Wendigo

GeschichteKrimi, Angst / P18 Slash
16.09.2018
12.02.2019
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„Alles okay, Deidara?“

Ich schaue auf, blicke direkt in Konans braun-graue Augen, die mich besorgt mustern.

Unbestimmt zucke ich mit den Schultern, mache mich dann weiter an der Kaffeemaschine zu schaffen.

Da ist man mal zwei Tage nicht da und das Ding setzt direkt Kalk an.

Was machen meine Kollegen eigentlich mit dem Teil?

Nicht das es mich stören würde, aber letzten Endes fällt es auf mich zurück, denn putzen ist die Aufgabe der Aushilfskraft und die bin nunmal ich.

„Nur was müde.“, brumme ich dann, denn aus den Augenwinkeln kann ich deutlich erkennen, dass Konan sich keinen Zentimeter weg bewegt hat, mich mit ausdrucksloser Miene bei meiner Rangelei mit dem angetrockneten Kaffeesatz beobachtet.

„Geht es gut?“, kommt es nach einer Weile von ihr und ich weiß, dass sie damit nicht das brasilianische Nationalgetränk meint.

Sie meinen alle immer das Gleiche, wenn die Unterhaltungen so beginnen.

Clayton ist ein Dorf und die Familie Uzumaki bekannt wie ein bunter Hund, der Einrad fahren kann und dabei mit Katzen jonglieren.

Sowas in der Größenordnung.

„Mh?“, stelle ich mich dennoch dumm, gucke sie nicht an und hoffe inständig Yahiko, oder noch besser Nagato, würde endlich mal aus der Küche nach vorne kommen.

Dann hätte sie wen Anders, dem sie auf den Geist gehen kann.

Ich seufze, lasse das Reinigungsfläschchen und die Küchenrolle sinken, während meine Kollegin etwas näher rutscht, wohl darauf bedacht nicht zwangsläufig jeden mithören zu lassen.

Doch das wäre gar nicht nötig gewesen, denn um diese Uhrzeit ist das Diner ohnehin wie ausgestorben, der Ansturm wird kommen, wenn die Schüler nach 16 Uhr Schulschluss haben, aber dann bin ich schon längst hier weg, meinen Bruder von seiner letzten Sitzung, für diesen Monat, abholen.

Nicht unbedingt die angenehmste Art und Weise, seinen Feierabend zu verbringen, doch immer noch besser, als dass der Kaffeesatz mir weiterhin mein armseliges Leben vorhält.

„Ich hab’ Kushina letzte Woche im Walmart gesehen, aber sie schien in Eile.“ ,berichtet Konan schließlich, unterdessen ich die Putzmittel im Hängeschrank, über der Spüle verstaue, mich dann zu ihr drehe, dabei lässig an den Rand der Theke lehne.

„Kann sein, sie hat einiges um die Ohren.“, erkläre ich dann, werfe einen flüchtigen Blick auf die Uhr, dann nach draußen.

Schon kurz vor zwei.

Die Zeit vergeht wie im Fluge wenn man sie sich damit vertreiben kann Kaffeereste aus einem Zwei-Liter-Behälter zu kratzen und dafür dann, pro Stunde knapp, zehn Dollar erhält.

Wahnsinn.

„Über ihr Geburtstagswochenende wollen sie wegfahren.“, füge ich hinzu, doch inzwischen scheint Konan zumindest etwas beruhigt.

Keine weitere Hiobsbotschaft, die von meiner Familie, gesandet wird und auf tausend Umwegen dann schließlich doch den Rest dieses Kaffes erreicht.

„Sie, das meint, …?“ , beginnt meine Kollegin erneut, wendet sich dann doch schließlich zum gehen, um sich etwas entfernt vom Herd die Haare in einen neuen Dutt zu binden und ihre Schürze fest zu ziehen.

„Minato, Kushina und Naruto eben.“

Schulterzuckend ziehe ich mir einen Keks aus der Biscuit- Dose, die eigentlich für die Untertassen der Heißgetränkbestellungen gedacht sind, doch mein Magen rumort, bereits seit einer Stunde und was zu snacken habe ich mir selbstverständlich auch mal wieder nicht mitgenommen.

Konan hebt leicht schmunzelnd eine Braue, während ich, wie ein kleiner Hamster, an meinem Plätzchen nage, ehe sie kurz mit dem Kopf schüttelt: „Was ist mit dir, Deidara?“
„Ich muss vermutlich arbeiten.“, gebe ich zurück und Konan beißt sich auf die Unterlippe.

„Ich rede mit Yahik, …“

„Musst du nicht.“, falle ich ihr ins Wort und überrascht schaut sie mich an.

„Ehrlich.“, beginne ich dann etwas gedämpfter, denn, das muss nun wirklich nicht jeder mitbekommen.

Ich würde Konan zwar nicht als Freundin bezeichnen, wohl aber als Person, mit der man gut reden kann.

Sie ist nunmal knapp 15 Jahre älter und ich glaube, dass die Natur ihr eigene Kinder verwehrt hat kompensiert sie, in irgendeiner Form, über mich.

Was auch immer es sein mag, es gibt Tage, da kommt es mir zu Gute, so auch heute und wenn sie sich nur dafür eignet meinen Seelenballast bei ihr zu lassen.

„Ehrlich Konan, erstens brauche ich das Geld und zweitens, …“

Ich verstumme, was Konan aufmerksam werden lässt und prompt beiße ich mir auf die Zunge, immerhin kennt sie mich gut genug, um zu wissen, wie der Satz weiter gehen wird.

„Zweitens?“, spielt sie das Spiel trotzdem mit, wirft mir einen tröstenden Blick zu.

Beschämt schüttle ich den Kopf und Konan lächelt sanft.

„Möchtest du mal eine kleine Auszeit haben, oder?“, flüstert sie schließlich und es klingt beinah etwas zu lieb.

Als würde man mit einem Fünfjährigen sprechen, der sich gerade komplett aufs Maul gelegt hat.

Und irgendwie fühle ich mich auch genau so.

Jedes Mal wenn ich es gepackt habe, mich wieder auf zurappeln, oder ein nachsichtiger Passant sich meiner erbarmt hat, dann geht es ein paar Meter gut und schon kommt die nächste Stolperfalle.

„Deidara, niemand macht dir einen Vorwurf.“, beginnt Konan und ich seufze, lege dann den Kopf in den Nacken und fahre mir gestresst über den Haaransatz.

Als ob ich das nicht wüsste.

Wie oft haben uns die Pfleger, die Stationsärzte, oder aber Doktor Iruka gesagt, dass es okay sich erschöpft zu fühlen, dass es okay ist auch mal wütend zu sein, oder keine Lust mehr zu haben.

Dass es okay ist, … dass es ist okay ist…

Selbst wenn das stimmt, dann sorgt dass noch lange nicht dafür, dass es sich okay anfühlt.

Und das tut es mit Sicherheit nicht.

Es würde Naruto das Herz brechen, wenn ich auch nur ansatzweise Andeutungen machen würde, mal ein paar Tage Abstand zu brauchen.

Und verstehen würde er es ganz sicher nicht.

Es würde nur wieder eskalieren.

„Weiß ich.“, schnauze ich deswegen einfach nur zurück, was Konan kurz zusammen zucken lässt und augenblicklich fühle ich mich schlecht.

„Sorry, …“, beginne ich, doch erneut schüttelt sie den Kopf, schiebt sich dann an mir vorbei und klopft den Siebträger, der Kaffeemaschine, über dem Abfalleimer aus.

„Nein, mir tut es leid.“, seufzt sie nach einer Weile, in welcher ich einfach nur dastehe, wie bestellt und nicht abgeholt.

Ich unterdrücke ein Gähnen.

Doch auch das bleibt von Konan natürlich nicht unbemerkt.

„Geh nach Hause, …“, flüstert sie dann, zwinkert mir vertraut entgegen und ich schüttle den Kopf, deute mit dem Kinn zur Uhr.

„Meine Schichte geht noch bis voll.“ , brumme ich, blinzle dann ungewollt und muss mich beherrschen die Tränen, in meinen Augenwinkeln, weiter schwimmen zu lassen.

Die machen gerade ihr Seepferdchen dort.

Die wollen ungestört bleiben.

„Oh ja, mit dem Andrang werde ich definitiv nicht alleine fertig.“, scherzt die Blauhaarige und tatsächlich muss ich schmunzeln, lasse den müden Blick dann durch das, beinah komplett leere, Diner schweifen.

Tatsächlich ist es heute besonders mäßig besucht, in der hintersten Ecke hockt der alte Jiraya, vor seinem fünften Kaffee mit Schuss, oder ist es der Sechste?

Er ist ein Freund von Minato und Kushina, mehr noch, Narutos Patenonkel sogar, aber ich kann diesem kauzigen Kerl nichts abgewinnen.

Man munkelt er habe jahrelang alleine in den Bergen Nevadas gelebt, bevor er zurück nach Pennsylvania gekehrt ist.

Die Einsamkeit macht die Leute seltsam, hatte Mum mir damals erklärt, als wir zu Thanksgiving bei den Uzumakis waren und auf einmal dieser Kerl mit auf dem Sofa hockte.

Als Kind fand ich ihn beinah etwas grußelig, inzwischen verachte ich ihn nur noch, immerhin ist er nichts weiter, als ein alter Perversling, der mittags schon Einen im Tee sitzen hat.

Manche Leute haben absolut keine Selbstachtung.

Schnaubend reiße ich mich von dem Anblick seiner eingesunkenen Gestalt los, ansonsten haben wir nur zwei weitere Gäste, ein junges Pärchen, Anfang 30.

Wahrscheinlich stammen sie nicht von hier, zumindest habe ich sie noch sonst zu keiner Schicht bemerkt bislang und Clayton ist ein Kaff, wie wir ja bereits schon festgehalten hatten.

Außerdem haben sie ein kleine Karte vor sich ausgebreitet, fahren mit dem Finger über die vermerkten Routen, während sie jeweils ihren Milchkaffee schlürfen.

„Das glaub ich.“, wende ich mich an Konan, „So viel Trubel ist sicherlich hart für dich.“

Keck grinse ich ihr entgegen, lege dabei den Kopf etwas schief, so, dass meine Ponysträhne sich aus meinem leicht gebundenen Pferdschwanz löst und mir halb über die Augen fällt.

„Werd nicht frech.“ , schmunzelt meine Kollegin kopfschüttelnd zurück, wendet sich dann wieder der Kaffeemaschine zu, als plötzlich die Tür zur Küche des Diners aufgeht, uns beide kurzzeitig zusammenfahren lässt.

„Yahiko.“, begrüßt Konan ihren Freund aus Kindheitstagen und ich nicke dem Orangehaarigen kurz zu.

Wie man sich so verschandeln kann ist und bleibt, mir persönlich, ein Rätsel, die Haare in diesem furchtbaren Farbton und dann auch noch das Gesicht voller Piercings.

Ein Schauer fährt mir über den Rücken, bei dem Gedanken, wie schmerzhaft das ganze Gesteche gewesen sein muss, vor allem die am Nasenbein.

„Kann Deidara schon gehen, der schläft mir gleich im stehen ein und es reicht wenn ich nachher noch das Geschlabbere von dem Eremiten wegmachen muss.“ , fällt Konan prompt mit der Tür ins Haus und reißt mich somit aus meinen Gedanken.

„Ich bin in bester Verfassung, danke.“ , fahre ich sie an, lege dabei die Stirn in Falten und schiele dann kurz zu meinem Chef, der mich kritisch mustert.

„Du siehst blass aus, Deidara.“, bemerkt auch er und zwinkert Konan dann lächelnd zu.

Ich glaube mir wird schlecht.

Wann heiraten die beiden endlich?!

Nagato und ich haben schon Wetten abgeschlossen, aber die zwei Turteltäubchen lassen sich mächtig Zeit, auf dem Weg zum Traualtar.

Ach, was sage ich da, sie sind ja nicht mal in der Kirche angekommen.

„Bin etwas im Stress.“, gebe ich dann schulterzuckend zu, allerdings nicht ohne Konan vorher mit einem weiteren bitterbösen Blick zu strafen.

„Na, dann Abflug.“, fordert Yahiko mich auf, während er sich selbst in seine Schürze schwingt.

„Yahiko, …“ beginne ich, doch er schüttelt den Kopf, setzt dann eine ernste Miene auf, die ihm absolut gar nicht steht und sein Gesicht irgendwie ganz fremd erscheinen lässt.

„Willst du dich deinem Chef etwa widersetzen?“ , bohrt er nach, ehe sich wieder ein vertrautes Grinsen auf seine Lippen stiehlt.

Ich seufze, verbiete es mir mit den Augen zu rollen und schüttle dann den Kopf.

Yahiko nickt wohlwollen, zieht amüsiert beide Brauen hoch.

„Abmarsch, Dei. Und solltest du Hidan auf dem Weg, in die Stadt, begegnen, dann sag ihm bitte, er soll sich ein anderes Lokal zum rumpöbeln suchen, heute Abend haben der alte Fugaku und die Jungs vom Nine-Nine einen Tisch reserviert.“

„Ich werds’ ausrichten.“, brumme ich, schmolle ein bisschen in Konans Richtung unterdessen, während ich mir die Schürze von der Hüfte rupfe und meinen Pferdeschwanz löse, meine Haare dafür in einen Halbzopf binde.

„Die Frisur ist süß.“, merkt Konan an.

„Danke.“, entgegne ich knapp, „Hab ich aus einem Ariana Grande - Hair Tutorial.“

Yahiko prustet los und auch Konan sehe ich das erstem Mal lachen heute.

Eine gute Tat am Tag.
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