Shadows in the wind

GeschichteAbenteuer, Fantasy / P12
27.09.2018
09.12.2018
12
19919
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Das Abenteuer begann an einem frühen Morgen in der Anfangsphase des Sommers. Die graue Tabaxidame Shadow saß mit ihrer neugewonnenen Bekanntschaft in der Taverne des Dorfes Tiel, als die Tür sich öffnete.

Shadow schaute neugierig dem eingetretenen Gast entgegen. Es war eine vermummte Gestalt, circa 1,60m groß, von der nur die leuchtend weißen Augen zu sehen waren. Unauffällig richtete Shadow ihre Ohren auf, um zu hören, was als nächstes passierte. Ihr Blick wanderte jedoch wieder zu Melinda, ihrer Begleitung. Die kleine Halblingdame schien nicht zu bemerken, dass sich überhaupt etwas verändert hatte und redete munter weiter.

Über ihr Geplauder hinweg verstand Shadow nur Gesprächsfetzen des Unbekannten, der sich inzwischen zur Theke bewegt hatte. Wie es schien, bestellte er sich ebenfalls einen Met. Shadow sah die Überraschung in der Körperhaltung des Vermummten, als der Gastwirt Marko Gutbrandt das Getränk direkt aus dem Fass in das Horn schüttete. Zugegeben, Shadow selbst war beim ersten Mal auch überrascht, dass ein so alter Mensch noch so viel Kraft hatte.

Als die Person sich in Richtung des Tisches begab, an dem Shadow mit Melinda saß, gab Shadow weiterhin vor, sich mit der Halblingsdame zu unterhalten. Erst als der Vermummte sich an Melinda wandte, richtete Shadow ihre Aufmerksamkeit auf ihn. Melinda tat es ihr gleich. "Guten Tag, ich habe gehört, Sie leiten den Gemischtwarenhandel hier?" , fragte er mit einer melodischen und etwas rauen Stimme.

"Ja, guten Tag, das mache ich in der Tat, aber ich öffne erst in einer Stunde, es ist ja auch erst sieben, also wenn Sie noch etwas warten würden, mache ich dann auf. Sie können ja solange ihren Met austrinken oder so", redete Melinda drauf los. Etwas irritiert durch den Wortschwall, der ihm so schnell entgegengeworfen wurde, bedankte sich der Vermummte: "Okay, danke, dann bis später."

Gerade als er sich umdrehen wollte, um den Met an einem der leeren Tische an der gegenüberliegenden Seite des Raumes zu trinken, lud Shadow ihn ein, sich dazu zu setzen. Sie wollte mehr über diese interessante Person erfahren.

Er nahm das Angebot an und setzte sich zu ihnen an den Tisch. Man musste ihm zugute halten, dass er keine Reaktion zu Melindas blauer Haut und dem dementsprechend umso mehr auffallenden, weißen, künstlichen Arm zeigte. Als Shadow sie das erste Mal traf, war ihre Haut noch normalfarben gewesen, aber durch einen schiefgegangenem Zauber verfärbte sie sich blau. Es hätte schlimmer kommen können, es gab Geschichten darüber, dass Melinda einmal das ganze Dorf für zwei Stunden in Schafe verwandelt hatte.

Einen kurzen Moment herrschte unangenehme Stille. Die Halblingdame durchbrach die Stille mit einigen Fragen: "Wo kommen Sie her und was führt sie in dieses Dorf? Ach ja, und wie heißen sie eigentlich?" Bevor der Vermummte Zeit hatte zu antworten, sprach sie weiter: "Ich bin Melinda die Flinke, aber Sie können mich Melinda nennen. Das hier neben mir ist Shadow. Ihr voller Name ist Shadows in the Wind und sie kam gestern schon hierher, um in meinem Laden ihre Vorräte aufzustocken. So ähnlich wie Sie also. Naja jedenfalls hat sie mich dann hier auf einen Drink eingeladen"

Melinda unterbrach sich, wurde etwas rot, was durch ihre blaue Haut eher violett aussah, und sah die Person erwartungsvoll an. "Mein Name ist Renadrin Ssear, erfreut Ihre Bekanntschaft zu machen." Er nickte Melinda und Shadow zu. "Wie Sie schon festgestellt haben, wollte ich nur Vorräte besorgen."

"Und wo kommen Sie her?",wiederholte Melinda ihre erste Frage. Renadrin sah aus, als wäre ihm die Frage sehr unangenehm: "Ich ... ähm... also" "Sie müssen die Frage nicht beantworten", mischte sich Shadow jetzt in das Gespräch ein, das sie zuvor nur beobachtet hatte. Erleichtert stimmte Renadrin zu.

"Kennen sie sich hier aus?", fragte er in die kleine Runde. "Ich war nur ein-, zweimal hier, aber ich weiß, dass der angrenzende Wald den Namen 'Reaching Woods' trägt", erwiderte Shadow. Melinda fing wieder an in einer unglaublichen Geschwindigkeit zu reden: "Naja ich wohne schon mein ganzes Leben hier und bin nicht oft aus diesem Dorf rausgekommen. Ich meine, ich war schon einmal im Wald, aber das ist nicht so gut ausgegangen."

Sie schaute kurz auf ihren künstlichen Arm. "Naja, also jedenfalls weiß ich, dass sich entlang der Feldwege das Dorf Boarskyr Brige befindet, mit dem wir Handel treiben. In letzter Zeit sind allerdings nicht viele Händler gekommen, es wird gesagt, dass der Wald gefährlich geworden ist. Wölfe und so". "Vielleicht könnte man da helfen", schlug Renadrin vor. Shadow stimmte zu:" Ja, das habe ich mir auch schon gedacht, eventuell kann man zusätzlich noch etwas Gold verdienen."

Der Vorschlag traf auf Zustimmung, Melinda merkte an, dass man dazu allerdings vorher ins Rathaus müsse, um sich einen Auftrag abzuholen. Auch wurde noch Einiges an Vorräten und nützlichen Dingen gebraucht, weswegen sie sich alle in das Geschäft von Melinda begeben wollten.

Bevor er aus der Taverne trat, zog Renadrin ein seltsames Gestell aus seiner Tasche. Es sah aus, wie zwei mit Stroh zusammengebundene, dunkle, aber leicht lichtdurchlässige, quadratische Linsen. Er setzte sich die Vorrichtung ins Gesicht und folgte Shadow und Melinda. Die Halblingsdame war schon vorgerannt und nur die zuschlagende Tür verriet den Ort ihres Geschäftes. Etwas gemächlicher ging Shadow hinterher.

"Interessantes Gestell", bemerkte sie. "Wozu ist es gut?" "Es schützt meine Augen vor der Sonne, ich bin etwas lichtempfindlich.", antwortete Renadrin. Die offensichtlich noch nicht befriedigte Neugierde Shadows bemerkend, erklärte er weiter: "Sie ist aus zwei magischen Linsen gebaut, die ich erschaffen habe. Es ist nicht die beste Lösung, da ich sie jede Stunde erneuern muss, aber besser als gar nichts". "Naja vielleicht finden wir irgendwann etwas praktischeres". Mit diesen Worten traten Shadow und Renadrin durch die Tür.

Melinda stand schon hinter der Theke, die ihr bis ungefähr zur Brust ging. Den anderen Beiden reichte sie circa bis zum Knie, beziehungsweise Renadrin eher bis zum Oberschenkel. Es war ein sehr kleiner Laden, der über und über mit Regalen vollgestellt war. Auch vor den Fenstern standen Regale, das einzige Licht kam von den zwei Fackeln an der Wand hinter Melinda. Renadrin nahm seinen Sonnenschutz wieder ab.

In den Regalen stand viel Gerümpel, wie zum Beispiel Kronleuchter und Kerzenständer. Hinter der Theke befanden sich viele Kisten, alles in allem sah es nicht sehr stabil gestapelt aus. "Was braucht ihr denn?", fragte Melinda und lächelte Shadow und Renadrin an. "Vorräte wären nicht schlecht", erwiderte Letzterer. "Vorräte. Ja, ähm, die müsste ich hier irgendwo haben". Mit diesen Worten drehte sich Melinda um und fing an, die Kisten zu durchsuchen. Dabei warf sie alles, was keine Vorräte waren, hinter sich. Als die Gegenstände über die Theke geflogen kamen, trat Renadrin einen Schritt zurück.

Shadow hatte das Ganze schon einmal erlebt und begab sich unauffällig zwischen die Regale, um nach nützlichen Dingen zu suchen. Während Melinda Vorräte suchte und Renadrin immer weiter zurückwich, stapelte Shadow die gefundenen Dinge auf der Theke. Unter anderem fand sie ein Seil, ein paar mehr Pfeile, Bolzen für die Armbrust von Renadrin und 20 Rationen.

Als sie alles durchgeschaut hatte, machte sie die Halblingsdame auf sich aufmerksam: "Also ich würde sagen, wir haben alles". Überrascht schaute Melinda sich um. "Na, wenn das so ist, dann muss ich jetzt ja wohl alles zusammenrechnen. Ohje, bei den ganzen Sachen könnte das eine Weile dauern. Lasst mich mal überlegen".

Mit diesen Worten nahm sie eine Feder und tauchte sie komplett in das Tintenfass. Die halbe Seite wurde in Tinte getränkt, als Melinda anfing, die Preise zu errechnen. "Das macht dann 30 Silber bitte", sagte sie schließlich zu Renadrin. Als er ihr das Geld gab, tatsächlich in Form von 30 Silber, beobachtete er mit hochgezogenen Augenbrauen, wie sie jedes Silber einzeln zählte und in einen von drei Säckchen legte. Als auch Shadow die fünfeinhalb Gold für ihre Dinge bezahlt hatte, machte Renadrin Anstalten, das Geschäft zu verlassen.

Shadow wollte nicht ohne Melinda gehen, sie hatte sie ja gerade erst kennengelernt und außerdem war Melinda die hübscheste Person im Dorf, und das, obwohl sie ein Halbling war und außerdem blau. "Möchtest du nicht doch mitkommen?", fragte sie also. "Also, lieber nicht, ich gehe nicht so gerne weit weg und außerdem muss ich mich ja um meinen Laden kümmern, der ist ja leer wenn ich nicht da bin", antwortete Melinda.

Nicht zufrieden mit der Antwort, versuchte Shadow eine andere Taktik: Sie fing an zu flirten. "Aber es wäre so schade, deine Gesellschaft missen zu müssen. Wir haben uns ja gerade erst kennengelernt und ich würde das gerne vertiefen." Renadrin rollte die Augen und Melinda wurde wieder rot, beziehungsweise violett. So ganz überzeugt schien sie nicht zu sein.

Shadow versuchte es weiter: "Du wärst uns bestimmt eine große Hilfe, aber wenn es zu gefährlich wird, beschütze ich dich natürlich auch." Das änderte Melindas Meinung: "Oh, äh, naja also, wenn das so ist", sie kicherte verlegen, "dann komm ich doch mit." Renadrin schlug sich die Hand vor die Stirn. Melinda schaute unsicher zu ihm auf. Dann fing sie aber wieder an zu lächeln und rannte aus der Tür.

Shadow und Renadrin folgten ihr, wobei er seinen Sonnenschutz wieder aufsetzte und zu Shadow sagte: "Jetzt verstehe ich auch, wieso sie 'die Flinke' genannt wird".
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