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Garden Valley

SongficSchmerz/Trost / P12 / Gen
Staubfinger
18.09.2018
18.09.2018
1
1.978
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18.09.2018 1.978
 
Hey ihr! Das ist meine erste FF in diesem Genre und es wäre super wundervoll ne Rückmeldung zu bekommen! (hust*vor allem, weil es gleichzeitig auch noch meine erste Songfic ist :)
Ich musste, als ich das Lied gehört habe einfach sofort an Staubfinger denken, und vielleicht könnt ihr es ja nachvollziehen :D
Das Lied „Garden Valley“ wurde von Cara Dillon gesungen und alle Rechte des fettgedruckten Textes liegen bei ihr. Wünsche euch viel Spaß!

- - - - -

Staubfinger strich sich das feuchte Haar aus den Augen. Noch immer roch die Luft nach Regen und Sauberkeit. Das Straßenpflaster glänzte nass und ein kühler Wind strich ihm mit eisigen Fingern über die Wangen und ließ ihn frösteln.
Aber er war die Kälte gewöhnt. Schwarz hing der Himmel über ihm. Eine Wolkenwand aus düsterer Vorahnung. Kein Stern schaffte es durch die Dunkelheit.
Trostlos.
Kalt.
Abweisend.
Das grelle Licht einer Straßenlampe spiegelte sich in einer Pfütze. Hässlich wie alles andere auch. In der Ferne krochen Autos durch die Nacht und verpesteten mit ihren stinkenden Atem die Welt. Zerstörten die Stille.
Nein. Hier war er nicht zu Hause. Er würde niemals hier zu Hause sein. Nie.
Nicht ohne Roxanne. Nicht ohne die Kinder. Nicht ohne die Elfen und die Jahrmärkte und die bunten Kostüme der Himmeltänzer über ihm. Nicht ohne das Leben, dass in dieser Welt begraben lag.
Nein, das hier war nicht sein zu Hause.

This is really not my home. Oh where are you my lovely Johnny? I´m afraid and all alone, there is no peace for me.

Er schlang die Arme um sich und lehnte sich an eine kleine Gartenmauer. Aus einem der Fenster drang das Flackern eines Fernsehers und warf unruhige Schatten zwischen die gestutzten Buchsbäume, die im Garten wuchsen.
Zu schnell. Diese Welt war zu schnell. Zu unruhig. Zu laut. Und so grau. Düster wie die Gewitterwolken die die Nacht verfinsterten. Es gab kein Lachen, kein Weinen, kein Glück und keinen Schmerz. Nur die graue Gleichtönigkeit, die ihm den Verstand raubte.
Die Einsamkeit nagte an seinem Herzen und nahm jeden Tag ein Stück von ihm fort. Irgendwann wäre er nur noch ein Gespenst in dieser Welt. Für seien Welt, war er längst gestorben. Ein Geist zwischen den Welten, eine Erinnerung, zu klein um beachtet zu werden.
Die Gegenwart vergaß so schnell fremde Gesichter.
Die Kälte kroch langsam aber sicher unter seinen Mantel. Und bald würde der Himmel ein weiteres mal seine Schleusen öffnen. Irgendwo grummelte die Nacht.
Sollte er zu Zauberzunge gehen? Sollte er ihn warnen? Sollte er ihn verraten?
Er war es so leid. All die Lügen, all den Schmerz, all das Heimweh...
War es zu viel verlangt, zurück nach Hause zu wollen? Warum konnte Zauberzunge ihn nicht einfach zurück lesen, mit dieser Stimme, die so trügerisch sanft und bezaubernd war. So voller Hinterlist. Er hatte ihn in diese Welt gebracht, als hätte er kein Recht auf ein zu Hause.
Ja, er war nicht oft bei Roxanne gewesen. Und er hatte seine Kinder nicht aufwachsen sehen. Und er bereute es mit allem, was noch von ihm übrig war.
Aber immer, immer war er zu ihnen zurück gekehrt, hatte versucht ihnen zu zeigen wie lieb er sie alle hatte und war dann wieder dem lockenden Ruf der Ferne gefolgt, immer weiter hinein in seine Welt voller Magie und Geheimnisse.
Hier gab es keine Zauber. Keine Lieder die in den Adern pulsierten, keine Wesen die einem das Herz zum stolpern brachten, weil sie ein kleines Wunder waren.
Ein Fremder.
Mehr war er nicht. Ein gesichtsloser Fremder, der im Saum dieser Welt lebte. Ohne wahr genommen zu werden. Das Spiel dieser Welt war so grausam, so gezielt, so kompliziert. Und es war nicht dieses Leben, dass er zu spielen gelernt hatte. Auch nicht nach all den Jahren.

I´m sitting in the stranger´s room, playing at the strangers table. Shining empty like the moon, there is no peace for me.

Er fuhr sich über die Wangen. Wasser lief aus seinen Haaren, doch es waren Tränen die sich auf seinen Lippen sammelten. Er konnte das Salz schmecken.
Die Dunkelheit schien ihn von allen Seiten verschlingen zu wollen. Rückte näher, fasste ihm mit kalten Händen in den Nacken.
Staubfinger zog die Schultern hoch, doch vor den kalten Blicken dieser Welt konnte man sich verstecken. Er schloss die Augen und atmete tief durch.
Er lauschte seinem zitternden Herzschlag und beschwor die Bilder der Vergangenheit herauf. Er konnte sie im Feld stehen sehen. Ihre Haare schimmerten schwarz wie Asche im Sonnenlicht. Dann tanzte Roxanne lachend und in wehende Gewänder gekleidet durch eine johlende Menschenmenge. Und ihre Stimme floss zart und lieblich wie flüssiges Silber durch seinen Geist. Warum konnte ihre Stimme ihn nicht zurück holen, wenn Zauberzunges ihn hierher gerissen hatte?
Er konnte die Wälder säuseln und die Elfen klingeln hören. Er konnte die wütenden Worte seiner Tochter hören, fühlte ihre kleinen Kinderhände in den seinen.
Er sah das bunte Treiben der Märkte, er sah das dunkle Grauen des Natternkopfes.
So viel. So viel war da gewesen.
Und hier?
Er öffnete die Augen wieder. Die Erinnerungen verflüchtigten sich schneller als sein Atem und ließen ihn noch leerer zurück in der fremden Nacht. Die Nächte hier flüsterten nicht, sie schwiegen.

But in the darkness struggle cold I think about the garden valley. Gentle as the leaves unfold singing out across the bay, distant and so far away, there is no peace for me.

Er rappelte sich wieder auf und bewegte seine steifen Glieder. Das Licht der Straßenlampe stach in seine Augen. Es war zu grell. Zu unnatürlich. So viel hässlicher als das warme Flackern des Feuers. Ja, auch in dieser Welt gab es Feuer, doch es war genauso kalt wie seine Mutter. Hier lachte das Feuer nicht. Es sprach auch nicht zu ihm. Es schwieg, wie alles andere auch.
Er machte ein paar Schritte, blieb unschlüssig stehen? Wo sollte er hin? Was sollte er tun? Er konnte die Einsamkeit in seinen Eingeweiden toben spüren.
Alleine.
Alleine in dieser Welt. Er gab es nicht gerne zu, aber sie machte ihm Angst. Die grimmigen Menschen, die unpersönlichen Gebäude, die sich immer wiederholende Muster. Es kam ihm vor, als würde er in jeder Sekunde von dutzenden stummen Blicken verfolgt.
Was wollt ihr von mir?, hätte er ihnen gerne zugeschrien. Ich tu euch doch nichts! Ich will nur zurück!
Doch er traute sich nicht. Er traute sich nicht, aus Angst die Stille zu stören und von den viel zu schnellen Gedanken davon gespült zu werden, bis er überhaupt keinen Halt mehr hätte.
Verloren zwischen tausend grellen Lichtern, gefangen zwischen schweigenden Menschen.

I´m blinded by your city lights I wander through these fearful places. The colors fade from black to white, there is no peace for me.

Manchmal sehnte er sich beinahe nach Zauberzunge. Manchmal sogar nach Capricorn. Es war so schwer in dieser Einsamkeit zu überleben.
Aber keiner von den beiden würde ihn bei sich haben wollen. Capricorn würde ihn fortschicken, mit dem Auftrag einen weiteren Verrat zu begehen, Und Zauberzunge... Zauberzunge würde Lächeln und ihn einladen sich zu wärmen und auszuruhen. Er würde ihm ein wenig gestohlene Wärme schenken. Weil sein Herz noch immer voller Schuld war. Nicht weil er sein Freund war. Er hatte keine Freunde hier.
In seinem Inneren war nur die ewige Leere, in der alles verloren geht, was einem wichtig ist, in der die Zeit keine Rolle spielt, nur der Wahnsinn.
Nein, hier gab es niemanden, der ihm lachend auf die Schulter klopfte, oder ihm um den Hals viel, voller Freude darüber, dass er da war.
Hier wünschte sich jeder, dass er wieder ging. Niemals würde er zu ihnen gehören. Niemals würde er in diese Welt passen. Immer würde er ein fremder bleiben, ein unerkannter Schatten.

And these are not the friends I know, these are not their smiling faces. A desert that no one should know, there is no peace for me.

Staubfinger gab sich einen Ruck, schulterte seinen Rucksack neu. Er musste etwas tun. Er konnte nicht länger in dieser Hölle bleiben, die ihn verzehrte, mit ihren kalten Flammen. Er musste zurück, zurück zu seinem Leben, zurück zu denen, die ihn liebten.
Es war so schwer ein Fremder zu sein.
Es war so schwer, von niemandem gemocht zu werden.
Es war so schwer, die Einsamkeit zu ertragen.
Etwas gehetztes trat in seine Augen während sein Blick durch die Finsternis glitt. Wieder grollte der Himmel, voller Zorn.
Nein, er konnte nicht hier bleiben! Er musste zurück!
Am liebsten hätte er geschluchzt, doch er hatte mit den Jahren gelernt, dass das nichts besser machte. Er hatte gelernt, dass es egal war, wie alleine und verloren man sich fühlte. Dieser Welt war das egal.
Er hielt es nicht mehr aus! Was sollte er nur tun?
Diese Frage schwirrte ihm im Kopf herum, und ließ seine Wangen fiebrig glühen. Capricorn hatte es ihm versprochen.
Bring mir das Buch und Zauberzunge dazu, dann bringe ich dich zurück in deine stinkende Welt.
Aber wie viel waren seine Versprechen wert?
Staubfinger biss sich auf die Lippen. Er hasste es zu lügen. Er hasste Verrat. Aber Zauberzunge hatte ihn zuerst verraten, oder?
Er konnte nicht mehr hier bleiben. Diese Welt fraß ihn auf! Würde Zauberzunge das verstehen?

Now I know and feel it well poor immigrants deep sunken feeling, standing at the gates of hell, there is no peace for me.

Unsicher machte er einen Schritt nach vorne. Einen Schritt fort von dem Licht der Straßenlampe, näher an die Dunkelheit.
Zauberzunge hatte eine Tochter. Das Mädchen war unschuldig, oder? Es konnte nichts dafür, dass sein Vater ihm alles genommen hatte, das ihm wichtig war.
Staubfinger dachte an seine eigenen Kinder. Die beiden Mädchen, die ihn voller Liebe angesehen hatten, wenn er einmal da gewesen war. Das vertrauen, dass in ihrem Lächeln lag.
Zauberzunge war sicherlich ein besserer Vater gewesen als er. Seine Tochter musste ihn geradezu abgöttisch lieben.
Ein scharfer Schmerz durchzuckte ihn und er krümmte sich einen Moment zusammen. Konnte er dem Mädchen seinen Vater nehmen?
Ein gleißend heller Blitze spaltete den Himmel in schwarz und weiß und machte die Nacht für einen Moment noch grausamer. Nur Augenblicke später antwortete die Dunkelheit mit krachendem Rumpeln.
Nein, dachte Staubfinger und seine Hände ballten sich zu Fäusten. Er hat dir alles genommen. Alles und noch mehr! Alle die er liebte, alle die ihn liebten, alles was ihm wichtig war, alles was sein Leben wichtig machte, alles war fort. Verschwunden. Für immer.
Einfach so.
Als hätte es das alles nie gegeben. Als wäre er wirklich nicht mehr gewesen, als ein unsichtbarer Schatten. Als wäre sein Leben nichts gewesen, als ein Traum.
Zauberzunge hatte ihm nicht nur seine Familie und seine Freunde genommen, sondern gleich seine ganze Welt.
Er schuldete Zauberzunge nichts! Und auch nicht seiner Tochter!
Er würde ihn verraten und verkaufen, so wie er es mit ihm getan hatte! Ja, er hatte ein Recht dazu!

Burned out by their master´s greed, cruel exile transportation. Robbed of every love and need, there is no peace for me.

Doch die Wut verwandelte sich wieder in tobenden Schmerz. Verrat. Wie er es hasste. Er hasste Capricorn dafür. Er hasste Zauberzunge dafür. Er hasste sich selbst dafür. Verdammt!
Alles was er wollte, war nach hause zu kommen.
Er wollte keine Feinde, er wollte seine freunde wieder sehen. Er wollte Zauberzunge nicht böse sein. Er wollte ihn einfach nie wieder sehen...
Aber es schien nur diesen einen Weg zu geben. Diesen einen dunklen Weg, der vielleicht, vielleicht zurück nach hause führte. Der Gedanke brachte sein Herz zum rasen, doch seine Hoffnung war schwarz wie die Nacht, die neben ihm atmete wie ein lechzendes Tier, das seine Beute gewittert hatte.
Es tat weh. So weh.
Die Einsamkeit.
Der Verrat.
Der Weg, den seine Füße ihn entlang trugen, als wären es die eines Fremden.
Ein einsamer Feigling, dachte Staubfinger und seine Tränen mischten sich zu dem Regen, der mit einem mal vom Himmel prasselte.
Nach Hause, mehr will ich nicht.
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