Gekreuzte Wege

von -Rhea-
GeschichteFreundschaft, Schmerz/Trost / P18 Slash
Derek Morgan Dr. Spencer Reid
23.09.2018
13.01.2019
8
20419
7
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Hallo:)
In dieser Geschichte geht es primär um die Freundschaft von Reid und Morgan, die sich erst später weiterentwickelt. Ich finde die Dynamik zwischen den beiden einfach faszinierend:)
Ich würde mich über Reviews freuen!
Viel Spaß beim Lesen,
Liebe Grüße,
Rhea

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Er zitterte.
Schweiß rann über sein Gesicht und seinen Rücken, die Haare klebten ihm am Kopf wie schon lange nicht mehr. War es ein Fehler gewesen? Sicher war es das. Oder doch nicht?

„Reid.“

Die Stimme seines Chefs schien weit weg. So weit weg.
Er starrte hinunter in die ausdruckslosen Augen dieses Mannes, der in einer Woche vierzehn Mädchen umgebracht hatte. Exakt alle zwölf Stunden eine.
Das Monster grinste ihn an.

„Na komm Kleiner. Bring es zu Ende!“

Seine Stimme klang ölig. Widerwärtig. Er war wahnsinnig. So konnte man nicht lachen, wenn man gesund war. Oder doch?

„Reid! Geh zurück!“

Am Klang von Hotchs Stimme erkannte Spence, dass er die Waffe erhoben hatte. Gegen ihn, seinen Kollegen, nicht gegen den Mann am Boden.
Reid starrte das Monster an, er sah ungesund aus. Lange, filzige Haare, unreine Haut und Zähne, die wohl seit Jahren keine Bürste mehr gesehen hatten.

„Na komm schon! Oder kannst du’s nicht? Hm? Kannst du’s nicht? Nein…DU-“

Eine der vielen Sicherungen in seinem klugen Gehirn schien sich bei seinen Worten zu lösen. Er wusste nicht genau, was es war, was er gesagt hatte. Doch jetzt reichte es.
Es krachte laut, als seine geballte Faust auf den Kieferknochen des Mannes krachte. Er begann augenblicklich zu bluten, Reid war nicht bewusst, wie viel Kraft er offenbar hatte. Er hatte noch nie jemanden geschlagen. Warum auch? Er war ein friedliebender Mensch....
Eigentlich.
Er war sich sicher, dass dem Mann nach seinem Schlag mindestens zwei Zähne fehlten. Einen Augenblick lang grinste der Mörder vor ihm am Boden, bevor er zusammenbrach und bewusstlos liegen blieb.

Irgendjemand brüllte irgendetwas, doch Spence bekam es nicht mehr mit.
Er ließ sich auf die Knie sinken, die Hände erhoben und starrte hinunter auf den reglosen Mann.
Das Blut rann still auf den nassen Asphalt, vermischte sich mit dem Wasser und verschwand in der Dunkelheit.

Spencers Wut von eben war verebbt, verschwunden, genauso schnell wie sie gekommen war.
Zurück blieb nur eine Leere, die sein Inneres verschlang.
Er spürte, wie seine Hände auf den Rücken gedreht wurden, die kalten Handschellen legten sich fest um seine Handgelenke und er wurde grob nach oben gezogen.
Ein starker Schmerz durchzog seine Schulter und wie durch einen Schleier vernahm er eine vertraute Stimme.

„Hotch, hey! Bitte, du brichst ihm die Schulter!“

„Führ ihn ab.“

Hotchs Stimme war kalt wie Eis. Da war nichts mehr von seiner gerechten Strenge, der Autorität, die manchmal ein wenig einschüchternd wirkte, jedoch noch nie wirklich fehl am Platz gewesen war.

„Hotch!“, rief da Emily. Sie befand sich außerhalb seines Sichtfeldes, doch ihre Stimme klang beinahe ängstlich, „Das kannst du nicht tun!“

Hotch hielt kurz inne, um Reid an Morgan weiterzugeben, der ihn sanfter führte als sein Chef. Das Ziehen in seiner Schulter ließ nach. Als Hotch ihr antwortete, klang er nicht mehr kalt, sondern eher müde.

„Ich kann keinen Agent gebrauchen, der sich meinen Anweisungen widersetzt und stattdessen Verdächtige halb totprügelt, es tut mir leid, Prentiss, wirklich. Aber das ging zu weit. Es ist nicht der erste Vorfall, nach seiner Drogensucht war abzusehen, dass das nächste Ereignis seiner Art Folgen haben wird. Mir sind die Hände gebunden. Er wird sicher entlassen, aber einer Haftstrafe kann er vielleicht entgehen.“

Morgan drückte Reids Schulter vorsichtig, führte ihn zu ihrem SUV und setzte Reid auf der Rückbank ab, der keinerlei Widerstand leistete.
Jetzt war es vorbei, endgültig.
Was sich über Jahre hinweg angestaut hatte, die Wut, der Hass, die Trauer, das Entsetzen und der Unglaube über die Abgründe, in die Menschen sich begaben, all diese Gefühle hatte James Tyler nun zu spüren bekommen. Ein vierzehnfacher Mörder, Vergewaltiger, Stalker und Tierquäler hatte bezahlt für das, was die Welt durch ihn hatte erleiden müssen.

Und er, Reid würde nun bezahlen dafür, dass er Tyler hatte bezahlen lassen.
Was für eine verdrehte Welt…

Durch seine wabernden Gedanken, voll von den letzten Stunden, drang eine leise, raue Stimme in sein Bewusstsein.
„Ich nehme dir die Handschellen ab, okay?“
Morgans Hände zitterten.
Reid spürte den Blick von Morgans dunklen Augen auf ihm ruhen, doch er sah ihn nicht an.
Er konnte nicht.

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„Er hat was gemacht?“, fragte Garcia und blickte ihre beiden Kollegen aus riesigen Augen an.

Emily fuhr sich angespannt durch die Haare und sah Morgan eindringlich an. Sie räusperte sich und sprach dann, angestrengt ruhig:

„Er…er hat unseren Täter…zusammengeschlagen. Und jetzt…sitzt er mit Handschellen im Verhörraum und Hotch…naja. Du weißt ja.“

Garcia sah ihn ungläubig an.
Reid hat jemanden zusammengeschlagen. Ich will ja nicht dümmlich klingen… Aber wir sprechen sicher vom Genius, oder??“

„Ja…ich weiß nicht…“, murmelte Emily, „der Fall hat ihn mitgenommen… und er wollte es nicht sehen…die Leichen, vor allem die letzten, das war zu viel.“

„Hotch hat ihn abgeführt wie einen Verbrecher“, flüsterte Morgan. Er starrte Garcia an, doch er sah sie nicht, „Er… er hat doch noch nie….“

Garcia stand auf, leicht schwankend. Sie schien nicht zu wissen was sie tun sollte, doch keiner konnte ihr helfen. Sie wussten es selbst nicht.
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