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Vertrauen und Verbindungen

von Dori89
Kurzbeschreibung
GeschichteLiebesgeschichte / P16 / Gen
Elizabeth Bennet Fitzwilliam Darcy George Wickham Jane Bennet Mr. Gardiner OC (Own Character)
23.09.2018
29.09.2018
2
2.789
 
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23.09.2018 1.061
 
Eine starke Brise wehte Matthew um die Nase als auf den belebten Hafen von Ramsgate trat und innerlich Gott dafür dankte wieder festen Boden unter den Füßen zu haben. Er hatte noch nie viel für die Seefahrt übriggehabt und obwohl er sowohl das Schwimmen als auch die Grundzüge des Segelns als er jung war von seinem Vater gelernt hatte, war ihm ein schneller Ritt auf einem starken Hengst über die Wiesen und Felder von Staffordshire deutlich lieber. ‚Staffordshire‘, dachte Matthew bei sich, ‚schon bald werde ich meinen Bruder und meine Schwester wiedersehen. Wie es Sophie wohl seit ihrer Hochzeit ergangen war. Sie hatte bekommen was sie wollte, ein Lord jung, reich und gutaussehend.‘  Auch Matthew hatte sich den Wünschen der Familie gebeugt und eine reiche Erbin aus dem Ton geheiratet. Sie hatte zwar ihre Wurzeln im Handel, aber ihre Familie hatte sich ein Ansehen im Ton erarbeitet und für den zweiten Sohn war sie mit ihrer Mitgift von 50000 Pfund gut genug gewesen. Durch den geschickten Handel ihres Vaters hatte sich das Vermögen vervielfacht als Matthew und Bethany das Erbe antraten. Er war noch nicht bereit gewesen die Geschäfte zu übernehmen…
„Sir, es gibt’n Problem mit der Ladung.“ Kapitän Wright riss Matthew aus seinen Gedanken. „Ist etwas mit den Papieren nicht in Ordnung Kapitän?“, fragte Matthew, der schon eine gewisse Ahnung gehabt hatte. Sein Schwiegervater war immer sehr stolz darauf gewesen alle seine Geschäfte selbst regeln zu können. Das hatte dazu geführt, dass nach seinem plötzlichen Tod, es niemandem mehr gab, der Matthew die Geschäftsführung beibringen konnte.   „Aye, Sir, aber Mr. DiBella kümmert sich bereits um das Problem“, knurrte der Seemann mit deiner rauen, dunklen Stimme. „Bei dem harten Seegang haben sich einige Kisten gelöst und wurden teilweise beschädigt. Meine Männer prüfen gerade, was die Ladung in den Kisten etwas abbekommen hat.“ „Gut, bitte erstatten sie mir sofort Meldung, wenn die Prüfung abgeschlossen ist, Kapitän“, sagte Matthew bestimmt, er wollte nicht nochmal auf das Schiff steigen. Er beschloss die Ladung zu prüfen, wen sie abgeladen worden war. „Aye, Sir.“ Der Kapitän beäugte ihn noch kurz, wandte sich dann ab und ging zurück auf das Schiff. Dem Kapitän musste inzwischen klar sein, dass Matthew kein Seemann war. Er stand Matthew als Nachfolger sehr kritisch gegenüber, wagte aber nicht seine Entscheidungen direkt in Frage zu stellen. Matthew machte sich auf dem Weg zum Hafenbüro, um sich mit Mr. DiBella über das Ladungsproblem zu beraten. Der italienische Händler war ein enger Handelspartner seines Schwiegervaters gewesen und hatte sich Matthew nach dessen Tod angenommen.  Er hatte ein eigenes Interesse daran, dass die Geschäfte der Familie Hathwick weiter gut liefen und Matthew war dankbar für die Hilfe des erfahreneren Mannes. Dennoch war Matthew nach England gekommen, um den Rat eines anderen Geschäftspartners zu suchen. „Such dir einen guten, ehrbaren und ehrlichen Lehrer, Matthew“ hatte sein Schwiegervater auf dem Sterbebett gesagt „einen, dem du bedingungslos vertraust und der viel Geschäftssinn besitzt. Ich vertraue dir, mein Sohn.“ Mit seinem letzten Atemzug hatte ihm sein Schwiegervater sein Vertrauen ausgesprochen und er würde ihn nicht enttäuschen. Und Beth auch nicht…
Der Erste, der Ihm bei der Beschreibung seines Schwiegervaters in den Sinn gekommen war, war Edward Gardiner. Keiner der ausländischen Handelspartner, den er auf den Reisen mit Mr. Hathwick kennengelernt hatte, hatte ihn so beeindruckt wie dieser englische Geschäftsmann. Sein Benehmen war das eines Gentlemans, obwohl er ein Geschäftsmann war. Er hatte eine sehr einnehmende Art, war von Grund auf ehrlich und hatte einen untrüglichen Geschäftssinn. Das Bild von einer jungen Frau mit engelsgleichen Zügen tanzte vor seinem inneren Auge. Er schüttelte den Kopf um den Gedanken loszuwerden. ‚Jane Bennet ist nicht der Grund weswegen ich mir eine engere Beziehung mit den Gardiners wünsche‘, sagte sich Matthew jetzt sicher zum hundertsten Mal. ‚Sicher ist sie bereits verheiratet und hat eine eigene Familie.‘ Bei diesem Gedanken fühlte Matthew ein Stechen in der Brust.  Als er das Hafenbüro fast erreicht hatte, trat Mario DiBella gerade aus der Tür und atmete tief durch. Dann erblicke er Matthew, kam auf ihn zu, wobei eher die Arme ausbreitete als o er ihn umarmen wollte, und sagte mit einem starken italienischen Akzent: „Ciao, Matthew, ich konnte i problemi mit den Papieren bereits lösen. Alles erledigt. Was ist mit der Ladung? Hast du sie bereits geprüft?“ „Die Schiffscrew ist noch dabei die Ladung zu entladen und zu prüfen. Kapitän Wright wird mir dann sofort Bericht erstatten, wenn die Arbeiten abgeschlossen sind.“, sagte Matthew während ihm Mario seine Hand auf die Schulter legte und ihn aus seiner niedrigeren Position anlächelte. „Molto bene, dann lass uns zur Gaststätte gehen und uns eine wenig frisch machen. Ich habe ein großes Bedürfnis nach einem buon vino und einer bella Lady. So viele Tage nur mit Männern auf einem engen Schiff, da brauche ich weibliche Gesellschaft, was meinst du, Matthew?“, Mario stupste Matthew mit den Ellenbogen in die Seite und grinst ihn schief an. „Mir würde ein Glas Wein oder ein Brandy und ein Bett, was sich nicht bewegt, reichen.“, erwiderte Matthew trocken. „Immer noch der steife englische Gentleman, Mr. Rogers, eh? Als Witwer musst du doch noch mehr ein Bedürfnis nach weiblicher Nähe verspüren. Tote kann man nicht betrügen und meine Frau ist in Italien.“, sagte Mario aufmunternd und ging mit einem schiefen Grinsen in Richtung der Gaststätte, wo sie geplant hatten zu bleiben bis der Handel abgeschlossen war. Ein Schatten huschte über Matthews Gesicht und er sah ihm einen Moment nach, bevor er ihm folgte und mit ruhiger Stimme sagte: „Ich habe kein Bedürfnis nach irgendeiner Hafenhure. Da holt man sich nur Krankheiten und sonst nichts.“ Seine Stimme klang bissiger als er es beabsichtigt hatte. Mario blieb stehe und dreht sich zu Matthew um. Er sah ihn einige Sekunden mit einem durchdringenden Blick an, bevor er leise sprach, sodass nur Matthew es hören konnte: „Du solltest wirklich versuchen, dich den Seemännern und Händlern hier anzupassen, wenn du mit Ihnen Geschäfte machen willst. Mit Gleichgesinnten handeln die Leute lieber.“, lauter sagte Mario „Bene, bene nun lass uns einen buon vino trinken und uns amüsieren!“ Damit betrat Mario die Gaststätte und Matthew folgte ihm brav. ‚Ich werde mich sicherlich nicht auf irgendeine Frau hier einlassen, nur um den anderen Händlern zu gefallen.‘, dachte Matthew und schon wieder tanzte das Bild von der Frau mit dem engelsgleichen Gesicht und den strahlenden blauen Augen vor seinem inneren Auge.
 
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