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Eine verhängnisvolle Nacht

OneshotSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Basta Staubfinger
21.09.2018
21.09.2018
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Eine Verhängnisvolle Nacht

Es war schon eine ganze Weile her. Acht, neun Jahre. So lange war Staubfinger bereits von seinem Zuhause weg. Er vermisste Roxane, seine Kinder, hatte es leid in einer Welt zu sein, die ihm so fremd war, eine Welt, in der das Feuer ihn biss, wie einen Fremden, einen Feind. Doch was ihn am meisten beunruhigte war, dass die Erinnerungen langsam verblassten. Als er in diese Welt kam, hatte er nur die Augen schließen müssen, schon flog eine Fee an ihm vorbei, klein, blau, mit schillernden Flügeln, nun träumte er nicht mal von dieser anderen Welt, er konnte sich das Gesicht des schwarzen Prinzen nicht mehr ausmalen. Staubfinger seufzte. Es war längst an der Zeit nach Hause zu kommen. Und vielleicht würde es bald an der Zeit sein. Dieser Gedanke trieb ihn an, beschleunigte seinen Schritt. Staubfinger umgriff seinen Rucksack etwas fester, während er zur Bushaltestelle ging. Ein Windstoß fegte durch seinen langen Mantel und ließ ihn frösteln. Protestierend keckerte Gwin in seiner Kapuze, auch der gehörnte Mader schien nicht begeistert vom Herbstwetter. "Bald sind wir wieder zuhause, Gwin. Bald.", versicherte Staubfinger und blieb stehen. Hinter ein paar Häuserpassagen konnte er die aufgehende Sonne erkennen, glühend rot und wunderschön, die Mutter des Feuers. Nachdenklich betrachtete er die leuchtenden Strahlen, die die Wolken in Rosa töne tauchte, als wäre sie verliebt. Eins musste man dieser Welt lassen, auch wenn es kaum Magie hier gab, hatte die Sonne nie ihren Zauber verloren.
"Wollen Sie nun mitfahren, oder nicht?", fragte eine junge Frau Staubfinger und riss ihn aus seinen Gedanken. Sie saß in einem langen Wagen, den die Menschen hier Bus nannten. "Verzeihung.", der Feuertänzer schenkte ihr ein verlegenes Lächeln, sie versuchte es zu erwidern, doch er konnte die Unsicherheit in ihrem Blick sehen. Er verstand es, die drei langen blassen Narben auf seinem Gesicht ließen ihn kaum friedlich wirken. "Dieser Bus fährt zum Flughafen, oder?", fragte er daher schnell und setzte einen Fuß in die kleine Tür, damit sie es sich nicht anders überlegen konnte. "Ja, das tut er.", antwortete das Mädchen. Also stieg Staubfinger ein. Hoffentlich lohnte sich seine Reise, hoffentlich kam er endlich heim.

Fluchend riss er einen kleinen Zettel von seinem Scheibenwischer. Warum hatte Capricorn ihn aus dem Dorf geschickt? Am liebsten würde er den Menschen erschießen, der es wagte, ihm, Basta, einen Strafzettel zu geben. Wütend warf er den Zettel auf die Straße, als er eine Bewegung aus den Augenwinkeln wahrnahm. Seine Augen folgten dem Geschöpf, sofort bereute er es. Eine schwarze kleine Katze kam auf ihn zu. Freundlich schnurrte sie um seine dunklen Stiefel, miaute und sah mit ihren großen grünen Augen zu ihm hoch. "Kusch! Du Mistvieh!", knurrte Basta. "Sonst dreh ich dir den Hals um.", doch seine Hand rutschte in seinen Kragen zu der Hasenpfote, die er um den Hals trug. Wer zu einer Katze schlecht war, dem würde ein schreckliches Schicksal widerfahren, das wusste er, deshalb beeilte Capricorns rechte Hand sich, in seinen Wagen zu steigen und die Katze und den Zettel hinter sich zu lassen.
"Taschen ausleeren, aber langsam!", blaffte ein Sicherheitsmann ihn wenige Stunden später an. Der Typ war etwa zwei Köpfe größer und schien es zu genießen, Macht über andere zu haben. "Ich hätte da einen Job für dich.", knurrte Basta, während er widerstrebend den Inhalt seiner Taschen in die Plastikschale legte, die der Sicherheitsmann für ihn hingestellt hatte. "Was wollten Sie denn mit dem Messer?", fragte der Große, ohne auf Bastas Aussage einzugehen. Basta griff nach seinem Schatz, doch der Mann zog die Schale aus seiner Reichweite. "Das müssen Sie leider hier lassen.", erklärte er und wurde seinem gegenüber dadurch deutlich unsympathischer. Das war bereits die zweite Person, die Basta heute gerne getötet hätte. Der Tag ging gut los.
In seinem Sitz zog Basta den Gurt extra fest, er beobachtete genau, wie die Frau in dem kurzen Rock erklärte, wie man die Rettungsweste aufblies. Sie war nicht hässlich, im Gegenteil, doch ihm war sie zu groß, als sie ihm zu seinen Sitz gebracht hatte, musste er den Kopf überstrecken, um sie sehen zu können. Seine Finger tasteten unter dem Sitz nach der Weste, tatsächlich, dort war eine. Etwas beruhigter lehnte Basta sich zurück. Er schob sich ein Minzblatt zwischen die Zunge und den Gaumen und begann darauf zu kauen. Als dann jedoch die Maschine zu rollen begann, war es um jede Ruhe geschehen. Er sendete einen Stoßgebet, an was auch immer über sie wachte und hoffte, dass die schwarze Katze heute Morgen nichts zu bedeuten hatte. Warum hatte Capricorn ausgerechnet ihm den Auftrag gegeben, dieser Spur nachzugehen? Hätte er nicht Flachnase schicken können, oder Cockerell?
Während des Fluges wurde der kleine Mann durchgeschüttelt. Drei Mal hätte Basta schwören können, dass das Flugzeug jeden Moment den Geist aufgab und sie wie ein Stein vom Himmel fielen. Erschöpft sank er in seinen Sitz, als eine so starke Welle das Flugzeug erschütterte, dass ihm übel wurde. Eilig kämpfte Basta sich aus seinem Sitz und flüchtete zu der engen Toilette. Dabei stach ihm eine Person ins Auge, ein spöttisches Grinsen hatte seine Aufmerksamkeit geweckt, ein Grinsen, dass er bereits aus dem dazu gehörigen Gesicht gewischt hatte, wie der Regen den Staub. Als Basta seinen Magen wieder im Griff hatte, ging er langsamer zurück und blieb einen Moment neben Staubfingers Sitz stehen. "Der Flug bekommt dir wohl nicht.", raunte der Rotbart mit seinen zotteligen blonden Haaren, die ungepflegt herunterhingen. Als Antwort spuckte der kleinere Mann ihm sein Minzblatt in den Schoß, dass er sich in den Mund geschoben hatte, um den widerlichen Geschmack zu vertreiben. Angeekelt sahen die anderen Fluggäste die beiden an. "Warte nur, bis wir wieder unten sind, dann verschönere ich mehr, als nur dein Gesicht.", knurrte Basta mit seiner rauen Stimme. "Entschuldigen Sie, bitte Setzten Sie sich, wir werden gleich landen.", bat die Stewardess Basta.

Nach der Landung beeilte sich der Feuertänzer von seinem alten Bekannten davon zu kommen. Er wusste genau, wenn Basta ihn fand, würde er ihm für diese Frechheit bestrafen. Deswegen schulterte er seine Tasche und verließ das Gebäude. Staubfinger stieg in das nächste Taxi, dass er finden konnte und nannte ihm die Adresse, wo er sich nach einem Schlafplatz umsehen wollte. Immer wieder schaute er hinter sich, doch Basta schien seine Spur verloren zu haben. Erleichtert bezahlte er den Taxifahrer mit dem Geld, dass Gwin ein paar Passanten geklaut hatte, während Staubfinger seine Tricks auf der Straße vorgeführt hatte. Er hatte hoffnungsvoll auch einen Eimer vor sich gestellt gehabt, in die die Menschen Münzen werfen könnten, doch dieser war am Ende seiner Show leer gewesen. In dieser Welt war den Menschen nichts so heilig, wie ihr Geld und sie gaben es so ungern her. Seufzend betrat der Fuchsbart ein Motel und fragte nach einem Zimmer. Er hatte noch genau 22€ übrig. Davon ein Zimmer zu bekommen, würde schwer werden, das wusste Staubfinger. Dennoch wollte er es versuchen. Der Feuertänzer war es leid auf der Straße zu schlafen. Vor allem, da die Nächte immer kälter wurde, wollte er es sich wenigstens diese Nacht bequem machen.
Natürlich hatte kein Motel in der Nähe ein Zimmer in seiner Preiskategorie, weshalb Staubfinger nichts übrig blieb, als seine Suche aufzugeben, und sich in eine zwielichtige Kneipe zu begeben, auf deren Eingang in goldenen Lettern der Name "Zur feurigen Katze" thronte. Der Landen war schäbig und wirkte, als hätte er eindeutig bessere Tage gesehen. Das Licht war schummrig, es roch nach Alkohol und Zigaretten. Der Boden war klebrig und die Dielen knarrten, wenn man darüber lief. Staubfinger fühlte sich wohl. Die Kneipe erinnerte ihn an Zuhause, an die Wirthäuser, in denen er die Nächte verbracht hatte, als er zu weit weg war, um nach Hause zu laufen. Er suchte sich einen Platz in der Ecke und wartete dort.
Mit dem dritten Glas Rum kamen die Erinnerungen an Roxane zurück. "Staubfinger, mein Lieber. Komm, komm nach Hause.", bat sie ihn mit leiser Stimme. "Was machst du denn?", ihre sanfte Frauenstimme verwandelte sich in eine kratzige, kehlige Stimme. Staubfinger blinzelte und erkannte dann erst, dass Basta vor ihm stand. Panik stieg in ihm auf, doch bevor Staubfinger aufstehen konnte, hatte Basta sich zu ihm gesetzt und zwei Gin-Gläser bestellt. Seufzend musterte Staubfinger die Kerben im Tisch. Es war vorbei, er würde nicht mehr nach Hause kommen. Basta würde ihn zu Capricorn bringen und davor würde er ihn verstümmeln. Vielleicht sollte Staubfinger wegrennen, doch der Alkohol machte ihn tollpatschig und langsam.
"Vermisst du es manchmal? Du weißt schon, unser altes Leben.", murmelte Staubfinger schwermütig. Warum fragte er ihn das. Schließlich verbrannte Basta für Capricorn die Bücher, damit sie nie wieder zurück in die Tintenwelt mussten. Umso mehr erstaunt war Staubfinger, als sein Erzfeind leicht nickte. "Es ist schwer in einer Welt, die nicht die eigene ist.", murmelte Basta und bezahlte den Kellner, der ihnen die Getränke brachte. Staubfinger bedankte sich und hob das Glas. Die beiden stießen an. Fremd in dieser Welt aber bekannt untereinander. und tranken den Alkohol, der ihnen brennend wie eine flüssige Flamme die Kehle hinunterfloss. "Ich bin ständig so... wütend auf alles und jeden und ich weiß nicht wieso.", erklärte Basta leise, eine Sorgenfalte hatte sich auf seinem Gesicht gebildet. "Denkst du, wir sind nicht fähig uns zu ändern? Der Autor hat uns so beschrieben und deswegen bleiben wir, was wir sind?", überrascht sah Staubfinger ihn an. Nie hätte er gedacht, dass Basta sich Gedanken darüber machte, dass er überhaupt je unzufrieden mit sich war. "Wie kamst du damals zu Capricorn?", fragte Staubfinger. Diese Frage hatte er sich noch nie gestellt.
"Es war ein kühler Herbstabend, ich half meiner Mutter die Kühe in die Scheune zu treiben, als ich es sah, ein Meterhohes Feuer. Seine Männer hatten unsere Felder angesteckt. Meine Mutter schrie mir zu, ich sollte ins Haus gehen, doch ich wollte sie beschützen, hätte ich doch nur auf sie gehört. Capricorn kam auf uns zugeritten, er schlug mir vor, für ihn zu arbeiten, doch ich lehnte ab. Deshalb trieben sie meine Mutter zu den Kühen in die Scheune und zündeten das Stroh an. Es ging alles so schnell, innerhalb weniger Minuten stand alles in Flammen. Da wurde mir klar, dass ich nie eine Wahl gehabt hatte. Capricorn bekommt immer, was er will. Ich arbeitete also für ihn. Und mit der Zeit wurde ich immer mehr wie seine Leute. Ich fand Gefallen am Einschüchtern, an der Drecksarbeit.", Basta schenkte Staubfinger ein finsteres Lächeln. "Wenn meine Mutter mich nur jetzt sehen könnte. Sie hätte mich eigenhändig erschlagen.".Eine Welle von Mitleid überflutete das flammende Herz des Rotbarts, doch warum er seine blasse Hand auf die von Basta legte, konnte er nicht erklären. "Du musst nicht so sein. Du kannst dich ändern, wir können uns alle ändern. Komm mit mir, wir laufen zusammen weg. Capricorn wird uns nicht finden...", er wollte weiter reden, wollte Basta unbedingt an seiner Seite haben, doch Basta legte eine Hand unter Staubfingers Kinn, schob seinen Kopf ein Stück nach rechts, so wie er es getan hatte, als er ihm die Narben gezeichnet hatte, nur dieses Mal war seine Hand sanft. Dann drückte er seine kalten Lippen auf Staubfingers schmallippigen Mund. Staubfinger schloss die Augen, seine Hand hielt Bastas Finger immer noch umschlossen. Ihm wurde heiß, erst jetzt bemerkte Staubfinger, wie sehr es ihm gefehlt hatte, die Schmetterlinge im Bauch, das leichte Schwindelgefühl, die Leidenschaft und die sanften Berührungen eines anderen, fremden Körpers. Sanft biss er Basta in die Lippe, der kaum hörbar aufstöhnte. "Lass uns woanders hingehen.", keuchte Staubfinger außer Atem, als die beiden sich trennten. "Komm mit mir.", Basta stand auf, seine Hand umgriff Staubfingers Handgelenk. Sein Griff duldete keine Widerrede. Erst dachte Staubfinger, es wäre eine Falle gewesen, Baste würde ihn ausliefern, doch der kleinere Mann zog ihn eilig in sein Hotelzimmer und schloss die Tür. Dann drückte er Staubfinger an die Wand, der zu grinsen begann. "Was ist denn so lustig?", fragte Basta mit seiner rauen Katzenstimme, während er Staubfinger den Mantel von den Schultern zog. "Du bist so klein.", grinste Staubfinger und kraulte über Bastas Nacken. Dieser grinste gefährlich. "Für so einen Spruch werd ich mein Messer in dich rammen.", fauchte er. Staubfinger küsste ihn lachend. "Oder was anderes.", flüsterte er, während er Bastas Hose öffnete. Dieser schubste den Feuertänzer kraftvoll auf die Matratze. "Oder das.", knurrte er und kletterte über den blonden Mann. Basta war liebevoller, als Staubfinger ihm die Überhand lies. Er verwöhnte den heißen Körper des Feuertänzers mit Küssen, tastete sich langsam vor. Auch wenn beiden Männern anzusehen war, dass sie kaum warten konnten, zu lang war das ungestillte Verlangen gewesen. "Bist du sicher?", fragte Basta zögernd. "Verdammt nimm mich endlich.", raunte Staubfinger mit seinem spöttischen Lächeln. Also schob sich Basta in ihn. Mit kraftvollen Bewegungen stieß er immer wieder in ihn. Sein heißer Atem blies gegen Staubfingers Hals, dieser stöhnte laut auf. Die Beiden brauchten nicht lange. Erschöpft legten sie sich nebeneinander. Keiner von ihnen sprach ein Wort. Sie wussten nicht, ob es eine schöne oder eine peinliche Erfahrung war, die sie ab nun teilten. Hatten sie je füreinander empfunden, oder war es der Alkohol gewesen, der sie in Bastas Bett getrieben hatte? Sie schliefen voneinander abgewandt.

Am nächsten Morgen schämte Staubfinger sich. Es kam ihm falsch vor, er hatte Roxane verraten, seine Frau, die er liebte. Doch was, wenn er nie wieder zu ihr zurück kam, was, wenn sie glaubte, dass er tot war und einen anderen geheiratet hatte? Er würde es nie herausfinden, wenn er bei Basta blieb, darum sammelte er seine Klamotten vom Boden auf und zog sich leise an, er warf dem schlafenden Basta noch einen Blick zu. Wie ein Unschuldsengel lag er da, kaum älter als ein Junge. Staubfinger seufzte leise. Er wusste, wenn er ihn nun verließ, würde Basta ihn auf ewig hassen. Und dann trat er durch die Zimmertür und lies den nackten Basta und die verhängnisvolle Nacht hinter sich.

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Ich hoffe euch hat die kleine Fanfiktion gefallen.
Ich würde mich über konstruktive Kritik freuen.
Habe an diesem Shipping versucht Oneshots zu üben.
Liebe Grüße
Alice
 
 
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