Falscher Körper

von we artist
KurzgeschichteAllgemein / P12
Elena Gilbert Kol Mikaelson
17.09.2018
17.09.2018
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A/N Ich habe am Alternative Universe 2 Wichteln teilgenommen, veranstaltet von Valentia, und das hier ist mein Beitrag für Iryna Dragomyr. Da das hier das erste Mal war, dass ich mit diesen Charakteren geschrieben habe, wird es nicht ganz so das sein, was man sich erwarten wird, aber es war eine tolle Herausforderung. Ich hoffe aber dennoch, dass du ein wenig Gefallen an der kleinen Kurzgeschichte finden wirst! Viel Spaß beim Lesen.
(Ich entschuldige mich auch gleich mal, dass ich die Sache mit dem AU ein wenig verfehlt habe OTZ)

Der Wunsch (der Teil, den ich umgesetzt habe) :

Fandom 2
: The Vampire Diaries
Charaktere 2: Elena, Kol
Pairing 2: Elena/Kol
Inspiration: Nacht, Blut, Vergebung, Sommer
No Go's: PWP, sonst freie Hand
Maximales Rating: P18/P18-Slash




Falscher Körper





       Liebes Tagebuch,

       Es scheint mittlerweile nicht mehr überraschend zu kommen, dass ich Gefahr anziehe wie grelles Licht nachts die Motten. In meinem Leben gab es bereits viel zu viele Situationen in denen ich beinahe gestorben wäre und zwei Mal da bin ich sogar gestorben, als ich unfreiwillig dabei half einen Hybriden zu erschaffen und später zu einem Vampir wurde.

       Die Monster, die andere nachts nicht schlafen lassen, da sie vor ihnen in Alpträumen heimgesucht werden und die für die meisten Menschen nur als mystische Geschöpfe aus alten Gruselgeschichten oder Hollywood Blockbustern bekannt sind, sind für mich jedoch Realität und mittlerweile fester Bestandteil meines Lebens.

       Es gibt scheinbar nichts, das es nicht gibt. Von Vampiren und Werwölfen angefangen, bis hin zu Hybriden, Hexen und Doppelgängern oder auch Geistern.

       Wenn mir jemand sagt es gibt Meerjungfrauen, würde ich es nicht anzweifeln. Jede Art von mystischem Geschöpf aus Geschichten und Sagen aus aller Welt existiert vermutlich irgendwo oder hat zumindest existiert.

       Vermutlich gibt es sogar Götter. Wir haben sie nur noch nie so wirklich zu Gesicht bekommen.

       Aber ich schweife ab.

       Auf was ich eigentlich hinaus möchte ist jene Tatsache, dass es in meinem Leben sehr viel Verrücktes gibt, das normale Menschen, die nie mit dem Übernatürlichen in Kontakt getreten sind, vollkommen überfordern würde. Ja, die meisten würden vermutlich den Verstand verlieren.

       Es existiert da draußen mehr, als der menschliche Verstand verkraften würde und ich habe so viel erlebt, dass ich zehn Bücher, wenn nicht mehr, damit füllen könnte.

       Aber das, was mich im Moment heimsucht, ist selbst für mich neu. Ich weiß noch nicht einmal wo ich mit meiner kleinen Erzählung beginnen soll. Angefangen hat es damit, dass wir versucht haben uns ein Mitglied der Originals Familie vom Leib zu halten.

       Irgendwie vergebens.

       Der Zauberspruch, den Bonnie in einem alten Grimoire gefunden hat, der uns hätte helfen sollen Kol für eine Weile schlafen zu legen, hat nämlich nicht den Effekt erzielt, den wir uns erhofft hatten.

       Stattdessen ist etwas passiert, mit dem wohl niemand gerechnet hätte. Noch nicht einmal der über tausend Jahre alte Vampir, der selbst einmal Zauberkräfte besaß und laut eigenen Aussagen jede Art der Magie, die es je auf dieser Welt gab, studiert hat.

       Selbst er hat so etwas noch nie gesehen.




•••




       „Bonnie!“, sagt sie an ihre beste Freundin gerichtet, ein quengelnder Ton ist dabei in ihrer etwas kratzigen Stimme zu hören. Sie mustert die dunklen, braunen Augen der jungen Hexe, die fast schon entschuldigend den Kopf senkt und weiterhin in dem großen, schweren Buch nach einer Lösung sucht.

       Elena ist sich nicht sicher, ob das Schweigen ein gutes Zeichen ist oder nicht. Ihrer Erfahrung nach bedeutet es jedoch nichts Gutes.

       Sie seufzt und hebt eine Hand, um sich aus reiner Gewohnheit heraus mit den Fingern durch das lange, braune Haar zu streichen, wenn es denn noch da wäre.

       Nein. Sie hat es sich nicht abgeschnitten. Nachdem sie wach wurde, war es auf einmal kurz.

       Diese Veränderung allein sorgt jedoch nicht für Verunsicherung und Unbehagen. Es ist vielmehr die Tatsache, dass sie auf einmal in einem männlichen Körper steckt, die Elena durcheinander bringt. Es ist auch nicht irgendein Körper, sondern ihr eigener, nur eben in männlicher Form.

       Ihre Brust ist auf einmal flach und von gewissen Organen weiter südlich an ihrem Körper will sie gar nicht erst anfangen. Selbst jetzt, knapp eine Stunde nachdem sie wach wurde, muss sie noch immer lernen mit diesem Körper umzugehen, auch wenn es ihr lieber wäre, dass gar nicht erst tun zu müssen, doch irgendwie scheint Bonnie einfach keine Lösung zu finden.

       Sie seufzt und fängt an von einem Ende des Raums zum nächsten zu gehen, fast schon wie ein ungeduldiger und hungriger Tiger, der darauf wartet gefüttert zu werden.

       „Es hilft mir nicht, wenn du… das machst!“, hört sie Bonnie sagen. Sie schaut nicht von ihrem Buch auf, wedelt aber mit den Händen herum, was Elena erneut seufzen lässt.

       „Was soll ich sonst machen? Ich bin ein Mann!“ Zuerst wirft sie ihre Arme nach oben, da es wirklich schwer ist die ganzen Emotionen die über sie hereinbrechen zu kontrollieren. Dann lässt sie diese aber wieder sinken und richtet ihren Blick stattdessen nach unten und verzieht die Lippen etwas, ehe sie mit der Nase rümpft.

       „Ein Mann, der auf die Toilette muss!“, murmelt sie anschließend.

       Da sie diesen Körper erst seit gut einer Stunde hat, weiß sie nicht so richtig, wie sie damit umgehen soll. In ihren knapp über zwanzig Jahren auf dieser Welt, egal ob nun als Mensch, Doppelgänger oder Vampir, war sie immer eine Frau.

       Sie weiß, wie der weibliche Körper funktioniert und auch wenn sie Ärztin werden möchte und so einiges über den männlichen Körper weiß, hat sie keine Erfahrung damit. Sie selbst hatte bis jetzt keinen männlichen Körper.

       Im Moment kann sie nur darauf hoffen, dass so etwas wie Instinkt einsetzen wird.

       Es fühlt sich aber nicht wirklich gut an, so wie ihre Blase drückt. Wenn sie nicht bald auf der Toilette verschwindet, wird sie sich vermutlich anmachen und das will sie weder vor Bonnie, noch vor dem eher ungebetenen Gast riskieren.

       „Relax, Darling. Soll ich dir vielleicht helfen?“, ertönt eine Stimme vom anderen Ende des Raumes. Sie klingt fast schon spottend, aber auch amüsiert, als wäre das hier ein einfacher Spaziergang im Park.

       Als sich Elena zur Quelle der Stimme dreht, kann sie ein gehässiges Lächeln auf den weichen Gesichtszügen von Kol Mikealson erkennen. Seine Augen wirken größer als sonst, die Lippen voller und seine Wangenknochen ausgeprägter. Seine langen, braunen Haare fallen ihm in Wellen über die Schultern.

       Es ist fast schon unfair wie gut die Mitglieder dieser Familie aussehen und das selbst in so einer Situation. Elena hat bereits einen Blick in den Spiegel geworfen und auch wenn sie in männlicher Form nicht schlecht aussieht, erkennt man wie miserabel sie sich im Inneren fühlt, da das hier einfach nicht richtig ist.

       Sie hat nichts gegen diesen männlichen Körper und auch wenn das irgendwie ihr eigener Körper ist, ist er es nicht.

       Dass Kol also recht entspannt wirkt und mit der Situation überhaupt nicht überfordert, wirft viele Fragen auf, die Elena gerne beantwortet hätte, aber ganz bestimmt nicht stellen wird. Je weniger sie mit Kol spricht, desto besser.

       Dieser wartet vermutlich nur auf einen kurzen Moment der Schwäche, ehe er versucht sie zu töten, was nicht das erste Mal wäre.

       Elena lässt ihn nicht aus den Augen und er erwidert diesen Blick auch noch.

       Bonnie hat zwar mit diesem Zauber einen Fehler gemacht, aber zumindest ist Kol noch immer in der hinteren Ecke des Zimmers gefangen und kann nicht über die feine, weiße Linie aus Salz treten.

       Natürlich könnten sie ihn laufen lassen, sodass er selbst mit dem Problem, das sie beide irgendwie teilen, fertig werden muss. Aber dann wiederum hat Bonnie die Befürchtung, dass sie dieses kleine Problem nur dann lösen können, wenn sie beide anwesend sind.

       Elena rümpft die Nase und schüttelt den Kopf. Sie sollte versuchen Kol zu ignorieren. Er kann im Moment nicht aus dieser Ecke und diese amüsierte Art macht Elena nur wütend. Stattdessen versucht sie ihre Aufmerksamkeit auf Bonnie zu lenken.

       „Kannst du denn nichts tun?“

       „Ich suche doch schon, Elena!“

       „Ich meine, kannst du nichts gegen ihn ausrichten?“

       Bonnie hebt kurz den Kopf, schaut auf Elena, dann auf Kol, ehe sie den Kopf schüttelt und weiter in dem großen Buch nach einer Antwort sucht. Bonnie legt mittlerweile das dritte, nicht gerade dünne Buch zur Seite, da sie scheinbar auch in diesem nichts gefunden hat.

       „Ich weiß, wir sind nicht die besten Freunde, Darling, aber ich will doch nur helfen. Lasst mich hier raus, ja?“

       Auch wenn es schwer fällt zu leugnen, dass sich dieser britische Akzent sehr sexy anhört und Kol in weiblicher Form sehr gut aussieht, kann sie auf diese Aussage nicht eingehen. Ihr Körper reagiert aber auf eine Art und Weise, die ihr Sorgen bereitet.

       „Bitte finde so schnell wie möglich eine Lösung, Bonnie!“, bittet sie ihre beste Freundin, ehe sie den Raum verlässt, um ihre Blase zu entleeren, da sie der Druck sonst noch den Verstand verlieren lässt.



•••




       Ja, richtig gelesen.

       Bonnie wollte Kol eigentlich nur in eine Art Schlaf versetzen, damit er uns und Jeremy nicht weiterhin drohen konnte, aber irgendetwas ist schief gegangen.

       Bonnie hat es nicht erwischt, weil sie von ihrer eigenen Magie geschützt wurde, aber Kol und ich haben irgendwie jeweils das Geschlecht gewechselt. Nicht unsere Körper. Ich steckte noch immer in meinem Körper, nur dass er nicht mehr weiblich war, sondern männlich und bei ihm war es dasselbe. Man erkannte ihn irgendwie und doch sah er anders aus.

       Und jetzt wussten wir nicht, wie man das Ganze rückgängig machen konnte. Zwar hat Kol irgendwann zwischen seinen arroganten Sprüchen die Information überschwappen lassen, dass er eine Hexe kennen würde, die uns helfen könnte, doch sicher war ich mir nicht, ob man einem Vampir wie ihm überhaupt trauen konnte.

       Er hat bereits zu oft versucht jemanden zu töten, der mir wichtig war und auch noch öfter damit gedroht.

       Ich wusste aber, dass wenn Bonnie nichts findet, wir es fast riskieren müssen seine Hilfe anzunehmen, in der Hoffnung, dass er auch wirklich helfen möchte.

       Ich wollte nämlich nicht, dass irgendjemand außerhalb dieses Zimmers von dieser Sache hier erfuhr.

       Es war irgendwie peinlich.

       Nicht, dass ich etwas gegen Männer hätte oder Menschen, die sich im eigenen Körper fremd fühlen, weil sie einfach im falschen Körper auf die Welt gekommen sind. Aber ich fühlte mich in meinem männlichen Körper nicht wohl. Ich konnte ihn auch nicht steuern. Es kamen seltsame Gefühle hoch, wenn ich auf Kol schaute, wobei ich ihn doch hassen sollte. Doch in dieser weiblichen Form war er wirklich unglaublich hübsch und auch anziehend. Es ist, als hätten meine Hormone sich dazu entschlossen einfach durchzudrehen oder war es das Testosteron? Ich kann nur sagen, dass ich verzweifelt war und do schnell wie möglich eine Lösung finden wollte.

       Nur gut, dass Damon und Stefan unterwegs waren, um ein kleines, privates Problem zu lösen. Sie wollten mir nicht sagen um was es ging, aber ich versuchte ihnen zu vertrauen. Caroline und Matt waren damit beschäftigt Sherriff Forbes mit einem Fall zu helfen. Jeremy war auch nicht hier und Alaric zum Glück auch nicht.

       Es blieben also nur Bonnie und ich, neben Kol, dessen Hilfe wir leider annehmen mussten, denn ich war mit meinem Latein ohnehin schon am Ende und Bonnie scheinbar auch.




•••




       „Es könnte sein, dass ich etwas gefunden habe!“, ruft Bonnie aus, die von dem dicken, sehr alt wirkenden Buch auf ihrem Schoß aufschaut und Elena sucht. Diese geht natürlich sofort auf ihre beste Freundin zu, wobei sie nicht darauf vergisst immer wieder einen Blick auf Kol zu werfen.

       Man kann nie wissen, wann er nicht doch auf die Idee kommen könnte, etwas Dummes zu tun.

       Gefesselt oder nicht, er ist und bleibt ein Original.

       Bei Bonnie angekommen versucht sie aus dem, was sie auf den beiden Seiten zu erkennen ist, schlau zu werden, doch daraus wird nichts. Erst der fragende Blick, den sie ihrer besten Freundin schenkt, zeigt dieser, dass sie erklären sollte, was da steht.

       Bonnie fängt dann an zu erklären, doch je mehr Elena hört, desto eher wird ihr klar, dass das zwar irgendwie Sinn ergibt, aber ihnen nicht weiter helfen wird. Auch Bonnie merkt das, weil ihre Stimme immer leiser und leiser wird, ehe sie ganz schweigt und anschließend einfach nur seufzt.

       Die junge Hexe schlägt das Buch zu, wirft es zur Seite auf das Sofa und lässt Kopf und Schultern hängen. Elena ist frustriert, dennoch legt sie einen Arm um Bonnie, die anfängt sich die Schläfen zu massieren.

       „Es muss doch einen Weg geben um wieder… wieder ich selbst zu werden oder nicht?“, möchte Elena verzweifelt wissen.

       Sie steht auf und fängt an erneut im Raum auf und ab zu wandern. Sie versteht einfach nicht, warum Bonnie keine Lösung findet. Nicht nur, dass Bonnie einige Bücher hier herum liegen hat, die helfen können, sie ist doch sonst auch so schlau und stark und findet eine Lösung. Warum jetzt nicht?

       Nach einer Weile hört sie ein amüsiert klingendes Kichern aus jener Ecke des Raums, in der Kol in seiner weiblichen Gestalt auf einem Stuhl sitzt und sie amüsiert mustert. Sie hat seinen Blick bereits die ganze Zeit auf sich gespürt, da er sie zu verfolgen scheint, doch jetzt wird es zu viel.

       „Was ist daran so witzig?“, donnert sie mit tiefer Stimme, die sich sehr befremdlich für sie anhört.

       Es ist schlimm genug, dass etwas schief gegangen ist und sie jetzt beide ein anderes Geschlecht haben. Wie kann er nur auf diesem Stuhl sitzen, die langen Beine überschlagen und die Arme vor der gar nicht so unscheinbaren Oberweite verschränkt habend, und lachen? Was ist für ihn so amüsant? Dass Elena verzweifelt? Ist das vielleicht eine neue, aufregende Form der Folter für ihn?

       Sie beißt sich auf die Unterlippe, ehe sie beschließt, dass es besser wäre erst gar nicht auf eine Antwort von Kol zu warten. Er will sie nur provozieren, mit seinen langen Beinen, dem anziehenden Körper und dem frechen Grinsen.

       Diese Gedanken, die scheinbar von einem südlichen Teil ihres alten und doch neuen Körpers gesteuert werden, machen die Situation auch nicht besser.

       „Jetzt warte doch, Darling. Warum seid ihr bis jetzt noch nicht auf die Idee gekommen mich um Hilfe zu bitten, wenn ich doch gleich hier sitze?“

       „Weil du uns umbringen wolltest?“, kommt es von Elena.

       „Weil du hier der Böse bist?“, meint Bonnie, wobei auch ihre Stimme am Ende um eine oder zwei Oktaven steigt, was eine Art Frage andeutet, auch wenn weder Elena, noch Bonnie auf eine passende Antwort warten.

       Kol lacht nur auf. Seine Stimme klingt hell und glockenklar, was Elena irgendwie gefällt.

       Diese Gedanken sind jedoch befremdlich. Sie hofft, dass das nur daran liegt, dass sie jetzt einen männlichen Körper hat und einfach alles in ihr drinnen verrücktspielt, weil nichts so ist, wie es sein sollte.

       Verwunderlich wäre es aber noch nicht einmal, würde sie Gefallen an ihm in weiblicher Form finden, schließlich ist Damon auch kein Engel und sie hat ihm sehr viele Chancen gegeben.

       Das hier ist aber anders. Ja, denkt sie sich, das ist anders.

       „Ich habe sehr viele Jahre auf dieser Welt gelebt. Seid ihr nicht der Meinung, dass ich vielleicht weiß, wie wir wieder unsere biologischen Körper zurückbekommen können?“

       Er macht eine Pause, ehe er amüsiert hinzufügt: „Es ist zwar nicht das erste Mal, dass ich in einem Körper wach werde, der nicht direkt meiner ist, aber ich bevorzuge es dennoch ein Mann zu sein, auch wenn das hier durchaus Vorteile haben könnte. Also lass mich einfach helfen, Darling, okay?“

       Elena verzieht die Lippen und rümpft die Nase.

       Sie will nein sagen, doch mittlerweile sucht Bonnie seit Stunden und es gibt keine Lösung. Was hat sie also schon für eine andere Wahl, wenn das hier weiterhin unter Verschluss bleiben soll? Kol möchte doch genauso wieder sein eigentliches Geschlecht zurückbekommen und Elena fühlt sich in einem weiblichen Körper auch wesentlich wohler, als in einem männlichen.

       „Okay...“, sagt sie dann resigniert, „Wie kannst du helfen? Aber keine Tricks! Du wirst schneller ohne Kopf herumlaufen, als du bis drei zählen kannst“

       Elena weiß, dass das nichts weiter ist, als eine leere Drohung. Selbst in seinem Zustand, mit dem Vervain in seinem Blutsystem, wäre er vermutlich stärker und Bonnie ist müde und ausgelaugt, also hat sie nicht mehr viel Kraft, auf die sie zurückgreifen könnte.

       Elena geht auf einen Tisch zu und schnappt sich sicherheitshalber und auch irgendwie als Drohung eine weitere Spritze. Eine von vielen, die sie ihm bis jetzt in die Adern gedrückt haben. Vervain hilft immerhin auch gegen einen Original – zumindest für kurze Zeit.

       „Meine Schwester Freya kann uns helfen. Sie ist eine sehr mächtige Hexe.“

       Elena weiß nicht ob sie dem was er sagt trauen kann oder nicht, dennoch möchte sie wissen: „Und wo finden wir diese Freya?“

       Ein gerissenes Grinsen schleicht sich auf die weichen Züge von Kol. Selbst in weiblicher Form wirkt er sich seiner sehr sicher und doch irgendwie anziehend oder ist er es gerade deswegen?

       „In New Orleans!“



•••




       Ja… New Orleans.

       Er hat wirklich vorgeschlagen, dass wir mit dem Wagen nach New Orleans fahren, um seine Schwester aufzusuchen, die vielleicht helfen könnte. Natürlich habe ich nicht sofort zugesagt, denn eine über 14 Stunden lange Autofahrt mit Kol Mikealson hört sich nicht gerade nach nettem Zeitvertreib an, aber nachdem Bonnie und ich noch weitere drei Stunden nach einer passenden Lösung gesucht haben und draußen bereits die Sonne untergegangen ist, hatten wir fast schon keine andere Wahl.

       Immerhin wollte ich meine Freunde nicht in diese Sache mithineinziehen. Je weniger davon wussten, desto besser.

       Und abgesehen davon hätte sich der Zauber, der Kol in dieser einen Ecke des Zimmers festhielt, ohnehin in wenigen Stunden aufgelöst, da er an die Sonne gebunden war. Bonnie hätte ihn natürlich lösen können, wann auch immer sie es gewollt hätte, weil sie ihn auch ausgeführt hat. Weiter zu suchen war aber ohne Sinn, vor allem mit der Aussicht, dass es in New Orleans eine Hexe gab, die uns helfen konnte.

       Also stimmte ich zu, habe Kol losgebunden und mich mit ihm in ein Auto gesetzt, um zu fahren. Wie es aber nicht anders kommen konnte, mussten wir in der Nähe von Atlanta eine Zwangspause einlegen und über Nacht bleiben, weil der Wagen nicht mehr anspringen wollte und wir an einer Werkstatt halten mussten.

       Und natürlich gab es im Motel nur noch ein einziges, freies Zimmer mit einem Doppelbett. Nein. Es endete nicht darin, dass wir miteinander geschlafen haben, das wäre ja noch schöner, aber die Situation war auch so schon angespannt genug.

       Ich empfand nämlich eine Mischung aus großer Abneigung gegenüber Kol, wegen dem, was er mir und meiner Familie bereits angetan hat und auch wegen dem, was seine ganze Familie bereits mit uns getan haben, angefangen bei Klaus und seinem Ritual, das mich getötet hat, bis hin zu seiner Schwester, die mich hat ein weiteres Mal sterben lassen.

       Doch da war auch etwas Anderes. So etwas wie Zuneigung. Ich konnte mir das nur so erklären, dass mein männlicher Körper, der für mich komplettes Neuland war, einfach auf Kols weiblichen Körper reagiert hat.

       Ich fühlte mich wie ein pubertierender Teenager und kann jetzt vielleicht ein wenig besser verstehen, durch welche seltsamen Phasen mein kleiner Bruder durch musste. Es gab da einen Moment, den ich am liebsten vergessen würde, auch wenn ich weiß, dass es nie geschehen wird, denn es hat sich in mein Gehirn gebrannt. Ich kann nur hoffen, dass nie jemand herausfinden wird, was passiert ist.

       Die Reaktionen darauf möchte ich mir gar nicht erst ausmalen.




•••




       Dank der richtigen Bezahlung hat der Mechaniker der Werkstatt zugestimmt, sich den Wagen noch diese Nacht anzuschauen und zum Glück ist der Schaden auch nicht unglaublich groß, sodass er keine Stunde brauchen wird, um ihn zu beheben. Diese Nacht bleiben sie aber dennoch in einem Hotel, einfach weil sie beide sehr müde sind und eine Pause brauchen.

       Elena sitzt auf dem Bett, das sie sich vielleicht oder vielleicht auch nicht mit Kol teilen muss und zieht an einem Strohhalm, der in einem Blutbeutel steckt, da sie das jetzt einfach braucht.
       
       Direkt von der Vene trinken möchte sie nicht und die Diät mit Tieren funktioniert für sie einfach nicht. Sie kann nicht so gut mit dem Hunger und dem Brennen umgehen wie Stefan. Sie ist bereits froh, dass es mit den Blutbeuteln klappt und sie nicht direkt von Menschen trinken muss.

       Kol, der vor gut einer halben Stunde im kleinen Bad verschwunden ist, kommt aus diesem. Zuerst sieht sie nur Dampf, dann einen weiblichen Körper, dessen intimste Zonen nur durch ein recht kleines Handtuch verdeckt werden. Er ist sogar noch an einigen Stellen nass.

       Der erste Gedanke, der Elena durch den Kopf schießt, ist recht simpel und banal: Wow.

       Der zweite Gedanke ist noch nicht einmal mehr Jugendfrei, was Elena selbst ein wenig schockt.

       Erst der dritte Gedanke ist jener, dass sie sich fragt, warum er das macht.

       Warum konnte er keine Kleidung mit ins Badezimmer nehmen, wenn er doch genau weiß, dass sie hier sitzt und gerade in einem männlichen Körper steckt und diesen nicht voll und ganz kontrollieren kann, was sie ihn so sieht, sodass sich der südliche Teil ihres Körpers ein wenig bemerkbar macht.

       Sie schluckt schwer und verschluckt sich dabei fast am Blut, das sie trinkt. Das scheint auch Kol nicht zu entgehen.

       „Oh, hey, wusste gar nicht, dass du hier sitzt, Darling“, sagt er gespielt überrascht klingend. Sie hört es aus der weiblichen, sehr amüsiert klingenden Stimme heraus. Er wusste ganz genau, dass Elena hier sitzt.

       Kol riecht gut und das zusammen mit dem Blut, das sie trinkt, nimmt ihr etwas Sauerstoff aus dem Kopf und lässt mehr Blut als üblich nach unten wandern.

       Sie hustet und wendet sich ab, möchte bereits aufstehen und gehen, da kommt Kol auf sie zu und hindert sie daran. Sein guter Geruch steigt in ihre Nase und bringt sie dazu sich auf die Unterlippe zu beißen, während er lediglich nach der Blutkonserve schnappt und einen Schluck aus dieser trinkt. Es ist das kleine Rinnsal an Blut, das über sein Kinn fließt, das Elena verrückt werden lässt. Sie kann nicht aufhören auf diese vollen, bestimmt auch weichen Lippen zu starren.

       Kol gibt eine freche Bemerkung von sich und zieht Elena bestimmt auf, doch sie hört es nicht. Sie kann sich nur auf das Rauschen in ihren Ohren und das Verlangen ihn in dieser weiblichen Form zu küssen konzentrieren. Sie würde ihn auch gerne beißen und von seinem Blut trinken.

       Doch sie kann nicht.

       Das ist doch absolut verrückt.

       Er ist Kol Mikealson. Egal, in welchem Körper er nun steckt und welches Geschlecht er hat. Das ändert nichts an seiner Persönlichkeit oder ihrer gemeinsamen, eher negativen Vergangenheit.

       Es ist dann aber Kol, der ihr näher kommt. Elena weicht zurück und will nur noch weg, doch sie kann nur nach hinten ausweichen und hinter ihr taucht irgendwann eine Wand auf, gegen die sie von Kol gedrückt wird, der sein Handtuch einfach so fallen lässt, sodass nur ihre eigene Kleidung den Hautkontakt verhindert.

       „Mache ich dich nervös, Darling?“, möchte Kol mit süffisanter Stimmlage von ihr wissen.

       Sie schüttelt schwach den Kopf und presst mit heißer klingender Stimme hervor, dass er das nicht macht und sie einfach nur in Ruhe lassen soll. Ihr Körper scheint aber eine andere Sprache zu sprechen.

       „Gegen etwas Spaß würde doch nichts sprechen, hm?“

       Vielleicht ist das der Grund, warum Kol sie auf einmal küsst. Und vielleicht ist auch das der der Grund, warum sie es erwidert. Zuerst wirkt es vermutlich recht unschuldig. Seine Lippen berühren die ihren. Sie bewegen sich sanft gegeneinander. Doch dann kommt mehr ins Spiel, mehr Leidenschaft und mehr Zunge.

       Elenas Blut fängt fast schon an zu kochen. Das Adrenalin steigt. Ihr wird heiß und kalt in einem und sie verspürt den Drang Kol auf das Bett zu werfen und ihn mit diesem Körper zu nehmen, als gäbe es kein Morgen mehr.

       Doch ihr rationaler Verstand ist zum Glück nicht voll und ganz verschwunden. Es gibt Spannung zwischen ihnen, sexuelle Spannung, wenn man es so nennen möchte, doch sie weiß, dass es falsch wäre dem aufgekommenen Verlangen nachzugeben. Mehr als nur falsch.

       Es wäre ein Spaß für den Moment, aber für den Rest ihres Lebens würde sie diesen Moment bereuen.

       Ihr rationaler Versstand ist zum Glück stärker als diese animalischen Triebe, sodass sie es nicht nur schafft diese leidenschaftliche Knutscherei zu unterbinden. Sie drückt Kol auch zur Seite und verschwindet aus dem Zimmer, mit den Worten, dass sie frische Luft bräuchte.

       Für einen kurzen Moment, als sie draußen ankommt, befürchtet sie, dass Kol ihr folgen wird und dass sie sich kein zweites Mal am Riemen reißen wird können, doch er kommt nicht. Er bleibt im Zimmer.

       Sie hört ihn lachen und presst dadurch die Lippen zu einer dünnen Linie zusammen, aber er folgt ihr nicht, was dazu führt, dass sie ihre Würde behält und keinen Fehler begeht, in dem sie mit Kol Mikealson schläft, egal wie sehr es auch im Moment zwischen ihnen knistern mag.



•••




       Ich weiß, dass ich ganz besonders dieses Tagebuch hier sehr sicher verschließen und wegsperren muss, da es wirklich nie jemand in die Finger bekommen sollte. Außer wenn ich vielleicht irgendwann einmal tot bin, dann kann es mir egal sein, ob es gelesen wird oder nicht. Aber wenn das, was ich hier schreibe, in die falschen Hände gelangt, dann wird mir sicher die Hölle heiß gemacht.

       Irgendwie ist das, was ich getan habe, nämlich nicht besser, als das, was Caroline passiert ist. Scheinbar haben wir beide eine Schwäche für Mitglieder der Mikealson Familie.

       Es ist vermutlich auch schon ein großer Fehler überhaupt zu schreiben, dass Kol mich geküsst hat und ich den Kuss sogar erwidert habe. Irgendwie ist es so ein Ding von mir die Bad Boys in einem Motel zu küssen. Wenn ich mich nicht irre, war auch mein erster, richtiger Kuss mit Damon außerhalb so eines Motels. Ironischerweise in einer Nacht, in der wir vor Kol auf der Flucht waren, weil er meinen kleinen Bruder töten wollte.

       Was habe ich mir eigentlich dabei gedacht? Meine Hormone oder mein Testosteron oder was auch immer haben vermutlich einfach nur verrückt gespielt. Es war ganz bestimmt nur sein wirklich gutaussehender, weiblicher Körper und dieses attraktive Gesicht, gepaart mit dieser lieblichen Stimme, die ihn anziehend machten.

       Ich sollte hier auch aufhören darüber zu schreiben.

       Auf jeden Fall ging es dann zum Glück recht früh am Morgen weiter und keine vier Stunden später, mit einer sehr unangenehmen Stimmung im Auto, haben wir außerhalb der Stadt Halt gemacht. Es war noch nicht einmal meine Idee, sondern die von Kol. Als wollte er irgendwie beweisen, dass ich ihm vertrauen konnte.

       Tat ich nicht. Zumindest nicht voll und ganz. Aber die Tatsache, dass er seine Schwester hier her gerufen hat und dass wir das alles hier in einer Hütte durchziehen wollten, ohne dass ich noch anderen Mitgliedern seiner Familie über den Weg laufen musste, war schone in großer Vertrauensbeweis. Irgendwie.

       Auf jeden Fall war ich wirklich froh diesen Trip bald beenden zu können.




•••




       Elena fühlt sich nicht unglaublich wohl. Selbst hier in dieser Hütte, außerhalb von New Orleans, mit nur zwei Mitgliedern dieser Familie in diesem kleinen Raum, weiß sie nicht, ob sie bleiben oder lieber doch laufen soll. Wirklich vertrauen kann sie weder Kol noch dieser Freya, die sie gerade einmal seit vielleicht zehn Minuten kennt. Wer weiß, was diese Familie jetzt wieder geplant hat.

       Die Hütte ich klein und alt, es riecht stark nach Moos, irgendwie auch Schimmel und nassem Holz. Bewohnbar ist anders und die Einrichtung ist auch nicht gerade erwähnenswert. Bis auf einen Tisch in der Mitte und etwas Müll in zwei der vier Ecken gibt es nichts hier drinnen.

       Der Tisch ist vermutlich das wichtigste Objekt, zusammen mit der großen Schüssel um dem dicken Buch auf diesem.

       Je mehr Elena darüber nachdenkt, desto mehr wird ihr klar, dass sie vielleicht doch irgendjemandem hätte Bescheid geben sollen. Vielleicht nicht gleich direkt Damon oder Stefan, aber Alaric? Caroline? Zwar weiß Bonnie Bescheid, aber diese ist noch immer in Mystic Falls und nicht hier bei ihr.

       Elena ist im Grunde genommen allein mit diesen beiden sehr alten mystischen Wesen. Zwar ist sie selbst nicht gerade schwach und schnell, aber was kann sie schon gegen eine starke Hexe ausrichten? Sie wäre vermutlich nie schnell genug um diese zuerst niederzustrecken und selbst wenn, wäre da noch immer Kol.

       Ein leises Seufzen entfährt ihr, ehe sie auf einmal zwei Augenpaare auf sich spüren kann, die sich direkt in sie hineinzubohren scheinen.

       Sie hebt den Blick und schaut zuerst auf Kol, der sie mit seinen großen, runden Augen mustert, dann auf seine Schwester. Ihren Blick kann Elena nicht wirklich deuten. Sie weiß nicht, ob diese genervt wirkt oder nicht.

       Die beiden haben geredet, die Stimmen konnte sie vernehmen, doch Worte haben sich keine aus dem Wirrwarr herauskristallisiert. Elena konnte einfach nicht konzentriert bleiben, weswegen sie leise darum bittet, das gesagte, das an sie gerichtet war, noch einmal zu wiederholen.

       „Ich sagte, ich brauche ein paar Tropfen von eurem Blut“, hört sie Freya sagen. Elena weiß nicht, wie sie darauf reagieren soll. Blut? Warum? Ihr Blick verrät scheinbar ihre Verwirrung, noch ehe sie diese auch in Worten ausdrücken kann. Es ist Kol, der auf einmal neben ihr steht, ihre Hand nimmt und das fast schon vorsichtig. Er führt ihren männlichen Körper näher an den Tisch, hinter dem Freya steht.
       
       Eine große Schüssel steht zwischen ihnen und in dieser befinden sich bereits Kräuter und andere Dinge, die sie nicht identifizieren kann. Vermutlich auch besser so. Kol streckt einen Arm aus und lässt seine Schwester machen, die einen kleinen Schnitt an sein Handgelenk setzt. In die Schüssel fallen etwas mehr als nur ein paar kleine Tropfen Blut.

       „Keine Sorge, Darling. Wir haben keine Tricks vor. So unterhaltsam es in den letzten Stunden in diesem Körper auch war, ich hätte gerne meinen alten zurück. Und dann kannst du auch schon wieder nach Hause fahren.“ Er schaut Elena in die Augen und auch wenn sie gerne so etwas wie eine Lüge oder einen Hinterhalt in seinem Blick erkennen würde, findet sie nichts.

       Er meint es ernst.

       „Ich werde nicht um Vergebung bitten, denn von meiner Perspektive aus gesehen war das, was ich getan habe nicht unbedingt falsch.“ Seine Schwester räuspert sich, als würde sie ihm damit sagen wollen, dass sie nicht viel Zeit hat, doch Kol ignoriert sie und spricht einfach weiter, „aber ich schwöre auf meine Ehre als Gentleman, dass ich hier und jetzt keine Hintergedanken habe. Ich will wieder meinen männlichen Körper zurück und du ganz bestimmt deinen weiblichen. Und sobald das geschehen ist, trennen sich unsere Wege wieder. Deal?“

       Elena schluckt schwer, ehe sie langsam nickt. Hat sie denn eine andere Wahl? Wer weiß, ob Bonnie eine Lösung finden würde. Das hier scheint ein ganz alter Zauberspruch zu sein. Wie er ihrer besten Freundin überhaupt in die Hände gefallen ist und was eigentlich dabei schief ging, werden sie wohl nie erfahren.

       Vielleicht war das alles ja sogar von Kol geplant, um einen Grund zu haben wieder zurück nach New Orleans zu fahren und Elena ist unfreiwillig in die Fronten geraten. Der Grund ist ihr egal, solange das alles wieder rückgängig gemacht wird und sie nach Hause fahren kann. Allein.

       Als Kol ihre Hand los lässt, empfindet sie sogar für den Bruchteil einer Sekunde vermutlich so etwas wie Wehmut. Sie muss auch wieder an den Kuss denken und daran, was sie während diesem gefühlt hat.

       Der stechende, brennende Schmerz an ihrem Handgelenk reißt sie zum Glück erneut aus ihren Gedanken. Sie betrachte das Blut, das aus dieser Wunde tropft und wie sich der Schnitt nach nur wenigen Sekunden wieder wie von selbst schließt.

       Elena fehlt ihr menschliches Dasein zwar sehr und so richtig abgefunden hat sie sich noch nicht mit der Tatsache, dass sie irgendwie tot ist und vermutlich nie wieder ein Mensch sein wird, doch es gibt einige wenige Vorteile. Das schnelle Heilen ist ganz bestimmt einer davon. Sie zieht ihre Hand zurück und schaut dann erwartungsvoll auf Kols Schwester.

       Diese öffnet ein Buch und fängt dann an in einer Sprache zu sprechen, die Elena so noch nie gehört hat. Sie könnte noch nicht einmal sagen in welche Region der Welt diese gehören könnte. Aber es hört sich zum Teil sehr interessant, aber auch sehr aggressiv an. Anders als die Sprache, die Bonnie nutzt, wenn sie einen Zauber anwendet.

       Hoffentlich war das hier kein Fehler.

       „Es ist gleich vorbei, Darling“, hört sie Kol sagen und in dieser weiblichen Stimme liegt etwas Warmes, das Elena sogar für einen Moment beruhigt. Sie versucht sich auf diese Worte zu konzentrieren. Es ist bald vorbei. Und dann scheint es wirklich vorbei zu sein.

       Was auch immer Freya noch in diese Schüssel gegeben hat, verbindet sich mit Kols und ihrem Blut, dann explodiert es und in genau diesem Moment spürt auch Elena einen stechenden Schmerz in ihrem gesamten Körper der sich anfühlt wie eine Explosion. Sowohl Kol, als auch Elena sinken auf die Knie. Eine Rauchwolke umhüllt sie und ein sehr helles Licht blendet sie für wenige Sekunden, sodass sie nichts mehr sieht oder hört.

       Als der Unfall mit Bonnies Spruch passiert ist, war Elena ohnmächtig. Sie hat die Veränderung an ihrem Körper nicht direkt gespürt oder mitbekommen. Dieses Mal ist es anders. Sie ist hellwach und spürt es. Ihr Körper verändert sich. Ihre Muskeln fangen an sich zu verformen, werden teilweise kleiner. Ihr Körper passt sich wieder dem an, was er eigentlich sein sollte.

       Sie spürt keinen Schmerz, nur ein etwas unangenehmes Ziehen, das aber nach vielleicht zehn Sekunden wieder verschwindet. Und als sich auch der Rauch verzogen hat, hebt die ihren Blick. Das erste, das ihr auffällt, sind ihre langen, braunen Haare, die ihr wirr ins Gesicht hängen.

       Sie streicht diese zur Seite und erkennt Kol. Den männlichen Kol. Er wirkt im ersten Moment genauso orientierungslos wie sie sich fühlt, doch dann stiehlt sich dieses typische, spitzbubenartige Grinsen auf seine Lippen, das sie immer an ihm sieht. Es lässt ihn sehr arrogant wirken, nur dass es sie dieses Mal noch nicht einmal stört.

       Ihre Blicke treffen sich und für einen kurzen Moment könnte Elena schwören, dass da so etwas wie Funken waren. Sie könnte schwören, dass sie sich wirklich für einen ganz kurzen Moment zu ihm hingezogen gefühlt hat, sodass es vor einigen Stunden während diesem Kuss nicht nur die Veränderungen in ihrem Körper waren, sondern sie selbst, die so gefühlt hat.

       Sie verdrängt diese Gedanken und Empfindungen aber sofort. Er ist Kol Mikealson. Er ist einer der Bösen. Er ist jemand, der ihr, ihrer Familie und ihren Freunden bereits mehr als einmal schaden wollte und der es wieder tun würde, sollte er sich selbst bedroht fühlen, denn diese Familie denkt nur an sich selbst.

       Freya hat ihnen vermutlich nur geholfen, weil ihr Bruder betroffen war. Hätte nur Elena diesen Zauber abbekommen, würde sie jetzt sicher noch in einem männlichen Körper herum laufen.

       Die Geschwister tauschen einige Worte aus, ehe es die Hexe ist, die als erste verschwindet. Somit bleibt Elena mit Kol alleine zurück.

       „Die Zeit mit dir war gar nicht so schrecklich, Darling. Vielleicht können wir ja wieder einmal Spaß haben, solltest du zufällig nach New Orleans kommen.“ Er zwinkert ihr noch zu, verschwindet dann aber auch, was ein Zeichen dafür ist, dass er sich wirklich an sein Wort hält.

       Seltsam. Es ist, als wäre alles das vergessen, das in Mystic Falls vorgefallen ist. Ob er ihre Freunde und sie nun wirklich in Ruhe lassen wird? Solange er hier bleibt, wird er doch hoffentlich auch keinen Ärger mehr machen.

       Elena bleibt noch eine Weile am Boden sitzen, weil sie einen Moment für sich braucht.



•••




       Was ich jetzt noch schreiben soll, weiß ich nicht wirklich. Ich bin einfach nur froh, dass sich dieses seltsame Problem, das sich über mehr als 24 Stunden erstreckt hat, irgendwie von selbst gelöst hat, mit der Hilfe einer Mikealson Hexe, von der ich noch nicht einmal wusste, dass es sie gibt. Es hätte sehr viel schlimmer enden können.

       Ich könnte noch immer in einem männlichen Körper stecken. Ich könnte wirklich tot sein. Seine Schwester hätte ein falsches Spiel spielen können, sodass sie mich irgendwie in New Orleans gefangen halten.

       Aber nichts davon ist passiert. Mittlerweile ist seit diesem Vorfall eine Woche vergangen und alles ist wieder beim Alten. Kol hat sich nicht blicken lassen und Bonnie hat kein Wort darüber verloren, sodass niemand etwas davon erfahren hat und auch nie erfahren wird.

       Vergessen werde ich das, was passiert ist, aber sicher nicht.

       Auch wenn ich es gerne vergessen würde.
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