Menu tessu – Du bist alles für mich (Khuzdûl)

GeschichteDrama, Romanze / P18
Dwalin OC (Own Character) Thorin Eichenschild
21.09.2018
16.10.2020
109
263.333
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Dieses Kapitel
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21.09.2018 2.684
 
Titel: Menu tessu – Du bist alles für mich (Khuzdûl)

Autor: MilchMaedchen

Kontakt: SJuliane@aol.com

Rating: P18

Klassifikation: POV OC, Sad, Angst, Romantic, Drama, Lemon, ANC, leicht OOC, Prequel „Der Hobbit“ (Original)

Disclaimer: Alle genannten Charaktere außer meiner OCs sind geistiges Eigentum von J.R.R Tolkien und/oder Peter Jackson, wofür ich ihnen auf ewig meinen Dank schulde.

Zusammenfassung: Für Astâ hielt das Leben im Ered Luin, den Blauen Bergen im Westen Mittelerdes, bislang wenig Freude bereit. In Armut aufgewachsen, verliert das junge Zwergenmädchen schließlich auch noch ihre Mutter. Sie steht vor der Entscheidung: Elendig zugrunde gehen, oder etwas Abscheuliches tun. Bis sich ihr unverhofft eine Chance auf ein besseres Leben in Thorins prächtigen Hallen eröffnet und ein lang verborgenes Geheimnis schließlich ihr Leben erneut durcheinanderbringt.

Anmerkungen:

1.     Bevor Verwirrung aufkommt: Diese Story hat nichts mit meinem geschaffenen AU in der die Hobbitfrau Bil vorkommt zu tun. Zwar tauchen einige von mir gestaltete Charaktere und auch Ereignisse die in „Die kleine Hobbitfrau“ als Flashbacks Erwähnung fanden erneut auf und werden ausführlicher behandelt, aber ansonsten ist es ein Prequel zum unveränderten Originalwerk.

2.     Wenn ich innerhalb der Blauen/Thorins Hallen von Häusern, Gebäuden usw. schreibe, meine ich natürlich nicht, dass diese so aussehen wie solche, die auf der Erdoberfläche erbaut wurden. Stellt euch für die einfacheren Bauwerke eine Hobbithöhle vor, die vollständig in das Gestein des Berges eingelassen ist, verkleidet, wenn dann mit Holz und/oder Lehm. Nicht mehr als Tür und Fenster. Die etwas Größeren und vor allem Herrschaftlicheren, nehmen allerdings die Form von richtigen giebelständigen Häusern mit hohen Rund-, Schweif(werk)- und Volutengiebeln (vgl. dazu Giebelformen) mit verschiedenen Verzierungen an, die als Risalit aus den Felsen herausragen. Die meisten der Räumlichkeiten liegen somit aber immer vollständig von Gestein umgeben. Die geschwungene Architektur und schmuckvolle Reichhaltigkeit von Verzierungen (außen wie innen) orientiert sich an der des Barocks, weniger aber nicht ganz losgelöst von der Romanik (vor allem in großen Hallen findet man die hierfür typischen Kreuzgratgewölbe, um den Höhlenbau zu stützen), die ja eher in das mittelalterlich geprägte Mittelerde passen würde.

3.     Ein kleiner Exkurs in die (teilweise selbst erdachten) zwergischen Altersstufen.

Ich bediente mich für meine Storys oft der wirklich sehr informativen Seite „The Dwarrow Scholar“. Hiervon habe ich z.B. auch das meiste des verwendeten Khuzdûls. Diese widmete sich auch in einem Artikel dem „Alter der Zwerge“. Einige Angaben zum Alter der Protagonisten und damit verbundenen Stellungen innerhalb der Gesellschaft habe ich hieraus entnommen, einige habe ich mir selber ausgedacht.

Bis sie 10 Jahre alt sind, leben Zwerglinge sehr behütet im Kreise ihrer Familie. Manche dürfen bis dahin noch nicht einmal aus dem Haus. Zu ihrem Geburtstag erhalten sie von ihrem Vater das erste Schwert, als Zeichen, dass sie als geeignet angesehen werden sich annähernd selber verteidigen zu können. Von da an absolvieren die deren Schicksal ein Kriegerdasein voraussagt ein hartes Kampftraining, also so ziemlich alle männlichen Zwerge und auch einige Mädchen.

Im Alter von 30 Jahren gelten Zwerge als kriegstauglich. Heißt, sobald ein Zwerg groß und stark und trainiert genug ist um eine Streitaxt, ein Schwert und eine Rüstung zu tragen, ist er auch bereit in den Kampf zu ziehen.

Mit 35 bis 40 Jahren erreichen Zwerge das Alter, in dem sie zur Mann oder Frau heranreifen. Sie sind noch lange nicht erwachsen, aber ihr Aussehen entspricht nicht mehr dem eines Zwerglings. Der bis dahin mehr flaumige Bart eines Babyzwergs (ohhh wie süß) wird härter, dichter und länger. Es ist ihnen von da an gestattet Schmuck zu tragen, sich Tätowierungen stechen zu lassen und viele beginnen ab dem 50ten Lebensjahr eine Lehrausbildung, die je nach ergriffenem Beruf bis zum 70ten abgeschlossen ist.

Mit ca. 60 bis 70 Jahren erlangen Zwerginnen die Geschlechtsreife, was nicht heißt, dass sie auch schwanger werden dürfen.
Was bei uns der 18te Geburtstag, ist bei Zwergen der 75te. Von da an gelten sie als mündig und selbstständig; können heiraten, Kinder bekommen, ein eigenes Heim beziehen und auch auf selbstbestimmte Reisen gehen.

Ab ca. 90 bis 100 Jahren bis ins hohe Alter hinein können Zwerge Kinder bekommen. Die meisten geben sich aber mit der Geburt des ersten Stammhalters zufrieden, je nach gesellschaftlichem Stand. Meist haben ärmere Familien, wie es im Mittelalter auch üblich war, mehr Kinder als wohlhabende.




Schimpf und Schande

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Wir schreiben das Jahr 2840 des dritten Zeitalters …

Mahal unser großer Schöpfer sei gepriesen, dass er uns ein Leben in Wohlstand und Sicherheit ermöglicht und gehuldigt werde König Thráin II., der die prachtvollen und großzügigen Hallen, die uns nach den leidvollen Jahren in Krieg und Vertreibung als neue Heimat dienen, tief gelegen in den nördlichen Hängen der Blauen Berge, erschuf.

Der Winter hielt ungewöhnlich früh mit Schnee und Eis Einzug über Mittelerde. Aber die Kornspeicher sind gefüllt und der Handel mit den benachbarten Zwergenreichen und wenigen anderen Völkern floriert trotz erschwerter Bedingungen, da sich erneut Orks und anderes Gesindel in den umliegenden Ländern aufhalten und die Karawanen angreifen. Unter der Führung von Kronprinz Thorin bieten unsere Heere ihnen jedoch unablässig und erfolgreich Gegenwehr.

Unser König sinniert dieser Tage mehr als sonst über alten Karten und schmiedet Pläne, die er selbst Sohn und Thronfolger gegenüber nicht offenlegt. In seiner Weisheit und Liebe zum Volk werden einstig seine Gründe liegen.

Anlässlich der Vermählung der Kronprinzessin Dís mit Ihrer königlichen Hoheit dem Großherzog Víli zu Beginn des Monats wurden nutzbringende Handels- und Bündnisverträge mit dem Herrschaftsgebiet der Eisenberge geschlossen. Lord Dáin II., noch jung an Lebens- aber nicht an Regierungsjahren, erwies sich als zäher Verhandlungspartner, der mir als königlicher Berater das ein oder andere Zugeständnis abverlangte.

Ein kleiner Ausbruch der schrecklichen Schwindsucht konnte in den ärmeren Teilen des Berges erfolgreich eingedämmt werden, der dennoch einige unersetzbare Leben kostete. Mahal sei ihrer Seelen gnädig und mögen sie in Mandos‘ Hallen des Ewigen Wartens im glimmenden Schein ihrer Gedanken verweilen …

Auszug aus den Annalen von Durins Volk

Ered Luin; 30/10/2840

Schreiber: Balin, Fundins Sohn

38/23

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„Verschwinde und wehe dir Mahal, wenn du dich noch einmal hier blicken lässt!“

Die ringbewehrten Finger die zuschlagend meine Wange treffen sind erbarmungslos und brutal. Ich spüre verletzend, wie das minderwertige lediglich mit Gold legierte Metall die Haut aufreißt und ein verschleiernder Schmerz durchzieht nicht nur den Körper, sondern zudem die sowieso schon unter Trauer und Verlust wunde Seele. Hart pralle ich auf den steinernen Boden und die vielen kleineren und größeren Blessuren, die ich davontrug, als man mich regelrecht aus dem Haus prügelte in dem ich aufwuchs, bekunden schreiend ihren Unmut über den Sturz. Das schmutzig-schlammige Wasser des beständig durch die armen Straßen fließenden Rinnsals spritz nach oben, als ich hineinfalle und befleckt Haut und Kleidung. Mit brennenden Tränen in den Augen, die ich mir dennoch nicht gestatte zu zeigen, sehe ich auf, direkt in das von Zorn und Unerbittlichkeit verdüsterte Gesicht meiner Tante.

„Aber Amad hinterließ mir ihre wenige Habe und somit auch das Haus“, werfe ich ein und wische mit dem Handrücken über die spröde Unterlippe, als ich den metallischen Geschmack von Blut auf ihr wahrnehme. Aber sie lacht nur zynisch und verschränkt demonstrativ die Arme vor der ausladenden Brust, als sie sich mitten in die Tür stellt. „Dir … ach, Astâ, Kindchen mach dich nicht lächerlich. Du bist gerade einmal 40 geworden und damit noch weit entfernt von der Mündigkeit. Alles was du ererbtes wird durch mich als deine Einzige noch lebende Verwandte verwaltet, ehrloser Bastard, der du bist. Und ich wünsche nicht, dass du dich hier aufhältst!“ Die despektierliche Beschimpfung dringt tief in mich wie die scharfe Schneide eines Messers. Die ärmliche Wohnhöhle meiner Kindheit ist mir bei Weitem nicht gleichgültig, aber der Hass, der mir bereits all die Jahre von Verwandten entgegenschlägt, nur, weil ich meinen Vater nicht kenne, noch entsetzlicher und herzzerreißender als jeglicher materielle Verlust.

Gerade einmal zwei Tage ist es her, dass ich meine Mutter, die ich über alles liebte, zu Grabe tragen musste und nun stehe ich vor den erschreckend-hohen Trümmern meines Lebens, die ich kaum zu überblicken vermag. „Aber wo soll ich denn hin?“, frage ich und die Stimme hört sich erheblich verzweifelnder und tränenfeuchter an, als ich es beabsichtigte. „Das ist mir leidlich egal … Hauptsache du verschandelst nicht länger das Ansehen unserer Familie mit deinem Bastardblut“, speit sie zusammen mit Geifer aus und donnert die Endgültigkeit ihrer Worte verdeutlichend die klapprige Tür hinter sich in das nachzitternde Schloss.

Unglücklich lasse ich noch immer auf den harten Boden der Tatsachen kauernd den Blick sinken und kann nun doch nicht verhindern, dass sich Tränen wie Feuer brennend ihren Weg die aufgesprungenen Wangen hinabbahnen. Das goldene Blond der Haare, das von vielen als so selten bei Zwergen und damit so kostbar wie eben das Metall bezeichnet wird, ist unlängst verklebt mit staubigen und schlammigen Schmutz und rotem Blut, genauso wie die ärmlichen und teilweise zerrissenen Gewänder. Ich schäme mich unsäglich ein dermaßen jämmerliches Bild abzugeben. Was für eine Schande bereite ich Amad nur damit, die egal wie aussichtslos die Situation erschien immer verlangte unverzagt und standhaft zu bleiben, beinahe als gehörten wir einem Adelshaus an und nicht der notleidenden Schicht des doch eigentlich so wohlhabenden Zwergenreiches in den Ered Luin.

„Astâ … Kindchen … weine nicht“, höre ich plötzlich eine bekannte warme Stimme neben mir und als ich aufblicke, erkenne ich nur verschwommen durch das beständig fließende salzige Nass hindurch meine Nachbarin Thona. Über all die Jahre in nebeneinander verbrachter Armut hinweg mehr Freundin als nur Bekannte geworden. Ihre gutmütigen Augen betrachten mich ebenfalls mit das Elend beklagenden Tränen darin und sie streicht sanft und tröstend über die schmerzende Wange. „Komm mit, ich habe noch ein paar Kartoffeln von gestern übrig, daraus kann ich dir eine Suppe machen, die wird dich beruhigen.“ Ich nicke leicht und versuche verzweifelt die Fassung wiederzuerlangen, während sie mich auf die Beine zieht. Schmerzen wüten dabei durch alle Glieder wie Feuergarben und die Prellung der Rippen, entstanden bei dem Schubs gegen eine Kommode, nimmt mir beinahe die Luft zum Atmen.

Ihre Bleibe ist bedeutend kläglicher als die die meine Mutter und ich bewohnten und es erschreckt mich zutiefst, dass unweit von mir eine solche Armseligkeit herrschte. Zwei Zimmerchen, dunkel und stickig, einzig das bald verlöschende Feuer im Kamin spendet glanzloses Licht. Zugluft und mitgewirbelter Staub dringen unablässig durch die großen dürftig mit Lehm ausgebesserten Ritzen zwischen den morschen Holzbalken ein und auch wenn es in dem Berg durch die vielen Schmelzöfen und Schmieden niemals wirklich kalt und feucht ist, eine angenehme und nicht krankmachende Wärme herrscht bei weitem nicht. Nur wenig Möblierung kann ich in der schummrigen Dunkelheit erkennen. Ein schiefer Tisch mit Stühlen darum, die den Anschein erwecken jeden Moment zusammenzubrechen. Zudem ein kleiner Ofen und einige geschlossene Holztruhen aus denen undefinierbares heraus lugt.

Meine Mutter und ich hatten zwar wenig aber immer auskommend Nahrung und Holz. Als Weberin und Schneiderin verdiente sie nicht viel, aber es genügte für uns beide, um zu überleben. Nun verfluche ich mich, dass ich nichts von diesen elendigen Zuständen nur wenige Meter entfernt wusste und vielleicht wenigstens mit übrig gebliebenen Stofffetzen hätte helfen können. Eine daraus zusammengeflickte Decke, Verwendung als Dämmmaterial, ja selbst der kleinste Erlös durch Verkauf genügte höchstwahrscheinlich um das Leben vielleicht ein wenig erträglicher zu machen.

Ein kleiner Zwergling stürmt dennoch freudig lachend auf uns zu, schmeißt sich regelrecht in Thonas Arme und unter all dem Schmutz der sein Gesicht verklebt, kann ich schließlich ihren ältesten Sohn erkennen. Eine gebrechliche und spindeldürre Zwergin kommt nach ihm hinter einer zerrissenen-fleckigen Decke, die als erbärmlicher Türersatz zwischen den Zimmern dient, hervor und hält in ihren zitternd-schwachen Armen den jüngsten der Kinder. Noch ein Säugling, wenige Wochen alt und vor Hunger und Kälte leise wimmernd. Eine kleine Zwergin krallt sich schüchtern und ängstlich an den zerrupften und bereits mehrmals geflickten Rockstößen fest. Ihre Augen sind von dunklen Schatten umgeben und eingefallen. „Astâ, Mädchen, ist es wahr, dass dieses zänkische Weibsbild, dass sich deine Tante nennt, dich aus dem Haus geworfen hat?“, fragt sie sofort, als sie mich erblickt, aber nicht klatschweiberisch, sondern mit ehrlichem Schmerz und ebensolch brennender Wut in der zitternd-krächzenden Stimme.

Ich nicke leicht und die Endgültigkeit und Tragweite dieses Ereignisses wird mir erst jetzt wirklich bewusst. Verstoßen und noch unmündig werde ich elendig auf den Straßen zugrunde gehen, wenn ich nicht eine Arbeit oder zumindest vorübergehende Bleibe finde. Aber wer würde mich schon einstellen oder aufnehmen, jung und verleumdet wie ich bin. Ich besitze nichts außer den schäbigen Kleidern am Leib und als einzige Kostbarkeit den silbernen Ring mit dem von Runen eingefassten schwarzen Opal und den beiden Raben als Verzierung, den mir Amad hinterließ und meine Tante mir nicht abnahm, da ich ihn tief in meiner Tasche verbarg. Gelernt habe ich lediglich das Handwerk der Webkunst und das noch nicht einmal annähernd aus, da Mutter verstarb, bevor sie mir alles von ihrem Beruf zeigen konnte.

Erschrocken da unerwartet aus den schwermütigen Gedanken gerissen, zucke ich zusammen, als Thona mit einem feuchten Tuch über die noch immer schmerzenden und blutenden Kratzer im Gesicht streicht. „Ich muss die Wunden säubern, sonst entzünden sie sich noch und entstellen dein hübsches Gesicht“, erklärt sie entschuldigend. Und vor Rührung über so viel mütterliche Herzlichkeit und Fürsorge die ich in den letzten Tagen so bitterlich vermisste und eigentlich benötigte unter der Last des vielen Kummers, beginnen die Tränen erneut zu fließen, ungeachtet, dass das Salz in den Verletzungen brennt wie Feuer.

„Du weißt, dass ich dich nicht hierbehalten kann, auch wenn ich es gerne möchte“, wird dem gepeinigtem Gemüt allerdings wenig später ein erneuter Stich versetzt, auch wenn ich diese Tatsache bereits mutmaßte. Still die Trauer unterdrückend löffle ich die dünne Suppe, die trotz alledem herrlich schmeckt und dem leidenden und verzweifelten Herzen wenigstens etwas Ruhe schenkt. Ich sehe Thona an, die neben mir sitzend ihren kleinen Sohn stillt, erkenne den peinigenden Hunger, den auch ich nur allzu gut kenne in ihren eingefallenen, trüben Augen und denen ihrer Kinder und Mutter … und verstehe. In diesem Haus reicht das klägliche Einkommen eines Minenarbeiters noch nicht einmal annähernd aus um alle bisherigen Bewohner sattzubekommen, wie könnte es dann für noch ein zusätzliches hungriges Maul reichen. „Ich danke Euch dennoch für die Großzügigkeit und hoffe, dass ich mich eines Tages dafür erkenntlich zeigen kann“, murmle ich verbunden und unter erneuten Tränen, die mir die glühenden Wangen hinabfließen. Die Zwergin streicht mir liebevoll eine Haarsträhne aus dem Gesicht. „Deine Mutter hat eine so wundervolle und höffliche junge Dame erzogen. Ich wünsche mir so sehr, dass du irgendwann einmal ein besseres Leben als dieses hier haben wirst.“

Ich lächle flüchtig, wohl das erste Mal seit Tagen, aber die beengende Verzweiflung, die noch immer und stärker als jemals zuvor in meinem Herzen herrscht, ist unerträglich. Was nützt mir all die anständige Erziehung auf den staubigen Straßen, Dieben und Schändern schutzlos ausgeliefert. Nur zu oft hörte ich von den schrecklichen Übergriffen auf unbegleitete Frauen und deren Folgen.

„Ich weiß, wo du vielleicht Arbeit finden kannst“, beginnt plötzlich Thonas Mutter aufgeregt zu sprechen und zündet damit unerwartet einen kleinen Funken Hoffnung in mir. „Eine Nachbarin erzählte mir unlängst, dass im ‚Baraz anâm‘ eine Schankmaid gesucht wird.“ Thona schaut recht entsetzt. „In diesem Etablissement willst du Astâ unterbringen! Soviel ich weiß, ist Brodgar, der Wirt, ein ungehobelter und recht skrupelloser Zwerg, wenn uns um die Frauen geht die für ihn arbeiten“, wirft sie deutlich empört über den Vorschlag ein. „Ja aber Myra die eigentliche Wirtin ist umsichtig und Astâ noch unmündig, die strengen Gesetze verbieten somit eine Anstellung unter Brodgar.“

Mehr als nur verwirrt huscht der beunruhigt-weite Blick zwischen den beiden Frauen umher. Weder kenne ich die erwähnte Gastwirtschaft noch kann ich mit den Namen der Inhaber etwas anfangen und der Einwurf mit einer gesetzlichen Bestimmung, die ich nicht kenne, bringt mich zusätzlich durcheinander. „Es wird die einzige Möglichkeit für sie sein zumindest andeutungsweise ehrenhaft in Lohn und Brot zu kommen, ein verwaistes junges Ding wie sie noch ist.“ Das Argument der alten Zwergin ist wie ich nur allzu gut weiß gerechtfertigt. „Dann bringt mich bitte dort hin“, sage ich mit fester Stimme und entschlossenem Blick und ein klein wenig Zukunftsglauben in mir.

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Amad – Mutter (Khuzdûl)
Baraz anâm – Rote Lippen (Khuzdûl)
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