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Bring me to Life

Kurzbeschreibung
SongficDrama, Familie / P12 / Gen
Cordelia Foxx Fiona Goode Myrtle Snow
17.09.2018
17.09.2018
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17.09.2018 1.858
 
Ich habe ganze 2 Jahre für diese Kurzgeschichte gebraucht o.O Eine lange Zeit aber ich habe es endlich geschafft und hoffe, dass es euch gefallen wird :)

glg Mina

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Darling, darling, doesn't have a problem
Lying to herself 'cause her liquor's top shelf
It's alarming honestly how charming she can be
Fooling everyone, telling them she's having fun

She says, "You don't want to be like me
Don't wanna see all the things I've seen."
I'm dying, I'm dying
She says, "You don't want to get this way
Famous and dumb at an early age."
Lying, I'm lying



Fiona Goode blickte, ohne wirklich etwas zu sehen, auf die unzähligen Portraits der früheren Obersten des Zirkels. Wenige von ihnen hatten das eigene Bild in ihrer Blüte der Jugend anfertigen lassen. Sie hatten gewusst und, zu einem gewissen Maß, akzeptiert, dass sie nicht auf Ewigkeiten an der Spitze bleiben würden. Ein Umstand, den sie bisweilen so gut wie immer ignoriert hatte. Selbst als der Krebs sich langsam durch ihren Körper fraß und die Schmerzen schier unendlich und allumfassend wurden, wollte sie nicht an ihr eigenes Ende denken. Sie konnte es ganz einfach nicht.

Selbst wenn ihr eigenes Ende so nah war.

Cordelia. Sie wollte schon immer ein Kind. Ein eigenes Kind, das sie lieben konnte. Und noch wichtiger: das sie lieben würde. Wie ein Kind nur ein Elternteil lieben konnte. Solch eine Liebe war geradezu magisch und so komplex, dass sie alles andere in den Schatten stellen konnte. Doch sie war viel zu früh, zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt, schwanger geworden. Und anstatt die reine Liebe ihrer Tochter ebenso bedingungslos zu erwidern, verschloss sie sich und rannte, soweit und so schnell sie nur konnte.  Liebe war ein größeres Wunder als die stärksten Kräfte jeder Hexe. Ein Umstand, der Fiona erst sehr spät, und letzten Endes zu spät, bewusst wurde. Sie hatte Liebe, jegliche Form der tieferen Zuneigung, immer als Ballast, ja gar als Schwäche betrachtet. Schwäche, die von anderen nur zu gerne ausgenutzt wurde. Sicher, sie war verheiratet gewesen und ebenso hatte sie unendlich viele Männer, und kaum weniger Frauen, in ihrem Bett gehabt. Aber all diese Stunden voller Lust und Leidenschaft konnten ihr Herz nie gänzlich beruhigen. Konnten die Sehnsucht nie gänzlich befriedigen. Diese allumfassende Sehnsucht nach Liebe. Bedingungsloser Liebe.

Liebe, die sie niemals finden würde.

Die Oberste ertrank ihre Probleme in Alkohol; doch natürlich konnten sie schwimmen. Dadurch wagte sie sich an etwas heran, das sie nie geglaubt hätte nehmen zu würden: Drogen. Sie fing klein an. Hier eine kleine Pille und nach einer Zeit waren es zwei. Bis Pillen kaum noch Wirkung zeigten. Und so kam sie auf Kokain. Das weiße Pulver, das sie für eine kurze Ewigkeit frei sein ließ. Jedoch nur kurz. Egal wie viel sie auch ihrem Körper zumutete – vergessen konnte sie nicht. Und sie wäre eine Heuchlerin wenn sie sagen würde, dass sie noch nie über Selbstmord nachgedacht hätte. Sie war jedoch viel zu stolz um zu zulassen, dass sie in ihren eigenen dunklen Gedanken ertrank. Diese Genugtuung würde sie niemanden geben – nicht einmal sich selbst. Denn gerade weil dies der einfache Weg war, würde sie ihn unter keinen Umständen nehmen. Einfach war in diesem Fall noch nie ihr Fall gewesen. Es gab genügend Leute, die sie tot und begraben sehen wollten. Und vorzugsweise nicht in dieser Reihenfolge.


The boys, the girls, they all like Carmen
She gives them butterflies, bats her cartoon eyes
She laughs like God, her mind's like a diamond
Audio tune lies, she's still shining
Like lightning, ohh, white lightning

Carmen, Carmen, staying up til morning
Only seventeen, but she walks the streets so mean
It's alarming truly how disarming you can be
Eating soft ice cream
Coney Island Queen



Fiona beugte sich vor und mit schnellen Handgriffen fielen die lachhaft hohen Stilettos klappernd neben das Sofa auf den alten Parkettboden. Mit einem kaum vernehmlichen Seufzer lehnte sie sich zurück und den Kopf gegen die Armlehne. Blindlings tastete sie auf dem Polster herum bis sie das Zigarettenetui in der Hand hatte. Ein Klicken ertönte und sie nahm einen tiefen Zug von der glimmenden Zigarette.

„Du verbringst deine letzten Tage auf Erden also genauso wie immer: auf dem Rücken liegend mit einer Zigarette im Mund. Fehlt nur noch ein reicher, alter Sack zwischen deinen Beinen und deine Lebensgeschichte ist erzählt.“

Ein Lachen folgte auf die Worte; doch es war nicht freudig oder gar amüsiert. Das Lachen war kalt und hohl. Ebenso wie sie sich fühlte. Sie blies den Rauch aus. „Hast du auf deinen alten Tagen etwa Vorurteile entwickelt, Myrtel?“

Myrtel Snow machte eine wegwerfende Handbewegung. „Stimmt, es könnte ebenso gut eine Frau sein – das hatte dich noch nie gestört. Eines deiner sehr, sehr wenigen guten Eigenschaften“, spottete sie.

Fiona nahm einen Zug von der Zigarette und summte nur zustimmend.

Die Rothaarige trat weiter in den großen Raum hinein. Sie musste die Augen leicht zusammenkneifen um die Konturen der Möbel erkennen zu können. Keine Lampe brannte. Keine Kerze. Der Kamin lag erloschen da. Sämtliche Vorhänge, aus schwarzem, schwerem Stoff, verdeckten die Wand hohen Fenster. „Warum ist es hier so dunkel?“

Kaum das Fiona den Rauch ausgepustet hatte, nahm sie schon den nächsten Zug von der halb aufgerauchten Zigarette. „Ich übe schon mal für die Zeit wenn ich Tod bin. Lange habe ich eh nicht mehr.“ Sie lachte bitter. „Ewige Dunkelheit steht mir dann bevor – obwohl … hmm, nein, ich denke nicht. Es ist doch wohl eher ein festgeschriebener Fakt, dass ich in die Hölle kommen werde. Wie ein ... Naturgesetz. Ein klein wenig bin ich schon gespannt darauf, wie es für mich aussehen wird. Und noch gespannter bin ich darauf, ob es den Teufel wirklich gibt. Oder Luzifer oder wie auch immer der Typ bezeichnet werden will.“

Myrtel hörte der anderen Frau nur mit halben Ohr zu während sie sich auf einen der gepolsterten Sessel setzte. Locker aus dem Handgelenk entzündete sie einige Kerzen sowie den Kamin. Das Feuer spiegelte sich einen kurzen Augenblick in ihren Brillengläsern ehe sie sich wieder Fiona zuwandte, die noch immer über Himmel, Hölle und anderen Sphären eine Abhandlung hielt. Mussten die unzähligen Drogen sein. „Schalt mal einen Gang runter“, warf sie gelangweilt ein.

Empört über die Unterbrechung warf Fiona der Rothaarigen einen bösen Blick zu. „Ich soll einen Gang runterschalten?! Das sind meine Gänge! Ich entscheide, ob und wann ich schalte, verstanden Firecracker?!“ Dabei wedelte sie mit der rechten Hand durch die Luft; den Zigarettenstummel zwischen zwei Fingern.

Myrtel konnte nicht anders als zu Lächeln. Gespräche mit Fiona wurden nie langweilig. "Ok, ok, tut mir leid. Dann schalte eben in einen beliebigen Gang."

„Schon besser, Brillenschlange.“

Schnaubend richtete Myrtel ihre Brille. „Deine Beleidigungen waren auch schon mal besser“, stellte sie nüchtern fest.

Fiona fuchtelte wild mit der Zigarette in der Hand herum. „Ach mach mal halblang, Myrtel. Ich muss mich gerade mit anderen, wichtigeren Dingen beschäftigen. Die Tabletten machen es mir nicht gerade einfach. Du kennst mich … wenn ich zwischen 2 Übeln wählen muss, nehme ich das, das ich noch nie versucht habe. Und bisher habe ich noch nie so viele Schmerzmittel genommen … den Tod werde ich mir für später aufheben.“ Sie lachte. Es klang dünn und ausgezerrt. Der Zigarettenstummel entglitt ihren Fingern und fiel auf das Paket. Langsam, mit der Eleganz einer Raubkatze, setzte die Blonde sich auf. „Ich habe niemanden“, sagte sie unvermittelt.

Myrtel Snow hatte mit vielem gerechnet, bei Fiona konnte man sich nie sicher sein was einen erwarten würde, aber ganz sicher nicht damit. Mit großen Augen sah sie Fiona an, die Anstalten machte sich zu erheben. Jedoch brauchte sie einige Versuche bis es ihr letzten Endes auch gelang. „Fiona“, setzte die Rothaarige an. Ihre Stimme war sanft, weich, als wenn sie mit einem Kind reden würde. „Das ist nicht wahr … Cordelia …“

„Wir wissen beide, dass Delia mich nicht liebt … wer könnte ihr das auch verübeln? Ich sicherlich nicht …“ Fiona lachte verbittert auf während sie mit unsicheren Schritten zum Kamin hinüber schritt. „Ich kann dich selbst auf meinem Totenbett noch verbannen … also hör nie auf ehrlich zu mir zu sein … nach alldem was wir miteinander durchgemacht und uns angetan haben …alles andere wäre eine Beleidigung.“ Sie streckte die Hand aus und hielt sie dicht an die lodernden Flammen. Die Wärme schoss augenblicklich durch ihre Hand, dicht gefolgt vom Schmerz.


Baby's all dressed up with nowhere to go
That's the little story of the girl you know
Relying on the kindness of strangers
Tying cherry knots, smiling, doing party favours
Put your red dress on, put your lipstick on
Sing your song, song, now the camera's on
And you're alive again



In all den Jahren, die Myrtel nun schon auf dieser Erde wandelte, hatte sie es immer tunlichst vermieden, ihre Zeit mit Fiona zu verbringen. Sie beide waren wie Feuer und Wasser und wenn sie beide aufeinander trafen, entstand nicht nur ein dichter Nebel. Das war schon seit ihrer Kindheit so gewesen. Sie hasste Fiona; aus tiefen Herzen tat sie dies wirklich. Aber … ein kleiner Teil, den sie sehr häufig vor sich versteckte, empfand Zuneigung, ja gar Liebe, für die andere Hexe. Fiona hatte ihr, unwissentlich, ein Geschenk gemacht, dass sie sich nie erträumen lassen hätte. Eine Tochter. Cordelia. Und so empfand sie Mitleid und auch Trauer als sie Fiona mit dem Rücken zu ihr am Kamin stehen sah. Sie stand auf. Sie konnte sich nur schwer vorstellen, was Fiona gerade durchmachte. Aber eins war Gewiss: der Machtwechsel von einer Obersten zu einer anderen verlief immer schmerzhaft und zermürbend für das im Sterben liegende Zirkeloberhaupt.

Leise, fast lautlos, trat sie neben Fiona und umfasste die Hand, die noch immer dicht über den Flammen schwebte. Myrtel verschränkte ihre Finger miteinander und zog ihre Hände weg von den Flammen. Langsam strich sie mit dem Daumen über Fionas Handrücken.

„Was wird das?“, fragte Fiona mit gerunzelter Stirn wobei sie auf ihre Hände starrte.

„Halt einfach die Klappe“, murmelte Myrtel leise. Sie sah in die tänzelnden Flammen und genoss es Seite an Seite neben Fiona stehen zu können ohne dass sie versuchten, sich gegenseitig umzubringen. Oder schlimmeres.

Es geschahen noch Zeichen und Wunder denn diesmal hatte Fiona tatsächlich nichts einzuwenden. Vielleicht das allererste Mal in ihrem Leben. Sie ließ es einfach geschehen und genoss einen dieser wenigen Momente. Sie fing ihn ein und schloss ihn tief in ihrem Herzen ein. Wie wenige, anderer Dinge, die ihr lieb und teuer waren. Um sie in rabenschwarzen Nächten, die von Einsamkeit und Bedauern durchzogen waren, hervorzuholen. Wie ein kleines Licht in der Ferne. Oder … wie ein kühler Drink in einem eleganten Glas.


The boys, the girls, they all like Carmen
She gives them butterflies, bats her cartoon eyes
She laughs like God, her mind's like a diamond
Audio tune lies, she's still shining
Like lightning, ohh, white lightning

Like lightning, ohh, white lightning

Darling, darling, doesn't have a problem
Lying to herself 'cause her liquor's top shelf
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