Sanctuary - Bis(s) zu unserem Heiligtum

von RieZurk
GeschichteMystery, Romanze / P12
Carmen Eleazar
16.09.2018
14.10.2019
31
35957
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Mehr als nur ein Wächter
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Die Abreise von Aidan und Elisabeth Douglas kam und Carmen nahm ihren ganzen Mut zusammen, und bat Aro noch einige Tage bleiben zu dürfen, bevor sie ihren Freunden nachreiste. Aro gefiel es zwar nicht sonderlich, doch er lenkte ein.

Die Frau schlenderte durch die Gänge der uralten Burg und träumte von dem spanischen Volturi-Wächter, der ihr Herz gestohlen hatte und ihr seins zum Tausch gegeben hatte. Plötzlich packte sie jemand von hinten und eine halb behandschuhte Hand legte sich auf ihren Mund.

Carmen versuchte sich aus den Griff zu befreien und ihre Augen waren vor Schreck geweitet. Der Griff lockerte sich nach einiger Zeit und sie wirbelte zu ihrem Angreifer wie ein wütender Tornado, schlug sie ihm immer wieder auf die Brust und zischte zornig: „Du hast mich zu Tode erschreckt!“

Eleazars Augen brannten in seinem gehetzten und gequälten Gesichtsausdruck. Seine Kleidung war von der Reise verwittert, der Umhang lag elegant um seine Schultern, die Kapuze war etwas zurückgeschoben, damit Carmen ihn erkennen konnte. „Ich wollte keine Szene riskieren“, antwortete er.

„Mich zu packen und mir den Mund zuzuhalten, sollte mich beruhigen?!“ fauchte sie ihn an. „Verfluchter Volturi! Du hast mich zu Tode erschreckt! Scher dich zum Teufel! “

Der Spanier hob seine Hände und schlug die Kapuze vollends zurück. Seine Augen hatten noch immer diesen gehetzten und gequälten Gesichtsausdruck. Diese Situation überforderte ihn. „Nein, ich wollte nur, dass du ruhig bleibst“, meinte Eleazar und beugte sich vor, um mit seinem Daumen über ihre Wange zu streichen.

Bestürzt griff Carmen mit ihrer Behandschuhten Hand an die Wange und berührte diese. Sie knurrte zornig, weil sie versuchte, das Bild von ihm aus ihrem Kopf zu verbannen, dass sie sich in ihren Tagträumen gemalt hatte. Das schalkhafte Lächeln, den Kuss, die Wärme seines Körpers...

Sie massierte sich die Schläfen. „Ich habe nachgedacht. Es war nur ein Tagtraum in dem ich schwelgte. Aber das ist nicht wichtig, und hatte sicherlich nicht mit dir zu tun“, meinte die Spanierin und tippte dem Volturi-Wächter auf mit dem Zeigefinger auf die Brust.

Belustigung erhellte für einen Moment Eleazars schwarze durstige Augen. „Erzähl mir von dem Traum, der nichts mit mir zu tun hatte“, bat er gedämpft.

„Na schön“, seufzte Carmen nach einer Weile und schloss kurz die Augen, ehe sie begann zu erzählen. „Wir sprachen miteinander. Und dann...“ Verlegen hielt sie inne. „Dann hast du mich geküsst und...“

Eleazar sah sie ruhig an, doch sein Gesicht  verdüsterte sich etwas. „Und weiter?“ fragte er und öffnete seine Hände, spreizte sie, schloss sie wieder zu Fäusten und wiederholte diesen Vorgang wie  automatisch.

„Wir haben...du weißt schon, und dann sagtest du, du seist zu Aro gerufen worden. Er bräuchte dich“, murmelte die Frau und senkte ihren Blick. „ Warum hast du mir nichts gesagt, dass du weg musstest. Aro wollte, dass ich dich vergesse, Eleazar. Als könnte ich dich jemals vergessen.“

Sein Blick war noch immer auf Carmen gerichtet. Seine Stimme war leise und sicher. „Aro nahm an, dass es in Irland ein begabtes Kind geben würde. Ich wurde dorthin geschickt, um dieses Kind ausfindig zu machen. Doch ich habe kein talentiertes Kind gefunden.“

„Du hast den Auftrag nicht zu seiner Zufriedenheit ausgeführt“, bemerkte Carmen leicht besorgt. Hatte der Spanier deswegen diesen gehetzten und gequälten Gesichtsausdruck? Weil er den Meistern noch sagen musste, dass er mit leeren Händen zurückkehrte?

Es herrschte Stille zwischen ihnen. Eleazar schien keine Worte zu finden, um auf ihre Bemerkung etwas zu erwidern, oder sah keinen Sinn darin, etwas darauf zu sagen was so offensichtlich war. Sein Blick lag schweigend auf Carmen, während er noch immer seine Hände öffnete und schloss, als wollte er irgendetwas unsichtbares von seinen Handflächen schütteln.

„Ich war furchtbar überrascht, als ich hierher kam. Ich habe festgestellt, dass ich einerseits gehen, aber anderseits auch bleiben möchte. Tatsächlich möchte ich einerseits nach London zurückkehren, doch anderseits auch bei dir bleiben“, gestand die Spanierin und blickte die Leibwache liebevoll an.

Da war soviel, was zwischen ihnen zu Werke ging. So viele kleine unsichtbare Bändchen, die sie aneinander band. Er sagte nichts, doch Carmen wusste, was ihm auf der Seele brannte. Ihre Beine und Hände bewegten sich, bevor sie es überhaupt begriff.

Sie trat näher zu ihm, ihre Finger kräuselten sich in seinen Umhang, als sie sich an ihn lehnte. Schweigend legte er die Arme um sie und hielt sie fest. Die Umarmung tat überraschend gut. So sicher und geborgen hatte sie sich eine halbe Ewigkeit nicht mehr gefühlt.

…..................


Nach endlichen Minuten ließ Eleazar sie wieder los. Murmelnd verabschiedeten sie sich von einander. Eleazar ging zu den Meistern um sein Missionsbericht abzugeben. Carmen kehrte in ihr Gästezimmer zurück und erschreckte sich, als sie eine Gestalt in ihrem Lieblings-Lese-Sessel entdeckte.

„Ich wollte dich nicht erschrecken“, nuschelte die blonde Französin und erhob sich elegant aus dem Sessel, indem sie gesessen hatte ohne auch nur einen Mucks von sich zu geben. Chloes  rubinrote Augen leuchteten.

Carmen warf ihr einen gespielt bösen Blick zu. „Du bist nicht die Erste heute, die mir einen Schrecken einjagt“, meinte die Spanierin ruhiger, als sie sich fühlte.

„Oh, bitte sag, dass es Eleazar war!“ rief Chloe augenblicklich aufgeregt und sah sie mit diesen ründlichen Kulleraugen an, wie ein Kind, was ein Geschenk bekam.

Die Spanerin schloss kurz die Augen. „Es war Eleazar“, bestätigte Carmen leise in der Hoffnung, dass Chloe sich mit dieser Infomation zufrieden gab. Doch die Wächterin stand mit einem Mal vor ihr, die Augen voller Erwartungen aufgerissen, und von einen Bein auf das andere tretend, als würde sie gespannt darauf warten, dass Carmen mit der Sprache rausrückte.

„Er ist also wieder da? Was hat er gesagt? Wirst du bei uns bleiben? Wir könnten Weihnachten zusammen feiern“, quickte Chloe und erinnerte Carmen an einen springenden Tennisball. „Bitte sag mir, dass du bei uns bleiben wirst!“

Langsam erzählte die Spanierin ihrer Freundin von ihrer Begegnung, und der Unterhaltung über ihren Tagtraum, einer von vielen Tagträumen die sie von den dunkelhaarigen Wächter hatte. „Er hat mich in den Arm genommen und festgehalten“, beendete sie leise. „Und dann ist er gegangen. Einfach so.“

„Eleazar ist mehr als nur ein Wächter“, meinte die Französin mit einem strahlenden Lächeln. „Er hat Stil, ist elegant, unfassbar ehrlich,  sehr mitfühlend und einfühlsam. Eleazar ist das Herz, das lebenswichtigste Organ der Volturi. Das Kronjuwel. Das Statussymbol. Er musste Aro Bericht erstatten, wenn er dies getan hat, wird er sicherlich wieder zu dir kommen.“
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