Trinkgelage

OneshotHumor / P12
Krampus OC (Own Character)
16.09.2018
16.09.2018
1
2238
5
Alle Kapitel
7 Reviews
Dieses Kapitel
4 Reviews
 
 
 
 
Trinkgelage


Taking everything for granted, but we still respect the time
We move along with some new passion knowing everything is fine
And I would wait and watch the hours fall in a hundred separate lines
But I regain repose and wonder how I ended up inside.

Panic! At The Disco - New Perspective





„Was habt ihr mit dem Küchentisch angestellt?“, fragte Mary erneut und sah dabei funkelnd zu Krampus, der ihr ein zuckersüßes Lächeln schenkte.
„Wir haben gezaubert“, meinte er schulterzuckend, so als sei dies ganz offensichtlich und bedürfe keinerlei weiteren Erklärung.
Hinter ihm nickten die drei Belznickel bekräftigend.
„Ach so, sagt das doch gleich“, erwiderte Mary schnippisch und verdrehte die Augen, ehe sie in gespielter Nachdenklichkeit ihren Zeigefinger an die Unterlippe legte. „Ihr habt also gezaubert?“
„Ganz genau, Kätzchen“, bestätigte der Julherr noch immer lächelnd und wirkte dabei recht zufrieden mit sich selbst und seiner notdürftigen Erklärung. „Möchtest du vielleicht etwas trinken? Bier? Wein? Ein Glas Met womöglich?“
Mary zögerte für den Bruchteil einer Sekunde, bevor sie sich schließlich geschlagen gab und leise aufseufzte. Sie ließ sich auf einen der Stühle sinken und schüttelte müde den Kopf. „Bier, bitte.“
Nick lachte hämisch auf. „Damit hätte ich nicht gerechnet, Kätzchen.“
„Nenn' mich noch einmal Kätzchen und ich kratze dir die Augen aus“, fauchte sie ihn an. „An deiner Stelle würde ich mir deine nächsten Worte verdammt gut überlegen, Nick.“
Er sah sie abschätzig an, öffnete den Mund und überlegte es sich offenbar doch anders. Stattdessen schlug Nick die Hacken zusammen und salutierte breit grinsend vor ihr. „Zu Befehl, Miss Burwell!“
„Nick, hör auf mit diesem Theater. Mary, mache dir keine Sorgen. Wir räumen hier später auf“, warf Krampus ein, um die Wogen zu glätten.  
Sie hob skeptisch eine Augenbraue. „Pardon, doch das glaube ich erst, wenn ich es gesehen habe. Genauso wie eure Zaubertricks.“
Peter reichte ihr eine Bierflasche. „Vorher musst du trinken, sonst wird das nämlich nichts mit der Zauberei.“
Luke stimmte ihm lachend zu, ehe er mit Peter und Nick anstieß. Auch der hochgewachsene Teufel schien ein Lachen nicht länger zurückhalten zu können, als er ihre säuerliche Miene bemerkte.
„Hab' dich nicht so, Mary.“ Spitzbübisch zwinkerte Krampus ihr zu. „Ich verspreche dir, dass du es nicht bereuen wirst.“
Sie öffnete die Flasche, setzte an und nahm einen kleinen Schluck. „Schießt los und klärt mich endlich auf, bevor ich es mir doch noch anders überlege. Ich bin ganz Ohr.“
„Also, uns war langweilig und da kam Krampus diese Idee …“, begann Luke und wurde prompt von Krampus durch einen Schlag auf den Hinterkopf zum Schweigen gebracht.
„Die Idee, was genau zu tun?“, hakte die Dunkelhaarige nach und beugte sich zu Luke vor.
„Aua! Wir haben die Dryaden von Fayrlund kontaktiert“, plapperte Luke unbeirrt weiter und rieb sich begriffsstutzig die getroffene Stelle. „Laut Krampus sind das Waldnymphen, allerdings haben wir nur eine dicke Ziege auf zwei Beinen zu sehen bekommen.“
„Den hättest du sehen müssen!“, fiel Nick ihm lachend ins Wort. „Hat getobt wie verrückt das kleine Kerlchen!“
Krampus und die beiden anderen Belznickel stimmten in sein Lachen mit ein.
„Ihr seid ja richtige Helden. Ich verneige mich vor euer Kunstfertigkeit, ihr edlen Magier!“ Mary deutete eine spöttische Verbeugung an. „Weiht mich bitte ein in eure Künste und nehmt mich auf in eure Reihen tapferer Volltrottel!“
„Spar' dir deinen Hohn, Kätzchen.“ Krampus verschränkte beleidigt die Arme vor der Brust. „Aus dir spricht lediglich der Neid. Aber keine Sorge, wir sind nicht nachtragend. Und nun sieh her und staune.“

Krampus fegte mit einer schwungvollen Armbewegung den Tisch leer. Flaschen fielen klirrend zu Boden und kullerten traurig über die hellen Fliesen. Mary warf ihm einen missbilligend Blick zu, sagte jedoch nichts weiter dazu. Der Julherr lächelte entschuldigend, bevor er begann ein kompliziertes und detailliertes Muster direkt auf die Tischplatte zu zeichnen.
„Wow, ich wusste ja gar nicht, dass du so gut malen kannst. Du bist ein wahres Naturtalent, Krampus“, zog sie ihn auf und erntete dafür ein Prusten seitens der Belznickel. „Was wird das, wenn es fertig ist? Sonne, Mond und Sterne?“
Krampus sah sie finster aus zusammen gekniffenen Augen heraus an. „Dass du auch immer das letzte Wort haben musst, Weib.“
Er vollendete seine Kreidezeichnung schweigend, bevor er sich wieder den anderen zuwandte. „Das wäre dann wohl erledigt.“
„Und nun?“, fragte Peter. „Nicht, dass wir wieder bei diesem alten Miesepeter landen.“
„Keine Sorge“, verkündete Krampus gelassen und richtete sich zu seiner vollen Größe auf. „Unsere kleine Mary hier macht das schon. Denk bitte daran, die Worte laut und deutlich auszusprechen, ansonsten wird das nichts. Und nun sprich mir nach …“
Entgeistert sah Mary ihn an. „Wie bitte? Wovon redest du? Welche Worte?“
Krampus ergriff ihre Hand, hob sie von dem Stuhl und tätschelte ihr in einer wohl beruhigend gemeinten Geste die Schulter. „Nun, du hast die große Ehre den Zauber durchzuführen. Bist du bereit?“
„Was?“, warf Mary perplex ein. „Oh nein. Nein, nein, nein. Das kommt überhaupt nicht in Frage.“
Peter reichte ihr ein bis zum Rand gefülltes Glas, dessen Inhalt undefinierbar und mit aller Wahrscheinlichkeit hochprozentig war. „Trink das hier.“
Sie meinte den würzig-herben Geruch von Anis zu erkennen, als sie an dem Getränk roch und wollte bereits dankend ablehnen, da fing Nick an zu gackern.
„Feiges Huhn.“ Nick begann damit, wie ein Hühnchen vor ihr auf und ab zu stolzieren. „Du spuckst große Töne, aber wenn es ans Eingemachte geht ...“
Und weiter kam er nicht mehr, denn Mary setzte das Glas an, unterdrückte einen Würgelaut und leerte es mit wehleidiger Miene. Was auch immer Peter ihr da zusammengebraut hatte, schien es wahrhaftig in sich zu haben. Ihr wurde unverzüglich warm, der Alkohol brannte in ihrer Kehle und eine leichte Benommenheit stellte sich ein, die jedoch wider ihrer Erwartungen nicht nur unangenehm war. Im Geiste machte Mary sich eine Notiz und nahm sich vor, Peter nach der Zusammensetzung zu fragen. Damit könnte er ein kleines Vermögen verdienen.
Mary stellte das Glas auf die Anrichte und sah Nick herausfordernd an. „Okay, ich bin bereit. Also, was soll ich tun?“
Krampus blickte sie mit einem zweideutiges Grinsen an. „Oh, da würden mir eine Menge Dinge einfallen, mein Herz. Doch nichts davon ist jugendfrei oder gehört auch nur im Entferntesten hierher.“
Er drückte ihr den angelaufenen Silberspiegel in die Hand und trat anschließend hinter sie. Mary runzelte die Stirn und musterte argwöhnisch sein Spiegelbild, während sein Grinsen eine Spur breiter wurde und dabei einen Hauch zu vergnügt wirkte. Die Belznickel gesellten sich zu ihnen und versammelten sich im Halbkreis um das ungleiche Paar.
Der Herr der Julzeit räusperte sich und hob gebieterisch die Hand. „Nun sprich mir nach, Mary. Oder obwohl … wenn ich so darüber nachdenke … lieber doch nicht. Ansonsten geraten wir doch noch in Schwierigkeiten. Cáed'mil, bloede dh'oine …  En'ca minne … Ess've vort shaente aen ... Ire lokke, ire tedd … Gwynbleidd, caen me a'baeth aep arse ...“

Sie alle schienen den Atem anzuhalten und die Spannung war geradezu greifbar. Eine lange Minute verging und es geschah überhaupt nichts. Krampus klopfte ungeduldig gegen den Spiegel und fuhr sich dann nachdenklich durch den zerzausten Bart.
„Natürlich“, murmelte er vor sich hin. Er griff nach dem Messer, dass ihrer Aufmerksamkeit bisher gänzlich entgangen war, und sah mit ernster Miene zu Mary. „Ich befürchte, dass wir wohl oder übel eine Art Blutopfer benötigen.“
Sie lachte nervös auf. „Du kannst mich mal kreuzweise, Krampus.“
„Womöglich werde ich später auf dieses überaus verlockende Angebot zurückkommen.“ Ohne mit der Wimper zu zucken, schnitt er sich wie bereits zuvor wieder in die Handfläche und benetzte die Kreidezeichnung mit einigen Tropfen seines Blutes. Er wiederholte die Worte und dieses Mal tat sich etwas im Spiegel.

Beinahe hätte die dunkelhaarige Frau vor Schreck den Spiegel fallen gelassen, als dort plötzlich eine schemenhafte Gestalt zu erkennen war.
Es war ein Mann, welcher ganz in Violett und Purpur gekleidet war. Seine auffällige Kleidung schien geradewegs aus einer längst vergangenen Epoche zu stammen, während die leicht schief sitzende Mütze mitsamt der geschwungenen Feder auf seinem dunklen Haar ihm etwas Verwegenes verlieh. Er saß auf einem gepolstertem Hocker, auf seinem Schoß ruhte eine Laute und er kritzelte geschäftig auf einen Bogen Pergament herum. „Deine Haare sind wie das Licht der Sonne und deine Augen erinnern an die Wälder von Toussaint … Nein, zu übertrieben … Oder doch nicht?“

Der Mann runzelte die Stirn, als er ihre Anwesenheit bemerkte. „Nanu?“
Er legte die Laute auf dem geschnitzten Tischchen neben sich ab, erhob sich und betrachtete den Spiegel vor sich genauer. „Verzeiht mir meine Unverfrorenheit, doch was habt Ihr in meinem Spiegel verloren, meine Dame?“
Krampus pikste ihr auffordernd in die Seite und so sagte Mary das Erstbeste, was ihr in den Sinn kam. „Sitzt Ihr immer vor einem Spiegel beim schreiben und betrachtet Euch selbst?“
Für einen Moment dachte Mary, sie hätte ihn womöglich verärgert, doch ein einnehmendes Lächeln erhellte sein Antlitz.
„Hin und wieder. Wenn ich auf der Suche nach Inspiration bin und meine Muse mir ihre Dienste verweigert ...“, begann er und hielt plötzlich in seinem Monolog inne. Seine Augen glänzten voller Begeisterung, ganz so als sei ihm eine Idee gekommen. „Oh, das ist doch wahrlich ein vortrefflicher Zufall, meine Liebe. Ich schreibe gerade an einer Ballade und ich finde partout nicht die richtigen Worte. Ihr könntet mir dabei helfen! Der Himmel muss Euch geschickt haben!“
Mary biss sich auf die Unterlippe, um nicht los zu lachen und versuchte die sich lautlos vor Lachen krümmenden Gestalten in ihrer Küche zu ignorieren. Sie holte tief Luft und erwiderte sein Lächeln so gut es ihr eben in dieser absurden Situation gelang. Krampus und die Belznickel machten es ihr aber auch nicht gerade leicht. „Wie heißt Ihr eigentlich?“
„Wo sind nur meine Manieren abgeblieben? Meine Dame, erlaubt mir mich vorzustellen: Man nennt mich Rittersporn. Der einzige und wahre Rittersporn. Poet, Barde, Minnesänger und gelegentlich auch Herzensbrecher. Werdet Ihr mir helfen?“ Der selbsternannte Herzensbrecher vollführte eine elegante Vorbeugung, wobei ihm die gefiederte Mütze beinahe vom Haupt gerutscht wäre. „Ich werde Euch auch in meinen Memoiren erwähnen, wenn Ihr es wünscht. Lieder und Gedichte werde ich Euch widmen. Nur bitte, helft mir und die ganze Welt soll von Eurer Güte erfahren!"
„Ich äh, natürlich", gab Mary restlos überfordert zurück. Sie räusperte sich. „Um wa- … wovon handelt Euer Lied?“
„Es ist eine Ballade“, korrigierte Rittersporn sie beiläufig, während er sich wieder aufrichtete. Er strich sich die edlen Kleider glatt und entfernte ein imaginäres Staubkörnchen von seinen bestickten Ärmeln. „Sie handelt von der Liebe, von Leid und Kummer. Mein Herz vermag es nicht, die rechten Worte zu finden. Mit Verlaub, wie darf ich Euch nennen, Liebes?“
Sie warf einen verzweifelten Blick in Richtung Krampus, der jedoch keine sonderlich große Hilfe war. Der Jullord zuckte lediglich mit den Schultern und so nannte sie Rittersporn einfach ihren richtigen Namen. „Ich heiße Mary.“
Rittersporn nickte anerkennend. „Mary, welch' ein passender Name für so ein bezauberndes Geschöpf.“
Krampus hielt sich mittlerweile den Bauch vor lauter Lachen, während sie sich zwang ihr Lächeln aufrechtzuerhalten und versucht war, dem Teufel den Ellenbogen in die Rippengegend zustoßen. „Danke, Herr Rittersporn.“

Und dann fing der Barde an zu erzählen, was es mit seiner Ballade auf sich hatte und zwar ohne Punkt und ohne Komma. Er redete und redete ununterbrochen, sprach von Gott und der Welt. Seine ausschweifenden Geschichten wurden von den passenden Gesten lebhaft untermalt.
Rittersporn war gerade dabei einen seiner offensichtlich zahlreich erlebten Kämpfe auf Leben und Tod zu veranschaulichen, die er selbstredend allesamt gewonnen hatte, und streckte einem unsichtbaren Gegner nieder, da schien Krampus nicht länger an sich halten zu können. Er brach in ein lautstarkes Gelächter aus und Rittersporn schürzte missbilligend die Lippen. „Hört Ihr mir überhaupt zu? Was geht da bei Euch vor sich, meine Liebe?“
Krampus schob sich hinter Mary und war sichtlich um eine ernste Miene bemüht. „Ich bin noch nie zuvor einem so eitlen Pfau begegnet. Ihr wirkt eher wie ein Schürzenjäger als ein wahrer Kämpfer, mein Freund.“
Rittersporn wurde augenblicklich kreidebleich. „Geralt, Schnell! Hol' sofort dein Silberschwert! IN MEINEM SPIEGEL BEFINDET SICH EIN TEUFEL!“
Nun konnte auch Mary sich nicht länger zusammenreißen. Der Anblick des zutiefst verschreckten Rittersporn war einfach zu viel. Mit einer flinken Handbewegung verwischte Krampus die Kreidezeichnung und das Abbild des Poeten in Nöten verschwand.
Die Belznickel schüttelten sich vor lachen, bis schließlich Nick das Wort ergriff. „Darauf müssen wir trinken!“
Krampus schenkte ihnen Met ein und hielt die Flasche triumphierend wie einen Pokal in die Höhe. „Auf den einzig wahren Rittersporn!“
Review schreiben