Irgendwann... // Irgendwie...

GeschichteAllgemein / P16
Ziva David
28.09.2018
12.02.2020
67
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Staffel 11//Oktober 2013
Prolog

Nebeneinander verließen sie das Flughafengebäude. Ihre Gedanken hingen noch an den letzten Tagen, während sie in den frischen Abend hinaus traten, an dessen fast schwarzem Himmel die Sterne funkelten. Der Flugplatz wurde von Flutlichtern erhellt und das Flugzeug, in das er gleich einsteigen würde stand bereits bereit.
Am Rand des Flugplatzes stoppten sie, während ihre Gedanken ihr versuchten klar zu machen, dass so einiges von dem, was in den letzten Tagen passiert war wohl nicht hätte passieren dürfen. Doch wahrscheinlich würde es ohnehin auf ewig ihr beider kleines Geheimnis bleiben.
Sie drehte sich zu ihm, sah ihn an. Er blickte weiter zum Flugzeug.
„Du kannst es dir immer noch überlegen.“ Er wandte sich ihr zu, sein Flug wurde auf Englisch ausgerufen. Sie sah ihn nicht an, wandte den Blick ab, antwortete nicht. Er seufzte.  „Was soll ich bloß unseren Freunden sagen?“
Sie wandte sich ihm wieder zu, hatte Tränen in den Augen. „Dass du völlig recht hattest, dass ich neu anfangen muss.“
„Ja, schon, aber wir beide wissen genau, das ist nicht genug für Abby.“
Sie lächelte leicht als sie an die Forensikerin dachte. „Dann sag ihr, dass ich…“ Sie stoppte kurz, überlegte, wie sie sich ausdrücken sollte bevor sie wieder ansetzte: „Gibbs alle Ehre mache.“
„Gibbs?“
„Ich werde es für ihn beenden.“
„Natürlich, Gibbs.“
„Er soll stolz auf mich sein. Er hat mir beigebracht auf mein Herz zu hören und ich weiß, ich muss… Egal was es ist, ich werde es allein tun müssen. Ich muss alles los lassen, sonst wird es mich wieder dorthin ziehen wo es angefangen hat. Richte Abby das von mir aus, sie wird es verstehen.“
„Das mache ich. Und was ist mit Gibbs? Willst du ihn anrufen?“
„Ich weiß es nicht.“
„Wenigstens anrufen.“
„Ich weiß nicht, ob ich es kann.“
„Du wirst es schon schaffen, du weißt, wie er am Telefon ist, krankhaft schweigsam.“
Sie lachte über die Tatsache, die er über ihren Boss erzählte, während ihr weitere Tränen die Augen füllten.
„Du wirst kaum merken, dass er dran ist. Er kann zuhören.“
Kurze Stille entstand, in der ihr Verlangen ihm die nächsten Worte zu sagen zu groß wurde um es noch weiter zu unterdrücken. „Tony, du wirst…“
Er kam näher und lächelte. „Immer witziger, gutaussehender, was?“
Sie atmete tief durch. „So geliebt.“
Er sah ihr tief in die Augen, strich mit der Hand über ihre Wange, ließ sie dann zwischen ihren Haaren in den Nacken gleiten, bevor sich ihre Lippen trafen. Seine schmeckten Salzig, doch das kam wohl von ihren eigenen Tränen, kam es ihr in den Kopf.
Ihr war klar, dass sie spätestens jetzt Regel #12 verletzt hatten. Doch selbst wenn diese noch für sie gelten würde, war sie froh dem jahrelangen Verlangen endlich nachgeben zu können.
Kurz lösten sie sich voneinander, bevor sich ihre Lippen noch einmal kurz trafen.
Sie sahen sich wieder an. Er hatte noch immer die Hand in ihrem Nacken. Die Tränen standen ihr in den Augen. Das würde nun nicht leicht werden, ging es ihr durch den Kopf.
„Also“, er stoppte bevor er weiter sprach. „Das ist nicht leicht.“
Sie sahen sich einfach nur an und ein trauriges Lächeln umspielte ihre Lippen. Die Tränen liefen ihr nun vereinzelt die Wangen hinunter. Nein, das war auf keinen Fall leicht, es war das Schwerste und vielleicht Dümmste, was sie je getan hatte, doch sie wusste, dass sie es tun musste.
Er löste sich von ihr und ging rückwärts in die Richtung des Flugzeugs, er konnte sie nicht aus den Augen lassen. Und auch ihr Blick folgte ihm.
„Es war noch nie so schwer mich umzudrehen.“
Sie lächelte leicht, als er sich schlussendlich doch umdrehte, doch ihr Blick folgte ihm weiter. Die Trauer des Abschieds versuchte sie zu übermannen, Tränen rollten immer öfter ihre Wangen hinab. Eigentlich wollte sie ihn und das was sie hatten nicht gehen lassen, doch sie musste.
Sie beobachtete, wie er die Treppe hoch stieg. Er sah sie noch mal an. Sie lachte Leicht, er hob zum Abschied die Hand, lächelte dabei und betrat dann das Flugzeug.
Das Lächeln auf ihren Lippen erstarb. Nun war sie wirklich allein, sie hatte sich gerade für immer von dem Mann verabschiedet, den sie liebte, doch gesagt hatte sie es ihm nie. Sie hatte es Abby erzählt, als diese versucht hatte es auch ihr heraus zu bekommen oder eher aus ihr herauszubekommen, ob oder was zwischen ihnen beiden lief.
Und nun war auch die letzte Chance vertan es ihm zu sagen, nur eines hatte er noch von ihr, von dem er noch nichts wusste, es jedoch bald finden würde, dessen war sie sich sicher. Sie wollte nach ihrer Kette greifen, ein einfacher Reflex, der sie an das Fehlen dieser erinnerte. Sie war in der Innentasche seiner Jacke. Ein Andenken, vielleicht auch ein Versprechen.
Sie wandte sich ab, als das Flugzeug startete. Sie musste ihr Leben in den Griff bekommen, alles mit sich selbst ins Reine bringen, vielleicht würden sie sich dann eines Tages wiedersehen, als Freunde. Sie hoffte zumindest, dass sie sich dann wiedersehen würden.
Sie musste nur noch Gibbs anrufen, ging es ihr durch den Kopf, und ihn von ihrer Entscheidung unterrichten.

Es war Morgen geworden, Die Sonne strahlte hell in die Küche des Farmhauses. Sie griff nach ihrem Handy und lehnte sich an die Arbeitsplatte. Sie musste Gibbs anrufen, sonst würde sie es wohl nie tun und nur vor sich her schieben.
Sie wählte die ihr wohlbekannte Nummer ihres ehemaligen Vorgesetzten, der Freizeichenton erklang. Ein Mal, ein zweites Mal. Niemand nahm ab. Ein drittes Mal. Noch immer Stille. Ein viertes Mal, ein fünftes Mal. Niemand ging ran. Vielleicht hatte Gibbs sein Handy nicht bei sich und sie sollte es später noch ein Mal versuchen, ging es ihr durch den Kopf, doch sie wusste, dass sie es dann möglicherweise aufschieben und hoffen würde, dass Tony ihn von ihrer Entscheidung unterrichtete.
Ein sechstes Mal hörte sie den Freizeichenton an ihrem Ohr. Noch immer Stille.
„Hey, Ziva.“ Gibbs Stimme am anderen Ende ließ sie aus ihren Gedanken hoch schrecken.
„Hey, Gibbs.“ Sie wusste nicht, was ihr ehemaliger Boss hatte, aber sie hörte die leichte Kraftlosigkeit in seiner Stimme. Doch sie wollte es gar nicht wissen, durfte es wahrscheinlich gar nicht wissen.
„Warum rufst du an?“ Gibbs redete nie viel am Telefon, kam immer sofort zum Thema und so unterbrach seine Stimme die kurz entstandene Stille.
„Ich komme nicht zurück.“ Die Worte lagen schwer auf ihrer Zunge und hingen danach genauso schwer zwischen ihnen, nachdem sie diese ausgesprochen hatte. „Du hast mir beigebracht meinem Herzen zu folgen und nicht einfach nur Befehlen. Und genau das werde ich jetzt tun, meinem Herzen folgen.“
Gibbs wiedersprach ihr nicht, er schwieg.
„Ich habe in den letzten Monaten herausgefunden, dass ich sehr viele Fehler gemacht habe und mit diesen muss ich nun abschließen. Und das kann ich nur alleine. Ich muss alles los lassen, damit es mich auf keinen Fall dorthin zurück zieht, wo es angefangen hat.“ Sie merkte wie Tränen begannen ihre Wangen hinab zu laufen. Dieser Mann war in den letzten Jahren mehr zu einem Vater für sie geworden als es ihr eigentlicher je gewesen war. Das Ganze konnte sich in den nächsten Monaten als größter Fehler ihres Lebens herausstellen und es würde schwer, gar unmöglich werden das alles wieder rückgängig zu machen.
Gibbs schwieg noch immer. Tony hatte recht gehabt, doch das hatte sie schon längst gewusst. Gibbs hörte ihrer Erklärung einfach nur zu.
„Ich hoffe, dass du das verstehst.“ Sie musste wahrscheinlich gar nicht nachfragen, ob er es verstand. Er hatte immer nur das Beste für sie gewollt, all die ganzen Jahre.
„Hast du mit DiNozzo geredet?“, kam als erstes von ihm zurück, ging nicht auf ihre Nachfrage ein.
„Ja, habe ich. Ich denke er kommt damit klar. Er sollte in einigen Stunden landen.“
„Dann ist ja alles geklärt.“
„Ja, ist es.“ Irgendwie fand sie es angenehm, dass Gibbs es einfach so hin nahm und keine weiteren Nachfragen stellte, doch weiterhin liefen ihr die Tränen die Wangen hinab.
„Du weißt, dass wir dich hier vermissen werden, oder?“, unterbrach er dann die kurze Stille, die entstanden war.
„Ja, das weiß ich.“
„Wenn irgendwas ist, kannst du dich jederzeit melden.“
„Ja, das mache ich.“ Nein, sie würde es nicht machen, ging es ihr durch den Kopf. Sie musste mit der Vergangenheit abschließen, sie war der Grund für zu viel Leid.
„Vielleicht sehen wir uns ja eines Tages wieder. Es wäre auf jeden Fall schön.“
„Dem kann ich nur zustimmen, doch nichts versprechen.“
„Wer kann das schon.“ Er lachte leise.
Sie lächelte. „Da hast du recht.“
Stille, leise Stille, die nur vom Rauschen der Leitung begleitet wurde.
„Mach es gut, Ziva, und pass auf dich auf.“
„Du auch Gibbs.“
Ein leises Knacken war in der Leitung zu hören, dann ein lautes Tuten. Gibbs hatte aufgelegt. Nun hatte sie alles aus ihrem alten Leben verbannt, sie musste neu anfangen, ganz neu.
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