Mipha und Sidon

von Die Hand
GeschichteFamilie, Freundschaft / P6
Mipha
28.09.2018
28.09.2018
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Hallo,
hier ist mal mein Beitrag zum Wettbewerb "An meinen kleinen Bruder". Er ist zwar recht kurz geworden, aber ich hoffe, er gefällt euch!
~

Wenn ich jetzt so auf die letzten hundert Jahre meines Todes zurückschaue, muss ich sagen, dass ich sie mir ganz anders vorgestellt habe. Im Grunde hatte ich zwar immer geahnt, dass es nach meinem Tod nicht einfach so aufhört, aber dass ich die ersten hundert Jahre meines Todes in Vah Ruta auf eingesperrt war, während sich Hyrule langsam vom Erwachen von Ganon erholte, hatte ich auch nicht erwartet. Jetzt ist meine einzige Aufgabe, darauf zu warten, dass Link endlich auch die anderen drei Titanen befreien kann, damit ich mit meinem Titanen das Schloss befreit, aber damit habe ich kein Problem. Ich habe hundert Jahre darauf gewartet, dass überhaupt etwas passiert, da kann ich auch noch mal hundert Jahre warten, bis Ganon wirklich tot ist.

Gelangweilt sitze ich auf dem Rüssel meines Titanen und lasse meinen Blick über den See schweifen. An dem einen Ende des Sees, wo sich die Berge fast drohend erheben, waren einige Zoras dabei, nach Fischen zu tauchen- oder, sie machten einem Wettbewerb im Luft anhalten, denn bis jetzt war jeder von ihnen aufgetaucht, ohne irgendwas gefangen zu haben, während mein Bruder Sidon auf der anderen Seite des Sees beschäftigt damit war, einigen kleinen Zoras das Schwimmen beizubringen. Aus irgendeinen Grund hatte mich keiner bemerkt, was recht außergewöhnlich ist, da man meinen müsste, dass die Zora doch mehr nach mir Ausschau halten müssten, nachdem sie gehört hatten, dass ich zwar tot war, aber dass mein Geist immer noch im Titanen herumspukt. (Außer, Link hat mal wieder den Teil mit dem Geist unter den Tisch fallen lassen. Er hatte irgendwie die Gabe, bestimme Sachen nicht zu erwähnen, die vielleicht ganz wichtig wären.)

Irgendwie erinnert mich doch die ganze Sache an einen der letzten Tage, den ich zusammen mit Link und Sidon verbracht hatte. Es war ein recht warmer Sommerabend, als ich mich nach einem Gespräch mit meinem Vater zu einem der Tümpel aufmachte, wo ich die beiden treffen wollte. Als ich dort ankam, war Sidon dabei, herumzuschwimmen (der See ging mir gerade mal bis zu den Knien, allerdings war das Wasser tief genug, dass er schwimmen konnte, ohne groß in Gefahr zu geraten, dass er ertrinken könne), während Link am Ufer des Sees lag und ein Nickerchen hielt. Ich kann mich noch genau an den erschrockenen Gesichtsausdruck von ihm erinnern, als ich ihn wachgerüttelt habe.
„Um ehrlich zu sein…“, gestand er mir, „ich hätte nicht erwartet, dass es so schwierig ist, einem Zora das Schwimmen beizubringen, ich meine, ihr wohnt ja quasi im Wasser.“
Ich lachte und entgegnete: „Und wenn ich ehrlich sein kann… Ich hätte nicht erwartet, dass es so schwierig ist, einem Hylianer das Laufen beizubringen, ich meine, ihr wohnt ja quasi an Land.“
Wir schwiegen kurz, dann seufzte Link: „Ich vergesse irgendwie immer, dass du mich quasi großgezogen hast, während mein Vater seinen Aktivitäten als Ritter nachgegangen ist.“
„Ja… So ist es halt. Mir ist schon oft passiert, dass manche Leute denken, dass ich in ihrem Alter bin, während ich in Wahrheit alt genug bin, um mit ihren Eltern aufwachsen zu können. Irgendwie hat sich die Kunde, dass Zoras langsamer altern als Hylianer und mehrere hundert Jahre alt werden können, nicht weit unter euch verbreitet…“ Ich lächelte, dann stand ich auf, um Sidon zu helfen, um dessen Bein sich irgendwie eine Wasserpflanze verheddert hatte.

Kurz darauf reiste Link ab, um als Zeldas Leibwächter zu arbeiten (es war wohl der letzte Wunsch seines Vaters gewesen), und ich war für ein Weilchen mit Sidon allein, bis die überraschende Neuigkeit kam, dass Link offenbar das Master-Schwert erhalten hatte und nun zum Recke ernannt wurde. Ich kann mich noch genau an den Tag erinnern, an dem ich und mein Bruder Sidon davon erfuhren… Naja, um genau zu sein, hatte Sidon es irgendwie zuerst herausgefunden, denn irgendwie hatte er den Orni-Postboten überredet, einfach ihn den Brief für mich zu geben, in dem Link mich zu seiner Amtserhebung „einlud“, zu der alle Recken kommen mussten.

„Mipha, Mipha, Link ist jetzt auch ein Recke“, rief er und wedelte vor meiner Nase mit dem Brief herum, den ich ihm prompt aus der Hand riss.
„Sidon, was habe ich dir über das Öffnen meiner Briefe gesagt?“, meinte ich streng, während ich den Brief durchlas.
„Aber Mipha, der Orni hat gesagt, dass es dringend wäre, also habe ich den Brief auf dem Weg schon einmal gelesen, damit ich dir gleich sagen kann, worum es geht!“
Ich schnaubte. Einerseits fand ich es irgendwie süß, dass er irgendwie Interesse an meinem Leben zeigte, andererseits musste er sich das Verhalten dringend abgewöhnen, wenn er in der Zukunft ein stressfreies Leben fühlen will. Dann ließ ich den Brief sinken.

Ich wusste, wenn ein Hylianer es schaffte, das Master-Schwert zu ziehen, dann näherten sich dunkle Zeiten. Es gab ja genügend Legenden, in denen der Held es nur schaffte, Hyrule zu retten, nachdem er das Master-Schwert zog, warum sollte es hier anders sein? Die ganze Zeit wusste ich, dass ich bereit sein musste, mein Leben zu opfern, besonders, wenn Ganon sich erhob, aber in diesem Moment hatte ich einfach nur Angst um Sidon. Ich wusste, dass mein Vater ein schlechter Vater war- besonders nach dem Tod meiner Mutter stürzte er sich lieber in seine Arbeit als König und Anführer der Zoras-, und ich war mir auch sicher: Sidon hat einmal miterlebt, dass die Person, zu der er aufsah, gestorben war, er würde das nicht so schnell noch  einmal verkraften.

Seit diesem Tag hatte ich irgendwie eine dunkle Vorahnung, dass die ganze Sache nicht so gut enden würde, ohne zu wissen warum, und auch in den Jahren, bevor der Titan wieder befreit war, drehten sich meine Gedanken nur um ihn. Ich machte mir um ihn mehr Sorgen als um Link und ich machte mir immer wieder Horror-Szenarien aus, in dem Sidon verrückt wurde, da er es nicht verkraften konnte, dass ich und Link tot waren. Dass Link nur die ganze Zeit im Koma war, wusste ich nicht, aber das machte die ganze Sache auch nicht besser, besonders, da Link angedeutet hatte, dass sogar Sidon dachte, dass er damals gestorben war. (Auch, wenn ich mich frage, wie jemand so schwer verletzt werden kann, dass er mal kurz 100 Jahre im Koma liegt.)

Besonders erfreut war ich, als Link mir erzählt hat, dass es Sidon recht  gut ging und er ein recht glückliches Leben führt. Zwar hat er auch gesagt, dass sie nie wirklich über die letzten hundert Jahre geredet haben, aber er hat erwähnt, dass Sidon wohl scheinbar irgendwann zwischen meinem Tod und dem Auftauchen des Titans auch aufgehört hat, wirklich von der Trauer von mir niedergeschlagen zu sein. Aber trotzdem... Irgendwie hoffe ich trotzdem, dass ich irgendwann mal wieder auf Sidon treffen kann und mit ihm reden kann. Einerseits sind in den letzten hundert Jahren sehr viele Sachen passiert, andererseits interessiert es mich schon irgendwie, wie es ihm jetzt geht. Schließlich ist er mein Bruder, und ich habe ihn ja quasi nur mit der Hilfe von Link großgezogen.

Ein letztes Mal werfe ich einen Blick auf Sidon, der gerade einen kleinen Zora aus dem Wasser zerrt, wie ich es auch gemacht hatte, nachdem Sidon das erste Mal einigermaßen gut schwimmen konnte, dann verschwinde ich wieder im Inneren des Titanen.