Teenage (B)Romance?

GeschichteRomanze, Freundschaft / P16 Slash
Christian "Flake" Lorenz Christoph "Doom" Schneider Oliver Riedel Paul Landers Richard Kruspe Till Lindemann
28.09.2018
16.08.2020
12
28.211
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28.09.2018 3.284
 
Hallo und willkommen zur zweiten Rammstein Fanfiktion von mir!
Wie man bereits aus der Kurzbeschreibung entnehmen kann, startet diese FF mit einer kleinen Zeitreise in die Jugend von Paul und Richard. Und dementsprechend, wie wir alle wissen, heißt Richard hier auch noch nicht Richard, sondern noch Sven. Seid also nicht verwundert, solltet ihr das noch nicht wissen. Paul bleibt trotz seines eigentlich ersten Vornamens bei Paul, weil er den Namen nun mal vorzieht (auch schon früher, glaube ich)
Dieser ganze Kram, der hier vorkommt, ist nie passiert und kommt aus meiner Fantasie, dennoch habe ich (leider) kein Recht an den Personen, die gehören sich selber.
Nun wünsche ich viel Spaß beim Lesen!

PS: Ich muss nochmal ein paar Zeichen erklären;
/=\ = Übergang zur Story
>=< = kleinerer Zeitsprung
|=| = größerer Zeitsprung

Titel: Teenage (b)romance?

Kapitelname: Begegnung

Wörterzahl:  3.020

Vorkommende Personen: Paul Landers (hier Heiko Paul Hiersche), Richard Z. Kruspe (hier Sven Kruspe)

/=\


Sommer 1980


POV Paul


Jeden Sommer den gleichen Urlaub, wieder geht es an die Ostsee, wieder in dieses langweilige Ferienheim. Es ist doch jedes Jahr das Gleiche, meine Eltern tun so, als wäre es der perfekte Familienurlaub, meine Schwester hat dauerhaft schlechte Laune, weil sie gar keine Lust hat, überhaupt mitzukommen, aber immer noch mit muss und ich habe niemanden, mit dem ich was machen kann. Die meisten anderen Jungen, die dort immer sind, haben ganz andere Interessen als ich, mit denen kann ich überhaupt nichts anfangen.
„Jetzt mach doch nicht die ganze Zeit so ein Gesicht, das wird sicher ein schöner Urlaub“, versucht Mutter mich aufzumuntern.
„Sehr schöner Urlaub, indem ich mal wieder eine Woche lang überhaupt nichts mache, weil ich niemanden habe“, murre ich.
„Du hast doch deine Schwester“, meint Vater.
        Meine Schwester wirft mir einen Blick zu, der mir sagen soll, dass ich sie ja nicht ansprechen soll.
„Vielleicht lernst du ja mal dieses Jahr jemanden kennen. Vielleicht sogar ein Mädchen“, Mutter klingt richtig erfreut.
„Vielleicht, wenn sie blind ist“, faucht sie, ich werfe ihr als Antwort einen bösen Blick zu.
         War ja klar, dass solche Aussagen von ihr kommen, nur weil ich noch keine Freundin bisher hatte und sie schon bereits ihren zweiten Freund hat. Sie ist aber auch drei Jahre älter als ich. Okay, als sie so alt war wie ich, hatte sie ihren ersten Freund, aber bin ich sie? Nein.


>=<



Nach zwei weiteren Stunden kommen wir endlich am Ziel an. Meine Eltern sind, wie immer, richtig begeistert. Sue und ich wollen dagegen am liebsten wieder nach Hause. Ich für meinen Teil fände es viel besser, wenn wir mal Zelturlaub machen würden, aber meine Eltern mögen das nicht.
„Mein Vorschlag wäre, dass wir uns um die Koffer und um die Zimmer kümmern und ihr geht zum Strand“, schlägt Mutter vor.
„Danke, kein Bedarf. Zumindest nicht, wenn er dabei ist“, Sue deutet auf mich.
„Ich kann auch alleine gehen, bin ja kein Kleinkind mehr.“
„Nicht?“
          Ich verdrehe bloß die Augen und mache mich alleine auf den Weg. Ich habe jetzt nicht die größte Lust, mich noch weiter mit ihr zu streiten, es hat ja sowieso keinen Sinn.

Dafür habe ich am Strand meine Ruhe, es ist noch zu früh, deshalb sind noch nicht so viele Leute da.
          Ich gehe am Wasser entlang und starre auf den Boden. Ich bezweifle jetzt schon, dass ich hier dieses Jahr jemanden finden werde, der mir die Ferien verschönert. Schließlich hat das die letzten Jahre auch nicht geklappt.

Ich sehe auf, einige Meter vor mir steht ein anderer Junge, etwas jünger als ich und wirft Steine in das Wasser. Er scheint genauso wenig Lust auf diesen Ort zu haben, wie ich. Soll ich ihn ansprechen? Ich entscheide mich dafür, stelle mich fast neben ihn.
„Hallo.“
          Ein wenig irritiert dreht er sich zu mir.
„Oh, hallo“, begrüßt er mich und wirft weiter Steine ins Wasser.
„Du wirkst nicht so, als hättest du wirklich Lust auf das hier.“
„Habe ich auch nicht. Ist mir zu langweilig hier“, da ist er mit mir einer Meinung.
„Mir auch. Ich bin Paul“, stelle ich mich vor.
„Sven. Freut mich, dich kennenzulernen.“
„Wie alt bist du? Ich bin 16.“
„Vor zwei Wochen 13 geworden. Warst du schon öfter hier? Ich bin das erste Mal hier, meine Eltern haben sich mal ausnahmsweise dafür entschieden, mal ans Meer zu fahren. Mir wäre es lieber gewesen, wenn wir einfach zu Hause geblieben wären“, er klingt ein wenig genervt.
„Dann alles Gute nachträglich. Aber ich kenne das Gefühl, ich war schon öfter hier und es ist verdammt langweilig. Zumindest wenn man niemanden hat, der mit einem was macht“, erzähle ich und verdrehe die Augen.
„Jetzt kennst du mich ja“, sagt er und grinst.
         Da hat er recht, so könnte der Urlaub nicht ganz so langweilig werden. Zumindest wenn er genauso lange hier ist, wie ich.

Wir reden über alles Mögliche. Er kommt aus Schwerin, hat zwei Geschwister und ist um einiges sportlicher als ich, denn er ist Ringer. Er ist mir richtig sympathisch.

Doch irgendwann taucht ein weiterer Junge auf, der etwa so alt wie ich sein müsste. Er will etwas von uns oder vielmehr von Sven.
„Ich soll dich einsammeln“, er scheint etwas schlecht gelaunt zu sein.
„Was ist denn jetzt schon wieder?“
„Sei mal ein bisschen freundlicher, Kleiner.“
„Hör auf mich so zu nennen. Ich komm ja schon, wenn´s dich glücklich macht.“
„Macht´s mich nicht, aber kann ich nichts dran ändern. Jetzt komm“, er will Sven am Arm packen, doch der wehrt sich sofort.
„Fass mich nicht an, okay?“, er wendet sich mir zu, „Wie du merkst, muss ich los. Wir sehen uns.“
         Er geht los, der Andere bleibt noch kurz bei mir stehen und mustert mich prüfend.
„Kommst du jetzt oder hast du verlernt zu laufen?“, ruft Sven ihm zu.
         Mit einem Schnauben geht der Andere dann auch. Er holt Sven schnell ein, ich beobachte die beiden noch, bis sie verschwunden sind. Das war wohl sein Bruder, zumindest sah er ihm etwas ähnlich. Die scheinen aber auch kein wirklich gutes Verhältnis zu haben.

Ich entscheide mich dazu, auch mal zurückzugehen, vielleicht gibt es ja auch was zu essen, ich habe nämlich Hunger.
         Auf dem Rückweg kommt mir meine Schwester entgegen, die mich holen sollte. Sie hat nun etwas bessere Laune, entweder gibt es wirklich gleich Essen oder sie hat irgendeinen Typen kennengelernt. Ich hoffe mal auf das Erste.

„Schön, dass ihr beide wieder bessere Laune habt“, freut sich Mutter auch und grinst, „Habt ihr schon irgendwen kennengelernt?“
„Nein, ich war nur draußen auf der Wiese und habe gelesen“, erzählt Sue und stürzt sich auf das Mittagessen.
          Ich antworte gar nicht, ich ziehe das Essen erst mal vor. Meine Eltern haben leider für nach dem Essen einen Spaziergang geplant, das heißt, es dauert ein Weilchen, bis ich wieder was mit Sven machen kann. Gut, ich kann mir vorstellen, dass er auch gleich was vor hat, aber ich finde es trotzdem blöd. Dann muss ich halt bis heute Abend oder bis morgen warten.


>=<



Am Abend gehe ich noch mal alleine an den Strand. Sue wollte erst mitkommen, aber dann ist ihr eingefallen, dass sie nicht mit mir zusammen gesehen werden will, ich würde ja die ganzen gut aussehenden Jungs verjagen.
          Ich habe sogar Glück, denn ich entdecke Sven, der im Sand sitzt und in die Ferne starrt. Ich gehe auf ihn zu und setze mich neben ihn.
„Alles gut?“
„Muss ja“, er dreht seinen Kopf zu mir, sein Gesicht sieht schrecklich aus. Sein rechtes Auge ist leicht blau gefärbt, zudem blutet seine Nase.
„Was ist denn mit dir passiert?“, frage ich erschrocken und nehme ein Taschentuch aus meiner Hosentasche und wische ihm vorsichtig das Blut weg.
          Er verzieht ein wenig das Gesicht, ehe er mir antwortet: „Mein Stiefvater ist mal wieder ein bisschen ausgerastet, ist nicht so schlimm.“
„Nicht so schlimm nennst du das? Das sieht richtig schlimm aus.“
         Er zuckt bloß mit den Schultern, ich gebe ihm das Taschentuch, damit er es sich unter die Nase halten kann.
„Komm mal mit“, ich stehe auf und ziehe ihn mit auf die Beine.

Ich gehe mit ihm zum Ferienheim zurück, auf unser Zimmer. Ich weiß, dass wir irgendwo Kühlpacks haben, diese muss ich aber erst mal suchen. 
        Doch leider sind die Wände hier sehr dünn und ich mache leichten Lärm, weshalb Mutter im Raum auftaucht und sich erkundigt, was denn hier los ist. Dabei fällt ihr Sven auf, der mitten im Raum steht und sich immer noch das Taschentuch unter die Nase hält.
„Was ist denn mit dir passiert? Ihr habt euch doch nicht etwa geprügelt?“, fragt sie dabei streng an mich gewandt.
„Nein, das war sein Stiefvater. Ich suche bloß nach etwas zum Kühlen.“
„Wie? Sein Stiefvater war das? Zeig mal her.“
         Sven nimmt langsam das Taschentuch weg, Mutter guckt sich das genauer an. Sie nimmt aus ihrer Hosentasche ein neues Taschentuch und tupft vorsichtig die Blutreste weg, es hat wohl aufgehört zu bluten.
„Tut es sehr weh?“, fragt sie beiläufig.
„Es geht“, antwortet er und verzieht kurz das Gesicht.
„Macht dein Stiefvater das öfters?“
        Er zuckt bloß mit den Schultern, als wolle er darauf nicht unbedingt antworten. Mutter fragt auch nicht weiter nach, belässt es dabei.
„Also gebrochen scheint da nichts zu sein. Es hat ja auch aufgehört zu bluten. Wohnst du hier auch im Ferienheim?“
„Ja“
„Gut. Meinst du, du bekommst jetzt noch mal Ärger, wenn du wieder zurück gehst? Ihr seid ja sicher irgendwo aufeinandergetroffen, zumindest gehe ich davon aus.“
„Ärger kriege ich sowieso, egal was ich tue“, er sieht zu Boden.
„Pass auf, wenn irgendwas ist, dann darfst du gerne wieder hierher zurückkommen und auch hier übernachten. Ist das in Ordnung?“, fragt sie.
       So kenne ich meine Mutter – fürsorglich für jeden. Das liebe ich so an ihr. Sie kann es nicht leiden, wenn Eltern ihre Kinder schlagen.
„Das kann ich doch nicht annehmen…“
„Doch, kannst du“, Mutter lächelt ihn aufmunternd an.
„Danke. Ich glaube, ich muss dann auch mal wieder los. Vielleicht sehen wir uns ja morgen. Danke noch mal“, verabschiedet er sich von uns.
       Mutter und ich sehen uns an, nachdem er gegangen ist. Wir haben wohl beide den gleichen Gedanken; hoffentlich passiert jetzt nichts weiter.


>=<



Ich habe die halbe Nacht nicht geschlafen, weil ich die ganze Zeit an Sven denken musste. Hoffentlich ist ihm nichts passiert. Hier aufgetaucht ist er jedenfalls nicht noch mal. Ich werde den Gedanken nicht los, dass doch noch etwas war. Vielleicht sehe ich ihn ja heute, dann kann ich ihn fragen. Oder ich werde es sehen, je nachdem.

Sue ist der Meinung, mich beim Frühstück die ganze Zeit wegen Sven auszufragen, ich glaube, sie hat da ein bisschen was falsch verstanden. Sie ist nämlich immer noch auf der Suche nach einem neuen Typen.
„Sue, er ist jünger als ich und hat grade ganz andere Probleme, jetzt hör auf zu nerven.“
„Nicht in dem Ton“, ermahnt mich Vater und ich verdrehe die Augen.
„Wir machen gleich einen Spaziergang, heute Nachmittag können wir dann an den Strand“, erzählt Mutter von ihrer Planung und lenkt somit vom Thema ab.
      Spaziergänge sind mir eigentlich zu langweilig, aber ich muss dennoch mit. Dabei gibt es so viele Sachen, die ich lieber machen würde, vor allem etwas mit Sven.


>=<



Sue und ich gehen schon mal vor, nach draußen, wo wir auf unsere Eltern warten. Plötzlich kommt ein Mädchen, um die 8 Jahre, auf uns zu und spricht mich an.
„Bist du Paul?“
„Ähm … Ja.“
„Ich soll dir was von meinem Bruder sagen. Er kann dich heute nicht treffen, er darf nicht raus.“
„Oh, danke.“
„Du hast gestern geholfen, oder? Darf ich dir ein Geheimnis verraten?“
„Natürlich.“
       Ich gehe in die Hocke, damit sie es mir ins Ohr flüstern kann.
„Das passiert ganz oft, unser Stiefpapa mag uns nicht, außer meinen ganz großen Bruder. Sven läuft oft weg und dann gibt es noch mehr Ärger. Mama tut nichts dagegen“, flüstert sie.
        Ich stehe wieder auf und sehe das Mädchen mit großen Augen an.
„Verena?! Haben wir dir nicht beigebracht, dass du nicht Fremden zu reden hast?!“, schreit ein Mann sie an, der aufgetaucht ist.
         Er sieht ziemlich beängstigend aus, groß, breit gebaut und eine ziemlich dunkle Miene. Sein Blick ist bedrohlich und das Mädchen scheint ziemlich Angst vor ihm zu haben. Das ist wahrscheinlich der benannte Stiefvater.
          Der Mann packt das Mädchen am Oberarm und zerrt sie mit sich.
„Komm!“
„Aua! Du tust mir weh!“, jammert sie vor Schmerz.
„Sei still!“
„Tun Sie ihr doch nicht weh!“, mir tut dieser Anblick im Herzen weh.
          Doch das war wohl ein Fehler, denn er dreht sich zu mir um, sein Blick ist noch bedrohlicher geworden. Er kommt einen Schritt auf mich zu und sieht auf mich herab.
„Misch dich da nicht ein, Bürschchen! Was erlaubst du dir?!“, brüllt er mich an.
        Plötzlich ist mein gesamter Mut verschwunden, ich habe eher Angst, dass der mich gleich schlägt. Ich sage am besten gar nichts mehr dazu, sonst habe ich gleich wirklich ein Problem.
„Halt dich bloß von uns fern“, droht er und verschwindet dann mit dem Mädchen.
„Wer war das denn?“, fragt Sue erschrocken.
„Das war Svens Stiefvater, der ist ja noch schlimmer, als ich ihn mir vorgestellt habe.“
„Mit so einem würde ich das keine Minute aushalten“, meint sie daraufhin und da bin ich ausnahmsweise Mal mit ihr einer Meinung.

Jetzt habe ich noch mehr Sorge, dass gestern noch etwas passiert ist. Vielleicht wollte Sven dann ja wieder zu uns, aber er hatte keine Chance, wurde vielleicht eingeschlossen.
„Was guckt ihr denn so komisch?“, erkundigt sich Vater, als unsere Eltern dann auch endlich mal da sind.
„Wir haben grade Bekanntschaft mit Svens Stiefvater gemacht.“
„Er hat Paul angeschrien, weil der Typ einem Mädchen wehgetan hat und er helfen wollte“, erzählt Sue direkt.
„Was? Niemand hat das Recht, meine Kinder anzuschreien. Wenn ich den erwische“, Vater sieht ziemlich sauer aus.
„Dieser Mann scheint ja wirklich ein Schlimmer zu sein. Hast du Sven heute schon gesehen?“
„Nein. Das kleine Mädchen war seine Schwester und die hat mir gesagt, dass er nicht raus darf. Wahrscheinlich hat er gestern doch noch richtig Ärger bekommen“, berichte ich.
        Mutter schüttelt den Kopf, sie hofft genauso wie ich, dass nichts Großartiges passiert ist.


>=<



Als wir grade auf dem Rückweg zum Ferienheim sind, ich gehe etwas voraus, kommt uns Sven entgegen. Verwundert begrüße ich ihn.
„Ich dachte, du dürftest nicht raus.“
„Die machen irgendeinen Ausflug und ich bin aus dem Fenster geklettert, war ja nur der 1. Stock. Ich muss nur rechtzeitig wieder zurück sein.“
„Hast du gestern noch ziemlichen Ärger bekommen?“
„Er hat mich nur angebrüllt und meine Mutter hat mir mal wieder eine Ohrfeige verpasst. Ansonsten war alles in Ordnung.“  
„Und wann musst du wieder zurück sein?“
„Irgendwann gegen Abend, die sind den ganzen Tag weg. Hat Verena meine Nachricht übermittelt?“
„Ja, hat sie. Ich habe auch deinen Stiefvater kennengelernt, der Typ ist ja echt Angst einflößend. Wie kann deine Mutter nur mit so einem zusammen sein?“
„Zu ihr und meinem Bruder ist er ja nett, nur zu Verena und mir nicht. Weil wir die Jüngeren sind, nur der Erstgeborene ist der Wichtige. So ist das Prinzip bei uns.“
„Was ist denn mit deinem Vater, wenn ich fragen darf?“
„Keine Ahnung, ich habe ihn mit sechs oder sieben Jahren das letzte Mal gesehen. Er war einfach weg, von einem Tag auf den Anderen. Er war immer für Verena und mich da, während meine Mutter immer nur auf meinen Bruder fokussiert war. Und dann war er einfach weg. Ich habe nie wieder was von ihm gehört, meine Mutter hat den Kontakt verboten“, erzählt er mir und wirkt dabei ziemlich traurig darüber, dass er seinen Vater nicht mehr hat.
„Das tut mir leid“, sage ich und lege eine Hand auf seine Schulter.
„Ist schon gut, mittlerweile komme ich damit klar mit diesem Alltag oder wie man das nennen mag.“
           Wir bleiben stehen, ich sehe ihn mitfühlend an. Ich finde es traurig, dass jemand so ein Leben führen muss. Und ich nehme mir vor, dass ich ihm wenigstens diese Woche verschöner, das wäre wenigstens etwas.
„Ich wüsste grade ehrlich gesagt nicht, was ich ohne dich machen würde“, meint er und wird etwas rot im Gesicht, was mich zum Schmunzeln bringt.
„Ich denke mal, dass du ohne mich jetzt in deiner Ferienheimwohnung sitzen würdest, dich langweilen würdest und irgendwann würdest du durchdrehen.“
„Vermutlich.“
           Wir fangen beide an zu lachen. Schon besser, Lachen macht immer alles besser. Ich beschließe einfach, ihn mit zum Strand zu nehmen, dann kommt er auf andere Gedanken. Aber Hauptsache ist, dass er nachher wieder rechtzeitig im Ferienheim ist, bevor seine Familie zurückkommt und er noch mehr Ärger kriegt, das will ich nicht.


|-|



Es ist Abreisetag, nicht nur wir reisen ab, sondern auch Svens Familie. Wir waren gestern bis tief in die Nacht noch am Strand und haben einfach nur über alles geredet, was wir hier so gemacht haben und auch noch über Themen, über die wir bisher noch nicht gesprochen haben.
       Leider wohnen wir so weit auseinander, da ist es nicht einfach, sich noch mal wieder zu sehen.

Kurz vor der Abfahrt stehen wir auf dem Parkplatz zur Verabschiedung, ich fahre vor ihm los. Sein Stiefvater hätte eine Verabschiedung wahrscheinlich gar nicht erlaubt. Er hat uns einmal zusammen am Strand gesehen und er ist direkt wieder ausgeflippt. Er will nicht, dass Sven sich mit mir abgibt, aber Sven ist das natürlich herzlich egal. Meine Eltern hingegen mögen ihn, Sue tatsächlich auch. Normalerweise kann sie meine Freunde überhaupt nicht ab.

„Schade, dass es schon vorbei ist“, sage ich und starre ins Wasser.
„Ja, du hast mir die Ferien echt verschönert. Auch wenn wir uns nicht ständig sehen konnten.“
„Ohne dich wäre es ziemlich langweilig hier geworden. Danke dafür auf jeden Fall“, bedanke ich mich und grinse.
„Schade, dass wir so viele Kilometer voneinander entfernt wohnen. Ich würde dich echt gerne mal wieder sehen, aber das wird wohl nicht gehen“, etwas bedrückt sieht er zu Boden.
         Ich greife in meine Hosentasche und ziehe einen kleinen Zettel heraus, überreiche ihm diesen.
„Das ist meine Adresse, dann könnten wir uns wenigstens schreiben und wir vergessen uns nicht ganz“, meine ich.
„Wie könnte ich dich vergessen. Danke“, er grinst auch, „Ich hab auch noch was für dich.“
         Er streift sich eines seiner Armbänder vom Handgelenk und drückt es mir in die Hand. Natürlich mache ich es mir sofort ums Handgelenk. Das werde ich in Ehren halten.
         Wir umarmen uns lange, ich will ihn gar nicht mehr loslassen. Er ist mir in dieser kurzen Zeit so verdammt wichtig geworden und ich habe wirklich einen echten Freund gefunden.
„Paul?“, unterbricht uns Sue, „Wir müssen los.“
          Ich lasse ihn wieder los, leider.
„Mach´s gut. Ich verspreche dir, dass wir uns noch mal wieder sehen, schon recht bald.“
„Und wehe du brichst es“, er muss grinsen, ich ebenfalls.

Ich steige ins Auto, sehe durch die Heckscheibe. Vater startet den Motor und fährt los. Er sieht uns nach, ich sehe auch so lange nach hinten, bis er nicht mehr zu sehen ist. Ich vermisse ihn jetzt schon, ich hatte bei ihm das Gefühl, einen Seelenverwandten gefunden zu haben.
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