Eragon Band 6: Schatten über Alagaësia

GeschichteFantasy / P16
28.09.2018
08.11.2019
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So, ich bin jetzt doch schneller als erwartet dazu gekommen weiterzuschreiben (ein gutes daran, am Wochenende früh aufstehen zu müssen). Außerdem ist mir aufgefallen, dass ich am Anfang des ersten Kapitels vergessen habe anzukündigen, dass "Eragon Band 6: Schatten über Alagaësia" kein Schlussband sein wird, sondern dass diese "Aufgabe" dann erst Band 7 zukommen wird.
Und jetzt viel Spaß beim Lesen.
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Nasuada seufzte vor Enttäuschung. Der Anschlag auf die Feierlichkeiten zum Tag der Befreiung hatte den Adel verunsichert und in Aufruhr versetzt, woraufhin sich die Adeligen noch zänkischer verhielten, als sie es schon unter normalen Umständen taten. Genauso sehr wie Verunsicherung und Aufruhr die Stimmung unter den Mitgliedern des Adels prägten, kam jedoch auch ein Verlangen fast jedes einzelnen Adeligen nach persönlichem Ruhm durch den ausgebrochenen Krieg. Nicht das Verlangen nach Ruhm für das Großkönigreich sondern nach individuellem Ruhm eines jeden einzelnen Adeligen, was effektive Planungen für eine Vorgehensweise nur noch mehr erschwerte. In dieser Situation kam es Nasuada ebenfalls zum Nachteil, dass sie in Graf Ljertom eine der wenigen Stimmen der Vernunft verloren hatte, da dieser auf der Bühne vor den Augen aller Besucher der Feierlichkeiten durch ein Messer welches ihm ein Ra'zac in die Kehle gerammt hatte den Tod gefunden hatte und sein Bruder und Nachfolger auf den Grafentitel von Gil'ead ein weiterer selbstsüchtiger Blutsauger war, der ihr das Leben schwer machte. Die Ra'zac und ihre Anbeter  waren ein weiteres Problem, welches Nasuada Kopfschmerzen bereitete. Einerseits konnte sie sich beim besten Willen nicht vorstellen, dass Orrin derart tief sinken könnte, dass er sich mit den Helgrind-Priestern verbünden würde, doch wenn selbst Eragon und Arya, beides sowohl mächtige als auch vertrauenswürdige Magier, das Dokument welches deren Bündnis belegte für echt befanden und auch Orrin derart aggressiv und unwillig zu jeder Aufklärung reagiert hatte, musste es wohl stimmen. Und das wiederum könnte bedeuten, dass die Truppen der großköniglichen Armee in der Schlacht ebenfalls auf Ra'zac treffen könnten, für den Fall dass es noch mehr von ihnen geben würde als jene, die den Tag der Befreiung mit Tod und Terror überzogen hatten und dort immerhin glücklicherweise selbst den Tod gefunden hatten. Entweder das, oder es gab doch eine größere Bedrohung die im Hintergrund sämtliche Vorgänge lenkte um Alagaësia ins Chaos zu stürzen, doch Nasuada hielt dies für mehr als unwahrscheinlich. Aber es würde immerhin alles erklären.
"Nein, ihr werdet nicht unter eurem eigenen Banner in die Schlacht ziehen, Graf Treppelin" brüllte Roran einen Grafen an, der ein Gebiet in der Nähe von Narda beherrschte und riss Nasuada damit aus ihren Gedanken, jedoch wurde sie im selben Augenblick wieder an ihre größten Probleme erinnert. Nicht einmal darauf, unter welcher Flagge man in die Schlacht ziehen würde, konnten sich die Mitglieder des Adels einigen und jegliche Versuche eine Einigung zu erzwingen, mündeten nur in lautstarke Proteststürme.
"Ihr habt am Tag der Befreiung alle gesehen, womit wir es zu tun haben" pöbelte Roran weiter "Wir haben es mit einem Feind zu tun der sich mit menschenfressenden Abscheulichkeiten verbündet und daher vermutlich auch vor ähnlichen Schandtaten zurückschrecken wird. Und wenn ihr Hohlköpfe nicht endlich mit euren kindischen Diskussionen aufhört und nicht wenigstens einmal jetzt, wo die Lage ernst ist und das Land sowie das Volk einer grausamen Bedrohung gegenüber steht, anfangt zusammen zu arbeiten und wenigstens einmal versucht rational zu handeln, werden die Surdaner und die Helgrind-Priester uns überrennen, während wir noch hier reden und dann fallen alle unsere Familien und Freunde in die Hände dieser dämonischen Ungetüme, die schon den Tag der Befreiung, der eigentlich Zusammenarbeit und Eintracht fördern sollte, in ein Blutbad verwandelt haben. Also richtet eure Energie einmal gegen euren wahren Feind und nicht gegen euch selbst.".
"Graf Hammerfaust hat recht" pflichtete Murtagh, der auf eigenen Wunsch als einziger Drachenreiter in Iliera geblieben war um dort eine Vermittler-Rolle einzunehmen, nachdem Eragon und Arya am Tag zuvor wegen einer vermeintlich wichtigen Entdeckung der Eldunari von Blöedgarm zurück zur neuen Heimat der Drachenreiter, dem Reiterhort, gerufen worden waren und mitsamt ihren drei gesunden Schülern sowie der immer noch bewusstlosen aber zumindest einigermaßen transportfähigen Rhaymana sofort aufgebrochen waren "Ich habe selbst einmal unfreiwillig mit diesen Fanatikern zusammen gearbeitet und wenn man sie so reden gehört hat, dass sie das Volk der Ra'zac wieder auferstehen lassen wollen und ihnen die restliche Menschheit als Nahrung Opfern wollen, glaube ich nicht dass irgendjemand von ihnen ein Interesse daran hat, dass diese Fanatiker auf irgendeine Weise an Einfluss gelangen. Dennoch solltet ihr die Möglichkeit in Betracht ziehen, durch einen Dialog mit dem surdanischen Adel, möglicherweise auch ohne das Wissen von Orrin, deren Bündnis mit dem Helgrind-Kult zu beenden. So gäbe es einen gemeinsamen Feind und eine Gelegenheit eine Menge Blutvergießen zu verhindern.".
"So lasse ich nicht mit mir reden, verehrter Graf Hammerfaust" gab Graf Lucion aus Ceunon verärgert zurück "Und euch, Lord Murtagh, hat niemand nach eurer heuchlerischen  Meinung gefragt. Ich weiß sowieso nicht, warum Galbatorix treuester Handlanger, der neuerdings zum Pazifisten mutiert ist, überhaupt das Recht hat, hier anwesend zu sein.".
"Er hat recht Graf Hammerfaust, ihr müsst euren Tonfall mäßigen" pflichtete Fürst Pandion aus Narda ihm bei.
"Haltet endlich die Klappe mit euren dämlichen Förmlichkeiten die uns allen sowieso nichts als Ärger einbringen, ansonsten werde ich dafür sorgen" brüllte Roran zurück bevor auch noch Pandion gegen Murtagh schießen konnte und ballte drohend die Faust. Auch Murtagh musste sehr um seine Beherrschung kämpfen und konnte sich selbst nur mit Mühe davon abhalten, Graf Lucion für seine Bemerkung auf der Stelle umzubringen. Nasuada, die sich aus dem Streit heraushielt, beneidete Roran jedoch wieder einmal. Als bekannter Unruhestifter in den Reihen des Adels konnte er es sich durchaus erlauben, sich einmal über die endlosen Förmlichkeiten hinweg zu setzen, während sie selbst als Herrscherin an diese gebunden war, da sie im Gegensatz zu einem einzelnen Grafen mit den restlichen Adeligen zusammenarbeiten musste um das Land zu regieren und es sich daher nicht leisten konnte, diese zu verärgern. Roran hingegen hatte sich zwar einen gewissen Respekt durch seine Leistungen im Krieg gegen Galbatorix erworben, doch da er nur regionale Regierungsgewalt inne hatte und nur ihr selbst Rechenschaft schuldig war, womit es jedoch noch nie ein Problem gegeben hatte, war er nicht auf den restlichen Adel angewiesen und hatte daher diesbezüglich größere Freiheiten inne. Doch auf die selbe Weise wusste sie, dass ihr sowohl ihr gutes Verhältnis zu ihm als auch ihr Einsatz für Murtagh als eine Art Botschafter der Drachenreiter zu bleiben, ihr ähnlich große Probleme einbringen könnten. Doch Murtagh und Roran waren von den Anwesenden nun einmal die einzigen, die ernsthaft versuchten etwas konstruktives beizutragen, auch wenn
"Großkönigin Nasuada, da diese Versammlung sich offensichtlich mal wieder als Handlungsunfähig beziehungsweise als Handlungsunwillig erweist, bitte ich euch um Erlaubnis, gemeinsam mit General Jörmundur zumindest die Truppen des Herzogtums Palancar-Tal und die regulären Truppen des Großkönigreiches zu koordinieren und unsere südlichen Grenzen zu verteidigen" sagte Roran weiter "Ich habe nicht vor zu warten, bis wir alle uns in den Klauen der Ra'zac und ihrer hirnlosen Anbeter sowie deren Verbündeten befinden".
"Ich glaube ich kann euch helfen, Graf Hammerfaust" sagte plötzlich Fürst Risthart der sich aus dem Disput herausgehalten hatte und bisher auch nur mit der Ankündigung eines möglichen Kriegszuschlags auf sämtliche Waren aus Teirm für Unmut gesorgt hatte.
"Ihr wollt uns also auch noch einmal mit einem konstruktivem Beitrag beehren?" antwortete Roran spöttisch "Oder soll das wieder nur irgendeine Masche sein um uns anschließend wieder mit euren ewigen Handelsangelegenheiten zu nerven.".
"Und was ist, wenn ich wirklich über einen meiner Geschäftspartner, der weiterhin gute Beziehungen nach Surda und zu der dortigen Regierung unterhält weiß, wie die genaueren Vorgehenspläne der surdanischen Armee aussehen und ich daher weiß, was ihr nächstes militärisches Ziel ist?" entgegnete Risthart mit einer Gegenfrage.
"Dann seid ihr ein Verräter, weil ihr immer noch Geschäfte mit Surda macht und diese Informationen nicht sofort preisgegeben habt" antwortete Roran.
"Das ist er nicht" warf Nasuada zur allgemeinen Verwunderung ein "Teirm ist wie alle hier wissen nicht Teil des Reiches, weswegen er nicht die Pflicht hat dem Reich seine Informationen zur Verfügung zu stellen. Aber ich denke, dass eine Neuverhandlung des Handelsvertrages im Gegenzug für konstruktive Hilfe entweder in Form von bedeutsamen Informationen oder militärischer Unterstützung, durchaus in den Bereich des Möglichen rückt.".
"Das ist aber nur akzeptabel, wenn dafür die Souveränität der Stadt Narda vergrößert wird" sagte Fürst Pandion.
"Falls ihr dann endlich mal dazu bereit seid, euch konstruktiv in die laufenden Gespräche einzubringen, lässt sich da vielleicht etwas machen" entgegnete Nasuada, der es schwer fiel ihre Genervtheit zu verbergen "Vorher nicht.".
"Das hört sich doch schon einmal ganz gut an, ehrenwerte Großkönigin" antwortete Risthart grinsend "Die surdanische Armee hat vor, Furnost zu erobern um von dort aus direkt auf die Hauptstadt zu marschieren, ohne sich an den Großstädten aufzureiben.".
"Das würde sogar wirklich Sinn machen" reagierte Roran als erstes "Ich wiederhole hiermit meine Bitte an euch Großkönigin Nasuada, gemeinsam mit General Jörmundur die Armee zu mobilisieren und uns der surdanischen Armee zu stellen. Somit können wir den Krieg vielleicht schon frühzeitig zu unseren Gunsten entscheiden und weitere große Schlachten verhindern.".
"Ihr habt die Erlaubnis, Graf Hammerfaust" antwortete Nasuada "Gildemeister Tabalmos wird euch begleiten. Währenddessen werden Murtagh und ich versuchen, einzeln mit den surdanischen Adeligen über die Traumsicht zu verhandeln. Auch die ehemalige Botschafterin Jocy wird uns hierbei aufgrund ihrer Beziehungen zum dortigen Adel aus ihrer Zeit als Botschafterin helfen. So oder so verhindern wir mit einem Erfolg eine vollständige Eskalation.".
Da nun endlich eine vorläufige Entscheidung getroffen war und kein Adeliger einen weiteren konstruktiven Beitrag liefern wollte, beendete Nasuada die Verhandlung woraufhin sich die Adeligen in ihre Gemächer zurückzogen oder anderweitig die Annehmlichkeiten des großköniglichen Palastes genossen. Da der Krieg noch nicht einmal im Ansatz beendet war, würden sie bis zu dessen Ende in der Hauptstadt bleiben, um sich bei jeglichen Wendungen möglichst schnell besprechen zu können. Nasuada war froh darüber, dass eine Lösung gefunden wurde, die sowohl auf diplomatischer als auch auf militärischer Basis funktioniert und darüber hinaus sogar gleichzeitig Erfolg haben könnte. Vorausgesetzt sowohl Roran und Jörmundur als auch sie, Jocy und Murtagh würden erfolgreich sein. Und um Alagaësias Willen mussten sie einfach erfolgreich sein.
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