Shadows in the wind

GeschichteAbenteuer, Fantasy / P12
27.09.2018
09.12.2018
12
19919
4
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Das Rathaus war, wie die restlichen Gebäude des Dorfes, komplett aus Holz gebaut. Im Gegensatz zu den anderen hatte es jedoch Fenster aus Glas anstelle der einfachen Holzvergitterungen. Außerdem war es eines der wenigen zweistöckigen Gebäude. Das andere war die Taverne.

Vor dem Rathaus standen zwei Wachen, die etwas kleinere Wache stand links neben der Tür und die größere direkt davor. Die Tür sah leicht angekokelt aus. Beide Wachen wirkten so, als würden ihnen die Rüstungen nicht besonders gut passen.

Melinda ging einfach an den Wachen vorbei durch die Tür hindurch. Als Shadow jedoch das Gleiche versuchte, streckte der Wachmann den Arm aus und sie lief dagegen. Fragend sah sie ihn an. "Ich lasse doch nicht einfach irgendwelche Leute in das Rathaus", sagte er mit tiefer und leicht genervt klingender Stimme. Shadow widersprach: "Na, aber Melinda haben sie doch auch reingelassen". "Die wohnt ja auch hier im Dorf".

Nun mischte sich Renadrin in das Gespräch ein. "Guten Tag, mein Name ist Renadrin Ssear, wir wollten in das Rathaus, um dem Dorf Hilfe mit dem Wolfsproblem anzubieten." Die Wache war immer noch genervt, aber etwas weniger unfreundlich. "Nagut, ich muss euch allerdings vorher anmelden".

Er schob Shadow mit seiner Hand zurück und bewegte sich seitlich durch die Tür. Kaum war er hindurchgegangen, schlug ein kleiner Feuerball in den Türrahmen ein. Es entstand kein großer Schaden, die Tür sah nur ein bisschen dunkler aus als vorher. Sekunden später flitzte Melinda aus der Tür.

Sie stellte sich etwas abseits hin und schien zu warten. Als der Wachmann zurück kam, war sein Bart angesengt und auch von seinen Haaren fehlte ein kleines Bisschen. "So ein Scheiß-Job", beschwerte er sich. "Und dann muss ich mich auch noch mit diesem Halbling herumschlagen". Er nickte Shadow Richtung Rathaustür zu, und setzte sich mit verschränkten Armen auf einen Stuhl rechts neben der Tür.

Den immer noch vor sich hin grummelnden Wachmann nicht weiter beachtend ging Shadow in das Rathaus hinein. Renadrin folgte ihr. Beide waren sehr erstaunt zu sehen, dass die Wände von innen aus Stein waren, es existierten also quasi zwei Wände. Auch mit dem Boden aus Marmor hätten sie nicht gerechnet. An der einen Wand befand sich eine sehr breite Tür, die bis zur Decke reichte. Shadow klopfte an und vernahm ein "Herein".

Als sie eintrat, sah sie eine Elfin an einem Tisch sitzen. Die Elfin hatte schwarze Haare und sehr helle Haut. Ungewöhnlich waren ihre grünen Augen, Shadow konnte sie keiner bestimmten Rasse zuordnen. Auf jeden Fall sah sie schön aus.

Die Bürgermeisterin saß an einem Tisch mit genau drei Stühlen und blätterte durch eines der vier Bücher, die sie vor sich liegen hatte. Hinter ihr befanden sich einige komplett vollgestellte Bücherregale, nur in einem schien es, als würden vier Bücher fehlen. "Interessant", war das Erste, was sie sagte, als sie aufschaute und Renadrin sah. Er fühlte sich sichtlich unwohl, aber sprach sie trotzdem an. "Guten Tag, wir sind hier, um Ihnen mit ihrem Wolfsproblem zu helfen". Sie sah nicht sehr begeistert aus. "Wenn es denn nur Wölfe wären. Wir haben ein größeres Problem mit den Untoten, die den Wald unsicher machen". Shadow und Renadrin wechselten einen Blick. "Ob Wölfe oder Untote, es macht keinen großen Unterschied für uns. Solange wir eine passende Belohnung bekommen jedenfalls", sagte Shadow.

"Nun gut", die Bürgermeisterin blätterte in ihrem Buch. "Ihr seid die zwanzigste Gruppe von Abenteurern, die losgezogen sind, um unser Problem zu lösen. Vielleicht haben Sie ja mehr Erfolg". Wirklich überzeugt schien sie nicht zu sein. "Ich gehe mal davon aus, ihr nehmt Melinda mit?" Shadow nickte. Die Bürgermeisterin seufzte. "Passt nur auf, dass sie am Leben bleibt. Sie ist unsere einzige Händlerin hier im Dorf. Wie waren eure Namen?" "Shadows in the wind", und "Renadrin Ssear" waren als Antworten zu hören.

"Wie sieht es denn nun mit der Belohnung aus?", fragte die Tabaxidame. "Sie bekommen fünf Silber pro erledigten Wolf und zehn für jeden erledigten Untoten. Sie müssen allerdings einen Beweis mitbringen". Renadrin überlegte. "Klingt fair. Was denn zum Beispiel?" "Die Rute von einem Wolf, oder so etwas in der Art." Die Bürgermeisterin dachte nach. "Wenn ihr den Förster findet und ihn heile nach Hause bringt, bekommt ihr 200 Gold. Er wurde nämlich von Untoten entführt", fügte sie hinzu.

Nachdem noch einige Informationen ausgetauscht wurden, machten sich die zwei auf den Weg nach draußen, um Melinda auf den neuesten Stand zu bringen. Sie beschlossen, die Belohnung gleichmäßig aufteilen zu wollen und von dem schwer aufteilbaren Rest Dinge zu kaufen, die sie für ihre gemeinsame Aufgabe benötigen könnten. So machten sich die drei auf Richtung Wald. Sie wollten den Händlerweg nehmen, nach einem Zweitagesmarsch würden sie dort auch an der Hütte des Försters vorbeikommen. Inzwischen war es Nachmittag geworden.

Den Eingang in den Wald hätten sie fast übersehen, wären da nicht Reifenspuren von Kutschen gewesen. Shadow schaute sie sich genauer an, aber bis auf zusätzliche Fuß- und Hufspuren konnte sie nichts entdecken. Renadrin übersah selbst die. "Na dann mal los", schlug Shadow vor. "Ich würde sagen, wir schleichen, damit wir niemanden auf uns aufmerksam machen". Renadrin stimmte zu: "Das halte ich für eine gute Idee. Ich habe nämlich auch schon Wölfe gehört. Wie viele es sind, kann ich allerdings nicht genau sagen."

So schlichen sie los in den Wald. Shadow und Renadrin hätten es auch erfolgreich geschafft, wenn Melinda nicht wäre. Gut gelaunt und ohne es zu bemerken, trat sie auf fast jeden Ast in ihrem Weg. Renadrin rollte die Augen. Sie hätten sich aber auch umschauen sollen statt nur leise zu sein, denn auf einmal wurde Melinda von Wölfen angegriffen.

Wegen ihres lauten Gehens waren zwei Wölfe auf sie aufmerksam geworden und um die Gefährten herumgeschlichen. Durch den Überraschungsangriff hatte Melinda keine Zeit sich zu wehren und wurde von dem ersten Wolf zu Boden gerissen. Auch der Zweite schnappte nun zu, Melinda blutete stark und sah sehr geschwächt aus.

Renadrin reagierte schnell und griff den ersten Wolf an. Es war anscheinend kein besonders starker Angriff, denn der Wolf nahm kaum Schaden. Shadow griff ein. Sie attackierte den zweiten Wolf , der immer noch auf Melinda fokussiert war. So hatte sie einen Vorteil ihm gegenüber und konnte ihn mit ihren Rapier treffen.

Leider reichte es nicht aus, um den Wolf zu töten, er sah aber wenigstens schon ziemlich mitgenommen aus. Als der zweite Wolf, nun auf Renadrin fokussiert, diesen angreifen wollte, konnte Renadrin ausweichen. Der Wolf überschätze seine Geschwindigkeit und landete mit dem Kopf voran auf dem Waldboden. Wie er es dabei schaffte, sich selber so hart zu beißen, dass er daran starb, konnte Renadrin sich nicht erklären. Aber es lag ihm fern, sich darüber zu beschweren.

Als der zweite Wolf Melinda erneut angreifen wollte, streckte sie ihm ihre Hände entgegen und wirkte einen Zauber. Der Wolf verbrannte schlagartig, einzig die Knochen blieben von ihm übrig. Einige Sekunden stand das Skelett wie eingefroren da, dann brach es zusammen.

Renadrin und Shadow eilten zu Melinda. "Wir sollten vielleicht eine Pause machen, damit du dich erholen kannst". Renadrin stimmte Shadows Vorschlag zu. "Wer hält Wache? Ich brauche nur vier Stunden Schlaf und kann deshalb die zweite Hälfte übernehmen oder mithelfen." "Melinda braucht ihre Pause. Ich bin allerdings kaum erschöpft und kann gerne die Wache übernehmen", sagte Shadow.

So machten sie es. Melinda legte sich schlafen und Shadow hielt alleine Wache, bis Renadrin aufwachte. "Wir sollten die Beweise mitnehmen, damit wir unsere Belohnung bekommen". Shadow nickte und nahm den Wolfsschädel auf. Renadrin versuchte unterdessen, die Rute von dem zweiten Wolf zu entfernen. Dabei fiel ihm etwas auf: "Das sind keine normalen Wölfe. Es sind Untote". Angeekelt schaute er auf den madenzerfressenen Körper des Wolfes. Auch Shadow verzog das Gesicht.

"Mitnehmen müssen wir es trotzdem, sonst war der Kampf umsonst". Renadrin trennte die Rute perfekt ab und band sie an seinen Rucksack. Mit einem Blick auf Melinda sagte Shadow: "Wir sollten sie glaube ich säubern, nicht dass ihre Wunden sich entzünden". Außerdem gefiel ihr das Gesicht von Melinda und unter dem ganzen Blut kam es nicht genug zur Geltung. Während Shadow mit Melindas Äußerlichkeiten beschäftigt war, nutze Renadrin den Zauber Fingerfertigkeit (prestidigitation), um Melinda von dem Blut zu befreien.

Beide setzten sich auf den Waldboden. "Soviel zu 'Ich werde sie beschützen' ", murmelte Shadow enttäuscht von sich selbst. Dann richtete sie ihre Aufmerksamkeit wieder auf ihre Nachtwache. Still betrachteten sie nun ihre Umgebung und lauschten den Geräuschen des Waldes. Es wurde dunkel genug, dass Renadrin seinen Sonnenschutz abnehmen konnte. Eine Weile lang saßen die Beiden einfach schweigend beieinander. Dadurch, dass sie zu zweit waren, konnten sie sich besser konzentrieren und hörten so den Schrei einer vermutlich männlichen Person.
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