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Yes, No, Maybe

von mairio
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P16 / Het
Chiaki Nagoya Hijiri Shikaido Marron Kusakabe Miyako Toudaiji Yamato Minazuki
29.09.2018
15.02.2019
20
86.699
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01.12.2018 7.123
 
Chapter 11: Rejected Love

„Reichst du mir die Sojasoße?“
Chiaki blickte von seiner Reisschale auf und sah Maron ihm gegenüber sitzen, die geduldig mit den Stäbchen auf die Sojasoße vor ihm zeigte.
„Klar.“, sagte er und reichte ihr die Flasche.
„Danke.“, bedankte sie sich.
„Chiaki, möchtest du noch eine Portion Reis?“, fragte Korron zu Marons Rechten und deutete auf den Reiskocher, welcher zwischen ihr und Takumi auf einen Hocker stand.
Der Angesprochene schüttelte höflich mit dem Kopf, wobei sein Vater neben ihn sich auf Reis-Nachschlag freute. Takumi, der am Kopfende des Tisches saß, gab seiner Frau ebenfalls seine Schale.
„So ein gutes Essen bekommt ihr beide selbst in den besten Restaurants nicht, oder?“, merkte Maron an, blickte zwischen Vater und Sohn hin und her.
„Ja...“, antwortete Chiaki, „Eure Kochkünste übertreffen wirklich jede Fünfsterneküche.“
„Takumi kann sich echt glücklich schätzen.“, stimmte sein Vater ihm zu und grinste den Architekten zu seiner Linken an, der kauend die Augen verdrehte.
Korron winkte die Komplimente lachend ab, während ihre Tochter verlegen den Kopf schüttelte.
Also Maron merkte, wie Chiaki’s Blick auf ihr haftete, sah sie schnell weg und tat so als würde sie eine von Kaiki’s Krankenhauserzählungen zuhören. Chiaki konnte förmlich die Mauer zwischen ihnen sehen, die sie zwischen ihnen hochfahren ließ.
Er seufzte innerlich.
Es war Sonntag, drei Tage seitdem Chiaki ihr seine Gefühle gestanden hatte. Seitdem hatten sie kein Wort mehr miteinander gewechselt oder sich gesehen.
Nun sitzen beide beieinander am Esstisch, weil ihre Eltern ihn und sein Vater zum Mittagessen eingeladen hatten und sie verhielten sich fast wie als wäre nie etwas gewesen.
Aber nur fast.
Obwohl sie sich im selben Raum befanden und keinen Meter voneinander entfernt saßen, fühlte die innere Kluft zwischen ihnen unendlich groß an.
Ebenso erinnerte der Schmerz in seiner Brust ihn immer wieder daran, dass der eine Abend wirklich geschehen war.
Zwar versuchte Chiaki sich auf der Arbeit mit Überstunden und zusätzlichen Nachtschichten abzulenken, doch es komplett zu ignorieren konnte er nicht. Die letzten Nächte hatte er auch kein einziges Auge zubekommen.
Aber was beschwerte er sich?
Er hatte es doch gewusst.
Er wusste, dass sie seine Gefühle nicht erwidern würde. Und trotzdem war der Schmerz in seinem Inneren kaum zu ertragen.
Er dachte, er kannte Herzschmerz. Doch dieser Schmerz war absolut nicht mit dem zu vergleichen, wenn er sie in den Armen eines anderen Mannes sah.
Nein – dieser Schmerz war anders. Qualvoller.
Wie als hätte sie ihm direkt ins Herz geschossen und es verbluten lassen.
Er dachte, er könnte mit diesen neuen Schmerz umgehen. Er lag falsch.
Tja… Die Realität sieht immer anders aus, als man sie sich vorstellt…, dachte er sich niedergeschlagen.
Ein plötzliches Klingeln warf Chiaki wieder ins Hier und Jetzt zurück.
„Oh, hab ich fast vergessen. Hijiri und ich sind fürs Kino verabredet.“, hörte er Maron sagen, die ihre Schale und Stäbchen auf den Tisch ablegte und zur Tür ging.
Mit einem „Warte kurz, ich hole meine Sachen.“, ließ sie ihren Freund rein, der alle im Raum freundlich und respektvoll begrüßte.
Ohne lang zu warten kam Maron mit Mantel und Umhängetasche wieder. Sie verabschiedete sich von ihren Eltern und Kaiki herzlich.
Chiaki warf sie einen kurzen Blick zu. Er erwiderte den Blickkontakt flüchtig, sah jedoch wieder weg.
Allen Anwesenden entging die Anspannung zwischen den beiden besten Freunden nicht.
Seufzend und ohne weiteren Worte ging Maron schließlich. Hijiri winkte allen zu Abschied zu und folgte ihr raus.

Während Maron mit Hijiri zum Auto ging, warf sie einen letzten Blick nach hinten.
Die mit Schmerz gezeichneten braunen Augen ließen sie nicht los.
„Alles in Ordnung bei euch?“, hörte sie Hijiri fragen, als den er Motor startete.
„Was? Wer?“, fragte Maron perplex zurück.
„Du und Chiaki. Hattet ihr Streit?“
„Nein. Alles ist gut!“
Maron schenkte ihm ein kleines, sorgloses Lächeln. Hijiri warf ihr einen skeptischen Seitenblick zu.
„Okay…?“, sagte er und sah auf die Straße, „Chiaki wirkte irgendwie niedergeschlagen.“
„Mhm. Muss an der Trennung von Miyako liegen.“, antwortete Maron schulterzuckend und schaute aus dem Fenster raus.
„Ach so?“
„… Er wird schon damit klar kommen.“
Maron war sich bewusst, dass sie ihren Freund gerade anlog. Doch ihm die Wahrheit zu sagen, würde nur noch mehr Probleme bringen.
Hijiri blickte sie besorgt an.
„Du wirkst auch nicht gerade als gehe es dir gut. Überhaupt, seit ein paar Tagen-…“
„Mir geht es gut.“, wendete sie ein und drehte sich breit lächelnd zu ihm um. „Tu mir den Gefallen und lass uns den Tag einfach genießen.“
„Okay, wie du willst.“, grinste er.
Somit fuhr das Paar die Straßen entlang in die Innenstadt.

Nachdem Maron aus dem Haus war, sah Chiaki wieder zu seiner Reisschale herunter und schob geistesabwesend mit den Stäbchen ein paar Reiskörner hin und her.
Er bemerkte nicht wie ruhig es im Raum war, bis Takumi die Stille durchbrach:
„Okay. Es geht mich normalerweise nichts an, aber ich frage jetzt trotzdem: Was ist los mit euch beiden?“
Maron’s Vater ließ seinen Blick von der Haustür zu Chiaki wandern, sah den jungen Arzt ernst an.
Chiaki schaute zu ihm und den anderen auf. Korron und Kaiki wirkten besorgt. Besonders sein Vater musterte ihn kritisch.
Seufzend senkte Chiaki seinen Blick wieder und schüttelte den Kopf. „Nichts.“
„Wirklich?“, schmunzelte Takumi ungläubig. „Das ist witzig, denn ich habe da zwei Dinger, die nennen sich Augen. Es sah nicht so aus als wäre nichts gewesen zwischen euch.“
Sich geschlagen gebend legte Chiaki seine Stäbchen auf den Esstisch ab und fuhr sich mit der Hand durch die Haare. Leugnen nützt eh nichts…, dachte er sich.
Er warf einen kurzen Blick in die Runde.
„Ich hab es Maron gesagt.“ Ein schwaches Lächeln bildete sich auf Chiaki’s Gesicht. „…Ich habe ihr gesagt, was ich für sie empfinde.“, offenbarte er.
Takumi zog erstaunt die Brauen hoch. „Oh.“
Korron und Kaiki machten ebenfalls ein überraschtes Gesicht. „Oh Gott…“, sagte sein Vater leise.
„Hm.“, brachte Chiaki nur entgegen und richtete sich in seinem Stuhl etwas gerade.
„Was hat sie gesagt? Oder wie hat sie reagiert?“, fragte sein Vater.
„Nun…“ Chiaki sah kurz zur Tür und deutete mit dem Daumen darauf. „Sie hat gerade ein Date mit ihrem Freund. Da könnt ihr es euch denken, oder…?“ Anschließend zuckte er wie akzeptierend mit den Schultern und steckte die Hände in die Jackentasche.
„Ich- Ich will einfach nur so tun als wäre das nie passiert.“, sagte er, presste sich kurz die Lippen zusammen und fügte hinzu, „Im Grunde genommen tun wir beide das. Also, tja.“
Chiaki sah wieder betrübt runter.
Sein Vater und Maron’s Eltern sahen ihn für einen Moment an, bis Takumi wieder das Wort ergriff:
„Nun… Nicht zu sagen, wie du für sie empfindest, hat dich doch erst in dieses Chaos gebracht.“, gab er ehrlich zu und zuckte entschuldigend mit der Schulter. Korron stand unterdessen auf und räumte den Tisch ab.
„Aber die ganze Geschichte zu ignorieren ist auch nicht die Lösung des Problems.“, warf Kaiki ein und schenkte seinem Sohn ein tröstendes Lächeln.
Chiaki nickte schwach.
Takumi stand nun ebenfalls auf und half seiner Frau beim Aufräumen.
Kaum war er ihr in die Küche gefolgt, wandte Kaiki sich wieder Chiaki zu.
„Chiaki, wie lange hast du nicht mehr geschlafen?“, erkundigte der Chefarzt sich bei ihm, seine Stimme nahm einen ernsten Unterton an, wie wenn er mit einer seiner Patienten sprach.
Chiaki rieb sich müde über die Augen. „Keine Ahnung. Zwei…drei Tage?“
Sein Vater machte ein entsetztes Gesicht.
„Willst du mir sagen, du warst seit drei Tagen durchgehend wach?“
Als Antwort bekam er einen stummen Blick von seinem Sohn. Kaiki hielt sich fassungslos den Kopf.
Das laute Klappern von Geschirr war aus der Küche zu vernehmen, so wie die dumpfen Stimmen von Korron und Takumi. Worüber sie sprachen, konnte man nicht hören. Chiaki fiel auf, dass Maron’s Mutter sich gar nicht zu ihm oder Maron geäußert hatte. „So kommst du mir nicht auf die Arbeit.“, sagte Kaiki in einem ruhigen, gleichzeitig strengen Ton und riss Chiaki aus den Gedanken, „Ich stelle dich solange frei bist du dich erholt hast.“
„Jetzt übertreib nicht. Mir geht’s gut!“
„Nein, dir geht es nicht gut! Und ich will auf keinen Fall riskieren, dass du vor lauter Schlafmangel noch Halluzinationen bekommst und dich oder deinen Patienten schadest.“ Chiaki blickte seinen Vater mit großen Augen an. Kaiki hatte zwar seine strengen Seiten, allerdings kamen die so selten zum Vorschein, dass sein Sohn sich kaum erinnern konnte, wann er das letzte ihn so erlebt hatte.
„Meinetwegen. Wenn es dich glücklich macht.“, rollte Chiaki mit den Augen. „Zwei Wochen, okay?“
„Gut.“, erwiderte sein Vater und legte ihm eine Hand auf die Schulter. „Und das mit Maron tut mir leid, Sohn.“ sagte er wieder sanfter, „Es wird schon wieder.“
Chiaki nickte daraufhin nur.
Als ob…, dachte er sich.
***

Maron saß auf der Arbeit und war gerade dabei ein Interview, welches sie kürzlich mit einem erfolgreichen Modedesigner durchgeführt hatte, zu bearbeiten. Nach einigen konzentrierten Stunden bemerkte sie Miyako im Augenwinkel, die sich einige Meter entfernt mit dem neuen Chefredakteur Yamato Minazuki unterhielt.
Vor einigen Wochen war ihr alter Chef abgetreten, wodurch sein Neffe -Enkel des Firmenoberhauptes der Minazuki Firmengruppe- daraufhin die Position übernahm.
Beide lachten bester Laune und schienen sich blendend zu verstehen.
Es überraschte Maron etwas Miyako diese Woche schon wiederzusehen, denn in den letzten Tagen hatte sie ihre Kollegin gar nicht mehr zu Gesicht bekommen. Womöglich hatte sie sich kurz frei genommen, um sich von der Trennung mit Chiaki zu erholen.
Maron seufzte.
Der Gedanke an Chiaki bereitete ihr ein deprimierendes Gefühl in der Brust.
Energisch schüttelte sie den Kopf und verwarf dieses Gefühl sofort wieder. Konzentrier dich, Maron!, ermahnte sie sich innerlich.
Im nächsten Augenblick stand jemand neben ihr.
Maron hörte auf zu tippen und blickte zu Miyako auf.
„Hey.“, begrüßte die Kurzhaarige sie freundlich.
„Hi.“, kam es von Maron neutral zurück.
Kurz herrschte unbehagliches Schweigen.
„Es ist keine Woche her seit es zwischen dir und Chiaki aus ist und du flirtest schon mit dem Nächsten? Und nicht nur einen, sondern unserem Junior Chef?“, platzte es aus Maron heraus.
Miyako starrte ihre Kollegin mit offenen Mund entgeistert und teilweise beleidigt an.
„Wow… So ein freches Mundwerk hätte ich von diesem engelsgleichen Gesicht nicht erwartet.“, entgegnete sie trocken, verschränkte ihre Arme vor der Brust und lehnte sich mit der Hüfte an Maron’s Tisch an. „Auf jeden Fall bin ich dir keine Antwort darauf schuldig.“
„Was auch immer.“ Die Braunhaarige zuckte mit den Schultern, lehnte sich in ihrem Stuhl zurück und blickte Miyako ernst an. „Du hast es wegen mir beendet, richtig?“
„Klar! Was glaubst du denn? Dass der Sex zu schlecht war, oder was?“ Miyako lachte ironisch auf und schüttelte den Kopf. Maron hob abwehrend eine Hand und fasste sich leise stöhnend die Stirn. Darüber wollte sie auf keinen Fall was wissen oder hören.
„So wie es sich anhört, scheint er es dir wohl endlich gestanden zu haben.“, stellte Miyako fest.
„Ich bezweifle, dass dich das noch was angeht. Schließlich ist es nun eine Sache zwischen mir und ihm.“, erwiderte Maron spitz.
„Du hast Recht. Mich geht das nichts mehr an.“ Miyako musterte Maron mit einem gelassenen Gesichtsausdruck.
„Weißt du, Maron… Ich mag dich. Als Kollegin und als Freundin.“, sagte sie nach einigen Sekunden, „Und ich bin ganz ehrlich zu dir: Ich habe die letzten Tage unfreiwillig viel über euch beide nachgedacht. Von unserer ersten Begegnung bis zu unserem Doppeldate in Freizeitpark. Und… da ist mir etwas Interessantes klar geworden.“
Mit hochgezogener Braue sah Maron desinteressiert zu ihr auf.
„Und zwar, dass du auch Gefühle für ihn hast.“, vollendete Miyako halblächelnd.
Schockiert starrte Maron ihre Kollegin mit großen Augen und offenen Mund an. Sie schüttelte beharrend mit dem Kopf.
„N-Nein- Nein! Da irrst du dich gewaltig, Miyako.“, brachte sie in einem ernsten Ton entgegen und wandte sich wieder ihrem Computer zu. Für sie war die Konversation beendet.
„Wie du meinst, Maron…“ Miyako verdrehte ihre Augen und entfernte sich langsam von Maron’s Platz. „Aber es gibt da so einen Spruch in unserer Branche. Und zwar dass die einzig wahre Top-Story immer die ist, die verschwiegen wird.“ Mit den Worten ging sie zu ihrem eigenen Tisch zurück.
Maron fixierte mit einem ausdruckslosen Gesichtsausdruck ihren Bildschirm und versuchte sich die letzte Stunden auf die Arbeit zu fokussieren.

Chiaki stand vor Shinji’s und Natsuki’s Wohnung und klingelte.
Nachdem er es geschafft hatte ein paar Stunden Schlaf nachzuholen, spazierte er eine Weile durch die Stadt herum und dachte ununterbrochen an Maron.
Noch nie hatte so lange Funkstille zwischen ihnen geherrscht. Überhaupt gab es bisher keinen Tag in ihrem Leben, wo sie nicht miteinander in Kontakt blieben. Nun ging Maron ihm bestmöglich aus dem Weg und Chiaki wusste nicht einmal, ob er ihr einfach eine simple Nachricht hinterlassen konnte.
Er war sich noch nicht mal sicher, ob sie noch Freunde waren.
War es vielleicht doch ein Fehler, ihr die Wahrheit zu sagen?
Wie soll es mit ihnen nun weitergehen?
Er musste unbedingt mit jemand reden und vielleicht könnte ein freundschaftlicher Rat seines besten Freundes weiterhelfen. Chiaki müsste ihn sowieso auf den neusten Stand bringen, was die letzten Tage geschehen war.
Seufzend betätigte Chiaki ein weiteres Mal die Türklingel und warte ein paar Sekunden. Natsuki machte sie ihm auf.
„Oh, mit dir habe ich heute gar nicht gerechnet.“, grinste sie ihn an.
„Hi.“, zwang er sich zu einem Lächeln, „Ist Shinji da?“
Sie schüttelte den Kopf und sah auf ihre Uhr. „Er müsste in ein paar Minuten nach Hause kommen. Wenn du willst kannst du drinnen auf ihn warten.“
Chiaki nahm das Angebot mit einem Nicken an.
Kaum setzte er Fuß in die Wohnung des Paares, kam ihm der Geruch von gegrilltem Fleisch entgegen.
„Was gibt’s bei euch denn zu essen?“, fragte er mit höflichen Interesse.
„Koreanisches BBQ.“, antwortete Natsuki und begab sich in die Küche. „Willst du auch was?“
Chiaki folgte ihr und schaute ihr beim Kochen zu. „Nein Danke. Ich habe derzeit nicht so einen großen Hunger.“
Natsuki wendete einige Fleisch- und Gemüsestücke auf der Grillplatte und sah wieder zu ihm auf.
„Alles okay bei dir?“, fragte sie ihn besorgt. Ihr war seine traurige Erscheinung nicht entgangen.
„Ja…irgendwie.“, zuckte er mit den Schultern, „Eigentlich nicht.“
„Was ist los?“
Chiaki biss sich auf die Lippe und wog seine Antwort kurz ab. Eigentlich wollte er warten bis Shinji kommt. Aber vielleicht konnte weiblicher Rat auch helfen.
„Kurz gefasst: Miyako und ich haben uns getrennt und… Ich habe Maron gesagt, was ich für sie empfinde.“, sagte er schließlich.
„Oh…!“ Natsuki blickte erstaunt drein. „Mutig.“
„Hmm.“ Chiaki fuhr sich seufzend durch die blauen Haare. „Ich meine, wir sind oder waren beste Freunde. Und nun…Keine Ahnung. Jetzt weiß ich nicht, wie wir zueinander stehen….“
Die Grünhaarige nickte verstehend, drehte die Temperatur der Grillplatte runter und wandte sich wieder ihrem Gast zu.
„Weißt du… Bevor ich Shinji kennenlernte, da war mein Leben ziemlich klar, strukturiert und vorausgeplant.“, begann sie zu erzählen. „Und ich mag Struktur und Planung.“ Ein verlegenes Lächeln bildete sich auf ihren Lippen. Chiaki hörte ihr gespannt zu.
„Aber als Shinji und ich anfingen miteinander auszugehen, da fing mein gaaanzes Leben an sich zu verändert. Ich war am Anfang ziemlich überfordert. Besonders die unangekündigten Anrufe und Besuche machten mich fertig! Ehe ich mich versah, hatte Shinji mich an indisches Essen herangeführt oder machte mit mir verrückte Spontanausflüge fürs Skydiving, oder ähnliches.“, lachte sie. Chiaki musste auch anfangen zu schmunzeln. „So ungewohnt und beängstigend diese Veränderungen für mich zuerst waren, ich habe mich daran gewöhnt und das Leben wurde besser.“ Natsuki schaute ihn aufmunternd an.
„Was ich sagen will: Du warst all die Jahre daran gewöhnt gewesen, dass Maron nichts über deine Gefühle wusste, dass diese neue Situation dich verunsichert. Verständlich. Aber auch du wirst einen Weg finden, damit klar zu kommen. Und was auch immer danach noch passieren mag...Es wird auf jeden Fall besser.“, lächelte sie sanft. „Das garantier ich.“
Zu Chiaki’s Überraschung fühlte er sich wirklich etwas besser. „…Danke.“
„Denk in Ruhe über alles nach und mach dich nicht fertig. Maron braucht wahrscheinlich auch erstmal ihre Zeit, um alles zu verarbeiten.“
„Ja, sowieso… Ich denke es ist gut, dass mein Vater mich in den Urlaub gezwungen hat. Ich kann mich ehrlich gesagt noch nicht mal daran erinnern, wann ich das letzte Mal frei hatte.“
Beide lachten.
In der nächsten Minute kam Shinji nach Hause.
„Was verschafft dich den hierher?“, wurde Chiaki von seinem besten Freund begrüßt, nachdem dieser seiner Freundin einen Begrüßungskuss gab. „Oder besser gefragt: Wie kann ich dir als Seelenklempner helfen?“
„Dreimal darfst du raten.“, blickte Chiaki ihn herausfordernd an.
Shinji brauchte nicht lange nachzudenken. Sofort wurden seine Augen groß.
„Red kein Scheiß! Du hast es ihr wirklich gesagt?!“
„Wow, direkt ein Volltreffer.“, entgegnete Chiaki ironisch.
Mittlerweile hatten alle sich an den Tisch hingesetzt. Auch wenn Chiaki keinerlei Appetit verspürte, so aß er doch etwas vom BBQ mit.
Holy shit….“, brachte Shinji erstaunt hervor, nachdem Chiaki ausführlich von dem Abend vor seinem Geburtstag und den Tagen danach berichtet hatte. „Nicht mal in eine Million Jahre hätte ich geglaubt, dass du es wirklich durchziehst. Und das, weil eine andere Frau dich darum bat…“
Chiaki verdrehte die Augen.
„Weißt du was?“, knapperte der Dunkelhaarige an einem Salatstück, „Wir beide gehen gleich raus und ich lade dich auf ein paar Drinks ein.“
„Ich bin eigentlich nicht in Stimmung…“
„Ach Komm! Ein Männerabend zu zweit sollte dich auf andere Gedanken bringen.“
Chiaki legte seufzend den Kopf nach hinten und starrte zur Zimmerdecke. „Okay, meinetwegen. Vielleicht hast du auch Recht und ein bisschen Ablenkung kann nicht schaden.“
„Super.“ Shinji wandte sich an Natsuki. „Willst du mitkommen, Natsuki-Schatz?“
Sie schüttelte den Kopf.
„Macht euch ruhig einen gemütlichen Männerabend.“
„Okay.“, grinste Shinji.
Nach ein paar Minuten standen beide Männer auf und zogen sich ihre Jacken an.
„Übertreib es aber nicht so wie beim letzten Mal.“, mahnte Natsuki ihren Freund.
„Ach was, sooo betrunken war ich letzte Woche auch nicht!“, verdrehte Shinji lachend die Augen.
„Du hattest mit mir geflirtet.“
„Und? Du bist meine Freundin.“
„Du fragtest mich, ob ich Single sei. Dann hast du angefangen zu weinen, als ich Nein sagte.“, schmunzelte sie belustigt. Chiaki fing an zu kichern.
Beschämt von den Erinnerungen vergrub Shinji sein Gesicht in seine Hand.
„… Okay, ich verspreche, wir übertreiben es nicht.“
Damit legte er Chiaki einen Arm um die Schultern und ging mit ihn zusammen aus der Wohnung raus.
Unterdessen bahnten sich draußen dunkle Wolken an.

Mit einem lauten Knall ließ Maron die Haustür zufallen und warf ihre Tasche aufs Sofa.
Aus der Küchentür sah sie ihre Mutter hervor spähen, die eine halbe Stunde früher nach Hause kam und nun dabei war das Abendessen vorzubereiten.
„Du scheinst ja eine prächtige Laune zu haben…“, merkte Korron an.
Maron kam zu ihr in die Küche rein und setzte sich wortlos auf einen Hocker neben der Kücheninsel hin. Von der Obstschale schnappte sie sich eine Mandarine und schälte sie mit den Händen.
Korron warf ihrer Tochter einen besorgten Blick zu, während sie am Herd eine Suppe kochte. Für eine Weile war es ruhig zwischen ihnen. Draußen hatte es angefangen stark zu regnen und die Tropfen prasselten lautstark gegen die Fensterscheiben.
„Möchtest du darüber reden?“
„Worüber?“, fragte Maron monoton zurück.
„Du weißt schon…über Chiaki.“, sagte ihre Mutter nach einem kurzen Moment. „Scheint wohl ziemlich kompliziert geworden zu sein.“
Maron schwieg.
„Du weißt, dein Vater und ich mischen uns bei solchen Sachen normalerweise nicht ein, aber wir machen uns Sorgen um dich.“, sprach Korron weiter. „Und um Chiaki. Kaiki musste ihn dazu überreden sich für ein paar Tage frei zu nehmen.“, fügte sie hinzu.
Nun blickte Maron zu ihr auf.
„Ihr wusstet es...“, sagte sie, die Stimme ausdruckslos. Es war mehr eine Feststellung als eine Frage. „Du und Papa – Ihr wusstet, was er für mich empfindet.“
Korron nickte zur Bestätigung.
„Das gibt es doch nicht…“, sprach Maron leise zu sich selbst und fuhr sich fassungslos durch die Haare.
Wusste jeder auf der Welt über Chiaki’s Gefühle für sie Bescheid, bis auf sie?!
Allmählich kam sie sich mehr als idiotisch vor.
Maron sah ihre Mutter mit schmalen Augen an. Die Brauen wütend zusammengezogen.
„Wenn ihr -Gott weiß wie lange- es wusstet…Wieso- Wieso habt ihr mir nichts gesagt?!“ Ihre Stimme wurde etwas lauter, aufgebrachter. Auf wen oder was Maron genau wütend war, wusste sie selbst nicht.
Daraufhin drehte Korron sich zu ihr um und lehnte sich mit dem Rücken an der Arbeitsplatte an.
Ihr Gesichtsausdruck war ruhig und voller mütterlicher Fürsorge.
„Es war nicht unser Geheimnis, Maron. Also, stand es uns auch nicht zu, dir das zu sagen.“
Maron schnaubte mies gelaunt auf.
„Hättet ihr mir was gesagt- Hättet ihr mir die Wahrheit gesagt, dann wäre Chiaki-…“ Sie stoppte sich mitten im Satz und presste sich ihre Lippen zu einem dünnen Strich zusammen.
Korron zog eine Augenbraue hoch. „‚Dann wäre Chiaki...‘ - Was?“, fragte sie nach.
Ihre Tochter schüttelte den Kopf.
„Ist nicht mehr so wichtig.“, murmelte sie und widmete sich wieder ihrer halbgeschälten Mandarine. „Chiaki ist zu spät. So leid es mir auch tut.“, sagte Maron mit tonloser Stimme.
Für einige Augenblicke war es still zwischen Mutter und Tochter. Das Prasseln des Regens füllte die Stille.
Korron ging auf Maron zu, schnappte sich einen Hocker und setzte sich vor sie hin. Sachte strich sie ihrer Tochter ein paar Strähnen hinters Ohr und legte ihr eine Hand auf die ihrer. Maron hielt mitten in ihren Bewegungen inne und blickte zu ihrer Mutter auf.
„Ich möchte dich was fragen.“, sagte Korron sanft. Erwartungsvoll neigte ihre Tochter den Kopf. „Schatz… Wen von den beiden liebst du?“
Maron zog ihre Augenbrauen argwöhnisch zusammen. Zuerst Miyako und nun auch ihre Mutter!
Sie zuckte wie selbstverständlich mit den Schultern.
„Ich liebe Hijiri. Ist doch klar.“, sagte Maron und lächelte sie wie offensichtlich an.
Korron blinzelte sie für eine Sekunde ungläubig an.
„Okay!“, brachte ihre Mutter mit falschen Enthusiasmus schließlich entgegen, nickte einmal und zuckte ebenfalls mit den Schultern. „Gut.“
Maron ignorierte ihren wenig überzeugten Ton und aß ein Stück der Mandarine.
Gerade als Korron noch etwas sagen wollte, war das metallische Klappern von Schlüsseln zu hören sowie das Öffnen der Tür. Maron sprang von ihrem Hocker herunter und ging aus der Küche raus, um ihren Vater zu begrüßen.
Korron blickte ihr seufzend nach. „Von mir hat sie diese Sturheit nicht…“, murmelte sie und konzentrierte sich wieder auf das Abendessen.

Völlig durchnässt kamen Chiaki und Shinji in ihrer Lieblingsbar an. Der Blauhaarige verfluchte sich dafür, dass er eine relativ dünne Jacke an hatte. Gleichzeitig hoffte er auch, nicht krank zu werden. Wieso musste es auch plötzlich anfangen wie verrückt zu regnen?
Eigentlich hatte Chiaki nach den ersten Tropfen schon keine Lust mehr gehabt in die Bar zu gehen, doch Shinji ließ sich nicht vom Regen abschrecken.
Er schüttelte sich etwas, fuhr sich die nassen, blauen Haare nach hinten und schaute sich um. Jeder Tisch war besetzt. An jeder Ecke stießen Leute an, lachten und unterhielten sich laut.
Shinji hatte sich schon zur Theke begeben. Chiaki setzte sich rechts von ihm auf einen Hocker hin und begrüßte den Barkeeper (mit denen beide gut befreundet waren).
Nach ein paar Minuten stand eine Flasche Whisky vor ihnen und beide hatten jeweils ein Glas in der Hand.
„Chiaki?“
Der Angesprochene blickte zur Seite und sah Hijiri vor sich stehen.
Gott will mich doch bestrafen…, stöhnte er innerlich.
„Oh, Hey…“, sagte Chiaki lustlos, „Was machst du denn hier?“
„Oh, ein paar Freunde von mir wollten so einen typischen Männerabend machen.“, erklärte Hijiri und deutete auf einen Tisch im hinteren Bereich der Bar, an der eine kleine Gruppe junge Männer saßen.
Der hat Freunde?, dachte Chiaki sich.
„Anscheinend machen du und Shinji dasselbe.“, stellte Hijiri fest.
„Er lädt mich ein.“
„Cool. Nun, hör mal…“ Hijiri sah den jungen Arzt mit einem unschlüssigen Ausdruck an. „Ist alles okay zwischen dir und Maron?“
„Wieso fragst du?“, fragte Chiaki zurück und starrte auf sein leeres Glas.
Eigentlich hatte er nichts anderes erwartet, weshalb Hijiri mit ihm reden wollte. Neben ihn nahm Shinji sich kommentarlos die Whiskyflasche und schenkte ihm ein weiteres Glas voll. Chiaki warf ihm einen schnellen, dankenden Seitenblick zu und leerte sein Drink in einem Zug wieder. Innerlich wünschte er sich, er wäre betrunken genug um diese Konversation ertragen zu können.
„Naja...Scheint so angespannt zwischen euch zu wirken.“, sprach Hijiri weiter, „Und Maron ist in letzter Zeit auch ziemlich in sich gekehrt.“
„Selbst die allerbesten Freunde haben ihre Streits.“
„Worum ging’s denn?“
„Hör mal, nichts gegen dich…“, platzte es aus Chiaki leicht genervt heraus, „Sie und ich hatten da eine kleine Auseinandersetzung und gerade bin ich nicht in Stimmung mit dir darüber zu reden.“
Hijiri wich mit erhobenen Händen etwas zurück. „Okay! Kein Problem. Das kann ich verstehen… Ich weiß, dass ihr euch schon seit Ewigkeiten kennt.“ Er lehnte sich an der Theke an. „Und wenn ich ehrlich sein will, fühlte ich mich etwas bedroht von dir am Anfang. Bevor ich dich kennengelernt habe.“
Chiaki blickte Hijiri an und hob eine Augenbraue.
„Bedroht? Von mir?“
„Ja klar!“ Der Rothaarige zuckte wie selbstverständlich mit den Schultern. „Ich habe gesehen, wie nah ihr euch steht. Und da war ich natürlich auch etwas eifersüchtig.“
„Okay…“
„Aber ich glaube auch, du tust ihr gut. Was ich sagen will ist… Ich möchte, dass Maron glücklich ist und es wäre toll, wenn ihr euch wieder vertragt.“, sagte Hijiri mit einem ehrlichen Gesichtsausdruck und drehte sich kurz zu seiner Gruppe um. „Aus persönlicher Erfahrung weiß ich, dass gute Freunde selten zu finden sind.“ Anschließend klopfte er Chiaki kurz auf die Schulter und ging.
Chiaki und Shinji sahen ihm argwöhnisch nach.
„Auch wenn du’s nicht von mir hören willst, aber Recht hat er.“, durchbrach Shinji das Schweigen zwischen ihnen und schwenkte in kreisenden Bewegungen sein Glas. „Gute Freunde sind selten zu finden…“, wiederholte er Hijiri’s Worte.
Chiaki warf ihm einen scharfen Blick zu, murmelte unverständliche Flüche von sich.
„Ich weiß, ich habe versprochen dich auf andere Gedanken bringen zu wollen, aber nach dem Gespräch eben, kann man’s wohl vergessen.“, sagte Shinji und sah seinen Freund besorgt an, „Aber es wäre für dich und Maron wirklich gut, wenn ihr nochmal miteinander redet.“
„Ich weiß…“, stöhnte Chiaki frustriert auf und strich sich durchs immer-noch-nasse Haar. „Allerdings brauchen wir beide erstmal unsere Zeit zum Nachdenken, schätze ich.“
„Klar…Und solange sie die Freundschaft nicht offiziell gekündigt hat, hast du sie auch noch nicht verloren, mein Freund.“
„Danke für deinen Optimismus.“ Chiaki’s Mundwinkel zogen sich leicht nach oben. Shinji legte ihm grinsend einen Arm um die Schultern und hob sein Glas.
„Wozu sind Freunde da?“
***

Vier Tage später:

„Dr. Nagoya wird gleich da sein.“
„Okay.“, nickte Maron und lächelte Kagura freundlich an, der das Büro seines Chefs verließ.
Seufzend blickte sie sich um.
Was mache ich hier?, ging es ihr durch den Kopf.
Vor einer halben Stunde hatte sie Feierabend gemacht und war mehr als überrascht Kagura zu erblicken, der sie höflich bat ihn ins Krankenhaus zu begleiten. Als Maron fragte was das Problem war kam als Begründung, dass sein Chef sie sehen wollte.
Nun saß sie in Kaiki’s Büro und wartete geduldig auf ihn.
Nach einigen Minuten öffnete sich die Tür. Maron stand direkt auf, doch zu ihrer nächsten Überraschung kamen Shinji und Natsuki rein.
„Hi…?“ Maron ging auf das Paar zu. „Was macht ihr denn hier?“
Natsuki zuckte ahnungslos mit den Schultern. „Wenn wir wüssten. Der Sekretär tauchte plötzlich auf und hat uns hierher gebracht.“
„Okay…?“
„Ich könnte den Doc ja nach Erkältungsmedizin fragen…“, überlegte Shinji laut, die Nase leicht verstopft und nieste.
„Gesundheit!“, sagten die Mädels gleichzeitig.
Im nächsten Augenblick kam der Krankenhausdirektor rein und begrüßte alle herzlich.
„Ihr fragt euch bestimmt weshalb ihr hier seid, oder?“
„Nun…“ Natsuki ergriff das Wort und schaute sich kurz um. „Ich würde mal sagen, Sie haben uns wegen Chiaki hierher bestellt?“
Kaiki nickte und fuhr sich mit einer Hand über sein Kinn.
„Habt ihr in letzten Zeit von ihm gehört?“, fragte er besorgt.
Alle drei schüttelten Kopf. Maron sah verunsichert weg.
„Wieso fragen Sie?“, fragte Natsuki.
„Die letzten Tage habe ich nichts mehr von ihn gehört und ich mache mir natürlich Sorgen…“, seufzte Kaiki erschöpft auf.
„Nun, als wir das letzte Mal mit ihm sprachen, ging es ihm eigentlich noch gut.“, sagte Shinji, schniefte und überlegte kurz. „Aber seit Montag konnte ich ihn auch nicht mehr erreichen… ziemlich ungewöhnlich.“
„Wieso schaut ihr nicht einfach bei ihm zu Hause nach?“, warf Maron ins Gespräch ein, die Arme vor sich verschränkt.
„Gute Idee! Wieso machst du das nicht, Maron?“, ging Kaiki auf den Vorschlag ein und lächelte sie erfreut an.
Erschrocken riss Maron ihre Augen auf. „W-Wieso ich?! Wieso nicht die anderen?! Oder du?!“
„Ich bin krank. Natsuki pflegt mich.“, kam es von Shinji erstickt, der wieder niesen musste. „Und der Doc ist ein vielbeschäftigter Mann, der vielleicht so nett wäre mir ein paar Medikamente zu verschreiben.“
Natsuki grinste ihre Freundin an und nickte.
Maron schaute ihre Freunde entgeistert an.
Kaiki räusperte sich und sah sie an. „Erstens: Du hast es vorgeschlagen. Zweiten: Ihr beide solltet sowieso miteinander reden. Diese Funkstille zwischen euch ist nicht normal und ziemlich Schade um eure langjährige Freundschaft.“, erklärte er ruhig.
Maron biss sich zögernd auf die Lippe.
Sie spürte zusätzlich Shinji’s und Natsuki’s Blicke auf sich haften. Am liebsten würde sie sich in Luft auflösen wollen. Sie mochte diese Aufmerksamkeit absolut nicht. Selbst zu Hause blieb sie von den eindringlichen Blicken ihrer Eltern nicht verschont.
Und das nur weil sie Chiaki in den Augen aller das Herz gebrochen hatte. Dabei hatte sie doch auch nichts falsch gemacht. Es war einfach nicht fair.
Hätte er sich nicht so viel Zeit gelassen, dann-…
„Also?“ Kaiki’s geduldige Stimme unterbrach ihre Gedankengänge.
„W-Was ist mit Kagura? Ihn kannst du doch zu Chiaki schicken.“, versuchte Maron verzweifelt aus der Situation rauszukommen.
„Maron…“ Kaiki’s Augen verhärteten sich und seine Stimme bekam einen autoritären Ton. Die Angesprochene zuckte etwas zusammen. Verdammt
Sie konnte Kaiki schwer was abschlagen. Vor ihm hatte Maron genauso viel Respekt wie vor ihrem eigenen Vater.
„Okay…“, seufzte sie. „Ich werde bei ihm zu Hause nachschauen…Und mit ihm reden.“
„Gut.“, nickte Kaiki zufrieden und drückte ihr den Zweitschlüssel von Chiaki’s Wohnung in die Hand. „Kagura wird dich fahren.“
„M-Moment ich soll jetzt zu ihm?!“
„Natürlich!“
„A-A-Aber-…“ Ein weiterer Blick von Chiaki’s Vater ließ sie schließlich verstummen. „I-Ich mach’s.“, gab Maron sich geschlagen.
Sofort bildete sich wieder ein zufriedenes Lächeln auf sein Gesicht. Natsuki und Shinji fingen an verschmitzt zu grinsen.
„Danke, Maron. Das bedeutet mir viel.“, sagte Kaiki und legte ihr väterlich eine Hand die Schulter.
Wieso bekam sie das Gefühl nicht los, dass dies von Anfang an Kaiki’s Ziel von diesem ungewöhnlichen Treffen war? Und ob Natsuki und Shinji darin eingeweiht waren?

Mit einem mulmigen Gefühl im Bauch stand Maron vor Chiaki’s Wohnungstür. Nervös spielte sie mit ihrer am Hals rum.
Gott verdammt, wieso bin ich so nervös?, dachte sie sich frustriert. Verbissen ging sie auf die Tür zu und klingelte. Geduldig wartete sie, doch niemand öffnete sie ihr. Sie klingelte ein weiteres Mal und wieder bekam sie keine Antwort.
Ob er nicht da ist? Aber sein Auto stand draußen...Und was ist, wenn er für ein Spaziergang weg ist?, ging es ihr durch den Kopf. In ihrer Jackentasche fühlte sie den Zweitschlüssel in ihrer Hand.
Ihr Gewissen sagte ihr, dass sie Kaiki wenigstens den Gefallen tun könnte, bei Chiaki zu Hause nachzuschauen.
Seufzend steckte sie den Schlüssel ins Schloss und riegelte die Tür auf.
Es war eine Weile her, seit Maron das letzte Mal bei ihm zu Hause zu Besuch war. Es überraschte sie nicht, die Wohnung genauso sauber und ordentlich zu sehen, wie Maron sie das letzte Mal sah.
Sie ging durch den Flur ins Wohnzimmer und fand Chiaki schlafend auf dem Sofa liegen. Über ihm lag eine dünne Baumwolldecke.
Schläft wohl tief und fest…erklärt wieso er die Klingel nicht gehört hat, dachte Maron sich erstaunt. Auf dem Wohnzimmertisch sah sie ein paar Medikamente und Tabletten verstreut herumliegen. War er krank?
Sie stellte sich an dem Ende des Sofas hin, wo auch sein Kopf ruhte und blickte auf ihn herab.
Sollte sie ihn nicht doch besser in Ruhe lassen und gehen?
Plötzlich öffneten sich seine Lider und ihre Augen blickten in seine. Verschlafen blinzelte Chiaki sie einige Male an, machte jedoch keine Anstalten aufzustehen.
Sie starrte zurück.
„Träum ich?“, fragte er schließlich und kniff leicht die Augen zusammen. „Für einen Traum siehst du ziemlich real aus…“
Maron war zunächst etwas perplex über die Information, dass er öfters von ihr zu träumen schien, fasste sich jedoch schnell wieder.
„Du träumst nicht.“, erwiderte sie und zwickte ihm in die Wange.
„Au!“ Chiaki hielt sich schmerzlich das Gesicht.
„Siehst du.“
„Schon kapiert!“ Er setzte sich auf und sah sie an. „Was machst du hier?“
„E-ehm... Dein Vater hat sich Sorgen gemacht, weil du dich nicht meldest und hat mich hierher geschickt.“, erklärte Maron achselzuckend.
Chiaki zog eine Augenbraue hoch und lachte ungläubig auf. „Okay? Das heißt, du bist nicht freiwillig hier?“
Maron biss sich schweigend auf die Lippe.
„Schon gut, du brauchst mir nichts zu erklären.“, winkte Chiaki müde ab, „Ich hatte die letzten Tage mein Handy lautlos und wollte einfach die Ruhe genießen. Außerdem hatte ich mir dank Shinji eine dämliche Erkältung mit Fieber eingefangen.“
„Wieso ist das Shinji’s Schuld?“, fragte Maron verwundert und setzte sich mit Abstand auf das Sofa hin. Chiaki entging das nicht, seine Züge verhärteten sich.
„Er hat mich für ein paar Drinks durch den Regen geschleppt.“
„Ah…Dann hättest du deinem Vater wenigstens das mitteilen können.“
„Keine Lust gehabt.“
Maron fuhr sich augenrollen durch die langen Haare. „Nun…wie es aussah, war Shinji auch erkältet. Dein Vater hatte uns vorhin alle in sein Büro bestellt.“
„Aha. Mich hat es bestimmt härter erwischt.“
„Kann sein... Aber ist es schon mal gut zu sehen, dass es dir besser geht!“
„Von wegen.“, schnaubte Chiaki und stand vom Sofa auf. „Temperatur habe ich immer noch. Und Migräne…“
Maron musterte ihn von oben bis unten. Er trug eine schwarze Sweatpants und ein enganliegendes weißes T-Shirt, welche seine schlanke, durchtrainierte Figur zur Geltung brachten. Energisch schüttelte sie leicht den Kopf.
„Soll ich dir was zu trinken anbieten?“, hörte sie ihn fragen.
„Eh, Nein Danke. Ich denke, ich gehe auch gleich. Ich bin ja nur hier, um nach dir zu sehen.“, antwortete sie und zog ihren Mantel etwas enger um sich.
„Nun, wie du siehst, lebe ich noch.“
Gerade als Chiaki sich zur Küche begeben wollte, fing er an zu schwanken, stoppte und lehnte sich an der Wand an. Angestrengt kniff er sich die Augen zusammen und atmete schwer.
Sofort sprang Maron auf und ging auf ihn zu.
„Alles okay?“, fragte sie besorgt. Sie legte ihm eine Hand auf die Stirn. „Du glühst ja!“ Erst jetzt fiel ihr auch auf, dass sein Gesicht fieberhaft gerötet war. „Komm, leg dich wieder hin. Du musst dich ausruhen.“
„Ich komme schon klar!“, wendete er ein.
„Nein, du legst dich jetzt ins Bett.“, sagte Maron ernst und bestimmt. Chiaki blinzelte einige Male, um seinen Blick zu fokussieren. Er schaute sie an und blickte ihr in die Augen. Jegliche Distanziertheit war verschwunden und wurde mit ehrlicher Sorge ersetzt.
Erschöpft schloss er seine Augen und nickte. „Okay...“
„Gut. Sag mir was du brauchst, ich kümmere mich darum.“

Nachdem Chiaki sich in sein Schlafzimmer zwang, brachte Maron ihm seine Medikamente sowie ein Glas Wasser. Nebenbei hatte sie ihm Tee gekocht. Ihre Sachen hatte sie im Wohnzimmer abgelegt.
„Brauchst du noch irgendwas?“, fragte sie ihm und stellte die Teetasse auf den Nachtschrank ab.
Chiaki schüttelte den Kopf und schluckte seine Tabletten.
„Als Arzt solltest du besser wissen, dass du dich ausruhen sollst.“, merkte Maron an. Sie kniete neben dem Bett auf den Teppichboden.
„Die letzten vier Tage kam ich auch klar.“, erwiderte er leise und rieb sich zischend die Schläfe.
„Hast du noch irgendwelche Schmerzen?“
„Die Migräne nervt.“
„Du hast doch Tabletten genommen…“
„Die müssen noch wirken.“
Entkräftet fiel Chiaki ins Kissen zurück und blickte zur Decke. Dann drehte er sich zu Maron, blinzelte sie müde an. Verlegen blickte sie weg und zupfte unsicher an dem Saum ihres Oberteils rum.
„Auch wenn du nicht freiwillig hier bist… Ich bin froh dich zu sehen.“, sagte Chiaki plötzlich und lächelte schwach. Ihre Augen weiteten sich. Sofort kam ihr die Erinnerung vor Augen, wie sie ihn als Kind das erste Mal besuchte, als er schwer krank war. Da hatte er sich auch gefreut sie zu sehen. Sie musste schlucken.
„Ich bin freiwillig geblieben.“, brachte Maron sanft entgegen. Ihre Mundwinkel zogen sich nach oben. Daraufhin kicherte er leise in sich hinein, die Stimme tief und rau. Seine braunen Augen ließen nicht von ihr los.
„Wieso musste ich mich in dich verlieben…?“, wisperte Chiaki kaum hörbar, sprach eher zu sich selbst als an sie gerichtet.
„Chiaki…“, seufzte Maron, presst sich unsicher die Lippen zusammen und schaute auf ihre Hände auf ihrem Schoß herunter, „Ich weiß nicht, wie ich es dir sagen soll. Aber du bist mein bester Freund und-...“
„Ich will aber nicht nur dein bester Freund sein.“, unterbrach er sie. „Ich will der beste Freund sein, in den du dich hoffnungslos verliebst. Ich will der beste Freund sein, bei dem du es kaum erwarten kannst nach Hause zu kommen, um ihm über jede Kleinigkeit deines Tages zu berichten. Der beste Freund, der dich schließlich in die Arme nimmt und vor allen Strapazen der Welt beschützt.“ Er hielt inne, atmete tief durch. „Gott...Ich rede mal wieder zu viel.“ Er vergrub sein Gesicht in das Kissen. Mit einem niedergeschlagenen Ausdruck sah Chiaki wieder zu ihr auf.
„Gemeinsam aufzuwachsen und so viel über den anderen zu wissen, hat-…Hat es mir ganz schön schwer gemacht, dir endlich meine Gefühle zu gestehen. Ich hab zu lang gewartet… und nun liebst du Hijiri….“, sprach er betrübt.
Sprachlos blickte Maron ihn an, unfähig etwas zu erwidern. „Chiaki…“
Ein müdes, verliebtes Lächeln bildete sich auf seinen Lippen.
„Du bist wunderschön, weißt du das? Wie ein Engel…“ Die Worte sprach er leise, aber dennoch deutlich genug aus.
Maron begann zu stottern und schaute peinlich berührt weg. Ihre Wangen liefen rot an.
Nach einigen stillen Momenten stellte sie fest, dass Chiaki eingeschlafen war.
Für einen ruhigen Augenblick musterte Maron ihren schlafenden Freund und rückte näher an den Bettrand ran. Er wirkte so friedlich und ruhig, wenn er schlief. Maron konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen.
„Schlaf gut.“, sagte sie sanft und zog ihm die Decke vorsichtig hoch. Zu guter Letzt strich sie ihm noch ein paar Strähnen aus dem Gesicht.
Bei der Geste zuckten seine Augen und sie öffneten sich einige Millimeter.
„Oh verdammt…hab ich dich geweckt?“, flüsterte Maron erschrocken.
Doch anstatt zu antworten reichte Chiaki plötzlich eine Hand nach ihr aus, umfasste ihren Hinterkopf, zog sie etwas zu sich heran und drückte ihr einen zarten Kuss auf die Stirn.
Verträumt grinste er in sich hinein, die Augen immer noch halb offen. Schließlich fielen seine Lider wieder ganz zu, er ließ von ihr los und kuschelte sich in sein Kissen rein. Leise vernahm man seinen ruhigen Atemrhythmus. Er schlief tief und fest.
Maron war wie gelähmt. Ihre Augen waren weit aufgerissenen.
Schnell atmete sie ein und wieder aus. Sie hatte nicht gemerkt, dass sie den Atem angehalten hatte.
Langsam hob Maron ihre Hand und betastete mit den Fingern die Stelle, wo vor ein paar Sekunden noch seine Lippen sie berührt hatten.
Ihr Gesicht fühlte sich heiß an.
Ihr Herz raste.
Schließlich löste Maron sich von ihrer Schockstarre, stand auf, schnappte sich ihre Sachen und lief schnellen Schrittes aus Chiaki’s Wohnung.
***

Mit einer Tüte vom Mori-Café in der Hand betrat Chiaki die Momokuri News Redaktion und steuerte auf Maron’s Tisch zu. Es waren drei Tage her, seit sie bei ihm zu Besuch war. Danach hatte er sich schnell von seinem Fieber erholt.
Im Redaktionsgebäude lief er an Miyako vorbei, die sich mit einem braunhaarigen jungen Mann unterhielt und winkte ihr zu. Sie winkte lächelnd zurück.
Maron blickte verwundert zu ihm auf, als er die braune Papiertüte auf ihrem Tisch abstellte.
Neugierig blickte sie rein.
„Ein Becher Chai Latte und ein Erdbeertörtchen.“, sagte Chiaki.
„Meine Favoriten.“, nickte sie und sah ihn fragend an, „Wofür ist das?“
„Einfach so…“, zuckte er mit den Schultern und sah unsicher zur Seite, „Hör zu, ich weiß zwischen uns war es in letzter Zeit ziemlich komisch…“
„Ja…In der Tat.“, stimmte sie ihm zu.
Kurzes unbeholfenes Schweigen herrschte zwischen den beiden.
„Danke für das Fresspaket.“, sagte Maron peinlich berührt.
Chiaki lächelte sie schief an. Sie erwiderte das Lächeln schüchtern.
„Nun…Wusstest du, dass ich in die Zukunft sehen kann?“, fragte er plötzlich.
Schmunzelnd legte Maron den Kopf schief und sah ihn an. „Wirklich?“
„Ja, habe ich dir das nie gesagt?“
Amüsiert lachte Maron auf. „Nicht das ich es wüsste - Nein.“
„Es ist wahr.“, grinste Chiaki.
„Wenn das so ist…Was hast du denn gesehen?“, fragte Maron interessiert.
Er sah sie eindringlich an. „Dass du und Hijiri glücklich zusammen seid und dass zwischen uns wieder alles okay ist. Wird zwar seine Zeit brauchen, aber alles wird wieder beim Alten sein und wir sind immer noch die allerbesten Freunde, die es gibt.“ Ein kleines Lächeln bildet sich auf seinen Lippen.
„Die Zukunft hört sich nicht schlecht an.“, erwiderte sie sanft.
Beide fingen an zu lachen.

„Und…eh, tun wir so als wäre die eine Sache nie passiert?“, fragte Maron leise und sah verlegen zu Boden.
Irritiert zog Chiaki die Brauen zusammen. „Was genau meinst du?“
„Na, als du kurz wach warst…“ Ihre Wangen röteten sich leicht.
Verwirrung zeichnete sich auf seinem Gesicht ab. „War ich das?“ Er neigte fragend den Kopf.
Maron zog skeptisch die Brauen zusammen.
„...An was kannst du dich erinnern?“, fragte sie.
Chiaki überlegte kurz. „Wir haben geredet-... Ich habe geredet, besser gesagt. Und war ein ziemlich emotionales Wrack.“ Er fuhr sich beschämt über das Gesicht.
Mit großen Augen blickte Maron ihn an.
Er konnte sich nicht erinnern? Er konnte sich nicht an den Stirnkuss erinnern?
Unbewusst musste sie daran zurückdenken und sah sein verträumtes Lächeln vor Augen. Wenn sie sich richtig entsinnen konnte, wirkte er wirklich nicht ganz bei Bewusstsein. Womöglich befand er sich im Halbschlaf, hatte geträumt und es unbewusst getan.
„Maron?“ Seine Stimme ließ sie zusammenzucken und riss sie aus den Gedanken.
„Vergiss es. D-da war nichts.“, winkte sie schnell ab.
Chiaki blickte Maron verwirrt an.
„Okay…?“ Er sah auf seine Uhr. „Nun ich geh jetzt. Muss noch ins Krankenhaus zu meinem Vater.“
Maron nickte. „Bis später.“
Eine Weile sah sie Chiaki noch nach, nachdem er aus der Redaktion verschwand.
Ab jetzt war alles wieder beim Alten.
Oder?
Geistesabwesend fasste sie sich die Stirn und seufzte schwer.




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Bis zum nächsten Kapitel!
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