Ein Brief an meine alte Freundin Anne

GeschichteAngst, Schmerz/Trost / P12
Anne Frank
27.09.2018
27.09.2018
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Dieser Brief ist eine alte Deutsch-Hausaufgabe von mir, die schon über ein Jahr alt ist (Ich habe den Text mit 13 geschrieben). Er wurde von einer fiktiven Freundin von Anne Frank geschrieben, die irgendwie auf einen von Anne's Tagebucheinträgen gestoßen ist. Ich habe diesen Text komplett selbst geschrieben, ohne irgendwelche Metaphern von jemand anderem zu benutzen oder Hilfe eines Erwachsenen zu erhalten. Wer meine andere FF kennt weiß, dass dies eigentlich nicht mein Schreibstil ist und ich würde mich deswegen über ein paar Reviews freuen. Danke.


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Liebe Anne,

wahrscheinlich wirst du diesen Brief nie lesen; nie sehen, dass du noch eine Freundin hast, die an dich und Hannah denkt und täglich betet, dass euch nie etwas Schlimmes widerfahren möge. Doch auch ich bin machtlos, machtlos gegen die Machtgier und die Zerstörung.
Ich habe dich immer als unbeschwertes gesehen; liebenswert, aufgeweckt und immer gut gelaunt, ein wahrhaftig lebhafter Backfisch!
Doch die Zeiten des Krieges sind so grausam, dass sie selbst den schönsten Blumen die Farbe rauben und das hellste Licht löschen können. Wir sind die verdammten Kinder des Krieges, dazu bestimmt, auseinander gerissen und sowohl körperlich, als auch seelisch misshandelt und verstümmelt zu werden.  Bestimmt, aneinander zu denken, mit Wut und Verzweiflung und Hoffnung, dass den anderen nichts passieren möge. Schmerzlich denke ich immer an die grausamen Dinge, die dir und Hanneli wohl schon widerfahren sind, und doch kann ich nie bestimmt sagen, was davon wahr ist. Dies ist wahrscheinlich das Schlimmste daran: Nicht zu wisen, wie es den anderen geht, ob sie vielleicht doch sicher sind oder es schlimmer ist, als man zu denken wagt.
Ich dachte jedoch immer, dass ein so munteres und aufgewecktes Mdchen wie du selbst den harten Zeiten des Krieges mit erhobenem Haupt entgegentreten und sie mit Hoffnung und Liebe, die in dieser Welt viel zu knapp sind, überstehen könnte. Wenn ich jedoch deinen Brief lese, wird mir bewusst, dass niemand sich vor den Geschützen dieser Zeit hinter einer Mauer von Zuversicht verstecken kann und selbst du tiefe seelische Wunden erhielst, die nicht so schnell verheilen und hässliche, bedrückende Narben hinterlassen werden.

Der Eintrag, von dem ich sprach, war der vom 27. November 1943, ein Tag, der nun bald ein Jahr zurückliegt. Die Geschichte, wie ich dazu kam, etwas so Intimes von dir zu lesen, ist lang und nicht in einem Brief beantwortbar. Es überraschte mich auch zu erkennen, dass die Anne, die diesen Brief geschrieben hatte, meine Anne war; meine Freundin, die ich in Sicherheit geglaubt hatte. Denn wie alle anderen auch dachte ich, dass du in die Schweiz geflohen wärst , wo du nun sicher vor den Nazis versteckt wärst. Umso mehr überraschte es mich, etwas von dir Geschriebenes aus Holland zu sehen, und bevor ich nun fortfahre, möchte ich dir mitteilen, dass du mir leid tust.
Aufrichtig leid; so sehr, dass ich das Gefühl habe, mein herz würde zerspringen, wenn ich an dich denke. Es tut mir leid zu sehen, wie schöne Blumen wie du, und auch Hanneli, von den Füßen der Nazis gewaltsam zertrampelt werden.
Mein Herz bricht noch mehr, wenn ich sehe, wie du dir die Schuld an Hannahs Zustand gibst. Anne, ich möchte dir sagen, dass dies nicht der Fall ist; ich möchte dir sagen, dass du ihr alleine durch deine Freudschaft schon eine leichtere Zeit beschert hast, denn es ist leichter der Zukunft ins Auge zu blicken, wenn man weiß, dass man Freunde hat, die an einen denken und für einen beten und hoffen.

So möchte ich dich wissen lassen, dass ich für dich bete und dass ich dich nie vergessen werde! In meiner letzten Stund' werde ich an euch beide denken und wenn ich es schaffe, alt zu werden, werde ich meinen Kindern von euch erzählen! Ich werde ihnen von deiner Schönheit und Lebensfreude erzählen, die du hoffentlich immer noch in deinem Herzen trägst!

Wir sind vielleicht Kinder des Krieges, aber zusammen können wir zumindest hoffen und mit der Kraft unserer Vergangenheit eine schöne Zukunft erbeten!

Deine Freundin, jetzt und immer,
Rachel Gerstmann
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