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Yes, No, Maybe

von mairio
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P16 / Het
Chiaki Nagoya Hijiri Shikaido Marron Kusakabe Miyako Toudaiji Yamato Minazuki
29.09.2018
15.02.2019
20
86.699
17
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17.12.2018 3.987
 
Chapter 12: Keeping Things From One Another

„Maron! Hey, Maron!“
Überrascht fuhr Maron zusammen und blickte in Hijiri’s Gesicht, der mit der Hand vor ihren Augen wedelte.
„Oh, Sorry.“ Leicht irritiert wandte sie ihren Blick vom Fenster ab und sah sich im Café, in dem das Paar saß um. Maron versuchte sich zu erinnern worüber sie geredet haben. „Ehm...Worüber haben wir geredet?“, fragte sie schließlich. Hijiri zog skeptisch die Brauen zusammen.
„Darüber ob wir zu diesem Gruppendinner am Freitag mitgehen wollen.“, antwortete er ihr.
„Oh...Ach ja.“ Maron sah auf ihr Handy runter und las Natsuki’s Nachricht, welches sagte: „Habt ihr beide Lust mit uns und Chiaki Abendessen zu gehen? :)“
„Genau… die drei wollen mit uns dieses neue China-Restaurant ausprobieren.“, sagte Maron und scrollte einige Nachrichten auf und ab. „Hast du Lust?“, fragend blickte sie wieder zu Hijiri auf.
Dieser zuckte mit den Schultern. „Ich habe nichts dagegen.“, sagte er und ergänzte nach kurzer Überlegung, „Obwohl Chiaki mir dann etwas leid tut.“
„Wieso?“
„Naja, wenn man zwei Pärchen um sich herum hat… da fühlt man sich doch schon einsam, findest du nicht?“
Maron presste sich kurz die Lippen zusammen. „Er ist ja unter Freunden.“, sagte sie schließlich und hob eine Augenbraue.
„So kann man das auch sehen.“, lachte er.
„Also sage ich für uns beide zu!“ Damit schrieb Maron ihrer grünhaarigen Freundin kurz zurück und packte ihr Handy wieder in die Handtasche.
Hijiri nickte und trank an seinem Espresso. „Ist mit dir eigentlich alles in Ordnung?“, fragte er leicht besorgt.
„Ja! Wieso fragst du?“
„Du driftest in letzter Zeit ziemlich oft ab.“
Maron winkte mit einem verspielten Lächeln ab. „Ach was! Ich hatte nur überlegt, ob diesen Freitag die Weihnachtsfeier der Redaktion ansteht. Aber die ist erst nächste Woche.“, erklärte sie sich.
„Ach so.“
„Außerdem hatte ich mir noch eine gedankliche Liste gemacht, für wen ich alles noch Geschenke besorgen muss.“
„Das waren etwa nicht alle?“, fragte Hijiri ungläubig und blickte auf die zig vollen Shopping-Taschen auf den freien Stuhl zwischen ihnen.
„Das ist gerade mal alles, was ich für meine Eltern und Verwandten besorge.“, erwiderte Maron ernst, „Denn Rest will ich jetzt noch besorgen. Also los!“
Mit den Worten stand sie voller Tatendrang auf und nickte mit dem Kopf Richtung Einkaufszentrum. Ihr Freund legte entkräftet den Kopf in den Nacken. Widerwillig stand er ebenfalls auf und folgte ihr.

Einige Wochen waren nun vergangen. Weihnachten sowie das Jahresende standen allmählich vor der Tür.
Die Straßen wurden mit Lichterketten dekoriert und hell beleuchtet. In allen Geschäften und Läden sammelten sich Menschen an, um ihre Weihnachtseinkäufe zu erledigen.
Zwischen Maron und Chiaki war alles wieder beim Alten. Er stand ihr als bester Freund weiterhin für Rat und Tat zur Seite und benahm sich auch so wie immer. Wie als wären die letzten Tage nach seinem Geburtstag nie gewesen zu sein.
Maron war eigentlich froh darum.
Jedoch spürte sie noch immer dieses leichte Kribbeln auf ihrer Haut, wenn sie ihn sah oder an ihn dachte. Noch immer spürte sie den kleinen Kuss auf ihrer Stirn. Dieses warme Gefühl in ihrem Inneren, welches in diesen Momenten auftauchte, irritierte sie sehr.
Sowie die plötzlichen Herzklopfen.
Sie versuchte alles bestmöglich zu ignorieren.

Nach zwei Stunden verließen Maron und Hijiri Arm in Arm das überfüllte Einkaufszentrum.
„Nächste Weihnachten weigere ich mich mit dir in die Stadt zu fahren. Ist ja nicht auszuhalten diese Menschenmenge!“, kam es von dem Rothaarigen genervt.
Seine Freundin kicherte amüsiert. „Mutig von dir anzunehmen, dass wir nächste Weihnachten auch noch zusammen erleben.“
„Was soll das jetzt bitte heißen?“ Hijiri wandte sich mit einem entsetzten Gesichtsausdruck zu ihr.
„War nur ein Witz!“, lachte sie.
„Ein ziemlich schlechter.“, murmelte er und sah auf die Taschen in seiner Hand. „Hast du auch wirklich alles, was du brauchst?“
„Ja!“, grinste Maron. „Und dass ich dich vorhin nach deiner Hemdgröße gefragt habe und dich dann dazu gezwungen habe draußen vor dem Laden zu warten, soll nicht bedeuten das du ein Hemd bekommst.“, fügte sie schmunzelnd hinzu.
Doch Hijiri hörte nicht mehr zu. Sein Blick blieb an eine Person haften, die soeben an ihnen vorbei lief.
„Eh, J-Jeanne?“, rief er überrascht aus. Maron folgte seinen Blick.
Eine junge Frau mit langen, silbernen Haaren und einem Rollkoffer in der Hand blieb stehen und drehte sich zu dem Paar um. Sie trug einen beigefarbenen Mantel, dunkle Wollstrumpfhosen und schwarze kniehohe Stiefeln.
Jeanne?, ging es Maron stutzig durch den Kopf und musterte die junge Frau. Hübsch ist sie…, dachte die Braunhaarige sich mit leichter Ehrfurcht.
„Oh… Hi Hijiri.“, sagte Jeanne mit einem verhaltenen Lächeln. „So ein Zufall.“
„Hey, eh, Ja! Wirklich ein Zufall.“, entgegnete er und rieb sich verlegen den Nacken, „Was machst du hier? Ich dachte, du wohnst noch in Osaka…“
„Doch, doch! Ich bin nur geschäftlich hier. Für eine Woche. I-Ich bin gerade auf den Weg zu meinem Hotel.“
„Ah, okay.“ Dann wurde es für eine Sekunde still.
Maron sah zwischen ihm und Jeanne hin und her.
„Hi!“, durchbrach sie die unangenehme Stille und streckte Jeanne die Hand aus, „Ich bin Maron.“
In dem Moment fiel Hijiri wieder ein, dass die Braunhaarige auch anwesend war. „Oh, genau – Sorry. Das ist meine Freundin Maron.“, stellte er sie vor.
„Nett dich kennenzulernen.“ Jeanne schüttelte ihr freundlich die Hand. „Nun, ehm, ich muss jetzt wirklich los ins Hotel. Es wird langsam kalt.“, sagte sie und nickte mit dem Kopf Richtung Hotelgebäude am Ende der Straße.
„Oh, klar! War schön dich wiederzusehen.“, erwiderte Hijiri nickend.
„Ja. Freut mich auch.“ Jeanne ließ ihre grauen Augen zu Maron wandern. „War nett dich kennenzulernen.“
„War mir eine Freude.“, sagte Maron mit einem Lächeln.
Dann drehte sich Jeanne um und verschwand unter der Menschenmenge.
Seufzend legte Hijiri einen Arm um Maron’s Taille und beide setzten ihren Weg wieder fort.
„Woher kennst du sie?“, fragte Maron neugierig.
„Wir kennen uns aus dem Studium. Sie kam aus Frankreich hierher.“, erklärte er.
„Aaah… Cool. Jetzt scheint sie sich in Osaka festgesetzt zu haben, wie ich rausgehört habe.“
„Ja. Sie wollte schon immer in Japan leben.“
„Wow…Ziemlich cool.“
„Japp. Und-…“ Hijiri stoppte sich, presste sich die Lippen zusammen und seufzte schließlich.
Maron sah ihn an und neigte fragend den Kopf. „Was ist los? Wolltest du noch was sagen?“
„Eh… Nein, nichts.“, entgegnete er nach kurzem Zögern. Anschließend drückte er ihr einen Kuss auf die Schläfe, worauf sie verlegen grinsen musste.
Die beiden gingen zu seinem Auto und fuhren schließlich nach Hause.

Drei Tage später ging Maron ins Mori-Café, um dort ihre Mittagspause zu verbringen.
Im Café angekommen, wurde sie direkt vom Inhaber und ehemaligen Kollegen begrüßt.
An der Theke war viel Betrieb, wodurch sich schon eine kleine Schlange gebildet hatte. Sie reihte sich ein und blickte zur Menü-Tafel auf. Dann fiel ihr aus dem Augenwinkel eine vertraute Person auf, die ebenfalls zur Tafel hochschaute.
„Oh, Hallo Jeanne.“
Die Französin blickte sie überrascht an. „Hi Maron.“
„Kannst du dich nicht entscheiden?“, fragte Maron freundlich.
„Ja…“, nickte Jeanne und sah wieder zur Tafel auf. „Man hatte mir dieses Café angeboten und die haben eine ziemlich gute Auswahl.“ Kurz überlegte sie und wandte sich wieder an Maron.
„Kannst du mir was empfehlen?“, fragte sie.
„Klar! Ich habe für eine Zeit lang hier gearbeitet.“, lächelte Maron, „Bei den Kunden waren der Caramel Latte Macchiato und der Käsekuchen beliebt. Meine persönlichen Favoriten sind der Chai Latte und die Erdbeertörtchen.“
„Hmm. Dann nehme ich den Chai Latte und den Käsekuchen.“, schmunzelte Jeanne.
„Okay. Wenn du willst, kann ich dir Gesellschaft leisten, solange ich Pause habe.“
„Ich hätte nichts dagegen.“
Nach ein paar Minuten hatten beide was bestellt und begaben sich zu einem Tisch.
„Wie findest du Momokuri bis jetzt?“, erkundigte Maron sich bei ihrem Gegenüber.
„Vom ersten Eindruck her: eine hübsche Stadt.“, sagte Jeanne und nippte an ihrem Becher, „Ich kam noch nicht dazu mir die Stadt in Ruhe anzugucken, aber das werde ich mir am Wochenende vornehmen.“
„Hijiri und ich können dich ja rumführen.“
In den Augenblick hielt Jeanne in ihrer Bewegung inne und blickte auf ihr Getränk herab.
„Lieber nicht.“, lehnte sie das Angebot bestimmt ab.
Maron machte ein verwundertes Gesicht. „Darf ich fragen wieso?“
Jeanne presste sich kurz die Lippen zusammen und sah aus dem Fenster.
„Hat Hijiri mich jemals erwähnt?“, fragte sie stattdessen plötzlich und sah Maron an. „Bevor wir uns auf der Straße begegnet sind…“
Diese zog eine Braue hoch. „Nein. Wieso sollte er?“
Diesmal machte Jeanne ein verwundertes Gesicht und neigte den Kopf. „…Was hat er über mich erzählt?“, stellte sie als Gegenfrage.
„Dass ihr euch aus dem Studium kennt.“
„Mehr nicht?“
„Mehr nicht.“ Maron irritierten die ständigen Gegenfragen.
Jeanne fasste sich die Stirn und schüttelte ungläubig den Kopf. Sie fing an kurz aufzulachen. Maron wurde nicht schlau aus ihrem Verhalten. Schließlich ebbte ihr Lachen ab und Jeanne sah sie ernst an.
„Wir waren mal zusammen während unseres Studiums.“, offenbarte sie schließlich mit ruhiger Stimme. „Über drei Jahre.“
Maron blickte die hübsche Französin mit großen Augen an.
„Okay.“, erwiderte sie und nahm die Information achselzuckend zur Kenntnis, „Gut zu wissen.“
„Interessant, dass du das nicht weißt.“
„Jeder hat eine Vergangenheit.“ So geschockt Maron sich eigentlich fühlen sollte, so war sie zu ihrem eigenen Erstaunen sehr ruhig und gelassen. „Nun-… Ich verstehe schon. Ich kann verstehen, wenn du dich von ihm fernhalten willst.“
Sie lehnte sich zurück und sah Jeanne verständnisvoll an.
„Hmm.“ Jeanne stütze ihren Ellenbogen auf den Tisch ab und legte ihr Kinn in die Hand. „Ich glaube, ich weiß wieso er dir nichts von mir erzählt hat.“, sagte sie und seufzte schwer.
„Wieso?“, fragte Maron, die Augen leicht verengt.
Für einen Augenblick war es still zwischen beiden Frauen.
„Ich glaube, dass solltest du ihn selbst fragen…“, entgegnete Jeanne. „Nein.“, wendete Maron ein und blickte sie ernst an, „Ich möchte es von dir hören.“
Zögernd biss sich Jeanne auf die Unterlippe. „Okay, wie du willst.“ Sie richtete sich auf ihren Stuhl gerade. Mit den Worten begann sie schließlich zu erzählen, weshalb die Beziehung mit Hijiri zu Ende ging.
„D-Das tut mir leid.“, brachte Maron leise hervor. Nun war sie wirklich geschockt.
Jeanne winkte schulterzuckend ab und lächelte gequält.
„Weißt du, als ich ihn sah, da kam alles wieder hoch und-…Ich will’s einfach vergessen.“ Sie stand auf und zog sich ihren Mantel an. „Wenn du mich entschuldigst…Ich muss jetzt los.“
Damit verabschiedete Jeanne sich von Maron und verließ das Café.
Maron saß noch für einige Minuten am Tisch und blickte mit ausdrucksloser Miene aus dem Fenster raus.
Heute Abend ist das Gruppendinner…, ging es ihr durch den Kopf.
Seufzend ging sie schließlich zurück zur Arbeit.
***

„Wozu habt ihr mich zu diesem Essen eingeladen?“, fragte Chiaki an Natsuki und Shinji gerichtet, während sie durch den Parkplatz liefen und auf das Restaurant zusteuerten.
Am liebsten wäre er zu Hause geblieben. Die Arbeit war mehr als stressig gewesen. Cholerische Patienten ohne Ende und überforderte Krankenschwestern, die die Patienten nicht im Griff bekamen und ihn zu Hilfe riefen.
„Ihr hättet zu zweit oder mit den anderen beiden alleine hingehen können.“, merkte er an, eine Hand in die Hosentasche gesteckt und fuhr sich seufzend mit der anderen Hand über den Hinterkopf.
„Natsuki wollte ein letztes Mal unter Freunden was unternehmen, bevor wir die Weihnachtstage und Neujahr bei ihrer Familie in Okayama verbringen.“, erklärte Shinji sachlich.
„Außerdem verhinderst du mit deiner Anwesenheit, dass der heutige Abend als Doppeldate abgestempelt wird.“, fügte Natsuki hinzu.
„Meine Anwesenheit macht mich wortwörtlich zum fünften Rad am Wagen.“ Chiaki rollte mit den Augen. „Nun denn. Ist auch egal. Ich bin jetzt hier und habe Hunger.“, zuckte er mit den Schultern.
Im Restaurant angekommen, warteten schon Maron und Hijiri vor dem Eingang. „Hey Leute!“, begrüßte Natsuki die beiden und ging auf Maron zu, „Oh mein Gott, du siehst Hammer aus!“, umarmte sie ihre Freundin, die ein enganliegendes weißes Kleid unter ihrem Wintermantel trug. „Danke.“, entgegnete Maron zurück. „Du siehst auch nicht schlecht aus.“, sagte sie und deutete auf Natsuki’s waldgrüne Kleid.
„Und wie geht’s euch so?“, fragte Shinji freundlich.
„Gut.“, erwiderte Maron knapp.
„Gut ist relativ.“, kam es von Hijiri, worauf er einen kühlen von ihr erntete.
Chiaki neigte mit einem stutzigen Blick leicht den Kopf. Irgendwas stimmte nicht. Im nächsten Moment kam ein Mitarbeiter des Restaurants und führte die Gruppe zu ihrem Tisch. Maron hakte sich bei Natsuki ein, die ein verwundertes Gesicht machte und gingen mit ihr voraus.
Irritiert blickten die Männer den Freundinnen nach und folgten ihnen langsam.
„Was ist los mit ihr?“, fragte Chiaki leise an den Rothaarigen gerichtet.
„Keine Ahnung…Seit ich sie abgeholt habe, ist sie so.“, antwortete Hijiri ihm leise zurück.
Chiaki verengte skeptisch die Augen. „...Was hast du angerichtet?“
„Nichts. Ich schwöre!“
„Okay…? So wie sie aussieht, musst du ja irgendwas getan haben.“
Hijiri erwiderte dazu nichts mehr und setzte sich neben Maron hin, die schon an dem runden Tisch Platz nahm. Chiaki ließ sich auf ihre andere Seite nieder.
Natsuki, die vom Bad zurückkam und Shinji setzten sich auf den zwei übrigen freien Stuhlen hin.
Ein Kellner brachte allen jeweils eine Karte und nach wenigen Minuten hatte jeder sich auch ein Getränk und ein Gericht bestellt.

„Also, ihr verbringt eure Feiertage in Okayama?“, erkundigte Hijiri sich bei dem anderen Paar.
„Japp.“, nickte Shinji und legte seiner Freundin seine Hand auf ihrer, die auf den Tisch lag. „Ist irgendwie schon zur Tradition geworden, dass ich die Tage mit ihr und ihrer Familie verbringe. Und meine Familie geht Weihnachten sowieso immer in den Urlaub.“
„Das ist schön.“, lächelte Maron und fragte im Anschluss plötzlich: „Wie lange seid ihr beide nochmal zusammen?“
„Fast drei Jahre.“, grinste Natsuki verliebt.
„Drei Jahre. Interessant.“ Maron schnellte ihren Kopf zur Seite zu Hijiri und sah ihn eindringlich an. Dann wandte sie sich wieder zu den anderen. „Da vertraut man sich mittlerweile garantiert blind und hat keine Geheimnisse voreinander.“ Immer wieder warf sie Hijiri ein paar scharfe Seitenblicke zu. „Ich meine, ihr erzählt euch bestimmt alles, oder?“
„Ehm, Ja. Ich sag Natsuki alles. Vor ihr habe ich keine Geheimnisse.“, erwiderte Shinji schulterzuckend.
„Kommunikation ist schließlich das Wichtigste in einer Beziehung.“, sagte Maron mit einem Lächeln, welches nicht ihre Augen erreichte. Neben ihr wurde Hijiri mit jedem Moment nervöser, versuchte allerdings sein Lächeln aufrechtzuerhalten. Mittlerweile entging keinem mehr die steigende Anspannung zwischen ihnen.
Chiaki sah zwischen den beiden hin und her, hielt sich bewusst aus dem Gespräch heraus.
„Nun…Genauso wichtig ist auch, dass man den Partner vertrauen kann.“, warf Natsuki ein, versuchte die Stimmung in eine aufzulockernde Bahn zu bringen. „Ist wahrscheinlich sogar wichtiger…“
„Das denke ich auch.“, stimmte Hijiri ihr zu. „Ich meine, manche Sachen können auch unausgesprochen bleiben. Aber solange man einander vertraut…“
„Ach, wirklich?“ Maron lachte ungläubig auf und sah ihn ernst an. „Ich denke, beides hängt eng miteinander zusammen und wenn die Kommunikation nicht funktioniert, dann ist das Vertrauen auch hinüber.“
Daraufhin wusste ihr Freund nicht mehr was er sagen sollte.
Einige unangenehme Sekunden verstrichen.
Natsuki und Shinji rutschten unsicher auf ihren Stühlen hin und her, tauschten sich stumme Blicke aus.
Chiaki rieb es sich still seufzend die Schläfe und schaute zur Seite.
„Gott sei Dank, das Essen ist da!“, rief der Blauhaarige mehr als erleichtert aus, als er den Kellner sah, der mit seinen Kollegen das Essen brachte.
Dies riss die anderen auch wieder in die Gegenwart zurück.
„Können wir uns bitte netten Abend heute machen?“, flüsterte Hijiri Maron in einem nahezu flehenden Ton zu.
„Ach, ich bin schuld, dass wir keinen netten Abend haben??“, kam es von ihr empört.
„Das habe ich nicht gesagt! Aber ich will die anderen nicht in eine unangenehme Lage bringen.“
Maron wog ihre Antwort kurz ab, sah ihn an und ließ ihren Blick zu ihren Freunden wandern, die leise untereinander sprachen und so taten als wären sie mit ihrem Essen beschäftigt.
„Egal, weswegen du sauer bist, wir reden zu Hause darüber. Versprochen.“, hörte sie Hijiri noch sagen.
Tief atmete sie ein und aus, ließ ihre angespannte Schulter sinken. Hijiri fasste dies als Zustimmung auf, seufzte erleichtert auf und nahm sich sein Glas Wasser.
„Ich weiß, dass wir letztens deine Ex-Freundin getroffen hatten.“, platzte es plötzlich aus Maron heraus, die Stimme monoton. „Ich traf sie heute zufällig wieder. Erklär mir mal, wieso du mir nichts gesagt hast und wieso ich von ihr erfahren durfte, dass du sie betrogen hast?“
Kaum waren die Worte ausgesprochenen, verschluckte Hijiri sich fast an seinem Wasser. Erschrocken sah er sie an.
Mit einem Schlag wurde es am Tisch still. Chiaki und seine Freunde starrten wie eingefroren sowie mit großen Augen das Paar an.
„Ich habe keinen Hunger mehr.“ Maron stand auf, nahm sich ihren Mantel und ging.
Hijiri war ebenfalls auf den Beinen und lief ihr nach. „Maron, w-warte…“
Nach einigen Augenblicken lösten die Verbliebenen am Tisch sich von ihrer Schockstarre.
„Wow…“, brachten Natsuki und Shinji gleichzeitig hervor. Die Perplexität war ihnen noch anzusehen.
„Ich bezahl für sie mit. Genießt den restlichen Abend einfach, okay?“, sagte Chiaki, legte den beiden Bargeld auf den Tisch und ging ebenfalls.

Maron lief aus dem Restaurant raus und sah sich auf der Straße um, auf der Suche nach einem Taxi.
„Maron!“, hörte sie sich hinter ihr sagen.
Seufzend drehte sie sich um.
„Ich kann verstehen, wenn ich in deinen Augen der größte Arsch der Welt bin.“, sagte Hijiri, „Aber das ist eine Ewigkeit her… Klar, es war furchtbar, was ich getan habe und für sowas sollte ich in der Hölle landen, aber-…“ Maron hielt ihm eine Hand stoppend entgegen, worauf er seinen Redefluss sofort abbrach.
„Nur damit du es weißt… Es geht nicht darum, dass du mal untreu warst.“, setzte sie an, die Stimme ruhig und bestimmt. „Nein, ich bin nicht sauer deswegen. Wir machen alle Fehler im Leben und das liegt in der Vergangenheit. Schließlich hat es auch nichts mit mir zu tun.“ Sie blickte Hijiri ernst an. „Ich bin sauer, weil du mir nichts von ihr und allem erzählt hast. Oder dass du es wahrscheinlich auch nicht vorhattest. Dass du mir nicht genug vertraust, um mir sowas zu offenbaren.“
„…Ich wollte es dir sagen.“
„Wirklich? Wann?“
„…“ Hijiri sah schweigend weg.
Maron seufzte und strich sich eine lange Strähne aus dem Gesicht.
„Hör zu. Ich kann verstehen, wenn du Angst hattest mir die Wahrheit zu sagen. Ich kann verstehen, wenn du mich und meine Gefühle in Schutz nehmen wolltest.“, sagte sie nach einigen Sekunden, „Aber das brauchst du nicht. Egal, was du in der Vergangenheit verbrochen hast, ich werde dich nicht dafür verurteilen.“ Sie legte ihm eine Hand sachte auf die Wange.
Im nächsten Augenblick blickte sie zu Seite, sah ein Taxi und winkte es herbei.
„Ich melde mich bei dir.“ Mit den Worten stieg die Braunhaarige in den Wagen ein und verschwand schließlich.

Chiaki, der alles mitbekam, beobachtete Hijiri dabei, wie er mit einem unsicheren Ausdruck dem Taxi hinterher blickte. Seufzend ging er auf ihn zu.
„Keine Sorge. Du hast sie noch nicht verloren.“
Irritiert drehte Hijiri sich zu ihm um.
Noch nicht??“, wiederholte er, „Was soll das bitte heißen?“
„Beruhig dich.“, winkte Chiaki leicht schmunzelnd ab und steckte seine Hände in die Hosentaschen, „Du verstehst, was ich meine. Sie ist momentan zwar enttäuscht, aber sie verzeiht dir.“
„Denkst du wirklich?“, fragte Hijiri vorsichtig nach. „Ich meine, ich will sie nicht für einen dummen Fehler verlieren, den ich vor Jahren gemacht habe.“
„Du hast doch gehört, wie einsichtig sie wurde.“
„Trotzdem fühle ich mich nicht besser.“
Kurz hielt Chiaki inne und presste sich die Lippen zusammen.
„Glaub mir, ich kenne sie.“, entgegnete er, versuchte sich seine innere Enttäuschung nicht anmerken zu lassen. „Du bist ihr genauso wichtig, wie sie dir wichtig ist.“
„Okay….“, atmete Hijiri erleichtert aus und fuhr sich durch die Haare.
„Aber ich muss sagen, die letzten dreißig Minuten waren wirklich filmreif gewesen.“, merkte Chiaki in einem ironischen Ton an.
„Schön, dass es dich amüsiert hat.“
„Naja… eigentlich wäre ich lieber woanders gewesen, als in der ersten Reihe von eurem Beziehungsdrama zu sitzen.“
Hijiri sagte darauf nichts und kickte ein Kieselstein weg.
„Aber mal eine Frage.“, setzte Chiaki an und zog eine Braue hoch, „Als ihr deine Ex begegnet seid… Du hättest Maron ja nicht sagen müssen, dass du die Frau betrogen hast, aber wenigsten zu erwähnen dass du mit ihr mal was hattest, wäre sinnvoll gewesen. Ich meine- Dieses kleine Detail schien für dich nicht irgendwie…-keine Ahnung- relevant gewesen zu sein? Nicht mal ansatzweise?“
„Sie hatte nicht gefragt.“
„Maron ist eine Journalistin. Sie stellt immer Fragen.“
Hijiri fuhr sich genervt über das Gesicht. „Sie hatte nur gefragt, woher ich Jeanne kannte. Was ich ihr wahrheitsgetreu beantwortet habe.“
„Ahja…Und da bist du nicht auf die Idee gekommen, etwas mehr zu erzählen?“ Chiaki blickte ihn erstaunt an und lachte kurz auf. „Ich bin mir gerade nicht sicher, ob du nur so tust oder ob du wirklich so dämlich bist, wie du dich gerade gibst.“
Hijiri ignorierte die letzte Bemerkung augenrollend.
„Ich meine, hättest du kein Geheimnis daraus gemacht, dann wären euch -und besonders ihr- derartige Überraschungen erspart geblieben.“, merkte Chiaki an.
„Wie auch immer… Ich gehe jetzt nach Hause.“, sagte Hijiri. „Und hoffe darauf, dass Maron sich bald wieder meldet.“
„Eure Rechnung hab ich übrigens beglichen.“
„Danke.“ Damit verschwand Hijiri schließlich.
Zurück blieb Chiaki, der kurz zum Nachthimmel hochschaute.
Anschließend setzte er sich in Bewegung.
***

Maron saß mit einer dicken Decke um ihren Schultern auf der Verandabank vor der Haustür und schaute gedankenverloren zum Nachthimmel auf. Es begann zu schneien.
„Ist dir nicht kalt?“, sprach auf einmal eine vertraute Stimme zu ihr.
Sie blickte zu ihrer Linken und sah Chiaki mit einer weiteren Decke in der Hand vor ihr stehen. „Ich wollte gerade zu meinem Vater und habe dich draußen sitzen sehen.“, lächelte er sie sanft an.
Maron musste ebenfalls lächeln. „Ich gebe zu, ein bisschen frisch ist es geworden.“, entgegnete sie. Anschließend rückte sie etwas zur Seite, um ihm Platz auf der Bank zu bieten. Chiaki setzte sich hin und legte ihr die weitere Decke über die Schultern. Mit einem Nicken bedankte seine beste Freundin sich, die Wangen rosa angelaufen.
Einige Minuten saßen sie schweigend nebeneinander.
„Interessant… Die Menschen, die mir am Nächsten stehen, verheimlichen mir Sachen, aus Angst mich verlieren zu können.“, murmelte Maron leise vor sich hin, durchbrach die Stille zwischen ihnen.
Chiaki versteifte sich neben ihr etwas, wohlwissend dass sie ihn indirekt in die Aussage miteinbezog.
Sie warf ihm einen kurzen Seitenblick zu und kicherte leicht.
Er fuhr sich unsicher durch die Haare, nicht wissend, was er darauf erwidern soll.
„Ich habe eine ziemliche Szene im Restaurant gemacht, oder?“, sprach sie weiter und sah verlegen runter.
„Nun… Sooo schlimm war es nicht.“, zuckte er leicht schmunzelnd mit den Schultern.
„Doch, ich habe dich und die anderen in Verlegenheit gebracht. Ich hätte warten sollen, um es mit ihm unter vier Augen zu klären. Aber… irgendwie ist es letztlich aus mir herausgeplatzt.“
Ihr bester Freund lachte leise in sich hinein.
„Ich habe euer Gespräch draußen mitbekommen.“, gestand er.
Maron schmunzelte und sah sich zu ihm. „Ich weiß. Ich habe dich gesehen.“
„Ich habe mit Hijiri auch geredet.”
„Ja?“
„Nur ganz kurz.“
„Hm-Mhm.“
„Du bist ihm wirklich wichtig… Und ich denke, er wird aus seinen Fehlern gelernt haben.“
Maron nickte verstehend. „Mich überrascht es, dass du dich für ihn einsetzt.“
Mich auch…, dachte Chiaki sich im Stillen und sagte: „Er macht dich glücklich. Und ich wünsche mir nichts mehr als das du glücklich bist.“
Ein peinlich berührtes Lächeln bildete sich auf ihren Lippen.
„Danke.“, sagte sie sanft. „Ich glaube, ich werde ihn das Wochenende dazu bringen, sich bei Jeanne zu entschuldigen.“
„Mach das.“
Dann wurde es wieder still zwischen ihnen.
Ohne weiteres zog Maron die Decken enger um sich und lehnte ihren Kopf an Chiaki’s rechte Schulter an.
Chiaki überraschte die Geste zunächst, entspannte sich jedoch wieder und seufzte leicht.
Eine Weile saßen sie noch auf der Bank und beide beobachteten, wie langsam alles mit Schnee bedeckt wurde.



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Mal wieder ein Kapitel für den Übergang…
Hoffe den einen oder anderen hat es trotzdem gefallen…. :‘)
Nächstes Kapitel wird wieder interessanter.  Versprochen! xD
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