Kung Fu Girl

GeschichteRomanze, Freundschaft / P16
18.09.2018
15.12.2018
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Dieses Kapitel
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Die hier auftretende Figur Jenny Jones hatte ihren ersten Auftritt in meinem One Shot ‚Großwildjagd‘. Wer sich näher mit ihr vertraut machen will, der kann gerne diese Geschichte vorher lesen.

Ein paar Tage später besuchte Marinette Chloe und Alya, die zusammen in einem Zimmer im Krankenhaus lagen. Als sie das Zimmer betrat, verstummte das angeregte Gespräch zwischen den beiden. Marinette schaute die beiden finster an. Sie nickte den beiden zu „Alya, Chloe. Es geht euch anscheinend schon besser, wenn ihr so fröhlich mit einander quasselt.“ Sie fischte aus ihrem Rucksack ein Päckchen Weintrauben, und eine Tüte Bonbons. „Für euch und eure Begleitungen“ sagte sie. „Danke“ sagten beide leise, dann fing Alya an, wie ein Wasserfall zu reden „Marinette, es tut uns beiden sehr leid, was passiert ist, aber wir beide wollten Nora beeindrucken. Es war ein Riesenfehler, dass wir beide so aufgedreht haben, besonders, weil es nur ein Sparringskampf war.“ Chloe schloss sich an. „Stimmt, was Alya sagt. Ich wollte Nora unbedingt zeigen, wie gut ich geworden bin“ sagte sie leise und regelrecht schüchtern.

Marinette winkte ab. „Ihr beide versucht nur, gutes Wetter zu machen, damit ihr eurer Strafe entkommt. Aber ich habe inzwischen mit Nora geredet, sie hat euch beide auch vor dem Kampf gesagt, dass das nur ein Sparringskampf ist. Daher sind wir uns beide einig, dass man euch den Kopf zurechtrücken muss. Wie genau das aussehen wird, wissen wir noch nicht, aber bis ihr beide wieder vollkommen hergestellt seid, und trainieren könnt, werden noch ein paar Tage vergehen. Bis dahin wird uns beiden was Passendes einfallen.“ Die beiden Mädchen schluckten. Das sich Marinette und ihre eigene Trainerin sich zusammen getan hatten, um sie für ihre Dummheit zu bestrafen, war eine ziemlich heftige Ankündigung. Marinette unterhielt sich noch gute zehn Minuten mit den beiden, dann verabschiedete sie sich. Vor der Tür zum Zimmer stand Nora. „Und?“ fragte sie grinsend. „Den beiden geht der Arsch mit Grundeis, als sie hörten, dass ich über Deine Ermahnung Bescheid weiß“ sagte sie mit einem Lachen. „Gut zu wissen“ meinte Nora. „Ich warte noch ein paar Minuten, dann gehe ich rein. Ich schicke Dir dann eine Nachricht, was die beiden gesagt haben.“ Marinette verabschiedete sich von Nora, dann ging sie mit einem breiten Grinsen nach Hause. Dort angekommen, sauste Tikki aus ihrer Jacke hervor. „Marinette, Du hast manchmal wirklich einen fiesen Charakter“ schimpfte ihre Kwami mit ihr. „Jo, aber in so einem Fall muss das sein“ antwortete sie mit einem Lachen.

Jenny Jones saß auf ihrem Bett, sie verfluchte ihre Entscheidung. diesen Auftrag angenommen zu haben. Jetzt hing sie in einem französischen Gefängnis fest, konnte kein Wort Französisch, und wartete auf ihren Prozess. Der Pflichtverteidiger, den sie bekommen hatte, sprach leidlich Englisch, aber er machte ihr keine großen Hoffnungen, mit der Sache unter zehn Jahren heraus zu kommen. „Sie haben Waffen nach Frankreich geschmuggelt, die hier von der Armee benutzt werden, dazu die entsprechende Munition. Sie haben versucht, die Helden von Paris zu erschießen. Alleine dafür werden Sie für sechs bis sieben Jahre hinter Gitter wandern. Wenn Sie mit zehn Jahren davonkommen, können Sie sich glücklich schätzen.“ Das Schlimmste aber war, dass dieser Verteidiger ein Bubi war, der anscheinend frisch von der Uni war. Klasse, dachte Jenny. Mit dem habe ich keinerlei Chancen. Zehn Jahre hinter Gittern, keine Jagden mehr, keine Chance mehr, durch die Wälder zu laufen. Bullshit, dachte sie. Sie ließ den Kopf auf ihre Unterarme sinken. Besser wäre es, wenn ich tot wäre, dachte sie.

Sie dachte an den Besuch eines Angestellten der US – Botschaft. Der Bursche war ziemlich unfreundlich gewesen. „Auf die Hilfe der Botschaft können Sie nicht rechnen, Miss Jones“ hatte er gesagt. Er hatte ihr erzählt, warum man so schnell auf sie aufmerksam geworden war; sie stand seit dem Tod eines bekannten Umweltschutzaktivisten auf der Fahndungsliste des FBI, da man sie im Verdacht hatte, damit etwas zu tun haben. Das FBI hatte sie lückenlos überwacht, selbst in Las Vegas hatte man sie abgehört. Als klar war, was da geplant wurde, hatte das FBI die Franzosen unterrichtet. „Sie müssen sich im Klaren sein, das Sie auf dem Boden Frankreichs versucht haben, die beiden Superhelden zu beseitigen. Allein dafür hasst man sie hier aus tiefstem Herzen. Das einzige, womit sie rechnen können, ist, dass man sie nach ihrer Verurteilung wieder in die USA überstellt, wo sie dann ihre Haftstrafe in einem Bundesgefängnis absitzen dürfen.“ Ob das so viel besser wäre als ein Knast in Frankreich, das konnte sie beim besten Willen nicht sagen. Sie musste auch damit rechnen, dass man sie in den USA wegen dem toten Grünen anklagen könnte, sobald die Beweise ausreichen würden.

Die Zellentür ging auf. Im Rahmen stand der Dobermann, wie Jenny Jones die Gefängniswärterin nannte, die für sie zuständig war. „Aufstehen Jones, Sie werden für ein weiteres Verhör zur Staatsanwaltschaft gebracht.“ Langsam erhob sich Jenny, sie griff sich ihre Turnschuhe, zog sie an. Danach streckte sie ihre Hände aus. Seitdem sie versucht hatte, zu fliehen, wurden ihr jedes Mal Handschellen verpasst. Dobermann zeichnete sich dabei dadurch aus, dass sie sehr gerne diese möglichst fest anzog, als ‚Dankeschön‘ für das Veilchen, das ihr Jenny damals bei dem Fluchtversuch verpasst hatte. „Vorwärts“ kam vom Dobermann. Langsam ging es durch die Gänge des Gefängnisses, immer wieder hörte sie Kommentare auf Französisch, einige Gefangene spuckten vor ihr aus. „Wie fühlt es sich an, die meist gehasste Gefangene hier zu sein?“ fragte Dobermann gehässig in ihrem miesen Englisch. Jenny Jones schaute die Gefängniswärterin an „Meinst Du etwa, ein paar Froschfresserinnen können mir Angst machen?“ fragte sie genauso gehässig zurück. Dobermann gab ihr einen Stoß in den Rücken „Geh weiter, Du Ami – Flittchen.“

Ein paar Minuten später stand sie in der Schleuse, die nach draußen führte. „Jenny Jones, Verhör bei der Staatsanwaltschaft“ sagte Dobermann. Der Wachhabende an der Schleuse nickte. Er öffnete das erste Tor, das sich hinter Jones schloss. Das zweite Tor ging auf, dort standen zwei Gestalten, die typisch für Cops in allen Ländern der westlichen Hemisphäre waren. Ohne ein Wort zu sagen, stellten sich die beiden rechts und links neben Jones, griffen ihre Oberarme, und führten sie zu einer dunklen Limousine. Sie wurde auf die Rückbank verfrachtet, der erste der Cop setzte sich neben sie. Der andere setzte sich in den Fond auf die Fahrerseite, startete den Motor und fuhr los. Mit normaler Geschwindigkeit fuhr der Wagen durch Paris, aber anstatt an einer bestimmten Kreuzung rechts abzubiegen, fuhr die Limousine weiter geradeaus. „Das ist aber nicht der Weg zur Staatsanwaltschaft“ sagte sie zu niemanden besonderen. „Richtig Miss Jones“ sagte der Bulle neben ihr. „Jemand will Sie kennenlernen, und Ihnen ein Angebot machen.“ „Dann seid ihr beide keine Bullen“ stellte sie nüchtern fest. Sie hob die gefesselten Hände „Wäre nett, wenn ihr die Armbänder abnehmen könntet“ sagte sie. Der Bulle neben ihr schüttelte den Kopf. „Anweisung der Chefin, die bleiben solange dran, bis wir Sie abgeliefert haben.“

Die Fahrt ging weiter, aus der Innenstadt heraus in einen Außenbezirk. Prächtige Villen standen rechts und links, vor einer dieser Villen hielt der Wagen. Die beiden falschen Bullen stiegen aus, sie halfen Jenny Jones beim Aussteigen. Durch eine ziemlich imposante Haustür ging es in die Villa hinein. Auffällig war, dass die Villa so gut wie nicht möbliert war, bis auf den Raum, den sie jetzt betrat. Dort standen zwei Sessel und ein Tisch. Jenny Jones wurde in einen der Sessel verfrachtet, dann von den Handschellen befreit. Die beiden Bullen nahmen rechts und links von ihr Aufstellung. Eine weitere Tür öffnete sich, eine Gestalt betrat den Raum.  

„Miss Jones, es ist mir eine Freude, sie persönlich kennenzulernen.“ Die Gestalt, die das sagte, trug eine silberne Maske, die das gesamte Gesicht umschloss, und lediglich den Mund frei ließ, die Stimme klang weiblich. Sie setzte sich in den Sessel, der dem Sessel, in dem Jenny Jones saß, gegenüberstand. Elegant schlug sie die Beine übereinander. „Mein Chef ist leider sehr unzufrieden mit Ihnen. Das das FBI sie überwacht, wegen dem Tod eines Umweltaktivisten, hat sich als Stolperstein für die geplante Aktion erwiesen.“ Jenny knurrte „Damit hatte ich nichts zu tun, und von der Überwachung habe ich ebenfalls nichts gewusst.“ Die Gestalt nickte. „Das mag sein, aber im Gegensatz zu meinem Chef, der momentan in Urlaub ist, bin ich bei weitem nicht so geduldig mit Fehlschlägen. Daher habe ich mich dazu entschieden, Sie aus dem Gefängnis zu holen, und Ihnen eine zweite Chance zu geben, den Auftrag zu erledigen.“ Jenny lachte humorlos auf „Und wie soll ich das bewerkstelligen? Damals hatte ich meine Waffe dabei, ich hatte alles sorgfältig geplant, jetzt stehe ich hier in Gefängnisklamotten, meine Kanone liegt in irgendeinem feuchten Keller und rostet vor sich hin.“

Die Gestalt lächelte. Sie griff zu einem Gehstock, der neben dem Sessel gelehnt war. Der Knauf war aus einem dunklen, halbdurchsichtigen Material gefertigt, in dem etwas flatterte. „Sie werden keine Waffen und Pläne brauchen, das einzige was Sie brauchen werden, ist einer meiner kleinen Akumas“ sagte sie. Die Gestalt schnippte gegen den Knauf, woraufhin das kleine Wesen wie durch Magie aus dem Knauf kam. Es war ein schwarz – blauer Schmetterling, der zielstrebig auf Jenny Jones zu flatterte. Das Tierchen setzte sich auf den Zahn des ersten von ihr erlegten Bären, den sie als Glückbringer an einer Kette um den Hals trug. „Neeeeeeinnnnnnn!!!!“ schrie Jenny Jones, aber es war zu spät. Die Umwandlung setzte ein. Als die Wolke verschwand, trug sie einen militärischen Tarnanzug, schwere Stiefel an den Füßen, und eine grün – schwarze Maske vor dem Gesicht, deren Augenausschnitte von Fadenkreuzen bedeckt waren. Die Augen glühten schwarz – rot.

Einer der falschen Bullen legte ein Schnellfeuergewehr des Typs M16 auf den Tisch. Jenny Jones griff danach, entsicherte die Waffe mit schnellen und geübten Griffen, und legte auf die Gestalt an. „La Chasseuse, es gibt da eine Regel, die sollten Sie so schnell wie möglich verinnerlichen. ICH habe die Kontrolle.“ Bevor Chasseuse den Abzug durchziehen konnte, hatte sie das Gefühl, das sich eine riesige Hand um ihren Hals legte, die zudrückte. „Ich kann Ihnen Ihre Kräfte von einer Sekunde auf die andere wegnehmen. Dann stehen Sie in Ihren Gefängnisklamotten da, und jeder Flic, der Sie sieht, wird Sie sofort festnehmen.“ Als Chasseuse wieder atmen konnte nickte sie. „Verstanden“ sagte sie keuchend. „Gut. Erledigen Sie Ihren Auftrag, ich sorge dann dafür, dass Sie wieder in die USA kommen. Haben wir einen Handel?“ Chasseuse nickte. „Erledigen von Ladybug und Chat Noir, ihre Miraculous an mich nehmen, dann Ihnen liefern.“ Die Gestalt nickte, sie stand auf. „Das Gewehr können Sie aufgrund Ihrer Fähigkeiten in jede Waffe verwandeln, die Sie sich wünschen.“ Mit diesen Worten wandte sich die Gestalt ab und verließ den Raum.

Die beiden falschen Bullen waren auch verschwunden, Chasseuse stand alleine in dem Raum. Sie schaute das Gewehr an, dachte an ihre Lieblingsjagdwaffe, die sie nach ein paar Sekunden in der Hand hielt. Gut, sagte sie zu sich selber. Sie verließ den Raum, sprang draußen auf das Dach der nächsten Villa. Ihr Ziel war der Eiffelturm.

Marinette wischte sich die Lachtränen aus den Augen. Nora hatte Wort gehalten, die Nachricht auf Marinettes Smartphone war von Ihr. „Unsere beiden Kampfhühner betteln regelrecht darum, dass wir sie nicht bestrafen. Das Argument ist, das beide schon verletzt wären, und das wäre doch schon Strafe genug.“ Marinette schaute zu Tikki. „Und, was sagst Du dazu?“ meinte sie lächelnd. „Ich habe Dir doch schon gesagt, dass ich das fies finde, was Du mit Alya und Chloe vorhast. Ja, die beiden waren disziplinlos, ja, sie haben sich wie zwei Gören um einen Jungen geprügelt, aber jetzt liegen sie beim schönsten Wetter flach, und müssen sich auskurieren.“ Marinette überlegte. Sie ging nach unten in die Bäckerei. „Meisterin, ich habe eine Frage an Dich“ sagte sie auf Chinesisch zu ihrer Mutter. „Ich höre“ antwortete Sabine Dupain – Cheng. Marinette erläuterte kurz die Situation, da ihre Mutter ja den Kampf auch gesehen hatte. Sie sagte auch, dass ihre Kwami der Meinung war, die Sache auf sich beruhen zu lassen. Sabine schüttelte den Kopf. „Kampfkunst, auch Muay Thai, bedeutet Disziplin. Wenn eine Schülerin dies nicht lernt, dann sollte man sie entfernen.“ Marinette nickte. „Wenn Du an meiner Stelle wärst, Meisterin, welche Strafe würdest Du aussprechen?“ fragte sie. Sabine grinste „Es gibt eine sehr effektive Methode, einer Schülerin Disziplin einzubläuen“ sagte sie „Du weißt, was ich meine.“ Marinette grinste ebenfalls. „Die beiden im Ring gegen mich“ sagte sie. Sabine nickte und zwinkerte ihrer Studentin zu. „Danke Meisterin“ sagte Marinette, sie verbeugte sich, und sauste wieder nach oben. Sie wollte die Zeit vor dem Abendessen noch nutzen, um an ihren Übungen zum Chi zu arbeiten. Als sie oben in ihrem Zimmer ankam, wurde ihr allerdings schlagartig klar, dass daraus nichts werden würde. Ihr Smartphone piepste, der Anrufer war der Mann vom Geheimdienst, Colonel Reno. „Ja?“ meldete sie sich. „Ladybug, gut das ich Sie erwische. Jenny Jones ist getürmt, dabei hatte sie Hilfe von außen. Halten Sie bitte Ihre Augen auf, genau wie Ihr Partner, Chat Noir.“ Marinette bedankte sich für den Anruf. „Tikki, ich glaube, wir bekommen gerade richtig Stress“ sagte sie zu ihrer Kwami – Vertrauten.

Chasseuse landete auf der zweiten Plattform. Die Besucher dort schauten entsetzt, als sie die akumatisierte Gestalt sahen. „Ihr habt genau fünf Minuten, dann will ich hier niemanden mehr sehen. Wer hier bleibt, muss damit rechnen, zum Kollateralschaden zu werden.“ Die Leute rasten panisch davon, sie liefen entweder die Treppen herunter, oder versuchten, per Fahrstuhl nach unten zu kommen. Gut, dachte Chasseuse, als die Plattform leer war. Dann wollen wir mal das Wild anlocken. Ihr Gewehr verwandelte sich in einen Granatwerfer, mit dem sie die Polizeiwagen, die unten standen, in die Luft jagte. Ein Übertragungswagen raste heran, hielt aber vernünftigerweise außerhalb des Radius des Granatwerfers. Ein Kameramann und eine Reporterin stiegen aus, der Kameramann nahm die zweite Plattform ins Visier. Ich mag es nicht, gefilmt zu werden, dachte Chasseuse. Ihre Waffe verwandelte sich in ein Scharfschützengewehr, mit dem sie den Kameramann ins Visier nahm. Mit einem einzigen Schuss zerlegte sie die Kamera.

Über Marinettes Smartphone flimmerte die Meldung, das eine schwerbewaffnete Person, aller Wahrscheinlichkeit das Opfer eines Akumas, sich auf der zweiten Plattform des Eiffelturms aufhielt; sie hatte schon mehrere Polizeiwagen in die Luft gejagt. „Merde“ fluchte Marinette, sie rief Nora an. „Ja?“ meldete sich diese umgehend. „Deine Feuertaufe steht an, wir treffen uns auf dem Dach des Trocadero.“ Dann fielen die Worte „Tikki, verwandle mich!“ und Ladybug sauste über ihren Balkon in Richtung des Treffpunkts.

Als sie landete, sah sie aus der Ferne die Verwüstungen, die von dem Unbekannten angerichtet worden waren. Sie betrachtete mit Hilfe des elektronischen Fernglases, das in ihrem Yo – Yo verbaut war, die Szenerie genauer. Tigress landete neben ihr. „Das sieht ja aus wie in einem Kriegsgebiet“ war ihr Kommentar, als sie auch die Bilder gesehen hatte. „Näher ran, wir müssen wissen, was genau da los ist“ sagte Ladybug. Zusammen sprangen sie vom Dach, rasten dann in Richtung Eiffelturm. Je näher sie kamen, umso deutlicher wurden die Schäden. „Ladybug!“ rief ein Polizist, der sich hinter den Überresten seines Wagens versteckt hielt. „Die Type nennt sich La Chasseuse, die Waffe, die sie benutzt, kann sie nach Lust und Laune verändern. Die hat mit einem Granatwerfer unsere Dienstfahrzeuge zerlegt.“ Ladybug bedankte sich. „Merde, Sacre Merde“ fluchte Ladybug. Tigress schaute verdutzt. „Das ist jemand aus meiner jüngsten Vergangenheit, eine durchgeknallte US – amerikanische Jägerin, die vor ein paar Monaten versucht hat, mir und Chat Noir das Lebenslicht auszublasen. Dass das schief ging, haben wir dem Geheimdienst zu verdanken.“

„Bleiben zwei Fragen offen: Wie kommen wir auf die zweite Plattform, ohne erschossen zu werden, und wo steckt der Akuma?“ meinte Tigress nüchtern. „Der Akuma steckt aller Wahrscheinlichkeit in dem Bärenzahn, den sie als Glücksbringer um den Hals trägt. Wie wir da rauf kommen, das ist die Frage aller Fragen.“ Ladybug schickte ihren Yo – Yo mit den Worten „Glücksbringer“ in den Himmel. Herunter kam ein starker Laserpointer. Ladybug schaute zuerst verdutzt auf das Gerät, bis ihr einfiel, dass man damit selbst in großer Entfernung Leute blenden konnte. „Ich nehme Chasseuse in Visier, und blende sie. Du rennst dann los, und siehst zu, dass Du so schnell wie möglich nach oben auf die Plattform kommst.“ Tigress nickte, sie machte sich bereit. Beim ersten Lauf über die Dächer von Paris hatte sie Ladybug um Längen geschlagen, wenn es um Schnelligkeit ging.

Ladybug zielte mit dem Laserpointer auf die Gestalt, die auf der Plattform stand, und in ihre Richtung zielte. Ohne genau zu sehen, auf was sie schoss, feuerte Chasseuse lange Garben in Richtung des Bodens, wobei sie nichts anderes traf als die herumstehenden Autowracks. Tigress raste los, als ob sie eine Rakete auf dem Rücken hätte, und war ein paar Sekunden später schon dabei, am Gerüst des Eiffelturms hochzuklettern. Ladybug nutzte die fehlgehenden Schüsse, um von einer Deckung zur nächsten zu springen, dabei zielte sie immer wieder mit dem Laserpointer auf die Jägerin. Wütend darüber, das eins ihrer Beutetiere aus ihrem Sichtbereich verschwunden war, und das andere sie mit dem Laserpointer ständig blendete, verwandelte Chasseuse die Waffe wieder in den Granatwerfer, und sie begann, damit zu feuern. Aber nach dem dritten Schuss war Schluss, ein gewaltiger Schrei warf sie auf die Knie. Verdammt, ich doch schon bengalische Tiger gejagt, wieso haut mich dieser Schrei so um? Dachte sie bei sich selber. Mit aller Gewalt versuchte sie wieder auf die Beine zu kommen, auch wenn ihre Knie sich in Wackelpudding verwandelt hatten. Langsam stand sie wieder, sie langte nach der Waffe, die ihr aus den Händen geglitten war. „Liegen lassen“ sagte eine Gestalt, die wie aus dem Nichts aufgetaucht war.

Vor Chasseuse stand eine neue Superheldin, in dem Kostüm eines Tigers. Sie hatte zwei Schlagstöcke locker in den Händen, und grinste auf Chasseuse herunter. „Hat das Katerchen ein Upgrade bekommen?“ fragte sie spöttisch. „Nö“ kam die Antwort von der Superheldin „Wenn Du Chat Noir meinst, der ist immer noch da, ich bin Tigress.“ Chasseuse nickte. „Eine meiner Trophäen ist so ein Tigerfell samt Kopf. Kitschig wie die Hölle, aber ich bin stolz drauf.“ Das Gesicht von Tigress verzog vor Wut. „Sei froh, dass Du akumatisiert bist, anderenfalls würde ich Dir jetzt die Zähne aus Deinem dreckigen Maul schlagen.“ „Versuch es doch“ sagte Chasseuse, sie sprang auf, und versuchte, Tigress mit ihrem Kopf zu rammen. Die drehte sich elegant weg, und zog Chasseuse einen der Schlagstöcke über den Schädel. Sie ging in die Knie, ihr Kopf dröhnte. Wieder versuchte sie hoch zu kommen, als Tigress sagte „Oh ja, bitte steh auf, dann kann ich Dich nach Strich und Faden vermöbeln.“ „Nicht nötig“ meinte Ladybug, die inzwischen ebenfalls die zweite Plattform erreicht hatte. Sie hatte sich das Gewehr gegriffen, und nach unten befördert. Sie ging auf Chasseuse zu, griff ihr an den Hals, wo sie den Anhänger hervorzog. Diesen zerbrach sie zwischen ihren Händen, woraufhin der Akuma erschien. Geübt fing Ladybug diesen ein, reinigte ihn, und ließ ihn wieder frei. Die Verwandlung setzte ein, und Jenny Jones lag vor ihnen, in Gefängnisklamotten. Zum ersten Mal in ihrem Leben spürte Ladybug die Lust, jemanden den Hals um zu drehen. Statt wie üblich sich um die zurück verwandelte Person zu kümmern, winkte Ladybug den erschienenen Polizisten zu, die Jenny Jones auf die Beine zogen, und ihr Handschellen verpassten. „Vielen Dank Ladybug und?“ sagten sie. „Tigress“ antwortete diese mit einem Augenzwinkern. Die beiden Superheldinnen verschwanden vom Eiffelturm.  

Aus einer Limousine heraus hatte eine Frau die gesamte Aktion beobachtet. Sie machte ein missmutiges Gesicht. Dieser Plan hatte sich, genau wie viele vorher, in Rauch aufgelöst. „Fahren Sie los“ befahl sie dem Fahrer.
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