Jagdgeschichten

von Pax
KurzgeschichteAbenteuer, Fantasy / P16
28.09.2018
03.07.2019
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28.09.2018 2.058
 
Der Jäger – er wurde Chaos genannt – betrat die Versammlungshalle in Val Habar. Er ließ seinen Blick durch den Raum schweifen. Über den alten Gildenmeister und die gelb, lila und rot gekleideten Damen, die hier die Aufträge verteilen. Über die stets verwirrte Betreiberin des Gildenladens. Und natürlich über die Essensausgabe wo seine heutigen Mitjäger schon auf ihn warteten.
  Der erste – ein Rang Zwei wie die Kette um seinen Hals verriet – trug eine Nerscylla-Rüstung. Die zum Großteil silberweiße Rüstung war am Bauch und den Oberschenkeln von einer dunkelblauen Legierung überzogen. Arm- und Beinschienen wurden von Bronzespitzen verziert. Die riesigen Schulterschützer, welche wie der Großteil der Rüstung aus dem Panzer des gewaltigen Temnoceranen gefertigt waren, endeten in etwa dreißig Zentimeter langen orangen Stacheln. Der Vollvisierhelm hatte ebenfalls eine gut zwanzig Zentimeter lange Spitze, welche der Form nach ein Zahn des Ungetüms gewesen sein musste. Die Waffe auf seinem Rücken war ein Langschwert. Der schwarze Griff ging am gebogenen Heft in ein Wasserglanzjuwel über. Aus diesem trat einer der Stachel, wie sie die Schulterschützer enthielten im 90° Winkel zur Klinge hervor. Die Klinge selber war schmal, nicht mal ein Fingerbreit und die Schneide war frisch geschliffen. Farblich passte sie perfekt zur Rüstung. Nur das letzte Stück hob sich durch seine gelbe Färbung vom Rest der Waffe ab. Die Spitze war leicht nach hinten gebogen und mit einem schwarzen Metall überzogen.
  Der zweite, ebenfalls ein Rang Zwei trug eine Legierungsrüstung. Sie bestand aus einer, aus blauem Eisen gefertigte Unterrüstung mit einer Edelstahlpanzerung am Oberkörper und den Beinen. Bewaffnet war er mit einer Energieklinge. Es war ein kurzes grades Schwert, mit einer breiten Schneide und einem Energiekristall in der Mitte. Wenn dieser aufgeladen war, konnte der Jäger einen Mechanismus aktivieren, der das Schwert mit dem Schild vereinigte und so zu einer Axt umfunktionierte. Das Schild, beziehungsweise der Axtkopf war ebenfalls aus Stahl, mit geschliffenen Kanten und dem Gildenwappen in der Mitte.
  Jäger Nummer Drei war ein Rang Drei. Die Rüstung, die er trug, war Chaos allerdings nicht bekannt. Es sah aus wie ein Pelzmantel, allerdings war er gelb und sah aus wie aus einem riesigen Schwamm gefertigt. An den Ärmeln und dem Kragen wurde die Rüstung durch blaue und rote Perlen verziert. Die Kopfbedeckung bestand aus mehreren langen Schwammteilen, welche hinterm Kopf mit einem roten Band zusammengebunden wurden und als Kapuze diente. Bewaffnet war er mit einem Bogengewehr. Vom Boden aus reichte es mindestens bis zu seinem Hals. Der lange Holzgriff war ebenfalls mit dem schwammähnlichen Material umhüllt. Der Abschussmechanismus war natürlich aus Eisen. Das Visier war modifiziert, um einen variablen Zoom zu ermöglichen.
  Die drei waren definitiv keine Anfänger. Aber alleine auf eine Rathian-Jagd wollte die Gilde sie nicht schicken. Dabei ging es weniger darum, dass man sich sorgen um die Jäger machte, sondern eher, dass man ihnen nicht zutraute, die Mission schnell genug zu erledigen. Auch wenn der Gildenmeister das niemals zugeben würde.
  Jedenfalls wurde ein hochrangiger Jäger gesucht, der den drei Freiwilligen half die Rathian zu vertreiben, oder, im Optimalfall zu erlegen, bevor sie Val Habar erreichte. Denn sie war auf direktem Weg dorthin.
  Das bedeutete, dass die Jäger mit einem Drachenboot in die Wüste rausfuhren, um sie abzufangen. Da Chaos zurzeit der einzige Jäger in Val Habar war, der für diese Mission in Frage kam, da die meisten anderen dabei waren, die mysteriöse Krankheit zu erforschen, welche Mensch wie Monster befällt, wurde er schnell als Jagdführer ausgewählt. Auch wenn die Gilde es ungerne tat, er trug seinen Namen immerhin nicht umsonst. Aber eine Rathian würde wohl noch mehr Verwüstung anrichten als er.
  Er bemerkte, wie die Jäger ihn anstarrten. Bewundernd, aber zugleich ängstlich. Zumindest der mit der Schwammrüstung, da sein Gesicht als Einziges zu sehen war. Aber man brauchte nicht viel Vorstellungskraft um sich zu denken, dass die beiden Anderen, einen ähnlichen Blick draufhatten. Sie mussten wohl schon von ihm gehört haben. Und dass er bei seinen Jagden schon drei Drachenschiffe zerstört hatte.
  Des Weiteren sollte sein Erscheinungsbild alleine schon für Ehrfurcht sorgen. Immerhin trug er eine Rüstung aus dem Körper eines Azurnen Rathalos. Die Handschuhe und Stiefel waren aus seinen blauen Schuppen gefertigt. Arm- sowie Beinschienen aus der schwarzen Haut dieses Monsters. Die Schulterpanzer waren mit imposanten, schwarzen Krallen besetzt. Ebenso wie der Helm, der wie die Schulterplatten ebenfalls mit Schuppen überzogen war. Das Visier wurde aus einem schwarzem Rathalosrubin, ein sehr seltener Stein, welcher nur im inneren dieser Kreaturen heranwächst, gegossen. Der Harnisch war, bis auf die blauen Schuppen an den Seiten, komplett aus der geschwärzten Rathaloshaut. Und die Morph-Axt auf seinem Rücken vervollständigte das Outfit. Der Griff und die untere Schneide waren aus einer rosa Rathian gefertigt. Die obere, längere Schneide, welche bei Bedarf ausgeklappt werden konnte, um die Axt in ein Großschwert zu transformieren, war wiederum aus dem Azurnen Rathalos. Das Mittelstück seiner Waffe war grün, ein Teil eines Rathianschwanzes. Die Schwanzstacheln traten an der Seite aus der Axt heraus. Bei einem Schlag gruben sie sich zusätzlich ins Gewebe des Monsters. Vorne aus der Axt war der lange Giftstachel einer Rathian angebracht. Und er funktionierte noch, natürlich mit ihrem Gift, welches auf Knopfdruck injiziert werden konnte. Auch wenn er es heute durch das weniger tödliche Gift eines Rathalos ersetzt hatte, da Rathian gegen ihr eigenes Gift selbstverständlich immun sind. Zusätzlich sorgten der rosa Talisman, sowie die goldene G3-Kette und die rote Kette, die anzeigte, dass er ein Rang Sechzig Jäger war, für zusätzlichen Eindruck.
  „Können wir endlich jagen, oder seid ihr noch am Essen?“ fragte er die drei Jäger, die sofort aufsprangen und zu ihm kamen. Lachend drehte er sich um und führte sie zum Steg, wo das Drachenboot auf sie wartetet.

Während der Fahrt erzählten die Jäger Geschichten über sich und ihre Jagden. Der Rang Drei, der, mit der mysteriösen Rüstung, hieß Apecx und er kam aus Moga, einem Dorf weit entfernt von Val Habar. Im Wald neben Moga lebten Ludroth. Deren Anführer nannte man Königs-Ludroth. Man erkannte sie daran, dass sie weitaus größer waren und eine Art Mähne aus Schwämmen hatten. Und aus so einer Kreatur hatte Apecx seine Ausrüstung herstellen lassen.
  Die anderen Jäger kamen - wie Chaos - aus Val Habar. Die beiden hatten schon oft zusammen gejagt, unter anderem den Nerscylla, den der Jäger, der auf den Namen Verez hörte, als Rüstung trug. Der dritte Jäger, der mit der Gildenrüstung, nannte sich Schild. Als Chaos mit seiner Erzählung fertig war, wie er und Apos einst die Rosa Rathian und den Azurnen Rathalos in ihrem Nest auf der Spitze des Himmelsbergs besiegten, schrie einer der Matrosen auf dem Drachenschiff: „Monster voraus!“
  Die vier Jäger blickten in die Richtung, in die er zeigte. Und da war sie.
  Eine riesige Flugwyvern. Sie besaß einen drachenähnlichen Kopf mit einem Stachel am Kinn und vielen Dornen am Hinterkopf. Einen Körper mit kräftigen Beinen und fledermausartigen Schwingen, welche in einem gewaltigen Stachel endeten und, an den Seiten, ebenfalls mit welchen gespickt waren, und einen fast fünf Meter langen Schweif, welcher in vielen kleinen und großen, teils giftigen Stacheln endete, der von der Wyvern als Keule benutzt wurde.
  „Alle bereitmachen! Apecx! Hol sie vom Himmel!“, schrie Chaos seine Befehle.
  Der angesprochene Schütze reagierte sofort und lud sein Bogengewehr mit Blendmunition. Er zielte, schoss und traf. Das kurzzeitig blinde Monster fiel vom Himmel ins Sandmeer und überschlug sich mehrmals.
  Durch den Aufprall sprangen zwei Delex aus dem Boden, fischartige Kreaturen mit großen Rückenflossen die im Sand lebten und sehr empfindlich auf Schallwellen reagierten.
  Aufgescheucht durch die Rathian griffen sie diese nun an, einer bis sich mit seinem langen Maul an ihrem Bein fest, der andere schnappte nach ihrem Flügel.
  Verez sah eine Chance und schnappte sich eine Spezialmunition für die an den Schiffsseiten angebrachten Ballisten. Er lud und schoss.
  Die Spitze des überdimensionalen Bolzens bohrte sich tief in den Rücken der Rathian. Das Seil verband die Balliste nun mit dem Monster und der Jäger aktivierte die Kurbel. Die Rathian wurde gegen die Schiffsseite gezogen, der Delex an ihrem Bein zerschmettert, der zweite ließ ihren Flügel frei und verschwand im Sandmeer.
  „Tötet sie!“, schrie Schild, der sein Schwert mit beiden Händen führte und zu der Rathian rannte. Wie wild schlug er auf ihren Kopf ein. Dies hatte nur zur Folge, dass sie ziemlich wütend wurde.
  Die Bestie brüllte und jeder der Jäger hielt sich die Ohren zu. Zumindest fast. Chaos hatte daran gedacht, seine speziellen Ohrenstöpsel mitzunehmen. Eine praktische Erfindung, welche nur die Schallfrequenz gewisser Monster abhält. So konnte man seine Mitjäger gut verstehen, ohne von dem Geschrei der Kreaturen geschädigt zu werden. Natürlich sind sie deswegen sehr teuer und da sie Spezialanfertigungen für jede Monsterart sind, hatten nur wenige Jäger, vor allem die, welche sich auf die Jagd einer einzelnen Art spezialisiert haben, aber auch einige andere Jäger – wie Chaos – solche Ohrenstöpsel in ihrem Besitz. Und manchmal hatten sie sogar die passenden dabei was einigen Jägern – wie Chaos – sehr selten gelang. Heute schien allerdings sein Glückstag zu sein.
  Er rannte, so schnell er konnte, auf das noch immer gefangene Monster zu, sprang, während er seine Morph-Axt über seinem Kopf kreisen ließ und traf mit dem Axtkopf auf ihren Schädel. Unter der Kraft der rosa Klinge zerbarsten Dornen und Schuppen und flogen durch die Luft. Jetzt war sie richtig wütend.
  Mit ihren kräftigen Beinen stieß die Wyvern sich von dem Schiff weg und schaffte es das Seil welches Bolzen und Balliste verband zu zerreißen.
  Chaos der heute wieder besonders Lebensmüde war, sprang hinter der Rathian her und bekam das abgerissene Seil, welches noch am Bolzen befestigt war zu fassen. Durch den Schwung, den er während des Sprunges bekam, schwang er an dem Seil hoch in die Luft und ließ sich auf den Rücken der Rathian fallen. Er landete und wäre fast wieder runtergefallen, wenn er sich nicht am Bolzen festgehalten hätte.
  Seine Morph-Axt, die er an Deck gelassen hatte, konnte ihn nicht helfen, aber als G-Rang Jäger war er auf alles vorbereitet und rammte mit ganzer Kraft sein stählernes Jagdmesser in die Schulter der Rathian. Er drückte das Messer nach rechts, in Richtung des Schiffs und das Monster begann zu taumeln und stürzte schließlich auf das Deck. Dort hatten die anderen Jäger die Situation rechtzeitig erkannt und reagierten blitzschnell.
  Apecx verpasste ihr eine volle Ladung Schrotmunition ins Gesicht, welche deutliche Spuren hinterließ.
  Verez verpasste dem linken Flügel einen langen Schnitt welcher die Lederhaut in zwei Teile riss.
  Und Schild hatte seine Energieklinge inzwischen transformiert und trennte mit einem mächtigen Schlag ein Teil des Schweifes ab.
  Die Kreatur brüllte fürchterlich und versuchte nach oben zu flüchten. Es wäre ihr möglicherweise sogar gelungen aber Chaos war fest entschlossen sie zur Strecke zu bringen und sie flog in die ungünstigste Richtung, in die sie flüchten konnte. Vor das Drachenschiff, genau in Reichweite des Drachenspeeres.
  Der Jäger mit der Rathalosrüstung eilte nach vorne, im Vorbeigehen schnappte er sich seine Waffe und ließ, als er am Bug ankam den mächtigen Axtkopf auf den Auslöser für den Drachenspeer niederfahren.
  Die gut fünf Meter lange, mit Stacheln versehene und auf das töten von Drachenältesten ausgelegte Waffe bohrte sich nach vorne und durchschlug den Körper der Rathian. Leblos baumelte er vor dem Drachenschiff.
  „Ich würde sagen, die stellt keine Bedrohung mehr da. Zurück nach Val Habar!“, rief Chaos, und der Steuermann beeilte sich zurück an seine Position zu laufen, um den befohlenen Kurswechsel durchzuführen.

Im Hafen wurden sie bereits erwartet. Eine kleine Abordnung der Gilde stand am Dock, bereit sie zu beglückwünschen. Bevor die Jäger jedoch das Schiff verlassen konnten, stürmte eine kleine Gruppe Hafenarbeiter bereits an Bord, um den Körper der Rathian zu bergen und ihn professionell ausweiden zu lassen.
  Chaos war der Erste, der wieder festen Boden unter den Füßen hatte.
  „Ich bin erstaunt, dass das Schiff noch in einem Stück ist.“, begann einer der Abgesandten in einem möglichst hochnäsigen Tonfall, wurde jedoch von Chaos unterbrochen
  „Verschont mich mit euren Ansprachen und eurer Bezahlung. Ich will nur den Rathianrubin. Ihr wisst, wo ihr mich findet, wenn er geborgen wurde. Aber beeilt euch. Meine Karawane zieht weiter, sobald Apos den Höllen-Zinogre erledigt hat.“
  Dann ging er, ohne die Anwesenden eines weiteren Blickes zu würdigen, in Richtung der Quartiere, in welchen auch seine Karawane lagerte.
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