal war bis auf die letzten Plätze besetzt und der Film fing an.

Nach zwei Stunden war der Film vorbei und langsam begaben sich Chiaki und die anderen Richtung Ausgang. Shinji und Natsuki liefen voraus, während Chiaki und Yashiro ihnen hinterher liefen. Beide hatten ihre Hände in die Jackentaschen vergraben. Der junge Arzt warf ihr einen prüfenden Seitenblick zu.
Ihr enttäuschtes und gleichzeitig genervtes Gesicht sprach Bände.
Man merkte ihr an, dass sie sich den Abend so nicht vorgestellt hatte.
Ein wenig tat sie ihm leid. „Der Film war doch ganz lustig.“, sagte Chiaki an sie gerichtet.
„Hmm. Ja, war er.“, nickte Yashiro mit einem aufgesetzten Lächeln. „Uhm…Du hast ziemlich lebhafte Freunde.“, fügte sie unbeholfen hinzu.
„Tut mir leid, wenn ihre Anwesenheit dir unangenehm war.“ Chiaki lächelte entschuldigend.
„Oh, Nein! Nein! A-Auf keinem Fall! Sie scheinen ja nett zu sein und so. I-Ich war nur etwas überrascht….“, wendete Yashiro schnell ein.
Gerade als die vier das Kino verließen und sich nach draußen begaben, kamen ihnen auf einmal Maron, Miyako und Yamato entgegen.
„Oh! Guten Abend alle zusammen.“, grinste Miyako in die Runde.
Chiaki neigte stutzig den Kopf. Was zum Teufel geht hier vor…?, ging es ihm durch den Kopf. Obwohl er eine vage Ahnung hatte, was sich hier abspielte.
Maron ging mit einer freundlichen Miene auf Yashiro zu und musterte sie von oben bis unten.
„Du siehst hübsch aus.“, merkte sie an.
Ihr Gegenüber lächelte kühl. „Danke.“ Die grünen Augen verengten sich misstrauisch.
„Miyako, Yamato. Das ist Yashiro.“, stellte Chiaki das Model höflich vor.
Beide streckten Yashiro die Hand aus, doch sie kam ihnen mit einem kurzen Winken entgegen.
„Was macht ihr denn hier?“, hörte man Shinji fragen.
„Wir drei hatten spontan beschlossen nach Feierabend Essen zu gehen. Und jetzt machen wir einen Verdauungsspaziergang. Ein lustiger Zufall euch alle auf einem Haufen zu begegnen.“, lachte Miyako. Maron nickte zur Bekräftigung.
Etwas sagte Chiaki, dass dieses Aufeinandertreffen kein Zufall war. Yamato’s beschämter Gesichtsausdruck war Indiz genug dafür.
Er sah wieder zu Maron, die kurz zwischen ihm und Yashiro hin und her sah. Ein schlechtes Gewissen überkam ihm. Am liebsten möchte er mit seiner besten Freundin für ein paar Minuten allein sein, um mit ihr zu reden. Chiaki fühlte sich wie, als wäre er ihr eine Erklärung schuldig.
„Hab ihr eigentlich noch was vor? Wir haben gerade mal fast 20 Uhr. Vielleicht können wir alle zusammen noch was unternehmen.“, schlug Natsuki vor.
„Genau! Die Nacht ist noch jung!“, grinste ihr Freund. „Wie wär’s mit der Bowlingbar drüben?“
Die meisten stimmten dem Vorschlag zu.
„Ich habe auch nichts dagegen.“, sagte Chiaki.
„Was ist mit dir, Yashiro?“, fragte Maron.
Diese setzte ein breites Grinsen auf. „Klar! Ich bin dabei!“
Damit begaben alle sich auf dem Weg zur naheliegenden Bowlingbar.
***

„Sorry.“
Yashiro drehte sich mit einem argwöhnischen Blick zu Maron um. „Wofür entschuldigst du dich?“
Die Gruppe hatte soeben mit ihren ersten paar Bowling-Runden angefangen. Chiaki saß mit Shinji und Yamato zusammen auf einer Bank und unterhielt sich angeregt mit ihnen, während die Mädels auf der gegenüberliegenden Bank saßen. Miyako war soeben mit Spielen dran und Natsuki war dabei für alle Snacks zu holen.
„Du hast dir deinen Abend mit Chiaki garantiert anders vorgestellt.“, antwortete Maron und lächelte unschuldig. „Aber wir wissen alle, wie klein die Welt manchmal sein kann.“
„In der Tat…“, stimmte Yashiro ihr zu und zuckte wie gleichgültig mit den Schultern. „Aber halb so wild. Es ist interessant eure Freunde kennenzulernen.“ Sie beäugte Maron für einen Moment kritisch an.
Die Braunhaarige erwiderte ihren Blick irritiert. „Was?“
„Gibt es jemanden den du magst, Maron?“, erkundigte Yashiro sich interessiert.
„…Ja, Nein, Vielleicht?“, sagte die Angesprochene geheimnisvoll.
„Hmm. Darf ich fragen, wer das ist?“
Maron biss sich zögernd auf die Lippe und sah kurz weg.
„Maron! Du bist dran.“, rief Miyako plötzlich, die zurückkam und auf Yashiro’s andere Seite platzt nahm. Die Braunhaarige sprang sofort auf und schnappte sich eine Bowlingkugel. Zur selben Zeit kam Natsuki mit zwei riesige Teller Pommes zurück und stellte sie auf den Tisch.
Yashiro schnappte sich direkt eine Pommes, tunkte die in Ketschup ein und biss rein.
„Muss ein Model nicht auf seine Figur achten?“, fragte Natsuki mit hochgezogener Augenbraue und setzte sich hin.
„Doch. Aber Pommes hat noch niemandem geschadet.“, winkte Yashiro locker ab.
Unterdessen hörte man Maron jubeln, die ihren vierten Strike hintereinander machte.
„Riechst du das?“, neckte sie Chiaki, der nach ihr dran war, „Deine Niederlage!“
Der Blauhaarige grinste amüsiert in sich hinein. „Werd nicht übermütig. Ich hol dich noch ein!“
Yashiro beobachtete die beiden misstrauisch.
Nach eineinhalb Stunden war das Spiel zu Ende und alle saßen noch um einen Tisch und hatten sich was zum Trinken bestellt.
„Darf ich dich was fragen?“ Miyako wandte sich an Yashiro. Diese zog erwartungsvoll ein Augenbraue und nippte an ihrem Cocktail.
„Sind die Gerüchte und Geschichten über dich wahr, die man immer zu lesen bekommt?“
Bei der Frage hielt Yashiro in ihren Bewegungen inne und sah Miyako skeptisch an. Neben ihr wurde Maron hellhörig, tat jedoch so als wäre sie in einem Gespräch mit Natsuki vertieft.
Zur selben Zeit konnte man vernehmen, dass Chiaki sich zu den Toiletten begab. Yashiro folgte ihn mit ihrem Blick.
„Nun… Jeder ist frei zu glauben, was er will.“, sagte sie mit einem geheimnisvollen Lächeln und stand ebenfalls auf. „Wenn ihr mich entschuldigt.“ Damit war sie verschwunden.
Maron schnellte ihren Kopf in ihre Richtung.
Gerade als sie der Türkishaarigen nachlaufen wollte, fiel ihr jemand ins Auge. Ein Mann mit großer Spiegelreflexkamera lief inmitten der Menschen vorbei. Ihre braunen Augen verengten.
Ein Reporter...?, fragte sie sich.

Chiaki verließ soeben das Bad, als ihm Yashiro unerwartet entgegenkam. Sie schwankte leicht und hielt sich den Kopf.
„Yashiro?“
„Chiaki… Ich glaube, ich fühle mich nicht so gut…“, wisperte sie und warf sich in seine Arme. Der Blauhaarige fasste sie an den Schultern und schob sie etwas von sich.
„Soll ich dir ein Taxi rufen?“, fragte er.
Yashiro schüttelte den Kopf und schlang ihre Arme um seinen Hals. „Mir wäre es lieber, wenn du mich persönlich nach Hause begleiten würdest.“, sagte sie mit einem verführerischen Lächeln.
Seine Augen weiteten sich. Er erstarrte für einen minimalen Moment.
Dann sah er Maron wenige Meter entfernt stehen. Ihr Gesicht war eine gefühllose Maske.
Chiaki riss sich sofort von Yashiro los. „Maron…“
Auch Yashio drehte sich zu ihr um.Langsam ging Maron auf die beiden zu und blieb vor ihnen stehen. Mit wütenden Augen sah sie zuerst zu Chiaki und dann zu Yashiro.
„Es ist nicht das, wonach es aussieht…“, versuchte er auf sie einzureden, als sie ihm schon ins Wort fiel:
„Schon gut, Chiaki.“ Die Stimme ruhig. Den Blick weiterhin auf Yashiro gehaftet.Diese schluckte schwer und sah weg.
„Yashiro. Wusstest du, dass sich hier ein Reporter rumtreibt?“, fragte Maron schließlich.
„W-Was…?“ Die Angesprochene sah sie schockiert an. Ihr Gesicht verlor schlagartig an Farbe.
„Du hast mich gehört.“
„Wovon redest du, Maron?“, fragte Chiaki sichtlich verwirrt. Seine beste Freundin holte ihr Handy raus und gab es ihm.
„Was ist das?“, fragte er, als er auf dem Bildschirm blickte.
„Ein Artikel von vor drei Wochen, den ich heute fand.“ Maron verschränkte ihre Arme vor der Brust und sah das Model ernst an. Chiaki las sich den Artikel schnell durch und sah zu Yashiro auf.
„Was hat das zu bedeuten?“, fragte er sie fassungslos und verärgert zugleich. „War das Theater eben gestellt, damit die perfekten Schnappschüsse für den nächsten Artikel rauskommen?“
Nervös biss Yashiro sich auf ihre zitternde Unterlippe. Ihre Augen waren zu Boden gesenkt. Die zittrigen Hände zu Fäusten geballt. Sie schüttelte schwach mit den Kopf.
„E-E-Es ist nicht das, was ihr denkt…“, brachte Yashiro leise hervor. Dann sah sie zu ihre ehemaligen Klassenkameraden auf. Traurig und voller Reue blickte sie die beiden an.
„Dann erklär es uns.“, sagte Chiaki ruhig und ernst zugleich, eine Hand in die Hosentasche vergraben.
„I-Ich wusste nicht, dass der Reporter hier ist. Ich schwöre!“, sagte Yashiro in einem nahezu panischen Ton. „Hört zu! W-Was auch immer für Bilder der nun geschossen hat… wenn ihr wollt, dass nichts von dem an die Öffentlichkeit gelangt, dann müssen wir ihn aufhalten und dafür sorgen, dass die Bilder gelöscht werden…!“
„Nun, was das angeht-“, begann Maron zu sagen.
Plötzlich hörte man einen Mann lautstark fluchen:
„VERDAMMTE SCHEIßE!! WOLLEN SIE MICH VERARSCHEN!! SIE HABEN MEINE KAMERA FALLEN GELASSEN!!“
Überrascht fuhren alle drei zusammen und folgten der Stimme Richtung Bar.
Ein Mann hielt wutentbrannt seine Kamera in der Hand und schimpfte mit Shinji. Natsuki, Miyako und Yamato in unmittelbarer Nähe.
Muss wohl der Reporter sein…, stellte Chiaki gedanklich fest.
„Es tut mir wirklich leid! Was soll man sagen? Ich bin ein furchtbarer Tollpatsch.“ Shinji hielt beide Hände unschuldig in die Höhe und lachte beschämt.
„Das Objektiv hat einen Bruch und die Linse ist zersplittert!!! Wissen Sie überhaupt, wie viel so ein Ding kostet?!?!“, schrie ihn der Reporter empört an.
„Klar!“, schmunzelte der junge Fotograf lässig.
„Hören Sie.“, mischte sich Yamato ein. „Ich entschuldige mich im Namen meines Freundes. Ich schlage Ihnen vor, ich schreibe Ihnen einen Check aus und dann hat sich die Sache erledigt. In Ordnung?“
Mürrisch ging der Mann auf den Kompromiss ein. Nach einer Minute wurde der Check ausgestellt und der Reporter ging schnellen Schrittes davon.
„M-Moment! Wieso lassen wir ihn gehen?“, fragte Yashiro perplex. „Die Kamera ist zwar kaputt, aber auf der Speicherkarte sind doch noch die Bilder gespeichert…!“
„Oh. Ihr seid ja auch da.“, drehte sich Shinji zu den dreien um und grinste breit. „War eine gute Show, oder?“
„Show??“, fragten Chiaki und Yashiro gleichzeitig.
„Am besten gehen wir. Die Leute starren schon.“, schlug Miyako vor, worauf alle zustimmend nickten.
Draußen angekommen, wandte Maron sich direkt an ihre Freunde:
„Hat’s geklappt?“
„Japp! Habe alles gelöscht!“, verkündete Shinji stolz und klopfte sich selbst auf die Schulter.
„W-Was hast du gelöscht?“, fragte Yashiro verwirrt.
„Alle Fotos auf seiner Speicherkarte.“
Maron lächelte zufrieden sowie erleichtert.
Yashiro fiel vor Sprachlosigkeit der Mund auf.
Auch Chiaki machte ein erstauntes Gesicht.
„Wie zum Henker hast du das gemacht?“, fragte er seinen besten Freund.
„Eigentlich war das reine Teamarbeit gewesen.“, merkte Natsuki an, „Nachdem Maron den Typ gesehen hat, hatte sie uns damit beauftragt, dass wir uns um ihn kümmern bevor er abhaut.“
„Genau.“, setzte Shinji fort, „Ich habe ihn gefragt, ob ich die Kamera mir angucken darf und irgendein Scheiß gelabert, dass ich nach einer neuen Kamera suche und seine so toll fand. Dabei habe ich hochwertigere Modelle als der. Ich ging ihn solange auf die Nerven, bis er die mir endlich gab. Die Mädels hatten ihn anschließend abgelenkt, damit ich schnell alles löschen konnte. Nachdem ich fertig war, ist mir das Ding ausversehen aus der Hand gerutscht. Was für ein Schrottteil.“
„Den Rest habt ihr ja mitbekommen.“, schmunzelte Miyako.
„Ihr seid echt unglaublich!“, lachte Chiaki ungläubig auf.
„Wirklich unglaublich…“, stimmte Yashiro ihm zu.
Maron sah auf ihre Uhr. „Nun… Es ist schon spät. Ich denke, es wird Zeit nach Hause zu gehen.“
Kurze Zeit später verabschiedeten sich die zwei Paare, sodass Maron, Chiaki und Yashiro zurückblieben.

Die Braunhaarige wandte sich an das Model. „Du bist uns noch einige Erklärungen schuldig.“
Yashiro seufzte und lehnte sich mit dem Rücken an der Gebäudewand an.
„Welche Wahrheit wollt ihr hören?“, fragte sie mit tonloser Stimme, „Deren…“, sie deutete auf Maron’s Handy, welches Chiaki immer noch in der Hand hielt, „…Oder meine.“
„Deine natürlich.“, antwortete Chiaki ruhig.
Wieder seufzte das Model.
„All die Gerüchte und Geschichten über mich sind nicht wahr. Weder hab ich tausend Liebschaften mit irgendwelchen Boygroup-Mitgliedern, noch hatte ich jemals eine Affäre mit irgendwem gehabt. Da will man sich ausgelassen mit jemanden unterhalten – Boom! Wird das sofort als lächerliche Romanze aufgetischt.“
„Wieso streitest du das dann nicht ab?“, fragte Maron verständnislos.
„Weil solche Schlagzeilen in unserer Branche von hohem Wert sind. Wegen der Publicity ist das Interesse an mir gestiegen. Ich bekam mehr Jobs und Aufträge. Dasselbe galt auch für all die Kerle.“ Yashiro stoppte sich kurz.
„Natürlich wollte ich nicht auf solche dummen Tricks angewiesen sein, aber mein Management und meine Agentur… die sitzen am längeren Hebel. In Laufe der Jahre habe ich gelernt damit zu leben, alles totzuschweigen und für die Presse mitzuspielen.“ Kurz lachte sie bitter auf. „In Momokuri hatte ich gehofft eine Pause von dem ganzen Quatsch zu bekommen. Aber… so wie es aussieht habe ich mich geirrt.“ Yashiro sah Chiaki entschuldigend an. „Ich wusste damals nicht, dass man uns im Café fotografiert hat. Am nächsten Tag hatte man mir den Artikel gezeigt und ich war selbst schockiert. Es war nicht meine Absicht, dass du mit reingezogen wirst…Entschuldige.“
Der Blauhaarige seufzte und strich sich mit der Hand durch die Haare. Kurz tauschte er mit Maron einen stummen Blick aus bis er sich wieder an Yashiro wandte.
„So wie du vorhin reagiert hast, schätze ich mal, dass du es wirklich ernst meinst. Daher nehme ich deine Entschuldigung an. Und die Aktion vor den Toiletten… lasse ich mal unkommentiert.“
„Ehm…Ja…“ Yashiro biss sich unbeholfen auf die Lippe und sah verlegen weg. „Ich…Ich werde ein offizielles Statement schreiben… und meinen Fans die Wahrheit über alles sagen. Ob man mir glaub sei mal dahingestellt, aber ich bin mir sicher die Medien werden uns erstmal in Ruhe lassen.“
„Wenigstens wirst du ehrlich sein zu deinen Fans.“
„Ja… Ansonsten ist alles wieder in Ordnung?“, fragte Yashiro schüchtern.
Chiaki seufzte und rieb sich den Nacken. „Alles in Ordnung.“
Sie lächelte erleichtert.
„… Ich würde dir raten, dass du dir vielleicht mal einen Anwalt holst und gegen deine Agentur und die Medien vorgehst.“, entgegnete Maron und lächelte leicht.
„Werde ich mir überlegen. Danke für den Rat.“
„Nun... Ich würde vorschlagen, dass wir jetzt alle nach Hause fahren.“, sagte Chiaki, „Ich fahre euch beide.“Die anderen nickten. Maron bekam von Chiaki ihr Handy wieder. Dann liefen sie die Straße entlang, wo Chiaki sein Auto geparkt hatte. Maron und Yashiro liefen mit etwas Abstand hinter dem jungen Arzt her.
„Danke, Maron.“, durchbrach Yashiro die Stille zwischen ihnen. „Dass du mir geholfen hast.“
„Mir war es wichtig, dass Chiaki nicht weiter in solche Lügengeschichten reingezogen wird.“
„Du bist eine gute Freundin.“
„Beste Freunde tun sowas füreinander. Er bewahrt mich auch immer vor Unheil. Da ist sowas selbstverständlich.“
„Ja… da wir beim Thema sind: Ich werde nach der ganzen Sache heute Chiaki nicht aufgeben. Das ich an ihn interessiert bin, war ernst gemeint.“ Yashiro sah Maron ernst an. Sie erwiderte ihren Blick. „Und ich habe beschlossen, dass du ab sofort meine Rivalin bist.“
„Deine Rivalin?“
„Ja. Denn du scheinst eindeutig tiefere Gefühle für ihn zu hegen als nur Freundschaft.“
Maron konnte es sich nicht verkneifen kurz aufzulachen. „Wie du meinst.“
„Ich bin nicht dumm, Maron. Und du magst vielleicht behaupten, dass du nichts damit zu tun hattest, dass deine Freunde unser Date gecrasht haben…Aber ich konnte in deinen Augen sehen, dass es dich amüsiert hat. Also, muss an meiner Annahme was Wahres dran sein.“
„Sagt mal, kommt ihr beiden noch?“ Chiaki stand einige Meter entfernt vor seinem Auto und war dabei die Beifahrertür zu öffnen.
„Sind schon da!“ Yashiro lächelte die Braunhaarige herausfordernd an. „Ich werde ihn für mich gewinnen. Darauf kannst du dich verlassen.“ Ein freches Augenzwinkern und dann lief sie auf Chiaki zu und stieg in den Beifahrersitz ein.
Maron lächelte kühn.
„Versuch dein Glück.“
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast